U 869, besser bekannt als “U-Who”, zählt heute
sicherlich zu den bekanntesten U-Boot-Wracks weltweit. Mehrere Filmbeiträge
(unter anderem Spiegel TV-Reportage in Deutschland, Nova´s “Hitler´s
lost sub” in Amerika) und Bücher haben sich ausführlich dem Thema
gewidmet.
In Deutschland bekannt geworden sind vor allem “Der letzte Tauchgang” von Bernie Chowdhury, das insbesondere
die Lebensgeschichte von Vater und Sohn Rouse beleuchtet, die 1992 bei einem
Tauchgang zu “U-Who” ums Leben kamen, sowie “Im Sog der Tiefe” von Robert
Kurson (Verlag Hoffmann und Campe, ISBN 3-455-09463-5, engl. Originaltitel
“Shadow Divers“).
Hier wird auf 431 spannenden Seiten die Geschichte von U 869 wieder gegeben,
insbesondere die zur schlussendlichen Identifizierung führenden Recherchen
und Tauchgänge der beiden Hauptprotagonisten John Chatterton und Richie
Kohler.
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt:
8. Dezember 1944, Deutschlands Niederlage ist besiegelt. Dennoch verlässt
U 869, ein Boot des Typs IX C/40, unter Kapitänleutnant Helmuth Neuerburg mit seiner
55 Mann starken Besatzung den Stützpunkt im norwegischen Kristiansand
und kreuzt zunächst drei Wochen lang vor der norwegischen Küste.
Am 29. Dezember wird es dann vom Befehlshaber der U-Boote zum Kurs auf Planquadrat
CA 53 beordert, rund 110 Seemeilen südöstlich von New York.
Schon auf dem Weg dorthin wird einige Tage später der Befehl dahingehend
abgeändert, dass U 869 jetzt Kurs auf Gibraltar nehmen soll. Dieser neue
Auftrag erreichte Neuerburg - sei es wegen einer technischen Fehlfunktion
oder wegen Funkproblemen auf Grund der Wetterlage - jedoch nie. Während
also die deutsche Führung das Boot vor Gibraltar bzw. auf dem Weg dort
hin wähnte, folgte dieses dem ursprünglichen Befehl und hielt weiter
Kurs auf die amerikanische Ostküste.
Nach dem Krieg fand sich dann in sämtlichen Aufzeichnungen folgender
Eintrag: “U 869: Boot wurde versenkt vor der afrikanischen Küste südlich
von Gibraltar durch einen Angriff des U.S. Geleitzerstörers USS Fowler
sowie des französischen Küstenwachschiffs L´Indescret.
Die Gleichung war einfach: Angriff auf ein U-Boot - Ölspuren - Boot
wahrscheinlich gesunken - einziges U-Boot in dem Gebiet U 869 = Akte geschlossen.
Das wahre Schicksal von Kommandant Neuerburg und seiner Besatzung blieb
annähernd 50 Jahre lang verborgen; die Falschmeldung wurde, da immer
neu publiziert, zur allgemeinen Wahrheit.
Zeitsprung: Brielle/New Jersey/USA, September 1991
Bill Nagle, Kapitän und Eigner der Seeker, eines knapp 20 Meter langen,
hochseetüchtigen Charterbootes für Taucher, erfährt in der
Hafenkneipe Horrible Inn von einem Fischer die Koordinaten einer Stelle, etwa
60 Meilen vom Hafen entfernt im offenen Atlantik, an der sich große
Fischschwärme ansammeln sollen.
Nagle, selbst einer der bekanntesten Wracktaucher
der USA (er barg unter anderem die Glocke der Andrea Doria), wusste, dass
sich dort zu 90% nur Felsen befinden würden, maximal noch eines der oftmals
vor der Küste versenkten “Müllkähne” - die letzten ungewissen
10% jedoch ließen ihm keine Ruhe.
