Nichts wie weg... Kreta als Kurztrip
Ostern in Deutschland - meist noch kalt. Der Urlaubssuchende,
der diese Kälte nicht im Schnee der Berge mit Skifahren verbringt,
flüchtet. Der Süden Europas verspricht kurze Flugzeiten und
ermöglicht es, selbst einen Kurztrip von einer Woche mit Tauchen
und Erholung zu versüßen. Wenn dann noch etwas Kultur im Programm
stehen soll, für den ist Kreta ein lukratives Ziel…
Kreta - eine Symbiose aus mediterraner
Natur & Kultur:
Eine religiös-kulturelles "Schmankerl"
erlebt der Gast an Ostern,
dem höchsten, kirchlichen
Fest der Griechen!
Kreta
Fünftgrößte Insel im Mittelmeer,
gelegen im östlichen Becken zwischen Europa, Asien und Afrika.
Rund 8300 km² verteilen sich auf eine Länge von gut 250 km
und eine Breite zwischen 12 und 61 km. Kreta ist eine Insel der Gegensätze:
Dominiert von Gebirgen mit Höhen über 2400 m, eingebettet in
mediterranem Klima und umrahmt vom "mare nostrum". Palmen gehören
ebenso zum Anblick, den die Natur bietet, wie Schnee auf den Gipfeln
des Ida-Gebirges.
Ein Blick ins "oros idi", das schneebedeckte Ida-Gebirge
Kretas "menschliche" Geschichte reicht zurück
in das Neolithikum (Jungsteinzeit), rund 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.
Diese Zeit war gekennzeichnet von Landbearbeitung, Tierhaltung und -zähmung
bis hin zur Produktion. Dieser Zeit folgte die Bronzekultur, präziser
ausgedrückt, die minoische Kultur. Dieser Begriff wurde geprägt
von Arthur Evans, einem englischen Archäologen und Ausgräber
des weltberühmten "Palastes von Knossos" bei Heraklion. Der Name
der Kultur ist abgeleitet vom Namen des mythischen Königs Minos von
Kreta. Die minoische Kultur überdauerte stolze 1500 Jahre - etwa
von 2600 bis 1000 vor Chr. Ihre Blütezeit jedoch fiel in das 18.
bis 16. Jahrhunderts v. Chr. Übrigens: Erst seit 1912 ist Kreta eine
griechische Insel.
Der Palast von Knossos
Die minoische Epoche gliedert sich in verschiedene
Perioden, von der Vor-Palastzeit über die Ältere-, Neuere- und
Nach- Palastzeit bis zur Subminoischen Periode. Kennzeichnend für uns
sind die "Überreste" der Kultur. Der Palast von Knossos, dessen
Ausgrabungen etwa um 1900 begannen, besteht im Grunde aus einer Vielzahl
von Kulturschichten, kurz gesagt: Ein Palast wurde über den anderen
gebaut, oft mit den Materialien des alten Bauwerks.
Der Knossos-Palast, wie er einst ausgesehen haben könnte…
...und heute aussieht.
Dem Touristen zur Veranschaulichung, dem Archäologen zum Gräuel
setzte Arthur Evans auf Erhaltung und Restaurierung - leider auch mit
"fremden" Materialien wie Stahlbeton. Holzverbindungen färbte er
gelb ein - heute wurde die Farbe zumindest der Farbe des Holzes nachempfunden.
Und so zeigt sich der Palast von Knossos dem Betrachter in bunten Farben
und in Teilen anschaulich rekonstruiert, so dass ein nachvollziehbarer
Eindruck der Palaststadt entsteht.
Oben: Holz ist nicht Holz, auch wenn es so aussieht
Unten: Stumme Zeugen der Vergangenheit: Amphoren
Tauchen auf Kreta ist Tauchen in Griechenland
Zunächst sieht sich der Taucher auf Kreta
einmal der generellen Aussage konfrontiert, die ihm sofort heimische
Gewässer in Erinnerung rufen: Tauchen ist überall verboten,
wo es nicht ausnahmsweise erlaubt ist! Die Drohung mit strengen Kontrollen
der (Wasserschutz-)Polizei verstärkt diesen Eindruck. Grund für
diese restriktive Haltung ist die Archäologie, ein hehres Ziel,
möchte man glauben. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache.
Ist man in der richtigen Tauchbasis und hat diese Basis ein Boot, so
sieht die Sachlage anders aus.
