Am 28. August 1941 waren die Schäden der Ramming mit dem Torpedofangboot
repariert und U 85 ging zur ersten Feindfahrt in See. Das für U-Greger
vorgesehene Operationsgebiet war der Nordatlantik. Dort sollte es zusammen
mit 14 weiteren U-Booten südwestlich von Island das U-Bootrudel Markgraf
bilden und feindlichen Geleitzügen auflauern.
Auf dem Weg zum befohlenen
Einsatzgebiet hatte das Boot am 30. August in der Island/Faröer-Enge
Treibminen und einem Fischereifahrzeug auszuweichen. Am Tag darauf kam
um 11.40 Uhr die erste Rauchfahne in Sicht. Doch das dazugehörige
Fahrzeug entpuppte nach dem Ansetzen eines Unterwasserangriffs um 12.20
Uhr als ein kleiner zickzacklaufender Bewacher. Hierauf wollte der Kommandant
keinen Torpedo verschwenden und lief deshalb unter Wasser ab. Bevor U 85
sein Operationsgebiet bei Island erreichte traf es am 2. September noch
auf U 105 - das Boot von U-Boot-As Kapitänleutnant Georg Schewe. Nach
einem Austausch von Erfahrungen in diesem Seegebiet trennte man sich wieder.
Am nächsten Tag stand U-Greger dann aber auf der befohlenen Position
und begann seine Suchkurse zu laufen. Durch die Entschlüsselung von
Enigma-Funksprüchen waren die Alliierten aber vor den deutschen U-Booten
südwestlich von Island gewarnt und leiteten ihre Konvois um diese
herum. Wegen der sich daraus ergebenden Erfolglosigkeit der Boote wurden
diese in neue - westlichere - Warteräume befohlen.
Erneut konnten die
Alliierten Funksprüche entschlüsseln und ihre Konvois umleiten.
Da den deutschen Booten wieder nichts ins Netz ging wurden die Warteräume
für diese erneut verlegt - diesmal in einem weiter auseinandergezogeneren
Gebiet südöstlich von Grönland. Am 9. September nahm die
Brückenwache von U 85 in der südlichen Dänemarkstraße
um 07.03 Uhr morgens eine Detonation mit Feuerschein wahr. Sofort wurde
Kurs darauf gesetzt. Um 10.36 Uhr wurden dann mehrere Rauchfahnen gesichtet
- und um 12.04 Uhr kam endlich der Geleitzug in Sicht. Es handelte sich
dabei um den von Sydney über Kanada nach Großbritannien laufenden
Konvoi SC 42. Dieser bestand nach Greger's Beobachtungen aus 32 in Doppelkiellinie
fahrenden Dampfern. Tatsächlich waren es aber sogar 64 Handelsschiffe,
ein Zerstörer und drei Korvetten. Im Kriegstagebuch von U 85 notierte
der Kommandant über seinen nun folgenden Angriff:

Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Der im Konvoi mitfahrende Dampfer SS Jedmoor hatte Gelegenheit die Torpedoangriffe
von U 85 zu beobachten und jedesmal Fehlschüsse feststellen zu können.
Um 16.50 Uhr tauchte U-Greger dann auf und gab Fühlungshaltermeldungen
sowie Peilzeichen ab. Daraufhin setzte der Befehlshaber der U-Boote Dönitz
weitere Boote des U-Bootrudels Markgraf auf den Konvoi an. Fünf
Booten gelingt es noch heranzuschließen, einige können Versenkungserfolge
vermelden. Am 10. September 1941 wird morgens um 06.00 Uhr der erste vorbeitreibende
Eisberg gesichtet. Am gleichen Tag kommt U 85 auch nocheinmal zum Schuß.
Greger führt dazu im KTB aus:
Archivmaterial der
Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Greger gelingt bei diesen Angriffen die Versenkung des mit einer Fracht
von 7.600ts Stahl- und Eisenbarren von New York über Sydney nach Glasgow
laufenden 4.748 BRT großen britischen Frachtdampfers SS Thistleglen
- einem Schwesterschiff der so bekannten SS
Thistlegorm.
