| © 2004 Oliver Meise
Dieses Wrack war einmal ein deutsches Unterseeboot. Es gehörte
zum 769ts maximal großen Typ VIIC und beruhte auf dem Entwurf 1937/38
für Hochsee-Tauchboote. Schiffsbautechnisch waren die VIIC- Boote
67,10m lange und 6,20m breite Einhüllenboote mit Satteltank, wobei
sich Trimm-,Tauch- und Bunkerzellen sowohl im Satteltank wie auch in Back
und Achterschiff befanden. Neben diesem U-Boot wurden noch 568 weitere
U-Boote des gleichen Typs in Dienst gestellt und bildeten so das Rückgrat
der deutschen U-Bootwaffe.

Dieses am 9. Oktober 1939 bestellte Unterseeboot erblickte das Licht
der Welt, als am 11. März 1940 auf der Werft der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
in Flensburg ein Kiel für ein Konstruktionsvorhaben mit der Baunummer
471 gestreckt wurde. Hierauf wurde Spant auf Spant errichtet und eine nach
der anderen vorgefertigten Stahlplatte wurde auf ihnen verschweißt.
Die eingebauten Maschinen waren zwei aufgeladene Sechszylinder-Viertaktdiesel
F 46 der Germaniawerft mit einer Leistung von bis zu 3.200 PSe, die natürlich
nur in Überwasserfahrt erzielt werden konnte.
 
Vorder- und Seitenansichten während des Einsetzens
durch das Dieselluk
Album K.Heuser, Bilder über Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Für die Unterwasserfahrt wurde auch noch eine E-Maschinenanlage
eingebaut. Diese bestand aus zwei Doppelmaschinen der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft
AEG des Typs GU 460/8-276 und zwei Sätzen von je 62 Akkumulatoren-Batterien
des Typs 33 MAL 800 W der Firma "Aktiengesellschaft für Akkumulatoren"
in Hagen. Jede dieser Akku-Zellen konnte maximal 9.160 Amperestunden fassen.
Dies bescherte dem E-Antrieb eine Leistung von 750 PSe und sorgte für
eine Unterwasser-Höchstgeschwindigkeit von 7,6 Knoten. Über Wasser
war man da schneller und erreichte immerhin bis zu 17,7 Knoten Maximalgeschwindigkeit.
Fuhr man mit der sparsamen Reisegeschwindigkeit von 10 Knoten, reichte
das bei dem Verbrauch sämtlicher 113,5t Treiböl an Bord für
eine Reichweite von 8.500 Seemeilen. Unter Wasser kam man lange nicht soweit.
Fuhr man mit vier Knoten Geschwindigkeit, reichte der Strom in den Akkus
gerade mal für 80 Seemeilen. Fuhr man aber nur zwei Knoten, kam man
immerhin 130 Seemeilen weit. Zur Torpedowaffe gehörten im Bug vier
53,3cm-Torpedorohre und im Heck ein Torpedorohr gleichen Kalibers. Diese konnten
insgesamt 14 mitgeführte Torpedos verschießen. Anders als die
meisten Schwesterboote hatte dieses Boot keine Vorrichtung zum Legen von
Minen durch die Torpedorohre mehr. Die artilleristische Bewaffnung dieses
U-Bootes kam erst nach Beendigung aller Arbeiten am Boot selbst und dem
Stapellauf am 7. Mai 1941 an Bord und bestand im wesentlichen aus dem vor
dem Turm aufgestellten 8,8cm/L45 C/35-Schnellfeuerkanone in Torpedobootslafette
und 220 mitgeführten Granaten, sowie aus einer einzelnen 2cm-Flak
C/30 in einer Lafette LC 30/37 im Wintergarten. Am 26. Juli 1941 folgte
die Werft-Probefahrt.
U 352 auf Probefahrt
Album K.Heuser, Bild von Stiftung
Traditionsarchiv
Unterseeboote
Hieran schloß sich am 15. August 1941 die Übergabefahrt an
die Kriegsmarine an. Nach Übernahme von der Werft nahm die seit Sommer
1941 bei der Kriegschiffbaulehrabteilung für Unterseeboote Ostsee
in Kiel in Baubelehrung befindliche Besatzung aus vier Offizieren sowie
40 Unteroffizieren und Mannschaften das Boot mit der Feldpostnummer M 45428
in Besitz und stellte es am 28. August 1941 mit der taktischen Kennung
U 352 in Dienst.
