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Verzweifelt gesucht: Der objektive Taucher
oder... Ich glaub, ich bin im Film
von Andreas Geschke
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Vorab möchte ich mich bei
denjenigen entschuldigen, die sich in diesem Artikel vielleicht wieder erkennen werden.
Bei den Haupt- und bei den Nebendarstellern. Ähnlichkeiten mit
lebenden Personen sind (leider) nicht zufällig und somit auch durchaus
beabsichtigt.
Die meisten Vorlagen wurden meinem Taucher.Net-Dasein entnommen- den
einzelnen Forums Teilnehmern an dieser Stelle ein recht herzliches „Dankeschön“
für ein fast perfektes Drehbuch welches ich mit Beispielen bei diversen
Ausflügen würzen konnte.
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Zuerst einmal: Den objektiven Taucher gibt es nicht. Fast nicht. Okay,
sagen wir: Äußerst selten. Unmittelbar nach Erwerb des ersten
Brevets mutiert der gewöhnliche Tauchanfänger zum fast schon
allwissenden Profi und sieht sich selber fortan in der Hauptrolle diverser
Hollywoodstreifen, stets darum bemüht, der gegebenen Vorlage gerecht
zu werden.
“Garp und wie er die Welt sah” (für Anfänger)
Es gibt Tausende von Tauchlehrern und Tauchshops auf
dieser Welt, unser Garp ist nach Erhalt des ersten Brevets felsenfest davon
überzeugt, den besten/die beste erwischt zu haben.
Faktisch kann er
das mangels Erfahrung zwar noch nicht begründen, sein Vertrauen darauf
jedoch ist unzerstörbar und wird nur noch von der Qualität der
im selben Laden von ihm erworbenen ersten Ausrüstung übertroffen.
Sobald er dann nach den ersten überlebten Tauchgängen voller
Euphorie einen Computer entdeckt, wird das von ihm gesammelte Halbwissen
ins www gehauen und alles, wirklich alles mit voller Punktzahl bewertet.
Die „Top 5“ der hier entdeckten Beiträge:
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5. "Habe selten eine so gute und seriöse Tauchschule erlebt"
(ein OWD, 6 Tauchgänge)
4. "Dieses Boot ist der absolute Maßstab im Roten Meer"
(ein AOWD, 37 Tauchgänge, nach der ersten Safari)
3. "Der Vortrieb der Flossen ist atemberaubend, bei jedem Tauchgang
bin ich an meinen Mittauchern vorbeigezogen (ein OWD, 13 Tauchgänge)
2. "Kann Tauchlehrer YYY wärmstens empfehlen, habe selten
eine so fundierte Ausbildung erhalten (unmittelbar nach dem bestandenen
OWD-Kurs)
1. "Auch unter härtesten Bedingungen, wie kalt und tief
vereist der Automat nie, bin 100% zufrieden damit, er ist bei jedem Tauchgang
ein unauffälliger und zuverlässiger Begleiter (nach insgesamt
12 Tauchgängen)
All das wäre bis hierhin nicht weiter störend, wenn.... ja,
wenn sich Jungtaucher Garp auf seine Rolle konzentrieren würde und
sich nicht dazu berufen fühlte, seine tauchende Umwelt auch permanent
missionieren zu wollen: Kein Posting, keine Frage kann in den Foren mehr
gestellt werden, ohne dass Garp die von ihm verwendeten Ausrüstungsgegenstände
mit in die Diskussion einbringt. Ob es Atemregler, Ausbildungen, Jackets,
Flossen oder Anzüge sind: Er hat das ultimative Equipment, andere
Meinungen werden fortan nur noch gelten gelassen, wenn sie tunlichst der
eigenen entsprechen.
“Star Wars” oder “Die Macht ist mit mir” (für Fortgeschrittene)
In einer gar nicht weit entfernten Galaxie tobt seit Generationen der
wohl ewige Kampf zwischen dem einzig wahren Imperium und den fröhlich-bunten
PAID-Rebellen.
Angeführt von Dive Vader, seines Zeichens Hüter der
fast schon vergessen geglaubten, reinen und einzig wahren Lehre, ist das
Imperium stets bereit den Kampf gegen die aufmüpfigen Rebellen aufzunehmen,
wo immer man ihnen habhaft wird.
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Häufig in schwarz gekleidet, atmet Dive
Vader rasselnd aus seinem Uralt-Lungenautomaten mit astronomischen Atemwerten
und taucht bevorzugt in kalten und dunklen Gewässern. Jegliches Tauchequipment
macht für ihn nur dann Sinn, wenn das Herstellungsdatum mindestens
so lange zurück liegt wie die letzte Stutzung des von ihm bevorzugten
Vollbartes.
