Von Ralf
Dänzer ©
Werbeanzeigen von Atomic und Scubapro
haben seit kurzem nicht mehr nur Jackets oder Atemregler zum Thema. Nein
– Flossen sind wieder in. Doch irgendwie sehen die Modelle etwas anders
aus als die klassischen Vortriebsinstrumente, die bisher in den Läden
hingen. "Bio Fins" oder "Split Fins" heißen die
neuen Produkte in den USA. Was ist das Neue an diesen Flossen, und bringen
Sie was?
 Foil Force FinTM, Foto: © Force Fin
Die Idee
Bei klassischen Flossen muss bei der
Auf- und Abwärtsbewegung aufgrund des geschlossenen Flossenblattes
eine große Fläche bewegt und damit verbunden natürlich
auch gegen einen hohen Widerstand des Wassers "gekämpft"
werden. Da aber beim Aufwärtsschlag die Muskeln in einer sehr "angestrengten"
Position geführt werden (Bein gestreckt und Muskeln angespannt), führt
dies einerseits zu relativ geringem Vortrieb und andererseits zu steigender
Anfälligkeit für Muskelkrämpfe.
Die Bio Fins brechen mit der bisherigen
Art und Weise, denn bei ihnen ist das Flossenblatt geteilt. Dies bedeutet,
dass man nicht, wie mit den klassischen Flossen, ständig gegen eine
Wassersäule antreten muss. Die Flosse teilt sich nämlich und
gibt nach bzw. das Blatt öffnet sich, und das Bewegen der Flosse wird
einfacher – frei nach dem Motto: "Der Klügere gibt nach."
Zusätzlich soll durch das "Split-Design"
eine Beschleunigung des Wassers erfolgen, was den Vortrieb, gemäß
den Marketingaussagen der Hersteller, entscheidend verbessert. "Propeller
Effekt" nennen manche Flossenschmieden dieses Verhalten.
 Apollo Bio-fin, Foto: © Apollo Sports
Ein weiterer Aspekt, der z. B. bei
der Foilforce von Force Fin umgesetzt wurde, ist eine "etwas aussergewöhnliche"
Form des Flossenblatts (siehe hierzu http://www.forcefin.com/.
Diese Form führt dazu, dass die Flosse beim Aufwärtsschlag "zusammenklappt"
und somit bei dieser eh sehr uneffektiven Bewegung der Wasserwiderstand
weiter verringert, Kraft gespart und die Anfälligkeit für Krämpfe
reduziert werden.
Allerdings benötigt man für
die richtige Beherrschung der neuen "Fußkleider" eine andere
Schwimmtechnik. Diese entspricht mehr einer Art "Radfahrbewegung".
Also nicht dem bekannten ruhigen, weiten Durchziehen der Flosse mit gestreckten
Beinen, sondern eher kurzen, schnellen Schlägen aus dem Fußgelenk
heraus (eine schöne Videodarstellung findet sich unter http://www.apollosportsusa.com/biofin.html).
Das Erlernen dieser Technik dauert im Schnitt einige Tauchgänge. Während
dieser Zeit sind manche Besitzer eher frustriert als begeistert.
 Foil Force FinTM, Foto: © Force Fin
Grundsätzlich hört sich das
alles ja ganz logisch an, aber wie weit klaffen Theorie und Praxis auseinander?
Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als die Flossen selbst
zu testen.
Die Vorteile
Ist man das erste Mal mit den neuen
Flossen unterwegs, denkt man, man hätte eigentlich gar keine Flossen
am Bein und wäre barfuß in der Unterwasserwelt unterwegs. Hier
liegt ein deutlicher Unterschied zu den bisherigen Flossen, und die Vorteile
des Designs machen sich stark bemerkbar. Durch die Leichtigkeit des Schlags
treten auch weniger Krämpfe der Muskulatur auf. So weit scheint die
Praxis tatsächlich mit der Marketingtheorie übereinzustimmen.
