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Die Gewürzinsel
Am nächsten Morgen machen wir uns auf, um die Insel zu erkunden. Mit
einem Mietwagen geht es los. Zum Mietwagen muss erwähnt werden, dass
man bevor man ans Steuer darf, einen Führerschein erwerben muss, der
12 US-Dollar in die Kasse der Inselverwaltung bringt. Sonst bringt er nichts..
Sobald man das Dokument bei einer der Polizeistationen erworben hat, kann
man starten. Auf Grenada herrscht Linksverkehr. Wer das nicht gewöhnt
ist, oder unsicher ist, sollte eventuell auf ein Taxi zurückgreifen.
Es gibt auf der Insel so gut wie keine Beschilderung und selbst mit einer
guten Straßenkarte ausgerüstet sucht man oft verzweifelt nach dem
richtigen Weg. Die Strassen sind z.T. recht eng, schlecht befestigt und steil.
Die Inselbewohner fahren wie die sprichwörtlichen Henker, vor allem
auf die allgegenwärtigen roten Minivan-Taxis sollte man ein Auge haben.
Wir beginnen unsere Tour in St. Georges und damit sind wir auch schon mitten
drin, in der Geschichte Grenadas.
Bereits in der Frühgeschichte von den Kariben besiedelt, entdeckt
Columbus das Eiland 1498 im Verlauf seiner dritten Reise. 1609 gab es eine
erste Ansiedlung von Tabakpflanzern mit Namen „Megrin Town“, die allerdings
von den Kariben aufgerieben wurden und in der Folge keinen weiteren Siedlungsversuch
unternahmen. Erst 1650 nahmen französische Siedler Grenada erneut unter
ihren Besitz und wurden mit militärischer Unterstützung sesshaft.
Die den Soldaten unterlegenen Kariben verließen die Insel darauf nicht,
sondern wählten den Freitod, indem sie sich von einem Cliff im Norden
der Insel stürzten. Der Platz heißt heute „Leapers Hill“. Die
Franzosen pflanzten Kaffee und Kakao und bewirtschafteten Ihre Plantagen
mit Hilfe afrikanischer Sklaven.
Zwischen 1762 und 1782 stritten sich England und Frankreich um die fruchtbare
Insel. 1783 entschieden die Engländer das Gerangel für sich und
erhielten Grenada im Rahmen des Versailler Abkommen.
Das National Museum in St. Georges zeigt dem interessierten Besucher
die "stürmische" Geschichte der Karibikinsel.
1795 brachte ein Franzose namens Julien Fedon im Rahmen einer von ihm angezettelten
Revolution einen Großteil der Insel unter seine Kontrolle. Im darauffolgenden
Jahr fand der Aufstand ein Ende. Was nie endete war der französische
Einschlag der Insel, der sich bis heute in französischen Straßennamen
und Ortsbezeichnungen erhalten hat.
1974 erlangte Grenada unter dem charismatischen Sir Eric Gairy die Unabhängigkeit.
Nur fünf Jahre später, während eines Auslandsaufenthalts
des Staatsoberhauptes stürzte sein politischer Gegner Maurice Bishop
den mittlerweile umstrittenen Führer und begann eine Politik der Veränderung
und sozialen Gerechtigkeit. Die Beziehungen zur Sowjetunion und Cuba wurden
intensiviert, neue Schulen gebaut und die Wirtschaft neu angekurbelt.
Den USA war der kommunistisch angehauchte Inselstaat ein Dorn im Auge. Am 19.
Oktober 1983 lieferte eine Gruppe Radikaler aus Bishops eigenen Reihen einen
idealen Vorwand, indem sie Bishop, seine Lebensgefährtin und mehrere
seiner Mitarbeiter auf offener Straße ermordeten. Die Weltpolizei USA
war prompt zur Stelle, bombardierte die Insel und stellten mit 6000 Fallschirmjägern
den durch die 250 Aufständischen bedrohten Frieden wieder her.
Ein grob gehauenes Standbild des Staatsmannes, nahe Fort Georges, ist alles
was von ihm geblieben ist.
