Der 10. Geburtstag der Heaven Flotte von Rudi Lendel wurde in diesem Jahr
gefeiert. Grund genug um uns ein aktuelles Bild vor Ort zu machen. Rudis
Leitspruch „service is our success“, ist seit 10 Jahren ein Synonym für
besondere Kreuzfahrten im Roten Meer. Ich war sehr gespannt wie sich dies
im Jubiläumsjahr darstellt.
Die Anreise von München direkt nach Marsa Alam ist eine Wohltat. Man
erspart sich sowohl die lange Taxifahrt als auch den Flughafentrubel in Hurghada.
In Marsa Alam werden wir pünktlich von Rudis Leuten erwartet, die uns
mit dem Visum versorgen und direkt per Kleinbus in den ein paar Kilometer
entfernten Hafen von Port Ghalib transportieren. Port Ghalib, der Haupthafen
in dieser Gegend Ägyptens, ist eine gigantische Baustelle und lässt
momentan nur schwer erahnen welch luxuriöse Unterkünfte hier entstehen
werden…
Port Ghalib
Direkt nach Ankunft am Kai werden wir von Elke, unserem Tourguide herzlich
auf der Heaven Diamond empfangen. (Wie sich später herausstellt ist
Elke promovierte Biologin und rundet die Tauchtour mit interessanten Vorträgen
aus dem maritimen Umfeld ab – mehr dazu später).
Intro
Unser Schiff, die Heaven Diamond, ist das Flaggschiff von Rudis Flotte und
gleichzeitig Namensgeber der „Diamond Class“. Diese Schiffsklasse ist das
Top Angebot von Divers Heaven und lässt – wie ich direkt vorwegnehmen
will – keine Wünsche offen…. das klingt extrem enthusiastisch, aber
diese Tour ist wirklich das Beste was ich an Trips im Roten Meer erlebt habe.
Safariboote mit ähnlicher Ausstattung gibt es mittlerweile bei einer
Vielzahl von Anbietern, teilweise sogar mit noch besserem Platzangebot und
Luxus. Warum also ist eine Fahrt auf der Diamond noch immer ein Toperlebnis?
Es ist das Gesamtpaket, das dem Reisenden geboten wird.
Herzstück des Urlaubserlebnisses ist die Crew, die jeden Gast mit einer
selten gesehenen Herzlichkeit und Perfektion umsorgt. Dabei fasziniert besonders
der Blick fürs Detail, ein Urlaub in einem internationalen Spitzenhotel
liegt mir als Vergleich auf der Zunge. Weiter natürlich das ausgezeichnete
und abwechslungsreiche Essen und das Getränkeangebot. Eine durchdachte
Schiffsarchitektur mit komfortablem Platzangebot in den Kabinen, an Deck
und auf der Tauchplattform…. und last but not least unser Tourguide Elke,
die uns eine klasse Tauchwoche beschert, mit höchst detaillierten Infos
und Karten zu jedem Tauchplatz versorgt und auf Bedarf die Führung der
Tauchgänge übernimmt.
Ein bisschen Glück braucht der Reisende natürlich in der Zusammenstellung
der Gruppe, die einzige Unbekannte bei der Planung einer Tour mit der Diamond.
Ich kann vorwegnehmen, dass auch dieser Punkt keine Wünsche offen lässt.
Die Mischung aus Schweiz, Deutschland, Österreich und der Niederlande
findet sich schnell zusammen, hat ähnliche Taucherfahrung und harmoniert
auch im Übrigen, sodass wir viel Spaß und eine klasse Woche erleben.
Die Tour
Auf dem Programm steht für diese Woche die Südtour.
Also Riffe vom Feinsten und vielleicht etwas Großfisch fürs Auge
;-)
Den ersten Tag verbringen wir im Großraum Marsa Alam, um die ersten
3 Tauchgänge durchzuführen. Anschließend fahren wir die
Nacht durch Richtung Süden, zu den St.Johns Riffen. Bereits auf der
Überfahrt wird klar, diese Tour wird unsere Seetauglichkeit auf eine
härtere Probe stellen. Der Wind peitscht die Wellen zu unangenehmer
Höhe und die Diamond schaukelt schon ziemlich heftig während der
Nachtfahrt…
Da zum Early Morning Dive am „small Gotha“ Riff unsere Gruppe vollständig
erscheint, haben wohl alle die erste Seetauglichkeitsprüfung bestanden.
