outdoor channel

Du bist hier: Onlinemagazin 55. Ausgabe Grenada Grenada die Gewürzinsel der Karibik





 Geschrieben von Achim R. Schlöffel

Die Gewürzinsel

Am nächsten Morgen machen wir uns auf, um die Insel zu erkunden. Mit einem Mietwagen geht es los. Zum Mietwagen muss erwähnt werden, dass man bevor man ans Steuer darf, einen Führerschein erwerben muss, der 12 US-Dollar in die Kasse der Inselverwaltung bringt. Sonst bringt er nichts.. Sobald man das Dokument bei einer der Polizeistationen erworben hat, kann man starten. Auf Grenada herrscht Linksverkehr. Wer das nicht gewöhnt ist, oder unsicher ist, sollte eventuell auf ein Taxi zurückgreifen. Es gibt auf der Insel so gut wie keine Beschilderung und selbst mit einer guten Straßenkarte ausgerüstet sucht man oft verzweifelt nach dem richtigen Weg. Die Strassen sind z.T. recht eng, schlecht befestigt und steil. Die Inselbewohner fahren wie die sprichwörtlichen Henker, vor allem auf die allgegenwärtigen roten Minivan-Taxis sollte man ein Auge haben. Wir beginnen unsere Tour in St. Georges und damit sind wir auch schon mitten drin, in der Geschichte Grenadas.

Bereits in der Frühgeschichte von den Kariben besiedelt, entdeckt Columbus das Eiland 1498 im Verlauf seiner dritten Reise. 1609 gab es eine erste Ansiedlung von Tabakpflanzern mit Namen „Megrin Town“, die allerdings von den Kariben aufgerieben wurden und in der Folge keinen weiteren Siedlungsversuch unternahmen. Erst 1650 nahmen französische Siedler Grenada erneut unter ihren Besitz und wurden mit militärischer Unterstützung sesshaft. Die den Soldaten unterlegenen Kariben verließen die Insel darauf nicht, sondern wählten den Freitod, indem sie sich von einem Cliff im Norden der Insel stürzten. Der Platz heißt heute „Leapers Hill“. Die Franzosen pflanzten Kaffee und Kakao und bewirtschafteten Ihre Plantagen mit Hilfe afrikanischer Sklaven.
Zwischen 1762 und 1782 stritten sich England und Frankreich um die fruchtbare Insel. 1783 entschieden die Engländer das Gerangel für sich und erhielten Grenada im Rahmen des Versailler Abkommen.

National Museum von Grenada
Das National Museum in St. Georges zeigt dem interessierten Besucher
die "stürmische" Geschichte der Karibikinsel.


1795 brachte ein Franzose namens Julien Fedon im Rahmen einer von ihm angezettelten Revolution einen Großteil der Insel unter seine Kontrolle. Im darauffolgenden Jahr fand der Aufstand ein Ende. Was nie endete war der französische Einschlag der Insel, der sich bis heute in französischen Straßennamen und Ortsbezeichnungen erhalten hat.
1974 erlangte Grenada unter dem charismatischen Sir Eric Gairy die Unabhängigkeit. Nur fünf Jahre später, während eines Auslandsaufenthalts des Staatsoberhauptes stürzte sein politischer Gegner Maurice Bishop den mittlerweile umstrittenen Führer und begann eine Politik der Veränderung und sozialen Gerechtigkeit. Die Beziehungen zur Sowjetunion und Cuba wurden intensiviert, neue Schulen gebaut und die Wirtschaft neu angekurbelt.
Den USA war der kommunistisch angehauchte Inselstaat ein Dorn im Auge. Am 19. Oktober 1983 lieferte eine Gruppe Radikaler aus Bishops eigenen Reihen einen idealen Vorwand, indem sie Bishop, seine Lebensgefährtin und mehrere seiner Mitarbeiter auf offener Straße ermordeten. Die Weltpolizei USA war prompt zur Stelle, bombardierte die Insel und stellten mit 6000 Fallschirmjägern den durch die 250 Aufständischen bedrohten Frieden wieder her. Ein grob gehauenes Standbild des Staatsmannes, nahe Fort Georges, ist alles was von ihm geblieben ist.
2004 kam Grenada zum vorläufig letzten Mal in die Schlagzeilen, als im September Hurrikan Ivan die Insel schwer verwüstete. Die Schäden sind bis heute nicht zu übersehen und die Bevölkerung wird sicher noch eine ganze Weile benötigen, bis diese behoben sind.