SS Thistleglen im Hafen
Bild: Sammlung Paul Maya, via Bibliothek
für Zeitgeschichte in Stuttgart
Nach ihrem letzten Angriff an diesem Tag wird U 85 aber schwer mit Wasserbomben
der kanadischen Korvette HMCS Alberni sowie des kanadischen Zerstörers
HMCS Skeena eingedeckt, was zu umfangreichen Beschädigungen führt,
so daß das Boot nicht mehr gefechtsklar und nur noch bedingt tauchklar
ist und Kurs auf den französischen U-Stützpunkt St. Nazaire setzt.
Die Fahrt dorthin verläuft - von einigen Alarmtauchfahrten wegen Feindflugzeugen
abgesehen - ohne Ereignisse, so daß das Boot am 18. September nach
rund drei Wochen auf See wieder in fast heimatliche Gefilde einläuft.
Bild: Ortschronik Lieberose, dort Nachlaß
Eberhard Greger via Wolfgang Klaue
Der BdU findet recht lobende Worte zu dieser Feindfahrt von U-Greger.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Sie werden - wie es zu diesem Zeitpunkt des Krieges noch üblich
ist - mit Pauken und Trompeten der lokalen Heeresmusiker empfangen, das
rote Kreuz stellt die Ehrenjungfrauen, die Blumensträuße überreichen.
Auch der Kommandant erhält einen.
Bild: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Denn U 85 hatte einen Konvoi gesichtet der dann in einer für die
deutschen Boote sehr erfolgreichen Geleitzugschlacht "gerupft" wurde. Bei
einem Verlust von zwei eigenen U-Booten, U 207 und U 501, konnten von 62
feindlichen Handelsschiffen 16 mit über 68.000 BRT versenkt und vier
Frachter mit über 14.000 BRT beschädigt werden. Schon bald nach
dem Festmachen kann die Mannschaft wachweise in den Urlaub fahren. Am nächsten
Tag beginnt die Werftliegezeit und das Boot wird von der Restmannschaft
ins Dock gebracht wo sich die Werftgrandis an die Arbeit machen. In dieser
Zeit entstand auch das folgende Bild von den Offizieren des Bootes am Deckgeschütz
vor dem Turm. Es zeigt von links nach rechts: I.WO Oberleutnant Helmut Lechler,
LI Oberleutnant Hans Sänger, Kommandant Oberleutnant Eberhard Greger
und den II.WO Leutnant Wolfgang Komorowski.
Bild: Bibliothek
für Zeitgeschichte
in Stuttgart,via Wolfgang Klaue
Anfang Oktober werden nach einer Werftprobefahrt mit Funkbeschickung
und Probetauchen noch letzte Arbeiten im Dock erledigt, dann werden schon
wieder Torpedos übernommen, der Rumpf entmagnetisiert, die Kompensierung
vorgenommen und Proviant verstaut. In neuem Trimm wird dann noch eine letzte
Werftprobefahrt mit Prüfungstauchen angesetzt. Am nächsten Tag,
dem 11. Oktober 1941, ist es wieder soweit. U 85 geht mit einem Geleit
zu seiner nächsten Unternehmung in See. Langsam verschwindet St. Nazaire
hinter der Kimm und bald muß man auch das Geleit hinter sich lassen.