Der Stein des Anstoßes: Amphoren
und
andere Kulturgüter unter Wasser
Und hier ein bisschen Werbung in eigener Sache:
Ist die Basis nicht in der Datenbank
von Taucher.Net, so hat es auch ein Reporter von Taucher.Net schwer,
sich vorab über die örtlichen Tauchgegebenheiten zu informieren.
Aber zum Glück gibt es ja noch die Taucher.Net-Linkdatenbank...
Die Mononaftis-Bucht bei Fodele
Eine idyllische Bucht unterhalb eines kleinen Ortes
mit einer Basis in einer ehemaligen Taverne verspricht auf den ersten
Eindruck schöne Tauchgänge. Dieser Eindruck blieb bis zur
Frage nach den Tauchplätzen. Denn die Antwort lautete "Da!" und
der Blick, der dem ausgesteckten Arm folgte, endete in der idyllischen
Bucht. "Ein Boot? Ja, haben wir schon, aber das ist kaputt....". Und
die Vermutung in Richtung Landtauchgänge wurde dann von der Realität
bestätigt. Das Boot lag übrigens hinter der Basis, machte aber
nicht den Eindruck, erst seit Kurzem defekt zu sein. In späteren
Gesprächen mit dem Basisbetreiber ergaben sich dann Argumente wie
"Archäologie..., verboten..., Polizei... etc.". Kurz und gut - es
blieb bei Landtauchgängen*.
Die Mononaftis-Bay
Tiefen im Bereich von 15 - 30 m sind die Regel. Wer tiefer will, muss
weiter hinaus "paddeln" :-)
Der Boden besteht überwiegend aus Fels und Stein und ist toll
bewachsen. Die Wassertemperatur im April betrug rund 17 Grad C - ein Halbtrockenanzug
war angemessen.
Ein typischer Bewohner des Mittelmeeres:
Der Schriftbarsch (serranus scriba)
Flora & Fauna sind mittelmeertypisch… und leider
mittlerweile ähnlich geschädigt wie im übrigen Mittelmeerraum.
Diesen Eindruck gewinnt man auf den ersten Blick. Aber bei näherer
Betrachtung boten die Tauchplätze doch ein Plus. Dem versierten
Taucher boten sich gewisse Highlights wie das Tritonshorn und Bärenkrebse.
Eine Lampe und ein Blick in Höhlen und Öffnungen bringen zuweilen
"Schätze" der Unterwasserwelt zum Vorschein. Und Landtauchgänge
bieten noch einen Vorteil: Zeit. Überwiegend flache Tauchgänge
geben Gelegenheit zum Blick fürs Detail.
Eine Rarität aufgrund Überfischung:
Großer Bärenkrebs (Scyllarides latus)
Trotz dieser möglicherweise ernüchternden
Fakten: Das Mittelmeer ist ein Meer für Kenner. Im Vergleich zu
tropischen Meeren wird man sicher nicht auf den ersten Blick von Farben,
Vielfalt und Formen "erschlagen". Der eigentliche Reiz steckt im Verborgenen
und muss taucherisch "erarbeitet" werden. Und so hat im "mare nostrum"
auch die Tiefe ihre mystische Kraft.
...ein antiker Anker in knapp 40 m
Tiefe!
Auch Nacktschnecken in verschiedensten
Farben
stehen auf dem Programm - man muss sie nur finden...
Versteckter Bewohner - eine Mittelmeer-Muräne
(muraena helena).
Grandiose Sichtweiten bei 17 Grad
Die Tauchbasis in der Mononaftis-Bay
Das "Stay Wet Diving Center" wird betrieben von Maxime
Fougeirol und Cornelia Fojtl - einem gut englisch-sprechenden Franzosen
und einer Österreicherin. Der Webauftritt ist unter www.staywet.gr einzusehen.
Hier mag widersprüchlich erscheinen, dass Bootstouren angeboten
werden, was zumindest im April 2004 definitiv nicht der Fall war und
laut Maxime nicht in Aussicht stand.
Gemütliches Ambiente in einer
ehemaligen Taverne
Die Basis bietet alles Notwendige - Warmwasserduschen,
Umkleiden, Ablagemöglichkeiten für persönliche Dinge,
ein Spülbecken für die Ausrüstung, Möglichkeiten
zum Aufhängen... Mailkontakt und Service sind sehr nett.