Am 02. September machte sich Nagle, begleitet von 13 der besten Wracktaucher
der USA, mit der Seeker auf die Reise zu den angegebenen Koordinaten; eine
mehrstündige Fahrt über den Atlantik, die oftmals auf Grund von
Wellen und langer Dünung alles andere als angenehm war. Dort angekommen
und nach einiger Suche mit dem Echolot wurde auch eine etwa sieben Meter hohe
Erhebung in ca. 70 Meter Wassertiefe ausgemacht.
John Chatterton, damals Besatzungsmitglied der Seeker und einer der anwesenden
Taucher, der durch seine ruhige Art und die stets gründlich vorbereitete
Tauchgangsplanung höchstes Ansehen unter den anderen Tauchern genoss,
wurde auserkoren, als Erster zu der unbekannten Erhebung abzusteigen:
Sollte es etwas “Grosses” sein, wollten auch die
anderen tauchen gehen - nur für Felsen jedoch würde sich ein Abstieg in
70 Meter Tiefe (damals wurde nur mit Luft getaucht) und den weiteren damit
verbundenen Gefahren wie Kälte, Strömung und schlechte Sicht nicht
lohnen.
Kurzum, es lohnte sich: Schon beim ersten Tauchgang war Chatterton klar,
dass es sich um ein U-Boot handelte; der stromlinienförmige Körper,
die Öffnungen für die Torpedorohre ließen keinen Zweifel,
auch wenn zu diesem Zeitpunkt weder Herkunft noch Bauart noch sonstiges bekannt
waren - eine der spannendsten Geschichten über Wracks und deren Entdeckung/Identifizierungen
nahm hiermit ihren Anfang. Noch konnte keiner ahnen, dass die endgültige
Klärung des Rätsels bald sechs Jahre auf sich warten ließ und
drei Menschen das Leben kosten sollte.....
Richie Kohler, zu dem Zeitpunkt 29 Jahre alt, war bei der ersten Ausfahrt
zu dem U-Boot noch nicht dabei. Trotzdem gab es kaum einen anderen Taucher,
der prädestinierter für Tauchgänge zu dem unbekannten Wrack
erschien: Er war Mitglied der “Atlantic Wreck Divers”, einer Vereinigung ebenso
unerschrockener wie berüchtigter Wracktaucher, deren größtes
Vergnügen darin bestand, Artefakte aus tief liegenden Wracks zu bergen
und die für ihren Wagemut fast ebenso bekannt waren wie für ihr
ausgeprägtes Interesse an Bier und derben Spässen....
Gemeinsam mit seinen Kumpeln war er Dauergast an
dem Wrack der Andrea Doria, einem 29.000 BRT großen italienischen Luxusliner,
der am 25. Juli 1956 gegen 23.10 Uhr mit der Stockholm kollidierte und am
folgenden Tag um 10.09 Uhr auf rund 60 Meter Tiefe sank.
Ganze Zentner an Tellern, Schüsseln und sonstigen Artefakten von der
Andrea Doria hatte er schon in seiner Garage angesammelt - alle “Atlantic
Wreck Diver” tauchten nur nach dem Motto “Bringst Du nichts mit, warst Du nicht
da“.
Kohler´s Vater ist deutscher Abstammung, seine Mutter hat italienische
Wurzeln und schon von Kindheit an interessierte er sich für europäische
Geschichte, insbesondere für die deutsche Geschichte in der Zeit des
2. Weltkrieges. Hierbei entwickelte er jedoch eine sensiblere Seite, als man
sie ihm auf Grund seines Auftretens zunächst zugetraut hätte: Er
interessierte sich mehr für Menschliches als für Technik, versuchte,
sich in die Beweggründe und Denkweise der Menschen damals hinein zu
versetzen und sie zu verstehen.
Zeichnung der U 869
Als Kohler also von dem bei der ersten Ausfahrt anwesenden Kevin Brennan
von einem bis dato unentdeckten U-Boot hörte, war für ihn klar,
dass er bei den nächsten Tauchgängen dabei sein musste - das Boot
hatte direkt von ihm Besitz ergriffen, es verkörperte alles, was er sich
bis dato als Wracktaucher vorstellen konnte...