Die nächsten Tage touren wir in den südlichen
St. Johns Riffen. Dabei gestaltet sich der Tagesablauf immer gleich. Bis
zu 4 Tauchgängen sind auf dem Programm. Nach dem Early Morning Dive
gibt es ein üppiges Frühstück. Am späten Vormittag dann
der zweite Tauchgang, anschließend ein 3-Gänge Menü. Nachmittagstauchgang
mit Kaffee und Kuchen im Anschluss, sowie Nachttauchgang und Abendessen.
Unser Koch und Ayman der Steward
Die Reihenfolge des letzten Parts bestimmt die Gruppe, wir haben uns – faul
wie wir waren – erstmal das üppige 4-Gänge Menü gegönnt
und nach einer guten Pause oftmals den letzten Tauchgang übersprungen
;-) Der geneigte Leser versteht durchaus, dass diese Tour ein wahres Diätprogramm
darstellt.
Abgesehen von den fantastischen Tauchgebieten gibt
es natürlich einige Besonderheiten auf der Diamond.
Angefangen beim Frühstück, wo Kabinensteward Ayman – der gute
Geist des Schiffes – jeden Gast mit einer individuellen Ei-Kreation versorgt.
Omelett mit jeder Art von Zutat, die gewünscht wird, Rühreier, Variationen von Spiegeleiern, etc. ...
– UND Ayman notiert jeden Sonderwunsch um am nächsten
Tag automatisch den richtigen Vorschlag parat zu haben. (in Aymans schlauem
Buch stehen nunmehr die Frühstückswünsche jedes Gastes der
letzten 5 Jahre - minutiös und für jeden Tag aufgezeichnet).
Mittagessen und Abendessen werden durch Ayman am Tisch serviert, ein Plus,
das besonders bei hohem Seegang an Bedeutung gewinnt.
Ayman empfängt auch jeden Taucher direkt nach dem Tauchgang und reicht
ein erfrischendes Getränk. Weiter wird man von ihm direkt nach Entledigung
der Tauchausrüstung in den eigenen Bademantel eingewickelt – wehe dem,
der dies selbst versucht ;-)
Dass auch verschmutzte Sonnenbrillen von Ayman direkt gereinigt und poliert
werden und im Übrigen wirklich kein Wunsch offen bleibt, verwundert
eigentlich nicht mehr. Unser Kabinensteward Ayman steht hier stellvertretend
für eine, in allen Belangen perfekte Mannschaft, der man ansieht, dass
Sie ihre Gäste auf „ihrem“ Schiff bestens versorgt haben wollen.
Nachmittags bietet Frau Dr. Bojanowski (= unser Tourguide Elke) jeweils einen
Exkurs in meeresbiologischen Themen an. Verhaltensforschung bei Delphinen,
Ergebnisse aus der Haiforschung, sowie eine Einführung in die exakte
Identifikation von individuellen Weißspitzenhochseehaien (siehe auch
das Forschungsprojekt im folgenden Absatz) ergänzen die Tour für
interessierte Gäste. Elke gestaltet diese Theoriestunden höchst
interessant und kurzweilig, eine perfekte Ergänzung für eine Tauchsafari.
Das Longimanus-Projekt
von Frau Dr. Bojanowski
Der Carcharhinus longimanus ist einer der wenigen Haie, der unter
seinem wissenschaftlichen Namen praktisch genauso bekannt ist, wie unter
seinem deutschen: Weißspitzenhochseehai oder Ozeanischer Weißspitzenhai.
Obwohl ihr eigentlicher Lebensraum das offene Meer ist, werden sie saisonal
häufig auch an ägyptischen Steilwandriffen gesehen. Zu welchem Zweck
sie sich dort einfinden, ist noch unklar.
Durch ihre große, abgerundete Rückenflosse und die Tragflächen
ähnelnden, langen Brustflossen sind sie praktisch unverwechselbar. Und
nicht nur das. Sie sind auch sehr gut individuell zu unterscheiden, einmal
an Hand der weißen Farmmarkierungen an ihren Flossen, zweitens an speziellen
Merkmalen, wie Einkerbungen an den Flossenrändern.
Die beste Methode, um diese
individuellen Unterschiede zu dokumentieren, sind Photographien der Tiere.
Im Herbst 2004 habe ich etwa 500 solcher Photographien gesichtet, die mir
Gäste der Heaven Fleet zur Verfügung gestellt haben. An Hand dieser
Photos konnte ich über 40 verschiedene Tiere alleine in der Nähe
von Elphinstone identifizieren. Die meisten waren Weibchen, einige wurden
über einen Zeitraum von 4 Wochen dort beobachtet. Andere Sichtungen
kamen von den Brother Islands und vom Daedalus-Riff.