Bei gutem Wetter fährt das Boot am nächsten Tag mit Nordkurs
durch die Biscaya. Leider bringt das Wetter eine gute Sichtigkeit mit sich, so
daß man sich vor Fliegern hüten muß. Bei einem routinemäßig
eingeleiteten Alarmtauchgang vor einem Flugzeug erfolgt ein Wassereinbruch
durch das Backbord-Kühlwasserventil und die Kupplung des Backbord-Diesels
beginnt zu schleifen. Damit ist das Boot nicht einsatzfähig und muß
umkehren. Am 13. Oktober läuft U 85 mit Sperrbrechergeleit wieder
in St. Nazaire ein und geht um 13.40 Uhr in das Dock. Am 16. Oktober sind
die Reparaturen beendet und U-Greger läuft um 15.25 Uhr erneut von
St. Nazaire aus. Das Boot durchquert die Biscaya und läuft in den
westlichen Nordatlantik. U 85 wird dort am 20. Oktober dem Rudel Schlagetot
zugeordnet. Am gleichen Tag sichtet ein anderes Boot dieses U-Bootrudels, U
84, westsüdwestlich von Fastnet den Konvoi SL 89. Die Schlagetot-Boote
werden auf diesen angesetzt, so auch U 85. Doch das Boot kommt nicht so
recht an den Geleitzug ran - teilweise weil es zu weit ab steht, z.T. weil
die Fühlungshaltermeldungen und Peilzeichen ungenau sind oder einfach
das Wetter dies nicht zuläßt. Das Boot steht also weiter auf
dem befohlenen Vorpostenstreifen auf und ab und reitet die haushohen Wellen
ab die auch über den Turm schlagen und regelmäßig den halben
Atlantik durch den Turm in die Zentrale hineinstürzen lassen. Die
Bilgepumpen laufen und laufen in diesen Tagen.....
Erst am 28. Oktober wird der Gruppe Schlagetot ein neuer Angriffsraum
rund 350 Seemeilen südlich von Grönland zugewiesen. Am 1. November
sichtet ein Schlagetot-Boot, U 374, an der Küste Neufundlands das
Geleit SC 52. Die Boote dieses Rudels werden nun neu formiert und als U-Rudel
Raubritter gegen diesen Konvoi angesetzt. Wieder kommt U-Greger, diesmal
wegen eines schlechten Funkempfangs und der damit einhergehenden mangelhaften
Aufklärung über Kurs und Position des Konvois, nicht an dieses
Geleit heran. Zu allem Unglück fällt um 21.12 Uhr auch noch der
Steuerborddiesel aus, weil in dessen Zylinder 1 das Auslassventil gebrochen
ist. Nach 22 Stunden kontinuierlicher Arbeit an der Maschine ist das Zylinderkopf
ausgetauscht und sind alle Kugellager und die beschädigten Rohrleitungen
wieder instandgesetzt. Doch man hat sich fast umsonst so beeilt. Schon
am nächsten Tag,den 4. November, wird die Jagd abgeblasen und die
Boote der Gruppe Raubritter besetzen die ihnen nun zugewiesenen Vorpostenstreifen.
U 85 fungiert dabei als Wetterboot und muß Wettermeldungen für
die Meteorologen des BdU funken. Während der folgenden Tage dampft
der Konvoi ONS 29 um die deutschen U-Boote herum. Wiedereinmal hatten die
abgehörten und entschlüsselten Meldungen der Boote zur Umleitung
eines Geleits geführt. Wegen der Erfolglosigkeit auf dem bisherigen
Vorpostenstreifen befiehlt der BdU erneut eine Umgruppierung und weist
die Raubritter-Boote am 8. November an, neue Positionen südöstlich
von Kap Farewell zu beziehen. Am 12. November erhalten die Boote die Mitteilung,daß
der B-Dienst im Planquadrat VD 41 einen Geleitzug eingepeilt hätte.
Neben U 85 werden auch U 577,U 571,U 133 und U 106 darauf angesetzt. Aber
ihnen gelingt es nicht die feindlichen Schiffe aufzuspüren. Am 16.
