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Onlinemagazin - 57. Ausgabe - Tauchexpedition Mozambique




 Geschrieben von Björn

Tauchen in Mozambique

von Björn Kapoor

Nachdem ich letztes Jahr im Oktober eine phantastische Zeit in Südafrika hatte und zum Abschluss des Urlaubs absolut geniales Tauchen bei African Dive Adventures (ADA) in Margate/Shelly Beach genießen durfte (siehe auch mein Beitrag in der Datenbank), ließ ich mir die Gelegenheit auf eine Walhaiexpedition nach Mozambique zu gehen, nicht nehmen.
Irgendwie klang das nach einer einmaligen Gelegenheit und als Roland Mauz(ADA) mich letztes Jahr darauf ansprach, war klar das ich "zuschlagen" würde.

Walhai - Mozambique

Anreise über Südafrika

Im April ging's dann los, von Frankfurt zunächst mal nach Johannisburg/Südafrika. Ich hatte zwei Tage vor Ort eingeplant, wobei sich das als Fehler herausstellte - diese Stadt ist meiner Meinung nach nicht mal einen halben Tag Wert! Aber egal, hier soll es um Mozambique gehen!
Am Mittwoch, den 3. April trafen wir uns vor dem Hotel am internationalen Flughafen in Johannesburg. Wir, das sind zwei Schweizer, sechs Deutsche und ich. Mit dem Minibus ging's in einer Tagestour nach Maputo, der Hauptstadt von Mozambique. Die Tour war interessant, man sieht eine Menge von Südafrika und auch von Mozambique. Die Landschaft ist wirklich sehr schön und der Grenzübergang war auch ein Erlebnis.
Ein Visum bekommt man übrigens direkt vor Ort auch wenn das in der Literatur nicht erwähnt ist oder empfohlen wird. Ich hatte keine Probleme, hat keine 5 Minuten gedauert. Fotos oder Formulare braucht man keine. Lediglich das nötige "Kleingeld" für die Gebühren sollte man greifbar haben (nein, kein Schmiergeld! - Gebühren). Tipp: Wenn man das Visum-Formular vorher mal gesehen hat (kann man im Internet runterladen), dann geht das Ausfüllen des Formulars sicher schneller.

Die Bar im Casa Lisa
Wir sind gegen Abend durch Maputo gefahren und haben nördlich davon auf einer Guestfarm übernachtet (Casa Lisa). Der Platz ist eine absolute Oase nach dem Lärm, den Menschen und den Autos der Großstadt (Maputo hat über 3 Mio. Einwohner). Da wir nur auf der/den Hauptstrasse/n gefahren sind, kann ich nicht wirklich behaupten, Maputo "gesehen" zu haben.

Vom 17-jährigen Bürgerkrieg ist hier aber nicht mehr viel zu sehen. Blickt man in die Seitenstrassen sieht's sicher ein wenig anders aus.
Nach der Nacht und einem sehr guten Frühstück in der "Casa Lisa" ging es am nächsten Morgen sehr früh weiter in Richtung Inhambane.
Zimmer in der Casa Lisa Bar (re.) und Zimmer (li.) in der Casa Lisa

Inhambane - Mozambique

Die Fahrt zieht sich dann irgendwann doch schon ein wenig, es lohnt sich aber! Die Barra Lodge in Inhambane liegt direkt am riesigen, wunderschönen und praktisch unberührten Strand.

Strand der Barra Lodge - Mozambique


Der Ausblick aus der funktional eingerichteten Hütte vom Bett an den Palmen vorbei direkt auf das Meer: Einfach traumhaft! Die Lodge liegt perfekt integriert inmitten einer noch genutzten Palmenplantage.

Barra Lodge - Mozambique
Auf der anderen Seite gibt es Mangroven und die 5-Sterne-Anlage "Flamingo Bay Lodge", die demselben Besitzer gehört.
Neben einem Restaurant gibt's in der Barra Lodge eine Beach Bar und einen sehr großen Pool, Fernsehraum, Quad Bikes, Segel Törns, etc.
Da wir zum Tauchen dort waren, haben uns nebenbei eigentlich nur noch die Quads interessiert ;-)
In der Anlage befindet sich auch eine Tauchbasis, zu der ich aber nicht viel sagen kann, denn wir waren autark, sprich: Kompressor, Boot, Flasche, Ausrüstung - alles dabei. Eine der "Familien-Hütten" wurde kurzerhand in unsere - in DIE Tauchbasis - umfunktioniert.

