Dieses Wrack war einmal ein deutsches Unterseeboot. Es gehörte
zum maximal 753ts großen Typ VII B und beruhte auf dem Entwurf 1934/35
für Hochsee-Tauchboote. Schiffsbautechnisch waren dies 66,5m lange
und 6,2m breite Einhüllenboote mit Satteltank, wobei sich Trimm-,Tauch-
und Bunkerzellen sowohl im Satteltank wie auch in Back und Achterschiff
befanden.

Dieser Typ von U-Boot war der Vorläufer des späteren Arbeitspferdes
der deutschen U-Bootwaffe: dem VIIC-Typ. Aber auch der VIIB-Typ war sehr
leistungsfähig. Boote dieses Typs gehören zu den erfolgreichsten:
Prien's U 47 Boot von Scapa Flow oder auch U 48 als erfolgreichstes U-Boot
des 2.Weltkrieges überhaupt.Bis zum Kriegsende versenkten Boote diesen
Typs zusammen mehr als 250 Schiffe.
U 48 im Jahre 1940 in Kiel
Kretschmers U 99 und Schepkes U 100 gehörten auch dazu.Von diesem
Typ wurden zwischen 1936 und 1940 insgesamt 24 Stück gebaut. Dieses
am 9. Juni 1938 für 4.714.000 Reichsmark bestellte Unterseeboot erblickte
das Licht der Welt, als am 18. Dezember 1939 auf der Werft der Flender-Werke
AG in Lübeck-Siems ein Kiel für ein Konstruktionsvorhaben mit
der Baunummer 281 gestreckt wurde. Hierauf wurde Spant auf Spant errichtet
und eine nach der anderen vorgefertigten Stahlplatte wurde auf ihnen verschweißt.
Diese Konstruktion war sehr robust,so daß die Werft eine Tauchgarantie
von 90m Tiefe abgab. Wie sich später im Krieg zeigen sollte, konnten
Boote des Typs VII aber auch Tauchtiefen von über 300m überstehen.
Die eingebauten Maschinen waren zwei MAN Sechszylinder-Viertaktdiesel M
6 V 40/46 mit Aufladung und einer Leistung von bis zu 2.310 PSe, die natürlich
nur in Überwasserfahrt erzielt werden konnte. Für die Unterwasserfahrt
wurde auch noch eine E-Maschinenanlage eingebaut. Diese bestand aus zwei
Brown, Boveri & Cie.-Doppelmaschinen des Typs GG UB 720/8 und zwei Sätzen
von je 62 Akkumulatoren-Batterien des Typs 33 MAL 800 W der Firma "Aktiengesellschaft
für Akkumulatoren" in Hagen. Jede dieser Akku-Zellen konnte maximal
9.160 Amperestunden fassen. Dies bescherte dem E-Antrieb eine Leistung
von 750 PSe und sorgte für eine Unterwasser-Höchstgeschwindigkeit
von 8 Knoten. Über Wasser war man da schneller und erreichte über
die beiden im Durchmesser 1,23m großen dreiflügeligen Schrauben
immerhin eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 17,9 Knoten. Fuhr man mit
der sparsamen Reisegeschwindigkeit von 10 Knoten, reichte das bei dem Verbrauch
sämtlicher 99,7t Treiböl an Bord für eine Reichweite von
8.700 Seemeilen. Unter Wasser kam man lange nicht soweit. Fuhr man mit
vier Knoten Geschwindigkeit, reichte der Strom in den Akkus gerade mal
für höchstens 90 Seemeilen.Zur Torpedowaffe gehörten im
Bug vier 53,3cm-Torpedorohre, im Heck ein Torpedorohr gleichen Kalibers.
Diese konnten insgesamt 14 mitgeführte Torpedos verschießen
bzw. durch sie konnten maximal 26 mitgeführte TMA (Torpedomine A)
oder 39 TMB gelegt werden. Die artilleristische Bewaffnung dieses U-Bootes
kam erst nach Beendigung aller Werftarbeiten und dem Stapellauf am 10.
April 1941 an Bord und bestand im wesentlichen aus dem vor dem Turm aufgestellten
8,8cm/L45-Schnellfeuerkanone in Torpedobootslafette, sowie aus einer einzelnen
2cm-Flak im Wintergarten. Noch vor dem Stapellauf war die Mannschaft in
nahe bei der Werft gelegenen Unterkünften eingetroffen und hatte dort
unter der Ägide der Kriegsschiffbaulehrabteilung für Unterseeboote
Ostsee in Kiel ihre Baubelehrung erhalten. Nach Abschluß aller Ausrüstungsarbeiten
nahm die aus vier Offizieren sowie 40 Unteroffizieren und Mannschaften
bestehende Mannschaft das Boot mit der Feldpostnummer M 40935 in Besitz
und stellte es am 7. Juni 1941 unter dem Kommando von Oberleutnant zur
See Eberhard Greger mit der taktischen Kennung U 85 in Dienst.
Oberleutnant z.S. Greger
Bild: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Mit Oberleutnant Greger bekam das Boot einen erfahrenen Seeoffizier.
Schon seit 1935 bei der Kriegsmarine war er nach seiner Offiziersprüfung
zunächst als II. Wachoffizier auf dem Zerstörer Z 9 Wolfgang
Zenker gefahren.