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Er ist fest davon überzeugt, das hundert von ihm gemachte Tauchgänge
im ewig gleichen 10-Meter-Tümpel deutlich mehr schulen, als hundert
schnöde Warmwassertauchgänge mit wechselnden Bedingungen wie
Tief/Strömung/Dünung. Warum das so ist, mögen einzig die
Götter des Imperiums wissen - oder aber diejenigen, die es permanent
behaupten.
In seiner Tauchtasche - was schreibe ich, TauchWANNE
- steckt zwischen zerfledderten Logbüchern ein der CMAS angeschlossenes
Brevet sowie die Mitgliedskarte des heiß geliebten Tauchvereines:
Dort ist man noch unter seinesgleichen, hier darf Mann noch Vader sein. “Bei
uns im Verein“, “solide Ausbildung“, “keine käuflichen Kärtchen”,
“der ganze amerikanische Scheiß” und “wir üben noch Wechselatmung
beim Notaufstieg aus 83 Meter” sind gern gedroschene Phrasen, die letztendlich
wahrscheinlich nur dazu dienen sollen, vor Anfängern die eigene gefühlte
Unfehlbarkeit hervor zu heben.
Gelobt sei, was hart macht und zurück
zu den Anfängen. Insgeheim bedauert er, dass es keine Laserschwerter
für den Unterwassereinsatz gibt und dass er es beruflich nicht geschafft
hat, Oberlehrer zu werden.
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Seinen größten natürlichen Feind und personifizierten
Alptraum finden wir in Luke Waterwalker, Paradebeispiel des ebenso
bunten wie unerfahrenen PAID-Rebellen. Er ist vor, während und nach
dem Tauchgang immer vergnügt und optimistisch gestimmt - sowie stets
nach der neuesten Mode der Tauchindustrie gekleidet. Sein Werdegang ist
bestimmt vom allgegenwärtigen PAID-Dreisatz, den er in Perfektion
beherrscht: “Ich hab ein Brevet - ich hab danach immer noch taucherische
Defizite - egal, ich mach einfach noch ein Brevet!”
Luke Waterwalker im Einsatz
Er ist meistens ein direkter Garp-Nachfolger und Anhänger von
Instructor Yoda - sie wissen schon, der beste Tauchlehrer der besten Tauchschule
- dem er auch blind vertraut. Sollte das Tarieren dann mit 60 Tauchgängen
immer noch nicht so richtig klappen, kann der junge Luke sein Gewissen
und den Finanzwunsch des jeweiligen Meisters (“Ausbildung wir machen weitere...”)
immer noch gleichermaßen leicht befriedigen und einfach im Anschluss
das Brevet zum Jedi....ähm...Divemaster erwerben.
...möge die Macht ääh Tarierung mit
mir sein...
Sein bester Freund (neben Yoda) ist der Besitzer des örtlichen
Tauchshops „Happy Bubbles“. Trotz intensivster Bemühungen hat er noch
kein Teil in seinem Programm gefunden, was dumm und unsinnig genug wäre,
nicht von ihm gekauft zu werden.
“Highlander” oder “Es kann nur einen geben” (für Profis)
..so könnte es idealerweise aussehen..
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In der Regel wird der Mensch mit zunehmender Erfahrung
vernünftiger; der Taucher jedoch bleibt davon leider meistens unberührt,
was uns direkt zum nächsten Thema bringt, der Königsdisziplin
unter der Streitthemen: D.I.R, doing it right oder “mach et richtig”, wie
der Kölner zu sagen pflegt.
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Nur damit wir uns verstehen: Ich habe wirklich Respekt vor den Leuten,
die auf Grund eigener Erfahrung zu einer eigenen Meinung kommen und diese
auch begründen können. Wenn jemand vieles für sich in der
Praxis ausprobiert hat und dann zu dem Schluss kommt, dieser oder jener
Weg sei für ihn nun der richtige - perfekt!
Genau dieser Typ wäre aber nicht so spaßig zu beschreiben,
darum direkt und unmittelbar zum nächsten Probanten: Conan McDiver
vom Clan der McDiver.
Unser Darsteller ist nach 137 Tauchgängen in jahrelanger Praxis
und eigener Einschätzung dem Sporttauchen längst entwachsen
und hat gleichzeitig irgendwo irgendwas über D.I.R gelesen. Jetzt
muss er sich nur noch entscheiden: Bin ich dafür oder dagegen?
Sollte die Wahl auf “pro” fallen, wird zur vollendeten Selbstdarstellung
in den Foren ein “DIR” an den jeweiligen Nicknamen angehängt und
schon ist die Schlacht in der schottisch-geistigen Tiefebene eröffnet.
