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Onlinemagazin - 57. Ausgabe - Belize




 Geschrieben von Monty Halls

Tauchen weltweit: Belize

von Monty Halls

Belize kann auf das längste Barrier-Riff der nördlichen Hemisphere und drei von vier karibischen Atollen stolz sein. Sowohl sanftes tauchen entlang der Küste als auch wildere Meeresspots bieten dem Taucher eine berauschende Mischung zwischen Riffen, Wänden, Höhlen und Koralleninseln.

In Belize verspürt man immer noch dieses Seeräuber-Feeling - ein Vermächtnis aus längst vergangenen Tagen, als die Piraterie florierte und Piraten die spanischen Schiffe von Amerika aus angriffen. Belize ist vollkommen karibisch und noch nicht für den Tourismus zurechtgebogen. Eine Mischung der Kulturen und Gefühle: von den Küstenmangroven bis zum Gebirge im Inland. Dieses Wechselbad von Eindrücken findet vor der Küste seinen charakteristischen Ausdruck im Barrier-Riff von Belize mit seinen Schluchten und Höhlen, starken Strömungen und abgelegenen Inseln.

Geographische Daten

Das winzige Belize liegt an der karibischen Küste von Zentralamerika. Es ist nur 22.954 km2 groß. Mit seinen nur knapp 200.000 Einwohnern und seinen Naturreservaten, die mehr als 40 Prozent des Landes ausmachen, ist Belize ein wahres ökologisches Juwel.
Die Attraktionen auf dem Festland von Belize sind allein schon Grund genug, das Land zu besuchen. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die verschlungenen Riffe und Inseln, die sich an der Küste entlangschlängeln, zeigt unmittelbar, warum Belize die Taucher aus aller Welt so anzieht. Das Barrier-Riff ist das längste auf der Nordhalbkugel. Es bietet eine Fülle von Tauchmöglichkeiten, bei denen jeder Taucher auf seine Kosten kommt – vom vorsichtigen Anfänger bis hin zum erfahrenen Experten.

Belize Tauchen
Monty Halls / www.ultimate-sports.net
Das Riff selbst ist ungefähr 280 Kilometer lang und erstreckt sich von der Küste der Halbinsel Yucatan im Norden bis nach Honduras im Süden. Es formt ein etwa 15 bis 30 Kilometer von der Küste entfernt liegendes Band und bildet so eine natürliche Barriere zwischen dem Ozean und der Küste.
Entlang des Riffs liegen die Koralleninseln wie Punkte im Wasser - in diesem Teil der Erde sind sie als Cays oder Cayes bekannt. Da die Entfernung zwischen Küste und Riff sehr groß ist, haben sich die meisten Tauchunternehmen auf diesen Cays angesiedelt, insbesondere auf Ambergris Cay und auf Caye Caulker.

Weiter im Südosten, abseits der beliebtesten Tauchzentren, haben sich auf Grund einer starken Depression im Boden des karibischen Meers drei Atolle gebildet: das Glovers-Atoll, das Turneffe-Atoll und das Lighthouse-Atoll. Die belizischen Atolle befinden sich – anders als die im Pazifik gelegenen, die auf Vulkanen ruhen - oberhalb von zwei unter Wasser liegenden Hügelketten. Sie liegen so dicht unter der Wasseroberfläche, dass gewaltige Korallen- und Schwammformationen wachsen können. Außerdem gibt es faszinierende Riffkomplexe rund um die im Barrier-Riff gelegenen Pelican Cays.
Nicht weniger faszinierend ist das Riff in Belize - es wurde zum Weltnaturerbe erklärt. Das Riff wird durch die Unterstützung freiwilliger Organisationen, wie der britischen Coral Cay Conservation intensiv geschützt und erforscht.