Z9 Wolfgang Zenker nach der Indienststellung im Jahr
1938
Nach seiner Meldung zur U-Bootwaffe wurde er im Oktober 1939 zum Oberleutnant
befördert und erhielt bis zum Januar 1940 seine U-Bootsausbildung.
Anschließend fuhr er unter dem U-Bootas Kapitänleutnant z.S.
Fritz-Julius Lemp als 1.Wachoffizier auf U 30 und folgte Lemp in dieser
Funktion auch nach dessen Wechsel auf U 110.
Lemp am 30. August 1940 nach dem Enlaufen von der 6.
Feindfahrt in Kiel
kurz nach der Verleihung des Ritterkreuzes durch Konteradmiral
Dönitz
Dieses sehr erfolgreiche Boot verließ Greger erst im April 1941,
um bei der 24. U-Flottille in Memel seinen vierwöchigen Kommandantenschießlehrgang
zu absolvieren und unmittelbar daran anschließend bis Juni 1941 bei
der 3. Kriegsschiff-Lehrabteilung seine Baubelehrung über das von
ihm zu übernehmende Boot zu erhalten.
Nach der Indienststellung trat U-Greger als Schulboot zur in Kiel, sowie
La Pallice beheimateten 3. U-Flottille. Schon nächstentags krempelte
man die Ärmel hoch und unternahm einen ersten Trimmversuch im Werftbecken.
Am 10. Juni legte das Boot dann ab, um nach Kiel zur dortigen U-Bootabnahmekommission
zu verlegen. Auf dem Weg dorthin wurden auf der Höhe des Kieler Feuerschiffes
die ersten Einzelübungen durchgeführt. Die Überführung
endete schließlich am 11. Juni mit dem Festmachen an der Tirpitzmole
in Kiel. Vom 12. Juni bis zum 27. Juni wurde das Boot nun auf Herz und
Nieren technisch durchgeprüft, bevor es am 28. Juni mit einer AK-Fahrt
zur Torpedoerprobungskommission in Warnemünde verlegte. Nach einer
Woche war man hier zufrieden und entließ U-Greger nach Lübeck
zur Flenderwerft um dort Restarbeiten ausführen zu lassen. Diese waren
am 18. Juli erledigt, so daß Boot Einzelübungen fahrend nach
Kiel zur 5. U-Flottille verlegen konnte. Dort erhielt U 85 bis zum 25. Juli
die restliche Ausrüstung und wurde mit Torpedos,Munition und Proviant
versorgt. Mittlerweile hatte die Geburtsstadt des Kommandanten -Lieberose
in der Niederlausitz- die Patenschaft für das Boot übernommen.
Dies schlug sich auch im Bootswappen nieder. Letzteres war anfänglich
ein wild daherstürmender Eber gewesen. Eine Anspielung auf den Vornamen
des Kommandanten: Eberhard.
Eberwappen auf Turmvorderseite
Bild: W.Winter via Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Später nach Übernahme der Bootspatenschaft durch die Stadt
Lieberose - so die Überlieferung - trug der Eber eine rote Rose im Maul.
Am 26. Juli wurde es dann ernst - um 05.00 Uhr morgens lief das Boot
aus, um in einen norwegischen Fronthafen zu verlegen. Im Geleit mit Wachbooten
ging es nämlich jetzt nach Horten, das am nächsten Tag erreicht
wurde. Dort wurde in der Zeit vom 28. Juli bis zum 5. August das Alarmtauchen
bis zum Erbrechen geübt. Wie jeder U-Bootkommandant legte Oberleutnant
Greger Wert darauf, schneller als in der für seinen U-Boottyp festgelegten
Zeitspanne - bei Typ VII B-Booten waren dies 30 Sekunden - unter Wasser kommen
zu können. Davon hing nicht nur bei Luftangriffen das Überleben
des Bootes ab. Danach ging es weiter die Küste hinauf nach Norden.
Über Kristiansand, Stavanger, Måløy und Ålesund erreichte U 85 am
10. August schließlich den Lofjord bei Trondheim wo längsseits
des Zielschiffs Hertha festgemacht wurde. Bei der hier liegenden
25. U-Flottille sollte nun eigentlich die für neu indienstgestellte
U-Boote vorgeschriebene drei- bis vierwöchige Torpedoschießausbildung
stattfinden.
Die Seelords von U 85 beim Klönschnack;
im Hintergrund wird ein Torpedo für das Heckrohr
übernommen
Bild: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Doch das Boot konnte diese Torpedoschießausbildung lediglich vom
11. bis zum 13. August durchführen, weil U 85 am letzten Tag um 10.25
Uhr von dem 1908 als Torpedoboot V 151 in Dienst gestellten Torpedofangboot
der U-Flottille gerammt wurde.
Seiner Majestät Torpedoboot V 151 im Jahre 1908
unter der Levensauer Hochbrücke bei Kiel
Zum Glück befand sich das Boot nur auf einer Wassertiefe von 14m
und die Beschädigungen hielten sich mit einer Lädierung der Tauchzelle
1 sowie der Tiefenruder in Grenzen. Doch die Torpedoschießausbildung
mußte abgebrochen und U-Greger in die Werft von Trondheim gebracht
werden.

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