Roland und sein Team waren schon ein paar Tage vorher mit dem Boot und der restlichen Ausrüstung von Shelly Beach/Süd-Afrika aus nach Inhambane gefahren, sodass bei unserer Ankunft schon alles bestens vorbereitet und organisiert war. Bei einem Kaffee und Rusk (muss man probiert haben!) gab es in der Tauchbasis so gegen 6 Uhr das morgendliche Tauch-Briefing...
Pool in der Barra Lodge
Danach ging es an den Strand und auf dem (Schlauch-) Boot raus zum Tauchen, endlich! Viele der Tauchplätze kennt außer Roland und seinen Leuten noch kein Mensch (Roland hat die Basis in der Barra Lodge 1,5 Jahre lang erfolgreich aufgebaut und sich anschliessend nach Südafrika "abgesetzt").

Unsere Taucherlebnisse

Hai Mozambique

Die Tauchplätze sind absolut genial und völlig unberührt. Das Unterwasserleben kennt (noch) keine Scheu vor den Tauchern und neben White Tips kommen auch die riesigen Barsche sehr, sehr nahe um zu schauen was da los ist. Man könnte die Tiere tatsächlich streicheln, der Wahnsinn!

Da unten tummelt sich so ziemlich alles was man sich an einem Riff so vorstellt, und in was für Mengen. Da in Mozambique nur von traditionellen Booten aus gefischt wird, kann hier von Überfischung keine Rede sein. Das Wasser war mit 28 Grad Celsius sehr warm, die Tauchgänge zwischen 20 und 25 m tief und meist auf eine Stunde begrenzt.

Mit einer Druckkammer kann Mozambique nicht dienen. Der nächste vernünftige Arzt oder eine Dekokammer findet man erst wieder in Südafrika. Bis dahin dürfte das allerdings mehr als zu spät sein. In Inhambane selbst gibt es jedoch ein Krankenhaus und fähige Ärzte für "normale" Verletzungen.

Am ersten Tauchtag ging es dann am Nachmittag auf die Suche nach den Walhaien.
Wir haben nicht wirklich lange suchen müssen und fanden gleich ein erstes Exemplar.
Dass Roland auf seinem Boot einen Hochsitz montiert hat, erleichtert die Suche natürlich ungemein! Mit ABC-Ausrüstung ging's ins Wasser und da war er in seiner vollen Pracht. War zwar nur ein kleines Tier (3 - 4 m lang) aber es war unser erster, sollte aber nicht der einzige an diesem Tag bleiben.
Walhai Mozambique - Tauchen

Walhai Mozambique - Tauchen Walhai Mozambique - Tauchen
An den folgenden Tagen haben wir meist 2 Tauchgänge an den diversen, wunderschönen Tauchplätzen gemacht.

Zwischendrin haben wir aber immer wieder mal einen Nachmittag nur nach Walhaien gesucht.
Mitte der ersten Woche haben wir an einem einzigen Tag 12 Walhaie gezählt und auf dem Weg zurück zum Strand sind wir dummerweise über den 13. drübergefahren (keine Panik - weder dem Walhai noch uns ist irgendetwas passiert, da die Schrauben der beiden Motoren geschützt sind. Außer einem Schreck auf beiden Seiten ist wirklich nichts passiert!).

An diesem Tag lagen die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes überall rum, unglaublich! Ich glaube, es gibt kaum noch einen anderen Platz, an dem man so viele Walhaie an einer Stelle sehen kann!

Mantas gibt's in Mozambique auch "ohne Ende". Der Tauchplatz "Manta Reef" ist neben "Amazon" vermutlich der spektakulärste. Tiefe Schluchten im Plateau, bewachsen mit Weichkorallen, Millionen von Fischen aller Art und Größe und über allem schweben die Mantas, der Wahnsinn! Hier kann man es echt lange aushalten.