U 352 wird Indienstgestellt
Album K.Heuser, Bild von Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Kommandant wurde der 32-jährige Kapitänleutnant Hellmut Rathke.
Dieser war gebürtiger Ostpreuße und gehörte dem Marine-Jahrgang
1930 an.
Bild: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Seit 1935 aktiv auf Überwassereinheiten der Kriegsmarine gedient, war er auf ihnen zweimal rund um den Globus gefahren. Kurz nachdem man
ihm das Kommando über das im Bau befindliche U 352 anvertraut hatte,
verletzte er sich bei einem Skiunfall, so daß er die Baubelehrung
zT. in einem Rollstuhl absolvierte. Drei Tage vor der Indienststellung
des Bootes hatte die Stadt Flensburg beschlossen, die Patenschaft für
U-Rathke zu übernehmen. Das Boot bekam nun als Bootswappen das Stadtwappen
von Flensburg.

Zusätzlich wurde auf der Innenwand der Turmverkleidung der Wahlspruch
"Hinein in die blühende Welt!" gefahren. U-Rathke trat nun als Ausbildungsboot
zur in Kiel und La Pallice beheimateten 3. U-Flottille. Die Ausbildungs-
und Trainingszeit in der Ostsee dauerte recht lange.Mitte Oktober 1941
begannen von Kiel aus fünf Wochen gnadenlose Tests durch die U-Bootabnahmekommission,
lediglich unterbrochen von gelegentlichen Kurzaufenthalten in Gotenhafen, Danzig
und zuletzt Kiel um die Bestände zu ergänzen. Ende November 1941
kehrte U 352 nach Flensburg zurück, um dort noch für kleinere
Reparaturen und Änderungen in die Werft zu verholen.
Album K.Heuser, Bild von Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Die Besatzung nutzte die Zeit, um Schichtweise zwei Wochen in Urlaub
zu gehen. Zur Jahreswende 1941/1942 waren wieder alle an Bord. Nach letzten
Überholungsarbeiten der Werft in Flensburg verlegte das Boot Anfang
Januar 1942 zur 5. U-Flottille in Kiel wo man vom 10. bis 14. Januar 1942
Munition, Torpedos, sonstige Ausrüstung sowie Proviant für die
erste größere Fahrt übernahm und sich für die prompt
erledigten Arbeiten mit einem netten Eintrag in das Gästebuch der
5. U-Flottille revanchierte.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Der Weitermarsch an die Front wurde schon am 15. Januar 1942 angetreten
und führte zunächst nach vier Tagen Fahrt zum norwegischen Hafen
Bergen. Nach einem Aufenthalt an dieser Zwischenstation von nur einem Tag
ging es am 20. Januar 1942 schon wieder weiter, um im Atlantik auf feindliche
Schiffahrt zu operieren. Gemäß seinen Befehlen sollte es sich
dabei als eins von zwölf Booten westlich der Rockall Banks in eine
Suchformation einfügen. Diese Suchgruppe mit dem Kodenamen "Schlei"
sollte mit südwestlichen Kursen dann die Konvoirouten streifen,
um so feindliche Schiffe aufzuspüren. Zwischenzeitlich waren die USA
in den Krieg eingetreten und die Kriegsmarine führte einen sehr erfolgreichen
Tonnagekrieg vor der US-Küste. Dort wurden noch mehr U-Boote benötigt.
Also bekam U 352 den Befehl nach Nordfrankreich zurückzulaufen und
neu auszurüsten für die lange Überfahrt zur US-Küste.
Auf dem Heimweg erreichte U-Rathke aber ein Gegenbefehl. Zusammen mit U
435,U 455,U 586 und U 591 sollte es auf Nordkurs gehen. Warum? Die Erklärung
kam mit einem Funkspruch am 25. Januar 1942. Ein aus U 586 sowie U 591
westlich der Faröer und Hebriden einerseits und U 352,U 435 und U
455 im Seydis-Fjord an der Ostküste Islands andererseits gebildeter
Suchstreifen sollte Erkenntnisse über den Sammelpunkt eines Feindgeleitzuges
erbringen. Am gleichen Tag meldete U 352 um 06.15 Uhr in einem F/T an den
BdU (Befehlshaber der Unterseeboote):
Anmarschweg 1 Bewacher,keine Luftaufklärung,Rückmarsch,Stehe
Qu UN 2117.109cbm.
