Wo fängt man an, wenn man über die Wiege des Tauchsports
schreibt, über Plätze an denen schon die Urväter des
Tauchsports abgetaucht sind? Was „man“ schreibt weiß ich nicht –
ich für meinen Teil
werde versuchen, die Gegend neu zu beleuchten und vielleicht bei dem
einen
oder anderen Leser das Interesse zu wecken an diesem wunderbaren Land
mit
seinen fantastischen Tauchrevieren.
Von München aus erreicht man Genua in ca. 7 Stunden, eine Tatsache
die für mich entscheidend war, da es somit eine gute Alternative
zum mittlerweile etwas überteuerten Kroatien darstellt. Kommt man
über die Alpen und erblickt zum ersten Mal die azurblaue See ist
es wie beim Rendezvous mit einer Unbekannten die sich als
brillierende Schönheit entpuppt
– es ist eine Liebe auf den ersten Blick, die mit jedem Atemzug tiefer
wird.
Savona
Wir haben uns entschieden mit einer lokalen
Berühmtheit zu tauchen, mit einem, der die Küste wie seine
Westentasche kennt: Gino Sardi.
Ursprünglich in Varazze beheimatet hat er seine Basis neuerdings
in
Savona. Gino leitet die Tauchbasis zusammen mit seinem Sohn und seinem
perfekt
deutsch sprechenden Partner Paolo Genta. Praktischerweise haben wir auf
Empfehlung Gino´s nur wenige Gehminuten von der Basis entfernt im
Hotel Rivera Suisse eingecheckt. In der malerischen Altstadt gelegen
bietet
die familiäre Unterkunft auch schnellen Zugang zu zahlreichen
Restaurants;
Geschäften und Museen von Savona. Nicht tauchende
Mitreisende
haben somit gute Möglichkeiten ihre Tage zu gestalten ohne dass
dies
mit den Plänen der Taucher kollidiert. Die Basis ist ebenfalls in
zehn
Minuten zu Fuß zu erreichen.
Gino verfügt über
ein gut ausgestattetes RIB und fährt aufgrund der Nähe
häufig das Wrack der „Amoco Milford Haven“ an. Das Wrack des unter
zypriotischer Flagge fahrenden Tankers ist ein Traum vieler Taucher und
ist das Schiff der Superlativen. Im April 1991 gesunken und dabei
für die schlimmste Ölpest der ligurischen Küste
verantwortlich, liegt sie nun auf 89 Meter Tiefe auf Grund. Das Dach
der Aufbauten erreicht man aber schon bei 32 Meter! Mit fast 300 Meter
Länge ist es außerdem das größte zu betauchende
Wrack der Welt. Gino erreicht die Haven in einer 40-minütigen
Fahrt, die an und für sich schon ein Erlebnis ist, wenn man
rasante Bootsfahrten mag.
Das Wrack selbst bietet eigentlich für jeden
etwas. Sporttauchern
ist es problemlos möglich die oberen Aufbauten zu erkunden, die
aufgrund
ihrer Größe schon allein so manch anderes Wrack in den
Schatten
stellen. Allerdings sollte dabei ein striktes Tiefenlimit eingehalten
werden,
da man vor lauter Staunen leicht den Blick auf den Tiefenmesser
vergisst und sich dann auf dem Deck in 65 Meter wiederfindet. Für
Trimixtaucher ist es ein Eldorado, das praktisch unbegrenzten Raum
für Entdeckungen bietet. Sei es der einfach gigantische
Maschinenraum oder ein Ausflug zu
den drei riesigen Schrauben. Es gibt immer wieder etwas Neues zu
erkunden
und egal wie oft man das Wrack besucht, es wird nie langweilig. Zu
beachten
ist, dass es wegen einiger Unfälle mittlerweile eine
Sonderregelung
für das Betauchen der Haven gibt. Es ist ein Guide erforderlich,
der
auch auf die Einhaltung der Tiefengrenzen achtet.
Gino Sardi´s Mannschaft
hat aber mehr zu bieten als nur den Stahlgiganten Haven.
