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Du bist hier: Onlinemagazin 54. Ausgabe Expeditionstagebuch der M/Y Oceana Ranger Teil 3 Mosquito-Küste





 Geschrieben von Oceana-Crew

Mosquito-Küste und Cayos Cochinos

Freitag, 11 März 2005 - Maribel López Carmona - Nachdem wir den Panamakanal und die Dutzende Schiffe, welche in Colón ankerten und auf die Durchfahrt zum Pazifik warteten, zurückgelassen haben, sind wir durch die Gewässer Panamas, Costa Ricas und Nicaraguas gen Norden gefahren. Wir haben bereits etwa 400 Meilen zurückgelegt, und mit Ausnahme des gestrigen Tags, als gelegentlich ein Wellgang von über 2 Metern herrschte, ist die Fahrt ziemlich ruhig verlaufen. Wir bewegen uns in größerer Entfernung zur Küste und haben vermutlich deshalb praktisch nichts gesehen - weder Schiffe noch Delphine, und auch kaum Seevögel. Nur drei Möwen ( Larus spp. ) und zwei Sturmtaucher ( Puffinus spp ), die sich auf Treibholz ausruhten, sowie eine Königseeschwalbe ( Sterna maximus ), die vor unserem Bug vorbeiflog. Diese Gegend Mittelamerikas entspricht der berühmten, jedoch wenig besuchten Mosquito-Küste. Sie wurde vor etwa zehn Jahren durch einen Film bekannt, in dem Harrison Ford einen abenteuerlustigen Familienvater spielte, der unbedingt mitten im Urwald eine Eisfabrik errichten wollte.

Davon abgesehen mussten wir uns mit den Flügen der Fliegenden Fische ( Exocoetidae ) begnügen, die übrigens den englischen Exocet-Raketen zu ihrem Namen verholfen haben. Diese rasanten und Wellen durchschlagenden Flugkörper erlangten durch ihre Verwendung im Falklandkrieg einen traurigen Ruhm.

Die zerstreuten Beerentang-Flecken, denen wir auf unserem Weg begegnen, sind nicht sehr dicht und ungleichmäßig verteilt. Wir haben einige davon mitgenommen, um sie zu identifizieren und näher zu betrachten. Es handelt sich um eine als Golf-Beerentang ( Sargassum fluitans ) bekannte Braunalge, die nicht auf festem Untergrund wächst, sondern im Wasser treibt. Außerdem haben wir einige " Sträußchen " einer weiteren Braunalge, nämlich der Cystoriacea Turbinaria turbinata, gesehen.

Der Thallus des vorhandenen Beerentangs ist häufig von kleinen Lepadomorphen Cirripediern ( kleinen Entenmuscheln ), Bryozoen und winzigen Ringelwürmern bevölkert. Unter den Algen halten sich gewöhnlich kleine Fische und Larven auf. Dieses Verhalten findet man häufig bei vielen kleinen Meeresorganismen, die alles Treibgut - einschließlich Abfällen - nutzen, um sich darunter vor Räubern zu verstecken bzw. zu schützen.

Wir befinden uns derzeit nördlich der Küsten Nicaraguas und haben die ersten Fischerboote gesehen. Es scheint sich um Reusenfischer zu handeln, die vermutlich Karibik-Langusten ( Panulirus argus ) fangen - ein für diese Gegend sehr wichtiger Fischgrund.

Die 2-Meter-Wellen und der Seegang haben uns Neulinge einige Stunden lang etwas durcheinander gebracht. Nachdem die Übelkeit vorübergegangen ist, sind wir aber wieder quietschfidel und versuchen während der Wachdienste zu erspähen, was immer in Reichweite unserer Ferngläser kommt.

Weiter geht unsere Reise Richtung Cayos Cochinos und die Islas de la Bahía in Honduras. Dabei handelt es sich um ein Gebiet mit einer großen Artenvielfalt, in dem wir den Zustand der Korallen beobachten und zudem prüfen wollen, wie sich diese Korallen von den beiden Bleichprozessen während der neunziger Jahre und den Schäden durch Hurrikan Mitch erholen.

Cayos Cochinos ist eine Gruppe von wunderschönen flachen Inseln in der Nähe der Küste, ein echtes Paradies, in dem zwei der Inseln aufgrund des schwierigen Zugangs vollkommen ungenutzt und daher noch naturbelassen sind. Die flachen Inseln ( Keys ) bieten einen großen landschaftlichen Reichtum, der unter Wasser mit den unberührtesten Riffen Honduras beginnt und an Land mit einer vielfältigen Flora und Fauna abgerundet wird.

Wir steuern La Ceiba an, den honduranischen Ort, an dem wir unsere Einwanderungs- und Zollformalitäten erledigen und mit unseren Kollegen der Honduranischen Korallenriff-Stiftung ( Fundación Hondureña de los Arrecifes Coralinos ) Kontakt aufnehmen möchten. Dabei machen wir in den frühen Morgenstunden weitere Fischerboote aus, die auch die ganze Nacht hindurch zu sehen waren. Im Morgengrauen erblicken wir einen Sturmtaucher, der auf einem ganz in unserer Nähe treibenden Plastiktopf sitzt.

Gegen zehn Uhr Vormittag tauchen zwei Zügeldelphine ( Stenella frontalis ) auf, verweilen jedoch kaum eine halbe Minute und schwimmen dann weiter. Zwei Stunden später kehren die beiden wieder zurück und leisten uns diesmal ein wenig länger Gesellschaft. Das größere der beiden Tiere ist fast am ganzen Körper von den hellen, für diese Spezies charakteristischen Flecken bedeckt, während der jüngere Delphin nur einige wenige Male aufweist.

Delfine - Oceana Tagebuch
© 2005 Oceana

Es herrscht ein ungünstiger Wind, so dass wir kaum die Segel verwenden und stattdessen fast die ganze Zeit den Motor in Betrieb haben. Der Katamaran Ranger besitzt zwei Isuzu-Motore mit jeweils 150 PS, die uns zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sechseinhalb Knoten verhelfen.

Mit neu gewonnenem Appetit, den wir während der letzten beiden Tage mit Seegang verloren hatten, bereiteten wir uns eine typisch mediterrane Mahlzeit zu: Schinken, Käse, Brot, Öl und Knoblauch. Sie zergeht uns auf der Zunge und stärkt uns genug, um ein paar weitere Stunden in der Sonne zu ertragen.

Am Nachmittag ziehen einige Fregattvögel ( Fregata magnificiens ) über uns hinweg, nicht zu vergessen auch unsere allgegenwärtigen Begleiter in diesen Tagen, die Fliegenden Fische.

Wir haben ein kleines Problem mit dem Süßwasser, weshalb wir die Fahrt für einen Augenblick unterbrechen, die Motoren abschalten und nach dem Leck suchen. Wir alle nutzen diesen Moment für einen Sprung ins Wasser, denn die Sonne scheint sehr stark.