Da sich an den folgenden Tagen nichts tut wird das Boot angewiesen
Wettermeldungen abzugeben,was U 352 auch prompt erledigt. Am 7. Februar
1942 meldet U-Rathke dann um 04.33 Uhr:
1.) Gebiet Mar.Qu AE 5531 bis Innenfjorde abgesucht keine Sperre,keine
Abwehr.Im Fjord 4 Bewacher,keine Schiffe. Ab 1.2. täglich 2 mal Luftüberwachung.
Feuer ab 4.2. gelöscht. U-Bootsanwesenheit scheinbar bemerkt.
2.) Stehe Mar. Qu. AE 4758, keine Feuer, bisher kein Verkehr beobachtet.
3.) Marschiere in neuen Angriffsraum
4.) Weg Oslo Bewacher 24.1. Mar. Qu.8556 gesichtet,Kurs NO.
5.) Auswechseln aller Dieselkolbenringe erforderlich,Neue Bb.-Schmierölpumpe
hält keinen Druck,Kreiselübertragung ausgefallen. -65cbm.,W zu
S 3,See 2,C 10,1050 mb.
Am 13.Februar 1942 kann U 352 um 16.08 Uhr dann an den BdU melden:
Feind in Sicht Qu. QB 7568. Der gemeldete Geleitzug besteht aus
3 Fahrzeugen,Sicherung steht vor Geleitzug.Feind steuert 110°,Fahrt
10 sm.
Am Abend dann um 20.50 Uhr:
Geleit: 1 Dampfer 4 Korvetten Qu. GX 7671 Kurs 120°,9 sm. Vor
dem Schuß abgedrängt.Wabos:Stoße nach.Süd zu West
4,Regenschauer,stark wechselnde Sicht, diesig.
In der Nacht muß Rathke dann funken:
Fühlung verloren.Standort Geleit 2000 Uhr Qu. CL 7675, Kurs
120°, Fahrt 9 sm., 43 cbm.
Ähnliche Meldungen waren von den anderen Booten zu hören,
weshalb diese Suchgruppe wieder aufgelöst wurde und U 352 die Aufgabe
bekam, nun täglich das Wetter im Einsatzgebiet zu melden. Dies war
Jahreszeitenbedingt eher schlecht und ließ das Boot hübsch schaukeln...

Ab Mitte Februar verlegte das Boot seine Suche nach Feindschiffen in
das Seegebiet vor Reykjavik. Von hier meldete U 352 am 18. Februar 1942
um 22.02 Uhr:
1.) Wegen Wetter bisher kein Waffeneinsatz.
2.) Starke Luft,Fliebos am 17. und 18.2.
3.) Feuer brennen, ausserhalb der Sperre keine Bewacher.
4.) Kein Dampferverkehr, viele Fischer tags und nachts.
5.) Ausgerüstet nur bis 26.2. Brennstoff 28 cbm.
6.) Standort Qu. FT 7114
7.) Rückmarsch angetreten. Kein Erfolg. SO 8, hohe Dg., 1030
mb., plus 7° C., ganz bedeckt, diesig, 4 sm. Sicht.
Auf dem Weg nach Hause gab das Boot nun noch laufend Wettermeldungen
ab. Am 23. Februar 1942 kam es nocheinmal zu einem kurzen Intermezzo mit
einem Kriegsschiff, wie aus einer Meldung am selben Tag um 19.34 Uhr hervorgeht:
Zerstörer, Qu. HE 8251, hohe Fahrt, Kurs Ost.Vierer-Fächer
fehl. Ein Rohrläufer.
