Ausdauertraining fürs Tauchen? Teil 2

 Geschrieben von Gunther

Ausdauertraining fürs Tauchen?

Teil 2

Im letzten Online-Magazine wurden Energiebereitstellung, Trainingsimpulse und
Superkompensation
vorgestellt. Nun geht es darum Trainingsmethoden zu wählen, die die Anpassungen hervorrufen, welche wir zur Steigerung unserer Kondition wünschen.

3.4 Trainingsmethoden

Welche Methoden stehen uns nun zur Verfügung?
Für die Grundlagenausdauer stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Hier ist eine kleine Auswahl der Methoden, die dem Anfänger und auch dem fortgeschrittenen Freizeitsportler dienen. Methoden, die die Geschwindigkeit trainieren, habe ich ausgelassen, schließlich wollen wir unter Wasser ja keine persönliche Bestzeit aufstellen.

  • Dauermethode
  • Fahrtspiel (variable Dauermethode)
  • extensive Intervalle

Mit der Abwechselung soll die Effizienz erhöht und der Langeweile vorgebeugt werden.

3.4.2 Zu den einzelnen Methoden:

Dauermethode
Bei der Dauermethode handelt es sich um eine kontinuierliche niedrige Belastung,
typisch wären ein langsamer Waldlauf oder eine moderate Fahrradtour.

Belastung: 65 % der max. Herzfrequenz
Umfang: ab 30 Minuten
Planung: Aufwärm- und Auslaufphase werden im Programm integriert


Fahrtspiel (Variable Dauermethode)

Hierbei werden Abschnitte von hoher Belastung mit Abschnitten von geringer abgewechselt. Dies kann durch Sprinteinlagen auf der einen, oder durch sehr langsames Traben auf der anderen Seite geschehen. Entsprechendes gilt für Radfahren und Schwimmen. Oftmals werden z. B. beim Laufen kleine Hügel als Belastungsbereiche genutzt, die man zügig angeht. Die Anzahl der Belastungsintervalle und die Pausenlänge ergeben sich nicht nach festen Regeln, sondern nach örtlichen Gegebenheiten und dem eigenen Gefühl. Der Vorteil liegt in der relativen Freiheit dieser Methode.

Belastung: 80-90 % bei Belastung- sowie 60-70% bei Entlastungsphase
Umfang: 30-60 Minuten
Planung: Aufwärm- und Auslaufphase werden im Programm integriert, Anzahl der Wiederholungen nach Gefühl.


Extensive Intervalle (EI)
Hier wird zwischen den Belastungsintervallen eine so genannte "lohnende Pause" eingelegt. Eine lohnende Pause führt nicht zur vollständigen Regeneration - und somit nicht zur vollständigen Ermüdung über die gesamte Trainingseinheit.

Belastung: 75-85 % der max. HF, 5-10 Minuten Einheiten, 5-8 Wiederholungen
Pausen: 2-3 Minuten lockeres Traben
Umfang: Gesamt ca. 1 Stunde


Achtung: Beim Schwimmen gelten die Angaben zu Herzfrequenzen nicht. Durch den „Tauchreflex“ kommt es zu einer Verschiebung der Belastungsgrenzen, die relativ komplex zu beschreiben sind und in diesem Artikel nicht abgehandelt werden können.

Für Radfahrer gelten alle Belastungen minus 5% Punkten, so wird zum Beispiel bei der Wiederholungsmethode eine Belastung von 85 % der maximalen Herzfrequenz
angepeilt. Bei allen Methoden ist ein langsames Warmlaufen von 5-15 Minuten sowie ein Auslaufen zum Übergang in die Regeneration mit einem entsprechenden Dehnprogramm (Stretching) sehr wichtig. Dies beugt Verletzungen vor und verkürzt die Regenerationsdauer erheblich.

Der Anteil an langsamen Methoden, variablen Dauermethoden, reinen Dauermethoden und langsamen, extensiven Intervallen liegt bei über 2/3 des Gesamtumfanges. Nur 10% liegen im Bereich der maximalen Belastung.
Ein zu hoher Umfang oder eine zu hohe Belastung führen zu einem systematischen
Abbau der Kondition und erhöhen das Verletzungsrisiko enorm. Zwischen zwei intensiven Einheiten müssen Regenerationspausen und Trainingseinheiten mit geringer Belastung eingebettet werden.

