Von Anita Sprungk
©
Was machte das Wochenende vom 15.-17. September zu etwas
Besonderem? Richtig, das Drittte Hochoffzielle Treffen von Taucher.Net-Lesern
und Taucher.Net-Redakteuren – diesmal im tiefsten Süden Deutschlands
(zwecks ausgleichender Gerechtigkeit nach der Hemmoor-Veranstaltung im
April), genauer in Bayern am Walchensee.
• Erstklassig organisiert und vorbereitet von Herbert
(tausend Dank!).
• Notfallmedizinisch abgedeckt von Jessica und ihrem zum
Platzen gefüllten Sauerstoff-Koffer (wurde zum Glück nicht gebraucht
und leider nicht fotografiert, als sie ihn nach Demonstration von Inhalt
und Funktion wieder schließen wollte *ggg*).
• Nur sehr unzureichend dokumentiert von drei schussbereiten
Kameras über Wasser (nächstes Mal bringt jeder seine Knipskiste
mit, klar?!) und nicht einer einzigen unter Wasser (Nowo, deine Tauchschule
taucht nix!).
• Mit viel Spaß genossen von allen Beteiligten:
Andy (Nowo), Anita, Dirk (Navigator), Jan, Jessica, Harry, Herbert, Olaf,
Peggy, Stefan, Thomas (in alphabetischer Reihenfolge – mangels Leih-UW-Kamera
war Andy diesmal natürlich nicht der Wichtigste ;-))
• Von allen unbeschadet überstanden (Erkältungen
zählen nicht, auch wenn sie auf ungeeignete Schutzkleidung beim Tauchen
zurückzuführen sind…).

(Fast) alle auf einen Blick: Jan, Harry, Stefan,
Anita, Dirk, Olaf, Jessica, Andy, Peggy, Herbert (v.l.n.r.). Eigentlich
hing uns der Magen schon in den Kniekehlen, aber wenigstens ein Gruppenfoto
sollte sein… Foto: © Thomas Kleemann
Die ersten (sprich: Stefan und ich) zuckelten schon am
Mittwoch, den 13. September um 7:30 Uhr in Schleswig-Holstein los. Angesichts
der langen Anreise wollten wir die nähere bis mittlere Umgebung des
Walchensees nicht nur aus der Unterwasser-Perspektive betrachten und uns
am Donnerstag wandernd-kletternder Weise von der stundenlangen Autofahrerei
erholen. Nach nahezu stress- und völlig staufreier Anfahrt – ein bisschen
nervig wurde es in München (wieso kommt man da eigentlich nicht anständig
drumherum, liebe Bayern? Hier fehlt ganz eindeutig ein Autobahnring) –
konnten wir den Donnerstag bis exakt 16:04 Uhr bei allerschönstem
Wetter genießen. Der Ausblick auf Schloss Neuschwanstein und die
Besucherschlangen, die im Schlosshof stundenlang auf Einlass warteten,
war von hoch oben ausgesprochen lohnend, ebenso das Schaulaufen überwiegend
japanischer und amerikanischer Touris im Ort zu Füßen der Königsschlösser.
Tja, und dann um 16:04 Uhr klingelte das Händie, und wir wurden jäh
wieder in die raue Wirklichkeit des Taucher.Net-Treffens zurückgerissen.
O-Ton Jessica: "Wir sind jetzt hier, und wo seid ihr? Treffen wir
uns zum Abendessen?" Fast zeitgleich zogen drohend die ersten Wolken
auf…
19:30 Uhr standen wir – jetzt bereits zu sechst, denn
Olaf, Jessica und Peggy waren zusammen angereist (wie haben die bloß
ihr ganzes Zeug in das kleine Auto gekriegt?), und Dirk war auch bereits
eingetrudelt – im Foyer des Hotels, entschieden uns schnell für ein
italienisches Restaurant und hielten dort einen ersten ausgiebigen Klönschnack.
Worüber? Na, Tauchen natürlich – und Tauchtechnik – und Rebreather
– und J.K. Bei letzterem schieden sich dann die Geister – große Begeisterung
bei den einen, "komm mir bloß nicht mit dem" bei den andern…
Bevor so richtig die Fetzen fliegen konnten ;-), einigten wir uns darauf,
die nötige Bettschwere erreicht zu haben und ins Hotel zurückzufahren.
"Frühstück zwischen acht und halb neun", hieß
es noch, und dann herrschte in den Zimmern tiefe Stille (bis auf das lästige
Gesirre der Mücken, die mich partout anzapfen wollten).
Freitag, 15. September
Als erstes Tauchziel am Freitag – noch bei schönstem
Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen – hatten wir uns den Kochelsee
vorgenommen. Herbert machte uns aber einen Strich durch die Rechnung: "Lohnt
nicht, ist eine trübe Brühe", ließ er uns telefonisch
wissen. "Fahrt zu Tom nach Einsiedl am Walchensee und lasst euch von
dem ein paar Tipps geben." Na schön, Herbert muss es ja wissen,
ist ja schließlich "sein" See (stolz genug ist er drauf
*g*). Von mir aus hätte ich Toms Bude sicher als nicht vertrauenswürdig
abgetan, aber der erste Eindruck trügt; der Laden scheint in Ordnung
zu sein :-)
Toms Tauchtipps für diesen Tag erwiesen sich trotzdem
nicht unbedingt als die Renner – das lag nicht an ihm, sondern an der bescheidenen
Sichtweite (1-3 m) im Flachwasserbereich bis 13 m und den abartig scheuen
Fischen im Walchensee. Die Biester ließen sich einfach nicht blicken,
nur drei dicke Flussbarsche mit bilderbuchartig aufgestellten Rückenflossen
kreuzten unseren Weg. Wahrscheinlich wollten sie ihrer Namenscousine "Hallo"
sagen (mit anderen Worten: Ohne mich hätte keiner die drei zu sehen
bekommen, ist doch wohl klar, oder?).
Peggy – unser kleiner Pechvogel – lieferte den Beweis
dafür, dass selbst der tollste luftintegrierte Tauchcomputer völlig
wertlos ist, wenn so was Simples wie die Schnellkupplung nicht funktioniert.
Zum Glück konnte Dirk ein Fini entbehren und ich meinen mechanischen
Tiefenmesser, und so konnte sie doch noch mit uns abtauchen.

