Tauchen auf Cuba
Ein Reisebericht von Karin Müller
Cuba facts
Die größte Insel der Antillen liegt direkt am Eingang des Golfes
von Mexiko. Im Norden ist sie nur 180 km von Florida entfernt, im Süden
140 km von Jamaika, 210 km von Yucatan, und im Osten gerade mal 77 km
von Haiti. Das immergrüne Eiland ist 1250 km lang, aber nur maximal 191 km
breit.
Alexander von Humboldt hat den Umriss der Insel mit einem Krokodil
verglichen, als Eidechse, grün und lang, besang sie der cubanische
Nationaldichter Nicolas Guillent. Ein Viertel des Landes ist gebirgig,
die höchste Bergkette erreicht knapp 2000 m.
Typisch karibisch: Ein Großer Barrakuda auf Neoprenfühlung
mit dem Taucher
Das gemäßigte subtropische Klima macht Cuba ganzjährig
zu einem beliebten Reiseziel. Das Klima gilt als "randtropisch wechselfeucht".
Das bedeutet: durchschnittliche Temperaturen im (europäischen) Sommer
von 30°C in Havanna, an anderen Orten der Insel noch höher. Im
Winter fallen die Temperaturen auf durchschnittlich 18 Grad (Rekord im
Flachland 7 °C, in den Bergen wird's noch frischer).
Die Luftfeuchtigkeit erreicht in der Regenzeit von Mai bis Oktober
82%, in den trockeneren "Wintermonaten", von November bis April, immerhin
noch 77%.
Die Sonne scheint über Cuba das ganze Jahr - im Juli und August
liegt der Niederschlag mit 1200 mm etwas über dem Jahresdurchschnitt.
Von Juni bis Oktober ist die hurrikangefährdete Zeit, die auch heftige
Überschwemmungen mit sich bringen kann. Die durchschnittliche Wassertemperatur
liegt bei 24-26 Grad.
Auch der Nassau-Zackenbarsch gehört zu den immer wieder
gesehenen Fischarten.
Cuba ist eine sozialistische Republik mit dem Präsidenten und "Maximo
leader" Fidel Castro seit ich-weiß-nicht-wann an der Macht. 2006
jährt sich auf Kuba der 50. Jahrestag der Revolution! Allerdings
hatte der Zerfall der Ostblockstaaten für das Land dramatische wirtschaftliche
Konsequenzen. Als größter Zuckerexporteur der Welt leidet Cuba
auch an den extrem niedrigen Weltmarktpreisen und an dem Embargo der
USA. Nunmehr gelangen hauptsächlich tropische Früchte und Zigarren
außer Landes. Inzwischen versucht die Regierung, die Wirtschaft
in kleinen Schritten zu modernisieren, zu privatisieren."Joint ventures"
sind immer mehr möglich. Davon profitieren Touristik-Unternehmen und Reisende.
Ein klassisches Panorama aus der Karibik:
Grunzer vor Steinkorallen und Gorgonien
Cuba bereisen
Kultur oder Tauchen? Cuba-Reisende haben's nicht leicht!
Kolonial-Flair pur in Havanna (Schuss aus dem Taxi), und ein markanter
Canyon im Riff
Wer nach Cuba fliegt, sollte viel Zeit und Geduld einplanen. Die
Einreise in Havanna kann sich schon mal über eine Stunde hinziehen.
Vor allem wenn drei Maschinen gleichzeitig ankommen/abfliegen. Dann ist
der Flughafen einfach überlastet. Auch kann es passieren, dass Tauchboote
mit Verspätung losfahren (wobei diese Verspätung meist durch
Behörden-Willkür verursacht wird).
Generell sollte sich also im Klaren sein, dass man in der Karibik ist,
und dort ticken die Uhren eben anders. Nichtzuletzt ist man im Urlaub
und hat eigentlich ganz viel Zeit - oder?
Die markante Oberfläche der Hirnkorallen wird von einzelnen,
langgezogenen Polypen geschaffen, die dann teilweise miteinander verschmelzen
Reiseplanung
Wer wie ich nach Cuba ausschließlich zum Tauchen will, sollte wissen,
dass sich die zwei Seiten der Insel über und unter Wasser stark unterscheiden.