Dann schalten wir die Motoren wieder ein und setzen Kurs auf 270 º W. Bald werden wir nach La Ceiba gelangen, das auf dem Weg nach Cayos Cochinos liegt.

Cayos Cochinos

Montag, 14 März 2005 - Maribel López Carmona

In der Nacht vom 13. zum 14. März hatten wir sehr viel Wind und konnten einige Stunden lang segeln. Allein mit dem Genua-Segel brachten wir es bei einer Windgeschwindigkeit von 25-30 Knoten auf etwa 9-10 Knoten. Das Segeln war ganz angenehm nach so vielen Stunden, in denen wir aufgrund von schwachem Wind bzw. Gegenwind auf den Motor zurückgreifen mussten.

Frühmorgens entdeckten wir einen Fliegenden Fisch ( Hirundichthys speculiger ) von beinahe 25 Zentimetern Länge, der auf Deck lag. Anscheinend war er bei einem seiner Flüge vom Weg abgekommen und auf dem Katamaran gelandet. Es ist schon manchmal komisch, wenn man sich die Bedeutung der wissenschaftlichen Namen, mit denen wir die Spezies bezeichnen, vergegenwärtigt. ‚Hirundichthys' lässt sich etwa mit " Schwalbenfisch " übersetzen.

Den Rest des Tages herrschte dieselbe allgemeine Lage wie bereits während unserer gesamten Überfahrt, seit wir den Panamakanal zurückgelassen hatten: kein einziges Boot kreuzte unseren Weg, kein einziger Delphin weit und breit; nur ein paar Fregattvögel ( Fregata magnificiens ) näherten sich unserem Heck.


© 2005 Nuño Ramos, via Oceana

Am Nachmittag, als wir uns zwischen der Insel Guanaja und der honduranischen Küste befanden, sahen wir das Meer an einer Stelle - höchstens eine halbe Meile entfernt - sprudeln. Kurz darauf entdeckten wir einen Schwarm Thunfische, die einen anderen Schwarm kleinerer Hochseefische angriffen. Auch einige Möwen näherten sich, um das Durcheinander zu nutzen und bei dieser Jagd ebenfalls etwas Beute zu machen.

Unser Zeitvertrieb war schnell vorüber, und wir fuhren weiter Richtung La Ceiba, wo wir nach Einbruch der Dämmerung eintrafen.

Am nächsten Morgen hatten wir Gelegenheit, die Landschaft unseres Hafens zu genießen. Wir lagen umgeben von Mangrovenwäldern und wunderschönen, mit Tropengewächsen bedeckten Bergen im Hintergrund.

Während wir uns mit der Reinigung des Boots und der Entfernung des Salpeters abmühten, sahen wir Kolibris, Schmetterlinge, Kröten, faustgroße Käfer, Mangrovenbäume ( Avicennia ) von fast 20 Metern Höhe und einfach alles, was man in diesem Ökosystem nur erwarten kann. Zwischen den Wurzeln des Mangrovenwalds wimmelte es vor Fischlarven, einigen Cichliden und Engelhaien, die zwischen unserem Boot und dem Mangrovenwald hin- und herschwammen.
 

Fundación para la Protección de los Arrecifes de Honduras

Dienstag, 15 März 2005 - Maribel López Carmona

Am frühen Nachmittag konnten wir uns mit Adrián Oviedo, dem Direktor der Stiftung zum Schutz der honduranischen Korallenriffe, zusammensetzen, der das Projekt zum Erhalt von Cayos Cochinos leitet.

Gemeinsam haben wir die Arbeit für die nächsten Tage abgestimmt. Wir hoffen, nicht nur das Ökosystem dieser flachen Inseln zu dokumentieren, sondern auch den Mitarbeitern, die hier vor Ort tüchtig und hart arbeiten, mit unserer Arbeit von Nutzen zu sein.

Die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft unserer honduranischen Kollegen haben uns sehr ermutigt. So ist es ein echtes Privileg, mit solch hingebungsvollen und professionellen Menschen wie den Mitarbeitern von MarViva bzw. der Cayos-Cochinos-Stiftung zusammenzuarbeiten.

Jetzt liegt hier fast eine ganze Woche Arbeit vor uns, in der wir versuchen werden, die verschiedenen Teile der Inseln zu dokumentieren und ihren Erhaltungszustand zu prüfen. Einige Gebiete sind vollkommen geschützt, während andere für den Tourismus und den Fischfang geöffnet sind. Wir möchten die unterschiedlichen Erhaltungszustände feststellen. Dabei ist auch zu bedenken, dass diese Ökosysteme unter größeren Bleichprozessen, Erkrankungen wie der Weißband-Krankheit und den Schäden des Hurrikans Mitch gelitten haben.

Außerdem sind wir sehr daran interessiert, einige charakteristische Spezies dieser Gegend zu erfassen. So beispielsweise die Karibik-Languste ( Panulirus argus ), die Großaugen-Stachelmakrele ( Caranx latus ) oder die Riesenflügelschnecke ( Strombus gigas ), die in den verschiedenen Fischgründen wirtschaftlich von Bedeutung sind. Natürlich berücksichtigen wir auch andere Arten wie den Nassau-Zackenbarsch ( Epinephelus striatus ), dessen Bestände in vielen Gebieten der Karibik zurückgehen.

Makrele - Oceana Tagebuch
Makrele
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Ein Großteil der Arbeit wird jedoch darin bestehen, den Zustand der Korallen, wie der Geweihkoralle ( Acropora sp. ), der senffarbenen Sternkoralle ( Montastrea sp. ) oder der Feuerkoralle ( Millepora sp. ) zu kontrollieren.

Blaue Keulenseescheide - Oceana Tagebuch
Blaue Keulenseescheide
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

In wenigen Stunden werden wir mit den Tauchgängen beginnen, und alle sind schon ganz unruhig und begierig, wieder in die Tiefe zurückzukehren. Sämtliche Taucher - sowohl die Kollegen von ZOEA, Inés und Sole, als auch die Kamerafrau Mar und der Fotograf Houssine - warten sehnsüchtig darauf, die Arbeit erneut aufzunehmen. Wir werden versuchen, einige Nachttauchgänge durchzuführen, da die meisten Riffbewohner nachts sehr viel aktiver sind.

Uns stehen einige schwere und anstrengende Arbeitstage bevor, doch wir sind alle bereit und ungeduldig, endlich loszulegen.
 