Diese Tiere sind die Grundlage eines ersten Identifikationskatalogs, den
ich hoffentlich in diesem Jahr erweitern kann.
Bisher weiß niemand, wie groß der Bestand an Weißspitzenhochseehaien
im Roten Meer (oder weltweit) ist. Es wird aber befürchtet, dass Haie
insgesamt auf ca 10% ihres ursprünglichen Bestandes geschrumpft sind.
Hauptgrund ist der industrielle Fischfang. Auch die Lebensgewohnheiten der
großen Hochseejäger sind weitgehend unbekannt. Bekannt ist, dass
Vertreter dieser Art mindestens 20 Jahre alt werden können. Ob diese
Haie sich ihr ganzes Leben in der selben Region aufhalten, und regelmäßig
dieselben Riffe besuchen könnte für ev. Schutzmaßnahmen von
Bedeutung sein. Fest steht leider, dass auch die Haie des Roten Meeres mehr
und mehr von Fischern bedroht werden, die nur an Haiflossen Interesse haben,
um den asiatischen Markt zu bedienen.
Je mehr grundlegende Informationen über diesen häufigsten aller
Hochseehaie existieren, um so sinnvoller wird man ihn hoffentlich in Zukunft
schützen können.
Bedingt durch die wirklich ruppige Wetterlage im Süden
verlassen wir die St. Johns Riffe nach 2 Tagen und bewegen uns Richtung
Norden nach Berenice und anschließend Hamata. Leider ist uns der hiesige
Wettergott nicht gnädig. Der Wind lässt auch hier nicht nach;
der einzige Wermutstropfen einer ansonsten perfekten Tour.
Am vorletzten Tag erreichen wir Abu Hamra (Elphinstone)
und können das herrliche Riff beim Early Morning Dive noch ziemlich
alleine betauchen.
Doch bereits beim Aufstieg ahnen wir was sich in kurzer
Zeit hier abspielen wird, die Anzahl der Ankerleinen hat sich vervielfacht.
Safariboote und Tagesboote in einer selten gesehenen Anzahl „entladen“ ihre
Gäste – amüsiert beobachten wir das unglaubliche Treiben rund
um dieses Highlight und machen uns auf zum letzten Spot dieser Tour – der
Bucht von Marsa Abu Dabab.
Marsa Abu Dabab, eine relativ flache sandige Bucht, hat außer der
momentan hier ansässigen Seekuh einen
herrlichen Korallengarten am nördlichen Buchtausgang zu bieten, den wir ausgiebigst betauchen und uns
an wunderschönen Nacktschnecken und anderen Preziosen erfreuen.
Der Wind wechselt nun von Seewind auf Wüstensturm und während des
Abends steigen die Temperaturen relativ stark an. Bei gemessenen 33°
Windtemperatur entwickelt sich in den späten Nachtstunden eine Spontanparty
auf Deck, bei der sowohl unsere Crew als auch wir einige heiße Tänzchen
aufs Parkett legen.
Heisse Tänze und gute Stimmung
Nach einem letzten Tauchvormittag geht es zurück
in den Hafen von Port Ghalib. Normalerweise verbringen die Gäste die
letzte Nacht am Boot, wir haben uns für eine Hotelalternative entschieden.
Im nahen Coraya Beach verbringen wir die letzte Nacht vor dem Abflug zurück
in die Heimat.
Für am Abflugtag spät abreisende Gäste bucht die Divers Heaven
Crew automatisch den Hotelaufenthalt. Der Gast kann sich also, anstatt am
Flughafen, noch in angenehmer Hotelatmosphäre entspannen. Einen Badetag
verbringen und den Tag genießen.
Fazit
Die Tauchsafari auf der Heaven Diamond hat die Erwartungen
nicht nur erfüllt, sie hat diese klar übertroffen. Die vielen kleinen
Besonderheiten lassen sich in einem Reisebericht nicht endlos aneinanderreihen
ohne zu ermüden, weshalb dies nur einen kleinen Auszug der erlebten
Highlights darstellt.
„Service is our success“ – ein Leitmotiv mit höchstem Anspruch – einem
Anspruch der durch Schiff und Crew bestens erfüllt wurde.
Auszug aus diesem Forum: EW-Foto Buch für Anfänger ? vom 01.06.2003 : Hallo ihr Tauchbegeisterten und Hobbyfotografen,
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