vom Hurrican Ivan zerstörte Kirche in St. George - Grenada
vom Hurrican Ivan zerstörte Kirche in St. Georges

St Georges

St. Georges, die Hauptstadt der Insel, liegt im Südwesten und grenzt nördlich an die Grand Anse Bay, die mit dem berühmten Bilderbuchstrand von Grand Anse auch das touristische Zentrum der Insel darstellt. Unterhalb der Bucht findet sich auch gleich der Flughafen, was kurze Wege verspricht, wenn man auf Grenada ankommt und einen Transfer zu seinem Hotel benötigt. Südlich des Flughafens ist die Tru Blue Bay und Pricklin Bay, die beide mit modernen Hotelanlagen aufwarten können. Der Rest der Insel ist touristisch weitgehend unerschlossen und hat seinen ursprünglichen Charakter bewahrt.

Grand Anse Beach mit St Georges im Hintergrund
Grand Anse Beach mit St Georges im Hintergrund

Wir beschließen für unseren Ausflug nach St. Georges einen der kleinen Busse zu nehmen, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen. Man hebt einfach lässig die Hand und schon stoppt einer der roten Flitzer. Unter steter Berieselung mit lautem Reggae geht es dann weiter bis der nächste Fahrgast den Bus stoppt. Will man aussteigen, klopft man gegen das Wagendach. Für drei karibische Dollar ein ausgesprochen günstiger Spaß und wesentlich unterhaltsamer als ein Touristentaxi.
Während der Fahrt hat man Gelegenheit sich über die Hupsignale der Fahrer zu wundern. Als Deutscher verbindet man mit der Hupe ja etwas negatives, ertönt dies doch meist, wenn man von einem anderen Verkehrsteilnehmer über eine eigene Unzulänglichkeit aufmerksam gemacht wird..
Hier ist alles anders, Generell wird jedes andere Taxi und jeder andere Minivan angehupt. Als Begrüßung sozusagen. Bei ca. 50% solcher Vehikel im gesamten Verkehrsaufkommen, gibt das schon ein ganz schönes Konzert, da ja die angehupten auch antworten. Natürlich wird auch vor jeder Kurve oder Kuppe gehupt... Man bedenke, wir sind auf einer Insel mit vielen Serpentinen... Zusätzlich ist die Hupe noch ein probates Mittel um eventuelle Fahrgäste auf sich aufmerksam zu machen, Bekannte zu grüßen oder andere Autofahrer auf das eine oder andere hinzuweisen.. Ich freue mich schon jetzt auf meine erste Mietwagenfahrt hier und beschließe einfach kräftig mit zu hupen...

Kreuzfahrtschiffe vor Anker in St.George - Grenada

Mittlerweile sind wir am Haven von St. Georges angekommen. Drei riesige Kreuzfahrtschiffe überragen den Hafen und spucken eine Ladung englischer Touristen über die Insel.
Generell ist zu bemerken, dass seit dem Hurrikan die Zahl der „Katastrophentouristen“ gestiegen ist. Einerseits schüttelt man angesichts dieser Entwicklung den Kopf, andererseits hilft der höhere Umsatz mit diesen Touristen der Bevölkerung beim Wiederaufbau.
Wir schlendern am Hafen entlang und biegen schließlich in die Halifaxstreet ein, wo wir nach kurzem suchen das Nationalmuseum von Grenada finden. Der im Kolonialstil gehaltene Bau hat nur geringe Schäden durch Ivan davon getragen und so können wir die kleine aber interessante Ausstellung besuchen, die neben der politischen Entwicklung der Insel auch Einblicke in die Kultur der Karibik, die Flora und Fauna sowie die einheimische Kunst gewährt. Ein paar Straßen weiter stoßen wir auf den Gewürzmarkt. In dem bunten Gedränge bieten dutzende Händlern die Früchte ihrer Heimat an und versuchen geschickte Straßenhändler ihre Souvenirs an die Kreuzfahrer zu verkaufen. Vor jedem der umliegenden Geschäfte haben die Ladenbesitzer Boxen aufgebaut, die jeden Diskobesitzer blass aussehen lassen würden und es wird nicht ganz klar, ob sie versuchen die Kunden buchstäblich wegzublasen oder durch die ohrenbetäubende Musik zum Einkauf zu bewegen.

