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 Geschrieben von Achim R. Schlöffel

Tauchen

Aquanauts Grenada
Auf der Suche nach einer geeigneten Tauchbasis kommt man um Aquanauts Grenada nicht herum. Die von Gerlinde Seupel und Peter geführte Basis verfügt über drei Standorte auf der Insel, wobei derzeit der am Grand Anse Beach gelegene nicht geöffnet ist, da das zugehörige Resort aufgrund von Hurrikanschäden noch nicht wieder geöffnet ist.
Wir tauchen von True Blue Bay aus. Die Basis ist picobello sauber und erstklassig geführt, was auch für die Boote gilt. Neben allen gängigen Tauchkursen, wird auch Nitrox angeboten. Zweimal täglich gibt es Ausfahrten mit sog. 2-Tank-Dives.
Tauchen auf Grenada heißt Strömungstauchen. Eigentlich jeder Tauchgang sieht so aus, dass der Guide mit einer Boje bewaffnet ins Wasser geht und die Gruppe führt.
Nach Ende des Tauchgangs tauchen alle wieder an dieser Boje auf, der das Tauchboot gefolgt ist und gehen wieder an Bord. Sicherheit wird bei Aquanauts groß geschrieben und so wird in kleinen Gruppen getaucht, die Briefings sind ausführlich und treffend. Jeder Gast muss eine eigene Oberflächenboje dabei haben, besitzt er selbst keine, wird ihm kostenlos eine gestellt.
Der ganze Ablauf klappt reibungslos, was sowohl an dem gut ausgebildeten Staff, der perfekten Organisation, wie auch an den kleinen Tauchgruppen liegt.
Unser erster Tauchgang führt uns an einen Platz namens „Windmill Shallow“, was etwas verwirrend ist, da es weder Windmühlen gibt, noch sonderlich flach ist. Ein klassisches karibisches Riff mit vielen Weichkorallen und Gorgonien erstreckt sich von 17 bis knapp 30 Meter Tiefe. Am unteren Ende des Riffabhangs liegt noch ein gesunkener Katamaran, den wir aber wegen ungünstiger Strömungsverhältnisse nicht zu sehen bekommen.
Der zweite Tauchgang des Tages führt uns zum „Shark Reef“, das dann auch hält was es verspricht und wir sehen jede Menge junger Ammenhaie.

Bianca C

Bianca C - Grenada
Der zweite Tauchtag verspricht etwas Besonderes zu werden, geht es doch an die „Titanic der Karibik“, die „Bianca C“.

Der 200 Meter lange Passagierdampfer fing 1961, nach einer Explosion im Maschinenraum, Feuer und sank direkt vor St. Georges.
Noch heute erinnert eine Statue in der Hauptstadt an den selbstlosen Einsatz der Insulaner, die es schafften, alle Passagiere und Besatzungsmitglieder des Havaristen zu bergen. So gab es bis auf zwei Seeleute, die bei der Explosion umkamen, keine weiteren Opfer zu beklagen.

Dank-Statue - Bianca C - Grenada Bianca C - Grenada
Dank-Statue in St.Georges und die Bianca C

Die Bianca C liegt in 51 Meter Tiefe und man erreicht die Reste ihrer Aufbauten in knapp 30 Meter. Ich komme mir ein bisschen wie der Esel vor, der der berühmten Rübe vor seiner Nase nachläuft... Da betaucht man eines der berühmtesten Wracks der Karibik unter traumhaften Bedingungen und hat eine 80 cft Flasche auf dem Rücken! Leider gibt es auf Grenada, wie auch in der übrigen Karibik praktisch keine Infrastruktur für technisches Tauchen und so bleibt mir nur der zehnminütige „Überflug“ und die Vorstellung wie es wäre, wenn man ein Doppelgerät, Helium,… Lassen wir das!