Mantas in Mozambique - Tauchen


Zurück an Land kann man sich den Rest des Tages mit ausgiebigen Wanderungen am Strand vertrödeln oder einfach nur in der Sonne liegen und relaxen. Die Sonne brennt dort übrigens sehr heftig und es empfiehlt sich reichlich Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor mitzunehmen. Vor allem bei den Trips zu den Walhaien sollte man sich gut eingecremt haben. Man verbringt schon einige Stunden auf dem Boot und ist dort völlig ungeschützt. Trinkwasser gibt es auf dem Boot reichlich und nach dem Tauchen hat Rolands Crew immer einen Sucker (Lutscher) in den unglaublichsten Geschmacksrichtungen dabei.
Der Fahrer (Steven), der uns den ganzen Weg von Johannesburg sicher nach Inhambane gebracht hat, steht im Prinzip die ganze Zeit zur Verfügung.


Wir haben mit ihm ein, zwei Ausflüge in die Stadt unternommen.
Der Markt ist sicher ganz interessant und am Hafen kann man einen Törn auf einem der traditionellen Segelboote machen. Es lohnt sich aber auch, einfach zu Fuß durch die Stadt zu schlendern.
Die Stadt ist tatsächlich als solche zu bezeichnen und nicht nur ein kleines Dorf.
Kirche in Inhambane

Fischer in Inhambane

Ist nicht wirklich das, was ich von Mozambique nach einem langen Bürgerkrieg erwartet habe. Die Häuser sind durchaus gepflegt und die Gärten in Top-Zustand.
Die Menschen sind alle sehr freundlich und immer für ein Schwätzchen zu haben, auch wenn viele leider nur Portugiesisch und kaum/kein Englisch sprechen.

Wenn man nachmittags durch die Straßen schlendert, riecht man an jeder Ecke alle möglichen Gewürze und Düfte vom nahenden Abendessen. Es gibt in Inhambane recht viele Inder, da Mozambique eine der ersten Anlaufstellen für die Seefahrer aus Asien war/ist.

An einem der Tage haben wir uns in der Barra Lodge Quads gemietet, um mit einem Führer eine Tour durch die Gegend zu machen. Ich kann das nur wärmstens empfehlen! Nicht nur weil Quad-Fahren einen Riesenspaß macht, sondern weil man eine Menge sieht und der Guide eine Menge zu erzählen hat. Dazu werden immer wieder kleine Stopps gemacht und der Guide erzählt Geschichten zu Land und Leuten.
Quad Tour in Inhambane
Quad Tour in Inhambane

In Tofu kann man shoppen wenn man möchte und für ein Bierchen zwischendurch in einer der genialen Bars am Strand bleibt auch noch genügend Zeit.
Führerschein oder Vorkenntnisse im Quad-Fahren sind übrigens nicht notwendig.
Wer mal auf einem Motorrad saß, wird sich aber sicher leichter tun mit dem Schalten der Gänge.

Die Zeit in Mozambique ging leider viel zu schnell rum. Wir hatten insgesamt acht Tauchtage und haben an jedem Tag (bis auf einen) zwei Ausfahrten gemacht.
Entweder zweimal Tauchen oder "nur" einmal - und dann nach Walhaien suchen und Schnorcheln.

Heimreise

Die Fahrt zurück ging zunächst wieder zu Casa Lisa nach Maputo und am nächsten morgen in einer Tour (gut 11 Stunden) nach Ramsgate in die Gracelands Lodge.
Zugegebenermaßen waren die zwei Tage Hinfahrt nach Inhambane weniger anstrengend als die beiden Tage Rückfahrt nach Ramsgate. Das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt. Kann aber auch sein, dass mir die Fahrt nach Ramsgate so lang vorkam, weil es mir an dem Tag nicht so gut ging. Wie auch immer, in Südafrika gab's dann noch mal drei Tage Tauchen an den Protea Banks in Shelly Beach, die Heimat von Roland und den African Dive Adventures.

Tauchen an den Protea Banks, Südafrika

Vor gut sechs Monaten war ich hier zu Besuch und hatte genialstes Tauchen erlebt. Ich war gespannt, wie die Unterwasserwelt zu dieser Jahreszeit aussieht. Leider hatten wir die ersten drei Tage ziemlich Pech mit der Sicht. Es gab drei Tage lange praktisch keine Strömung, was sehr, sehr ungewöhnlich ist. Dadurch hat sich auch das ganze Plankton hartnäckig gehalten.
Ab ca. 20 m Tiefe ist die Sicht dann aber deutlich besser geworden. Dummerweise gab es aber an diesen ersten Tagen nicht viel zu sehen. Das war dann wirklich eine Enttäuschung.
Außer ein paar Zambezi Sharks (Bull Sharks) und ab und an ein oder zwei Hammerheads hatten die Protea Banks zu dieser Jahreszeit nicht viel zu bieten. Die meisten der anderen aus der Gruppe hatten vorher hier noch nicht getaucht und fanden es nicht wirklich spannend.
Hai Südafrika Tauchen
Die Wassertemperaturen sind mit Mozambique übrigens nicht zu vergleichen. Hier ist's dann doch schon etwas frischer.

