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Du bist hier: Onlinemagazin 54. Ausgabe Expeditionstagebuch der M/Y Oceana Ranger Teil 3 Florida





 Geschrieben von Oceana-Crew

Vorbereitung der Atlantik-Überfahrt

Donnerstag, 31. März 2005 - Maribel López Carmona

Die Nachtwachen verlaufen ruhig, doch sehen wir heute mehr Schiffe in unserer Umgebung als zuvor – die meisten von ihnen sind größer als die Ranger. Ein Kreuzfahrtschiff fährt mit hoher Geschwindigkeit dicht an uns vorbei, und wir können gut alle Lichter an Deck und die tanzenden Passagiere in der Disco erkennen. Vermutlich ist das Schiff nach Fort Lauderdale (Florida) unterwegs, genau wie wir.

Die Branche des Kreuzfahrttourismus hat in den letzten Jahren ein großes Wachstum erfahren. Derzeit entscheiden bereits mehr als 2.000.000 Europäer, ihren Urlaub auf einem Kreuzer zu verbringen. Über fünfzig Unternehmen kontrollieren etwa 300 Kreuzfahrtschiffe, die Millionen von Passagieren von einem Teil der Erde zum anderen bringen. Üblichweise liegen ihre Ziele in den schönsten Gegenden und sind gleichzeitig ökologisch sensible Regionen.

Diese großen Schiffe können mehr als 5.000 Personen transportieren und werden damit zu treibenden Städten, auf denen eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten (Swimmingpools, Theater, Diskos, etc.) geboten wird. Diese sind mit Abfällen jeglicher Art verbunden, die man mitunter einfach ins Meer kippt. Die Royal Caribbean verpflichtete sich im Mai 2004, ihre Flotte zu verbessern und eine fortschrittliche Technologie zur Abwasserreinigung auf allen ihren Schiffen zu installieren, so dass jeder Kreuzer strenge Qualitätsgrenzen einhalten wird. Dieses Engagement trägt dazu bei, die Weltmeere vor der Verschmutzung zu schützen.

Um sieben Uhr morgens fahren wir in Harbour Town Marina ein. Der Katamaran Ranger wird hier etwa zwei Wochen lang kleineren Reparaturen unterzogen, um ihn auf die Überquerung des Atlantik zur Weiterführung seiner Reise vorzubereiten.

Die Abfassung der Tagebücher ist möglich dank der Mithilfe des gesamten Teams an Bord. Wie Sie feststellen konnten, wurden in dem Tagebuch an manchen Tagen Erlebnisse wiedergegeben, die verschiedenen Mitgliedern des Teams gleichzeitig widerfahren waren. Dies ist auf Gespräche mit allen Kollegen an Bord, die Foto- und Videosessions sowie auf das Nachschlagen in Büchern zurückzuführen. Trotz der Kommunikationsschwierigkeiten während der Fahrt wurden die Informationen, gleich nachdem wir sie nach Madrid geschickt hatten, auf der Website ausgehängt, so dass Sie unsere Fahrt ganz aus der Nähe mit verfolgen konnten.

Wir fahren los. Danke, dass Sie uns so aufmerksam begleiten. In ein paar Tagen melden wir uns wieder.

Der Katamaran-Check

01.04.05 bis 16.04.05 - Bibiana Álvarez, „Bibi“

Während unsere Taucherkollegen ihren „Nicht-Urlaub“ genossen, waren Nuño, Carlos, David und ich damit beschäftigt, den Katamaran zu checken: Trimmen der Takelage, Auswechseln der Signalleine, Ausbessern der Segeln, Überprüfen des Navigationsmaterials, Erstellen einer Einkaufsliste, Bestandsaufnahmen, Kommunikations-Checks ... Wir begannen, die Ranger auf die Atlantik-Überquerung und die unmittelbar bevorstehende Überfahrt zu den Bahamas vorzubereiten.

Wir haben jetzt eine neue Antenne für Satellitenkommunikation, die startklar und bereit für das raue Bordleben ist. Außerdem konnten wir sie ein wenig höher als die andere Antenne anbringen, so dass der Empfang nun verbessert werden konnte.

