Unterwasserarchäologie am Bodensee

 Geschrieben von Lino

Unterwasserarchäologie am Bodensee

von Lino von Gartzen

Das Jahr 2005 begann für die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie mit dem Auftrag, den bayerischen Teil des Bodensees zu erforschen. Das Ziel war es, unterwasserarchäologische Denkmäler - sofern vorhanden - zu dokumentieren und ggf. zu schützen. Unser Prospektionsgebiet erstreckte sich dabei vom Gebiet um die Insel Lindau bis zur Gegend von Nonnenhorn am Nordufer des Bodensees. Tobias Pflederer (2. Vorsitzender der Bayer. Ges. f. Unterwasserarchäologie e. V. - www.bgfu.de) hatte die Aktion perfekt organisiert: Von der Recherche in den Archiven, den benötigten Tauch- und Anfahrtsgenehmigungen bis hin zur Parkerlaubniss im gesamten Inselgebiet war alles vorhanden.

Die Aktion begann am Freitag morgen an der Bootshütte der BGfU in Starnberg -

Beginn der Aktion - Unterwasserarchäologie am Bodensee


- mit der Beladung unserer Autos. Eine große Anzahl an Prospektionsmaterial sowie Werkzeuge, Sedimentbohrer, TGs, Kompressor, etc. waren für das Projekt notwendig.

Eintreffen in Lindau - Unterwasserarchäologie am Bodensee
Lindau am Bodensee

Freitag Mittag trafen wir dann in Lindau ein. Dort wurden wir bereits von der Wasserwacht (Leitung: K. Müller) erwartet. Zu meiner grossen Überraschung und Freude war das Boot der Wasserwacht, der SEEWOLF, viel grösser und komfortabler als erwartet. Bei Temperaturen von -15° war die schöne, grosse und vor allem beheizte Kajüte des Bootes äußerst angenehm.

Die nächsten Tage sind wir mit dem SEEWOLF die Lindauer Bucht abgefahren und haben einige auf dem Echolot interessant wirkende Positionen betaucht, die sich aber nach gezieltem Betauchen als falsche positive Signale herausstellten. Eindeutige Befunde - vor allem Wracks - konnten wohl aufgrund des hohen Sedimenteintrages durch die zuführenden Flüsse (Rhein, Bregenzer Ach) nicht festgestellt werden.

Die eisigen Temperaturen bis -16° C stellten besondere Anforderungen an das Tauchmaterial und auch Personal. Automaten, Jackets, Anzüge waren erst nach ca. fünf-minütigem Auftauen im 3° C kalten Wasser einsatzbereit. Nach dem Tauchgang war außerdem eine sofortige Füllung der Jackets mit Luft erforderlich, um für den nächsten "Sprung ins kalte Wasser" (vom Boot aus) genügend Auftrieb zu haben. Jeden morgen musste sich der SEEWOLF als Eisbrecher bewähren. Hafen und Uferbereich wiesen eine nicht unerhebliche Vereisung auf.

Die Seewolf - Boot der Wasserwacht am Bodensee
Die "Seewolf"

Zum Ausschluss von potentiell vorhandenen Pfahlstationen und damit assoziierten "Kulturschichten" wurden im Flachwasserbereich relevanter Stellen Sedimentbohrungen durchgeführt. Zur Altersbestimmung mittels Jahrringanalyse (= Dendrochronologie) wurden mit einem Kernbohrer entsprechende Proben an der alten "Pfahlumwehrung" von Lindau entnommen.

Sonarfahrt mit dem Forschungsschiff Kormoran
Die "Kormoran"

Sonarbild von der Kormoran
Sonarbild von der Kormoran

Am Donnerstag unterstützte uns das Institut für Seenforschung in Langenargen mit seinem Forschungsschiff "Kormoran", ausgerüstet mit einem sidescan-sonar.

Unterwasserarchäologie am Bodensee
Hier zeigten sich nur wenige potentiell interessante Scan-Befunde, die meisten allerdings in größeren und nicht betauchbaren Tiefen. Aufgrund einer noch akzeptablen Wassertiefe von 20 m und einer interessanten "Scan-Struktur" erwies sich eines der Objekte als relevantes Ziel, das genauer untersucht werden sollte.
Am nächsten Tag fuhren wir gespannt zu den ermittelten Koordinaten des Objekte. Wiederum wurden wir von einem Filmteam des Bayerischen Fernsehens begleitet, das uns sozusagen "live" bei der Betauchung des besagten Objektes filmte.





Während die anderen noch mit dem Team vom Bayerischen Rundfunk über die geplanten Kamera-Fahrten diskutierten, war ich schon unter Wasser, nach 3 Minuten war ich an unserem Objekt und hab freudig meine Boje mit dem Reel gesetzt. Dies galt den anderen Vereinsmitgliedern als vereinbartes Zeichen für eine gelungene Lokalisation des Objektes
Unterwasserarchäologie am Bodensee
Unterwasserarchäologie am Bodensee
Unterwasserarchäologie am Bodensee
Weitere Taucher und das Filmteam konnten dadurch direkt an der Bojenleine zu besagtem Objekt gelangen: Ein großes Arbeitsfloß, 8m breit x 14m lang. An einer Seite zeigten sich 3 grosse Winden. Das Wrack wurde vermessen, eine Zeichnung angefertigt und mittels Foto- und Videodokumentation festgehalten. Wir recherchieren momentan, um was für ein Floss es sich handelt, und wann und warum es versunken ist.


Der Bericht zu dieser unterwasserarchäologischen Prospektion im bayerischen Teil des Bodensees wird vom Bayerischen Rundfunk am 03.03.2005 auf Bayern 3 gesendet, Faszination Wissen um 19.30 Uhr.



Meinen besten Dank an Tobias Pflederer für die mehr als perfekte Organisation, an das Institut für Seenforschung sowie an die Leute von der Wasserwacht Lindau (vor allem Klaus Müller) für die tatkräftige Unterstützung.

Es nahmen teil: Tobias Pflederer, Armin May, Marcus Thier, Thomas Wachinger und Lino von Gartzen (Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V. - www.bgfu.de).


© 2005 - Lino von Gartzen; überarbeitet von Tobias Pflederer






Infos

Wracktauchers Paradies. Die Solomonen. Taucht ein in Olis Solomonen-Wrackführer. Dort gibt es Wracks in Hülle und Fülle, und auch zu der Historie der untergegangenen Schiffe ist jede Menge zu lesen. Tauch ein in die Solomonen


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