Mast der Bianca C - Grenada
der vordere Mast der Bianca C

Für die relativ kurze Zeit, die das Wrack im Meer ist, ist die Bianca C in ziemlich schlechtem Zustand und sehr stark zerfallen. Lediglich der Bug und die vordere Schiffshälfte stehen noch aufrecht, der gesamte hintere Bereich ist abgebrochen und liegt nun auf der Steuerbordseite. Auch die Aufbauten sowie die Brücke sind nicht mehr zu sehen und eingebrochen. Sicher haben auch die tropischen Stürme der Region ihren Teil dazu beigetragen, das Wrack in der kurzen Zeit so stark zu zerstören. Interessant ist der ehemalige Swimmingpool auf dem Hauptdeck, der noch gut zu erkennen ist und zu einer Runde einlädt. Spektakuläre Eindrücke liefert auch der vordere Mast, der noch steht und sich in ein vertikales Riff verwandelt hat. Blickt man am Bug nach unten kann man noch die Ankergeschirre des Liners sehen. Dann ist die Zeit aber auch vorbei und wir schwimmen ca. 100 Meter durchs blaue Nichts bis zu einem Riff, wo wir langsam austauchen.

Riff - Grenada


Der zweite Tauchgang des Tages heißt „Japanese Garden“ und erinnert mit seiner Art- und Formvielfalt an einen solchen und rundet den Tauchtag perfekt ab.

Die Shakem

Der dritte Tag bringt ihn dann, den ersehnten Tauchgang der Superlative. Shakem heißt der Tauchertraum und liegt seit 2001 vor St. Georges in 31 Meter Tiefe in kristallklarem Wasser. Bereits beim Abtauchen bekommen wir einen Überblick über das Wrack. Die Shakem sitzt aufrecht auf weißem Sand und ist perfekt erhalten. Das ganze Schiff ist wundervoll bewachsen und große Gorgonien zieren seine Aufbauten. Wir sehen uns zuerst die Schraube an, bevor wir über die Heckreling zum Steuerhaus schweben.

Brücke der Shakem - Grenada
Brücke der Shakem

Der Kompassstand ist komplett erhalten und gibt ein gutes Fotomotiv. Von hier aus überblicken wir bereits den ersten Laderaum, der immer noch mit der Zementladung gefüllt ist, den die Shakem bei ihrer letzten, verhängnisvollen Fahrt geladen hatte. Ein gut erhaltenes Förderband ragt über den Laderaum und weist den Weg Richtung Bug, wo sich der Blick über den zweiten Laderaum öffnet, ebenfalls bis oben gefüllt mit Zement.


Brücke (li), Wrack in der Frontale (mi),
die Zementladung (re).

Ein schmaler Gang erlaubt eine kurze Penetration in den Bug, dann schwebe ich wieder im freien Wasser und lasse die schlanke Silhouette auf mich wirken. Die Shakem erscheint dem Betrachter wie geparkt und bereit jederzeit die auf dem Sand ruhenden Anker zu lichten um wieder in See zu stechen und ihre Ladung zu löschen, auf die immer noch jemand vergeblich wartet.. In diese Gedanken versunken lasse ich mich über das Wrack zurücktreiben und steige dabei langsam höher, der Sonne entgegen.
Der zweite Tauchgang in „Dr. Grooms Garden“ gibt unter dem Eindruck des Wracks nicht viel für mich her und so würde ich dem sicher schönen Tauchplatz vermutlich Unrecht tun, wenn ich hier mehr dazu schriebe.

