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 Geschrieben von Oli

Kelp - gefährdetes Ökosystem

Auf seiner Reise nach Golfito ( Costa Rica ) hat der Katamaran "Oceana Ranger" eines der reichhaltigsten, lebhaftesten und faszinierendsten Ökosysteme der Unterwasserwelt dokumentiert. Es handelt sich um die Algenwälder aus Kelp, dem größten pflanzlichen Organismus der Weltmeere die gleichsam submarine Regenwälder sind.


© 2005 Philip Colla, Natural History Photography

Kelpwälder werden von großen Braunalgen gebildet. Kelp wird trotz seiner grünen Färbung den Braunalgen zugeordnet, da sie Chlorophyll a und c sowie neben grünen Pigmenten auch andere Pigmente enthalten, die ihnen eine effizientere Nutzung des Sonnenlichts für die Photosynthese in tieferen Gewässern ermöglichen. Dem Fucoxanthin verdanken sie ihre gelegentlich braune oder goldene Farbe durch die Spiegelung von gelbem Licht. Die aus Braunalgen bestehenden Kelpwälder stellen einen dem Landwald durchaus vergleichbaren Lebensraum dar.
In Europa findet man andere Tangwälder aus Laminarien wie etwa in der Nordsee oder im Mittelmeer. Die häufigsten Arten in diesem Ökosystem sind Saccorhiza und Laminaria.

Trotz ihrer hohen ökologischen Bedeutung werden die Kelpwälder nicht durch das Gemeinschaftsrecht der EU geschützt. Oceana setzt sich daher dafür ein, dass dieser submarine Wald in Europa wie auch international unter Naturschutz gestellt wird.


Der längste Kelp weltweit ist der Riesentang ( Macrocystis pyrifera ). Er kann bis zu 30 m hoch wachsen und kommt auf beiden Hemisphären vor: an der amerikanischen Pazifikküste von Alaska bis nach Niederkalifornien ( Mexiko ), an den Küsten im Süden Chiles und Argentiniens sowie in den Gewässern vor Neuseeland, Australien und Südafrika. Kelpwälder findet man bei günstigen Lichtbedingungen bis in Tiefen von 60 m unterhalb des Meeresspiegels. Vorzugsweise wächst Kelp in Gewässern mit gemäßigten Temperaturen, wenngleich Kelpwälder bis in arktische und antarktische Gewässer anzutreffen sind, sofern die Temperaturen nicht unter 5ºC sinken. Bei niedrigeren Temperaturen werden nämlich die Geschlechtsorgane der Algen, die Gameten, zerstört.

12 bis 14 Monate " Schwangerschaft "

Der Lebenszyklus von Kelp beginnt mit den Sporen, welche sich zu weiblichen oder männlichen Gameten ausbilden können. Die weiblichen Gameten bringen ein " Ei " hervor, das von einem männlichen Gameten oder Spermium befruchtet wird. Dazu sondern die weiblichen Gameten ein Pheromon bzw. einen Sexuallockstoff ab, um die Spermien anzulocken und die Eizellen zu befruchten. Aus der durch Befruchtung entstandenen Zygote entwickelt sich ein Sporophyt, aus dem durch Zellteilung Milliarden von Sporen hervorgehen. Von diesen gelingt es nur einem Bruchteil sich zur Pflanze auszubilden, wobei von 100.000 Jungpflanzen nur eine das adulte Stadium erreicht. Wie bei einer Schwangerschaft erstreckt sich der Entwicklungszyklus von Kelp bis zu seiner Vollendung über einen Zeitraum zwischen 12 und 14 Monaten. Dabei wachsen und sterben die meisten dieser Braunalgen in nur 6-9 Monaten in einer ununterbrochenen Abfolge von Befruchtung, Wachstum ( in einer Geschwindigkeit von bis zu 50-60 Zentimetern am Tag ) und Tod. Neben dem Riesentang gibt es andere große " submarine Bäume " oder Kelparten wie:
  • Egregia menziesii
  • Egregia laevigata
  • Pelagophycus porra
  • Eisenia arborea und viele andere.

Seeigel, der wichtigste Feind

Ähnlich einem terrestrischen Wald verhalten sich die Kelpalgen oder Laminarien wie hochwüchsige Bäume und bieten hunderten von Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum zwischen ihren " Baumkronen ", " Stengeln " und " Haftorganen " Denn Algen verfügen über keine Wurzeln, Sprosse oder Blätter, wie man sie von Bäumen oder anderen Pflanzen kennt. An ihrer Stelle nutzen sie zur Verankerung am Untergrund ein Haftsystem oder Rhizoid, welcher dem Thallus halt bietet. Dieser Thallus kann bei einigen Arten in einen Stiel oder Cauloid und in eine Krone oder Wedel unterteilt sein. Eine Vielzahl von Arten finden in diesem Ökosystem ein ideales Habitat wie etwa der Garibaldi-Fisch ( Hypsypops rubicundus ), der zu den Riffbarschen gehörende " Blacksmith " ( Chromis punctipinnis ), Riff- und Kelpfische wie Paralabrax clathratus, Alloclinus holderi oder der Señorita ( Oxyjulis californica ) und viele mehr.

