Ausdauertraining fürs Tauchen?

 Geschrieben von Gunther

Ausdauertraining fürs Tauchen?

von Gunther Maassen

Vorab ein Dank an Marcus Lüpke, der als Diplom Sportlehrer einige interessante
Beiträge zum Thema Sport veröffentlicht hat und so freundlich war mit Rat und Tat bei diesem Artikel zu helfen. (hier seine Homepage ).

Schon bei dem Gedanken an Ausdauertraining bricht so manchem Tauchfreund der Schweiß aus.
Muss das denn sein, und reicht es nicht ab und an mal ein paar Bahnen zu schwimmen?

1. Wofür benötige ich denn so etwas wie Ausdauer?

Als prägnantes Beispiel mag hier das unbeabsichtigte Hineintauchen in eine unbekannte Strömung dienen. Wie aus dem Nichts wird man urplötzlich von ihr erfasst, Puls und Atmung schießen in die Höhe, der Luftvorrat schwindet unerwartet schnell, der Computer gibt Atemwarnung und lässt die Nullzeit ablaufen, erste Dekopflicht wird angezeigt...

Dekoschaukel - Ausdauer Training für Taucher

Den Rest kann sich jeder nach Wunsch ausmalen...

2. Das Ziel

Wie kann man nun verhindern, dass der Körper auf einen notwendigen Leistungsanstieg so heftig reagieren muss?

Mit Ausdauertraining und der daraus folgenden konditionellen Verbesserung!

Hierbei werden im Körper komplexe Anpassungs-Vorgänge aktiviert, die unter anderem das Herzvolumen vergrößern (von untrainierten 800 ml bis auf das doppelte bei Spitzensportlern). Der Ruhepuls wird - durch eine Verbesserung des Stoffwechsels in der Muskulatur - langsam sinken.

Der Herzmuskel arbeitet ökonomischer und benötigt weniger Sauerstoff.
Die maximale Sauerstoff Aufnahme VO2max steigt als Resultat mehrerer Faktoren:
Vergrößerung der Respirationsfläche
Steigerung der Anzahl der Kapillaren
Weitung von Lungenvenen und –Arterien
Die Lungenvitalkapazität erhöht sich

Diese und viele weitere Anpassungen an die erhöhte Leistungsanforderung versetzen den Organismus in die Lage, ökonomischer zu arbeiten.
Weiterhin sollte nicht vernachlässigt werden, dass die Wirkung von regelmäßigem Ausdauertraining auch die schnelle Regeneration nach Belastungen (wie z.B. ein Tauchen gegen Strömung oder sogar ein Anschwimmen gegen Strömung an der Wasseroberfläche) darstellt.

Die Kondition baut sich auf.

3. Der lange Weg

Diese Anpassung ist nicht innerhalb von wenigen Tagen zu erzielen, obwohl schon nach 3-4 Wochen erste Effekte auftreten, der Ruhepuls sinkt um einige wenige Schläge, wir können schon etwas längere Strecken Laufen oder Schwimmen ohne außer Atem zu geraten etc. Für die ersten Anpassungen ist eine bestimmte Trainingsintensität bzw. Trainingswiederholung notwendig. Ein wöchentlich einmaliges Schwimm- oder Tauchtraining reicht für solche Anpassungen nicht aus.
Zu diesen Parametern kommen wir später zurück.

3.1 Woher kommt die Energie

Als erstes schauen wir uns die verschiedenen, für uns relevanten Formen der Energie-Bereitstellung an. Die beiden für uns interessanten Bereiche sind die Verstoffwechselung von Kohlehydraten und Fett. Daneben gibt es noch Energiebereitstellung über Phosphor (Adenosintriphosphat = ATP) für extrem kurze Bewegungsabläufe und Eiweiß, das bei einseitiger bzw. Mangelernährung und bei wirklich extremen Belastungssituationen zur Energiebereitstellung herangezogen wird. Dies kommt im Tauchsport jedoch außerordentlich selten vor.

Kohlehydrate werden überwiegend in Muskeln und Leber bevorratet, während Fett, ok sprechen wir nicht drüber....