Bei den Motoren haben wir zunächst die Maschinenräume gereinigt. Anschließend gingen wir zur Überprüfung des Getriebes und der Kühlsysteme über, lösten Schrauben und setzten sie wieder ein, lösten Schläuche und setzten sie wieder ein, wechselten den Filter, kontrollierten die Pumpe ... na ja, eigentlich sind wir noch immer damit beschäftigt.

Eine weitere und nicht weniger wichtige Aufgabe an Bord war die Kontrolle des Sicherheitsmaterials, das heißt der neuen Sets mit Leuchtkugeln, Leuchtraketen und Signalspiegeln. Zudem bereiteten wir zwei Notfalltaschen (für den Fall eines Schiffsbruchs) vor, die alles Nötige für das Überleben auf dem Meer enthalten (Erste-Hilfe-Kasten, Leuchtkugeln und -raketen, eine Taschenlampe, Essensrationen, ...). Wir haben ebenfalls ein Organisationsschema angelegt und die Funktion jedes Besatzungsmitglieds für den Not- bzw. Brandfall näher ausgeführt.

Die Kontrolle des Erste-Hilfe-Kastens war ziemlich zeitaufwendig, da es galt, die verfügbaren Medikamente, die Haltbarkeitsdaten und alles nötige Zubehör, das zur Vervollständigung unserer kleinen Apotheke gekauft werden musste, zu prüfen.

In den letzten Tagen kam sehr viel neues Material an, so beispielsweise das Dingi bzw. Beiboot, das mit einem Motor, einem neuen Klüver (oder auch Bugsegel, auf Spanisch: „tormentín“ von „tormenta“ – Unwetter –, bei dem es verwendet wird), einem Rettungsschlauchboot, Schwimmwesten, Leuchtkugeln und -raketen, Feuerlöschern, Logbüchern, Seekarten, etc. ausgestattet ist. Hinzu kommen die Objekte, die wir zur Reparatur geschickt haben, nämlich das grüne Genua-Segel, Wasserpumpen, ein Dingi und das Besansegel, das mit anderen Gleitkufen für das neue, am Mast installierte System versehen wurde.

Zur gleichen Zeit sind nach und nach neue Besatzungsmitglieder zu uns gestoßen. Wir begrüßen an Bord Paloma, Ricardo und José (besser bei allen bekannt als „Indi“), die schnell Hand anlegten, um die folgenden Projekte in Angriff zu nehmen.
 

Der „Nicht-Urlaub“ der Taucher - Soledad Esnaola „Sole“

01.04.05 bis 07.04.05 - Bibiana Álvarez, „Bibi“

1. April. Endlich sind wir in Fort Lauderdale angekommen! Nach mehr als zwei Monaten an Bord hat unser Tauchteam – Mar, Houssine und ich selbst – die Erlaubnis für einen einwöchigen Kurzurlaub zum Ausruhen bekommen. Nach mehreren Versuchen, einen erschwinglichen Flug nach Jamaika, Puerto Rico oder Kuba zu ergattern, haben wir uns für eine Autoreise zu den Florida Keys entschieden.

Wir dachten dabei: „Wenn wir uns schon in einem Riffgebiet aufhalten, können wir dort ein wenig tauchen gehen.“ In dem selben Augenblick war unser Urlaub vorbei, auch wenn wir uns dessen zu der Zeit noch nicht bewusst waren. Wir packten unsere Kleidung und die Tauchausrüstung ins Auto – und mit „Tauchausrüstung“ meine ich Taucherflossen, Masken, Westen, Regler, Neoprenanzüge und Kameras ... für drei Personen.

Pressekonferenz Oceana

07.04.05
Oceana präsentiert die ersten Ergebnisse ihrer Überfahrt an Bord der Ranger und kündigt die Ankunft ihres Katamarans in Europa an.