“U-Who” hatte mit Steve Feldmann, der unter Wasser das Bewusstsein verlor,
abtrieb und in der Folge verstarb, schon sein erstes Todesopfer gefordert,
als Kohler endlich zu der Truppe stieß. Anfangs waren Chatterton und
Kohler, auch auf Grund von vorherigen Differenzen bei Tauchgängen zu
der Andrea Doria, wie Hund und Katze: Auf der einen Seite der ruhige, fast
schon wissenschaftlich agierende Chatterton, auf der anderen Seite der wild
und ungestüm wirkende Richie Kohler.
Bei einem der folgenden Tauchgänge barg John Chatterton dann eine Besteckschublade
mit einem Messer, welches mit der Gravur “Horenburg” versehen war - ein erster
Anhaltspunkt für die Identität des Wracks?
Nachforschungen, unter anderem auch bei der Cuxhavener
Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote von Horst Bredow, ergaben dann, dass der einzige Horenburg -wie rechts auf einem Bild der Stiftung zu sehen- der jemals auf einem deutschen U-Boot Dienst getan hatte, zuletzt als Funkmaat auf U 869 stationiert gewesen war.
Das Rätsel, so kurz vor der Auflösung, blieb dennoch erhalten:
Schließlich war U 869 ja vor Gibraltar gesunken und konnte demnach nicht
U-Who sein, worauf hin sich die Nachforschungen wieder auf andere Boote konzentrierten....
Martin Horenburg auf U 61
Mit dem Tod von Vater und Sohn Rouse im Oktober 1992 erreichte die Stimmung
an Bord der Seeker einen neuen Tiefpunkt: Nachdem sich Chrissy bei der Erkundung
des vorderen Bereiches des U-Bootes unter einem umgestürzten Schrank
verfangen hatte und erst in letzter Sekunde von seinem Vater Chris befreit
werden konnte, fanden beide (sei es durch die vorhergehende Panik oder den
Tiefenrausch - beide waren mit Pressluft unterwegs) die zuvor von ihnen auf
dem U-Bootsdeck abgelegten Reserveflaschen nicht mehr, die noch eine sichere
Dekompression hätten gewährleisten können. Als während
des Aufstiegs dann auch noch Probleme mit einem der Atemregler auftraten,
der auf Grund eines defekten Mundstücks Wasser zog, gab es kein Halten
mehr und beide schossen tragischerweise ohne Dekostopps nach oben. Während
Chris direkt an Bord der Seeker verstarb, erreichte sein Sohn mit einem Rettungshubschrauber
noch die Druckkammer an Land - den Kampf um sein Leben verlor er trotzdem.
Schlauchboot, geborgen von U-Who
Ob durch den tragischen Tod der Rouses oder
weil beide merkten, wie gut sie sich ergänzten und brauchten - in der
Folgezeit wurden aus Chatterton und Kohler gute Freunde, auch wenn sie vom
Charakter und ihrer Intention her unterschiedlich blieben: Während für
Chatterton in den Folgejahren die Identifizierung von “U-Who” zu einer Frage
über sich selbst wurde, ließ Kohler das Schicksal der Besatzung
keine Ruhe mehr - er wollte den Toten, deren Knochen er gesehen hatte, einen
Namen und den Angehörigen, die es irgendwo noch geben musste, Gewissheit
über deren Schicksal geben.
In den folgenden beiden Jahren fuhren sie so oft es ging zu dem U-Boot hinaus,
welches sich jedoch weiterhin beharrlich weigerte, sein Rätsel freizugeben:
Keine Nummer auf der Schraube, keine Nummer auf den Tauchrettern oder auf
sonstigen Artefakten, die geborgen werden konnten...