Pelican Point, im Westen der Insel Cayo Cochino Mayor

Mittwoch, 16 März 2005 - Maribel López Carmona

Wir gelangen nachts nach La Ceiba, in Lagoon Marina und werden zuvorkommend an der Hafeneinfahrt empfangen und zu unserer Anlagestelle geführt. Die Weite des Meeres verwandelt sich plötzlich in einen Kanal mit grünlichem Wasser, auf beiden Seiten gesäumt von üppiger Vegetation und Mangrovenwäldern. Entlang unseres Fahrtwegs erwachen die Reiher in der dunklen Nacht und flattern umher, bevor sie sich erneut auf den zum Nachtlager erkorenen Ästen niederlassen.

Den folgenden Tag verbringen wir mit dem Auffüllen von Wassertanks, Lebensmitteleinkäufen und weiteren logistischen Arbeiten, die stets ihre Zeit erfordern. Zwei unserer Besatzungsmitglieder verlassen uns hier, und wir sind ein wenig betrübt wenn auch froh zu wissen, dass sie in Florida wieder zu uns stoßen werden.

Während unseres Ausflugs außerhalb des Hafens bemerken wir erst die ganze Vielfalt der uns umgebenden Pflanzenarten. Wir stoßen in diesem Abschnitt auf die so genannten " Tanqueros ", die Tankschiffe, welche an Bord mit Dutzenden von " Pangas " bzw. Skiffs ( kleinen kanuförmigen Booten ) ausgestattet sind. Und wozu liegen sie an Bord ? Sobald eine langustenreiche Stelle gefunden ist, schwärmen die Taucher mit diesen Skiffs fächerartig aus, um den gesamten Fanggrund abzudecken. Ein massiver Langustenfang mit Tauchflaschen führt derzeit nicht nur zum Untergang dieser Ressourcen, sondern sorgt auch bei Dutzenden von Fischern der örtlichen Miskitos- und Garifunas-Gemeinden für Lähmungen und Todesfälle, da sie täglich zu bis zu 12 Tauchgängen ohne geeignetes Gerät und die nötigen Pausen gezwungen werden. Wir wenden unseren Blick zurück und sehen den Gebirgszug Nombre de Dios und seinen höchsten Berggipfel, den Pico Bonito, mit annähernd 2.800 m Höhe. Der gesamte Gebirgszug wurde zum Schutzgebiet erklärt.

Während wir uns allmählich vom Hafen entfernen, tauchen vor uns kleine weiß-grüne Flecken auf. Nach und nach zeichnen sich kleine Inseln, Flachinseln und Dutzende versunkener Berggipfel - so genannte Bänke - ab, aus denen die Gruppe von emporragenden Unterwassergebirgen namens Cayos Cochinos besteht. In den letzten Jahren haben sowohl das Ausbleichen ihrer Korallen als auch der Hurrikan Mitch große Schäden in ihrem Ökosystem angerichtet. Die Karettschildkröte ( Eretmochelys imbricata ) nutzt einige der Strände dieser Inseln, um ihre Eier abzulegen.

Wir werden von der Barkasse " Tiburón " erwartet, die der Honduranischen Stiftung für Korallenriffe - allgemein auch als " Cayos-Cochinos-Stiftung " bekannt - gehört.

Die Taucher überprüfen den korrekten Zustand und Betrieb des kürzlich gekauften Materials, wie Kameras, Gehäuse, etc. Für ihren ersten Tauchgang in der Cayos-Inselgruppe begeben sie sich nach Pelican Point, das im Westen der Insel Cayo Cochino Mayor liegt. Wir, die übrige Besatzung, verlegen die nötige Ausrüstung, um vier Tage lang arbeiten zu können.

Die Insel Cochino Menor beherbergt die Operations- und Forschungsbasis des Marinen Naturdenkmals Cayos Cochinos. Hier befinden sich die Labors, die Hütten für die Unterbringung der Wissenschaftler, Parkwächter und einiger Marineinfanteristen der Honduranischen Marine, die zur Überwachung des Schutzgebiets beitragen. Sie sind die einzigen Bewohner der Insel. Na ja, sie und ein paar Hunde sowie zwei Karettschildkröten ( Eretmochelys imbricata ) von knapp fünf Monaten, die hier am Ende der Eiablagezeit im vergangenen Jahr schlüpften und in Kürze freigelassen werden.

Wie in allen Naturgebieten, die wir bisher besucht haben, beeindruckt uns der herzliche Empfang und die Unterstützung vonseiten der Mitglieder der Nichtregierungsorganisationen. In Zusammenarbeit mit den Regierungen der mittelamerikanischen Länder verwalten sie diese Gebiete auf professionelle und beispielhafte Art.

Als unsere Kollegen vom Tauchen zurückkehren, teilen sie uns mit, dass die Ausrüstungen bereit sind. Sie erzählen uns von den vielen Spezies, die sie gesehen haben, darunter ein Nassau-Zackenbarsch ( Epinephelus striatus ), der als eine in der Karibik aussterbende Art ein Ziel unserer Expedition ist. Die Überfischung sowie die Sportfischerei haben ihn dem Untergang geweiht. Angesichts dieses Funds sind wir alle freudig erregt.

Gemeinsam und voller Eifer, ähnliche Wunder in geringerer Tiefe vorzufinden, setzen wir unsere Taucherbrillen auf und werden belohnt: Nur etwa zehn Meter vom Kai entfernt stoßen wir zunächst auf eine Unterwasserwiese aus marinen Phanerogamen, genauer gesagt dem so genannten Schildkrötengras ( Thalassia testudinum ). Es wächst vermischt mit Seegras ( Syringodium filiforme ), in dem wir einige Seeigel ( Lytechinus variegatus ), Schnapper ( Lutjanidae ) und einen Torpedorochen ( Narcine sp. ) entdecken. Etwas weiter entfernt befindet sich ein Flachwasser-Korallenriff mit einer Vielzahl an schwarzen Gorgonien ( Plexaura spp. ), Hornkorallen ( Gorgonia flabellum ), Geweihkorallen ( Acropora prolifera ), Hartkorallen ( Montastraea sp. ), Sternkorallen ( Solenastrea sp. ), Hirnkorallen ( Diploria sp. ), Mäanderkorallen ( Meandrina meandrites ) und Salatkorallen ( Agaricia sp. ). Auf vielen von ihnen wächst der schöne Bunte Spiralröhrenwurm ( Spirobranchus giganteus ).

In dieser Oase entdecken wir in wenigen Minuten Vieraugen-Falterfische ( Chaetodon capistratus ), Blaue Doktorfische ( Acanthurus coeruleus ), Franzosen-Grunzer ( Haemulon flavolineatum ), Goldstreifen-Grunzer ( Haemulon aurolineatum ), Langschwanz-Riffbarsche ( Stegastes diencaeus ), gestreifte Sergeanten ( Adudefduf saxatilis ), Gelbrand-Riffbarsche ( Chromis multilineata ), Rotschwanz-Papageifische ( Sparisoma chrysopterum ) Blaukopf-Junker ( Thalassoma bifasciatum ), Karibische Eichhörnchenfische ( Holocentrus rufus ), Trompetenfische ( Aulostomus maculatus ), Gelbe Meerbarben ( Mulloidichthys martinicus ), Felsen-Zackenbarsche ( Epinephelus adscensionis ), Büchelbarsche ( Amblycirrhitus pinos ) Rotschwanz-Schnapper ( Lutjanus synagris ) und eine Vielzahl an weiteren Spezies, die wir gar nicht alle auf einmal identifizieren konnten.