Absolut lohnenswert ist ein Besuch der Mohawk Deer (Bild
rechts). Das kanadische Frachtschiff lief am fünften November 1967
an der Steilküste bei Portofino auf und versank. Heute liegen
seine gebrochenen Reste zwischen 18 und 48 Meter Tiefe und bilden einen
Tummelplatz für Fische und Taucher gleichermaßen.
Ein weiteres Highlight ist das Wrack des UJ 2216 vor Sestri Levante.
1926 als Luxusjacht für die Familie Rothschild als „Eros“ auf Kiel
gelegt, wurde das Schiff im zweiten Weltkrieg zum U-Jäger umgebaut
und später unter der Bezeichnung UJ 2216 in den Dienst der
deutschen Kriegsmarine gestellt. Am 14. September 1944 wurde das Schiff
von US-Schnellbooten torpediert und so vor Sestri versenkt.
Heute liegt UJ 2216 auf 60 Meter Tiefe und
man erreicht ihre oberen Aufbauten in 35 Meter. Das Wrack gilt als
eines der schönsten im ganzen Mittelmeer. Perfekt erhalten und
wunderschön bewachsen ist sie ein wahres Juwel, sowohl für
Taucher als auch für Fotografen. Zahlreiche Netze und Leinen, die
sich an Ihr verfangen haben stellen eine Gefahr für Taucher dar
und sollten beachtet werden. Obwohl das Wrack bereits auf 35 Meter
anfängt, sollte es nur mit Trimix betaucht werden, da die
interessanten Teile alle unterhalb der Sporttauchgrenzen liegen. (Siehe
auch unseren Artikel Eros und Mars aus der 16.Ausgabe
unseres Online Magazins).
Außer den angeführten gibt es noch eine
Vielzahl weiterer Wracks, die mit Gino angefahren werden können.
Nachfolgend sei nur eine Auswahl genannt:
- „V.A.S.“ bei Genua, ein U-Boot-Jäger, der
auf 51 Meter Tiefe liegt.
- „UJ 2207“ vor Genua, ebenfalls ein U-Boot-Jäger
in 38 Meter.
- Fiat BR20M "Cicogna"-Bomberwrack,Werknummer MM 21503. Liegt bei Santo Stefano al Mare in 47 Meter auf einer ebenen Sandfläche
- “Bettolina” vor Sestri Levante . Das Wrack
eines Lastkahns auf 31 Meter.
- „Tiflys“ vor Loano. Ein Frachter der auf maximal 52
Meter zu erreichen ist.
Fiat Bomber
Hierbei besonders erwähnenswert ist das Wrack des Fiat Bombers, da
die genaue Geschichte des Flugzeuges bekannt ist und man somit beim
Tauchgang eine bessere Vorstellung bekommt an was man eigentlich taucht
und welche
Schicksale mit dem Wrack verknüpft sind.
Ein weiterer Tauchgang der Superlative wurde uns von
Gino zum Abschluss präsentiert. Eigentlich wollten wir vor Alassio
das Wrack der „Umberto Primo“ auf 50 Meter betauchen. Strömung und
hoher Seegang verhinderten diesen Tauchgang aber, und so kamen wir
sozusagen als „Entschädigung“ zu einem der besten Tauchgänge
unseres Aufenthalts. Vor Alassio gelegen handelt es sich bei dem Wrack
um einen Supertanker der Antike. Etwa 50 Meter lang hat das
römische 450 Tonnen Schiff rund zehntausend Amphoren mit Wein
transportiert als es ca. 120 n. Chr. unterging. Heute erblickt man an
klaren Tagen bereits von der Oberfläche ein riesiges Amphorenfeld
in vierzig Meter Tiefe und bekommt beim Abstieg durch das
fantastische Blau einen ersten Überblick über das, was ein
einmaliger Tauchgang werden soll. Das Wrack wurde bereits 1925 von
einem Fischer entdeckt und im
Laufe der Jahre als eines der ersten römischen Wracks an der
Küste systematisch erforscht und vermessen.
