Scubaprofs @ work

 Geschrieben von Oli

Scubaprofs @ work

von Oliver Meise

Anders als es der Titel vermuten lässt, geht es hier nicht um verwirrte Professoren mit grauer Lockenpracht, sondern um die Menschen die zumeist unbekannt beim Tauchausrüster Scubapro werkeln sowie ihrer Hände Arbeit. Geht man nach den Forenbeiträgen bei uns, gibt es dazu ja die wildesten Vorstellungen :-) Auch wir konnten uns lange Zeit kein rechtes Bild von Unternehmen, Mitarbeitern sowie Produkten machen und kannten nur "die üblichen Verdächtigen" und das was man so in Presse, Internet, per Bongotrommel oder von Redaktionskollegen -die Scubaproprodukte nutzten- erfuhr.

Natürlich interessierte uns das alles trotzdem, eine Kontaktaufnahme zu der Firma gestaltete sich aber zunächst schwierig. Das alles änderte sich bereits im Vorfeld der Boot 2005. Dank des sehr entgegenkommenden und ebenso offenen Marketingleiters von Scubapro, Herrn Oliver Schommer. Nach einem ersten Beschnuppern wurde ein Treffen in Bad Säckingen verabredet, der Deutschland-Zentrale von Scubapro.


Scubapro-Bürogebäude Bad Säckingen

Dieses fand am 11. April statt und beinhaltete neben einer Besichtigung der Firma auch eine Führung durch die Hallen der Uwatec AG in der Schweiz. Alles in allem ein interessantes Erlebnis, das wir Euch nicht vorenthalten wollen, zumal man dann auch eine bessere Vorstellung von einer Firma bekommt, die man sonst nur als Absender auf einem Karton sieht.
Nachdem Armin und ich dort eingetrudelt waren, wurden wir natürlich in das Büro von Oliver komplimentiert, um den Ablauf der Besichtigung durchzusprechen. Hierbei hatten wir die Gelegenheit, einige Produkte der Firma anzuschauen, die es leider nur in Japan gibt.


Oliver Schommer mit einigen japanischen Katalogen

Scheinbar existieren doch einige geschmackliche Designunterschiede zwischen dem alten Europa und dem Fernen Osten. Persönlich fand ich einige Produkte aber doch recht interessant und hoffe nun, dass sie möglicherweise doch noch Einzug auf dem deutschen Markt finden. Nach diesen Präliminarien zeigte uns Oliver noch kurz sein Büro mit diversen Aktenbergen auf dem Schreibtisch :-)
Nachdem wir aus dem Bürogebäude gewackelt waren, konnten wir gleich sehen, dass im gleich anschließenden Lagertrakt gerade ein Sattelschlepper mit Nachschub angekommen war.

Hier wird gleich ein Funktionsprinzip on Scubapro deutlich: Es ist nicht etwa so, dass vor Ort alles hergestellt wird. Nein, die Produktion findet in den USA sowie in der Schweiz, in Italien und Asien statt. Beim Neopren zB. befindet sich ein Drittel der Jahresmenge auf der Produktionsstrecke, ein Drittel befindet sich auf dem Wasser und wird nach Europa geschippert, das letzte Drittel befindet sich im Umlauf -d.h. im Lager Bad Säckingen bzw. Fachhandel und Verkauf. Betritt man nun - sich baucheinziehend am LKW vorbeiquetschend - das Lager ist, es für einen eingefleischten Taucher ein wenig so, als ob Ostern und Weihnachten zusammenfallen: überall schönes Spielzeug !!!
Am Eingang nimmt man zuerst nur die Weitläufigkeit des Lagers wahr.

Unzählige Gänge und Regale enthalten alles, was des Tauchers Herz begehrt.

Leider läßt sich dies alles ohne Weitwinkel kaum abbilden :-)

Vorne auf den Paketen ist akkurat vermerkt, was drin ist, wie z. B. hier der Ecuador Basic in verschiedenen Größen.

Haushoch türmt sich hier das Equipment.

Je nach Bestellung wird die gesuchte Ware kommissioniert und genau hier fakturiert:

Über diese Tische dürfte schon einiges gegangen sein...
Fertig bearbeitet stehen die Waren dann in diesen Körben bereit - für die Mitarbeiter vom Versand.

Natürlich haben wir uns nach besonders bekannten Schlagern von Scubapro umgesehen - und natürlich auch gefunden. Hier schlummern z. B. Sets mit dem wohlbekannten MK II, aber auch R 190-Oktopusse usw.

Woanders fanden wir den Lagervorrat des ebenso bekannten Masterjackets:

Nach einem hier lagernden Lieblingsprodukt in eigener Nutzung befragt, führte uns Oliver zu den Kartons mit den schon seit anno dazumal produzierten Jetfin-Flossen.