3.5 Der Trainingspuls

Nun ist noch zu klären wie man die maximale Herzfrequenz ermittelt, und wie man während der sportlichen Betätigung den Puls messen kann.

Als einfachste Faustformel, kann man die so genannte Altersformel anwenden:

Max. Herzfrequenz = 220 – Lebensalter in Jahren

Das würde z.B. bei mir (43 Jahre) 220-43 = 177 Schläge pro Minute ausmachen.

Diese Angabe ist ausreichend für unseren Zweck, wer später Wettkampfsport betreiben möchte, benötigt sicherlich deutlich genauere Parameter.
Daraus ergibt sich z.B. bei mir eine Herzfrequenz im Bereich zwischen 132 und 150 Schlägen für Variable- und Dauermethode.

Gemessen wird der Puls entweder an der Carotis (Halsschlagader) oder noch viel besser mit einem der handelsüblichen Pulsmessgeräte; Hinweis: Selbst die günstigsten Modelle sind für unsere Zwecke meist ausreichend. Schön ist es, eine Pulsobergrenze eingeben zu können, die bei Überschreitung einen Warnton hervorbringt. Denn fast alle Anfänger trainieren am Anfang viel zu intensiv. Eine Stoppuhrfunktion ist auch sinnvoll für einige der Trainingsmethoden, und ab und an fürs Ego, wenn man sieht, dass man die Runde nach einigen Wochen schneller laufen kann, und die Herzfrequenz die alte geblieben ist.

4. Der Plan

Als Probanden nehmen wir einen gesunden, 40-jährigen Taucher an, der durch Lauftraining und 1x wöchentliches Schwimmbadtraining seine Ausdauer erhöhen möchte. Er joggt schon seit einiger Zeit und ist in der Lage, 30 Minuten ohne Pause in einem moderatem Tempo zu laufen. Sein Schwimmbadtraining ist immer Sonntags, und er möchte 3-4 Trainingseinheiten pro Woche incl. Schwimmbad absolvieren.

Trainingsplan Dauerm. = Dauermethode, EI = Extensive Intervalle, VD = Variable Dauermethode


In den nächsten Wochen kann der Umfang bis zu je 60 Minuten gesteigert werden. Wichtig ist der ruhige Lauf am Samstag, der eher langsamer als schneller durchgeführt werden sollte, um eine entsprechende Erholung zu gewährleisten.
Wer kann, sollte ruhig auch noch eine zweite Schwimmbadeinheit anstatt eines Lauf-Tages einplanen. Auch hier gilt: Langsam und ruhig, dafür etwas länger! Das subjektive Wohlgefühl ist das Maß der Dinge.

Nicht jeder kann und will nun 3-4 mal pro Woche trainieren. Man sollte dann mit der Dauermethode gleichmäßig auf die Woche verteilt anfangen und später dann einmal pro Woche das Fahrtspiel oder die variable Dauermethode einbauen. Und nochmals der Hinweis, lieber 2-3 kurze Einheiten gleichmäßig auf die Woche verteilt, als eine lange Einheit am Wochenende.

Das wichtigste überhaupt ist, dass man in sich "hineinhört" und von seinem Körper lernt, was er mit macht und wo die Grenzen sind. Dieses Gefühl für sich selbst kann man nicht in Frequenz oder Minuten ausdrücken und stellt eine Erfahrung dar, die man nur langsam aufbaut, aber vielfältig nutzen kann.

Ein absoluter Anfänger sollte erst einmal ganz langsam eine Grundlage aufbauen. Hier bietet es sich an, 3x pro Woche folgende Trainingseinheit zu absolvieren:

Aufwärmen durch Traben und Gymnastik ca. 10-15 Minuten
Langsames Laufen auf ebener Strecke ca. 5 Minuten, dann 2-3 Minuten Gehen, bis man sich wieder subjektiv erholt hat, dann wieder 5 Minuten Laufen usw., dass ganze 4-6 Mal,
zum Abschluss: Dehnungsübungen- ca. 10 Minuten.

Langsam kann man dann die Pausen verkürzen und die Laufeinheiten verlängern, bis man ca. 30 Minuten gemütlich ohne Pause Laufen kann. Danach ist ein Wechsel zu obigem Zeitplan möglich.

Wichtiger Hinweis:
Jeder der ein Ausdauertraining absolvieren möchte, sollte vorher unbedingt seinen Arzt konsultieren. Das oben aufgeführte Programm gilt für ambitionierte Freizeit-Sportler, die eine allgemeine Ausdauer aufbauen möchten.