Marmas - Oceana Tagebuch
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Über uns befinden sich Fregattvögel ( Fregata magnificens ) und Braunpelikane ( Pelecanus occidentalis ), von denen einige auf Fischfang sind.
 

Cayo Cochino Menor

Donnerstag, 17 März 2005 - Maribel López Carmona

Wir frühstücken um 7:00 Uhr morgens in Cayo Cochino Menor und bereiten die Picknicks für die Taucher vor. Die Ranger-Expedition teilt sich in zwei Gruppen auf, um die für diesen Tag geplanten Aktivitäten durchzuführen.

Das Forschungsteam und die Taucher steigen an Bord des Kahns " Tiburón ", der eines der Boote der Honduranischen Stiftung für die Korallenriffe in diesem Gebiet ist und bereits am Kai auf uns wartet. Die ersten Teammitglieder werden zur Oceana Ranger gebracht, die für eine sichere Übernachtung an einer Boje des Orts La Ensenada verankert wurde.

Auf der Ranger angekommen werden die letzten Vorbereitungen für eine Untersuchung mit Tiefenmessung im gesamten nördlichen Gebiet des Meeresparks getroffen. Die Arbeit besteht darin, an verschiedenen ausgewählten Punkten die Meerestiefe herauszufinden. So können nach Bestimmung der Messpunkte bzw. der Tiefe die Ankerbojen entfernt und die Bojen zur Begrenzung der Meerespark-Schutzzonen in der so genannten " Macrozona Norte " gesetzt werden. Dieses Gebiet hat einen Durchmesser von etwa 10 Meilen. Elias Aguilar, guarda recursos ( " Ressourcenwächter " ) des Parks begleitet Xavier Pastor und Ricardo Aguilar und hilft uns bei der Koordinierung der gesamten Operation. Die Stiftung hat beschlossen, ihr Personal in Cayos Cochinos als Guarda Recursos und nicht klassisch als Guardaparques ( " Parkwächter " ) zu bezeichnen. Damit soll betont werden, dass ihre wesentliche Aufgabe beim Schutz des Naturparks darin besteht, die natürliche Verwendung der Meeresressourcen zu wahren und so deren Nachhaltigkeit für die örtlichen Garifunas-Gemeinden zu gewährleisten, welche diese Ressourcen kontrolliert nutzen.

Twin Parrots - Papageien Zwillinge - Oceana Tagebuch
Kritische Beobachter
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Mit Hilfe eines GPS, mehrerer Seekarten und der Echolote der Ranger, die uns bei der Bestimmung der Wassertiefe und des Meeresbodens helfen werden, stechen wir in See. Es werden 10 Punkte definiert und besucht. Gegen fünf Uhr Nachmittag kehren wir zur Basis zurück. Wir haben unseren Beitrag zur Abgrenzung des Meeresschutzgebiets rund um Cayos Cochinos geleistet. Nach Abschluss dieser Phase kann die Stiftung mit dem Anbringen der Bojen beginnen, welche die Seefahrer darauf hinweisen, dass sie sich in einem Gebiet mit strengen Vorschriften befinden.

Die Tauchergruppe, die von Mar Mas angeführt wird und aus Houssine Kaddachi, Soledad Esnaola und Inés García besteht, hat zwei Tauchgänge unternommen. Der erste führte bis in eine Tiefe von 30 bis 40 Metern, der zweite bis in etwa 20 Meter Tiefe, und beide fanden in Roatan Bank - nördlich von Cayo Mayor - statt. Die Taucher werden zu jedem Zeitpunkt von einem der Biologen der Stiftung, Francisco Cabañas, begleitet. Außerdem arbeitet die Gruppe stets unter dem wachsamen Auge von Bibi Álvarez, einer der Seeleute von Oceana, die die Sicherheit der Operation von der Wasseroberfläche aus beaufsichtigt.

Erneut stieß man auf den Nassau-Zackenbarsch ( Epinephelus striatus ), einige Schwarze Drückerfische ( Melichthys niger ), Barrakudas ( Sphyraena barracuda ), Gelbschwanz-Schnapper ( Ocyurus chrysurus ), Französische Kaiserfische ( Pomacanthus paru ), Vieraugen-Falterfische ( Chaetodon capistratus ) und Gestreifte Falterfische ( Chaetodon striatus ), Gelbschwanz-Riffbarsche ( Microspathodon chrysurus ), Azul-Vasenschwämme ( Callyspongia plicifera ) oder Schwarze Diademseeigel ( Diadema antillarum ).

Falterfisch - Oceana Tagebuch
Falterfisch
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Diese Seeigel erfuhren fast in der gesamten Karibik einen starken Rückgang, als eine Tierseuche in einigen Gebieten bis zu 90 % der Bestände dahinraffte. Erstaunlicherweise ist außerhalb seines Habitats genau das Gegenteil der Fall, so dass sich dieser Seeigel als eingeführte exotische Spezies in einigen Gegenden wie den Kanarischen Inseln zu einer Plage entwickelt.

Die Taucher stießen ebenfalls auf ein weiteres Objekt unserer Expedition: einen großen Fass-Schwamm ( Verongula gigantea ). Diese Organismen wachsen sehr langsam, können bis zu 500 Jahre alt werden und sind äußerst empfindlich. So können sie bereits durch einen einfachen Flossenschlag eines Tauchers zerstört werden. Diese Schwämme können eine Höhe von eineinhalb bis zwei Metern erreichen.

Wir warten die Abenddämmerung ab, und die Taucher verschwinden erneut in der Tiefe - diesmal am Pelicano Point, wo eine Tiefe von 40 Metern erreicht wird.

Diese Gegend ist reich an Gorgonien aller Art: gemeine Fächerkorallen ( Gorgonia ventalina ), Venusfächer ( Gorgonia flabellum ), Federkorallen ( Pseudopterogorgia spp. ), Hornkorallen ( Plexaurella spp. ), Peitschenkorallen ( Ellisella barbadensis ), etc. Auf ihnen finden wir Gorgonenhäupter bzw. Schlangensterne ( Astrophyton muricatum ) und einige Spezies der Gattung Gastropoda Prosobranchia wie die so genannte " Flamigozunge " ( Cyphoma gibbosum ), die sich von ihren Polypen ernähren.