Hammerhaie - Südafrika - Tauchen
Die Tour war für den Rest der Gruppe dann am Mittwoch nach drei Tauchtagen zu Ende. Der Minibus fuhr in einem (weiteren) Tagestrip von Ramsgate nach Johannesburg, von wo aus die meisten ihre Heimreise antraten. Ich hatte das Vergnügen noch drei weitere Tage die Protea Banks zu betauchen. Für den Rest der Gruppe mag sich das jetzt unglaubwürdig anhören: Aber ab dem Mittwoch war das Tauchen wieder absolut top!

Zambis, Hammerheads und zum Abschluss noch "mein" Tiger Shark!!! Ich hatte lange drauf gewartet und nachdem an den Tagen zuvor schon der ein oder andere Tiger gesichtet wurde, war dann auch meine Zeit gekommen. Letzter Tauchgang, Sicht wieder gut bei rund 15 m und dann plötzlich von Roland das T-Signal für den Tiger, der Wahnsinn! Ein wunderschönes Tier in seiner vollen Pracht!

Tigerhai - Mozambique - Tauchen
"Mein" Tigerhai

Für mich ging's dann nach insgesamt drei Wochen von Durban aus über Johannesburg wieder zurück nach Frankfurt. Die Tagesreise mit dem Auto oder Bus von Ramsgate nach Johannesburg habe ich mir erspart.

Alles in allem war dies sicher einer der genialsten Trips die ich je gemacht habe!
Südafrika und Mozambique sind ja alleine schon eine Reise Wert. Dank der perfekten Organisation von Roland, Beulah und der Crew von African Dive Adventures hat die Expedition doch mehr Urlaubs- als Expeditionscharakter. Die Mischung aus ungewöhnlicher Location und perfekter Organisation macht das Ganze wirklich zu einem Erlebnis. Ich hätte beinahe "einmaligem Erlebnis" geschrieben, aber das wird es sicher nicht bleiben. Ich werde ganz sicher wiederkommen!

Zambesi - Tauchen - Mozambique
Zambi

Für die Südafrikaner ist Mozambique schon seit langem kein Geheimtipp mehr. Die Straßen von Südafrika nach Mozambique sind oder werden sehr gut ausgebaut, die Menschen sind sehr freundlich, das Land absolut sehenswert, ganz zu schweigen vom Tauchen - und bezahlbar ist das ganze auch. Hotels, Guesthouses und Unterkünfte in allen Preisklassen sind reichlich vorhanden und entsprechen auch unseren Ansprüchen. Solange das Land für den Rest der Welt noch ein Geheimtipp ist, sollte man zugreifen. Ich befürchte, dass sich das schon sehr bald ändern wird.
Vorraussetzung dafür ist vermutlich nur ein vernünftiger internationaler Flughafen in Mozambique und direkte Flugverbindungen dorthin.

Kontaktinfos:

African Dive Adventures
Roland Mauz (dt. englisch) und Beulah Mauz (dt., afrikaans, englisch)
e-mail: info @ africandiveadventures. com
Tel: +27 82 8818624
Fax: +27 39 3171483
P.O. Box 1563
Margate, 4275
Kwazulu Natal

South Africa Buchungen
(ueber den Bruder von Roland Mauz):
Guenter Mauz
Reisebuero Sigmaringen
Tel: 07571-2300 + 2466
reisebueromauz @ yahoo. de



© 2005 - Björn Kapoor - bearbeitet durch Herbert Gfrörer, Redaktion Taucher.Net
© 2005 - Landschaftsbilder von Björn Kapoor
© 2005 - UW Bilder mit freundlicher Genehmigung durch Roland Mauz, ADA


TIPP:Scapa Flow. Wracktauchen vom Feinsten. Was dort passierte und was man dort betauchen kann - steht in unserem Scapa-Führer.


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