Sightseeing Tour

Nach drei erfolgreichen Tauchtagen legen wir einen Tag Tauchpause ein und mieten wieder ein Auto um den Rest der Insel zu erkunden.
Wir haben uns diesmal für einen Jeep entschieden, um den zum Teil abenteuerlichen Pisten besser entgegentreten zu können. Als ich den Suzuki Vitara umrunde, muss ich unwillkürlich daran denken, wie es wohl wäre, damit beim deutschen Tüv vorzufahren.. Der Wagen hatte offensichtlich einmal einen herben Frontschaden, was nicht nur dadurch deutlich wird, dass die Beifahrertür nur mit martialischer Gewalt zu öffnen und zu schließen ist, sondern auch dadurch, dass die gesamte Vorderachse nach links versetzt ist...
Dass wir vier verschiedene Reifen auf ebenso verschiedenen Felgen haben wäre nicht so schlimm, wäre da nicht der rechte Vorderreifen auch noch breiter als die anderen.. Er gleicht diesen Umstand aber gekonnt durch das Fehlen jeglichen Profils aus. Wir buchen das ganze auf das Konto „Abenteuer“ und fahren los. Nach ein paar Kilometern habe ich mich an das etwas eigene Fahrverhalten gewöhnt und wir halten nach einer Tankstelle Ausschau. Gott sei Dank bleibt Jutta im Auto sitzen, als ich zum Tanken aussteige. Dass der Tankstutzen mit einer Tüte und einem Gummiband verschlossen ist, verleitet den Tankwart zu keiner Gemütsregung und während dieser die Tüte wieder anbringt, beschließe ich die Sache zu ignorieren, es muss vielleicht so sein.
Schließlich steuern wir die Ostküste entlang Richtung Grenville. Da Samstag ist, verstopft der Wochenmarkt die Strassen und wir schlängeln uns, fröhlich mit den Einheimischen hupend durch die Strassen auf der Suche nach der dritten großen Nutmeg Plant. In den Fabriken werden die Erzeugnisse der über 7000 Muskatnuss-Farmer gesammelt und weiterverarbeitet. Wir wollen natürlich sehen wie das geht, ist die Nuss ja sogar in der Nationalflagge der Insel abgebildet. Leider ist auch die Anlage in Grenville, wie schon die anderen beiden, geschlossen und wir ziehen unverrichteter Dinge weiter. Der nächste Stop ist Belmont Estate. Eine Kakaoplantage aus dem 17ten Jahrhundert, die seit 2002 als Museumsbetrieb arbeitet. Trotz fehlender Beschilderung treffen wir das Ziel, stehen aber leider auch hier vor verschlossenen Türen. Offenbar ist seit dem Besuch von Hurrikan Ivan geschlossen. Wir lassen uns den Tag nicht verderben und genießen die üppige Landschaft auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit. Der „River Antoine Rum Distillerie“.

River Antoine Rum Distillerie
Zufahrt zur Distillierie

Hier kann der interessierte Besucher miterleben, wie der berühmte karibische Rum hergestellt wird, wie dies bereits seit Hunderten von Jahren auf traditionelle Weise geschieht. Was soll ich schreiben. „Closed“! Wir machen einige Fotos der verlassenen Anlage und klopfen uns auf die Schultern dass wir es überhaupt gefunden haben. Dann ist erst einmal eine Rast an der wildromantischen Atlantikküste angesagt. Wir haben den gesamten, stark an die Bacardi Werbung erinnernden Strand für uns und stürzen uns in die Fluten. Wieder auf Betriebstemperatur besteigen wir unser mittlerweile liebgewonnenes Gefährt und machen uns auf die Annandale Wasserfälle zu suchen. Jutta als routinierte Navigatorin ernennt sich selbst zu Fähnchen Fieselschweif und lotst uns zielsicher zu den Fällen – und Hey! Geöffnet!?

Annandale Wasserfälle - Grenada
die Annandale Wasserfälle

Auf dem Rückweg philosophieren wir ein wenig über die hiesigen Gebräuche bezüglich der Entsorgung von alten Autos. Hier, in der Karibik, werden diese nicht etwa verschrottet, nein, hier werden sie kompostiert. Beispiele solcher „Kompostautos“ wie ich sie nenne, sind an jeder Ecke zu finden und Liebhaber klassischer US-Cars bleibt nur zu vermuten welch Schätze da langsam eins mit der Natur werden. Urplötzlich müssen wir dann aber feststellen, dass sich diese Art der Industriemüllentsorgung auch auf Flugzeuge anwenden lässt.

Pearls Airport - Grenada
Pearls "Airport" - Grenada

Wir sind am alten Flughafen der Insel „Pearls Airport“ angekommen. Auf der ehemaligen Landebahn übt ein Fahrlehrer mit einer Schülerin Einparken, auf den Wiesen um den Airport grasen Kühe und Schafe und inmitten dieser Idylle stehen zwei eindrucksvolle Flugzeugwracks. Wir spazieren durch den aufgelassenen Flughafen und schnuppern ein bischen Luftfahrthistorie. An einem halbverfallenen Gebäude lockt eine verblichene Schrift mit zollfreien Schweizer Uhren und Rum und direkt daneben weist ein Schild in kyrillischen Buchstaben darauf hin, dass Fotografieren verboten ist. Ich fotografiere beides und dann haben wir genug gesehen für heute.