Der Leiter Oceanas für Europa, Xavier Pastor, sowie der Forschungs- und Projektleiter der Organisation, Ricardo Aguilar, haben heute in Madrid die ersten Ergebnisse der Expedition ihres Katamarans Oceana Ranger präsentiert. Nach drei Monaten Fahrt sind die beiden Forscher gerade aus Fort Lauderdale ( Florida ) eingetroffen, wo sich das Boot der Organisation auf die in einigen Wochen beginnende Überquerung des Atlantiks Richtung Azoren und später zum Mittelmeer vorbereitet.

Nachdem die Oceana Ranger am 17. Januar in Los Angeles ( Kalifornien ) ausgelaufen war, hat sie die Gewässer des Pazifiks durchfahren und nach der Durchquerung des Panamakanals die Karibik entlang der Küsten Panamas, Costa Ricas, Nicaraguas, Honduras, Belizes, Mexikos, Kubas und der USA bereist. Oceanas Wissenschaftler und Kameraleute unternahmen Tauchgänge im Mar de Cortés ( Niederkalifornien ) sowie in den Nationalparks der Cocos-Insel, der Archipele Coiba und Cayos Cochinos und weiteren Gebieten.

Die Absicht war, den Zustand der natürlichen Unterwasserwelt (*) zu dokumentieren und die Verwaltung einiger dieser mittelamerikanischen Schutzgebiete anhand einer innovativen Zusammenarbeit von Regierungsbehörden, Nichtregierungsorganisationen und Privatinitiativen zu überprüfen. Beteiligt waren dabei auch die lokalen Fischergemeinden und in einigen Fällen sogar das Militär.

Diese gemeinsame Arbeit konnte eine erhebliche Beseitigung bzw. Reduzierung der illegalen Piratenfischerei erzielen, so dass eine offenkundige Erholung der Ökosysteme in den genannten Schutzgebieten eingesetzt hat.

Die Besatzung der Oceana Ranger hat ausserdem die schwerwiegenden ökologischen Probleme in den mittelamerikanischen Meeren bestätigt. Zu erwähnen sind hierbei insbesondere die Jagd auf Haiflossen durch asiatische Flotten bzw. die von ihnen beauftragten örtlichen Fischer, das Ausbleichen und Absterben der Korallen aufgrund der Klimaveränderungen sowie der Fang von Langusten und Mollusken durch organisierte Gruppen bestehend aus Hunderten von Tauchen mit Druckluftflaschen.

Nach Abschluss ihrer Etappe um den amerikanischen Kontinent wird die Ranger Ende des Monats den Atlantischen Ozean überqueren und die europäischen Meere aufsuchen. Auf ihrem Weg wird sie Untersuchungs- und Dokumentationsprojekte im Bahamas-Archipel, dem Sargasso-Meer, den Bermudainseln, dem Azoren-Archipel und der Gorringe Bank durchführen, bevor sie das Mittelmeer befährt. Die genannten Projekte befassen sich mit den Wanderungen der Meeresschildkröten, den Beifängen dieser Tiere durch die Fischereiflotten verschiedener Länder, den Unterwasser Seebergen und der Auswirkung der Schleppnetzfischerei auf die marinen Lebensräume.

" Sobald wir im Mittelmeer angekommen sind " – kündigt Xavier Pastor im voraus an – " wird die Oceana Ranger im Rahmen von Projekten den Gebrauch illegaler Treibnetze durch eine Reihe von Mittelmeerländern untersuchen und dokumentieren sowie in Zusammenarbeit mit dem Fischereisektor verschiedene Arbeiten ausführen, um die Folgen der Treibangeln für die Populationen von Meeresschildkröten und Haien einzudämmen. "

Während ihrer Zwischenaufenthalte in europäischen Häfen werden die Oceana-Forscher ebenfalls die Besorgnis der Organisation angesichts der hohen Quecksilbergehalte in verschiedenen Fischarten, vor allem in Thunfisch und weiteren artverwandten Fische, sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher zum Ausdruck bringen.