Maritimes Leben

Die Korallenriffe im Karibischen Meer haben ihren ganz eigenen Charakter. Sie beherbergen nicht so viele verschiedene Arten wie die Riffe im Indischen und Pazifischen Ozean. Dafür findet man hier aber spektakuläre Einzelkorallen und einige der Atemberaubendsten Schwämme der ganzen Erde. Manche Vasenschwämme sind mehr als 100 Jahre alt und bis zu zwei Meter breit. Die Vielfalt an Meeresbewohnern, die man an den verschiedenen Stellen entlang des Riffs beobachten kann, macht Belize für Taucher besonders attraktiv. Das reicht von der hektischen Korallenbank in flachen, sandigen Hängen bis hin zu pelagischen Arten, die die steil abfallenden Hänge patrouillieren.
Die Riffe in Küstennähe werden von kleineren Korallenbänken bestimmt die vielen der 500 verschiedenen Fischarten dieser Region Nahrung bieten - darunter allein fünf verschiedenen Schmetterlingsfischarten. Schnapper, Zackenbarsche und Barrakudas durchqueren die Riffe und auch größeren Tieren wie Seekühen begegnet man hier. Besonders zahlreich sind sie in der Lagune bei Gales Point anzutreffen. Sowohl im Barrier-Riff als auch auf den Atollen können Taucher die größeren Riffbewohner sichten. Unter den Tieren befinden sich bis zu 1,5 Meter lange Judenfische, Wahoos, Teufelsrochen und einige Haiarten, darunter Walhaie.

Ausgewählte Tauchspots - Belize

Tauchgänge in unmittelbarer Nähe der Küste - zum Beispiel bei Ambergris Cay - bestehen normalerweise aus sanftem Driften entlang der langsam abfallenden Riffe und über schneeweißen Sand. Bessere Tauchgänge sind vor allem am Südende der Koralleninsel möglich. Dort liegt auch die berühmte Shark Ray Alley, einer der spektakulärsten Drei-Meter-Tauchspots der Erde.
Erst weiter draußen fallen die Drop-Offs steiler ab und das Riff nimmt eine klassische Formation mit Felsvorsprüngen und Furchen an, wodurch Überhänge und Höhlen entstehen, die zu einem interessanten Tauchgang führen. Einige Wände sind wahrlich spektakulär, etwa die bekannte Half Moon Caye Wall, die von 1000 Meter Tiefe bis auf 10 Meter unter die Wasseroberfläche aufsteigt.
Das Blue Hole ist für Abenteuertaucher wohl einer der magischsten Anziehungspunkte von Belize. Die riesige runde Höhle im Riff liegt etwa 80 Kilometer östlich der Küste inmitten des Lighthouse Atolls. Sie ist ein absolutes Muss unter den weltweiten Zielen für Taucher. Es war der berühmte französische Taucher und Filmemacher Jacques Cousteau, der im Jahr 1972 dem Blue Hole internationale Aufmerksamkeit verschaffte. Er erforschte das Meeresbett in einem Mini-U-Boot. Das Foto seines Unterwasserfahrzeugs Calypso direkt in der Mitte
der Höhle hat heute Kultcharakter. Es gibt unzählige Geschichten über die Täuschungsmanöver, die notwendig waren, um das Boot in die richtige Position zu bringen!

DAS BLUE HOLE

• 40 m
• Fortgeschrittene

Das Blue Hole ist ein fast perfekter Kreis mit einem Durchmesser von 274 und einer Tiefe von 125 Meter. Der sichtbare Teil ist etwas kleiner als der Hauptkörper, sodass es aussieht, als stünde eine riesige Glocke auf dem Meeresboden. Als das Blue Hole vor ungefähr 15.000 Jahren geformt wurde, lag es noch über Wasser. Ein Beleg dafür sind die wunderschönen Stalaktiten, die von der Decke der Glocke herunterhängen.
Der Tauchgang in die Höhle ist ernst zu nehmen und sollte nicht unüberlegt unternommen werden. Die Attraktionen des Blue Hole liegen tief unter den Überhängen inmitten von Stalaktiten, wobei der Taucher in beachtlicher Tiefe über einem Blue Water Drop Off „von einigen Metern“ verweilen muss: definitiv kein Tauchgang für jemanden, der leicht in Ohnmacht fällt!