... keine Plaketten mehr mit Nummern, die Aufschluss
über die Identität geben - in den letzten Kriegsjahren
wurden diese auf Grund der Rohstoffknappheit aus minderwertigem Material
gefertigt und waren schon lange im Salzwasser verfallen.
1994 stand das ganze Unternehmen dann endgültig vor dem Scheitern:
Kohler gab die Taucherei, die seine Ehe gefährdete, vorübergehend
auf; Chatterton konzentrierte sich erfolgreich auf die Entdeckung weiterer
Wracks wie das der SS Carolina, die im ersten Weltkrieg durch das Geschützfeuer
von U 151 versenkt wurde und rund 60 Seemeilen von der Küste entfernt
ihre letzte Ruhestätte fand. Obwohl ihm die Entdeckung der Carolina,
die seit Jahrzehnten als begehrteste Trophäe unter amerikanischen Wracktauchern
galt, weitere Popularität einbrachte, hat ihm das Rätsel um “U-Who”
keine Ruhe gelassen.
Richi Kohler bei einem U-Who Tauchgang
Kohlers Ehe ging trotz des selbst auferlegten Tauchverbots in die Brüche
und so dauerte es nicht lange, bis Chatterton und er 1995 wieder zu dem unbekannten
Wrack hinausfuhren. Trotz aller Bemühungen und Risiken bewahrte das
U-Boot auch 1995 und 1996 sein Geheimnis, bevor sich im Jahr darauf die Hartnäckigkeit
der beiden Taucher endlich auszahlen sollte.
Am 30. August 1997 legte die “Seeker” endlich zu der entscheidenden Fahrt
ab: Am Wrack angekommen, räumte Kohler beim ersten Tauchgang den Weg
in den E-Maschinenraum frei - der letzte, bislang unzugängliche Bereich
des U-Boots war damit zugänglich gemacht worden. Allerdings war der Durchgang
immer noch so schmal, dass an eine Durchquerung mit Doppelpack weiterhin
nicht zu denken war und ihnen nur noch eine Möglichkeit offen stand:
Chatterton legte das übliche D12-Doppelpack vor dem schmalen Durchgang
ab und drang, nur mit einer kleinen Monoflasche ausgerüstet, die er
auf Grund der Enge vor sich her schieben musste, in diesen ein. Er barg eine
der dort befindlichen Ersatzteilkisten und diesmal war ihnen das Glück
holt: An der Kiste befand sich eine Plakette mit der Bootsnummer - “U-Who” hatte jetzt einen Namen, es war U 869!
Die Ersatzteilkiste mit der Bootskennung U 869
Heute
Siebeneinhalb Jahre nach der Identifizierung von
U 869 hat das Boot Kohler´s Leben verändert - er ist zwischenzeitlich
nach Deutschland gereist, hat Angehörige der Besatzung und auch einen
Überlebenden der damaligen Crew aufgesucht, den in Memmingen lebenden
ehemaligen Funker Herbert Guschewski, der damals nur wegen einer Erkrankung nicht mit auf der verhängnisvollen Feindfahrt war.
Herbert Guschewski
Aufgrund der bekannten Dokumente sowie der Beschädigungen am Boot ergibt
sich für den Untergang heute folgendes wahrscheinliches Szenario: Der
Funkspruch, der U 869 nach Gibraltar beorderte, erreichte Helmuth Neuerburg
und seine Crew wohl nie. Während ihn also die deutsche Führung vor
der afrikanischen Küste unterhalb Gibraltar wähnte, machte U 869
vor der amerikanischen Ostküste Jagd auf alliierte Handelsschiffe. Wahrscheinlich
schon beim ersten Angriff drehte der abgeschossene akustische Torpedo (“Zaunkönig”)
um und visierte U 869 selbst als Ziel an - so genannte “Kreisläufer”
kamen damals recht häufig vor.