Diese finden auch heute noch ihre Liebhaber -und das nicht zu knapp. Aber auch Liebhaber kalorienreicher Speisen läßt Scubapro nicht im Regen stehen. Extra- und Supergrößen werden hier für Tauchsportbegeisterte ebenso vorgehalten wie solche für Otto Normaltaucher.


Bei Burgerking gibt`s den Burger nur in XXL !

Hier im Lager werden die angelieferten Scubapro-PTG auch mit Ventilen verheiratet und zur TÜV-Prüfung vorbereitet.

Natürlich hat es hier PTG`s haufenweise - aller Längen und Größen.

Automatenschrauber wird wohl dieser Anblick das Herz höher schlagen lassen - eine ganze Wand mit Schubladen voller Ersatzteile!

Von besonderem Interesse dürfte die Reparaturwerkstatt für die eingeschickten Uwatec-Tauchcomputer sein. An diesem Tisch wird die Elektronik untersucht und repariert.

In den hinten an der Wand befindlichen beiden Klappbehältern werden die Rechner Drucktests unterzogen.

Nun sind sie bis auf die fehlende Rückwand fertig.

Mit Hilfe dieser Pressgeräte werden die zur Reparatur geöffneten Rechner wieder verschlossen.

Dann wird wieder Silikonöl eingefüllt. Um Blasenbildungen zu vermeiden, wird zur Erhöhung der Viskosität das Öl erwärmt - in einem Einmachtopf.

Schließlich wird das Öl wird unter speziellen Bedingungen in den Rechner gefüllt.

Diese werden unter den Plexiglasabdeckungen obiger Maschine erzeugt.

Anschließend werden die Tauchcomputer an diesem Rechner wieder neu kalibriert.

Von der Computerwerkstatt ging es nun zur Neoprenschneiderei, wo ebenfalls kleine Reperaturen vorgenommen bzw. auch Sonderwünsche erledigt werden. Im ersten Raum sieht man einen großen grünen Behälter, der zur Dichtigkeitsprobe dient.

Im dahinterliegenden Raum befindet sich eine geräumige Neoprenwerkstatt. An den Seiten einige Nähmaschinen zum Vernähen der Neoprenteile.

In der Mitte ein großer Tisch zum Bearbeiten der Werkstücke.

Die nächste Station ist eine etwas größere Atemreglerwerkstatt.

Hier befindet sich die Zentraleinheit: Eine Reparatur- und Testbank für die Scubapro-Regler.

Außerdem befand sich hier auch eine ANSTI-Bank, ein Testgerät zum Langzeittesten von Atemreglern bei wechselnden Umgebungsbedingungen.

Diese Station markierte das Ende der Führung durch den Betrieb von Scubapro Deutschland. Mittlerweile war es auch schon Mittag geworden und der Magen ließ grüßen. Das war von unserem aufmerksamen Gastgeber Oliver Schommer natürlich eingeplant worden und wir verholten uns in ein Restaurant der Stadt, wo wir ein Gefecht mit riesigen Steaks begannen. Kurze Zeit später fuhren wir über die Autobahn in die Schweiz, wobei uns Oliver eine kleine Einführung zum Betrieb der dortigen Uwatec AG gab.

Dies war ein vollkommen neu errichtetes Gebäude mit Produktionsstätte. Hinter dem Eingang gleich die Treppe hoch befand sich eine Ahnengalerie der legendären Uwatec Tauchcomputer.

Hierunter natürlich auch so bekannte Modelle wie das folgende.

Kurze Zeit später machten wir die Bekanntschaft mit dem "Brain" der Produktentwicklung von Uwatec und zugleich Generalmanager der Uwatec AG Schweiz, Herrn Dr. Sergio Angelini. Von ihm und dem Generalmanager Scubapro Uwatec Deutschland, Herrn Franz Benz, wurden wir in die Abläufe und die Zukunftsplanung von Uwatec eingeführt. Man darf hier auf einiges gefasst sein. Nach einigen vorzüglichen Cappucini brachen wir zum Rundgang durch den Betrieb auf und gelangten sogleich in die Produktionsstätte der Tauchcomputer. Gleich am Eingang zeugte ein Kompressor mit allem Zubehör davon, dass hier nicht nur Tauchcomputer zusammengeschraubt werden, sondern dass diese auch unter realen Bedingungen erprobt werden.

Als erstes zeigte uns Dr.Sergio Angelini die Bestückungsmaschine.

Mit Hilfe dieser Vorrichtung werden die Chips und alle anderen Elektronikteile auf die Platinen der Tauchcomputer aufgebracht.

