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 Geschrieben von Oli
© 2004 Oliver Meise

Dieses Wrack war einmal ein deutsches Unterseeboot. Es gehörte zum 769ts maximal großen Typ VIIC und beruhte auf dem Entwurf 1937/38 für Hochsee-Tauchboote. Schiffsbautechnisch waren die VIIC- Boote 67,10m lange und 6,20m breite Einhüllenboote mit Satteltank, wobei sich Trimm-,Tauch- und Bunkerzellen sowohl im Satteltank wie auch in Back und Achterschiff befanden. Neben diesem U-Boot wurden noch 568 weitere U-Boote des gleichen Typs in Dienst gestellt und bildeten so das Rückgrat der deutschen U-Bootwaffe.

Dieses am 9. Oktober 1939 bestellte Unterseeboot erblickte das Licht der Welt, als am 11. März 1940 auf der Werft der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft in Flensburg ein Kiel für ein Konstruktionsvorhaben mit der Baunummer 471 gestreckt wurde. Hierauf wurde Spant auf Spant errichtet und eine nach der anderen vorgefertigten Stahlplatte wurde auf ihnen verschweißt. Die eingebauten Maschinen waren zwei aufgeladene Sechszylinder-Viertaktdiesel F 46 der Germaniawerft mit einer Leistung von bis zu 3.200 PSe, die natürlich nur in Überwasserfahrt erzielt werden konnte.


Vorder- und Seitenansichten während des Einsetzens durch das Dieselluk
Album K.Heuser, Bilder über Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Für die Unterwasserfahrt wurde auch noch eine E-Maschinenanlage eingebaut. Diese bestand aus zwei Doppelmaschinen der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft AEG des Typs GU 460/8-276 und zwei Sätzen von je 62 Akkumulatoren-Batterien des Typs 33 MAL 800 W der Firma "Aktiengesellschaft für Akkumulatoren" in Hagen. Jede dieser Akku-Zellen konnte maximal 9.160 Amperestunden fassen. Dies bescherte dem E-Antrieb eine Leistung von 750 PSe und sorgte für eine Unterwasser-Höchstgeschwindigkeit von 7,6 Knoten. Über Wasser war man da schneller und erreichte immerhin bis zu 17,7 Knoten Maximalgeschwindigkeit. Fuhr man mit der sparsamen Reisegeschwindigkeit von 10 Knoten, reichte das bei dem Verbrauch sämtlicher 113,5t Treiböl an Bord für eine Reichweite von 8.500 Seemeilen. Unter Wasser kam man lange nicht soweit. Fuhr man mit vier Knoten Geschwindigkeit, reichte der Strom in den Akkus gerade mal für 80 Seemeilen. Fuhr man aber nur zwei Knoten, kam man immerhin 130 Seemeilen weit. Zur Torpedowaffe gehörten im Bug vier 53,3cm-Torpedorohre und im Heck ein Torpedorohr gleichen Kalibers. Diese konnten insgesamt 14 mitgeführte Torpedos verschießen. Anders als die meisten Schwesterboote hatte dieses Boot keine Vorrichtung zum Legen von Minen durch die Torpedorohre mehr. Die artilleristische Bewaffnung dieses U-Bootes kam erst nach Beendigung aller Arbeiten am Boot selbst und dem Stapellauf am 7. Mai 1941 an Bord und bestand im wesentlichen aus dem vor dem Turm aufgestellten 8,8cm/L45 C/35-Schnellfeuerkanone in Torpedobootslafette und 220 mitgeführten Granaten, sowie aus einer einzelnen 2cm-Flak C/30 in einer Lafette LC 30/37 im Wintergarten. Am 26. Juli 1941 folgte die Werft-Probefahrt.


U 352 auf Probefahrt
Album K.Heuser, Bild von Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Hieran schloß sich am 15. August 1941 die Übergabefahrt an die Kriegsmarine an. Nach Übernahme von der Werft nahm die seit Sommer 1941 bei der Kriegschiffbaulehrabteilung für Unterseeboote Ostsee in Kiel in Baubelehrung befindliche Besatzung aus vier Offizieren sowie 40 Unteroffizieren und Mannschaften das Boot mit der Feldpostnummer M 45428 in Besitz und stellte es am 28. August 1941 mit der taktischen Kennung U 352 in Dienst.