2004 kam Grenada zum vorläufig letzten Mal in die Schlagzeilen, als
im September Hurrikan Ivan die Insel schwer verwüstete. Die Schäden
sind bis heute nicht zu übersehen und die Bevölkerung wird sicher
noch eine ganze Weile benötigen, bis diese behoben sind.
vom Hurrican Ivan zerstörte Kirche in St. Georges
St Georges
St. Georges, die Hauptstadt der Insel, liegt im Südwesten und grenzt
nördlich an die Grand Anse Bay, die mit dem berühmten Bilderbuchstrand
von Grand Anse auch das touristische Zentrum der Insel darstellt. Unterhalb
der Bucht findet sich auch gleich der Flughafen, was kurze Wege verspricht,
wenn man auf Grenada ankommt und einen Transfer zu seinem Hotel benötigt.
Südlich des Flughafens ist die Tru Blue Bay und Pricklin Bay, die beide
mit modernen Hotelanlagen aufwarten können. Der Rest der Insel ist touristisch
weitgehend unerschlossen und hat seinen ursprünglichen Charakter bewahrt.
Grand Anse Beach mit St Georges im Hintergrund
Wir beschließen für unseren Ausflug nach St. Georges einen der
kleinen Busse zu nehmen, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen.
Man hebt einfach lässig die Hand und schon stoppt einer der roten Flitzer.
Unter steter Berieselung mit lautem Reggae geht es dann weiter bis der nächste
Fahrgast den Bus stoppt. Will man aussteigen, klopft man gegen das Wagendach.
Für drei karibische Dollar ein ausgesprochen günstiger Spaß
und wesentlich unterhaltsamer als ein Touristentaxi.
Während der Fahrt hat man Gelegenheit sich über die Hupsignale
der Fahrer zu wundern. Als Deutscher verbindet man mit der Hupe ja etwas
negatives, ertönt dies doch meist, wenn man von einem anderen Verkehrsteilnehmer
über eine eigene Unzulänglichkeit aufmerksam gemacht wird..
Hier ist alles anders, Generell wird jedes andere Taxi und jeder andere
Minivan angehupt. Als Begrüßung sozusagen. Bei ca. 50% solcher
Vehikel im gesamten Verkehrsaufkommen, gibt das schon ein ganz schönes
Konzert, da ja die angehupten auch antworten. Natürlich wird auch vor
jeder Kurve oder Kuppe gehupt... Man bedenke, wir sind auf einer Insel mit
vielen Serpentinen... Zusätzlich ist die Hupe noch ein probates Mittel
um eventuelle Fahrgäste auf sich aufmerksam zu machen, Bekannte zu
grüßen oder andere Autofahrer auf das eine oder andere hinzuweisen..
Ich freue mich schon jetzt auf meine erste Mietwagenfahrt hier und beschließe
einfach kräftig mit zu hupen...
Mittlerweile sind wir am Haven von St. Georges angekommen. Drei riesige
Kreuzfahrtschiffe überragen den Hafen und spucken eine Ladung englischer
Touristen über die Insel.
Generell ist zu bemerken, dass seit dem Hurrikan die Zahl der „Katastrophentouristen“
gestiegen ist. Einerseits schüttelt man angesichts dieser Entwicklung
den Kopf, andererseits hilft der höhere Umsatz mit diesen Touristen der
Bevölkerung beim Wiederaufbau.
Wir schlendern am Hafen entlang und biegen schließlich in die Halifaxstreet
ein, wo wir nach kurzem suchen das Nationalmuseum von Grenada finden. Der
im Kolonialstil gehaltene Bau hat nur geringe Schäden durch Ivan davon
getragen und so können wir die kleine aber interessante Ausstellung
besuchen, die neben der politischen Entwicklung der Insel auch Einblicke
in die Kultur der Karibik, die Flora und Fauna sowie die einheimische Kunst
gewährt. Ein paar Straßen weiter stoßen wir auf den Gewürzmarkt.
In dem bunten Gedränge bieten dutzende Händlern die Früchte
ihrer Heimat an und versuchen geschickte Straßenhändler ihre Souvenirs
an die Kreuzfahrer zu verkaufen. Vor jedem der umliegenden Geschäfte
haben die Ladenbesitzer Boxen aufgebaut, die jeden Diskobesitzer blass aussehen
lassen würden und es wird nicht ganz klar, ob sie versuchen die Kunden
buchstäblich wegzublasen oder durch die ohrenbetäubende Musik
zum Einkauf zu bewegen.
Gewürzmarkt von St. George
Das bunt tobende Leben und die vielen Eindrücke machen hungrig und
wir finden ein kleines Lokal, von dem man den Hafen gut überblicken kann.
