Steile Wände, kristallklares Wasser und der beste drei Meter
Tauchgang der Welt. Diese berauschende Kombination lockt Taucher aus
aller Welt zu den drei flachen, wilden und relativ öden Inseln in
den warmen Gewässern des karibischen Meeres – den Cayman Islands.
Christoph Kolumbus entdeckte die Cayman Islands im Jahr 1503. Hätte
er die Gelegenheit gehabt, einen Blick unter die Wasseroberfläche
zu werfen, er hätte einen verblüffenden Unterschied zur rauen
Landschaft über Wasser beobachtet. Die Inseln erheben sich von einer
Unterwasser-Gebirgskette und vereinigen alle Eigenschaften, die ein erstklassiges
Tauchgebiet ausmachen: steile Wände, die starke Strömungen und
Auftriebe erzeugen, klares Wasser, geschützte Buchten und breite Saumriffe.
Rund um die Inseln gibt es noch Bereiche, die beispielhaft für ein
besonders gesundes karibisches Riffsystem sind. Obwohl das Tauchen bereits
deutliche Auswirkungen auf einige Stellen des Riffs hat, sind andere Gebiete
weit genug entfernt und wahre Juwelen für Wall-Diver. Die Cayman Islands
haben für jeden etwas zu bieten.
Geographische Daten
Die drei Inseln, die die Gruppe der Cayman Islands – einer britischen
Kronkolonie – bilden, liegen etwa 240 Kilometer südlich von Kuba
und 290 Kilometer nordwestlich von Jamaika. Die meisten der etwa 33.000
Einwohner der Inseln leben auf Grand Cayman – größten und
südwestlichsten Insel – und dort vor allem in der Hauptstadt George
Town. Grand Cayman ist eine längliche, ovale Insel mit einer Gesamtfläche
von 200 km2. Am Ostende befindet sich eine Lagune. Wie die anderen Eilande
der Gruppe ist die Insel flach: Der höchste Punkt liegt bei nur
18 Meter. Die schüsselartige Form und das Fehlen von hohen Klippen
führen dazu, dass Regenwasser eher durch die porösen Kalksteinfelsen
ins Inneren der Insel sickert, als dass es durch Flüsse und Ströme
in die Riffe und Wände der Küstenlinie abfließt. Durch diesen
geringen Zufluss herrscht in den die Insel umgebenden Gewässern eine
außergewöhnlich hohe Sichtweite.
Little Cayman
und Cayman Brac haben das gleiche flache Profil. Die beiden Inseln liegen
parallel nebeneinander im Nordosten von Great Cayman. Little Cayman erhebt
sich nur 14 Meter über den Meeresspiegel und ist wegen der schroffen
Felsen und Brackwassertümpel die unwirtlichste der drei Inseln. Cayman
Brac ist besser entwickelt: Dort leben mehr als 1000 Menschen – und dennoch
hat sich die Insel viel vom typischen Karibik-Feeling bewahrt.
Die Unterwassertopographie der Caymans kann als flaches Saumriff beschrieben
werden, das sich einige hundert Meter von der Küste aus erstreckt
und zu schroffen Riffebenen in 15 bis 21 Meter Tiefe führt, die wiederum
in abschüssigen Wände münden. Zwei ausgeprägte Unterwasserplatten
umgeben die Inseln. Man nimmt an, dass sie vor langer Zeit durch eine
Anhebung des Meeresspiegels entstanden sind.
Maritimes Leben
Die Topographie der Inseln führte zur Herausbildung einer großen
Vielfalt bei den Rifformationen: von leicht verschobenen Saumriffen bis
hin zu steil abfallenden Wänden. Die Riffe selbst zeichnen sich durch
große Röhren- und Vasenschwämme aus – eine häufige
Attraktion in karibischen Tauchgebieten, doch hier sind sie besonders zahlreich
-, vermischt mit wunderschönen Gorgonienfächern. Die Stachelrochen
von North Sound auf Grand Cayman bieten weltweit einen der besten Tauchgänge
für Begegnungen mit diesen Tieren; und die Versammlungsorte der Mantarochen
bei Spots wie Bloody Bay Wall vor Little Cayman stehen kurz davor, ähnlich
berühmt zu werden. In den Riffen können große Gruppen von
Schnappern, Adlerrochen, ein paar beeindruckende Nassau-Zackenbarsche und
Große Barrakudas gesichtet werden. Außerdem findet man an
bestimmten Stellen starke Populationen von Grauen Riffhaien. Außerhalb
der etwas entfernteren Riffe kann man gelegentlich auch Hammerhaien begegnen.
Der Meeresschutz spielt auf den Cayman Islands eine wichtige Rolle.
Es gibt ein dreistufiges System, das 18 verschiedene Gebiete abdeckt.
Obwohl einige Bereiche wie der Seven Mile Beach unübersehbar unter
dem starken Tauchverkehr gelitten haben, gibt es noch relativ unberührte
und unverdorbene karibische Riffe, die für Taucher zugänglich
sind. Man muss nur bereit sein, Zeit und Geld in längere Bootsfahrten
fern der bekannten Spots zu investieren.
Tauchspots
Tauchen auf den Cayman Islands wird im Allgemeinen von einer etablierten
und professionellen Tauchindustrie angeboten, die sich insbesondere auf
die Befriedigung der Bedürfnisse des nordamerikanischen Marktes eingestellt
hat. Die das Tauchen überwachende Behörde ist die Cayman Watersports
Association – eine Institution, die ihr Bestmögliches getan hat, Tauchrichtlinien
zu erarbeiten, um die zweifellos überstrapazierte Tauchindustrie
der Insel besser kontrollieren zu können. Mit den ergriffenen Maßnahmen
hat man auch einen gewissen Erfolg erzielt.