U 352 wird Indienstgestellt
Album K.Heuser, Bild von Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Kommandant wurde der 32-jährige Kapitänleutnant Hellmut Rathke. Dieser war gebürtiger Ostpreuße und gehörte dem Marine-Jahrgang 1930 an.


Bild: Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Seit 1935 aktiv auf Überwassereinheiten der Kriegsmarine gedient, war er auf ihnen zweimal rund um den Globus gefahren. Kurz nachdem man ihm das Kommando über das im Bau befindliche U 352 anvertraut hatte, verletzte er sich bei einem Skiunfall, so daß er die Baubelehrung zT. in einem Rollstuhl absolvierte. Drei Tage vor der Indienststellung des Bootes hatte die Stadt Flensburg beschlossen, die Patenschaft für U-Rathke zu übernehmen. Das Boot bekam nun als Bootswappen das Stadtwappen von Flensburg.

Zusätzlich wurde auf der Innenwand der Turmverkleidung der Wahlspruch "Hinein in die blühende Welt!" gefahren. U-Rathke trat nun als Ausbildungsboot zur in Kiel und La Pallice beheimateten 3. U-Flottille. Die Ausbildungs- und Trainingszeit in der Ostsee dauerte recht lange.Mitte Oktober 1941 begannen von Kiel aus fünf Wochen gnadenlose Tests durch die U-Bootabnahmekommission, lediglich unterbrochen von gelegentlichen Kurzaufenthalten in Gotenhafen, Danzig und zuletzt Kiel um die Bestände zu ergänzen. Ende November 1941 kehrte U 352 nach Flensburg zurück, um dort noch für kleinere Reparaturen und Änderungen in die Werft zu verholen.


Album K.Heuser, Bild von Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Die Besatzung nutzte die Zeit, um Schichtweise zwei Wochen in Urlaub zu gehen. Zur Jahreswende 1941/1942 waren wieder alle an Bord. Nach letzten Überholungsarbeiten der Werft in Flensburg verlegte das Boot Anfang Januar 1942 zur 5. U-Flottille in Kiel wo man vom 10. bis 14. Januar 1942 Munition, Torpedos, sonstige Ausrüstung sowie Proviant für die erste größere Fahrt übernahm und sich für die prompt erledigten Arbeiten mit einem netten Eintrag in das Gästebuch der 5. U-Flottille revanchierte.


Archivmaterial der Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Der Weitermarsch an die Front wurde schon am 15. Januar 1942 angetreten und führte zunächst nach vier Tagen Fahrt zum norwegischen Hafen Bergen. Nach einem Aufenthalt an dieser Zwischenstation von nur einem Tag ging es am 20. Januar 1942 schon wieder weiter, um im Atlantik auf feindliche Schiffahrt zu operieren. Gemäß seinen Befehlen sollte es sich dabei als eins von zwölf Booten westlich der Rockall Banks in eine Suchformation einfügen. Diese Suchgruppe mit dem Kodenamen "Schlei" sollte mit südwestlichen Kursen dann die Konvoirouten streifen, um so feindliche Schiffe aufzuspüren. Zwischenzeitlich waren die USA in den Krieg eingetreten und die Kriegsmarine führte einen sehr erfolgreichen Tonnagekrieg vor der US-Küste. Dort wurden noch mehr U-Boote benötigt. Also bekam U 352 den Befehl nach Nordfrankreich zurückzulaufen und neu auszurüsten für die lange Überfahrt zur US-Küste. Auf dem Heimweg erreichte U-Rathke aber ein Gegenbefehl. Zusammen mit U 435,U 455,U 586 und U 591 sollte es auf Nordkurs gehen. Warum? Die Erklärung kam mit einem Funkspruch am 25. Januar 1942. Ein aus U 586 sowie U 591 westlich der Faröer und Hebriden einerseits und U 352,U 435 und U 455 im Seydis-Fjord an der Ostküste Islands andererseits gebildeter Suchstreifen sollte Erkenntnisse über den Sammelpunkt eines Feindgeleitzuges erbringen. Am gleichen Tag meldete U 352 um 06.15 Uhr in einem F/T an den BdU (Befehlshaber der Unterseeboote):
Anmarschweg 1 Bewacher,keine Luftaufklärung,Rückmarsch,Stehe Qu UN 2117.109cbm.