Peggy im Glück – Compi kaputt, Füßlinge
im Hotel vergessen, trotzdem tolle Tauchgänge gemacht. Nicht zuletzt
mit tatkräftiger Hilfe von Dirk "Navigator". Fotos: ©
Harald Mathae, © Thomas Kleemann
Mit Müh und Not erreichten wir abends nach dem zweiten
Tauchgang gerade noch rechtzeitig zum verabredeten Zeitpunkt das Hotel,
wo der Rest der Bande bereits auf uns wartete. Ein bisschen wurde ihre
Geduld noch strapaziert – erst mal wanderte das nasse Tauchgerödel
in den Heizungskeller der Hotelwirtin (ausgesprochen nett und zuvorkommend
von ihr, uns diesen Trockenplatz zur Verfügung zu stellen, obwohl
er in ihren Privaträumen lag:-)), dann hieß es noch in Windeseile
duschen. Auf die Frage, wohin es denn zum Essen gehe, erzählte irgendwer
was von "Grießbrei". Wer Bayrisch kann, errät, dass
es sich um ein Bierlokal handeln muss, dessen Name natürlich anders
geschrieben, aber (wir haben's alle gehört ;-)) genau so ausgesprochen
wird. Urig war's, nett war's, laut war's, immer lauter wurde es im Laufe
des Abends (nein, nicht wir haben den größten Lärm gemacht),
und am nächsten Morgen am Frühstückstisch waren alle mehr
oder weniger übernächtigt und einer heiser (was musst du auch
so viel quatschen, Thomas).
Samstag, 16. September
Trotzdem wurde die Frühstücksrunde schnell munter.
Es reichte sogar für einen Schnellkurs in Bayerisch
– mit Andreas hatten wir immerhin einen "echten" Bayern dabei
–, und wir wissen jetzt alle, was Oachkatzerlschwoaf heißt und dass
Germ keine bayerische Bezeichnung für Hefe ist…
Gut, dass so ein Bayrisch-Kurs Laune macht, denn das Wetter
war inzwischen umgeschlagen. Der Himmel zog sich langsam, aber sicher zu.
Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Tanke (Mineralwasser tanken) und
am Tauchshop in Kochel (Flaschen füllen und Compi für Peggy ausleihen)
ging es direkt an die bekannte, berühmte und zu Recht nicht als Gartenmäuerchen
zu bezeichnende Galerie.