Wir haben Glück und finden erneut viele weitere Spezies, darunter die wunderschönen Trommler, " Guineas " oder Tüpfel-Ritterfische ( Equetus punctatus ), Karibische Eichhörnchenfische ( Holocentrus rufus ), Vieraugen-Falterfische ( Chaetodon capistratus ), Karibik-Langusten ( Panulirus argus ), Karibische Spinnenkrabben ( Mithrax spinosissimus ), Diadem-Kaiserfische ( Holacanthus ciliaris ), Blaue Doktorfische ( Acanthurus coeruleus ), Blaukopf-Lippfische ( Thalassoma bifasciatum ) sowie größere Schwärme von Atlantischen Spatenfischen ( Chaetodipterus faber ) und Großaugen-Stachelmakrelen ( Caranx latus ). Letztere stellen eine in dieser Gegend überfischte Spezies.

Languste - Oceana Tagebuch
© 2005 Oceana / ZOEA

Es war ein intensiver Tag. Beim Abendessen schmieden wir Pläne für morgen.
 

Ein regnerischer Tag

Freitag, 18 März 2005 - Maribel López Carmona

Gestern beschlossen wir, dass vier von uns die örtlichen Garifunas-Gemeinden besuchen würden, die verteilt auf einigen der kleinen Cayos-Inseln leben. Unsere Absicht ist es, ihre traditionelle Lebensweise und ihre nachhaltige Nutzung der Gewässer rund um die kleinen Dörfer zu dokumentieren.

Um einen Teil des Gemeinde-Alltags zu erfassen, stehen wir um fünf Uhr morgens auf, bereiten das Material zum Filmen vor und begeben uns bei Tagesanbruch zum Landungssteg. Die grauen Farben weichen den zunächst blauen, dann orangefarbenen und schließlich orangegelben Tönen, die den Himmel trotz der Wolken überziehen. Am Steg erwartet uns wieder Elías Aguilar, um uns nach Cayo Chachahuate zu bringen. Von dieser und den anderen Inseln aus werden die Kinder jeden Tag in kleinen Booten in die Schule der Gemeinde geschickt, die sich in East End, auf der Insel Cayo Mayor, befindet. Die Boote funktionieren wie Schulbusse, allerdings mit interinsularen Routen. Die Nacht war windig. Elías teilt uns mit, dass ziemlich starker Seegang herrscht und die Kinder heute sicherheitshalber nicht in die Schule fahren. Daher muss umgeplant werden.

Der Wind wird stärker, und wir können vom Ufer aus sogar das Entstehen der Strömungen beobachten. Ein Braunpelikan lässt uns an seinem ersten morgendlichen Fang teilhaben. Im Sturzflug bis auf Wasserhöhe macht er sein Frühstück aus; Sekunden später taucht sein Kopf bei einer etwas eigenwilligen Landung ins Wasser und schnappt den Fisch. Wir sind so nahe dran, dass wir die letzten Zuckungen des Fischs im Kehlsack des Pelikans sehen können. Allein für dieses Schauspiel hat es sich gelohnt, so früh aufzustehen.

Es beginnt zu regnen, und kurz darauf wird der Regenfall stärker. Wir entscheiden, die Abfahrt etwas zu verzögern. Trotz des schlechten Wetters werden die Taucher die für den heutigen Vormittag geplanten Tauchgänge durchführen und fahren unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen Richtung Cayo Gallo.

Der Tauchgang führt in eine Tiefe von etwa 16 Metern. Das Wasser ist wegen des Unwetters etwas trübe, die Strömungen reißen Sedimente mit und es sind sehr viele Schwebeteilchen vorhanden, so dass die Spezies nur schwer zu lokalisieren sind. Trotzdem haben wir einen Riesen-Einsiedlerkrebs ( Petrochirus diogenes ) gesehen, dessen " Zuhause " aus dem Gehäuse einer enormen Fechterschnecke ( Strombus gigas ) besteht. Dieses Gebiet ist nur spärlich mit Phanerogamen ( Samenpflanzen ) bewachsen und weist vor allem sehr viel Schildkrötengras ( Thalassia testudinum ) sowie eine große Vielfalt an Braun- und Grünalgen auf: zahlreiche Ditctyota spp. und Halimeda spp. sowie die Rhipocephalus phoenix, der Mar aufgrund ihres lustigen Aussehens den Namen " Chupa-Chups-Alge " verliehen hat.


© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Das Wetter bessert sich ein wenig. Diesmal fahren wir zum Nordzipfel von Cayo Menor, wo wir unter anderem Algen fressende Blaue Doktorfische ( Acanthurus coeruleus ) und einige Zackenbarsche, wie den Nassau-Zackenbarsch ( Epinephelus striatus ) und den Schwarzen Zackenbarsch ( Mycteroperca bonaci ) in den Vertiefungen dieser von Spalten und Höhlen überzogenen Landschaft gesehen haben. Beim Filmen eines Nassau-Zackenbarschs kreuzte ein Schweinsfisch ( Lachnolaimus maximus ), der sich dahinter versteckt hatte, unseren Weg. Wir entdeckten ebenfalls zahlreiche Blaue Schwalbenschwänzchen ( Chromis cyanea ) sowie Feenbarsche ( Gramma loreto ).

Das Gebiet beheimatet verschiedene Gorgonien, vor allem der Familie der Plexauridae, Federkorallen ( Pseudoterogorgia spp. ), Peitschenkorallen ( Elisella sp. ) und einige Salatkorallen ( Agaricia spp. ), Sternkorallen ( Montastraea spp. ), elliptische Sternkorallen ( Dichocoenia spp. ), Blumenkorallen ( Eusmilia sp. ) sowie die Spezies Meandrina meandrites.

Papageienfisch und Koralle - Oceana Tagebuch
Papageifisch frißt Koralle
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Die Gegend ist ebenfalls reich an Fass-Schwämmen ( Verongula gigantea ), Schwarzen Kugelschwämmen ( Ircinia strobilina ), Röhrenschwämmen ( Aplysina spp. ) und Azul-Vasenschwämmen ( Callyspongia plicifera ).

Generell haben wir die Korallen wie in allen Tauchgebieten in einem guten Zustand vorgefunden. Lediglich einige Geweihkorallen ( Acropora spp. ) waren - vermutlich infolge des Hurrikans Mitch - zerstört, andere gebleicht oder von der Weißband-Krankheit gezeichnet. Einige Gorgonien waren von Aspergillose befallen, einer Pilzerkrankung, welche die Korallen infiziert und mit Löchern übersät.

Am Nachmittag können wir aufgrund des schlechten Wetters keine weitere Fahrt unternehmen, so dass wir die Zeit nutzen, um Druckluftflaschen aufzufüllen sowie unsere Ausrüstungen mit Süßwasser auszuspülen und gründlich zu reinigen. Außerdem bereiten wir Bilder und Fotos vor bzw. bearbeiten sie, da wir für morgen Vormittag die Ankunft honduranischer Journalisten zur Dokumentierung der Oceana-Ranger-Expedition erwarten.
 

