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Du bist hier: Onlinemagazin 54. Ausgabe Expeditionstagebuch der M/Y Oceana Ranger Teil 3 Coiba Die Abschlussklasse





 Geschrieben von Oceana-Crew

Coiba - Die Abschlussklasse

Mittwoch, 2 März 2005 - Sandy Mayson - Um Punkt 12 Uhr mittags sitzen wir zusammen mit dreißig uniformierten Polizisten auf feuchten Holzbänken auf einem der Hügel Coibas. Einer nach dem anderen schreiten die Polizisten zu dem Podium vor der Open-Air-Halle, salutieren übertrieben und nehmen das in Bambus gerollte Diplom aus der Hand des Vizegouverneurs der Provinz Veraguas entgegen. Im Publikum befinden sich neben unserer Ranger-Crew die Park-Ranger, das MarViva-Team, zwei Fernsehreporter und einige vorbildliche Sträflinge, die das Ende ihrer Haftstrafe absitzen.

Wir wohnen der Abschlusszeremonie der ersten Klasse von Coibas Umweltpolizei bei. Coiba war einst eine Gefängnisinsel und ist heute ein Naturpark; während die herkömmliche Polizei abzieht, treffen die Umweltpolizisten ein. Anders als die Park-Ranger sind sie berechtigt, Waffen zu tragen, und verleihen der Umsetzung der neuen Parkgesetze Autorität. Dafür scheinen alle dankbar zu sein.

Wir verbrachten den ganzen Vormittag an Land und konnten uns in dieser Zeit gerade eine Vorstellung davon machen, wer genau auf der Insel lebt und warum. Da wäre erstens die konventionelle Polizei, welche die Insel nun verlässt; zweitens die Abschlussklasse der Umweltpolizei, von der einige Mitglieder hier bleiben werden; und drittens die Gefängnisinsassen. Nachdem das Gefängnis auf Coiba geschlossen worden war, hatten die auf der Insel verbleibenden Polizisten gemerkt, wie viel Arbeit zur Instandhaltung der Station nötig war und daher die Rücksendung einiger gesitteter Häftlinge angefordert.

Einer von ihnen - Antonio - führte uns herum. Die Station ähnelt einer halb verlassenen Stadt. Am Strand stehen Betonbaracken, eine von Geiern bevölkerte Kirche ohne Dach sowie eine Gruppe von Verwaltungsgebäuden in verschiedenen Verfallsstadien. Die Gefängnisbauten selbst sind von Weinranken überzogen, doch die verrosteten Gitter sind so unnachgiebig wie eh und je, und auch die Zelltüren lassen sich noch immer mit Getöse zuwerfen. Antonio erzählt uns, dass in jeder Zelle 15 bis 20 Männer lebten. Er bestätigt, dass sich die Wärter tatsächlich nachts selbst dort einschlossen, während die Sträflinge frei herumliefen, und auch, dass sehr viel Gewalt jeder Art herrschte. Coiba besitzt zwei Friedhöfe, auf denen die hier verstorbenen Männer in anonymen Gräbern beigesetzt wurden.

Das alles scheint sehr weit weg. Heute, in diesem Augenblick, steht hier in steifer Haltung die Abschlussklasse der Umweltpolizei, mit ihren armeegrünen Anzügen, den schwarzen Kappen und den schwarzen, bis zu den Knien geschnürten Stiefeln und singt die Hymne der panamaischen Polizei. Vögel stimmen zwitschernd mit ein. Unten, am Fuße des Hügels, können wir über den Bäumen und den Zellenbaracken aus Beton die blaue Bucht ausmachen.

Wer hätte es für möglich gehalten, dass mitten im Pazifik eine Insel von Wissenschaftlern, Park-Rangern, Sträflingen und Umweltpolizisten bewohnt wird, die hier alle zusammen leben und arbeiten ? Das ist Coiba - ein Gefängnis, das zu einem von Sträflingen geschützten Zufluchtsort wurde; zu einem Meeresschutzgebiet, das gerade durch die hier präsente Gefahr vor den Wirren eines Jahrhunderts bewahrt wurde. Was für eine Geschichte! Was für ein Ort!





Texte © 2005 Maribel López Carmona, Bibiana Álvarez, Sandy Mayson, Paloma Larena, Astrid Haas
Bilder © 2005 Houssine Kaddachi, Nuño Ramos, Maribel López Carmona, Oceana, ZOEA




Infos

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