Einige Taucher berichten außerdem, dass ihr Luftverbrauch sich durch
die neuen Flossen um ca. 15-20 % reduziert habe. Andere hingegen konnten
keinen direkten Einfluss auf den Luftverbrauch bemerken. Dies ist ein schwieriger
Punkt, da natürlich die Art und Trageweise der Ausrüstung sowie
die körperliche Fitness ebenfalls intensiv über den Luftverbrauch
mitentscheiden.
Ein weiterer Vorteil, der von den Herstellern
beworben wird, ist die höhere Geschwindigkeit, die man mit den Flossen
erreichen soll. Testet man eine herkömmliche Flosse gegenüber
einer Split Fin, so meint man deutlich langsamer zu sein. Tatsächlich
jedoch hat ein Selbstversuch ergeben, dass auf einer Strecke von 25 Metern
durchaus 2-3 Sekunden Vorteil erzielbar waren. Erstaunlich trotz der gegensätzlichen
Empfindung.
Nun gut, die Flossen scheinen also
zu funktionieren, sparen Luft, reduzieren Krämpfe, sind schneller
– somit wäre der Weg in den Tauchladen vorprogrammiert, wenn es da
nicht auch noch Nachteile gäbe…
Die Nachteile
Grundsätzlich gilt für die
meisten Split Fins, dass sie momentan noch sehr teuer sind. Meist beginnen
die Preise bei ca. DM 270,-. Im Vergleich zu einer Mares Plana Avanti quattro
beispielsweise ist das doch schon eine ganze Stange Geld.
Ein weiterer Nachteil, der mit der
Zeit überwunden wird, ist die nötige Umstellung des Flossenschlags.
Des weiteren sind die Split Fins für manche Flossenschlagtechnik nicht
so gut geeignet wie die klassische Version. Hier sollte also ein Testen
der Flossen vor dem Kauf unbedingt erfolgen. Zusätzlich sollte man
auch bereit sein, an seiner Flossentechnik zu arbeiten, um das Optimum
aus der Flosse herauszuholen.
Vereinzelt wird von Tauchern berichtet,
dass das Anschwimmen gegen eine Strömung schwieriger sei als mit herkömmlichen
Flossen. Dies mag an der Weichheit der Flossen liegen, hat aber auch sicherlich
etwas mit der schon beschriebenen Technik des Schwimmens zu tun. Nicht
jeder, der eine Split Fin sein Eigen nennt, hat sofort den perfekten Flossenschlag
drauf. Wenn er dann bei einem Tauchgang deshalb langsamer ist, meinen die
Mittaucher natürlich, es läge an der Flosse.
Das Fazit
Allgemein können Split Fins schon
als eine kleine Revolution bezeichnet werden. Sie vermitteln ein völlig
neues Tauchgefühl und haben nachweisbare Vorteile. Allerdings sind
sie bisher noch teuer, und man muss bereit sein, seinen Schwimmstil zu
ändern.
Es muss also jeder Taucher für
sich entscheiden, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen. Vor dem
Kauf sollte man die Flossen deshalb unbedingt testen, um sicher zu sein,
dass man damit zurecht kommt. Interessant ist insbesondere der Versuch,
an einem Bein eine herkömmliche Flosse zu tragen und am anderen eine
Split Fin. Hier sind die Fachhändler gefragt, interessierten Kunden
derartige Produkte zum Gratistest anzubieten.
Darüber hinaus sollte sich aber
jeder Taucher auch selbst prüfen, ob er die psychische Stabilität
hat, mit diesen Flossen auf Tauchtour zu gehen. Wieso das? Ganz einfach.
Spätestens am Tauchplatz wird man garantiert auf die Flossen angesprochen:
"Was sind das überhaupt für Dinger…?", und: "Die
taugen doch gar nichts, nur Geldschneiderei!" Hat der Skeptiker die
Flossen dann mal kurz testen dürfen, hört er sich danach meist
etwas anders an: "Hmmm, eigentlich gar nicht so schlecht…"
Aufstellung der Anbieter (keine
Garantie auf Vollständigkeit)
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