München 30.06.2005
Auf geht’s, zum lustigen Erlebniskauf beim neuen Tauchsportausrüster.
„Dive-Equipment“: Das erste Mal überhaupt in der Firmengeschichte,
dass Lidl in einer Fachzeitschrift (tauchen) für seine Produkte geworben
hat - bei über 5000 Filialen in Europa wird in den nächsten Wochen
also mal dem „Konsument Taucher“ gehuldigt.
Was direkt auffällt: In den verschiedenen Bundesländern und
auch im Ausland sind für die gleichen Produkte unterschiedliche Preise
ausgewiesen. Warum? Vermutlich eine Kalkulation nach der örtlichen
„Kaufkraft“..
Donnerstag, 7.15 Uhr, Landsbergerstr. 380, München
wir sind die Ersten, unser Einkaufswagen steht schon in der Pole-Position.
Der Parkplatz noch verwaist.
8.30 Uhr, es bildet sich eine kleine Schlange, die kontinuierlich länger
wurde. Nur einer hier stand für eine Aluliege vom Angebot in der Schlange.
Eine schnelle Umfrage unter der schnäppchenjagenden Tauchgemeinde
ergibt:
Fast jeder will sich einen Tauchanzug, Schuhe und Handschuhe sichern und
auch das Kleinzeug begutachten und mitnehmen. Einige kamen nur wegen der
Tauchermaske und der kleinen LED-Lampe. Großes Interesse herrschte
auch an den angebotenen Geräteflossen, die Stimmung unter der wartenden
Gemeinde war positiv-euphorisch, kostet doch der vergleichbare Artikel im
Fachhandel um die 75.- Euro.
Alle Anwesenden waren übrigens der einhelligen Meinung, dass das Lidl-Angebot
weniger dem Tauchsportfachhandel als den Billigheimern aus dem Internet
schadet, ferner war es für die Wartenden selbstverständlich, dass
sie bei dem günstigen Preis Qualitätsabstriche hinnehmen müssen.
In den großen Schachteln sind der 5mm Neopren-Overall mit einem Shorty
zum kombinieren und einer Kopfhaube. Es wurde einfach eingepackt, probiert
hat ihn keiner der anwesenden. Fachpersonal wurde nicht vermisst, natürlich
auch keines gesehen.
Positiv: In der besuchten Filiale waren alle Artikel in ausreichender Anzahl
verfügbar, die Kunden halfen sich sogar gegenseitig bei der Größensuche.
Schnorchelsets, Bücher und CD`s waren augenscheinlich nicht der Renner,
der Platz dort wurde zum parken der Einkaufswagen genutzt.
Auf dem Förderband vor der Kasse traf sich die Tauchgemeinde nach
erfolgreicher Auswahl wieder zum geselligen Miteinander...
Das verkaufte Sortiment:
Die Lampe macht auf den ersten Blick einen stabilen Eindruck. 4 Batterien
(AA) sind, ebenso wie zwei Tuben Silikon, in der Verkaufseinheit enthalten.
145mm ist die Lampe lang und liegt außerdem sehr gut in der Hand,
ein O-Ring ist für den Wasserstopp zuständig. CE-Kennzeichnung?
Muss wohl bei der Herstellung vergessen worden sein.....
Einige Leser haben uns mittlerweile Fotos von der Rückseite der Lampe
gesendet. Erstaunlicherweise waren auf einigen davon auch CE Zeichen eingelassen.
Diese Sortimentsmischung ist uns auf jeden Fall ein Rätsel.
Am Sonntag werden wir die Lampe mit in die Tiefe nehmen und einem intensiven
Praxistest unterziehen - hält sie dicht, ist sie für den Preis
eine echte Empfehlung. Siehe hierzu auch die Ergänzung am Ende des Berichts.
Das praktisch verschließbare Sammelnetz aus strapazierfähigem
Polyester-Garn gehört dagegen in die Rubrik „Dinge, die die Welt
nicht braucht“. Für die bisher umweltbewussten Taucher, die nichts
mit dem Beutel anfangen können, hilft das Bild auf dem Karton: eine
„Entscheidungshilfe, was man unbedingt unter Wasser einpacken sollte“.
Wer es jetzt immer noch nicht verstanden hat, sollte einen näheren Blick
auf das plakative Abbild mit der papageienfarbigen Taucherin mit Quattroantrieb
werfen.....