Da sich an den folgenden Tagen nichts tut wird das Boot angewiesen Wettermeldungen abzugeben,was U 352 auch prompt erledigt. Am 7. Februar 1942 meldet U-Rathke dann um 04.33 Uhr:
1.) Gebiet Mar.Qu AE 5531 bis Innenfjorde abgesucht keine Sperre,keine Abwehr.Im Fjord 4 Bewacher,keine Schiffe. Ab 1.2. täglich 2 mal Luftüberwachung. Feuer ab 4.2. gelöscht. U-Bootsanwesenheit scheinbar bemerkt.
2.) Stehe Mar. Qu. AE 4758, keine Feuer, bisher kein Verkehr beobachtet.
3.) Marschiere in neuen Angriffsraum
4.) Weg Oslo Bewacher 24.1. Mar. Qu.8556 gesichtet,Kurs NO.
5.) Auswechseln aller Dieselkolbenringe erforderlich,Neue Bb.-Schmierölpumpe hält keinen Druck,Kreiselübertragung ausgefallen. -65cbm.,W zu S 3,See 2,C 10,1050 mb.

Am 13.Februar 1942 kann U 352 um 16.08 Uhr dann an den BdU melden:
Feind in Sicht Qu. QB 7568. Der gemeldete Geleitzug besteht aus 3 Fahrzeugen,Sicherung steht vor Geleitzug.Feind steuert 110°,Fahrt 10 sm.

Am Abend dann um 20.50 Uhr:
Geleit: 1 Dampfer 4 Korvetten Qu. GX 7671 Kurs 120°,9 sm. Vor dem Schuß abgedrängt.Wabos:Stoße nach.Süd zu West 4,Regenschauer,stark wechselnde Sicht, diesig.

In der Nacht muß Rathke dann funken:
Fühlung verloren.Standort Geleit 2000 Uhr Qu. CL 7675, Kurs 120°, Fahrt 9 sm., 43 cbm.

Ähnliche Meldungen waren von den anderen Booten zu hören, weshalb diese Suchgruppe wieder aufgelöst wurde und U 352 die Aufgabe bekam, nun täglich das Wetter im Einsatzgebiet zu melden. Dies war Jahreszeitenbedingt eher schlecht und ließ das Boot hübsch schaukeln...

Ab Mitte Februar verlegte das Boot seine Suche nach Feindschiffen in das Seegebiet vor Reykjavik. Von hier meldete U 352 am 18. Februar 1942 um 22.02 Uhr:
1.) Wegen Wetter bisher kein Waffeneinsatz.
2.) Starke Luft,Fliebos am 17. und 18.2.
3.) Feuer brennen, ausserhalb der Sperre keine Bewacher.
4.) Kein Dampferverkehr, viele Fischer tags und nachts.
5.) Ausgerüstet nur bis 26.2. Brennstoff 28 cbm.
6.) Standort Qu. FT 7114
7.) Rückmarsch angetreten. Kein Erfolg. SO 8, hohe Dg., 1030 mb., plus 7° C., ganz bedeckt, diesig, 4 sm. Sicht.

Auf dem Weg nach Hause gab das Boot nun noch laufend Wettermeldungen ab. Am 23. Februar 1942 kam es nocheinmal zu einem kurzen Intermezzo mit einem Kriegsschiff, wie aus einer Meldung am selben Tag um 19.34 Uhr hervorgeht:
Zerstörer, Qu. HE 8251, hohe Fahrt, Kurs Ost.Vierer-Fächer fehl. Ein Rohrläufer.