Ohne Versenkungserfolge erzielt zu haben, erreichte das Boot dann am
26. Februar 1942 mit St. Nazaire erstmalig einen der nordfranzösischen
Einsatzhäfen der U-Bootwaffe.Hier wurde das Boot runde sechs Wochen
lang überholt und neu ausgerüstet. Bei dieser Gelegenheit wurden
drei Besatzungsmitglieder mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und die
Mannschaft konnte die Gelegenheit nutzen wieder einmal in den Urlaub zu
fahren.Zwei ergriffen die Gelegenheit, um in der Heimat zu heiraten. Am
7. April 1942 ging es wieder los. Mit einer vollen Chargierung von 14 Torpedos
sollte U 352 als Boot der 6.Welle von Grauen Wölfen vor der Ostküste
der USA auf Schiffsjagd gehen. Da das U-Boot vom Typ VII C nicht für
lange ozeanische Einsätze zB. gegen die USA konzipiert war, mußte
es unterwegs aufgetankt werden. Hierzu wurde Ende April 500 Seemeilen nordöstlich
der Bermuda-Inseln der U-Tanker U 459 bereitgestellt. Nach erfolgreicher
Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoff, Schmieröl und Ersatzteilen
setzte U-Rathke die Fahrt in sein Einsatzgebiet südöstlich von
Kap Hatteras fort. 300 Seemeilen vor Erreichen seines Einsatzgebietes sichtete
das Boot am 5. Mai 1942 den nur 1.172 BRT großen schwedischen Frachtdampfer
SS Freden. Kapitänleutnant Rathke griff an und schoß zwei Torpedos
auf das Schiff. Diese verfehlten es aber offensichtlich. Trotzdem hatte
der Kapitän der SS Freden den Angriff bemerkt und ließ nun sicherheitshalber
seine Besatzung in ein Rettungsboot gehen. Als nichts weiter passierte,
ging die Mannschaft aber wieder an Bord, holte das Rettungsboot zurück
an Deck und setze die Fahrt fort. Zwar hatte U 352 nach dem Torpedoangriff
die SS Freden weiter verfolgt, jedoch dann verloren. Möglicherweise
hatte die Maschine der SS Freden gestoppt und hatte den Frachter so für
die Horchgeräte von U 352 unhörbar gemacht. Zwar suchte U 352
noch eine Weile nach dem Dampfer, fand ihn aber nicht mehr wieder, weshalb
Kapitänleutnant Rathke wieder Nordkurs setzen ließ, um in sein
Operationsgebiet zu kommen. Am nächsten Tag kam die SS Freden wieder
in Sicht -hinter U 352. Erneut griff das Boot an und feuerte einen dritten
Torpedo. Dieser war zu tief eingestellt. Offensichtlich hatte man an Bord
von U-Rathke entweder die Entfernung oder die Größe des nur
68m langen und 11,2m breiten Schiffes der Stockholmer Reederei "AB Ferlef"
falsch eingeschätzt. Ein vierter Torpedo wurde nun fertig gemacht
und bei einem weiteren Angriff am Abend desselben Tages abgefeuert -diesmal
mit einer flachen Tiefensteuerung. Der Schuß ging... vorbei! Kurz
vor dem Bug des Schiffes hatte der Torpedo den Kurs des Schwedendampfers
gekreuzt. Kapitänleutnant Rathke ließ nun dicht beim Frachter
auftauchen. Überzeugt, daß nun sein letztes Stündlein gekommen
sei, ließ der Kapitän des Schiffes einen Kurs setzen, der dem
deutschen U-Boot nur das Heck -und nicht die ganze Schiffsbreite- als Ziel
bot. Aus unbekannten Gründen lief das deutschen U-Boot nun vom Frachter
ab. Der Kapitän desselben nutzte die Gelegenheit und setzte seine
Mannschaft wieder in zwei Rettungsboote. Die Nacht brach herein und es
erfolgte kein weiterer Angriff. Als die Mannschaft am nächsten Tag
ihr Schiff unversehrt auf dem Wasser treiben sah, ging sie wieder an Bord
und setzte ihre Fahrt nach New York fort. Dort angekommen gab es natürlich
einiges zu erzählen. Währenddessen hatte der Funkraum amerikanische
Jazz-Musik in alle Räume geschaltet und das Boot schipperte der US-Küste
entgegen. Am Morgen des 7.Mai 1942 hatte U 352 noch ein unangenehmes
Erlebnis zu überstehen: einen Flugzeugangriff. Doch da man rechtzeitig
ein Alarmtauchen angesetzt hatte, donnerten die zwei Bomben so weit entfernt
in die See, daß kein Schaden angerichtet wurde. Was den Piloten nicht
daran hinderte, dieses Boot als vernichtet zu melden. Am Nachmittag des
9. Mai 1942 war U-Rathke im Seegebiet südlich von Kap Lookout angekommen
und sichtete dort auch sofort ein Schiff. In einem schnell angesetzten
Unterwasserangriff wurden zwei Torpedos abgeschossen. Ein Torpedo war ein
Frühdetonierer und explodierte um 16.29 Uhr lokaler Zeit als Grundgänger
runde 180m von der Steuerbordseite des Schiffs entfernt, der andere Torpedo
traf auch nicht. Derart alarmiert lief das angegriffene Schiff -es war der 350ts
große Küstenwachkutter USS Icarus- auf seinen Angreifer zu, um
diesem nun seinerseits einzuheizen.