Nach einem reichlichen und erstaunlich günstigem Fischgericht machen
wir uns wieder auf, den Rest der Stadt zu sehen. Die Kathedrale von St. Georges
liegt auf dem die Stadt überragenden Hügel und nach einem schweißtreibenden
Aufstieg durch die steilen Gassen der Altstadt finden wir, was der Sturm
von dem Gotteshaus übrig gelassen hat. Vermutlich wird es Jahrzehnte
dauern, bis hier wieder eine Messe gelesen werden kann. Wir werfen ein paar
Münzen in die Sammelbox zum Wiederaufbau und machen uns wieder an den
Abstieg, vorbei am Parlamentsgebäude, dessen Dach völlig fehlt
und weiter Richtung Hafen. Von hier oben hat man einen prächtigen Blick
über die gesamte Bucht, die einen natürlichen Hafen bildet, sowie
die darin vor Angler liegenden Schiffsriesen.
Wir verlassen St. Georges und mieten in unserer Unterkunft ein Auto, um
die Insel auf eigene Faust zu erkunden.
Unser Weg führt die Westküste entlang nach Norden. Bereits in
der zweiten Bucht entdecken wir zwei Wracks. Ich bringe den Wagen mit quietschenden
Reifen zum Stehen und bin im selben Augenblick auch schon mit der Kamera
aus dem Auto. Meine Frau verzieht lachend das Gesicht, als ich eine viertel
Stunde und einen Diafilm später wieder einsteige. Während das eine
Wrack nur noch ein verrosteter Haufen Schrott ist, handelt es sich bei dem
zweiten um einen kleinen Küstendampfer Namens „Lizzy J.“. Der Eigner
hat, wie wir später erfahren seine Liegeplatzgebühren nicht bezahlt
und konnte sich wohl in keinem karibischen Hafen mehr blicken lassen. Als
der Frachter dann nicht mehr seetüchtig war, wurde er in der einsamen
Bucht auf Grund gesetzt und harrt nun seiner Zukunft. Vielleicht erlebt die
„Lizzy J.“ ja noch eine zweite Karriere als künstliches Riff... wer weiß.
Nach mehreren kleinen Orten nehmen wir eine staubige Piste ins Landesinnere
und kommen nach wenigen Kilometern zu den Concord Falls. Diese Wasserfälle
sind nur einer von mehreren auf der Insel zu bewundernden. Über schwarzen
Basalt fällt das Wasser inmitten üppiger Vegetation in einen natürlichen
Pool, der zum Baden einlädt, bevor der Wasser im Black River seinen
Weg ins Tal sucht.
Die "Concord Falls"
Wieder zurück auf der Hauptstrasse suchen wir unseren Weg zum Dougaldston
Estate, was aufgrund der fehlenden Straßenschilder nicht so einfach
ist. Kurz bevor Hurrikan Ivan die Insel erreichte, war die langwierige Beschilderung
der Insel endlich abgeschlossen. Der Sturm hat die meisten der Schilder schlicht
weggeblasen und ob und wann es wieder welche gibt, steht in den Sternen.
Dank der hilfsbereiten Insulaner werden wir aber fündig und bekommen
eine Lektion über die verschiedenen Gewürze der Insel und deren
Verarbeitung. In einer zum Teil stillgelegten Fabrik aus dem letzten Jahrhundert,
zeigen uns einheimische Frauen, wie die unterschiedlichen Gewürze sortiert,
behandelt und verarbeitet werden, bis sie schließlich den Konsumenten
erreichen.
Dougaldston Estate und Vorführung der Gewürzherstellung
Wir beschließen uns den Norden der Insel für einen weiteren
Ausflug aufzuheben und fahren über steile Passtrassen ins Landesinnere.
Nach ca. 1 Stunde erreichen wir das Grand Etang Forrest Reservat, dass sich
inmitten von mit Regenwald bestandenen Bergen um den 530 Meter hoch gelegenen
Grand Etang See schmiegt. Mehrere Wanderwege, sog. „Hikes“ führen durch
den Regenwald und geben Gelegenheit, die Flora und Fauna der Insel kennen
zu lernen. Grand Etang bildet auch die einzigartige Möglichkeit frei
lebende Mona-Affen zu sehen. Ebenfalls auf einem der Hikes zu sehen sind
die Seven-Sister-Falls, sieben, übereinander gelegene Wasserfälle,
die im Dschungel eingebettet eine einzigartige Kulisse bilden.
© 2005 - Achim R.Schlöffel
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11.10.2008 08:09 Taucher Online : 85 Heute 1907, ges. 29297749 Besucher
 
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Rubrik : Bücher

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