Herbert: "Jetzt kriegt ihr endlich mal 'ne
richtige Steilwand zu sehen! Nicht so'n Gartenmäuerchen wie
in Hemmoor." Foto: © Harald Mathae

Noch ist allen warm… Oben: Anita und Stefan beim
Anrödeln. Darunter: Harry mit schussbereiter Kamera, Herbert, Jessica
und Peggy. Die beiden Damen können's kaum noch erwarten, ins Wasser
zu kommen, aber die Trockentaucher lassen sich Zeit. Fotos: © Thomas
Kleemann
Der etwas klein geratene Parkplatz war dank der ebenfalls
etwas klein geratenen Lufttemperatur (etwa 11 Grad – grrrr) erst überfüllt,
als unsere Autos auch drauf standen. Beim Anrödeln gab es für
unser Pechvögelchen Peggy dann ein böses Erwachen: Ihre Füßlinge
standen warm und trocken im Heizungskeller des Hotels, und sie stand bibbernd
vor der Wahl, entweder das Wasser von oben anzuschmachten, sich die Zehen
abzufrieren oder nach barmherzigen Mittauchern mit gleicher Schuhgröße
und gerade nicht benötigten Füßlingen zu suchen. Sie entschied
sich für Letzteres – mit Erfolg.
Als endlich alle angerödelt waren, sah es erst mal
nach Rudeltauchen aus: Die ersten paddelten schon im Wasser, und auf der
Einstiegstreppe staute sich die Schlange derer, die ebenfalls hinein wollten:
"Wer trödelt da vorn denn bloß so lange rum?" Aber
dann ging das Abtauchen zügig. Fast alle rutschten runter zu dem alten
Ford, nur drei konnten der Versuchung widerstehen. Ich fürchte allerdings,
dass eben diese drei nicht ganz unschuldig daran sind, dass sogar Harry
sein im Taucher.Net öffentlich verkündigtes Tiefenlimit überschritt.
Sie lehnten nämlich sein großzügiges Angebot, sie zu begleiten,
falls sie sich unsicher fühlten, ab: "Nein, danke, wir kommen
schon zurecht! Viel Spaß!" Also blieb ihm gar nichts anderes
übrig, als dem Rest der Bande in die Tiefe zu folgen *ggg*. Es wurde
allerdings auch berichtet, dass er nach Besichtigung besagten Autos, das
auf knapp 40 m liegt, "fluchtartig" die 29,5-m-Linie anpeilte…
Zwei ganz Verrückten lag nicht einmal der Ford tief genug.

Brrrrrrr, kalt war's, aber schööööööön.
Foto: © Harald Mathae
Hier an der Galerie zeigte sich der Walchensee von deutlich
freundlicherer Seite als am Tag zuvor. Unterhalb von zwölf Metern
wurde die Sicht besser, ab 20 m konnte man sich gar einbilden, in glasklarem
Wasser zu schweben. Schon beeindruckend, wenn der Lichtkegel der Lampe
sich irgendwo weit unter einem im schwarzen Nichts verliert. Mindestens
ebenso beeindruckend aber leider auch die Wassertemperatur. Nach dem Ausstieg
war für die Nicht-Trockentaucher erst mal Bibbern angesagt, bis Kakao
und heiße Kartoffelsuppe im Gasthof in Einsiedl – direkt neben Toms
Bude – die Kälte wieder einigermaßen aus dem Körper vertrieben
hatten.
Dabei sollte es denn für die meisten auch bleiben,
denn während wir uns drinnen aufwärmten, ging draußen die
Welt unter: Ein mächtiges Gewitter entlud sich, kaum dass alle im
Trockenen saßen. Und als ob der Walchensee nicht schon kalt genug
wäre, wurden kübelweise kirschkerngroße Eisbrocken von
oben ins Wasser abgeladen. Gar nicht nett. "Jedes Gewitter ist irgendwann
vorbei", sagten sich drei Verwegene und zogen trotzdem los zum Steinbruch.
Sie behielten Recht, und infolgedessen wäre Dirk fast erblindet: Da
steht doch auf ca. 32 m in nahezu völliger Finsternis so ein blöder
Spiegel rum, tarnt sich als Schreibtafel und verlockt fieser Weise dazu,
direkt mit der Lampe draufzuleuchten…
Bis auf Andy, Jessica und Peggy, die das Freizeitbad in
Kochel auf seine Apnoe-Tauchtauglichkeit hin untersuchten, fuhren wir anderen
alle zurück ins Hotel. Uns muss eine Menge Spaß entgangen sein,
den euphorischen Berichten der drei von ihren Apnoe-Rekordversuchen nach
zu urteilen.