USS Icarus direkt am Kai des Hafens Charleston
US National Archives Picture No. 80-G-88191
Denn der bei den Bath Iron Works im US-Bundesstaat Main gebaute und
am 1. April 1932 mit der taktischen Kennung WPC-110 für die US-Küstenwache
in Dienst gestellte Patrouillenkutter der Argo-Klasse war wegen seiner
hohen Geschwindigkeit von maximal 16 Knoten bei Kriegsausbruch nicht nur
mit zwei 3inch-Geschützen und zwei 20mm-Flakwaffen ausgerüstet
worden, sondern hatte auch U-Jagdwaffen erhalten. Diese bestanden neben
einer wirkungsvollen Sonar- und Horchanlage aus zwei Heckablaufgerüsten
mit Wasserbomben, zwei Wasserbombenwerfern an den Schiffsseiten und zwei
Raketenwerfern. Kapitänleutnant Rathke hatte mittlerweile erkannt,
daß er ein Kriegsschiff angegriffen hatte und lief die Explosionsstelle
seines Torpedos an, um die von der Explosion an dieser Stelle erzeugte
Geräuschkulisse zum Verstecken zu nutzen. Dort ließ er sein
Boot so weit abtauchen, wie das in diesem flachen Gewässer möglich
war und setzte U 352 in 38m Tiefe sachte auf Grund. An Bord des unter dem
Kommando von Lieutenant-Commander Maurice D. Jester stehende Kutters hatte
man U-Rathke aber schon im Suchgerät aufgefaßt und einen Abfangkurs
berechnet. Jetzt überlief die USS Icarus das U-Boot und ließ
fünf in einem Sternenmuster in die See fallende Wasserbomben über
Bord gehen. Drei von der Heckrampe und zwei aus den Werfern. Diese explodierten
um 16.31 Uhr lokaler Zeit über U-Rathke und richteten schwere Schäden
an. Das Decksgeschütz wurde aus seiner Verankerung gerissen und über
Bord geschleudert, die Verkleidung des Turms zerfetzt,eine E-Maschine außer
Funktion gesetzt, alle Manometer sowie die Luftflaschengruppe 2 zerstört, der Aussenbunker
aufgerissen und im Turm der I.WO (Erster Wachoffizier) Leutnant zur See
Josef Ernst getötet. Mit nur noch einer funktionierenden E-Maschine
versuchte Kapitänleutnant Rathke sich nun mit Westkurs davonzuschleichen,
um in tiefere Gewässer zu entkommen. Doch die Suchgeräte an Bord
von USS Icarus fanden das U-Boot wieder. Beim zweiten Angriff um 16.45
Uhr lokaler Zeit warf die USS Icarus drei Wasserbomben in einem Y-Muster
über dem Boot ab. Zwei von der Heckrampe,eine aus einem Werfer. Als
nun viele Luftblasen vom UBoot aufstiegen, wurde in Anlauf Nummer Drei noch
eine einzelne Wasserbombe in den Strom der Luftblasen geworfen. Da noch
Maschinengeräusche gehorcht wurden, machte die USS Icarus einen weiteren
Anlauf und warf um 17.08 Uhr lokaler Zeit eine weitere Wasserbombe rechts
von der Quelle der Luftblasen. Durch den Explosionsdruck wurde U 352 um
17.09 Uhr lokaler Zeit an die Wasseroberfläche geworfen und sofort
unter MG- und Geschützfeuer von Bord der nur 70 m entfernt liegenden
USS Icarus genommen.Kapitänleutnant Rathke ließ das hecklastige
Boot an der Oberfläche festblasen und enterte durch den Turm hinauf
auf die Brücke. Dort sah er sofort, daß das unter starkem Feuer
der USS Icarus liegende Boot zu stark beschädigt war und sich in Ermangelung
des Decksgeschützes auch nicht weiter wehren konnte. Zwar versuchten
noch Mannschaftsmitglieder die 2cm-Flak schußklar zu bekommen,jedoch
war das Feindfeuer zu stark dazu. Kapitänleutnant Rathke hatte vorher
schon den Befehl gegeben Rettungswesten und Tauchretter anzulegen. Jetzt
gab er also trotz intakter Diesel den Befehl zum Verlassen von U 352. Nachdem