Zum einen gibt es den atlantischen Part, die Außenseite, wo es häufig
stürmisch ist und die UW-Welt mich nicht zu begeistern vermochte. Auch
die großen All-Inclusive-Anlagen findet man hier (Varadero, Cayo
Coco etc.). Auf der karibische Hälfte locken dagegen wunderschöne
Tauchgänge. Ich habe mich mit all meinen Wünschen an Nautilus Tauchreisen
gewendet. Man hat mich gut beraten und eine Reise nach meinen Wünschen
zusammengestellt:
- 1 Woche Cayo Levisa
- 1 Woche Maria La Gorda
- 1 Woche Playa Giron
Noch'n Zacki und schon wieder Langusten. Was für's Auge
gibt's auf Cuba allemal.
Cayo Levisa (Atlantik-Seite)
Das wichtigste vorab: Hier haben mir die Tauchgänge nicht so
gut gefallen. Die Insel selbst ist aber gut zum Relaxen geeignet.
Hotel
Die neuen Bungalows sind sehr schön, dafür ist das Menü
im Restaurant nicht sehr abwechslungsreich. Allerdings kamen wir in den
Genuß von sehr schmackhaft zubereitetem Fisch. Die Belegschaft war
nicht immer freundlich und hilfsbereit.
Beach
Der Strand hier ist eine Klasse für sich, und man findet immer ein
stilles Plätzchen nur für sich.
Blick nach oben: Miniquallen, Blick nach unten: Röhrenaale!
Details zu den Tierchen übrigens im Bioforum bzw. hier!
Tauchbasis
Sie befindet sich direkt an der Anlegestelle. Zwei Boote, eines wird auch als
Hotelfähre verwendet.
Eine Spinnenkrabbe auf buntem Bewuchs
Diveguides
Ich war mit zwei Diveguides unterwegs. Beide waren leider nur wenig
motiviert. Vielleicht würde sich das ändern, wenn mehr Taucher
nach Cayo Levisa kämen?
Bootscrew
Kapitän und Koch waren sehr nett und hilfsbereit. Für den
Eigenverbrauch holt sich die Crew ab und zu Barrakudas und Langusten aus
dem Meer. Meinem Buddy und mir wurde Barrakuda direkt frisch auf dem Boot
zubereitet (lecker, lecker!).
Der Husarenfisch ist ein nachtaktiver Planktonjäger.
Tauchplätze
Die Tauchplätze der morgendlichen Ausfahrten haben mich nicht überzeugt.
Mittags war man meistens an ein- und demselben Riff. Dort begegneten wir regelmäßig
zwei Barrakudas und einem großen Zackenbarsch. Ansonsten sieht man Muränen, Langusten
ohne Ende, Rochen, Korallen und viele kleine bunte Fische.
Viele bunte Fische: Hier ein junger Tüpfelritter!
Playa Giron (Karibik-Seite)
Nicht ganz so schön wie Maria La Gorda (siehe unten), aber auch
empfehlenswert, besonders für Nicht-Taucher.
Hotel
Das Hotel besteht aus einem zentralen Teil mit Pool, Strand, Restaurant, Rezeption,
Bars, Shop und Tauchbasis. Weit verteilt dagegen liegen die Bungalows. Diese sind
einfach, aber zweckmäßig eingerichtet. Nur Schade, dass überall sehr viel Müll
herumliegt. Auch war das Personal leider nur teilweise freundlich und hilfsbereit.
Das Hotel wurde zwei Tage nach meiner Abfahrt für Reparaturarbeiten geschlossen.
Strand
Leider mit Blick auf einen Wellenbrecher, der gebaut wurde, damit die Gäste
in ruhigem Wasser baden können.
Tauchbasis
Die Tauchbasis liegt direkt hinter der All-Inclusive-Bar. Leider fanden
wir sie nicht immer besetzt vor (die Basis).
Eine junge Fleckenmuräne guckt aus ihrem Unterschlupf
Diveguides
Hier gab es für mich die nettesten Diveguides von ganz Cuba. Sie
haben wirklich alles für mich getan. Ich war mehrfach nur zu zweit mit
ihnen unterwegs.
Tauchplätze
In Playa Giron gibt es (noch) keine Tauchboote, man plant allerdings den
Kauf eines Bootes für ca. 20 Personen. Wir wurden im April 2005 noch per Bus
zu den Einstiegsstellen am Strand gebracht. Die Tauchplätze sind akzeptabel,
doch nicht so schön wie in Maria La Gorda. Ein Hurrikan in 2001 hat einige
Tauchplätze in Mitleidenschaft gezogen. Man kann aber Rifftunnels, Höhlen
und ein paar Wracks erkunden. Im Hinterland sind mehrere Kalkhöhlen-Systeme
(Cenoten) betauchbar. Leider wurden die Leitern zu den Eingängen gestohlen
und deswegen hat die Basis nur super-fitte Taucher mitgenommen!