Ohne Versenkungserfolge erzielt zu haben, erreichte das Boot dann am 26. Februar 1942 mit St. Nazaire erstmalig einen der nordfranzösischen Einsatzhäfen der U-Bootwaffe.Hier wurde das Boot runde sechs Wochen lang überholt und neu ausgerüstet. Bei dieser Gelegenheit wurden drei Besatzungsmitglieder mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und die Mannschaft konnte die Gelegenheit nutzen wieder einmal in den Urlaub zu fahren.Zwei ergriffen die Gelegenheit, um in der Heimat zu heiraten. Am 7. April 1942 ging es wieder los. Mit einer vollen Chargierung von 14 Torpedos sollte U 352 als Boot der 6.Welle von Grauen Wölfen vor der Ostküste der USA auf Schiffsjagd gehen. Da das U-Boot vom Typ VII C nicht für lange ozeanische Einsätze zB. gegen die USA konzipiert war, mußte es unterwegs aufgetankt werden. Hierzu wurde Ende April 500 Seemeilen nordöstlich der Bermuda-Inseln der U-Tanker U 459 bereitgestellt. Nach erfolgreicher Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoff, Schmieröl und Ersatzteilen setzte U-Rathke die Fahrt in sein Einsatzgebiet südöstlich von Kap Hatteras fort. 300 Seemeilen vor Erreichen seines Einsatzgebietes sichtete das Boot am 5. Mai 1942 den nur 1.172 BRT großen schwedischen Frachtdampfer SS Freden. Kapitänleutnant Rathke griff an und schoß zwei Torpedos auf das Schiff. Diese verfehlten es aber offensichtlich. Trotzdem hatte der Kapitän der SS Freden den Angriff bemerkt und ließ nun sicherheitshalber seine Besatzung in ein Rettungsboot gehen. Als nichts weiter passierte, ging die Mannschaft aber wieder an Bord, holte das Rettungsboot zurück an Deck und setze die Fahrt fort. Zwar hatte U 352 nach dem Torpedoangriff die SS Freden weiter verfolgt, jedoch dann verloren. Möglicherweise hatte die Maschine der SS Freden gestoppt und hatte den Frachter so für die Horchgeräte von U 352 unhörbar gemacht. Zwar suchte U 352 noch eine Weile nach dem Dampfer, fand ihn aber nicht mehr wieder, weshalb Kapitänleutnant Rathke wieder Nordkurs setzen ließ, um in sein Operationsgebiet zu kommen. Am nächsten Tag kam die SS Freden wieder in Sicht -hinter U 352. Erneut griff das Boot an und feuerte einen dritten Torpedo. Dieser war zu tief eingestellt. Offensichtlich hatte man an Bord von U-Rathke entweder die Entfernung oder die Größe des nur 68m langen und 11,2m breiten Schiffes der Stockholmer Reederei "AB Ferlef" falsch eingeschätzt. Ein vierter Torpedo wurde nun fertig gemacht und bei einem weiteren Angriff am Abend desselben Tages abgefeuert -diesmal mit einer flachen Tiefensteuerung. Der Schuß ging... vorbei! Kurz vor dem Bug des Schiffes hatte der Torpedo den Kurs des Schwedendampfers gekreuzt. Kapitänleutnant Rathke ließ nun dicht beim Frachter auftauchen. Überzeugt, daß nun sein letztes Stündlein gekommen sei, ließ der Kapitän des Schiffes einen Kurs setzen, der dem deutschen U-Boot nur das Heck -und nicht die ganze Schiffsbreite- als Ziel bot. Aus unbekannten Gründen lief das deutschen U-Boot nun vom Frachter ab. Der Kapitän desselben nutzte die Gelegenheit und setzte seine Mannschaft wieder in zwei Rettungsboote. Die Nacht brach herein und es erfolgte kein weiterer Angriff. Als die Mannschaft am nächsten Tag ihr Schiff unversehrt auf dem Wasser treiben sah, ging sie wieder an Bord und setzte ihre Fahrt nach New York fort. Dort angekommen gab es natürlich einiges zu erzählen. Währenddessen hatte der Funkraum amerikanische Jazz-Musik in alle Räume geschaltet und das Boot schipperte der US-Küste entgegen. Am Morgen des 7.Mai 1942 hatte U 352 noch ein unangenehmes Erlebnis zu überstehen: einen Flugzeugangriff. Doch da man rechtzeitig ein Alarmtauchen angesetzt hatte, donnerten die zwei Bomben so weit entfernt in die See, daß kein Schaden angerichtet wurde. Was den Piloten nicht daran hinderte, dieses Boot als vernichtet zu melden. Am Nachmittag des 9. Mai 1942 war U-Rathke im Seegebiet südlich von Kap Lookout angekommen und sichtete dort auch sofort ein Schiff. In einem schnell angesetzten Unterwasserangriff wurden zwei Torpedos abgeschossen. Ein Torpedo war ein Frühdetonierer und explodierte um 16.29 Uhr lokaler Zeit als Grundgänger runde 180m von der Steuerbordseite des Schiffs entfernt, der andere Torpedo traf auch nicht. Derart alarmiert lief das angegriffene Schiff -es war der 350ts große Küstenwachkutter USS Icarus- auf seinen Angreifer zu, um diesem nun seinerseits einzuheizen.