sich ab 17.11 Uhr lokaler Zeit der Großteil der Besatzung durch einen
Sprung in den Atlantik gerettet hatte, dauerte das Feuer des US-Schiffes immer noch an, wobei auch die mittlerweile im Wasser paddelnden deutschen Seeleute getroffen wurden. Man schoß auf Schiffbrüchige! Sieben Seeleute kamen so zu Tode. Der LI (Leitende Ingenieur), Oberleutnant (Ing.) Heinz Teetz, hatte mittlerweile an Bord die Selbstversenkung
eingeleitet, sodaß nun U 352 um 17.14 Uhr lokaler Zeit mit ihm an
Bord für immer in die Tiefe sank. Statt nun die im Wasser treibenden
Schiffbrüchigen zu retten, verließ die USS Icarus den Versenkungsort.
Angeblich hatte das Suchgerät ein weiteres U-Boot aufgespürt,
daß es nun zu verfolgen galt. Im Bericht an die Vorgesetzten steht, daß
man das Ziel auch bald ausmachen konnte, da man eine große Luftblase
erspähte, wie sie U-Boote machen. Stellt sich die Frage, was für
Luftblasen U-Boote denn so gewöhnlich machen... Laut Bericht wurde über
diesem "Ziel" eine Wasserbombe geworfen, aber dann nichts mehr gehorcht
oder sonstwie wahrgenommen. Unbestritten ist, daß die USS Icarus erst
per Funk bei fünf verschiedenen Dienststellen nachfragte, ob die Schiffbrüchigen
gerettet werden sollten. Da dies den selbstverständlichen Geboten
des Seerechts und der Menschlichkeit entsprach, wurde dieser Befehl auch
gegeben. Um 17.50 Uhr lokaler Zeit kehrte die USS Icarus schließlich
an die Versenkungsstelle zurück und zog die verwundeten und unverwundeten
deutschen Seeleute aus dem Wasser, um sie dann nach Charleston in Süd-Karolina
zu bringen. Von 49 Besatzungsmitgliedern überlebten so nur 32 Mann.

Nach Anlandung treten die Überlebenden von U 352
am Kai in Reih und Glied an
und marschieren dann in Gefangenschaft
US National Archives Pictures No. 80-G-41302, 80-G-41303
Nichtsdestotrotz wurde der Kommandant der USS Icarus nicht vor ein Kriegsgericht
gestellt. Stattdessen wurde er Titelbildheld des Life-Magazins und bekam
den höchsten Orden der US-Marine: das Navy Cross.
In Ermangelung von Informationen über U 352 wurde das Boot vom
BdU mit Wirkung vom 9. Mai 1942 für vermißt erklärt und
ein provisorisches Kriegstagebuch angefertigt.

Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Erst mit einem Kriegsgefangenenaustausch noch während des Krieges
kam Licht in die Sache und der Obermaschinist Heinrich Bollmann konnte
den Hergang des Verlustes darlegen.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Seit dem Tag seines Verlustes liegt U 352 nun runde 26 Meilen südlich
des Beaufort-Inlet vor der Küste von Süd-Karolina in knapp 35m
Tiefe und kann mit Hilfe der LORAN-Zahlen 27063,5 und 39491,5 von jedem
unternehmungslustigen Skipper mit LORAN-Gerät angesteuert werden.
Der erste Tauchgang am Wrack fand schon am 19. Mai 1942 statt. In der Hoffnung
Geheimpapiere zu finden, war ein Bergungsschlapper der US-Marine, die USS
Umpqua, zum Wrack herausgefahren. Ein Helmtaucher stellte im Bug ein großes
Loch sowie eine Krängung von 60° nach Steuerbord fest. Da er nicht
genug Schlauch hatte, konnte er nicht in das Boot einsteigen. Im August
folgte deshalb ein zweiter und dritter Tauchgang mit mehr Schlauch. Als
man jedoch feststellte, daß rund um das Wrack noch nichtdetonierte
Wasserbomben herumlagen, wurden die Taucharbeiten sofort abgebrochen. Auch
die Strömung am Grund war mit 2,5 Knoten zu stark für Helmtaucher.