Noch mal typisch karibisch: Grunzer vor Hornkorallen
Maria La Gorda (Karibik-Seite)
Dies war das cubanische Highlight für mich: ein Taucherparadies!
Aber auch Schnorchler sind hier bestens bedient, da das Riff fast unmittelbar
am Strand beginnt.
Hotel
Das Hotel ist sehr einfach ausgestattet, aber "es reicht zum Übernachten"
(die Treppe zu den oberen Zimmern sieht leicht abenteuerlich aus!). Die
Klimaanlage im Zimmer ist geräuschvoll, man kann sie problemlos abstellen.
Im Buffet-Restaurant werden abends leckere Speisen zubereitet, mittags
genießt man ein schnelles Sandwich an der Bar. Das Personal hier
war sehr freundlich und hilfsbereit.
Vielleicht gibt es wenig Luxus auf Cuba, aber Natur zu Hauf'!
Strand
Der Strand ist karibisch schön! Doch Vorsicht unter den Kokospalmen:
Die Nüsse werden nicht immer entfernt!
Der Strand von Maria La Gorda
Tauchbasis
Die Tauchbasis war fast immer besetzt. Zwei große Boote sind
vorhanden.Vor der Tauchbasis gibt es Aufbewahrungsmöglichkeiten für
das Equipment.
Ein Trompetenfisch versteckt sich in einer Seepeitsche (Hornkorallen)
Diveguides / Crew
Ich war in Maria La Gorda mit mehreren Diveguides unterwegs: sie waren
immer nett und freundlich, die Boots-Crew ebenso.
Tauchplätze
Man findet Dropoffs, Tunnels, Höhlen und reichlich Plätze
für easy dives mit "viel Fisch". Langweilig wurde mir nie, es war
einfach herrlich! Gesehen habe ich ein dutzend Trompetenfische, einen kleinen
Hai, eine Schildkröte, Barrakudas, Langusten, Thunfische und vieles
vieles mehr.
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Allgemeine Empfehlungen
Als Tauchbeginner ist man auf Cuba nicht gut aufgehoben.
Allerdings interessieren Brevets oder Logbücher kaum
jemanden. Es wird sehr eigenverantwortlich getaucht. Tiefenlimits
gibt es keine. Wenn man mal auf 40 m unterwegs war, protestiert
keiner. Manche Diveguides checken die Rest-Luft ihrer
Schutzbefohlenen, andere gar nicht oder nicht immer. Tauchzeitbegrenzung
gab es nur in in Cayo Levisa (40 min).
Mir persönlich hat dieses "freie" Tauchen sehr zugesagt,
aber ich habe auch mit vielen Buddies gesprochen, die gänzlich
anderer Meinung waren!
Cubaner
Aus gegebenem Anlaß habe ich mich vor meiner Reise erkundigt,
wie sicher Cuba für eine allein reisende Frau ist. Auskunft: das Land gilt als pretty safe, da es sehr hohe Gefängnisstrafen für Vergewaltigungen
gibt.
In der Praxis flirten die Cubaner, was das Zeug hält und
man wird von ihnen "auf Händen getragen". Wenn man
das nicht will, ist es das das Beste, sie zu ignorieren.
Das tun die Cubanerinnen auch.
Von den einheimischen Diveguides wurde ich servicmeäßig verwöhnt
ohne Ende. Das ist man als Kunde auf deutschen Basen gar nicht
gewöhnt . Und
trotz oder gerade wegen mehrfacher Liebeserklärungen von (verdammt
attraktiven) Männern habe ich mich immer sicher aufgehoben gefühlt.

Bücher
Empfehlen kann ich das Buch "Kulturschock Cuba". Ein kleiner Reiseführer
ist obligatorisch.
Sprache
Es ist von großem Vorteil, wenn man Englisch und etwas Spanisch
sprechen kann. Mit Deutsch allein kommt man nicht weit.
Der Venusfächer ist eine Charakter-Gorgonie
der Karibik
Reisegepäck
Mitnehmen sollte man einen guten Sonnen- und Mückenschutz, Shampoo, Duschgel,
Hygiene-Artikel, Badesachen, Tauchequipment (allerdings gab es überall
gute Leihausrüstungen), Kopfbedeckung, viele T-Shirts und Shorts,
für den Abend etwas Wärmeres zum Anziehen (besonders im Winter),
Kamera, Kreditkarten für größere Hotels (AmEx und US-Dollars werden
nicht akzeptiert!) und viel gute Laune!
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Cuba, ich komme wieder!
Mehr Bilder findet ihr auf der Homepage von Karin.
© 2005 by Karin Müller und TN-Redaktion
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