Beim Abendessen: Thomas, Andy, Herbert, Peggy,
Jessica, Dirk. Foto: © Harald Mathae
Das gemeinsame Abendessen wurde in einem gemütlichen
Landgasthaus irgendwo in der bayrischen Walachei eingenommen, bei moderatem
Geräuschpegel, seeeehr reichhaltigen Portionen und nach allgemeinem
Bekunden exzellenter Küche – bayerisch deftig, aber gut. Allzu lang
wurde der Abend trotz lebhafter Unterhaltung nicht, denn alle waren ziemlich
müde; daran konnte auch der erstklassige Espresso nichts mehr ändern.
Vor der Rückfahrt ins Hotel einigten wir uns noch schnell darauf,
den nächsten Tag entgegen der ursprünglichen Planung wieder am
Walchensee zu verbringen, da der Starnberger See mit gewissen Unannehmlichkeiten
aufzuwarten drohte: Tauchgerödel am Ufer abladen, Wagen zwei Kilometer
wegfahren, zwei Kilometer ans Ufer zurückmarschieren und nach dem
Tauchgang das Ganze noch mal umgekehrt – "Nein, danke!", lautete
der einstimmige Kommentar.
Sonntag, 17. September
Igitt, es regnet, mal stärker, mal schwächer,
aber anhaltend ohne Pause. Igitt, es ist kalt und windig. Igitt, die Tauchklamotten
sind trotz Lagerung im Heizungskeller reichlich klamm. Und da sollen wir
noch mal ins Wasser? In diese eisigen Fluten?? Na klar :-) Nur Olaf konnte
diesen Aussichten überhaupt nichts Verlockendes abgewinnen, und Harry
entschloss sich sogar zur Heimfahrt direkt nach dem Frühstück.
Alle anderen lieferten erneut den Beweis: Taucher sind masochistisch veranlagte
Bekloppte.

Warum denn immer nur in die Tiefe streben? Dirk
und Jan zeigen, dass man am Walchensee auch beachtliche Höhen erklimmen
kann. Foto: © Thomas Kleemann
Immerhin, auch der Tauchplatz am Steinbruch erwies sich
als von beeindruckender Schönheit – wenn es nur nicht so barbarisch
kalt gewesen wäre: neun Grad auf 33 m. Das war selbst für Stefan
zu wenig, der bisher angeblich gar nicht wusste, was Frieren
heißt (jetzt weiß er's, und es ist beschlossene Sache: Ein
Trocki wird angeschafft, besser gesagt zwei, ich brauch ja auch einen).
Und verflixt noch mal, warum verstecken sich die vielen Fische, die sich
angeblich im See tummeln, vor uns? Manche wollen zwar Forellen gesehen
haben, aber vor unseren Masken tanzten immer nur Wasserflöhe herum.
Beim anschließenden Aufwärm-Essen im Einsiedler
Gasthof gingen die Logbücher rum, denn die ersten (nein, nicht ganz
die ersten; Harry war ja schon am Morgen zurückgefahren) wollten anschließend
die Heimreise antreten. Natürlich bekam Herbert unsere Logbücher
in die Finger, und natürlich entdeckten seine freudestrahlenden Augen
dort eine Zahl, die ihm ungemein gefiel: "Ha, habt ihr also auch die
30 m überschritten!" Wat'n Wunner mitunner, wo darüber doch
bloß trübe Brühe schwappt; wir hatten uns natürlich
nur in der Hoffnung auf eine Fischsichtung so weit in die Tiefe
gewagt ;-)


So macht Aufwärmen richtig Spaß: Im
Gasthof von Einsiedl hieß es vermutlich nur noch: "Die bekloppten
Taucher kommen!", wenn wir aufkreuzten. Oben: Anita, Stefan, Thomas
und Peggy. Foto: © Jan. Darunter: Jessica, Jan und Andy. Foto: ©
Thomas Kleemann

Die "Raucherecke" (mit Nichtraucher-Beteiligung):
Jan, Dirk, Herbert, Harry und Andy. Foto: © Thomas Kleemann
Einige wenige zog es noch ein zweites Mal an die Galerie.
Wir aber klinkten uns aus und entschlossen uns angesichts des mistigen
Wetters, Bayern noch am selben Abend Lebewohl zu sagen. Bis auf den fast
durchgängigen Stau auf der A8 zwischen München und Ulm lief die
Heimfahrt super, und Montag morgen um halb drei hatte Norderstedt uns wieder.
Unsere Katzen bereiteten uns einen begeisterten Empfang und drängten
sich als lebende Wärmflaschen zum Zweck der Erkältungsvorbeugung
auf. Hat funktioniert *ggg*. Warum es bei Jessica, die sich auch zwei lebende
Wärmflaschen hält, nicht funktioniert hat, bleibt das Geheimnis
ihrer Stubentiger.
Fazit: Das Taucher.Net-Treffen hat sich auch diesmal wieder
gelohnt und schreit nach baldiger Wiederholung :-) |