Bis zum nächsten Tauchgang vergingen 33 Jahre. Dank moderner Navigationsgeräte
fand George Purifoy das lange von ihm gesuchte Boot im Jahr 1975 wieder.
Die Kunde vom U-Boot vor der eigenen Haustüre zog viele Taucher an.
Schon 1976 durchtauchten sie das Wrack recht ungeniert von vorne bis hinten
und nahmen alles mit was ihnen so in die Finger kam. Daß es sich
um ein Kriegsgrab handelte, scheint für diese Taucher ohne Bedeutung
gewesen zu sein, wie man am abgeborgenen 2cm-Flakgeschütz sehen kann,
das heute auf einer gewissen US-Pier steht.
Picture © 2003
Roman Ptashka
Und so befinden sich auch andere Gegenstände wzB.Backbordschraube, Turmluk, Sehrohrteile, Sextant, Ferngläser, Tassen, Teller, Eßbesteck, Schilder
der Maschinen- und Sehrohranlage, Bootsmannspfeifen, Sportabzeichen, Laufbahnabzeichen, Hoheitsabzeichen, Kleidungsstücke, Stoppuhren, Teleskope, Rasierer, Schellackplatten,
Geldbörsen, Ölkannen, unausgefüllte Leistungsbücher und
Marschbefehle sowie Urlaubsscheine, diverse Dienstanweisungen, Thermometer, Signalpistolen
usw. in "Privatbesitz". Auch ein Schädel, Fingerknochen, Oberschenkelknochen, Hüftknochen, Schlüsselbeinknochen sowie andere Knochen wurden aus dem Kriegsgrab
heraufgeholt und in Form eines Piratensymbols...... in einem Tauchshop
ausgestellt! US-Senator Weicker nannte dies was es ist: eine nationale
Schande. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Botschafter wurde deshalb
offiziell klargestellt, daß das Wrack von U 352 -trotz des Umstandes
daß es in internationalen Gewässern liegt- auch unter dem Schutz
von Kriegsgräbern nach US-Recht steht. Um dem Treiben am Wrack ein
Ende zu setzen und außerdem eine Gefahr für die Schifffahrt
zu beseitigen wurden im Mai 1980 Taucher der US-Marine zum Wrack befohlen. Diese
bargen die noch umherliegenden 8,8cm-Granaten des Decksgeschützes
sowie die 20mm-Granatpatronen des Flakgeschützes ab und entfernten
die Zündpistolen aus den noch im Bugraum bzw. der in den Torpedorohren
lagernden Torpedos. Außerdem wurden nun an die offenstehenden Luks
Bleche geschweißt, die ein weiteres Eindringen in das Kriegsgrab verhindern
sollten. Leider wurden innerhalb weniger Monate zwei dieser Platten wieder
von unbekannter Hand entfernt.
Taucht man heute am Wrack, so hat man meist einen recht guten Überblick
über das ganze Boot -Seitweiten von über 30 Meter sind hier keine
Seltenheit. In der Regel sieht man schon in knapp 10m Tiefe das Wrack,
insbesondere den Turm mit dem Turmluk und den Führungsrohren für
die Periskope. Aus gutem Grund sei hier daran erinnert,daß
ein Eindringen in Wracks gefährlich ist und Erfahrung sowie Schulung
voraussetzt, einmal abgesehen davon daß es sich hierbei um ein Kriegsgrab
handelt!

Pictures
© 1998 Rick Allen
Über dem Turm angekommen kann man sich von der dort meist ausgelegten
Austauchleine lösen und auf Erkundung gehen.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
Hat man den Turm umkreist und sich einen Eindruck von dem
mit einer immer noch starken Krängung im sandigen Meeresgrund eingebetteten
Wrack verschafft, taucht man meist zuerst nach vorne in Richtung Bug.