Gewürzmarkt von St. George - Grenada
Gewürzmarkt von St. George

Das bunt tobende Leben und die vielen Eindrücke machen hungrig und wir finden ein kleines Lokal, von dem man den Hafen gut überblicken kann.
Nach einem reichlichen und erstaunlich günstigem Fischgericht machen wir uns wieder auf, den Rest der Stadt zu sehen. Die Kathedrale von St. Georges liegt auf dem die Stadt überragenden Hügel und nach einem schweißtreibenden Aufstieg durch die steilen Gassen der Altstadt finden wir, was der Sturm von dem Gotteshaus übrig gelassen hat. Vermutlich wird es Jahrzehnte dauern, bis hier wieder eine Messe gelesen werden kann. Wir werfen ein paar Münzen in die Sammelbox zum Wiederaufbau und machen uns wieder an den Abstieg, vorbei am Parlamentsgebäude, dessen Dach völlig fehlt und weiter Richtung Hafen. Von hier oben hat man einen prächtigen Blick über die gesamte Bucht, die einen natürlichen Hafen bildet, sowie die darin vor Angler liegenden Schiffsriesen.

Blick auf St. George vom "Nutmeg"

Wir verlassen St. Georges und mieten in unserer Unterkunft ein Auto, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden.
Unser Weg führt die Westküste entlang nach Norden. Bereits in der zweiten Bucht entdecken wir zwei Wracks. Ich bringe den Wagen mit quietschenden Reifen zum Stehen und bin im selben Augenblick auch schon mit der Kamera aus dem Auto. Meine Frau verzieht lachend das Gesicht, als ich eine viertel Stunde und einen Diafilm später wieder einsteige. Während das eine Wrack nur noch ein verrosteter Haufen Schrott ist, handelt es sich bei dem zweiten um einen kleinen Küstendampfer Namens „Lizzy J.“. Der Eigner hat, wie wir später erfahren seine Liegeplatzgebühren nicht bezahlt und konnte sich wohl in keinem karibischen Hafen mehr blicken lassen. Als der Frachter dann nicht mehr seetüchtig war, wurde er in der einsamen Bucht auf Grund gesetzt und harrt nun seiner Zukunft. Vielleicht erlebt die „Lizzy J.“ ja noch eine zweite Karriere als künstliches Riff... wer weiß.
Nach mehreren kleinen Orten nehmen wir eine staubige Piste ins Landesinnere und kommen nach wenigen Kilometern zu den Concord Falls. Diese Wasserfälle sind nur einer von mehreren auf der Insel zu bewundernden. Über schwarzen Basalt fällt das Wasser inmitten üppiger Vegetation in einen natürlichen Pool, der zum Baden einlädt, bevor der Wasser im Black River seinen Weg ins Tal sucht.

Concord Falls - Grenada
Die "Concord Falls"

Wieder zurück auf der Hauptstrasse suchen wir unseren Weg zum Dougaldston Estate, was aufgrund der fehlenden Straßenschilder nicht so einfach ist. Kurz bevor Hurrikan Ivan die Insel erreichte, war die langwierige Beschilderung der Insel endlich abgeschlossen. Der Sturm hat die meisten der Schilder schlicht weggeblasen und ob und wann es wieder welche gibt, steht in den Sternen. Dank der hilfsbereiten Insulaner werden wir aber fündig und bekommen eine Lektion über die verschiedenen Gewürze der Insel und deren Verarbeitung. In einer zum Teil stillgelegten Fabrik aus dem letzten Jahrhundert, zeigen uns einheimische Frauen, wie die unterschiedlichen Gewürze sortiert, behandelt und verarbeitet werden, bis sie schließlich den Konsumenten erreichen.

Dougaldston Estate

Gewürzverarbeitung in Dougaldston Estate - Grenada
Dougaldston Estate und Vorführung der Gewürzherstellung

Wir beschließen uns den Norden der Insel für einen weiteren Ausflug aufzuheben und fahren über steile Passtrassen ins Landesinnere. Nach ca. 1 Stunde erreichen wir das Grand Etang Forrest Reservat, dass sich inmitten von mit Regenwald bestandenen Bergen um den 530 Meter hoch gelegenen Grand Etang See schmiegt. Mehrere Wanderwege, sog. „Hikes“ führen durch den Regenwald und geben Gelegenheit, die Flora und Fauna der Insel kennen zu lernen. Grand Etang bildet auch die einzigartige Möglichkeit frei lebende Mona-Affen zu sehen. Ebenfalls auf einem der Hikes zu sehen sind die Seven-Sister-Falls, sieben, übereinander gelegene Wasserfälle, die im Dschungel eingebettet eine einzigartige Kulisse bilden.