November kommt eines der Boote in Sichtweite des Geleites ONS 11 und sendet
eine Fühlungshaltermeldung. Aber es ist wie verhext. U 85 findet wieder
nichts. Am 17. November tritt das Boot gemäß Funkbefehl des
BdU zur Gruppe Störtebecker um den Konvoi OG 77 abzufangen. Doch auch
dieses Geleit geht den deutschen U-Booten durch die Lappen. Auf diesen
Konvoi angesetzte Fernaufklärer der Luftwaffe vom Kampfgeschwader
40 bringen auch keine Sichtungsmeldungen.
Eine der Aufklärungsmaschinen des Typs Focke-Wulf
200 des KG 40
Am 22.November befiehlt der BdU U 85 den Rückmarsch. Dieser geht
außergewöhnlich glatt vonstatten - nicht einmal ein einziges Flugzeug
kommt in Sicht und zwingt zu einem Alarmtauchen. Wohlbehalten läuft
das Boot schließlich am 27. November 1941 um 14.00 Uhr nach rund
sechs Wochen auf See in Lorient ein. Wieder erfolgt das Festmachen unter
Tschingderassabums einer Blaskapelle und Blumenschwenken der Damen vom
Roten Kreuz.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Wenige Stunden später ist schon der erste
Törn der Mannschaft wieder in den Urlaub gefahren und es kehrt Ruhe
im Boot ein. Doch nicht für lange. Schon am nächsten Tag beginnt
die Werftliegezeit. Die Torpedos werden von Bord gegeben und das Boot ausgeräumt.
Dann wird es den Werftarbeitern überlassen. Was den BdU sauer macht, stimmt
die Seelords von U 85 froh: Das Boot bleibt bis zum 5. Januar 1942 in der
Werft. Entsprechend lang haben sie Urlaub und können sogar Weihnachten
und Neujahr zuhause verbringen.
Doch in die Freude der Mannschaft mischt sich
am 7. Dezember ein Wehrmutstropfen der später das Schicksal des Bootes
gravierend beeinflussen sollte: das Kaiserreich Japan greift den US-Flottenstützpunkt
Pearl Harbour auf Hawaii an.
Battleship Row VLNR: Schlachtschiffe USS West Virginia,
USS Tennessee sowie USS Arizona brennen und sinken
Picture: US National Archive No. 80-G-32414
Von den japanischen Erfolgen auf dem asiatischen
Kriegsschauplatz begeistert, erklärt Reichskanzler Adolf Hitler am
11. Dezember den USA den Krieg - auch um dem US-Präsidenten mit einer
ähnlichen Erklärung an den Verbündeten Japans, das Deutsche
Reich, zuvorzukommen.
Damit wurde für den Ausgang des 2. Weltkrieges
eine entscheidende Weiche gestellt. Den Kriegsgegnern des Deutschen Reiches
stand nun das unbegrenzte Industriepotential der Vereinigten Staaten zur
Verfügung. Dies hatte man bei der Kriegsmarine schon länger befürchtet
und Planspiele entworfen. Um die Versorgung Großbritanniens sowie
der Sowjetunion mit Rüstungsgütern aus den USA zu unterbinden
wurde nun der U-Bootkrieg auch in die bisher neutralen amerikanischen Gewässer
getragen. Die U-Bootführung wollte insbesondere von einer unvorbereiteten
und nicht kriegsmäßig geschulten Abwehrlage an der US-Ostküste
profitieren und befahl so die Operation Paukenschlag. Den Auftakt machten
zunächst nur fünf U-Boote -U 66,U 109,U 123, U 125 und U 130.
Diese fuhren schon Weihnachten 1941 los und schlugen dann -oft in Sichtweite
der US-Küste - im Zeitraum vom 3. Januar bis zum 7. Februar 1942
zu.
Von U 66 am 22. Januar 1942 torpedierter Tanker MS Empire
Gem
US National Archive Picture
26 Handelsschiffe mit 163.021 BRT wurden versenkt,
zwei weitere Frachter mit 15.192 BRT beschädigt. In mehreren Wellen
folgten ihnen weitere U-Bootgruppen. Darunter auch U 85.