Abschließend noch eine Beispiel für eine Schwimmbad-Trainingseinheit von Marcus Lüpke.

Einleitender Teil: 10 Minuten

Ziel: Erwärmung der Muskulatur (Erhöhung der Muskeltemperatur), Vorbereiten der Muskulatur und des Nervensystems auf die nachfolgenden Stundeninhalte und Anregung des Herz-Kreislaufsystems.

Beispielhafte Inhalte:
  • Kraul- Brust- oder Rückenschwimmen mit und ohne ABC-Ausrüstung (keinen Brustbeinschlag mit Flossen !)
  • Schnorcheln mit und ohne Arm- oder Beineinsatz in beliebiger Art und Weise.
  • Kleine Spiele (Wasserball, Fangspiele, kleine Staffelspiele mit geringer Intensität)

Merke: Das Aufwärmen sollte die Übenden nicht zu hoch belasten, da ansonsten folgende Teilziele einer Trainingseinheit wie z. B. Übungen zur Verlängerung der Apnoezeit behindert werden können. Oftmals verausgaben sich die Übenden schon zu Beginn einer Übungsstunde in hohem Maße.

Hauptteil: 30-40 Minuten

Apnoetraining und Übungen zur Orientierung und Selbstkontrolle unter Wasser

Ziel: Verlängerung des Atemanhaltens unter verschiedenen Bedingungen.

Beispielhafte Inhalte:
  • Tauchübungen durch und um Hindernisse herum
  • Abtauchen und anschließendes Bewältigen verschiedener Aufgaben unter Wasser (Knoten lösen, Rechenaufgaben bearbeiten, Ringe ertauchen, Streckentauchen mit eingebauten Pausen etc.)
  • Abtauchen nach vorgegebener Tauchzeit (Steigern der Tauchzeit z.B. von 20`` auf 1` in 10 Sekundenschritten usw.)

Merke: Entspanne dich während des Tauchens um Energie- und Sauerstoffverbrauch so niedrig wie möglich zu halten. Sinnvoll ist daher (Lerneffekt!), auch das Durchführen bzw. Vermitteln von Entspannungstraining in den jeweiligen Übungsstunden.

Techniktraining

Ziel: Verbesserung von bestimmten Bewegungsabläufen und Kennenlernen neuer und bekannter Gerätschaften.

Beispielhafte Inhalte:
  • Übungen zur Verbesserung der verschiedenen Schwimmtechniken (Rücken-, Brust- und Kraulschwimmen).
  • Übungen zur Verbesserung des Flossenbeinschlages in Bauch-, Rücken- und Seitenlage.
  • Alle Übungen, die das Erlernen des DTG-Tauchens beinhalten (also auch der komplette ABC-Teil). Das Tauchgerät wird eingeführt und die Handhabung im Laufe des Übungsprozesses automatisiert.

Merke: Bei jeder Muskelanspannung wird Energie verbraucht (also auch Sauerstoff). Dieser Verbrauch läßt sich durch eine richtige Technik verkleinern. Durch Techniktraining werden Bewegungen automatisiert, die Anspannung nicht benötigter Muskelgruppen wird vermindert. Entsprechend sollte die zur Verfügung stehende Muskulatur sinnvoll eingesetzt werden. Durch eine richtige Technik können gleiche Bewegungen mit deutlich geringerem Kraftaufwand ausgeführt werden. Ein Techniktraining sollte langsam, im Schwierigkeitsgrad der Übungen ansteigend durchgeführt werden. Da sich die Übenden stark konzentrieren müssen, sollte der Belastungscharakter vorhergehender Übungsteile bewusst niedrig gewählt werden.

Ausdauertraining (aerob und anaerob)

Ziel: Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit.

Beispielhafte Inhalte:
  • Ausdauerndes Schwimmen und Schnorcheln in verschiedenen Lagen (Rücken, Brust, Kraul etc.)
  • Trainingsmethoden zur Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit
  • Dauerschwimmen (z.B. 10´ Schwimmen ohne Pause).
  • Extensives Intervalltraining (z.B. 5 x 2 Bahnenschwimmen mit einer Pause von 1:1 (Belastung : Pause)). Intensität: Mittel, Pause: kurz.
  • Tempowechseltraining oder Fahrtspiel (z. B. 9 Bahnen schwimmen, davon jede 3. deutlich schneller als die anderen).
  • kleine Spiele mit Einlagen (z.B. Wasserball mit der Auflage nach jedem erzielten Tor 2 Bahnen zu schwimmen).
  • Transportieren, Ziehen und Schieben von Geräten und Partnern.