Der österreichische "Einschlag" ist nicht zu verheimlichen!
Hier werden sie empfangen!
Für Newbies bietet "Stay Wet" auch Schnuppertauchen
im Pool des Hotels "Fodele Beach" an. Dort unterhält die Basis in
der Hochsaison auch ein Büro.
El Greco & Fodele
Eine Bucht "weiter" schließt sich die Fodele-Bucht
an. Der Ort Fodele ist etwa 5 km von der Küstenlinie entfernt im
Landesinneren. Er ist bekannt für sein "El Greco-Museum". Später
bekannt unter dem Namen "El Greco" wurde Domenikos Theotokopoulos im
Jahre 1541 auf Kreta geboren. Der Maler reist schon früh nach Spanien
und wurde dort als "Der Grieche" (spanisch: "El Greco") zu einem der bedeutendendsten
Künstler Europas, wenn nicht gar weltweit. Vom byzantischen Ikonenmaler
bis hin zu seinem ihm eigenen expressionistischen Stil griff er weit über
die malerischen Möglichkeiten der damaligen Zeit hinaus. Die Zeit
Grecos war geprägt von großartigen Künstlern: Caravaggio,
Bernini, Quiroga, Velázquez, Tintoretto bis hin zu Michelangelo.
El Greco starb im Jahre 1614 in Toledo/Spanien, dem damaligen Sitz des
spanischen Hofes.
El Greco - der kretische Spanier
El Greco wurde zum Vorreiter der expressionistischen
Malerei der Neuzeit. Weltweit sind seine Werke in Museen wie dem "Museo
del Prado" in Madrid, der "National Gallery" in Washington und London
sowie dem "Metropolitan Museum of Art" in New York zu betrachten.
Natur, Kultur und Ursprünglichkeit liegen in Kreta
eng beieinander.
Der Ort ist eingebettet in eine ursprüngliche,
kretische Landschaft; kleine Kirchen und Kapellen, die sich abwechseln
mit Olivenhainen und intensiv duftenden Plantagen mit Zitrusfrüchten...
Das Hotel "Fodele Beach"
Ein Rundblick vom Hotel über die Fodele-Bucht
Die gepflegte Hotelanlage ist in Hanglage erbaut und bietet in Topzeiten
rund 1000 Gästen Platz. Da sich die Wohngebäude den Berg hinauf
schlängeln, ist die Anlage nichts für Menschen, die nicht
gut zu Fuß sind. Und genauso verhält es sich mit der Tauchausrüstung.
Bleibt diese nicht in der Basis, wird der Transport zu einem Martyrium.
Eine kleine Bimmelbahn bedient zwar die Hauptstrecke vom Eingangsplatz
zum höchsten Punkt der Anlage, aber…
Ansonsten bietet das Hotel-Team alles, um dem Gast
die Langeweile zu nehmen: Bogenschießen, Wassersport, Fitness,
Wellness, Tennis, Surfen usw. Kulinarisch wird man ganztägig an
Buffets verwöhnt. Diverse Bars, auch direkt am Pool ermöglichen
dem in der kretischen Sonne ausgezehrten Taucher-Body (und natürlich
auch dem Buddy), "wichtige Vitamine" nachzufassen :-)
Schnuppertauchen im Hotelpool - wird
auch für Kinder im entsprechenden Alter angeboten
Wie bereits erwähnt: Ohne Shuttle-Service
führt kein weg zum Tauchen. Rund 10 km Fahrtstrecke von der Basis zum
Hotel, noch dazu bergauf/bergab, sind selbst hartgesottensten "Tauchradlern"
zu viel.
Das Hotel liegt am Hang -
Kreta ist ein Bergland.
Infos zum Hotel finden sich im Internet unter http://www.fodelebeach.gr/ger/about.htm.
© 2005 - Michael Böhm
Fotos © 2004 - Michael Böhm
*Anm. des Verfassers: Gegen Landtauchgänge
spricht nichts, außer wenn die Preise für diese Tauchgänge
denen eines Bootstauchganges entsprechen. Im April 2004 kosteten sechs
begleitete (Land)Tauchgänge (Flasche, Blei, sonst eigene Ausrüstung)
140,- Euro - als vergünstigter Internetbuchungspreis. Ohne Begleitung
ging´s leider nicht… dafür war die Abholung im Hotel inklusive.