Belize - Blue Hole - Tauchen
Das weltbekannte Blue-Hole ( Bild: Naturalight Productions )

Der Tauchgang beginnt an einem leicht abfallenden sandigen Hang, der zum Rand der Höhle führt. Die meisten Tauchführer fragen an dieser Stelle, in einer Tiefe von ungefähr zwölf Meter, die Mitglieder der Gruppe, ob sie weitertauchen möchten. Sie wollen sicher gehen, dass alle einverstanden sind. Von hier aus fällt die Wand steil ins Herz des Blue Hole hinab, dann beginnt sie sich zu biegen und formt einen gewaltigen Überhang. Folgt man ihm, entdeckt man bald darauf die ersten Stalaktiten, von denen einige bis zu drei Meter lang und in den schönsten Formen gebogen sind. Schaut man von hier aus hinunter, sieht man deutlich den Rand der nächsten Stufe der Höhle, wo die Ausbuchtungen der Glocke mehrere hundert Fuß tief hinunter zum Meeresboden abfallen.
Mit etwas Glück werden die Taucher während des Tauchgangs von den Bewohnern des Blue Hole unter die Lupe genommen - den Bullenhaien. In den letzten Jahren ist es in Mode gekommen, diese charismatischen Tiere zu füttern. Dies ist nicht nur umstritten, weil die meisten Taucher nicht direkt unter der Aufsicht eines Tauchführers stehen, der das Futter verteilt, sondern auch wegen der außergewöhnlichen Beschaffenheit dieses Ortes selbst.
Taucht man die Wand wieder hinauf, findet man interessante Peitschenkorallen und Röhrenschwämme an den leicht ansteigenden Hängen, die zurück an die Oberfläche führen. Ein sanftes Ende eines atemberaubenden Tauchgangs.

DAS ELBOW-RIFF

• 10 bis 40 m
• Fortgeschrittene Anfänger

Am äußersten Südzipfel des Turneffe-Atolls liegt das Elbow-Riff, das viele Experten als besten eigenständigen Tauchspot in Belize ansehen. Dieser Wall-Dive mit 900 Meter Gefälle und einem aktiven Drift entlang eines wunderschönen Korallenhangs ist eine besonders aufregende Methode, das äußere Riff zu erkunden.
Die Korallen in diesem Gebiet werden reichhaltig von Nährstoffen und aufgetriebenem Tiefenwasser umspült und beherbergen zahlreiche Tiere. Ganz in der Nähe der Wand halten sich tausende Hunde-Schnapper, Großaugen-Stachelmakrelen und Bermuda-Ruderfische auf. Einige Haiarten werden von der großen Menge Fische angezogen: vor allem Schwarzspitzenhaie, Graue Riffhaie und ab und zu auch einmal ein Bullenhai oder ein Schwärm großer Hammerhaie. Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die Seekühe, die man mitunter dabei beobachten kann, wie sie auf die flache Ebene des Atolls schauen.

SHARK RAY ALLEY

• 3 m
• Schnorcheln

Shark Ray Alley befindet sich südöstlich von Ambergris Caye und ist eine der Stellen in Belize, wo man vielen Meeresbewohnern begegnet, die man so schnell nicht vergessen wird. Über viele Jahre haben die einheimischen Fischer hier ihren Fang gereinigt und damit zahlreiche Amerikanische Stechrochen und Ammenhaie angelockt. Gleich nachdem Tauchführer davon Wind bekommen hatten, besuchten sie diesen Spot und erschlossen ihn. Heute hört man häufig begeisterte Berichte von Tauchern, die am Ende eines Tauchtags zurückkehren. Er ist aber auch ein schönes Schnorchelerlebnis für zwischendurch. Inzwischen reinigen die Fischer ihren Fang aber nicht mehr hier. Doch sie tun dies zweifellos woanders und schaffen so einen neuen tollen Spot.