Sonnenuntergang - Grenada

Wir fahren noch an der Tauchbasis in der True Blue Bay vorbei und genehmigen uns einen Sundowner-Cocktail, während uns Gerlinde eine Einstimmung auf den nächsten Tauchtag gibt.

Die Hema - ein neues Wrack

Die Hema - Grenada
Die Hema

Der vierte Tauchtag beginnt mit einer Überraschung. Peter erzählt uns von einem deutschen Schiff, dass am 5.März vor St. Georges gesunken ist. Wir werden die erste Gruppe sein, die er mit an das erst drei Wochen alte Wrack nimmt. „Hema 1“ heißt das Schiff und wurde 1957 in Deutschland gebaut. Am Unglückstag hatte sich der 52 Meter lange Frachter von Grenada aus auf den Weg nach Trinidad gemacht als er in schwere See geriet und sank. Die Besatzung wurde von der Küstenwache geborgen, bevor das Schiff versank, so dass glücklicherweise keine Opfer zu beklagen waren. Das Wrack liegt auf der Atlantikseite der Insel und die deutlich rauere See lässt keinen Zweifel wo wir sind. Bei recht moderater Strömung tauchen wir entlang der Leine ab und sehen schon kurz unter der Oberfläche die noch immer leuchtend weiße Farbe der Aufbauten schimmern. Die Hema liegt auf ihrer Backbordseite und als ich mich anschicke das erste Foto zu schießen benötige ich einige Augenblicke bis ich kapiere warum ich mich scheinbar nicht ruhig halten kann. Nicht ich bewege mich, das Wrack rollt auf dem Grund. Es ist ein gespenstischer Anblick, wenn sich die Masse des untergegangenen Schiffs auf dem Boden bewegt und sicher kein alltäglicher Anblick.

Schraube der Hema

Aufbauten der Hema

Wir statten zuerst der Schraube einen Besuch ab, bevor wir um das Heck schwimmen, auf dem der Schiffsname und der Heimathafen Trinidad gut zu lesen sind. In den Aufbauten hängen noch jede Menge Kabel und Leinen, so dass wir in gebührendem Abstand um das Schiff schwimmen. Es ist ein seltsames Gefühl an diesem Wrack zu tauchen. Ohne jeden Bewuchs wirkt die Hema wie ein Fremdkörper, wie der Leib eines toten Fisches, der in der Dünung über den Sand rollt. Ich schüttle diese beklemmenden Gefühle ab und tauche auf den Grund, wo ich die Hecklaterne des Dampfers entdeckt habe, die ein gutes Motiv abgibt. Über die ehemalige Brücke schwimmen wir nun Richtung Bug. Ein Eindringen in die Brücke oder andere Teile des Schiffes ist derzeit schlicht nicht möglich, solange sich der Stahlriese nicht in seiner endgültigen Lage auf dem Grund abgelegt hat. Während ich vor dem Eingang zur Brücke schwebe um ein Bild zu machen, reißt die Dünung 30 Meter über mir die Aufbauten bis zu zwei Meter hin und her. Bedingt durch diese Bewegung ist der Bug in eine dichte Staubwolke gehüllt und wir brechen den Tauchgang ab. Während wir langsam nach oben schweben, schauen wir noch lange auf den rollenden Schiffskörper, der langsam aus unserem Blickfeld entschwindet.

Hema - Grenada
...ein letzter Blick auf die HEMA

Nach einer längeren Oberflächenpause im Schutz einer kleinen Insel steuert Lenny, unser Bootsführer das Boot wieder in die langgezogene Atlantikdünung. Das zweite Ziel für diesen Tag heißt „San Juan“ und ist der Überrest eines kleinen Trampdampfers, der 1976 aus ungeklärten Umständen gesunken ist. Während eines Hurrikans im Jahre 2001 brach das Wrack denn auseinander und liegt nun in 27 Meter Tiefe. Peter verspricht uns jede Menge Ammenhaie und wir sind gespannt. Unmittelbar nach dem Sprung ins Wasser sehe ich die Abstiegsleine auf mich zukommen und im nächsten Augenblick ist sie an mir vorbei. Wow!, denke ich, das ist mal Strömung. Jutta und ich lassen uns zum Grund durchfallen und schwimmen dort, im Strömungsschatten des Wracks zu dem was davon noch übrig ist. Die traurigen Reste der San Juan wären die Anfahrt nicht wert, wären da nicht die Haie.