USS Icarus direkt am Kai des Hafens Charleston
US National Archives Picture No. 80-G-88191

Denn der bei den Bath Iron Works im US-Bundesstaat Main gebaute und am 1. April 1932 mit der taktischen Kennung WPC-110 für die US-Küstenwache in Dienst gestellte Patrouillenkutter der Argo-Klasse war wegen seiner hohen Geschwindigkeit von maximal 16 Knoten bei Kriegsausbruch nicht nur mit zwei 3inch-Geschützen und zwei 20mm-Flakwaffen ausgerüstet worden, sondern hatte auch U-Jagdwaffen erhalten. Diese bestanden neben einer wirkungsvollen Sonar- und Horchanlage aus zwei Heckablaufgerüsten mit Wasserbomben, zwei Wasserbombenwerfern an den Schiffsseiten und zwei Raketenwerfern. Kapitänleutnant Rathke hatte mittlerweile erkannt, daß er ein Kriegsschiff angegriffen hatte und lief die Explosionsstelle seines Torpedos an, um die von der Explosion an dieser Stelle erzeugte Geräuschkulisse zum Verstecken zu nutzen. Dort ließ er sein Boot so weit abtauchen, wie das in diesem flachen Gewässer möglich war und setzte U 352 in 38m Tiefe sachte auf Grund. An Bord des unter dem Kommando von Lieutenant-Commander Maurice D. Jester stehende Kutters hatte man U-Rathke aber schon im Suchgerät aufgefaßt und einen Abfangkurs berechnet. Jetzt überlief die USS Icarus das U-Boot und ließ fünf in einem Sternenmuster in die See fallende Wasserbomben über Bord gehen. Drei von der Heckrampe und zwei aus den Werfern. Diese explodierten um 16.31 Uhr lokaler Zeit über U-Rathke und richteten schwere Schäden an. Das Decksgeschütz wurde aus seiner Verankerung gerissen und über Bord geschleudert, die Verkleidung des Turms zerfetzt,eine E-Maschine außer Funktion gesetzt, alle Manometer sowie die Luftflaschengruppe 2 zerstört, der Aussenbunker aufgerissen und im Turm der I.WO (Erster Wachoffizier) Leutnant zur See Josef Ernst getötet. Mit nur noch einer funktionierenden E-Maschine versuchte Kapitänleutnant Rathke sich nun mit Westkurs davonzuschleichen, um in tiefere Gewässer zu entkommen. Doch die Suchgeräte an Bord von USS Icarus fanden das U-Boot wieder. Beim zweiten Angriff um 16.45 Uhr lokaler Zeit warf die USS Icarus drei Wasserbomben in einem Y-Muster über dem Boot ab. Zwei von der Heckrampe,eine aus einem Werfer. Als nun viele Luftblasen vom UBoot aufstiegen, wurde in Anlauf Nummer Drei noch eine einzelne Wasserbombe in den Strom der Luftblasen geworfen. Da noch Maschinengeräusche gehorcht wurden, machte die USS Icarus einen weiteren Anlauf und warf um 17.08 Uhr lokaler Zeit eine weitere Wasserbombe rechts von der Quelle der Luftblasen. Durch den Explosionsdruck wurde U 352 um 17.09 Uhr lokaler Zeit an die Wasseroberfläche geworfen und sofort unter MG- und Geschützfeuer von Bord der nur 70 m entfernt liegenden USS Icarus genommen.Kapitänleutnant Rathke ließ das hecklastige Boot an der Oberfläche festblasen und enterte durch den Turm hinauf auf die Brücke. Dort sah er sofort, daß das unter starkem Feuer der USS Icarus liegende Boot zu stark beschädigt war und sich in Ermangelung des Decksgeschützes auch nicht weiter wehren konnte. Zwar versuchten noch Mannschaftsmitglieder die 2cm-Flak schußklar zu bekommen,jedoch war das Feindfeuer zu stark dazu. Kapitänleutnant Rathke hatte vorher schon den Befehl gegeben Rettungswesten und Tauchretter anzulegen. Jetzt gab er also trotz intakter Diesel den Befehl zum Verlassen von U 352. Nachdem sich ab 17.11 Uhr lokaler Zeit der Großteil der Besatzung durch einen Sprung in den Atlantik gerettet hatte, dauerte das Feuer des US-Schiffes immer noch an, wobei auch die mittlerweile im Wasser paddelnden deutschen Seeleute getroffen wurden. Man schoß auf Schiffbrüchige! Sieben Seeleute kamen so zu Tode. Der LI (Leitende Ingenieur), Oberleutnant (Ing.) Heinz Teetz, hatte mittlerweile an Bord die Selbstversenkung eingeleitet, sodaß nun U 352 um 17.14 Uhr lokaler Zeit mit ihm an Bord für immer in die Tiefe sank. Statt nun die im Wasser treibenden Schiffbrüchigen zu retten, verließ die USS Icarus den Versenkungsort. Angeblich hatte das Suchgerät ein weiteres U-Boot aufgespürt, daß es nun zu verfolgen galt. Im Bericht an die Vorgesetzten steht, daß man das Ziel auch bald ausmachen konnte, da man eine große Luftblase erspähte, wie sie U-Boote machen. Stellt sich die Frage, was für Luftblasen U-Boote denn so gewöhnlich machen... Laut Bericht wurde über diesem "Ziel" eine Wasserbombe geworfen, aber dann nichts mehr gehorcht oder sonstwie wahrgenommen. Unbestritten ist, daß die USS Icarus erst per Funk bei fünf verschiedenen Dienststellen nachfragte, ob die Schiffbrüchigen gerettet werden sollten. Da dies den selbstverständlichen Geboten des Seerechts und der Menschlichkeit entsprach, wurde dieser Befehl auch gegeben. Um 17.50 Uhr lokaler Zeit kehrte die USS Icarus schließlich an die Versenkungsstelle zurück und zog die verwundeten und unverwundeten deutschen Seeleute aus dem Wasser, um sie dann nach Charleston in Süd-Karolina zu bringen. Von 49 Besatzungsmitgliedern überlebten so nur 32 Mann.