Der Vorrat an Kohlehydraten ist abhängig vom Trainings- und Ernährungszustand und reicht von einigen Minuten bis zu 2 Stunden. Der Vorrat von Fett scheint zumindest bei mir sehr, um nicht zu sagen viel zu ergiebig zu sein ;-)

Im Allgemeinen wird bei einer körperlichen Anstrengung immer ein Mix aus Kohlehydraten und Fett verstoffwechselt. Der Anteil an KH steigt mit der Intensität der Belastung, hier dient der Puls als Kontroll-Parameter. Der Übergang ist fließend und verschiebt sich mit dem konditionellen Aufbau.

Da die Belastung für Taucher meist im Bereich von kleiner einer Stunde liegen, scheint es naheliegend, erst einmal diesen Bereich zu trainieren, heißt die Bereitstellung und die Verarbeitung der KH zu optimieren.

3.2 Arten der Ausdauerbelastungen

Die Arten der Ausdauerbelastungen werden nach der Dauer der Leistungsabforderung untergliedert in:

• Kurzzeitausdauer KZA 45 – 120 Sekunden
• Mittelzeitausdauer MZA 2- 10 Minuten
• Langzeitausdauer LZA I 10 – 35 Minuten
• Langzeitausdauer LZA II ab 35 Minuten

Die Übergänge sind fließend und im Training nicht abgrenzbar. Die für uns in unseren Beispielen, der Kampf gegen die Strömung oder auch der Weg zurück zum Schiff, wichtigen Stufen liegen im Bereich MZA und LZA I. Hierbei werden u.a. VO2(max), Lungenkapazität und Herzminutenvolumen trainiert. Vor allem auch die Regenerationsfähigkeit wird durch Ausdauertraining verbessert, was uns in allen Lebenslagen nützlich ist. Daneben wäre auch noch ein Training für den kurzen Sprint zum Buddy trainierbar, diese spezielle Anforderung soll aber in diesem Beitrag nicht weiter betrachtet werden.

3.3 Trainingsimpulse

Wichtig sind, ohne zu sehr in Details gehen zu wollen, vor allem die Regenerations- Zeiten zwischen den Belastungen. Grob gesagt, versucht der Körper nach einer Belastung eine Überkompensation, um sich für später Anstrengungen ordentlich zu wappnen. Diese Phase am Ende der Erholung nennt man Superkompensation.

Grafik Superkompensation - Ausdauer beim Tauche

Man muss nun versuchen, den nächsten Trainingsreiz eben genau in die Phase der Superkompensation zu legen und somit die Kondition wie auf einer Treppe nach oben zu „schaukeln“. Eine optimale Trainingsgestaltung nutzt diesen Selbstschutzeffekt des Körpers für den Aufbau der Kondition aus.

Grafik Trainingsreize - Ausdauer beim Tauchen

Aus der Darstellung ist ersichtlich, warum es besser ist, 3x pro Woche 30 Minuten zu trainieren, als 1x 120 Minuten. Als optimal für Freizeitsportler gelten 3-4 Belastungen pro Woche. Minimum aus gesundheitssportlicher Sicht 2-3x pro Woche für eine Zeit von 20-30 Minuten. Dabei ist eine Pulskontrolle wichtig, um individuelle und sinnvolle Reize setzen zu können.

Oftmals wird aber auch zu viel trainiert, was im extrem Fall die Kondition vernichten kann, wie aus der nachstehenden Grafik erkennbar wird:

negatives Training - Verlust von Ausdauer

Der Belastung folgt eine unzureichende Erholung, die folgenden Belastung unterbricht den Erholungsvorgang, was bei einem gleichbleibendem Rhythmus die Kondition langsam aber sicher abbaut. Ohne eine adäquate Erholung ist somit ein
Erfolgsversprechendes Training nicht möglich. Kommt hinzu, dass wir ja auch Tauchen wollen, und ein Ausdauertraining erst einige Stunden nach einem Tauchgang erlaubt ist, da körperliche Anstrengung Einfluss auf den Abbau von im Körper gelösten Gasen nimmt.

Im nächsten Online-Magazin werden die einzelnen Trainingsmethoden, Intensität und der Umfang erläutert. In einem dritten Artikel werden dann Trainingspläne für die Grundlagenausdauer, als auch die spezifische Kraftausdauer im Schwimmbadtraining erläutert

© 2005 - Text von Gunther Maassen
© 2005 - Bild Dekoschaukel von Achim R.Schlöffel

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