Hairudel an der San Juan
Hairudel an der San Juan

Egal wohin man sieht, überall liegen große Ammenhaie, zum Teil zu mehreren übereinander. Wenn nur die verdammte Strömung nicht wäre. Kaum habe ich mir eine Position erkämpft, und das Motiv im Sucher, ist entweder das Motiv nicht mehr da, weil mich die Strömung weggedrückt hat, oder Jutta, das Modell ist verschwunden, ebenfalls verblasen. Nach zwölf Aufnahmen habe ich die Nase voll und wage einen Blick über den Sucher hinweg auf das Wrack. Das Bild, das sich mir bietet ist schlicht kurios. Zehn Taucher halten sich verzweifelt an irgendwelchen Wrackteilen fest und flattern in der Strömung wie die Fahnen im Wind, während sie die Haie bestaunen.

Strömung an der San Juan
Wahnsinnsströmung an der San Juan

Alles was nicht Niet- und Nagelfest ist, fliegt zusammen mit den Luftblasen horizontal nach hinten und verschwindet im Nichts. Als es Zeit wird aufzutauchen, lassen wir los und schwupp, weg ist das Wrack. Die einzelnen Grüppchen schießen ihre Oberflächenmarker und steigen langsam, mit der Strömung treibend, auf. An der Oberfläche leistet Lenny einen bemerkenswerten Job und sammelt die in der mittlerweile doch ziemlich hohen See weit verstreuten Taucher in Rekordzeit wieder ein. Überhaupt ist die von Aquanauts gezeigte Performance nicht nur unter Wasser, sondern auch auf dem Boot mit das Beste was ich je gesehen habe und so machen auch extremere Tauchgänge wie dieser viel Spaß. Sowohl bei den Briefings, bei der Führung der Gruppen im Wasser, wie auch bei der Handhabung des Bootes steht die Sicherheit immer an erster Stelle.

Karibische Langusten bei Shark Reef - Grenada
Karibische Langusten bei Shark Reef

Heute ist Ostermontag und es scheint, die ganze Insel will tauchen. Als Peter meinen entsetzten Blick bezüglich des vollen Bootes sieht, werden wir kurzerhand auf ein zweites Boot ausgelagert. Mit nur vier weiteren Tauchern fahren wir zum zweiten Mal Shark Reef an und genießen einen entspannten Strömungstauchgang, der mit jeder Menge junger Ammenhaie und wahre Unmengen an großen Lobstern aufwartet. Da Shark Reef auf der etwas raueren Atlantikseite der Insel liegt, ist die Sicht nicht so berauschend, dafür entschädigen aber die üppigen Weichkorallen und die vielen Fische.
Der zweite Tauchgang am Boss Reef, einen Saumriff, das sich vor der Hauptstadt St. Georges erstreckt, offenbart dann auf eindrucksvolle Weise den Unterschied zwischen einem atlantischen und einem karibischen Riff, selbst wenn diese nur einige wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Die Sicht ist wesentlich besser. Im Riff dominieren eher die Steinkorallen und was die Fische angeht können wir große Schulen von sog. „Yellow Grunts“, Trompetenfische und eine erstaunliche Menge an Eidechsenfischen entdecken. Nach einer Stunde Staunen und Bewundern ist aber auch dieser Tauchgang zu Ende und es geht zurück zur Basis.

Grenada Marine Park

Dienstagmorgen, der Osteransturm der Taucher hat sich gelegt und wir sind nur zu sechst auf der Salsa, dem größten Boot von Aquanauts. Der erste Tauchgang des Tages führt uns in den Grenada Marine Park, nördlich von St. Georges. Das Fischereiministerium hat hier vor sieben Jahren einen Versuch unternommen, ein künstliches Riff zu schaffen, um einen neuen Fischplatz zu etablieren. Dazu wurden einige Dutzend der auf der Insel reichlich herumliegenden Autowracks eingesammelt und auf einer Sandfläche nördlich vom Moliniere-Reef versenkt. Heute stellt der „Car-Pile“ einen attraktiven Tauchplatz mit einer Vielzahl unterschiedlicher Fische sowie gelegentlich großen Schildkröten dar.