Pictures ©
2004 Dale A. Hansen
Dieser ist den Umständen nach gut erhalten, da hier bei anderen
Wracks oft nur der Druckkörper zu sehen und das Überwasserschiff
weggegammelt ist. Dieses ist hier noch erhalten, wie man in der Draufsicht erkennen kann.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
In der Ansicht direkt von vorne kann man aber sehen, daß der Teil
vor der Druckhülle etwas abgeknickt ist.
Picture
© 1998 Rick Allen
Taucht man nun an der Rumpfoberkante zurück in Richtung Turm, bietet
sich einem die folgende Perspektive vom Wrack.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
Der nächste interessante Punkt auf dem Weg in Richtung Schiffsmitte
ist hier an der Rumpfseite das Backbordtiefenruder mit dem das Boot die
jeweils benötigten Tiefen ansteuern konnte.
Picture © 2002
Paul M. Hudy
In unmittelbarer Nähe dazu befindet sich an Deck das vordere Torpedoübernahmeluk.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
Durch dieses wurden im Hafen oder auf See die Torpedos in das Innere
des U-Bootes verfrachtet. Taucht man weiter zum Turm sieht man zunächst
das offenstehende Kombüsenluk, dann die Pivotlafette für das
Decksgeschütz und dahinter wieder den Turm mit den Führungsrohren
für die Periskope.
Picture © 2002
Paul M. Hudy
Je näher man am Rumpf ist, desto klarer treten diese Merkmale heraus.
Picture
© 1998 Rick Allen
Am Kombüsenluk vorbei wird weiter entlang der Rumpfoberkante in
Richtung Turm getaucht -vorbei am Geschützpivot.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
Ein Blick über die linke Schulter läßt erkennen, wie
gut der Pivot erhalten ist.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
Mittlerweile befinden wir uns vor den Tauchbunkern des Bootes.

Pictures ©
2004 Dale A. Hansen
Diese liegen vor und seitlich des Turmes in Sattelform auf dem Rumpf
auf, haben aber mittlerweile zT. ihre Stahlbeplankung verloren, so daß
die Spanten der Stahlbeplankung wie Rippen hervorstechen.

Pictures ©
2004 Dale A. Hansen
Nun führt uns der Tauchgang auf dem Weg in Richtung Heck wieder
am Turm vorbei.
Picture ©
2004 Dale A. Hansen
Auf dem Achterdeck ist wie auf dem Vordeck das Oberdeck aus Holz weggegammelt. Das
stählerne Überwasserschiff ist hier zwar auch bewachsen, jedoch
noch gut erhalten. Insbesondere das achtere Torpedoübernahmeluk springt
ins Auge. Knapp davor ist hier eine Führungsleine zum Austauchen befestigt.
Picture © 2003
Roman Ptashka
Auch das Heck selbst ist noch gut erhalten.
Picture © 2002
Paul M. Hudy
Zwar hat man Backbords die
Schraube entfernt, jedoch Schraubenwelle,Schraubenbock und Ruder sind noch
sehr gut erkennbar.
Picture © 2002
Paul M. Hudy
Die noch vorhandene Steuerbordschraube ist zT. im weichen Grund aus
Kies und Sand verschwunden.
Picture © 2002
Paul M. Hudy
Hat der Atemluftvorrat bis hierher gereicht, ist es an der Zeit sich
vom Wrack zu verabschieden und entlang einer der Führungsleinen wieder
aufzutauchen.
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GPS - Position:
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34° 13` 68,2``N / 76° 33` 90,7``W
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Für die vielen großartigen Schwarzweißfotos deutschen
Ursprungs geht unser Dank, wie schon so oft für gleichartige Hilfe,
an die Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote von Horst Bredow in Cuxhaven.
Ohne ihn und das Archiv wären viele schöne U-Bootdokumentationen
nicht möglich! Herzlichen Dank!
Furthermore I wish to express my gratitude to Mr. Dale
A. Hansen who generously gave permission to use the wide array of photos
available on U 352 at his nice site of Discoverydiving!
Apart of this I wish to thank the US National Archives for providing historic
photos on USS Icarus and the crew of U 352. Last but shurely not least
I wish to thank Mr. Rick Allen
of Nautilusproductions,
Mr.
Paul M. Hudy of NC-Wreckdiving
and Mr. Roman Ptashka of Antipodeum
for their kind permission to use their nice photos and stills on U 352!
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