Zu diesem Lebensraum gehören auch viele weitere Arten wie Krustentiere oder Borstenwürmer. Nicht selten stösst man zwischen den Stengeln dieser " Bäume " auch auf Arten wie den Blauhai ( Prionace glauca ) oder Waltiere wie den Weißstreifendelphin ( Lagenorhynchus obliquidens ). Die wichtigsten Feinde der Kelpalgen sind die Seeigel, welche sich von ihren Wedeln und Trieben ernähren und sogar ausgedehnte Flächen dieser submarinen Wälder vernichten können. Zum Glück ernähren sich vom Seeigel die Seesterne oder etwa der Wels Plecostomus commersonni. Sie kontrollieren damit die Population der Seeigel und bewahren das Ökosystem der Kelpwälder vor einer Zerstörung. Von den Seeigeln ernähren sich auch Seeotter ( Enhydra lutris ) und Abalone-Schnecken ( Haliotis spp. ), welche im Dickicht dieses Walds häufig sind.

Durch die Überfischung der Meere schwinden die natürlichen Feinde des Seeigels, was zur Vernichtung der Kelpwälder führen kann, indem die Population von Stachelhäutern wie der Rote Seeigel ( Strongylocentrotus franciscanus ) oder der Langstechelige Purpurseeigel ( Strongylocentrotus purpuratus ) überhand nimmt.


© 2005 Erling Svensen

Laminarien, Kelpalgen in Europa

Die Kelpwälder an den Küsten Europas werden von anderen Laminarien ( Laminariales ) gebildet und kommen sowohl im Atlantik als auch im Mittelmeer vor. Die häufigsten Vertreter in diesem Ökosystem sind Saccorhiza und Laminaria.

Wenngleich die europäischen Kelpwälder nicht die überwältigenden Ausmaße ihrer Verwandten im Pazifik annehmen, erreichen einige Arten beträchtliche Längen:

  • So zum Beispiel der Palmtang ( Laminaria hyperborea ) im Nordatlantik mit bis zu über fünf Metern oder die Kombu-Alge ( Laminaria ochroleuca ) mit über vier Metern in einigen Gegenden des Mittelmeers wie in den Gewässern der Alboransee oder der Meerenge von Messina bei Sizilien.
  • Eine endemische Art des Mittelmeers ist die Braunalge Laminaria rodriguezi, welche am Untergrund in Tiefen von bis zu 150 m haften kann. Man findet sie vor Spanien ( Katalonien, Balearen und Comunidad Valenciana ), Italien ( insbesondere im Thyrrenischen Meer ), Frankreich ( hauptsächlich um Korsika ), zwischen Kroatien und Montenegro sowie bei Nordafrika.
  • Die häufigsten Arten im Atlantik sind Flügeltang ( Alaria esculenta ), Zuckertang ( Laminaria saccharina ), Fingertang ( Laminaria digitata ) und weitere Arten wie Sackwurzeltang ( Saccorhiza polyschides ) oder der bereits erwähnte Palmentang ( Laminaria hyperborea ), auf den man von Norwegen über Galicien bis zur Straße von Gibraltar trifft. Manche der genannten Arten wie Saccorhyza polyschides kommen auch im Mittelmeer vor, fehlen dagegen aber in der Nord- und Ostsee.
  • Ein wichtiger Standort für Braunalgen mit sehr dichten Wäldern liegt in ger Deutschen Bucht im Felswattbereich vor Helgoland, wo man Laminaria digitata ebenso wie L. Hyperborea findet.

Viele dieser Algenarten sind an der kantabrischen Küste ( das östlichste Verbreitungsgebiet des Sackwurzeltangs und der Kombu-Alge liegt bei Elanchove, Baskenland ) und in Galicien ( u.a. auch Zuckertang und Palmentang ) häufig vorzufinden.

Industrielle Nutzung von Kelp

Abgesehen vom hohen ökologischen Wert der Kelpwälder spielen Braunalgen auch eine große Bedeutung in unterschiedlichsten Industriezweigen, wo sie in der Erzeugung von Nahrungsmitteln, Arzneimitteln, Farben, Baustoffen oder Kosmetik verwendet werden.

Denn neben der direkten Nutzung als Futter oder Dünger ist Kelp vor allem durch die Erzeugung eines Polysaccharids, des Alginats, belangvoll. Dieses Geliermittel findet zahlreiche Anwendungen in:

  • Nahrungsmitteln ( Eis, Soßen, Bier, Yoghurt…)
  • Hygieneartikeln ( Zahnpasta, Shampoo, Seife... )
  • Arzneimitteln ( Pillen )
  • sowie in chemischen Erzeugnissen ( Färbemittel, Farben, Dichtstoffe… )

Invasive Kelparten

Durch die Züchtung von Braunalgen in Aquakulturen sowie durch die Verschleppung im Ballastwasser von Handelsschiffen sind einige Kelparten in fremde Ökosysteme gelangt, wo sie schwere Probleme verursachen, die heimische Algenarten aber auch Weichtiere in ihrem Bestand bedrohen können.

So gilt die Braunalge Undaria pinnatifida oder Wakame aus dem nordwestlichen Pazifik als einer der gefährlichsten Neophyten aufgrund ihrer hohen gebietsfremden Verbreitung, welche nunmehr auch den östlichen und südlichen Pazifik, den Nord- wie den Südatlantik sowie das Mittelmeer und die Ostsee einschließt.

Während der Expedition, welche die Oceana Ranger vom Pazifik nach dem Mittelmeer führen wird, sollen auch andere wichtige Ökosysteme der Braunalgen dokumentiert und erforscht werden wie die Sargassosee oder einige Tangwälder mit Cystoseira spp.
 

© 2005 ZOEA







Texte © 2005 Paloma Larena, Astrid Haas,Oliver Meise
Bilder © 2005 Oceana -soweit nicht anders gekennzeichnet



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