Abtauchen, entspannen und das Tauchen genießen. Aber Moment einmal,
wo sind wir jetzt überhaupt und wie kommen wir zum Ausstieg?
Es ist natürlich praktisch, wenn man unter Wasser etwas sehen will und
daher z.B. das Wrack findet. Auch nicht unpraktisch ist es, wenn man am Ende
des Tauchgangs wieder am Einstieg/Ausstieg landet und sich so erspart, an
der Oberfläche zurück zu schnorcheln. Wenn man also generell dorthin
tauchen kann, wohin man wirklich will, und anschließend den Weg zurück
findet.
Um das zu erreichen, müssen wir uns unter Wasser zurecht finden, also
orientieren können, um so sicher zu navigieren. Navigieren bedeutet
daher für uns Taucher zu wissen, wo wir uns befinden und wie wir dahin
gelangen, wo wir hin wollen. Navigieren im Wasser hilft uns Stress durch
Orientierungslosigkeit zu vermeiden, mit unserem Luftvorrat effektiv umzugehen
(indem man zielgenau das Wrack ansteuert und nicht erst lange danach suchen
muss) und die Gefährdung durch unplanmäßiges Auftauchen zu
reduzieren.
Navigationstechniken
Standortbestimmung
Zu Beginn des Tauchgangs sollte man wissen, wo man sich befindet und wo man
hin möchte. Entfernungsbestimmung
Wie weit ich unter Wasser vorangekommen bin. Referenzbestimmung
Die Referenzierung von Orientierungspunkten unter Wasser kann man feststellen,
ob man noch auf Kurs ist. Kursbestimmung
Welchen Kurs ich nehmen muss, um zu meinem Ziel und wieder zurück zu
gelangen.
Standortbestimmung
Die Standortbestimmung zu beginn des Tauchers dient dazu festzustellen, von
wo aus man startet und wohin man daher auch wieder zurückkehren möchte.
Das kann eine absolute Position sein (z.B. am Südostufer des Sees auf
130°) oder eine relative (im Boot direkt über der Riffkante). Das
Ziel sollte vom Standort aus absolut bestimmbar sein. Hat man eine relative
Position, d.h. man weiß nur, dass das Ziel 90° von der eigenen
Position entfernt ist, weiß man, dass man vom Ziel aus eine 180°
Drehung machen muss, also auf 270° zurück tauchen muss.
Entfernungsbestimmung
Es ist unter Wasser nicht leicht abzuschätzen,
welche Entfernungen man zurück gelegt hat.
Eine absolute Entfernungsmessung ist ohne Hilfsmittel (wie z.B. Leine) nicht
möglich, zum Glück aber auch nicht nötig.
Relativ kann man Enfernungen auf folgende Weise messen:
Flossenschlagzyklus
Man zählt, wie viele Flossenschläge man für die Strecke benötigt.
Dabei ist darauf zu achten, dass man möglichst gleichmäßig
flosselt.
Zeitmessung
Man taucht z.B. 10 Minuten in die eine Richtung, dann 10 Minuten in die andere.
Auch hier hängt die Genauigkeit mit vom Flossenschlag (bzw. der Tauchgeschwindigkeit
ab).
Druckmessung
Man taucht z.B. ein Drittel des Luftvorrats in die eine Richtung, dann ein
Drittel zurück.
Ungenauigkeitsfaktoren
Strömung - sobald Strömung mit im Spiel ist, wird die Messung
extrem ungenau. Wenn man gegen eine Strömung antaucht, braucht man mehr
Luft und Zeit, als wenn man mit der Strömung taucht.
Tauchtiefe - außer man hat ein absolut symmetrisches Tiefenprofil,
d.h. der tiefste Punkt des TG ist genau bei der Hälfte der Tauchzeit
erreicht, wird dies die Druckmessung stark beeinflussen.
Kälte - bei Auskühlung des Tauchers steigt der Luftverbrauch
und verfälscht so die Druckmessung der Entfernung
Referenz- und Kursbestimmungen
Referenzbestimmung bedeutet, dass man sich anhand von Anhaltspunkten orientiert,
wo man gerade ist und wo man hin will. Kursbestimmungen werden mit einem
Kompass durchgeführt.
Natürliche Navigation
Die natürliche Navigation ist eine Unterwasserorientierung durch Beobachtung
der Tauchumgebung und der Referenzierung anhand von auffälligen Anhaltspunkten.
Bei der natürlichen Navigation ist es wichtig, vor dem Tauchgang eingehende
Informationen über das Tauchgebiet zu haben:
Wie ist der Küsten-/ Strand-/ Riffverlauf?
Wie ist das Tiefenprofil des Tauchgebiets?
Welche Strömungen gibt es und wie verlaufen sie im Verhältnis
zum Einstieg, bzw. Ziel?
Welche Besonderheiten (Felsblöcke, Abrisskanten ...) gibt
es?
Aus welcher Richtung kommt die Sonne - vom Einstieg her oder
aus Richtung des geplanten Tauchgangs?
Während des Tauchgangs muss man dann die entsprechenden Punkte beachten:
An welchen Anhaltspunkten bin ich vorbeigetaucht? Beim Hinweg kam die Sonne
von rechts und die Riffkante war zu meiner Linken. Ist es beim Rückweg
jetzt umgekehrt? Aus welcher Richtung kommen die Wellen? Tauche ich gegen
oder mit der Strömung?