Parameterstudie und Kontrolle von Boas

Samstag, 19 März 2005 - Maribel López Carmona

Alle sind auf den Beinen, und die Oceana Ranger fährt Richtung Landungssteg der Insel Cayo Cochino Menor. Nur wenige Minuten nachdem die Ranger vertäut ist, kommt die " Tiburón " mit den Journalisten von Canal 7 des honduranischen Fernsehsenders TeleCeiba an. Nach minutenlanger Vorstellung des gesamten Teams wird ihnen erklärt, worin die Ranger-Expedition besteht.


© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Heute Vormittag fahren wir mit der Ranger los, um eine Untersuchung der Wasserparameter bezüglich Salz- und Sauerstoffgehalt, Temperatur und Trübung durchzuführen. Die Sichttiefe des Wassers wird mit einer Secchi-Scheibe gemessen, während die Erfassung der übrigen Daten anhand einer Multiparameter-Sonde erfolgt. Wir stellen ebenfalls eine Untersuchung der Strömungen an, indem wir eine Treibboje bzw. einen Strommesser verwenden, der aus zwei Bojen mit einem Stoffschirm besteht. Dieser Schirm klappt sich auf, da an der Unterseite Gewichte befestigt sind. Bei dem Vorhaben werden wir von parkeigenen Wissenschaftlern begleitet.

Nach dem Mittagessen geht ein Teil des Teams in dem kleinen Paradies tauchen, welches genau vor den Einrichtungen liegt, die uns von der Wissenschaftsstation abgetreten wurden. In diesen Unterwasserwiesen erfreuten wir uns am ersten Tag am Reichtum und der Vielfalt der dort vorkommenden Arten.


© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Anscheinend erwachen die Grunzer bzw. Süßlippen ( Haemulidae ) träge von einem Mittagsschläfchen. Zwischen den Phanerogamen und dem Riff finden wir eine Menge winziger Larven, einige Seegurken ( Holothuria mexicana ), Putzergarnelen ( Stenopus hispidus ), Spinnenkrabben ( Stenorhynchus seticornis ), Riffdachseeigel ( Echinometra viridis ), Feuerwürmer ( Hermodice carunculata ) auf manchen Gorgonien, eine Karibische Goldrose ( Condylactis gigantea ) und verschiedene Arten von Papageifischen ( Scaridae ).

Seestern - Oceana Tagebuch
Seestern
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Wir können jedoch nur wenig mehr sehen, weil ein Sturm der Windstärke 5 aufgekommen ist, der uns das Tauchen erschwert und die Sichttiefe im Wasser erheblich reduziert.

Der andere Teil des Teams kontrolliert die Boas ( Boa constrictor ), eine auf den Cayos-Inseln häufig vorkommende Schlangenart. Diese Kontrolle erfolgt mindestens einmal pro Woche. Der Pfad hinauf zum Gipfel der Insel beginnt hinter der Kantine, in der wir uns mit Wasser für die Wanderung ausrüsten. Wir treten sofort in einen Trockenwald aus Steineichen, deren Früchte aus kleinen, samtartigen Eicheln bestehen. Die Gummibäume wachsen auf anderen Spezies, die Bromelien auf dem Boden oder auf anderen Bäumen - genau wie die Orchideen. Der Gummibaum, aufgrund seiner rötlichen Farbe und der sich leicht schälenden Rinde gemeinhin als " indio desnudo " ( " nackter Indianer " ) oder als " árbol del turista " ( " Touristenbaum " ) bekannt, ist eine der häufigsten Baumarten. Wir sind von einer Unmenge an Bäumen und Sträuchern umgeben. Am meisten überrascht es uns jedoch, während des Aufstiegs auf kleine und größere Einsiedlerkrebse, so genannte " Kokoskrabben ", zu treffen. Zudem finden sich Reptilien wie die Anolis-Eidechsen, die am Bauch einen blauen bzw. mitunter auch roten Fleck tragen, den sie in der Paarungszeit als Lockmittel verwenden.

Wir entdecken eine Boa, die sich perfekt in einer kleinen Steineiche verborgen hat und Teil des Geästs zu sein scheint. Sie ist hellbraun gefärbt, fast einen Meter lang und wiegt etwa 450 Gramm - es handelt sich um ein Weibchen. Wir versehen sie mit dem Mikrochip. Alle kontrollierten Boas tragen einen solchen Chip, mit dem Wachstum, Entwicklung, Bewegung und Verhalten der Spezies genau überwacht werden können.

Am Strand angekommen sehen wir die karibischen Kokospalmen, von denen die meisten von der Krankheit des " amarillamiento letal " - einer " tödliche Vergilbung - befallen sind, die als Virus durch einen Käfer übertragen wird und unheilbar ist. Die Palme hält sich zwar aufrecht, doch der Stamm ragt völlig leblos und ohne Blätter wie mit einem kränklichen Wehklagen in den Himmel. Weitere Spezies am Strand sind die Seemandelbäume und die Meertrauben.


Neugierige Beobachter
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Die Nacht ist fast hereingebrochen, als wir nach dem Rundgang um die Insel am Meeresufer entlang wieder zurück zur Station kommen. Bei einem Blick zurück bietet sich uns eine herrliche Landschaft. Das abrupte Aufragen der Cayos-Insel verleiht ihr ein raues Image, das sie unter ihrer dichten Flora verbirgt.

Im Dunkel der Nacht ist es beinahe unmöglich, nicht zu stolpern oder mit den Füßen in eines der Löcher zu geraten, welche die Krebse aufgewühlt haben. Die Cayos-Inseln bieten über Wasser ebenso viele Überraschungen wie unter Wasser.

Strandreinigung

Sonntag, 20 März 2005 - Maribel López Carmona

Wir wissen nicht, welches Wetter uns erwartet. Gestern Abend war es heiter aber windig, und die Nacht war ruhig. Die meisten Aktivitäten, die wir für die Cayos-Inseln geplant haben, hängen in erster Linie von der Wetterlage ab.

Heute gehen wir in Mariposales tauchen und suchen ein gesunkenes Flugzeug, bei dessen Absturz glücklicherweise keine Opfer zu beklagen waren. Dieses Flugzeug könnte verschiedenen Spezies als Zufluchtsort gedient haben.

In Mariposales haben wir endlich Fechterschnecken ( Strombus gigas ) entdeckt, die stark überfischt waren und nun in verschiedenen Gebieten der Karibik geschützt sind. Wir sehen ebenfalls unseren ersten Drachenkopf ( Scorpaena plumieri ), einen Braunband-Hamlet ( Hypoplectrus puella ), viele Blaukopf-Lippfische ( Thalassoma bifasciatum ) in allen Farben und Altersstufen sowie winzige Grundeln ( Gobiosoma spp. ) auf den Hirnkorallen.