VW Bully als künstliches Riff
VW Bully als künstliches Riff

Nach einem Freiwasserabstieg auf 35 Meter kommt zuerst eine VW-Bully in Sicht, der über und über mit Schwämmen bewachsen hier seine letzte Ruhe gefunden hat. Bei manchen der Autos lässt sich nicht mehr sagen was sie einmal waren, wohingegen andere gut erkennen lassen, welches Fabrikat sich unter dem Korallenbewuchs verbirgt. Aufgrund der relativ großen Tiefe bleiben wir nur eine knappe viertel Stunde bei den Autowracks und tauchen dann langsam dem ansteigenden Grund nach und erreichen bei 15 Meter ein wunderschönes Riff, dessen Farbenpracht unter der senkrecht stehenden Sonne voll zur Geltung kommt. Wir atmen unsere Flaschen bis fast zum letzten Atemzug leer und hängen noch lange unter dem Tauchboot um einen letzten Blick auf die Unterwasserlandschaft unter uns zu erhaschen.

Autofriedhof als Riff
Autofriedhof in der Tiefe

Während unserer Oberflächenpause in der Bucht vor Moliniere Point kommt ein Boot der „Whalewatcher“ vorbei und Peter erzählt auf meine Frage nach diesen Touren, dass tatsächlich der eine oder andere Buckelwal vor Grenada zu beobachten sei, sofern er an den Grenadinen vorbeigekommen ist. Von der Grenadineninsel Bequia aus wird, man mag es eigentlich nicht glauben, heute noch Walfang betrieben. Die Quote beträgt 4 Stück pro Jahr. Unter Volksfeststimmung wird bei diesem kranken Brauch ein Walkalb harpuniert und in eine Bucht geschleppt. Die dem verwundeten Kalb folgende Mutter wird dann in der Bucht geschlachtet. Da ich wohl ein ziemlich ungläubiges Gesicht gemacht haben muss, erfahre ich, dass die großen Walfangnationen wie Japan und Norwegen entsprechende „Unterstützung“ liefern, um solche Quoten aufrecht zu erhalten. Unter dem Deckmäntelchen „Kulturgut“ geht das Schlachten und Morden dann weiter. Einige interessante Zahlen dazu besagen, dass die Norweger in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei Grenada eine Wahlfangstation betrieben haben, die im ersten Jahr 770 Tiere getötet hat, im zweiten 290 und im dritten dann noch 70 Wale. Danach zogen die Nordmänner sich zurück, die Walpopulation war erfolgreich ausgelöscht...

Recht nachdenklich gestimmt springen Jutta und ich vor Moliniere Point an einer Mooring ins Wasser und folgen dem Riffverlauf auf 18 Meter. Nach Peters Beschreibung sollen wir hier eine auffällige solitär stehende Weichkoralle finden. Die gesuchte Koralle ist bald gefunden und wir schwenken nach links, ins offene Wasser. Genau wie beschrieben stoßen wir in 27 Meter Tiefe auf das Wrack der Buccaneer, einer Segelyacht, die hier in den Neunzigern als künstliches Riff versenkt wurde.

Wrack der Bucaneer - Grenada
die Bucaneer - beeindruckende Größe für eine Segelyacht

Während ich in Position gehe, um die ersten Fotos zu schießen, fallen mir ganze Felder von Röhrenaalen auf, die sich sanft in der Strömung wiegen. Ich fluche leise über das Fisheyeobjektiv auf der Kamera und über die zweite Kamera auf dem Boot und konzentriere mich wieder auf das Wrack. Die Buccaneer liegt auf ihrer Steuerbordseite und ist komplett zu überblicken. Am Wrack selbst sind schwarzen Korallen zu sehen, die zusammen mit dem übrigen, dichten Bewuchs ein eigenes kleines Riff auf der sonst kahlen Sandfläche bilden.