Die weitere Bearbeitung der Platine findet teilautomatisiert z. B. mit diesem Versiegelungsgerät statt, vor dem auch Herr Franz Benz noch einmal für uns posiert hat.

Wenn von den Platinen eine Charge fertig ist, sieht das erst mal so aus:

Je nach Modell werden die Platinen dann weiter zusammengebaut und erhalten z. B. noch ihre Batterien.

Fein säuberlich werden die in verschiedenen Bauzuständen befindlichen Computer von Bearbeiter zu Bearbeiter weitergegeben.

Soweit die Computer mit Silikonöl befüllt werden müssen, steht auch hier eine Anlage dafür bereit.

Nur dass sie eben etwas größer als bei Scubapro in Deutschland ist.

Im Endzustand werden sie schließlich für eine Druckprobe bereitgestellt.

Diese findet bei diesem Modell in einem kleineren Druckbehälter statt.

Beim schlendern durch die Produktionsstätte fällt einem die außergewöhnliche Sauberkeit und Ordnung besonders auf - Schweizer Präzision eben.

Diese Fläche hat gewisse Unterteilungen. In jeder wird z. B. auch an einem anderen Modell bzw. Ausrüstungsgegenstand gearbeitet. Hier z. B. schraubt ein Mitarbeiter die Sender der Aladin Air Z-Modelle zusammen und kalibriert sie.

Die zusammengebauten Aladin Air Z-Computer werden selbstverstandlich auch kalibriert, wie man hier sehen kann.

Anschließend werden auch sie Drucktests unterzogen um zu überprüfen, ob sie wie vorgesehen arbeiten.

Zu guter letzt kommen sie noch in den Tauchgangssimulator, um die Dauerfunktion auf verschiedenen Tiefen zu überprüfen. Für dieses Modell wurden größere Prüfbanken konstruiert. In diesen befinden sich die Rechner beim Drucktest unter Wasser.

In der Draufsicht schaut das so aus:

Das reicht für mindestens eine ganze Kompanie Taucher :-) Im Detail fotografiert zeigen derart im Test befindliche Computer folgende Daten auf dem Display:

Am Ende werden die geprüften Tauchcomputer und anderen Geräte dann zur Lagerung für den Kundenabruf zur Seite gelegt.

Dabei bekommt man eine kleine Vorstellung von der Gesamtproduktion einer Schicht bzw. eines Tages.

Die Schalen mit den fertigen Geräten werden schließlich modellweise aufeinandergestapelt...

...und auf Rollwagen gepackt.

Sie erhalten noch Kleinteile wie z. B. das Armband und kommen dann in Kartons.

Hier werden zB. die Uwatec Digital-Tiefenmesser verpackt.

Eine Station weiter sind es dann Aladin Prime- und Aladin Tec-Tauchcomputer.

Hier wird auch die Software-CD und die Betriebsanleitung in den Karton gegeben.

Alles was nun nicht direkt verkauft wird, kommt in die Lagerung. Hierfür stehen bei Uwatec natürlich auch große Räumlichkeiten zur Verfügung.

Hier stehen dann die Geräte in größeren Chargen und warten auf den Versand zum Kunden.

Im Lager stehen aber nicht nur die fertigen Produkte, sondern auch Einzelteile von Zulieferern, die zur Produktion benötigt werden wie z. B. die in Kartons abgepackten Chips für die Tauchcomputer.

Soweit die Beschaffenheit der angelieferten Bauteile es zulässt, werden sie bei Anlieferung einer Qualitätskontrolle unterzogen, wobei sie in einem kleinen Testcenter im Lager u. a. auf Hitze- und Druckbeständigkeit hin untersucht werden.

Letzte Station ist schließlich die Tiefgarage des Hauses. Hier sieht man, dass die Mitarbeiter nicht nur im Büro hocken, sondern dass das Berufsbild auch häufiges Tauchen im Firmenauftrag vorsieht.

Das recht reichhaltige und umfangreiche Equipment für die Angestellten zeigt die Praxisnähe der Produktentwicklung.

Hier lagert auch der "Testknochen" von Dr. Sergio Angelini, mit dem er die Leistungen verschiedener Tauchcomputer während des Tauchens bei unterschiedlichen Umgebungsbedinungen untersucht.

Wir drücken die Daumen, dass die weitere Produktentwicklung noch möglichst viele für uns Taucher nützliche und vor allem immer hilfreichere Geräte zur Produktreife bringen möge und möchten den Herren Franz Benz, Oliver Schommer und Dr. Sergio Angelini für den interessanten Blick hinter die Kulissen von Scubapro Uwatec Deutschland und der Uwatec AG sowie die freundlichen Führungen durch Ihre Betriebe danken!

© 2005 Text & Bilder Oliver Meise



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