Egal welche Wetterbedingungen
gerade herrschen: Auf den Cayman Islands gibt es immer einen Spot zu
betauchen. Eine geschützte Bucht oder ein Riff ist meist nur eine
kurze Bootsfahrt entfernt. Nur in der Zeit der Hurrikane am Ende des Jahres
sind selbst diese Spots manchmal unerreichbar.
Die Vielfalt der Riffsysteme gewährleistet, dass es rund um die
Inseln Tauchgänge für jede Erfahrungsstufe gibt: von leicht
abfallenden, mit Sandgründen vermischten Riffen bis hin zu steil
abfallenden Wänden über tiefen Gräben.
Die meisten der klassischen Tauchgänge werden vom Boot aus unternommen,
auch wenn man durchaus vom Strand starten kann, wenn die leichtere Besichtigung
eines Saumriffs ansteht.
Die Spots der Inseln konzentrieren sich an der Westküste von
Grand Cayman in der stark bebauten Region von Seven Mile Beach, etwas
nördlich der Hauptstadt George Town. Aber auch die Nordwand, die
in eine eindrucksvolle Tiefe von zwei Kilometer abfällt, bietet herausfordernde
und weniger genutzte Tauchgelegenheiten – auch sie ist nur eine Bootsfahrt
entfernt. Auf der Nordseite der Insel findet man eine beschränkte
Anzahl von Tauchführern. Cayman Brac und Little Cayman bieten weitgehend
ähnliche Spots, ohne dass die schnell erreichte maximale Taucherzahl
überschritten wird, wie es auf der großen Insel mitunter der
Fall ist.
Stingray City liegt an der Westseite der geschützten Mündung
von North Sound – ein einzigartiges Phänomen. Die lokalen Tauchführer
füttern die Amerikanischen Stachelrochen schon seit mehr als zehn
Jahren und über 200 dieser Tiere können sich gleichzeitig an
den Futterplätzen versammeln. Die Stachelrochen kommen angeschwommen,
sobald sie einen Bootsmotor hören, und lassen sich mit der Hand füttern.
Die Fische sind auffallend zutraulich und zahm - selbst für
Tiere, die den Kontakt mit Menschen gewöhnt sind. Sie streichen über,
unter und um die Taucher herum. Wie bei allen wilden Tieren sollte jedoch
ein gewisser Abstand bewahrt werden. Man hat schon von Tauchern gehört,
die die Tiere für Fotos festgehalten oder sogar versucht haben, auf
ihnen zu reiten. So etwas kann für die Tiere extremen Stress bedeuten
und sogar ihre Gesundheit beeinträchtigen, da ihre Schutzschicht beschädigt
werden kann. Aber auch für den Taucher ist es ziemlich gefährlich
– ausgleichende Gerechtigkeit sozusagen!
Stingray City ist einer von zwei Spots auf Grand Cayman, wo man
mit den Stachelrochen tauchen kann. Der zweite, Sandbar, liegt auch
in der geschützten Mündung von North Sound, aber etwas weiter
östlich. Hier kann man ähnliche Erfahrungen wie in Stingray
City machen, aber es ist etwas weniger überlaufen.
DIE BLOODY BAY WALL
• 40 m
• Anfänger – Fortgeschrittene
Dieser Spot befindet sich an der Nordwestküste von Little Cayman
und wird allgemein als der beste Spot der Inselgruppe angesehen. Die
Wand ist in eine Vielzahl kleinerer Stellen aufgeteilt, obgleich man
im Großen und Ganzen sagen kann, dass sie bis zu 6 Meter unter
die Oberfläche reicht, bevor sie über mehrere Ebenen in wahre
Abgründe abfällt. Daher bietet sie eine Reihe von Möglichkeiten
für alle Erfahrungsstufen. Zwei absolute Sehenswürdigkeiten,
die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, sind der Chimney
– eine schmale Passage, die durch Korallen bis auf 27 Meter Tiefe führt
– und die Versammlungspunkte der Mantarochen während der Sommermonate
auf der Riffebene. Weitere Attraktionen dieser fantastischen Wand stellen
die zahlreichen Schildkröten, Graue Riffhaie und Ammenhaie, Beilbauchfische
und Barrakudas dar. Die Sicht ist hier durchwegs gut.
Auch das Hochseeangeln ist eine gute Beschäftigungsmöglichkeit
auf den Cayman Islands – fragen Sie Ihren Tauchführer, wenn Sie einen
Trip buchen möchten. Obgleich man keine Genehmigung benötigt,
sehen die Vorschriften vor, dass nur so viel gefischt werden darf, wie
man auch verzehren kann. Einige Restaurants bereiten Ihren Fang gerne für
Sie zu. Tarpun und Bonefish dürfen nur von Sportfischern geangelt
werden und müssen wieder freigelassen werden.
Die Inseln bieten mit beinahe 200 einheimischen Arten eine herausragende
Vogelvielfalt. Auf Cayman Brac gibt es ein Papageienreservat und Kolonien
von Tölpeln und Gelbbauch-Saftleckern. Little Cayman ist die Heimat
des Booby Pond Nature Reserve, wo Rotfußtölpel sowie Fisch-
und Silberreiher bewundert werden können. Am Meagre Bay Pond an der
Südküste von Grand Cayman leben Haubentaucher, Regenpfeiffer,
Löffelenten und Schmuckreiher.
Das Nachtleben konzentriert sich im Wesentlichen auf George Town.
Auf Cayman Brac gibt es ein paar Hotels und Restaurants.
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Weltweit“ vorgestellten Tauchgebieten auch näher gelegene, wie zum
Beispiel Lundy Islands in England oder die Medas Inseln im Mittelmeer.
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