Nach Anlandung treten die Überlebenden von U 352 am Kai in Reih und Glied an
und marschieren dann in Gefangenschaft
US National Archives Pictures No. 80-G-41302, 80-G-41303

Nichtsdestotrotz wurde der Kommandant der USS Icarus nicht vor ein Kriegsgericht gestellt. Stattdessen wurde er Titelbildheld des Life-Magazins und bekam den höchsten Orden der US-Marine: das Navy Cross.
In Ermangelung von Informationen über U 352 wurde das Boot vom BdU mit Wirkung vom 9. Mai 1942 für vermißt erklärt und ein provisorisches Kriegstagebuch angefertigt.


Archivmaterial der Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Erst mit einem Kriegsgefangenenaustausch noch während des Krieges kam Licht in die Sache und der Obermaschinist Heinrich Bollmann konnte den Hergang des Verlustes darlegen.


Archivmaterial der Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Seit dem Tag seines Verlustes liegt U 352 nun runde 26 Meilen südlich des Beaufort-Inlet vor der Küste von Süd-Karolina in knapp 35m Tiefe und kann mit Hilfe der LORAN-Zahlen 27063,5 und 39491,5 von jedem unternehmungslustigen Skipper mit LORAN-Gerät angesteuert werden. Der erste Tauchgang am Wrack fand schon am 19. Mai 1942 statt. In der Hoffnung Geheimpapiere zu finden, war ein Bergungsschlapper der US-Marine, die USS Umpqua, zum Wrack herausgefahren. Ein Helmtaucher stellte im Bug ein großes Loch sowie eine Krängung von 60° nach Steuerbord fest. Da er nicht genug Schlauch hatte, konnte er nicht in das Boot einsteigen. Im August folgte deshalb ein zweiter und dritter Tauchgang mit mehr Schlauch. Als man jedoch feststellte, daß rund um das Wrack noch nichtdetonierte Wasserbomben herumlagen, wurden die Taucharbeiten sofort abgebrochen. Auch die Strömung am Grund war mit 2,5 Knoten zu stark für Helmtaucher. Bis zum nächsten Tauchgang vergingen 33 Jahre. Dank moderner Navigationsgeräte fand George Purifoy das lange von ihm gesuchte Boot im Jahr 1975 wieder. Die Kunde vom U-Boot vor der eigenen Haustüre zog viele Taucher an. Schon 1976 durchtauchten sie das Wrack recht ungeniert von vorne bis hinten und nahmen alles mit was ihnen so in die Finger kam. Daß es sich um ein Kriegsgrab handelte, scheint für diese Taucher ohne Bedeutung gewesen zu sein, wie man am abgeborgenen 2cm-Flakgeschütz sehen kann, das heute auf einer gewissen US-Pier steht.