Viele der geborgenen Artefakte sind heute im „Museo
Navale Romano“ in Albenga zu bewundern, so unter anderem auch
Kupferhelme, die auf eine militärische Eskorte auf dem Schiff
hindeuten und ein Bleiofen, der wohl für Ausbesserungsarbeiten an
der Beplankung des Schiffes gedient hat. Erreicht man den Boden und
beginnt das Feld entlang zu schwimmen, kommt man aus dem Staunen nicht
heraus. Hunderte der riesigen tönernen Krüge liegen auf dem
Grund verstreut und man
könnte die Zeit vergessen vor lauter Begeisterung. Jeder
zurückgelegte Meter offenbart etwas neues. Sei es ein Congeraal,
der sich eine Amphore als
neue Behausung erwählt hat oder das ungebrochene Siegel eines noch
intakten
Kruges. Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein langweiliger Haufen
Tonscherben
aussieht entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein offenes
Geschichtsbuch
dass mit einer Vielzahl von Bildern und Eindrücken überrascht
und
einen lebendigen Einblick gibt in eine Zeitkapsel, die vielen für
immer
verschlossen bleibt. Viel zu schnell vergeht die Zeit und wir schweben
wieder
hinauf, beladen mit Eindrücken aus einer längst vergangenen
Zeit.
Gino besitzt eine Sondergenehmigung für das Wrack und man kann im
Rahmen der von ihm hier angebotenen Tauchgänge auch an einer
archäologischen Schulung teilnehmen. Ein Angebot, das den Reiz
dieses Tauchgangs sicherlich noch erhöht.
Elba
Nach diesem relativ kurzen Aufenthalt mussten wir leider wieder
aufbrechen um einen weiteren Topspot der italienischen Küste zu
erkunden: Elba. Von Livorno aus in ca. 45 Minuten per Fähre zu
erreichen ist Elba immer noch ein Nahziel und für ein
verlängertes Wochenende durchaus
geeignet.
Wir hatten diesmal
auf Selbstversorgung gesetzt und uns eine Ferienwohnung in Casa del
Golfo gemietet. Die Anlage liegt in der relativ ruhigen Bucht von
Lacona auf der Südseite von Elba und lädt zum Ausspannen und
Erholen ein. Bequem in einem zehnminütigen Strandspaziergang zu
erreichen findet sich in derselben Bucht auch das von Beppe und Luciana
geführte Tauchcenter „Blu Immersion“.
Das Tauchcenter besteht im wesentlichen aus einigen
zusammengestellten
Containern, was der Qualität und dem Service aber in keiner Weise
abträglich ist. Mit wenigen Worten lässt sich das Angebot als
schnell, kompetent und freundlich beschreiben. Blu Immersion
verfügt über ein schnelles, gut ausgerüstetes Tauchboot,
das nur wenige Schritte vom Tauchcenter entfernt abfährt.
Ausrüstung schleppen ist nicht nötig, die Ausrüstungen
und Flaschen werden vom Staff mit dem Auto bis an den Steg gefahren.
Der ganze Tauchbetrieb ist super organisiert, die Tauchgänge
werden ausgiebig besprochen und wer mag, kann sich von einem
kompetenten Guide
die kleinen Besonderheiten des jeweiligen Tauchplatzes zeigen lassen.
Auf Sonderwünsche wird, sofern möglich jederzeit eingegangen
– ich habe das weidlich ausgenutzt und wurde trotz doppeltem
Platzbedarf mit Doppelgerät und drei Kameras immer super nett und
hilfsbereit unterstützt. Genug des Lobes, gehen wir ins Wasser.