Gehirnkoralle - Oceana Tagebuch
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Aus dem Sand lugen die Köpfe einiger Röhrenaale ( Heteroconger longissimus ).

Leider sind wir auch nach über zwanzig Minuten Suche nicht in der Lage, das Flugzeug zu lokalisieren. Wir kehren zum Mittagessen zur Station zurück, und auch die übrige Besatzung, die mit der Ranger unterwegs war, kommt nach Cayo Cochino Menor. Heute werden wir alle eine gemeinsame Mahlzeit genießen.

Am Nachmittag bereiten wir uns auf eine Strandreinigung vor. Nach der Kaltfront und dem Wind der letzten Tage haben sich auf beiden Strandseiten von Cayo Cochino Menor große Mengen an Plastik, Flaschen, Schuhen, Kanistern, Sandalen, einige Lumpen und sogar Spritzen - mehrere davon unglaublicherweise sogar mit Nadel - angesammelt. Einige der Strände sind nur schwer über den Landweg zu erreichen, so dass wir für die Hinweg etwas mehr als eine Stunde benötigen. Wir nutzen den Fußmarsch, um uns an dem Wald entlang der Pfade zu erfreuen. Als wir beinahe den Gipfel der Insel erreicht haben, können wir auf beiden Seiten des schmalen, vom Unterholz fast verschlossenen Passes den Kontrast zu der vom Wind gebeutelten Zone ausmachen, in der unterhalb der Baumkronen keinerlei Leben zu finden ist. Nur dem Sonnenlicht gelingt es, sich einen Weg durch den Wind zu bahnen. Dieser Teil des Waldes kann sich nur sehr schwer regenerieren, da der Boden wenige Nährstoffe enthält und hier ein rauer Wind weht. Auf der anderen Seite des Passes erblicken wir jedoch beim Abstieg einen prächtigen Wald mit belaubtem Unterholz. Dieselben Baumarten wachsen hier viel höher, haben längere Äste und ein dichteres Laubwerk.

Wir führen die Reinigung zu sechst durch und haben nach etwa 40 Minuten bereits über acht große Müllsäcke gefüllt. Traurig, oder ? Glas, Eisen und andere Abfälle sinken aufgrund ihres Gewichts auf den Meeresboden; Papier zersetzt sich allmählich und viele der im Meer entsorgten Schad- und Abfallstoffe sind nicht sichtbar, doch Plastik und Getränkedosen sind schwerer zu verstecken. Sie sind ein unbestreitbarer Beleg für den weiterhin bestehenden Mangel an Rücksicht und Respekt, denn noch immer wird das Meer von einigen Menschen als riesige Müllkippe betrachtet.

Die menschlichen Aktivitäten zeigen sogar bei größeren Entfernungen eine erhebliche Wirkung. Diese Strände werden von den Karettschildkröten ( Eretmochelys imbricata ) zur Eiablage genutzt. Stellen Sie sich mal eine Schildkröte vor, die an einem Strand voller Dosen, Plastik und weiterem Müll versucht, ihre Eier abzulegen.

Das Gebiet wurde von natürlichen Störungen wie Hurrikanen und der Erwärmung der Meeresoberfläche aufgrund der globalen Klimaveränderung heimgesucht. Dieses Phänomen sorgt für eine Bleichung der Korallen, die schließlich absterben.

Erschöpft kehren wir mit unseren riesigen Mülltüten ins Basislager zurück, und hoffen, dass die künftigen Besucher das wahre Paradies der Cayo Cochino Menor vorfinden werden.

Tag der Wirbellosen

Montag, 21 März 2005 - Maribel López Carmona

Heute wurde eine Zone mit Fango und feinen Sedimenten dokumentiert, die zwischen dem Schutzgebiet des Archipels Cayos Cochinos und der kontinentalen Küste von Honduras liegt. Hier wird illegaler Fischfang mit Schleppnetzen betrieben, da die Garnelenkutter die gesetzlich vorgeschriebene Entfernung zur Küste nicht einhalten. Anschließend kehren wir zurück nach Mariposales. Die Gegenden sind reich an Grünalgen, wie denen der Gattung Caulerpa oder der " Chupa-Chups-Alge " ( Rhipocephalus phoenix ), und bieten einige Flecken von marinen Phanerogamen.

Diesmal haben wir Seelilien und Federsterne gefunden, die wir schon seit Antritt der Reise erfassen wollten. Diese Stachelhäuter sind einfach Aufsehen erregend und lassen unsere Phantasie in die Jurazeit schweifen, als diese Spezies einen Großteil der Meeresökosysteme bevölkerte. Hierbei handelt es sich um einen schwarzweißen Federstern ( Nemaster grandis ). Ein Stückchen weiter befindet sich ein weiterer Stachelhäuter - diesmal ein Kissenseestern ( Oreaster reticulatus ).

Heute scheint der Tag der Wirbellosen zu sein, denn wir haben auch Feuerwürmer ( Hermodice carunculata ) sowie einige, von uns noch nicht identifizierte Anemone gesehen. Wir haben etwas innegehalten, um detaillierte Aufnahmen von einige Korallen und einem Großen Fass-Schwamm ( Xestospongia muta ), wenn auch von geringer Größe, anzufertigen.

Im nächstgelegenen Riff beobachten wir weiter das Unterwasserleben. Heute ist eine bessere Sichttiefe gegeben, und alle Spezies scheinen eigens zurückkommen zu sein, um sich sehen zu lassen: die gestreiften Sergeanten ( Abudefduf saxatilis ), Gelbschwanz-Riffbarsche ( Microspathodon chrysurus ), Rotschwanz-Schnapper ( Lutjanus synagris ), Gelbschwanz-Schnapper ( Ocyurus chrysurus ), Papageifische verschiedener Arten und Altersstufen, wie der Grüne Papageifisch ( Sparisoma viride ), der Prinzesssin-Papageifisch ( Scarus taeniopterus ), der Rotbinden-Papageifisch ( Sparisoma aurofrenatum ) oder der Gelbschwanz-Papageifisch ( Sparisoma rubripinne ), sowie zahlreiche Süßlippen, wie der Franzosen-Grunzer ( Haemulon flavolineatum ), der Blaustreifen-Grunzer ( Haemulon sciurus ) oder der Spanischer Grunzer ( Haemulon macrostomum ).

In den Felsspalten zeigen sich einige Karibische Eichhörnchenfische ( Holocentrus rufus ) und sogar einzelne Karibik-Langusten ( Panulirus argus ).


© 2005 Oceana / ZOEA

Nicht weit entfernt sitzen mehrere Schwarze Diadem-Seeigel ( Diadema antillarum ).