Zurück aus dem Urlaub übernahm die Mannschaft
jedoch zunächst das jetzt über der Wasserlinie vollkommen hellgrau
gemalte Boot von der Werft und absolvierte die vorgeschriebenen Trimm-
und Tauchversuche. Hier und da - wie z.B. am ausgefallenen Funkpeiler - haperte
es noch ein wenig, weshalb bis kurz vor dem erneuten Auslaufen von der
Werft am Boot gearbeitet wurde. Währenddessen vergnügte sich
die Mannschaft noch ein wenig bei Musik und Tanz im U-Bootheim Lorient.
Doch dann ging es endlich wieder ans Klarschiffmachen und die Ausrüstung
mit Treibstoff, Torpedos und Proviant. Am 8. Januar 1942 machte U-Greger
in Lorient die Leinen los und wurde mit einem Geleit durch die Minensperre
gebracht. Die nächsten Tage sahen das Boot im Unterwassermarsch durch
die Biskaya fahren. Hin und wieder wurde zum Aufladen der Akkumulatoren
aufgetaucht - wobei man manchmal mit Alarm vor einem anfliegenden Flugzeug
in den Keller gehen mußte. Hierbei wuchsen den Seelords wieder ihre
Seebeine und einige, die bisher unter Seekrankheit gelitten hatten, konnten
diese ablegen. Diese Routine wurde lediglich unterbrochen durch plötzlich
im Schmieröl der Dieselmaschinen auftretendes Wasser. Dies zwang zum
Unterwassermarsch und der Reparatur des Steuerborddiesels. Hier mußte
die Laufbuchse des Zylinders 5 gezogen werden. Doch dies bekam man hin
und konnte schon nach wenigen Stunden wieder die Diesel benutzen. Mittlerweile
im Nordatlantik angekommen wurde Kurs genommen auf das schon am 9. Januar
per Funkspruch zugewiesene Operationsgebiet: der westliche Atlantik im
allgemeinen und da das Seegebiet zwischen Neufundland und Nova Scotia rund
um das vor der großen Neufundlandbank liegende Planquadrat BC 87
im speziellen. Doch bis das Boot dort angelangt war, wurde es vom BdU zum
Wetterboot gemacht und hatte täglich das Wetter für die Meteorologen
des BdU zu melden. Am 15. Januar war dann die Laufbuchse des Zylinders
4 im Backborddiesel hinüber und mußte im Unterwassermarsch gezogen
werden. Diesmal stellte sich die Reparatur etwas komplizierter dar und
nach dem Auftauchen am nächsten Tag zeigte sich, daß der Backborddiesel
noch nicht wieder einsatzklar war. Und ausgerechnet jetzt traf eine Funknachricht
von U 402 ein, daß 240 Seemeilen entfernt ein Geleitzug gesichtet
worden wäre. Mit einem Diesel konnte man da nicht heranschließen!
In Unkenntnis dieses Umstandes setzte der BdU das Boot zusammen mit anderen
doch auf diesen Geleitzug an. Alles was U-Greger von dem Geleitzug zu sehen
bekam war am 16. Januar ein Zerstörer. Ein auf diesen angesetzer Angriff
mußte wegen der einbrechenden Dämmerung abgeblasen werden.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Eine weitere Suche nach dem Konvoi brachte nichts.
Am nächsten Tag wurde endlich der Backborddiesel wieder flott, so
daß das Boot wieder Wettermeldungen abgebend weiter seinem Operationsgebiet
entgegenlaufen konnte. Am 21. Januar stieß U 85 abends um 18.16 Uhr
plötzlich auf einen Zerstörer. Natürlich wurde sofort getaucht
und mit dem Periskop ein Rundblick genommen. So erspähte Greger um
18.33 Uhr Mastspitzen und griff sofort an. Nachdem er um 18.47 Uhr auf
einen ca. 9.000 BRT großen Dampfer einen Viererfächer gelöst
hatte, konnte er zwei Trefferexplosionen hören und einen stark nach
Backbord gekrängten Frachter durch das Sehrohr beobachten. Hierbei
hat es sich wahrscheinlich um den britischen 8.580ts-Frachtdampfer SS Port
Wyndham gehandelt.