Das Oceana-Taucherteam wird ebenfalls Projekte in den Unterwasser Seebergen und -schluchten des Mittelmeers durchführen und mit den verschiedenen Meeresschutzgebieten Spaniens und der übrigen europäischen Länder zusammenarbeiten.

(*) Zusammenfassung der von der Ranger bei ihrer Expedition durch die Gewässer des mittelamerikanischen Pazifiks und Atlantiks entdeckten Probleme.

  • Die globale Erwärmung, die Hurrikane und einige Erkrankungen der Korallen haben den Aufbau der Korallenriffe verändert und gefährden etliche Arten wie die Geweihkorallen ( Acropora spp. ).
  •  
  • Im Pazifik haben die globale Erwärmung und das Klimaphänomen " El Niño " haben schwere Schäden bei den mittelamerikanischen Riffen hervorgerufen.
  •  
  • Der Fang von Haien, um ihnen anschließend die Flossen abzuschneiden, setzt mehreren Populationen stark zu und sorgt in einigen Fällen für bis zu 80% ige Reduzierungen, so beispielsweise beim Weißspitzen-Hochseehai ( Carcharhinus longimanus ).
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  • Die Verwendung, von Schleppnetzen und die Verschmutzung haben zu einer Zunahme der Wassertrübung im Wasser geführt, welche die Ökosysteme der Seegraswiesen aus Phanerogamen und die Korallenriffe beeinträchtigt.
  •  
  • Der durch den Raubau der Fischerei hervorgerufene Mangel an Pflanzen fressenden Spezies hat zusammen mit Tierseuchen eine starke Algenzunahme in einigen Riffen verursacht und damit die ökologische Dynamik verändert.
  •  
  • Einige Kelp-Algen-Wälder wurden durch den übermäßigen Fang der dort lebenden Raubfische beeinträchtigt, was in der Folge zu einer starken Vermehrung der Kelp-Algen fressenden Arten wie Seeigel geführt hat, wodurch wiederum die Zukunft dieser wertvollen Ökosysteme bedroht ist.
  •  
  • Einige Bestände von Arten wie den Zackenbarschen, Grunzern, Schnappern, Makrelen, Langusten und Riesenschnecken wurden stark überfischt und führten in einigen Gegenden der Karibik zu einem Rückgang von 50 % bis 90 % der Populationen.
  • In den Gewässern Mittelamerikas ist der an der Oberfläche schwimmende Müll schon ein alltägliches Bild und mischt sich in einigen Gebieten stark mit treibendem Beerentang.
     
     

Der „Nicht-Urlaub“ der Taucher - Soledad Esnaola „Sole“

08.04.05 bis 12.04.05 - Bibiana Álvarez, „Bibi“

Am 8. April fuhren wir mit einem voll gepackten Kofferraum und einer ebenfalls stark beladenen Rückbank Richtung Key West los. Man hatte uns diesen Ort empfohlen, da er als „wunderbar“ bezeichnet wurde, doch wir wurden schnell enttäuscht. Gegen 19:00 Uhr abends kamen wir in Key West an und quartierten uns im „Blue Lagoon“, einem Motel an der Zufahrtsstraße der Stadt, ein. Wir gingen Abendessen und entschieden beim Anblick eines Gewitters, wie wir es schon seit langem nicht mehr gesehen hatten, am nächsten Tag tauchen zu gehen. Nach dem Unwetter und dem Sturm, der die ganz Nacht über herrschte, mussten wir die Tauchpläne jedoch um einen Tag verschieben.

Endlich unternahmen wir den ersten Tauchgang. Wir fuhren mit dem Boot, das wir bei einem der vielen Tauchunternehmen der Gegend geliehen hatten, in Begleitung von 20 weiteren Touristen an Bord hinaus. Man setzte uns wie eine Schafherde auf dem Wasser ab – ohne jegliche Sicherheitskontrollen bzw. -maßnahmen. Bei den zwei Tauchgängen, die wir durchführten, konnten wir feststellen, dass das Riff schwere Schäden durch die in dieser Gegend üblichen Hurrikane, aber auch durch die übermäßigen, kaum kontrollierten Sporttaucher und aufgrund der Verschmutzung des „supertouristischen“ Keys erlitten hatten. Wir sahen räuberische Korallenspezies wie Papageifische, die Käferschnecke mit dem Namen „Flamingozunge“ und Feuerkorallen, welche die Gorgonien bevölkerten.