“Das ist nicht DIR!”, “Laut DIR musst Du aber...”, “Die bei DIR sagen
ganz klar...” sind die beliebtesten Schlagwörter, Bungee-Wings und
Monoflaschen mit Standfüßen die weltweit größten Verursacher
von tödlichen Tauchunfällen. Ganz schlimm wird es, wenn der Conan-Kandidat
von einem erfahrenen DIR-Taucher mal bei einem Tauchgang ans Händchen
genommen wird: Der ist danach komplett versaut. Für immer. Ehrlich.
Der würde danach für eine Überzeugung Selbstmord begehen,
die er selber leider nicht mal ansatzweise versteht. Einmal im Leben einer
“Elite” anzugehören, wo ihm in der Schule doch schon von den anderen
immer das Pausenbrot geklaut wurde - was kann es schon Erhabeneres geben?
Sollte er (unwahrscheinlich!) eine Freundin haben, drehen sich seine Gedanken
beim Sex fortan nur noch darum, die „task load“ herabzusetzen, damit der
„flow in“ nicht zu schnell erfolgt.
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Equipment DARF jetzt nicht nur schwarz sein, es MUSS schwarz sein. Dazu
noch ein in der Szene akzeptierter Name und ein passendes Logo auf der Baseballkappe,
perfekt.
Marketing ist schließlich alles, vor allem in eigener Sache...
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Böse Zungen mögen jetzt zwar behaupten, dass Conan McDiver wie
eh und je nach dem Vorbild „ertrinkender Hund“ tariert, dafür kann
er aber die Vorteile eines Trilaminattrockis auswendig herunter beten -
das überzeugt zwar nicht unter Wasser (hier hält er sich eh kaum
auf), dafür aber umso mehr im www und den einschlägigen Newsgroups.
Tarieren ist nicht immer einfach...
Einen wahrlich optischen Leckerbissen! zum Thema "ertrinkender Hund", Conan
McDiver taucht mit DIR'ler oder welcher Untertitel auch noch passend
erscheinen mag, haben wir hier gefunden!
Anmerkung: Dieses Bild wurde beim 9.DIR
Ger Treffen in Hemmor geschossen (drittletztes Bild der Galerie).
Zum Glück jedoch (???) hat jede Medaille zwei Seiten und jeder
Tom findet im Film seinen Jerry; in diesem Falle eben diejenigen, die sich
zwar ebenfalls nie intensiv und vor allem selber mit der ganzen Materie
auseinandergesetzt haben, aber aus reiner Antipathie einfach mal dagegen
sind.
Da werden Schlauchlängen zum Penisersatz deklariert und die abwegigsten
Szenarien beschworen, nur um die Fehlbarkeit des kompletten Systems zu
demonstrieren. Überhaupt ist D.I.R in ihren Augen komplett unsinnig,
schließlich haben die extremsten Gegner davon ja selber im Eigenversuch
bewiesen, dass man auch mit der paradoxesten Konfiguration immer noch den
eigenen Haustümpel lebend verlassen kann. Mit der geistigen Flexibilität
einer Eisenbahnschiene gesegnet, wird jede diesbezügliche Diskussion
lieber stur zu Tode geredet, als einmal das eigene Gehirn zu bemühen
- was in einigen Fällen vielleicht auch besser ist :-)
... Begegnung mit der anderen Art...
Zu gerne hätte ich sie alle mal an einem See vereint und dort bunt
vermischt: Conan McDiver mit D.I.R.-konformen Edelstahlschwert im taucherischen
Endkampf gegen Lord Vaders Klodeckel-Imperium, dazu noch Luke Waterwalker,
der als Jedimaster der Tauchschule “Happy Bubbles” bei der Ausbildung von
Garp assistiert, das alles bequem vom Kinosessel aus gesehen und mit einem
leckeren Popcorn in der Hand. Sie halten das für unwahrscheinlich?
Ich auch - zumindest in der Realität, in den virtuellen Foren dagegen
ist es Alltag.
Vielleicht sollten wir alle öfter mal daran denken, dass uns viel mehr
verbindet als trennt: Das gemeinsame Hobby, die Lust am Wasser, die Herausforderung,
das Entdeckergefühl und die Freude an der Schwerelosigkeit sowie die
vielen anderen tausend Kleinigkeiten, die zusammengefasst die „Faszination
Tauchen“ ausmachen - in welcher Form der Einzelne das auch immer ausüben
und erleben mag.
Zum Abschluss vielleicht noch eines: Ich gehe gerne tauchen. Leidenschaftlich.
Aber wenn man nur tauchen und nicht im Anschluss darüber noch diskutieren
und ab und an auch streiten könnte, würde es mir wahrscheinlich
nur halb soviel Spaß machen. Ist eben manchmal doch alles wie im Kino......
© 2005 by Linus
© Bilder - mit freundlicher Genehmigung von Harald Mathä, Uli Erfurth und Achim Schlöffel
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01.12.2008 18:44 Taucher Online : 182 Heute 14151, ges. 30283311 Besucher
 
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