Photo © Matterson
Marine Pty. Ltd.
Dieser wurde jedoch nicht versenkt. An Bord hat
man nicht einmal etwas von einem Angriff gemerkt. Greger wähnte aber
nun die Bewacher alarmiert und lief von der Versenkungsstelle ab.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Scheinbar hatte das Boot nun eine Glückssträhne erwischt,denn
am nächsten Tag erfolgte um 11.32 Uhr die nächste Sichtungsmeldung.
Doch das Schiff war ein schneller Einzelfahrer. Keine Chance sich da zum
Angriff vorzusetzen. Das Schiff mußte man sausen lassen. Am 24. Januar
kam um 22.24 Uhr erneut ein Schiff in Sicht. Ein gestoppt liegender Tanker. Natürlich
fuhr Greger einen Angriff. Doch der Tanker drehte sich nun mit dem Bug
auf das Boot zu. Greger brach den Angriff ab. Dies wiederholte sich nun
weitere zwei Mal. Um kurz nach 23.00 Uhr lief Greger dann ab, da er vermutete
daß es sich bei diesem Schiff um eine feindliche U-Bootfalle handelte.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Am nächsten Tag erreicht U 85 ihr Operationsgebiet. Dort ist aber
das Wetter schlecht und scheinbar jeglicher Schiffsverkehr gestoppt worden, weshalb
Greger sein Glück weiter südlich in der Region um Sable Island
bzw. der US-Küste versucht. Am 30. Januar hält Hitler anläßlich
der Machtergreifung am 30. Janaur 1933 im Sportpalast in Berlin eine Rede.
Diese wird auch von der Mannschaft des getaucht vor Neufundland dahinschippernden
U-Boot gehört. Auch vom 35-jährigen in Zwickau geborenen Stabsobermaschinst
Eugen
Ungethuem, der gerade mit seinen Schmiermaxen am Diesel rumwerkelt weil
um 13.00 Uhr am Steuerborddiesel das innere Abgasventil mitsamt seiner
Bolzen abgeschoren ist - vermutlich eine Folge der Wasserbombenangriffe
in der Vergangenheit. Die Ventilklappe wird umgedreht ins Gehäuse
eingebaut, die Bolzen werden ersetzt. Abends um 20.40 Uhr ist der Diesel
wieder einsatzbereit.
Die anfeuernden Worte der Rede des Reichskanzlers können währenddessen
"weiter oben" nicht viel bewirkt haben. Denn das Wetter blieb auch am nächsten
Tag auf der Höhe von New York schlecht und Chancen, wie z.B. auf den am
1. Februar gesichteten Tanker zu operieren, schlagen wegen der schlechten
Sichtigkeit und des Seegangs fehl. Die nächste Woche schlingert sich
das Boot so durch die Weltgeschichte und beginnt bereits wegen des Brennstoffvorrates
heimatliche Kurse zu steuern, als am 8. Februar der BdU das Boot anweist
auf den Konvoi ONS 61 östlich von Kap Race zu operieren. Natürlich
steuert U-Greger die gemeldete Position an. Am nächsten Tag erbittet
er vom Fühlungshalter U 654 Peilzeichen.Diese sind jedoch ungenau, so
daß er nicht an den Konvoi herankommt.
