Manövrieren in kabbliger Kreuzsee

 Geschrieben von Volker Grundmann

Manövrieren in kabbliger Kreuzsee

Wie die Basen der Ionischen Inseln ihre Zukunft auf dem europäischen Tauchmarkt sichern

von Volker Grundmann

Westküstenanblick der Ionischen Inseln
Diejenigen der griechischen Inseln, die sich an der Westküste des Landes entlangziehen, galten aus Tauchers Sicht schon immer als naturbegnadet.

Ob auf Zakynthos, auf Kefalonia, Lefkada, Paxos oder auf Korfu –aus den Unterwasserflanken abgrundtief fallender Steilwände schälen sich bei fantastischen Sichtweiten für den dort entlanggleitenden Taucher alsbald die unwiderstehlich anziehenden, Abenteuer verheißenden Schatten geheimnisvoller Bergöffnungen heraus.


Weitere Impressionen der Westküste der Ionischen Inseln von Zakynthos bis Paxos haben wir hier zusammengestellt.


Zu entdecken ist da Vielfalt in Fülle: Hier fein gegliederte, durch filigranhaft gemeißelte Stützpfeilerbündel getrennte Grottenräume, Meisterwerke von Steinmetzen wie es scheint. Dort Kavernen, die groß sind wie Kirchenschiffe, das Licht auch der stärksten Taucherlampe so unbarmherzig schluckend wie der unersättliche Hades die Leiber der Verdammten. Woanders enge, unerforscht weit in den Berg reichende Höhlengänge, die dem „Normaltaucher“ nach kurzem Vorstoß alsbald klar machen, dass alles „weiter hinten“ sein Revier nicht mehr ist.
Gesichter der Höhlen der Ionischen Inseln

Gesichter der Höhlen, Teil I: Gerade die mit "Höhlenbrevet" zugänglichen Bereiche können sehr vielgestaltig sein, bei kleinen Eingängen erinnern sie sehr bald an "richtige Höhlen".


Höhlen der Ionischen Inseln - Tauchplätze Ionische Inseln
Vor den gigantischen Steilwänden dann Riffköpfe, Plateaus, geschmückt mit Formungen des Meeres, die den Atem verhalten lassen: Torbogenkonstrukte, gewaltig wie Triumphbögen, surrealistische Laugungsformen von Felsen, der Fantasie eines großen Bildhauers würdig.

Getier, muss man einräumen, appelliert wie überall in griechischen Gewässern an den aufmerksamen Sucher mit Lampe: unter den Überhängen, an den Grottendecken, hat jener dann aber gute Chancen, seine kleinen Wunder zu entdecken: prachtvoll aufstrebende Geweihschwämme, träge verharrende Bärenkrebse, unbeirrt kriechende wunderbunte Nacktschnecklein, pulsierend wogende Schwärme von Höhlengarnelen oder irremachend hoch und runter flitzende Gabeldorsche.

Gesichter der Höhlen, Teil II: In den lichtfernen Bereichen, an den Grenzen des Höhlenbrevets tummln sich bald nur noch Gabeldorsch, Bärenkrebs, Garnelenschwärme oder Einzelgarnelen. Ab und an wächst noch eine Zylinderrose...

Gesichter der Höhlen, Teil III: Wo noch etwas mehr Licht einfällt, wohnen Meeral und Scherengarnele, entfalten Schwämme, Trug- und Kelchkorallen ihre Pracht.


Ein Vorzeigestück aus Poseidons Reich also durchaus, die Unterwasserwelt dieser Inseln. Lange Zeit und vor allem in deutschsprachigen Landen sogar gepriesen als Tauchparadies – bis, ja bis dann dann die Sache mit dem Roten Meer und den Malediven kam...

Dass der gute Ruf des Tauchens auf den Ionischen Inseln nicht gänzlich unterging, sondern die Inseln trotz „Malediven“ all die Zeit auf ein festes Taucher-Stammpublikum zählen konnten, ist sicher zu einem Gutteil der Arbeit der zu Zeiten vier deutschen Basenchefs hier zu verdanken. Sie widerstanden der anderswo in Griechenland um sich greifenden Versuchung, um des schnellen Geldes wegen das Qualitätshobby Tauchen auf das Niveau des Bananenbootfahrens verkommen zu lassen. Damit setzen sie Standards auch für die sich nach und hier etablierenden griechischen Basen.

Ob nun der Malediventrend, wie manche meinen, seinen Höhepunkt überschritten hat, sei dahingestellt. Sicher ist eins: die Reiseveranstalter bemerken verstärkt eine Suche nach Alternativen. Allerdings mit definitiv geändertem Akzent. Man will nicht schlechthin tauchen, man fragt genauer nach: Was ist denn dort das Besondere? Gibt‘s da was mit Kick? Eine Möglichkeit sicher auch für die Klassiker, sich wieder stärker bemerkbar zu machen. Es interessierte uns, ob und wie die neue Fragestellung auf den Ionischen Inseln angekommen ist. Also, Fähre von Ancona nach Patras genommen, von dort dann, mit Zakynthos beginnend, nordwärts die Küste entlang von Insel zu Insel gehüpft...











Tauchführer Ionische Inseln


Korfu: Verlegene Entschuldigung

Rolf Weyler, seit 35 Jahren Chef von Korfu-Diving, wird uns sicher zürnen ob unserer Unanständigkeit. Denn normalerweile bereist man die Ionischen Inseln nicht, ohne dem Patriarchen des deutschen Auslandstauchens einen Besuch abzustatten. Und auch einige der anderen zehn Basen auf der Insel hätten uns sicher das eine oder andere interessante Neue vorgewiesen.

Die gute Absicht war mit uns, allein, das Wetter nicht. Am Ende fehlte es wegen vieler Verzögerungen schlicht an der Zeit, noch auf Korfu Station zu machen. Hier allerdings können wir durch Verweis auf die Taucher.Net Datenbank durchaus trösten. Zumindest der Patriarch ist dort proportional angemessen vertreten. Über Korfu nicht zu berichten, soll also um Gottes Willen nicht heißen, dass es dort nichts Neues gäbe. Bloß, den Stil anderer, Reisereportagen ausschließlich nach Internet-Recherche zu schreiben, den wollen wir uns nun doch nicht zulegen... Das nächste Mal also ist Korfu bestimmt wieder mit dabei.

Über den Autor

Volker Grundmann ist der Verfasser der drei derzeitigen Standardwerke des Griechenland-Tauchens:
- "Tauchführer Griechenland - Westküste, Ionische Inseln Peloponnes" (BLV Verlag, München, 1998, ISBN 3-405-15413-8, vergriffen)
- "Tauchführer Griechenland - Gesamt" (auf CD-ROM im Eigenverlag 2001, über seine website www.Griechenlandtauchen.de zu bestellen).
- "Tauchabenteuer Griechenland", Selbstverlag, 2003, ISBN 3-00-011555-2, 325 Seiten, davon zweimal sechs Seiten Unterwasseraufnahmen, fest gebunden, Einband zellophaniert, vertrieben auch über Taucher.Net.

Tipp der Redaktion: Letzteres, eben erschienenes Buch, Tauchabenteuer Griechenland - ein Rechenschaftsbericht über zehn Jahre Griechenland-Tauchen, ist zugleich Quelle zum Teil atemberaubender Taucherfahrungen auch für jene Individualtaucher, die nicht unbedingt Griechenland im Sinn haben. Als Geschenk für engagierte Tauchfreaks klar zu empfehlen. (Taucher.Net Rezension). Natürlich auch in unserem Shop erhältlich.

© 2004 - Text und Bilder: Volker Grundmann



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