Der Spot ist nur drei Meter tief und befindet sich über einem schönen Seegrasbett. Sobald ein Boot ankommt, versammeln sich Haie und Rochen darum, die auf Futter warten.

Belize Tauchen
Bild: Naturalight Productions


Bekommen sie keines, verschwinden sie aber ebenso schnell wieder. Es ist deshalb ratsam, sich sofort ins Wasser zu begeben, wenn man diese wunderbaren Tiere aus nächster Nähe beobachten will. Sie haben ihre Angst vor Menschen vollkommen verloren. Vor allem die Rochen kommen sehr nahe heran, um nach Leckerbissen zu suchen.

Weitere Freizeitmöglichkeiten

Auch außerhalb der Küstenregion hat Belize dem naturinteressierten Besucher etwas zu bieten. Im Inland kann man einige der letzten ursprünglichen Dschungelgebiete Zentralamerikas finden. Außerdem wurden viele Naturschutzgebiete eingerichtet, die sich des Abenteuer suchenden Touristen annehmen. Eine der besten Kontaktadressen für den Besuch dieser Reservate ist die Belize Audubon Society, die 1981 gegründet wurde. Die Gesellschaft fungiert als zentrale Verwaltungsstelle für sieben Reservate, die zusammen eine Fläche von 60.750 Hektar umfassen.

Der Belize-Besucher sollte auf keinen Fall die Möglichkeit verpassen, Ruinen der Maya-Zivilisation zu erkunden, die älter als 1500 Jahre sind. Der Niedergang und das Verschwinden dieser komplexen Zivilisation in einer relativ kurzen Zeit bleibt ein archäologisches Rätsel. Zwei dieser beeindruckenden Maya-Ruinen findet man in Altun Ha und in Lamanai - sie sind mit Fremdenführern begehbar.
Belize zieht aber auch Urlauber an, die lediglich auf der Suche nach Strand und Sonne sind. Eine Vielzahl bekannter Ferienorte auf dem Festland und auf den Cayes stehen dem Sonnenhungrigen zur Verfügung. Für jeden ist etwas dabei - sowohl für den Rucksacktouristen als auch für denjenigen, der den Komfort eines Fünf-Sterne-Hotels in Anspruch nehmen möchte. Es werden Wassersportaktivitäten angeboten, und der Service kann sich mit dem in anderen karibischen Urlaubsorten messen lassen.

Weitere Informationen

Lust auf mehr? Im individuellen Tauchreiseführer „Tauchen Weltweit“ finden Sie nicht nur weitere Tauchspots von Belize, wie die „Long Caye Wall“ im Glovers Reef sondern auch Zusatzinformationen, wie Listen zu den Tauchzentren und Reisetipps.
Und wenn Ihnen Belize zu weit weg ist, finden sie in den 60 in „Tauchen Weltweit“ vorgestellten Tauchgebieten auch näher gelegene, wie zum Beispiel Lundy Islands in England oder die Medas Inseln im Mittelmeer.
Tauchen Weltweit

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Belize im Taucher.Net










Belize in Deutschland

Detaillierte Informationen über Belize erhält man auch über das Fremdenverkehrsamt von Belize in Deutschand.

Fremdenverkehrsamt Belize in Deutschland

Tel.: (0711) 233947 (in Stuttgart)
Fax: (0711) 233954

oder Offizielle Webseite von Belize

Danksagung / Copyright

Der Text und die Bilder wurden mit freundlicher Genehmigung der BrunoMedia GmbH abgedruckt.

Text: © 2004 Monty Hall - Aufbereitung für Taucher.Net durch Andreas Nowotny
Bilder: © Monty Halls & Naturallight Productions


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