Glasklare Sicht - sowohl an der Riviera, als auch in Elba
Das erste was mir aufgefallen ist war
die spektakuläre Sicht an allen Tauchplätzen. Sichtweiten bis
zu
50 Meter waren keine Seltenheit und nach einem Tauchgang bei dem ich
aus 30
Meter das Boot sehen konnte entschuldigte sich der Guide
zähneknirschend bei mir für die schlechte Sicht... Für
Wracktaucher ist Elba sicher nicht das richtige Revier. Es gibt das
Wrack der Pomonte, das aber mehr ein Boot denn ein Schiff ist und somit
nicht mehr als einen Tauchgang hergibt. Weitere Wracks sind bekannt,
werden aber auf Grund der großen Tiefe von ca. 80 Meter derzeit
nicht angefahren.. (vielleicht gibt das in naher Zukunft noch Grund
für einen weiteren Bericht an dieser Stelle).
Was Elba zu bieten hat, sind
Steilwände, bizarre Felsformationen,
Fischschwärme und pulsierendes Leben ohne Ende. Egal wo man ins
Wasser
springt, steile Felsen die scheinbar ins endlose Blau stürzen, im
lichtdurchfluteten
Wasser tanzende Fischschwärme und eine Fülle von
Kleinstlebewesen
auf jedem Felsen. Ich war permanent hin und hergerissen ob ich zuerst
die
spektakuläre Landschaft mit der einen oder die in endloser
Vielzahl
vorbeiziehender Makromotive mit der anderen Kamera ablichten soll – ein
wahrer
Kampf. Gleich beim ersten Tauchgang wurde mir ein Mondfisch (Mola
Mola)
angepriesen, der dann aber auf sich warten lies. Dafür gab’s echte
rote
Korallen, leider mittlerweile eine Rarität. Der Mondfisch gab sein
Stelldichein
dafür beim zweiten Tauchgang und wer diese ruhigen und etwas
skurril
wirkenden Gesellen einmal unter Wasser erlebt hat, der wird diese
Begegnung
nie vergessen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Italiener gerne tief
tauchen und zwar mit Luft. Die Gasplanung entspricht dabei auch nicht
immer dem was ich als sicher bezeichnen würde. Es ist daher
unbedingt vorher abzuklären wie tief man seine persönliche
Grenze ziehen will. Das sollte dann auch klipp und klar VORHER
besprochen werden. Ich wurde an den ersten beiden Tagen von
meinen Mittauchern mit bösen Blicken bedacht
weil ich mit Nitrox unterwegs war und meine Tiefe daher auf 30 Meter
beschränkte.
Als ich am letzten Tag mit Doppel 12 Trimix und einer Nitrox Stage zur
Deko
am Boot erschien wurde ich belächelt weil sich der Tauchgang ja
auch
einfach mit einer Mono 15 mit Pressluft durchführen
lässt..
Der Tauchgang war ein Felsblock mit roten Korallen im offenen Meer auf
65
Meter...
Ich will hier nicht in eine Deep-Air Diskussion abschweifen, daher
genug davon. Es ist in jedem Fall eine Portion Eigenverantwortung
gefordert und eine vernünftige Selbsteinschätzung.
Für nicht tauchende Familienmitglieder oder Mitreisende empfiehlt
sich auf alle Fälle ein Schnorchelausflug in der Bucht. Auch hier,
nur wenige Meter vom Strand entfernt gibt es in üppigen
Seegraswiesen
allerlei Getier zu entdecken, vom Seepferdchen bis zum Oktopus.
Traumhafte Küstenlinien mit zauberhaften Villen machen Elba
zu einem liebenswerten Reiseziel
Auch wenn die Küsten Italiens bei vielen von uns als Urlaubsziel
aus der Mode gekommen sind weil wir an die überfüllten
Strände an der Adria denken – als Tauchziel bietet die
Rivieraküste einige
der besten Spots in Europe, die den Vergleich mit so mancher tropischen
Destination nicht zu scheuen braucht. Kombiniert mit der kurzen
Anreise,
dem kulturellen Angebot unseres Nachbarlandes und nicht zu vergessen
den
kulinarischen Genüssen macht das für mich dein Urlaubsziel
vom
feinsten.
News und Neuigkeiten für und über Taucher - Nachrichten rund um den Tauchsport findest Du auf unserer Nachrichtenseite von DiveInside. Alle Meldungen der letzten Tage sind hier übersichtlich angeordnet und können im Detail abgerufen werden.
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