Unbemerkt von dem angegriffenen Handelsschiff erkannte vermutlich der Horchposten
als erster das auf das Boot zukommende Verhängnis; der verzweifelte Versuch,
das Boot in größerer Tiefe in Sicherheit zu bringen, schlug fehl,
der mit 274 Kilo SW39 (Sprengstoff, nahezu doppelt so wirksam wie TNT) gefüllte Torpedo schlug auf der Backbordseite
unterhalb des Turmes in Höhe der Zentrale ein und besiegelte das Schicksal
von U 869 - nach dem Untergang sollte es dann noch 52 Jahre dauern, bis Richie
Kohler und John Chatterton Licht ins Dunkel bringen konnten.
John Chatterton (li.) und Richi Kohler (re.) nach einem Tauchgang
zu U 869
In mehreren E-Mails und Telefonaten stand Richie Kohler der Taucher.Net-Redaktion für Fragen zur Verfügung; nachfolgend Auszüge hieraus:
T.Net: Was ging Dir durch den Kopf, als Du das erste Mal zu U-Who
getaucht bist?
Richie Kohler: Vor dem ersten Tauchgang war ich noch fest davon überzeugt,
dass es sich hier um ein amerikanisches U-Boot handelte (die USS Spikefish),
welche in dieser Gegend bei einem Sturm unterging. Dieses U-Boot wurde damals
zu einem Schrottplatz abgeschleppt, wo es abgewrackt werden sollte - bei seinem
Untergang ist niemand ums Leben gekommen.
Als ich dann direkt die Knochen der Gefallenen in “U-Who” gesehen habe,
wusste ich, dass das hier etwas sehr schwieriges und spezielles war, dass
ich mich mit Respekt dem U-Boot nähern musste.
T.Net: 3 Menschen sind bei der Erkundung von “U-Who” ums Leben
gekommen - was sind die besonderen Schwierigkeiten bei den Tauchgängen
dort?
Richie Kohler: U 869 liegt 230 Fuss tief (rund 70 Meter) und 60 Meilen
von der Küste entfernt. Dazu kommt noch eine oftmals starke Strömung
und Dünung, die Sicht im Wasser ist meistens sehr schlecht und Sedimente
sowie abgerissene Wrackteile im Bootsinneren machen die Orientierung nicht
gerade leichter - egal, wie vorsichtig Du dich bewegst, nach zwei, drei Minuten
ist die Sicht komplett weg. Diese Umstände sowie die Enge im Inneren
machen U 869 zu einer Herausforderung auch für erfahrene Wracktaucher.
Wenn Du das alles addierst kannst Du auch nachvollziehen, dass schon ein
kleiner Fehler dort schwerwiegend bzw. tödlich sein kann. So weit von
der Küste weg ist die Rettung ein Problem, bei einem Dekounfall zum Beispiel
kannst Du sterben, lange bevor Du eine Druckkammer erreicht hast.
T.Net: Was waren die besten und die schlimmsten Momente?
Richie Kohler: Der beste Moment für mich war, als ich auf der
Seeker endgültig realisierte, dass es sich hier um ein deutsches U-Boot
und nicht um die “USS Spikefish” handelte. Das mag verrückt klingen,
aber ein jungfräuliches Wrack, eines, was in keiner Seekarte und in keinem
Buch verzeichnet ist, das ist etwas ganz seltenes und besonderes! Ich bin
vorher schon lange, lange Taucher gewesen, ohne dabei etwas irgendwie vergleichbares
zu sehen.
Am schlimmsten war ganz sicher der Tag, als Chris und Chrissy Rouse gestorben
sind! Es ist hart zu sehen wenn ein Taucher, der eigentlich nur einen tollen
Tag erleben wollte, sein Leben an diesem verliert. Zusehen zu müssen,
wie der Vater stirbt und der Sohn schreckliche Schmerzen aushält, nur
um später auch zu sterben, war einer der grausamsten Erfahrungen in meinem
Leben.
T.Net: Nach der Identifizierung von U 869 und dem Buch “Shadow
Divers” (“Im Sog der Tiefe“): was hat sich in Deinem Leben geändert?