Picture © 2003 Roman Ptashka

Und so befinden sich auch andere Gegenstände wzB.Backbordschraube, Turmluk, Sehrohrteile, Sextant, Ferngläser, Tassen, Teller, Eßbesteck, Schilder der Maschinen- und Sehrohranlage, Bootsmannspfeifen, Sportabzeichen, Laufbahnabzeichen, Hoheitsabzeichen, Kleidungsstücke, Stoppuhren, Teleskope, Rasierer, Schellackplatten, Geldbörsen, Ölkannen, unausgefüllte Leistungsbücher und Marschbefehle sowie Urlaubsscheine, diverse Dienstanweisungen, Thermometer, Signalpistolen usw. in "Privatbesitz". Auch ein Schädel, Fingerknochen, Oberschenkelknochen, Hüftknochen, Schlüsselbeinknochen sowie andere Knochen wurden aus dem Kriegsgrab heraufgeholt und in Form eines Piratensymbols...... in einem Tauchshop ausgestellt! US-Senator Weicker nannte dies was es ist: eine nationale Schande. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Botschafter wurde deshalb offiziell klargestellt, daß das Wrack von U 352 -trotz des Umstandes daß es in internationalen Gewässern liegt- auch unter dem Schutz von Kriegsgräbern nach US-Recht steht. Um dem Treiben am Wrack ein Ende zu setzen und außerdem eine Gefahr für die Schifffahrt zu beseitigen wurden im Mai 1980 Taucher der US-Marine zum Wrack befohlen. Diese bargen die noch umherliegenden 8,8cm-Granaten des Decksgeschützes sowie die 20mm-Granatpatronen des Flakgeschützes ab und entfernten die Zündpistolen aus den noch im Bugraum bzw. der in den Torpedorohren lagernden Torpedos. Außerdem wurden nun an die offenstehenden Luks Bleche geschweißt, die ein weiteres Eindringen in das Kriegsgrab verhindern sollten. Leider wurden innerhalb weniger Monate zwei dieser Platten wieder von unbekannter Hand entfernt.

Taucht man heute am Wrack, so hat man meist einen recht guten Überblick über das ganze Boot -Seitweiten von über 30 Meter sind hier keine Seltenheit. In der Regel sieht man schon in knapp 10m Tiefe das Wrack, insbesondere den Turm mit dem Turmluk und den Führungsrohren für die Periskope. Aus gutem Grund sei hier daran erinnert,daß ein Eindringen in Wracks gefährlich ist und Erfahrung sowie Schulung voraussetzt, einmal abgesehen davon daß es sich hierbei um ein Kriegsgrab handelt!


Pictures © 1998 Rick Allen

Über dem Turm angekommen kann man sich von der dort meist ausgelegten Austauchleine lösen und auf Erkundung gehen.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

Hat man den Turm umkreist und sich einen Eindruck von dem mit einer immer noch starken Krängung im sandigen Meeresgrund eingebetteten Wrack verschafft, taucht man meist zuerst nach vorne in Richtung Bug.


Pictures © 2004 Dale A. Hansen

Dieser ist den Umständen nach gut erhalten, da hier bei anderen Wracks oft nur der Druckkörper zu sehen und das Überwasserschiff weggegammelt ist. Dieses ist hier noch erhalten, wie man in der Draufsicht erkennen kann.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

In der Ansicht direkt von vorne kann man aber sehen, daß der Teil vor der Druckhülle etwas abgeknickt ist.


Picture © 1998 Rick Allen

Taucht man nun an der Rumpfoberkante zurück in Richtung Turm, bietet sich einem die folgende Perspektive vom Wrack.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

Der nächste interessante Punkt auf dem Weg in Richtung Schiffsmitte ist hier an der Rumpfseite das Backbordtiefenruder mit dem das Boot die jeweils benötigten Tiefen ansteuern konnte.


