Nichts wie weg... Kreta als Kurztrip

 Geschrieben von Michael Böhm

Nichts wie weg... Kreta als Kurztrip

Ostern in Deutschland - meist noch kalt. Der Urlaubssuchende, der diese Kälte nicht im Schnee der Berge mit Skifahren verbringt, flüchtet. Der Süden Europas verspricht kurze Flugzeiten und ermöglicht es, selbst einen Kurztrip von einer Woche mit Tauchen und Erholung zu versüßen. Wenn dann noch etwas Kultur im Programm stehen soll, für den ist Kreta ein lukratives Ziel…

Kreta - Natur
Kreta - eine Symbiose aus mediterraner Natur & Kultur:

Osterfest auf Kreta
Eine religiös-kulturelles "Schmankerl" erlebt der Gast an Ostern,
dem höchsten, kirchlichen Fest der Griechen!


Kreta

Fünftgrößte Insel im Mittelmeer, gelegen im östlichen Becken zwischen Europa, Asien und Afrika. Rund 8300 km² verteilen sich auf eine Länge von gut 250 km und eine Breite zwischen 12 und 61 km. Kreta ist eine Insel der Gegensätze: Dominiert von Gebirgen mit Höhen über 2400 m, eingebettet in mediterranem Klima und umrahmt vom "mare nostrum". Palmen gehören ebenso zum Anblick, den die Natur bietet, wie Schnee auf den Gipfeln des Ida-Gebirges.

Ida Gebirge - Kreta
Ein Blick ins "oros idi", das schneebedeckte Ida-Gebirge

Kretas "menschliche" Geschichte reicht zurück in das Neolithikum (Jungsteinzeit), rund 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Diese Zeit war gekennzeichnet von Landbearbeitung, Tierhaltung und -zähmung bis hin zur Produktion. Dieser Zeit folgte die Bronzekultur, präziser ausgedrückt, die minoische Kultur. Dieser Begriff wurde geprägt von Arthur Evans, einem englischen Archäologen und Ausgräber des weltberühmten "Palastes von Knossos" bei Heraklion. Der Name der Kultur ist abgeleitet vom Namen des mythischen Königs Minos von Kreta. Die minoische Kultur überdauerte stolze 1500 Jahre - etwa von 2600 bis 1000 vor Chr. Ihre Blütezeit jedoch fiel in das 18. bis 16. Jahrhunderts v. Chr. Übrigens: Erst seit 1912 ist Kreta eine griechische Insel.


Der Palast von Knossos

Die minoische Epoche gliedert sich in verschiedene Perioden, von der Vor-Palastzeit über die Ältere-, Neuere- und Nach- Palastzeit bis zur Subminoischen Periode. Kennzeichnend für uns sind die "Überreste" der Kultur. Der Palast von Knossos, dessen Ausgrabungen etwa um 1900 begannen, besteht im Grunde aus einer Vielzahl von Kulturschichten, kurz gesagt: Ein Palast wurde über den anderen gebaut, oft mit den Materialien des alten Bauwerks.

Palast von Knossos - Kreta
Der Knossos-Palast, wie er einst ausgesehen haben könnte…

Palast von Knossos - heute
...und heute aussieht.

Dem Touristen zur Veranschaulichung, dem Archäologen zum Gräuel setzte Arthur Evans auf Erhaltung und Restaurierung - leider auch mit "fremden" Materialien wie Stahlbeton. Holzverbindungen färbte er gelb ein - heute wurde die Farbe zumindest der Farbe des Holzes nachempfunden. Und so zeigt sich der Palast von Knossos dem Betrachter in bunten Farben und in Teilen anschaulich rekonstruiert, so dass ein nachvollziehbarer Eindruck der Palaststadt entsteht.

Palast von Knossos heute - Kreta Palats von Knossos heute - Kreta
Oben: Holz ist nicht Holz, auch wenn es so aussieht
Unten: Stumme Zeugen der Vergangenheit: Amphoren


Tauchen auf Kreta ist Tauchen in Griechenland

Zunächst sieht sich der Taucher auf Kreta einmal der generellen Aussage konfrontiert, die ihm sofort heimische Gewässer in Erinnerung rufen: Tauchen ist überall verboten, wo es nicht ausnahmsweise erlaubt ist! Die Drohung mit strengen Kontrollen der (Wasserschutz-)Polizei verstärkt diesen Eindruck. Grund für diese restriktive Haltung ist die Archäologie, ein hehres Ziel, möchte man glauben. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache. Ist man in der richtigen Tauchbasis und hat diese Basis ein Boot, so sieht die Sachlage anders aus.