Kreolenbarsch - Oceana Tagebuch
Schwärme von Kreolenbarschen
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Damit bot sich ein gutes Beispiel, wie eine massive und kaum kontrollierte Entwicklung eines Urlaubsgebiets wie Key West den natürlichen Ökosystemen, wie in diesem Fall dem Korallenriff, schwere Schäden zufügen können.

Nach dieser lehrreichen Erfahrung unter Wasser riet man uns, es in Key Largo, einer weiteren der flachen Key-Inseln Richtung Miami, zu versuchen und mit einem Unternehmen namens „Ocean Divers“ Tauchen zu gehen. So brachen wir also am 10. April mit unserem Leihwagen und der vom Vortag noch feuchten Ausrüstung dorthin auf.

Es ist unglaublich, aber wir fanden den Tauchladen fast ohne Schwierigkeiten. Das Personal dort war sehr viel besser organisiert und bot einen viel seriöseren Service – das konnte man schon auf den ersten Blick sehen: Diesmal wurden wir gebeten, unsere Tauchscheine vorzulegen! Man erklärte uns, dass für den nächsten Tag um 7:30 Uhr morgens zwei Tauchgänge geplant waren: einer zu einem Wrack (eines versunkenen Schiffs) und der andere in einem Riff. Damit waren wir überzeugt und buchten. An diesem Abend ruhten wir uns aus und schauten im Hotelzimmer etwas Fernsehen; wir hatten schon fast vergessen, was Fernsehen ist ...

Um 6:30 Uhr auf den Beinen! Die Kameras und die Tauchausrüstung mussten vorbereitet werden. Gegen 8:30 Uhr saßen wir mit 6 weiteren Tauchern im Boot (in Key West ist keine Hauptsaison), und um 9:00 Uhr ging es ins Wasser. Vor uns lag ein großes Wrack, das vor einigen Jahren absichtlich versenkt wurde und mit noch kleinen Korallen bedeckt war. Trotzdem sahen wir bereits unzählige Fische, die sich perfekt an das neue künstliche Riff in 15 bis 30 Meter Tiefe angepasst hatten. Wir verließen das Wasser und kehrten gegen 10:15 Uhr erneut in das flachere Riffgebiet (6 bis 8 Meter) zurück, das bedeckt war von Gorgonien, Feuerkorallen, Weichkorallen, Fischschwärmen, vier gefleckten Adlerrochen, Papageifischen, Schweinsfischen und vielen weiteren Spezies, welche die Unterwasserwelt belebten und eine perfekte Kulisse für die Unterwasser-Fotografen und -Kameraleute boten.

Angelfish - Oceana Tagebuch
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

Nach diesen beiden Tauchgängen konnten wir es kaum erwarten, die beiden versunkenen Schiffe zu sehen, die uns am nächsten Tag erwarteten.

11. April. Wieder waren wir um 7:30 Uhr bereit und begierig, ins Wasser zu springen. Etwas später konnten wir uns dann davon überzeugen, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hatte. Das erste Wrack, ein Frachter in etwa 25 bis 30 Meter Tiefe, war ebenfalls erst vor wenigen Jahren versenkt worden, so dass die Korallen noch „mitten in der Entwicklung“ waren. Bei dem zweiten Wrack handelte es sich um ein Holzboot, das 1942 unter natürlichen Umständen gesunken war und sich bereits in ein völlig ausgebildetes künstliches Riff voller Meeresfauna verwandelt hatte: Unmengen von gut erhaltenen Korallen und Fischen – es war eine echte Freude, dies alles zu sehen. Hier fand sich ein klares Beispiel für eine nachhaltige Tourismusentwicklung in Sporttauchgebieten: Es erfordert nur ein wenig gesunden Menschenverstand und Interesse am Schutz unserer Meere.