Richie Kohler: Ich habe meine Glas-Firma verkauft und arbeite jetzt
hauptberuflich als Taucher und Co-Kommentator für den Kabelsender History Channel
im Rahmen der Sendereihe Deep Sea Detectives.
Verheiratet bin ich auch wieder: mit einer Frau,
die ich beim tauchen kennen gelernt habe und die meine Leidenschaft dafür
teilt! Ich bin wirklich richtig, richtig happy über mein Glück mit
ihr und über all die Privilegien, die ich genießen darf!
Auf der einen Seite ist es schwierig, wenn so viele Menschen durch das
Buch so viele Details aus meinem Leben kennen - auf der anderen Seite bin
ich schon ein wenig stolz auf das, was wir getan haben und auf das, was ich
jetzt bin...
Ich glaube fest daran, dass die Männer von U 869 nun in Frieden ruhen
können, auch die Angehörigen haben jetzt über deren Schicksal
Gewissheit - und das ist ein gutes Gefühl für mich!
T.Net: Welche Art von Equipment benutzt Ihr für Eure Tauchgänge?
Richie Kohler: John ist von Rebreathern wie dem Buddy Inspiration
fasziniert, er taucht diese schon seit 1998, ich bleibe lieber bei meinem
offenen System.
Als Atemregler für alle Gase nehme ich Poseidons, bevorzugt den Jetstream.
Dazu einen Trockentauchanzug, wahlweise von DUI oder ebenfalls von Poseidon,
sowie ein DiveRite-Transpac mit einer 90lbs-Blase von OMS.
T.Net: Wie sieht Dein taucherisches Programm momentan aus, was
ist seit der Entdeckung von U 869 sonst noch passiert?
Richie Kohler: Im Sommer 2004 habe ich U 215 (Kapitänleutnant
Fritz Höckner) erkundet, welches 1942 vor Halifax in kanadischen Gewässern
verloren ging - ich war der erste Taucher, der das Boot seit dem Untergang
gesehen hat. Ferner haben wir noch einen U.S. Zerstörer (USS Murphy)
identifiziert, der bei New York auf Grund einer Kollision unterging sowie
an einer Expedition in den Ärmelkanal teilgenommen, auch hier haben wir
mehrere deutsche U-Boote betaucht.
Für einen leidenschaftlichen Taucher ist es ein Traum und unglaublich
befriedigend, einen Job wie meinen bei Deep Sea Detectives zu haben - er erlaubt
es mir, rund um die Welt zu reisen und mysteriöse Wracks zu betauchen,
um diese dann unserem Publikum näher zu bringen. Aktuell gibt es da
auch noch zwei oder drei weitere U-Boote auf meinem “Plan“, die ich gerne
finden würde - mal schauen, ob es klappt!
Rein privat versuche ich, so oft es geht mit meiner Familie tauchen zu gehen,
ein paar Lobster oder Artefakte zu bergen und einfach eine gute Zeit auf und
im Meer zu haben...
Wer sich noch intensiver mit der Geschichte von U 869 auseinander setzen
möchte, dem seien folgende Links empfohlen:
Lostsub
(Klasse Website, unter anderem mit einem virtuellem Tauchgang zu dem Wrack
sowie einem langen Interview mit Herbert Guschewski, dem einzigen Überlebenden
der Crew)
U 869 Memorial (Seite zum “U 869 Memorial Dive” im Jahr
2001 mit vielen Infos)
History-Channel (Website des History Channel zur Deep
Sea Detectives-Reihe)
U-Boot Typ IX (Viele Informationen zum U-Boot-Typ IX)
U 869 (Alles
über die Entdeckung und die Besatzung von U 869)
Dir fehlt noch der letzte Kniff zum optimalen UW-Bild? Dann schau doch mal in unser Foto-Forum! Hier gibt es Tipps zur Ausrüstung, Motivauswahl und mehr. Und natürlich kannst Du hier auch Deine Fragen stellen - Antworten garantiert!
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