Tauchen auf Kreta
Der Stein des Anstoßes: Amphoren und
andere Kulturgüter unter Wasser

Und hier ein bisschen Werbung in eigener Sache: Ist die Basis nicht in der Datenbank von Taucher.Net, so hat es auch ein Reporter von Taucher.Net schwer, sich vorab über die örtlichen Tauchgegebenheiten zu informieren. Aber zum Glück gibt es ja noch die Taucher.Net-Linkdatenbank...


Die Mononaftis-Bucht bei Fodele

Eine idyllische Bucht unterhalb eines kleinen Ortes mit einer Basis in einer ehemaligen Taverne verspricht auf den ersten Eindruck schöne Tauchgänge. Dieser Eindruck blieb bis zur Frage nach den Tauchplätzen. Denn die Antwort lautete "Da!" und der Blick, der dem ausgesteckten Arm folgte, endete in der idyllischen Bucht. "Ein Boot? Ja, haben wir schon, aber das ist kaputt....". Und die Vermutung in Richtung Landtauchgänge wurde dann von der Realität bestätigt. Das Boot lag übrigens hinter der Basis, machte aber nicht den Eindruck, erst seit Kurzem defekt zu sein. In späteren Gesprächen mit dem Basisbetreiber ergaben sich dann Argumente wie "Archäologie..., verboten..., Polizei... etc.". Kurz und gut - es blieb bei Landtauchgängen*.

Mononaftis-Bay Kreta
Die Mononaftis-Bay

Tiefen im Bereich von 15 - 30 m sind die Regel. Wer tiefer will, muss weiter hinaus "paddeln" :-)
Der Boden besteht überwiegend aus Fels und Stein und ist toll bewachsen. Die Wassertemperatur im April betrug rund 17 Grad C - ein Halbtrockenanzug war angemessen.

Schriftbarsch - Kreta
Ein typischer Bewohner des Mittelmeeres:
Der Schriftbarsch (serranus scriba)

Flora & Fauna sind mittelmeertypisch… und leider mittlerweile ähnlich geschädigt wie im übrigen Mittelmeerraum. Diesen Eindruck gewinnt man auf den ersten Blick. Aber bei näherer Betrachtung boten die Tauchplätze doch ein Plus. Dem versierten Taucher boten sich gewisse Highlights wie das Tritonshorn und Bärenkrebse. Eine Lampe und ein Blick in Höhlen und Öffnungen bringen zuweilen "Schätze" der Unterwasserwelt zum Vorschein. Und Landtauchgänge bieten noch einen Vorteil: Zeit. Überwiegend flache Tauchgänge geben Gelegenheit zum Blick fürs Detail.

Großer Bärenkrebs - Kreta
Eine Rarität aufgrund Überfischung:
Großer Bärenkrebs (Scyllarides latus)

Trotz dieser möglicherweise ernüchternden Fakten: Das Mittelmeer ist ein Meer für Kenner. Im Vergleich zu tropischen Meeren wird man sicher nicht auf den ersten Blick von Farben, Vielfalt und Formen "erschlagen". Der eigentliche Reiz steckt im Verborgenen und muss taucherisch "erarbeitet" werden. Und so hat im "mare nostrum" auch die Tiefe ihre mystische Kraft.

Antiker Anker - Tauchen Kreta
...ein antiker Anker in knapp 40 m Tiefe!

Nacktschnecke - Tauchen Kreta
Auch Nacktschnecken in verschiedensten Farben
stehen auf dem Programm - man muss sie nur finden...

Mittelmeer Muräne - Tauchen Kreta
Versteckter Bewohner - eine Mittelmeer-Muräne (muraena helena).

grandiose Sichtweite - Tauchen auf Kreta
Grandiose Sichtweiten bei 17 Grad

Die Tauchbasis in der Mononaftis-Bay

Das "Stay Wet Diving Center" wird betrieben von Maxime Fougeirol und Cornelia Fojtl - einem gut englisch-sprechenden Franzosen und einer Österreicherin. Der Webauftritt ist unter www.staywet.gr einzusehen. Hier mag widersprüchlich erscheinen, dass Bootstouren angeboten werden, was zumindest im April 2004 definitiv nicht der Fall war und laut Maxime nicht in Aussicht stand.

Taverne auf Kreta
Gemütliches Ambiente in einer ehemaligen Taverne

Die Basis bietet alles Notwendige - Warmwasserduschen, Umkleiden, Ablagemöglichkeiten für persönliche Dinge, ein Spülbecken für die Ausrüstung, Möglichkeiten zum Aufhängen... Mailkontakt und Service sind sehr nett.

