Hypothermie

 Geschrieben von Jessica

Von Jessica Brühl ©

Einer der größten Feinde des Tauchers ist die Kälte. Unsere Anzüge schützen uns vor spontaner Auskühlung. Trotzdem verlieren wir im Wasser sehr große Mengen an Wärme, weil es extrem wärmeleitfähig ist. Bereits bei 20 Grad Wassertemperatur verlieren wir ungeschützt etwa viermal so viel Wärme wie im Trockenen.

Der aktive Kälteschutz beginnt, wenn die Thermorezeptoren der Haut (das sind Nervenbereiche, die Temperaturreize registrieren) ein Temperaturgefälle an das Gehirn melden.

Die Körperkerntemperatur unterliegt alters- und tageszeitabhängigen Schwankungen. Morgens liegt sie etwa 0,5 Grad niedriger als am Abend. Durchschnittlich beträgt sie 37 Grad Celsius. Unabhängig von dieser natürlichen Schwankung beeinflussen auch andere Faktoren die normale Körpertemperatur, wie z. B. Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, Muskelarbeit und Wärmeleitfähigkeit des umgebenden Mediums. Wie bereits erwähnt, ist Wasser sehr leitfähig.

Setzen wir unseren Körper einer niedrigeren Temperatur als der des Körperkerns aus, was beim Tauchen fast immer der Fall ist, egal wo auf der Welt man sich gerade befindet, fährt er den Stoffwechsel hoch. Die Muskeln verrichten Arbeit, die Wärme erzeugen soll; sie beginnen unwillkürlich zu zittern, und es entsteht eine Gänsehaut - wir frieren. Dieses Frieren ist ein Vorbote der Unterkühlung.

Zusätzlich versucht der Körper, einer weiteren Auskühlung entgegenzuwirken, indem er die Gefäße der Haut und der Extremitäten eng stellt, also den Durchmesser der betreffenden Blutgefäße vermindert und damit den Blutdurchfluss und die Wärmeabgabe reduziert. Das Blut, das vorher in diesen Gefäßen zirkuliert ist, wird ins Körperinnere umgeleitet. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, dass während des Tauchens ein verstärkter Harndrang auftritt: Das aus den oberflächlichen Gefäßen und den Extremitäten ins Körperinnere geführte Blut erhöht geringfügig das Blutvolumen in den Herzvorhöfen. Dort sitzen Rezeptoren, die den Flüssigkeitshaushalt des Körpers kontrollieren. Sie signalisieren den Nieren, vermehrt Harn zu produzieren, um den scheinbar zu hohen Flüssigkeitsgehalt des Körpers auszugleichen.

Allgemein werden drei Phasen der Unterkühlung unterschieden:

Phase I (Abwehrphase):

  • Kerntemperatur 37°-34° C
  • Zittern, Gänsehaut
  • erhöhte Atemfrequenz
  • erhöhter Pulsschlag
  • gesteigerter Blutdruck

Phase II (Erschöpfungsphase):

  • Kerntemperatur 34°-31° C
  • Puls- und Blutdruckabfall
  • Müdigkeit
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Muskelstarre
  • Herzrhythmusstörungen
  • Gliederschmerzen
  • Angst- und Engegefühl

Phase III (Lähmungsphase)

  • Kerntemperatur 31°-22° C
  • Nachlassen der Schmerzen
  • Hirnschwellung (Oedem)
  • Reflexlosigkeit
  • Atemstillstand
  • Herzstillstand
  • Tod

Generell sollte man bedenken, dass bei unterkühlten Tauchern die Stickstoffentsättigung der Gewebe durch die Engstellung der äußeren Gefäße und der Extremitäten und die dadurch verminderte Durchblutung, deutlich verzögert ist. So steigt trotz Einhaltung aller Grundregeln des Austauchens die Gefahr, einen Dekompressionsunfall zu erleiden.

Vorbeugung:

  • ausreichende Wärmedämmung durch gut sitzenden Tauchanzug (ggf. Trockentauchanzug)
  • Abbruch des Tauchganges bei Auftreten von Kältegefühl und Muskelzittern
  • Bewegung, z. B. durch verstärkte Schwimmbewegung, fördert die Wärmebildung nur vorübergehend
  • kein Alkohol vor Tauchgängen, da sich die peripheren Blutgefäße unter Alkoholeinwirkung erweitern, so dass vermehrt Wärme abgegeben wird

Behandlung:

  • Wasser verlassen
  • wärmere Umgebung aufsuchen
  • nasse Kleidung entfernen
  • Wärmezufuhr, z. B. Decken; warme, leicht gezuckerte Getränke (nicht alkoholisch); körperwarme (nicht heiße!) Vollbäder sofern möglich
  • ggf. Reanimation unter Sauerstoffatmung, erschütterungsarmer Transport
  • Unterbleiben sollte auf jeden Fall das Massieren oder Reiben von unterkühltem Gewebe, da dies das Gewebe nur weiter schädigt!

Fazit:

Die Auskühlung birgt eine Menge Risiken für den Taucher. Eine Anpassung der Ausrüstung (Art und Stärke des Tauchanzuges, der Handschuhe, Kopfhaube und nicht zuletzt der Füßlinge/Neoprensocken) an das entsprechende Gewässer ist unbedingt erforderlich. Dabei sollten auch die Konstitution und das individuelle Kälteempfinden einbezogen werden. Manch einer taucht im Shorty auf den Malediven, andere frieren dort noch im 7 mm-Halbtrocki.

Bei ersten Anzeichen von Unterkühlung sollte der Tauchgang beendet werden, damit sich daraus nicht schnell Phase II oder gar III entwickelt. Falscher Stolz ist hier vollkommen fehl am Platz, er gefährdet nur die eigene Gesundheit. Im harmlosesten Fall holt man sich "nur" eine Erkältung.


Infos

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27.05.2012 04:15 Taucher Online : 46
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