Natürlich funktioniert die natürliche Navigation nicht nur bei
Hin- und Zurückkursen, sondern man kann mit etwas Erfahrung auch komplexere
Kurse abtauchen.
Kompassnavigation
Um genauere Kurse tauchen zu können, benötigen wir einen Kompass.
Im Prinzip besteht ein Kompass aus einer magnetischen Nadel, die frei schwebend
aufgehängt ist und sich im magnetischen Feld der Erde nach dem magnetischen
Nordpol ausrichtet. Magnetischer und geografischer Nordpol sind nicht identisch
und der magnetische Nordpol wandert jedes Jahr ein wenig. Als Folge ändert
sich auch je nach Position auf der Erde der Abstand zwischen magnetischem
und geografischem Pol. Da wir als Taucher aber nur geringe Strecken zurücklegen
und nur relative und nicht absolute Kurse tauchen, gehe ich hier auf die
entsprechenden Feinheiten nicht weiter ein.
Der UW-Kompass
Keine Kompassnavigation ohne UW-Kompass (Euer Pfadfindermarschkompass taugt
hier nicht!) Wie ein Tauchkompass aufgebaut ist, könnt Ihr im
Unterkapitel UW-Kompass lesen.
Rechtecksnavigation
Eine Rechtecksnavigation ist ganz einfach: Peilt von
Eurem Standort aus einen Punkt direkt vor Euch an und lest die Gradzahl ab.
Taucht dann eine bestimmte Länge (siehe Entfernungsbestimmung
in diese Richtung. Addiert (rechtsherum) / subtrahiert (linksherum) 90°
und taucht die gleiche Distanz noch einmal, dann addiert / subtrahiert ihr
wieder, taucht wieder die Distanz, rechnet und taucht noch einmal, dann solltet
Ihr beim Anfangspunkt sein.
Beispiel:
Ein Taucher will ausgehend von der Einstiegsposition eine Boje antauchen
und dann von dort aus rechtsherum das Rechteck vollenden.
Vom Ufer aus wird die Boje angepeilt. Die Messung ergibt, dass der Taucher
vom Ufer aus einen Kurs von 310° einschlagen muss. Er zählt die
Zeit bis zum Erreichen der Boje: acht Minuten.
An der Boje addiert der Taucher 90° zu seinem bisherigen Kurs und schlägt
anschließend acht Minuten einen Kurs auf 40° ein. Anschließend
addiert er noch einmal 90° und taucht weitere acht Minuten Richtung 130°.
Jetzt müsste er nur noch einmal 90° addieren und in Richtung 220°
tauchen, um wieder zum Einstiegspunkt zu gelangen. Er entscheidet sich aber
durch seine Kenntnisse des Gewässers, sich natürlich zu orientieren,
steckt den Kompass weg und taucht mit dem abfallenden Ufer an seiner linken
Seite zum Ausgangspunkt zurück :-)
Exkurs: Berechnung des Kurskorrekturwertes
Wie kommt man eigentlich auf die 90°? Stellt Euch vor, Ihr taucht nicht
ein Rechteck ab, sondern einen Kreis, auf dem sich diese Punkte befinden.
Ihr taucht also insgesamt die ganzen 360° ab - d.h. die Summe der Kurskorrekturen
muss wieder 360° ergeben.
Um Kursberechnungswert bei einem Vieleckskurs herauszubekommen, müsst
Ihr also 360° durch die Anzahl der Eckpunkte teilen. Die entsprechende
Gradzahl müsst ihr von Eurem derzeitigen Kurs abziehen (linksherum)
oder dazuzählen (rechtsherum), um Euer Vieleck abzutauchen:
Die Dreiecksnavigation ist nicht komplizierter zu
berechnen als die Rechtecksnavigation, aber schwieriger zu tauchen, da der
Innenwinkel bei der Drehung nur 60° beträgt und man muss sich also
sehr gut auf den Kompass ausrichten und verlassen.
Aber der Reihe nach:
Auch bei der Dreiecksnavigation peilt Ihr von Eurem Standort aus einen Punkt
direkt vor Euch an und lest die Gradzahl ab. Taucht dann eine bestimmte Länge
(siehe Entfernungsbestimmung in diese Richtung.
Addiert (rechtsherum) / subtrahiert (linksherum) 120° und taucht die
gleiche Distanz noch einmal, dann addiert / subtrahiert ihr wieder, taucht
die übliche Distanz und solltet Euch dann beim Anfangspunkt befinden.
Beispiel:
Ein Taucher will ausgehend von der Einstiegsposition ein Wrack antauchen
und dann von dort aus linksherum das gleichseitige Dreieck vollenden.
Am Ufer wird die Position des Wracks angepeilt (der Taucher weiß, dass
es sich vom Ufer aus in nordöstlicher Richtung auf 30° befindet).
Dann taucht er das Wrack an, wobei die Anzahl der benötigten Flossenschläge
zählt. Nachdem er sich dieses angesehen hat, subtrahiert er 120°
von seinem Ursprungskurs von 30° und taucht die vorher ermittelte Anzahl
Flossenschläge in Richtung Westen (270°). Am (imaginären) Wendepunkt
angekommen, subtrahiert er noch einmal 120° und taucht in Richtung Südosten
(150°) zurück zum Einstieg.
Kuba - Karabik-Feeling - Tauchen. Infos zum Thema findest Du in unserem Kuba-Guide. Hier sind übersichtlich nach Regionen die Tauchmöglichkeiten auf der Insel beschrieben und mit vielen weiteren interessanten Informationen bestückt.
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