Um 11.10 Uhr sichtet U 85 immerhin einen Nachzügler des Konvois, der offensichtlich einige Zeit mit Maschinenschaden liegengebleiben mußte
und so weit hinter dem Geleit zurückgefallen ist. Um 20.20 Uhr fällt
ein Dreierfächer und ein Torpedo trifft. Das Schiff, es ist der für
die Watts, Watts & Co.- Reederei in Liverpool mit Ballast von Tyne in
Großbritannien nach Tampa in den USA laufende britische 5.408 BRT-Dampfer
SS Empire Fusilier, sinkt innerhalb weniger Minuten.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Bei der Verfolgung der SS Empire Fusilier ist der letzte Rest an Manöverreserve
des Brennstoffs verbaucht worden, weshalb das Boot am gleichen Tag Kurs
auf die Heimat setzt. Bei sparsamer Marschfahrt pflügt sich das Boot
nun wieder, Wettermeldungen funkend, durch den Nordatlantik. So vergehen
die Tage bis zum 17. Februar wo das Boot gebeten wird nach einem notgewasserten
Flugzeug Ausschau zu halten. Doch dies bleibt ergebnislos und U 85 setzt
seine Heimreise fort. Ohne weitere Zwischenfälle durchläuft U-Greger
auch die Biskaya und steuert den Treffpunkt mit dem Geleit an, das das
Boot nach St.Nazaire hereinholen soll. Am Treffpunkt stößt U
85 auf Kapitänleutnant Gerhard Bigalk`s U 751. Nach dem Eintrudeln
des Geleits laufen beide Boote am 23. Februar 1942 ein. Diesmal warten
keine hübschen Mädels an der Pier, sondern nur ein paar gutinformierte
Kameraden. Als erstes Boot des Geleits macht U 751 fest. Dann kommt U-Greger
heran.
Vorsichtig wird das Boot an die Pier herangefahren. Auf folgendem Bild
sind erkennbar von links nach rechts: Rudergänger Bootsmaat Hans Huth, Obersteuermann
Heinz Wendt, Kommandant Oberleutnant Eberhard Greger und Signalgast Matrosenobergefreiter
Werner Schuhmacher.
Bild © 1942 PK Schaaf
Quelle: Bibliothek
für Zeitgeschichte in Stuttgart,via Wolfgang Klaue
Hierbei können die Wartenden an Land die beiden Versenkungswimpel
des Bootes betrachten. Zur Sicherheit hat Greger ein MG 34 gegen Tiefflieger
auf der Brüstung des Turms anschlagen lassen.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
An Land hatte schon der Flottillenchef der in diesem U-Stützpunkt
beheimateten 7. U-Flottille Korvettenkapitän Herbert Sohler gewartet. Gleich
nach dem herüberschwenken der Stelling geht er an Bord von U 751,
wo Bigalk ihm U 751 von Feindfahrt zurückmeldet. Währenddessen
legt U 85 hinter U 751 an der Pier an. Auf U 85 werden langsam die an Bord
geworfenen Vorder- und Achterleinen steifgeholt. Dabei benutzen die wachfreien
Deckoffiziere die Gelegenheit zum Fotografieren. Damit die Tauchzellen
an der Steinpier nicht beschädigt werden, bringen die Seelords mit
Bootshaken Fender aus.
Während Greger noch mit dem Anlegemanöver beschäftigt
ist, halten Bigalk und Sohler schon mal einen Klönschnack auf der
Pier. Um 08.45 Uhr hat U 85 festgemacht und eine Stelling von Land übernommen.
Korvettenkapitän Sohler kommt an Bord, wo Greger ihm U 85 von Feindfahrt
zurückmeldet. Sohler ergreift die Gelegenheit zur Begrüßung
der Offiziere. Er unterhält sich außerdem noch ein wenig mit
ihnen und dem Kommandanten. Dann begeben sich Greger und Sohler an Land
um dort mit Bigalk noch etwas zu Fachsimpeln.
Beim BdU fällt die Beurteilung der Fahrt, wohl wegen der nicht
verwandelten Versenkungschancen, diesmal mau aus.
Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Wieder geht die Besatzung wachweise in Urlaub und erholt sich von dieser
anstrengenden Feindfahrt.

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