Österreichisches Schild in der Tauchschule Stay Wet - Kreta
Der österreichische "Einschlag" ist nicht zu verheimlichen!


Tauchschule Stay Wet - Kreta
Hier werden sie empfangen!

Für Newbies bietet "Stay Wet" auch Schnuppertauchen im Pool des Hotels "Fodele Beach" an. Dort unterhält die Basis in der Hochsaison auch ein Büro.


El Greco & Fodele

Eine Bucht "weiter" schließt sich die Fodele-Bucht an. Der Ort Fodele ist etwa 5 km von der Küstenlinie entfernt im Landesinneren. Er ist bekannt für sein "El Greco-Museum". Später bekannt unter dem Namen "El Greco" wurde Domenikos Theotokopoulos im Jahre 1541 auf Kreta geboren. Der Maler reist schon früh nach Spanien und wurde dort als "Der Grieche" (spanisch: "El Greco") zu einem der bedeutendendsten Künstler Europas, wenn nicht gar weltweit. Vom byzantischen Ikonenmaler bis hin zu seinem ihm eigenen expressionistischen Stil griff er weit über die malerischen Möglichkeiten der damaligen Zeit hinaus. Die Zeit Grecos war geprägt von großartigen Künstlern: Caravaggio, Bernini, Quiroga, Velázquez, Tintoretto bis hin zu Michelangelo. El Greco starb im Jahre 1614 in Toledo/Spanien, dem damaligen Sitz des spanischen Hofes.

El Greco der kretische Spanier
El Greco - der kretische Spanier

El Greco wurde zum Vorreiter der expressionistischen Malerei der Neuzeit. Weltweit sind seine Werke in Museen wie dem "Museo del Prado" in Madrid, der "National Gallery" in Washington und London sowie dem "Metropolitan Museum of Art" in New York zu betrachten.

Natur auf Kreta kleine Landkirche auf Kreta Kretische Landschaft
Natur, Kultur und Ursprünglichkeit liegen in Kreta eng beieinander.

Der Ort ist eingebettet in eine ursprüngliche, kretische Landschaft; kleine Kirchen und Kapellen, die sich abwechseln mit Olivenhainen und intensiv duftenden Plantagen mit Zitrusfrüchten...


Das Hotel "Fodele Beach"

Panorama der Fodele Bucht
Ein Rundblick vom Hotel über die Fodele-Bucht

Die gepflegte Hotelanlage ist in Hanglage erbaut und bietet in Topzeiten rund 1000 Gästen Platz. Da sich die Wohngebäude den Berg hinauf schlängeln, ist die Anlage nichts für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind. Und genauso verhält es sich mit der Tauchausrüstung. Bleibt diese nicht in der Basis, wird der Transport zu einem Martyrium. Eine kleine Bimmelbahn bedient zwar die Hauptstrecke vom Eingangsplatz zum höchsten Punkt der Anlage, aber…

Ansonsten bietet das Hotel-Team alles, um dem Gast die Langeweile zu nehmen: Bogenschießen, Wassersport, Fitness, Wellness, Tennis, Surfen usw. Kulinarisch wird man ganztägig an Buffets verwöhnt. Diverse Bars, auch direkt am Pool ermöglichen dem in der kretischen Sonne ausgezehrten Taucher-Body (und natürlich auch dem Buddy), "wichtige Vitamine" nachzufassen :-)

Hotel Fodele Beach - Kreta Hotel Fodele Beach - Kreta
Schnuppertauchen im Hotelpool - wird auch für Kinder im entsprechenden Alter angeboten

Wie bereits erwähnt: Ohne Shuttle-Service führt kein weg zum Tauchen. Rund 10 km Fahrtstrecke von der Basis zum Hotel, noch dazu bergauf/bergab, sind selbst hartgesottensten "Tauchradlern" zu viel.

Hanglage des Hotels Fodele Beach - Kreta
Das Hotel liegt am Hang -
Kreta ist ein Bergland.

Infos zum Hotel finden sich im Internet unter http://www.fodelebeach.gr/ger/about.htm.


© 2005 - Michael Böhm
Fotos © 2004 - Michael Böhm

*Anm. des Verfassers: Gegen Landtauchgänge spricht nichts, außer wenn die Preise für diese Tauchgänge denen eines Bootstauchganges entsprechen. Im April 2004 kosteten sechs begleitete (Land)Tauchgänge (Flasche, Blei, sonst eigene Ausrüstung) 140,- Euro - als vergünstigter Internetbuchungspreis. Ohne Begleitung ging´s leider nicht… dafür war die Abholung im Hotel inklusive.


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