Bucaneer - Grenada
"Innenleben" der Bucaneer

Das kleine Wrack ist schnell erkundet und wir schwimmen wieder zurück zum Moliniere-Reef, wo uns eine große Loggerhead-Schildkröte erwartet, der wir eine ganze Weile nachschwimmen, bis ihr die Begleitung zu dumm wird und sie ins tiefe Wasser abdreht. Über die großen Korallenblöcke tauchen wir langsam zurück zum Boot und lassen den interessanten Tauchgang ausklingen.

Veronika

Wrack der Veronika - Grenada


Der nächste Tag bringt nur einen Tauchgang, dafür aber die langersehnte „Veronika“. Das Wrack des 50 Meter langen Küstenfrachters liegt in nur 15 Meter Tiefe vor dem Hafen der Hauptstadt aufrecht im Sand. Wir nehmen uns eine volle Stunde Zeit und erkunden das Wrack in aller Ruhe. Neben den Bilderbuch-Wrackansichten, die das Schiff im sonnedurchfluteten Wasser liefert, gibt es auch eine Unmenge an Fisch und Kleingetier zu beobachten. In jedem Loch, jeder Luke und in jeder Spalte hat sich ein Fisch oder ein Krebs häuslich eingerichtet und man weiß nicht wo man zuerst hinsehen soll, in dieser Orgie aus Licht, Farbe und Leben.




Fischsuppe an der Veronika und
Gegenlichtstudien des Wracks

Der letzte Tauchtag bringt uns zurück zur Bianca C. Nachdem wir das Wrack das letzte Mal nur überflogen haben und uns dabei einen Eindruck verschaffen konnten, haben wir diesmal einen genauen Plan, wie wir den Liner betauchen wollen. Der Abstieg bringt uns genau an das auf der Seite liegende Heck. Ich lasse mich am Schiffskörper vorbei fallen und schieße das erste Foto vom Heck und vom gewaltigen Ruder des Schiffes. Die Schrauben wurden leider kurz nach dem Untergang von einer Firma aus Trinidad geborgen und verschrottet. Es herrscht heute kaum Strömung uns wir schwimmen langsam über den umgestürzten Heckbereich Richtung Bug. Vorbei an leeren Bootsdavits, die wie Geisterhände ins dunkle Blau ragen, über den auf der Seite liegenden Schornstein und entlang diverser Aufbauten, die mehr oder minder intakt auf der Seite liegen.

Davit am Wrack der Bianca C - Grenada
dichtbewachsener Davit an der Bianca C

Beim Abbruch pausieren wir kurz und lassen das Bild auf uns wirken. Die Kräfte die gewirkt haben müssen, um das riesige Schiff zu zerbrechen kann man sich schwerlich vorstellen. Weiter vorne kommt die Stelle, an der sich die ursprüngliche Explosion ereignet hat und die Zerstörung des Wracks an die Stelle ist beinahe Total. Inmitten des Chaos aus verbogenem Metall und zerbrochenem Interieur liegt ein intaktes Bullauge und lässt meine Fantasie zurücktreiben in die Zeit als Passagiere durch das Glas geschaut haben, das jetzt nur noch den Korallen als Siedlungsplatz dient. Der vordere Mast kommt in Sicht, sowie die Bugaufbauten, die noch sehr gut erhalten sind. Danach erstreckt sich eine ebene Fläche bis zur Bugspitze und Bilder aus dem Film Titanic gehen mir durch den Kopf, und ich kann mir vorstellen wie der Bug des stolzen Schiffes einst das Meer durchpflügt hat. Nach einem letzten Foto des imposanten Bugs schwimmen wir zum Whibble Reef, wo wir bunte Fischschwärme beobachtend unsere Deko abhängen und diesen eindrucksvollen Tauchgang nochmals Revue passieren lassen.