Merke: Durch regelmäßiges Ausdauertraining erfolgen Anpassungen des Herz-Kreislaufsystems (Senkung der Herzfrequenz in Ruhe, Ökonomisierte Herz und Kreislaufarbeit). Das Herz wird kräftiger und besser durchblutet. So trägt es wesentlich dazu bei, dass die körperliche Versorgung mit Sauerstoff effektiv erfolgt. Des Weiteren wird der Wasserstoff (H+)Reiz verringert. Durch die Fähigkeit, als gut trainierter Sportler (im Vgl. zum Untrainierten) geringe Mengen Laktat (Milchsäure) für gleiche Belastungen zu bilden, verringert sich auch der H+-Atemantrieb. Die Verbesserung der allgemeinen Ausdauerleistungsfähigkeit sollte im Tauchtraining immer angestrebt werden. Den Umfang und die Intensität der Übungen sollte man gering halten, dafür lieber einen Schwerpunkt auf lang andauernde Übungen mit ausreichend langen Pausen legen.

Schlußteil: 10 Minuten

Ziel: Einleitung der Regenerations (Erholungs-)phase.

Beispielhafte Inhalte:
  • Entspannung im Wasser oder an Land (Sporthalle, ruhige Musik, Auftriebshilfen).
  • lockeres (!) Ausschwimmen/ Ausschnorcheln.
  • Ausgleichsgymnastik im Wasser oder an Land (Streching, Dehnübungen etc).
  • Ausschwimmen ohne Flossen (Entlastung der stark beanspruchten Fußgelenke).
  • kleine Spiele mit geringer Intensität (gering !)

Merke:
Angehäufte Milchsäure wird durch lockere Muskelarbeit, Dehnübungen etc. schneller abgebaut als ohne. Des Weiteren laden sich die durch Training entleerten Energiespeicher des Körpers schneller auf, die Muskeln erholen sich schneller. Nicht zu vernachlässigen ist auch die psychische Entspannung für die Teilnehmer. Nach dem Training völlig ausgepumpt aus dem Wasser zu wandern, ist für eine Leistungsverbesserung nicht sinnvoll.

Wichtige Regeln für den Unterricht im Sporttauchen:

  • Partnerbeobachtung sollte immer gefördert werden (Tauche nie allein!)
  • Beim Streckentauchen auf die Gefahren durch Hyperventilation hinweisen !
  • Hinweis auf den schon in geringen Wassertiefen nötigen Druckausgleich geben !
  • Apnoetraining, Techniktraining und Training mit hohen Intensitäten sollten immer zu Beginn der Übungsstunde erfolgen !
  • Schnelle und sehr intensive Belastungen nur in geringe Maße durchführen lassen !
  • Den Unterricht immer entsprechend der Zielgruppe planen (Anfänger, Fortgeschrittene, Kinder, Jugendliche).

Alle genannten Punkte sollten insbesondere bei unerfahrenen, neuen und vor allem jungen Tauchern oder Tauchschülern immer wieder angesprochen werden.


Hier noch einige Literaturhinweise:


Wessinghage, T.: Laufen. BLV. München 1996

Zintll, F./Eisenhut, A-: Ausdauertraining. BLV. München 2001

Zeitschriften wie „Fit for Fun“ oder Laufen, geben regelmäßig Tipps für Läufer und Ausdauersportler.

Auf die Nennung zahlreicher weiterer Standardwerke habe ich verzichtet,
a. weil es sehr viele gibt und
b. weil es mir darauf ankommt Bücher zu empfehlen, die leicht zu lesen sind.

Es gibt sicherlich noch weit mehr gute und spezifische Literatur, ein Gang zu einer Buchhandlung lohnt sich sicherlich.


Das Wichtigste zum Schluss:


Nur wenn Sport Spaß macht, macht man in der nächsten Woche weiter.

Infos

Tekkies finden hier was Sie suchen - Infos zu Ausrüstung, Deko und noch viel mehr. Im TEK-Forum werden alle Themen des technischen Tauchens zusammengeführt und das Mögliche und Unmögliche diskutiert. Schau einfach mal rein!


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