Trompetenfisch - Oceana Tagebuch
Trompetenfisch bei Key Largo
© 2005 Houssine Kaddachi, via Oceana

In Harbour Towne Marina (Fort Lauderdale), an Bord der Ranger - Sonntag,
17. April 2005 - Paloma Larena - Kommunikationsleiterin von Oceana

Seit einigen Wochen liegt der Katamaran Oceana Ranger in Harbour Town Marina, Florida, und die Besatzung unter Kapitän Nuno Ramos ist eifrig damit beschäftigt, die Generalrevision zum Abschluss zu bringen. Es muss sichergestellt werden, dass alles an Bord einen perfekten Zustand aufweist, bevor die Atlantik-Überquerung gestartet und Kurs auf die Küsten Europas gesetzt wird.

In der Zwischenzeit ist Ricardo Aguilar, der Forschungs- und Projektleiter von Oceana in Europa zur Übersee-Expedition gestoßen, um die folgenden Arbeiten an Bord der Ranger zu leiten. Ricardo war bereits während der Reise vom Panama-Kanal zu den Cayos Cochinos (Honduras) an Bord der Ranger, zusammen mit Xavier Pastor, dem Direktor von Oceana in Europa.

Für mich ist dies meine erste wirkliche Erfahrung an Bord eines Schiffs. Gewöhnlich verrichte ich als Kommunikationsleiterin von Oceana meine Arbeit am Hauptsitz der Organisation in Madrid, wo ich unsere Forschungsprojekte an die Medien vermittle und die Anfragen der Journalisten schnellstmöglich beantworte. Jetzt aber bin ich mit Ricardo nach Florida gereist, um meine Kollegin Maribel López beim Schreiben dieses Tagebuchs abzulösen. Ich schreibe diese Zeilen, während es draußen in Strömen regnet.

Heute ist endlich das lang ersehnte Besansegel geliefert worden (für die Laien: das Besansegel ist das Segel am Bug, mit dem das Schiff während der Fahrt stabilisiert wird). Bibi, unsere Seefrau aus Cambados, erzählt: „Vom Schleppen der Segel tut mir der ganze Rücken weh, aber es war die Mühe wert und ich bin zufrieden – endlich ist alles an seinem Platz.“ Wir haben auch die neue Barkasse mit einer Länge von viereinhalb Metern und einem 30-PS-Motor entgegengenommen. Mit dieser Barkasse wird unser Tauchteam (die Videofilmerin Mar Mas, der Fotograf Houssine Kaddachi und die Biologin von ZOEA, Sole Esnaola) seine Arbeit bequemer verrichten können. Sole hat sich außerdem in den Taucheranzug gehüllt, um den Rumpf zu prüfen, von Algen zu reinigen und für die neue Überfahrt vorzubereiten. Wir bringen auch das neue Rettungsschlauchboot an.

Jedes Detail ist äußerst wichtig, und sei es auch noch so klein. Denn uns Expeditionsteilnehmern steht noch ein spannendes Abenteuer vor der Atlantik-Überquerung bevor: In Kürze werden wir mit der Ranger mitten durch das Bermudadreieck fahren. Von Florida aus werden wir zu den Bahamas reisen, dann weiter zum Saragasso-Meer und anschließend Richtung Bermudas. Aber diese Geschichte wird an einem anderen Tag erzählt.
 




Texte © 2005 Maribel López Carmona, Bibiana Álvarez, Sandy Mayson, Paloma Larena, Astrid Haas
Bilder © 2005 Houssine Kaddachi, Nuño Ramos, Maribel López Carmona, Oceana, ZOEA




Infos

Wracktauchers Paradies. Die Solomonen. Taucht ein in Olis Solomonen-Wrackführer. Dort gibt es Wracks in Hülle und Fülle, und auch zu der Historie der untergegangenen Schiffe ist jede Menge zu lesen. Tauch ein in die Solomonen


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