Das Tauchmesser (Klinge angeblich aus Stahl), distributed by Lidl Stiftung&Co.KG,
74167 Neckarsulm. Weder auf der Verpackung noch auf dem Messer ein CE-Zeichen,
scheint hier auch keiner drauf zu achten. Von „Rostfrei“ steht dummer Weise
auch nichts da - hier wird die Praxis zeigen, ob das Messer preiswert oder
„billig“ ist! Der Griff liegt gut in der Hand, die Klinge ist ohne jegliche
störende Gravur und Schärfe. Wen es interessiert: Die Klingenlänge
beträgt genau 140mm, der Griff ist 125mm lang. Wir rätseln noch
für was das längliche Loch im Messer gedacht ist. In der mageren
Beschreibung steht nichts, sollte es zur Gewichtsreduzierung eingefräst
sein? Zum Flaschenöffnen ist es jedenfalls (leider) nicht geeignet.
Zwischen Heft und Plastikgriff ist ein Spalt
Ergänzung 08.07.05: Durch einen aufmerksamen Leser konnte die Frage
der länglichen Öffnung geklärt werden. Diese wird zum Öffnen
von Schekel benutzt, etwas dass jedem Segler bzw. Seemann klar sein sollte
- nur wir sind ja Taucher. Danke an Simon für die Aufklärung.
Die Dive und Surf Füßlinge der Bevaform GmbH A-5071 Wals, ebenfalls
auch ohne das scheinbar optisch störende CE-Zeichen, sehen für
den Preis recht brauchbar aus. Sogar mit dem Material wurde großzügig
umgegangen, in die Größe 46 passt locker ein Fuß der Größe
48 rein. Geschmeidig und weich (4,9mm Neopren) sind sie, dazu noch mit einer
Frottee-Innenbeschichtung sowie einer „Non-slip-Profil“-Sohle, allerdings
reichlich dünn, versehen.
Die Wasserlasche macht einen recht einfachen Eindruck und wird vermutlich
bei härterem Einsatz recht schnell ihre Funktion verlieren.
Wenden wir uns den „Handschuhen für den Tauchsport“ der Kern &
Kuhn GmbH, 76761 Rülzheim, zu: Aus 3mm Neopren hergestellt, dazu anatomisch
vorgeformt, die Innenhand und die Finger extra mit Kevlar verstärkt
und auf 30 Grad waschbar. So weit, so gut, nur die Finger sind viel zu kurz.
In der Gebrauchsanweisung sind die Eigenschaften aufgeführt 1. Wasser-
und Schmutzabweisend, 2. Frostbeständig bis -25 Grad, 3. Verschleißfest,
4. Reißfest, 5. Bewegungsfreiheit. Alles natürlich - sie ahnen
es schon - ohne …
Fazit
Was bringt dem Taucher also das Lidl-Angebot? Dem Anfänger eine Grundausstattung
zum einmalig günstigen Preis mit beschränkter Haltedauer. Dem
Fachhandel vielleicht neue Kunden. Dem erfahrenen Taucher eine preiswerte
Back-Up Lampe, ein Messer, dem man bei Verlust nicht unbedingt hinterher
tauchen muss, sowie recht brauchbare Füßlinge und Handschuhe
für Leute mit großen Füssen und zu kurzen Fingern!
Konkurrenz macht Lidl damit nur den Billiganbietern, die auch bisher schon
Waren lediglich über den Preis verkaufen wollten. Der Fachhandel -
sofern er sich auf das „Fach“ in seinem Namen besinnt - wird davon unberührt
bleiben!
Die vorgenannten Umfrage führt Taucher.Net in Kooperation mit der Zeitschrift
Tauchen durch.
Praxistest Tauchlampe
Sonntag, 03.07.2005
Nachdem wir die Lampe von dem überaus sperrigen und stabilem Plastik
befreit haben, die Batterien lt. innen liegender Zeichnung (was auch bei
teuren Lampen nicht immer selbstverständlich ist) eingesetzt, wurde
der O-Ring mit Silikon bestrichen und wieder zusammengebaut.
So stand dem großen Test der Tauchtauglichkeit nichts mehr im Wege.
Das Wasser war lichtdurchflutet, aber durch die Regenfälle etwas trübe.
Unsere normalen Tauchlampen schnitten bei 30m einen guten Lichtkegel in die
Dämmerung, der Lidl-Strahler gab dagegen nur einen leichten bläulichen
Schein von sich.
So tauchten wir tiefer und bei 40m nahm man jetzt einen kleinen Lichtkegel
wahr, der sich aber gleich nach 1m auflöste. Weiter unten auf 50m, konnte
man nahe Objekte gut beleuchten und wurde durch das Licht auch von den Tauchpartnern
gesehen. Die Dichtigkeit war auch bei dieser Tiefe noch vorhanden.
Fazit
Das Lämpchen ist für einen normalen Tauchgang in unseren Gewässern
nicht der Hit, da gibt es kleine Lampen mit einem wesentlich besseren Lichtkegel.
Das Lidl-Licht kann nur als kleine Reservelampe bei einem Nachttauchgang
oder in einem Wrack nützlich sein, wenn man keine allzugroßen
Ansprüche stellt und primär Wert auf die Lebensdauer legt.
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