Zwischen den Gorgonien spielen etliche Trompetenfische ( Aulostomus maculatus ) und Kofferfische ( Lactophrys triqueter ). Neben der üblichen schwarzen Art mit weißen Punkten haben wir heute auch die gelbe Unterart ausgemacht, die nur in wenigen Gebieten der Karibik zu finden ist. Als wir Richtung Landungsbrücke zurücktauchen, erwartet uns ein riesiger Barrakuda ( Sphyraena barracuda ) von über einem Meter Länge, der sich nach Angaben der Mitarbeiter der Biologiestation entschlossen hat, hier in dieser Gegend zu bleiben.

Genau an der Landungsbrücke treffen wir auf einen einheimischen Garifunas-Fischer - bekleidet mit einem Mailand-Trikot und einer roten Hose - in seinem kleinen, blauen Boot. In der Hand hält er ein kleines, rotes und engmaschiges Netz. Unter der Landungsbrücke sammeln sich Larvenkolonien und silberfarbene, sardinenartige Fischbruten an. Dort wirft der Fischer mit der rechten Hand das Netz aus, das sich wie ein kleiner Fallschirm öffnet. Die ringsum befestigten Bleigewichte sorgen dafür, dass es langsam abtaucht. Sie sind in der Mitte des Netzes durch Nylonfäden miteinander verbunden; zieht man daran, schließt sich das Netz von unten und hält die kleinen Fische in seinem Innern gefangen. Diese Fischchen dienen als Köder beim Fang von größeren Fischen. Wenn man vier von ihnen an einem Haken befestigt und einige weitere um den Haken herum im Meer auswirft, kann man stattliche Exemplare für den Verkauf auf den örtlichen Märkten fischen. In den Korallenriffen konzentriert sich die marine Artenvielfalt, welche die Fortpflanzung und Entwicklung unzähliger Spezies - darunter einiger auf dem Markt sehr geschätzter Arten wie Langusten, Meeresschnecken oder Schuppenfische - ermöglicht.

Am Nachmittag müssen wir packen, da wir am nächsten Tag frühmorgens die Cayos-Inseln verlassen müssen - sehr zu unserem Bedauern. Es ist sicher das schönste Fleckchen, das ich je besucht habe.

Garífunas

Dienstag, 22. -24. März 2005 - Maribel López Carmona

Leider verlassen wir die honduranischen Cayos-Inseln, ohne den örtlichen Garifunas-Gemeinden einen ruhigen Besuch abgestattet zu haben. Ein Übermaß an Arbeit im Rahmen anderer Programme und der zeitweise schlechte Seegang haben es unmöglich gemacht.

Die Garifunas stammen von schwarzafrikanischen Sklaven ab, die sich nach verschiedenen historischen Wechselfällen in dieser Gegend von Honduras niederließen, jedoch ihre ethnischen und kulturellen Merkmale beibehielten. Sie widmen sich vorwiegend dem Fischfang in Cayos Cochinos und mussten mit ansehen, wie der missbräuchliche Langustenfang mit Tauchflaschen sowie der Druck durch die Trawler aus anderen Gebieten ihren Lebensunterhalt stark gefährdeten. In den letzten Jahren haben sich die Garifunas jedoch dank der Arbeit der Honduranischen Stiftung für Korallenriffe ebenfalls um den Schutz der Cayos-Inseln bemüht und zum Verbot der illegalen Fischerei-Aktivitäten beigetragen. Jetzt führen sie wieder den umweltverträglichen und traditionellen Fischfang durch, der ihnen eine unbegrenzte Nachhaltigkeit sichert. Sie sind nun selbst die besten Wächter und sorgen für die Einhaltung der Gesetzgebung im Schutzgebiet von Cayos Cochinos.

Muräne - Oceana Tagebuch
Tierischer Wächter - eine große Muräne
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Nur einige von uns konnten Cayo Cochino Mayor, die größte Insel der Cayos-Gruppe mit dem einzigen Hotel inklusive Restaurant und Bar, besuchen. Der höchstgelegene Teil der Cayos-Inseln erhebt sich in etwa 140 Metern über dem Meeresspiegel auf Cayo Cochino Mayor und beherbergt einen Leuchtturm, welcher der örtlichen Schifffahrt dient. Von diesem Gipfel aus hat man einen 360-Grad-Blick, bei dem man an klaren Tagen bis zu 30 Kilometer weit sehen kann.

Wir lassen dieses Ökosystem zurück, das den Erhalt einiger vom Aussterben bedrohter Spezies wie der Karettschildkröte, Stand- und Zugvögel, Fledermäuse, Igel und der weitverbreiteten Boas ermöglicht.

Dank der Unterstützung und Hilfe der Honduranischen Stiftung für Korallenriffe ( " Cayos-Cochinos-Stiftung " ), ihrer großzügigen und zuvorkommenden Beteiligung an allen Aktivitäten und ihres logistischen Beistands wird uns diese Insel unauslöschlich in Erinnerung bleiben.

Wir kehren erneut zu der alltäglichen Routine des Bordlebens mit 24-Stunden-Wachen und -Fahrten zurück.

Am 24. taucht frühmorgens eine Gruppe von Basstölpeln ( Sula bassana ) auf, die uns ein Stück begleiten; wir sehen sie im Laufe des heutigen Fahrt mehrfach wieder. Wir durchqueren einige Gebiete, in denen reichlich Beerentang ( Sargassum fluitans ) auf der Wasseroberfläche treibt. Unter einem der Tangflecken sehen wir einen Drückerfisch ( Ballistidae ), der sich dort versteckt hat.

Eine kleine Schwalbe scheint zwischen dem Groß- und dem Genua-Segel zu spielen, Manchmal sieht es aus, als würde ihr rastloser Flug stoppen, doch dann gleitet sie - wie in der Luft schwebend - weiter. Sie wartet auf einen geeigneten Moment, um eines der Abspannseile oder eine beliebige Fläche zu erreichen und sich einige Minuten ausruhen zu können. Die ständige Änderung der Windströmungen hindert sie jedoch daran. Nachdem sie uns eine Weile mit ihrem schönen Lufttanz erfreut hat, verliert sie sich am Horizont.

Die Wolken schließen sich um die Sonne, und der Wind nimmt zu. Wir nutzen die Lage zum Segeln und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 10 Knoten.

Am Nachmittag laufen wir im Hafen von Isla Mujeres in Mexiko ein. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, um Treibstoff zu tanken und unsere Wasserbehälter aufzufüllen. Die Wetteraussichten sind schlecht, so dass der Kapitän beschließt, drei Tage hier liegen zu bleiben und zu warten, bis das Unwetter vorüber ist.
 






Texte © 2005 Maribel López Carmona, Bibiana Álvarez, Sandy Mayson, Paloma Larena, Astrid Haas
Bilder © 2005 Houssine Kaddachi, Nuño Ramos, Maribel López Carmona, Oceana, ZOEA




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