© 2005 - Achim R.Schlöffel



TIPP:Du suchst Tauchausrüstung? Oder Du möchstest Teile Deiner Ausrüstung loswerden? Dann schau mal in unsere Kleinanzeigen-Seite!


11.10.2008 08:09 Taucher Online : 85
Heute 1907, ges. 29297749 Besucher
Login:  Autologin: 
Passwort:  
Gast : Registrieren - zur Login-Seite


Deine Bookmarks:
Taucher-News - Kalender - Sichtweiten - Postkarten

Unsere Produkt-Datenbank!
Über 2000 Tauchartikel mit detaillierten Daten!
Vergleichen lohnt sich!




   Aus unserem Onlineshop
Rubrik : Diverses

Janosch Schwimmring


Rubrik : Bücher

Kundenprofilanalyse Tauchreisen


*Preis incl. MwSt, zzgl. Versandkosten


   Aktuelle Taucher-News:
Hai-light Tour auf Cocos Isl..
(10.10.2008) Cocos Island: „Hai“-light im Pazifik Abenteuer Cocos Island - Haie wohin das Auge blickt! Für alle, die noch kurzfristig auf der Suche nach einem (mehr)

Großes Finale beim Top-Diver..
(10.10.2008) Top Diver 2008 – Veranstaltung und Gewinner Mit einem fantastischen Feuerwerk endete der Finaltag zum Top Diver 2008. Zur Freude aller Beteiligten steht jetzt schon fest, dass der in (mehr)

Neue Druckkammer auf Phuket
(10.10.2008) Neueröff nung der Druckkammer in Phuket. Am 17.Oktober 2008 wird die neue Druckkammer auf Phuket eröffnet. Die neue Kammer befindet sich auf dem Anwesen des Phuket International (mehr)

Wir sind Mitglied der
Listinus Toplisten


   Aktuelle Hotelberichte:
Hotel Amari Chalkidiki
(09.10.2008) Nur durch eine wenig befahrene kleine Küstenstrasse, ca. 40 m vom Strand getrennt. Der kleine Ort Metamorfossi mit Tavernen, Bars, Einkaufsmöglichkeiten ist ca. 800 m, Nikiti ist etwa 6km und Neos (mehr)

Bon Accord
(07.10.2008) Douglas Apartments Wir waren Anfang Oktober 2008 mal wieder auf Tobago. Als Unterkunft wählten wir wieder Douglas Apartments in Bon Accord / Crown Point - da sehr zentrale Lage, nette Leute und (mehr)

Shams Safaga
(03.10.2008) War zum 5.mal im Shams Safaga Diving-Center und das nicht ohne Grund. Man fühlt sich fast wie zu Hause. Jedes mal trifft man Stammgäste die man von einem vorherigen Besuch kennt. So viele können (mehr)


   Aktuelle Tauchplätze:
Ajuy und Tor zur Welt,Fuerte..
(10.10.2008) Brandungstauchen ist schon etwas anders: nachdem uns unser Guide vorgewarnt hatte, gingen wir zwar mit Respekt, aber auch mit der typischen Überheblichkeit ins Wasser. Nach wenigen Metern über den (mehr)

Cenote ´Dos Ochos´
(06.10.2008) Cenote ´Dos Ochos´ Ein ´Muß´ für alle Taucher, die in Mexiko sind! Alex, unser Guide von der Tauchbasis Blue Caribe, machte ein ausführliches Breefing, erklärte uns die Entstehung einer Cenote und (mehr)

Rivera Maya
(06.10.2008) Tauchcenter: Blue Caribe im Hotel Grand Oasis Riviera Maya. Das komplette Team sehr nett und kompetent, Leihausrüstung in Ordnung (Jacket). Wahl der Tauchplätze sehr gut, denn wir hatten einen (mehr)




© 1997-2008 Taucher.Net GmbH - powered by TNetHosting