Bianca C - Grenada
letzter Blick auf die Aufbauten der Bianca C

Der letzte Abstieg erfolgt in der sog. Flamingo Bay, einer kleinen Bucht im Grenada Marine Park. Angeblich gibt es an dem Tauchplatz immer wieder Seepferdchen zu sehen und so gehe ich, mit Makroobjektiv bewaffnet ins Wasser. Die Seepferdchen lasen sich empfehlen, dafür entschädigt das wahrhaft opulente Riff mit einer Unzahl an verschiedenen Fischen, Krebsen und Garnelen. Der Reichtum an Schwämmen und Korallen ist bei bisher keinem der Tauchgänge so eindrucksvoll gewesen. Wir starten an der Mooring in acht Meter Tiefe und schwimmen neben der langsam abfallenden Riffkante in die Tiefe. Im Sand neben dem Riff entdecken wir immer wieder große Skorpionsfische, die hier scheinbar eine regelrechte Versammlung abhalten. Mehrere Putzerstationen lassen mich auf die weiße Sandfläche neben dem Riff schwimmen, wo ich plötzlich eine ganze Kolonie von Sandalen entdecke. Das Riff ist an dieser Stelle zu einer richtigen Steilwand geworden und wir steigen an, mit schwarzen Korallen überladenen Überhängen vorbei, wieder höher. Das Riffdach ist üppig mit Weichkorallen bestanden und viele Lobster verstecken sich in den Löchern und Spalten des Riffs. Wir beenden den sicher besten Rifftauchgang der Reise nach etwas über sechzig Minuten und sind uns sicher, das dieser kaum zu toppen sein dürfte.

Riffpracht auf Grenada

Während wir unsere Tauchsachen zusammenpacken lasse ich mir noch erzählen, was wir verpasst haben. Zum einen wäre das Wrack der „King Mitch“ zu nennen. Das Wrack des ehemaligen Minenlegers liegt in 36 Meter Tiefe acht Meilen im Atlantik und leider hat es das Wetter während unseres Aufenthalts nicht erlaubt das Schiff zu betauchen.
Zu erwähnen wäre da auch noch „Kick ém Jenny“, ein Unterwasservulkan, der durch seine Arten- und Formenvielfalt einen bezaubernden Tauchplatz darstellen muss. Bei der Insel Isle de Rhonde gelegen, ist der Tauchplatz nur im Rahmen eines Tagesausflugs zu machen.






© 2005 - Achim R.Schlöffel



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Termine rund ums Tauchen findest Du in unserem Kalender. Ob Seminare, TV-Tipps, Messen - alles ist hier verzeichnet. Verschiedene Anzeigemöglichkeiten sind vorhanden, und natürlich kannst Du auch Deine eigenen Vorschläge in unseren Kalender integrieren!


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Forum Tauchunfälle

Auszug aus diesem Forum:


Tödlicher Tauchunfall in der Maggia (Schweiz)
vom 30.06.2008 : Am Samstagnachmittag ist eine 48-jährige Italienerin in der Maggia ertrunken. Es wird vermutet, dass sie bei einem ... [mehr]

Tödlicher Tauchunfall in Überlingen-
vom 23.06.2008 : Am Samstag 21.06.2008 , verstarb ein 36 jähriger nach einem Notaufstieg aus 30m nach vereistem Automat beim Baumarkt/Überlingen. ... [mehr]

07.05.2008 - TU im Kreis Bautzen
vom 13.06.2008 : Am 7.Juni kam es am späten Nachmittag in einem Steinbruchsee zwischen Pielitz (Kubschütz) und Schönberg (Cunewalde) zu einem ... [mehr]

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(30.11.2008) Wir flogen dieses Jahr im Oktober wieder mit Singapore Airlines nach Bali. Es ist einfach eine tolle Fluglinie. Nicht nur dass wir 10 kg Tauchgepäck frei hatten, wir wurden auch während des Fluges (mehr)

Condor
(24.11.2008) Liebe Tauchgemeinde, auch ich habe mich bezüglich der im September 2008 eingeführten Gebühr für Tauchgepäck bei Condor kundig gemacht. Vor einem Monat bei einem Ölpreis von fast 150US$ pro Barrel (mehr)

TuiFly
(24.11.2008) Liebe Tauchgemeinde, auch ich habe mich bezüglich der im August 2008 eingeführten Gebühr für Tauchgepäck bei TUIfly kundig gemacht. Vor einem Monat bei einem Ölpreis von fast 150US$ pro Barrel konnte (mehr)

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(20.06.2007) Das Königreich Thailand liegt in Südostasien und grenzt im Nordwesten mit seiner längsten Landgrenze von 1.800km an Burma, im Nordosten mit 1.754km an Laos, im Südwesten mit 803km an Kambodscha,im (mehr)

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