Picture © 2002 Paul M. Hudy

In unmittelbarer Nähe dazu befindet sich an Deck das vordere Torpedoübernahmeluk.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

Durch dieses wurden im Hafen oder auf See die Torpedos in das Innere des U-Bootes verfrachtet. Taucht man weiter zum Turm sieht man zunächst das offenstehende Kombüsenluk, dann die Pivotlafette für das Decksgeschütz und dahinter wieder den Turm mit den Führungsrohren für die Periskope.


Picture © 2002 Paul M. Hudy

Je näher man am Rumpf ist, desto klarer treten diese Merkmale heraus.


Picture © 1998 Rick Allen

Am Kombüsenluk vorbei wird weiter entlang der Rumpfoberkante in Richtung Turm getaucht -vorbei am Geschützpivot.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

Ein Blick über die linke Schulter läßt erkennen, wie gut der Pivot erhalten ist.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

Mittlerweile befinden wir uns vor den Tauchbunkern des Bootes.


Pictures © 2004 Dale A. Hansen

Diese liegen vor und seitlich des Turmes in Sattelform auf dem Rumpf auf, haben aber mittlerweile zT. ihre Stahlbeplankung verloren, so daß die Spanten der Stahlbeplankung wie Rippen hervorstechen.


Pictures © 2004 Dale A. Hansen

Nun führt uns der Tauchgang auf dem Weg in Richtung Heck wieder am Turm vorbei.


Picture © 2004 Dale A. Hansen

Auf dem Achterdeck ist wie auf dem Vordeck das Oberdeck aus Holz weggegammelt. Das stählerne Überwasserschiff ist hier zwar auch bewachsen, jedoch noch gut erhalten. Insbesondere das achtere Torpedoübernahmeluk springt ins Auge. Knapp davor ist hier eine Führungsleine zum Austauchen befestigt.


Picture © 2003 Roman Ptashka

Auch das Heck selbst ist noch gut erhalten.


Picture © 2002 Paul M. Hudy

Zwar hat man Backbords die Schraube entfernt, jedoch Schraubenwelle,Schraubenbock und Ruder sind noch sehr gut erkennbar.


Picture © 2002 Paul M. Hudy

Die noch vorhandene Steuerbordschraube ist zT. im weichen Grund aus Kies und Sand verschwunden.


Picture © 2002 Paul M. Hudy

Hat der Atemluftvorrat bis hierher gereicht, ist es an der Zeit sich vom Wrack zu verabschieden und entlang einer der Führungsleinen wieder aufzutauchen.

GPS - Position:
34° 13` 68,2``N / 76° 33` 90,7``W

Für die vielen großartigen Schwarzweißfotos deutschen Ursprungs geht unser Dank, wie schon so oft für gleichartige Hilfe, an die Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote von Horst Bredow in Cuxhaven. Ohne ihn und das Archiv wären viele schöne U-Bootdokumentationen nicht möglich! Herzlichen Dank!
Furthermore I wish to express my gratitude to Mr. Dale A. Hansen who generously gave permission to use the wide array of photos available on U 352 at his nice site of Discoverydiving! Apart of this I wish to thank the US National Archives for providing historic photos on USS Icarus and the crew of U 352. Last but shurely not least I wish to thank Mr. Rick Allen of Nautilusproductions, Mr. Paul M. Hudy of NC-Wreckdiving and Mr. Roman Ptashka of Antipodeum for their kind permission to use their nice photos and stills on U 352!


Infos

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Auszug aus diesem Forum:


Interessante Tiefe
vom 13.11.2008 : Hallo. Ich komme aus dem Sporttauchbereich, und war noch nie tiefer als 26 m. mich interessiert aber, welche tiefe habt ihr ... [mehr]

Gator wraps
vom 12.11.2008 : Hallo zusammen, wollte mal wissen, ob jemand hier Gators verwendet. Und wenn ja, welche? Gibt es Erfahrungen? Bei meinem ... [mehr]

Hebesack ohne Storage-Pack
vom 12.11.2008 : Wo habt Ihr den Hebesack wenn kein Storagepack verwendet wird? Wenn ich den Sack unten am Backplate montiere, stell ich nicht ... [mehr]


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