Einführung

 Geschrieben von Oli

Wie schon im Bericht zum Rebreather IDA 59M gezeigt, wurden Kreislaufgeräte nicht nur originär zu Tauchzwecken hergestellt,sondern auch zu Rettungszwecken. Geräte dieser Art fanden und finden heutzutage im Schwerpunkt eine militärische Anwendung. So auch das im folgenden näher beschriebene Gerät TR 66.

Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg herrschte rund 10 Jahre Sendepause was den Aufbau einer Deutschen Marine bzw. U-Bootwaffe anging. Doch schon bald nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam es zur Wiederbewaffnung Deutschlands und der Einbindung Deutschland in die NATO, deren 15. Mitglied die Bundesrepublik am 9. Mai 1955 wurde. Im Zuge der Aufstellung von Streitkräften wurde auch die Marine aufgebaut. Diese konnte auf Personal und Material der GM/SA, LSU (B), DMRL, des Seegrenzschutzes sowie des Minenräumverbandes Cuxhaven zurückgreifen. Dies waren weitgehend Einheiten die nach Kriegsende unter alliiertem Kommando zB. die im 2. Weltkrieg von allen Kriegsparteien gelegten Minenfelder auf See geräumt hatten um dem zivilen Handelsverkehr mit Schiffen gefahrlose Fahrten zu ermöglichen. Die U-Bootwaffe mußte jedoch ganz von vorn anfangen da keine U-Boote mehr vorhanden waren und die im Krieg auf U-Booten fahrenden Marineangehörigen mittlerweile einem Broterwerb an Land nachgingen und in der Regel auch dort verwurzelt waren.
Die Westeuropäische Union hatte mittlerweile der Bundesrepublik den Bau von zwölf kleinen U-Booten für den küstennahen Einsatz erlaubt. Diese durften nicht größer sein als 350ts.
Um einen Stamm von U-Bootpersonal für die neuen Boote heranzubilden wurde am 15. August 1957 U Hai mit der taktischen Kennung S 170 von seinem neuen Kommandanten Kapitänleutnant Ehrhardt Indienstgestellt. U Hai war ein nur 34,6m langes und 3m breites Küsten-U-Boot der Klasse XXIII aus dem 2. Weltkrieg mit nur zwei 53,3cm-Bugtorpedorohren und war, damals noch mit der Kennung U 2365, am 8. Mai 1945 von seiner Besatzung versenkt worden. Deshalb mußte das 232ts-Boot im Juni 1956 erst gehoben und dann durch die Werft der Howaldtswerke in Kiel überholt werden bevor es für die Bundesmarine als Schulboot für eine maximal 19-köpfige Besatzung zur Verfügung stand.


U Hai 1961 nach Turmumbau
Foto: PIZ Marine

In Anlehnung an das Wappen des Marineoffizier-Ausbildungsjahrgangs XII/39 erhielt U Hai ein Bootswappen das dem der Crew XII/39 sehr ähnlich war. Bei dem Wappen von U Hai sprang der Hai lediglich nach links.

In der alten Wappenfassung sprang er nach rechts. Vermutlich stammte der Indienststellungskommandant von U Hai der Crew XII/39. Dieses Crewabzeichen wurde während des 2. Weltkrieges auf elf U-Booten gefahren.
U Hai folgte U Hecht. Auch dies ein Boot der Klasse XXIII. Während des Krieges noch mit der Kennung U 2367 versehen, mußte auch dieses Boot erst gehoben werden -was im August 1956 gemacht wurde. Nach seiner Überholung lief es zum zweiten Mal vom Stapel -genauer gesagt erfolgte ein Stapelhub.


© 1957 Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH

Danach erfolgte noch eine Probefahrt mit der Werftmannschaft an Bord - am Turm führte U Hecht zu diesem Zeitpunkt die taktische Kennung U 2.


© 1957 Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH

Am 1. Oktober 1957 wurde U Hecht dann mit der taktischen Kennung S 171 von seinem Kommandanten Kapitän Hass Indienstgestellt und von seiner Mannschaft übernommen.


U Hecht 1961 nach Turmumbau
Foto: PIZ Marine

Das Bootswappen von U Hecht erinnerte an das Turmwappen von U 81 aus dem 2. Weltkrieg.


Linke Turmvorderseite von U 81

Zusätzlich fand sich darauf aber noch ein stilisierter Hecht.

Nach diesen beiden kleinen Booten wurde mit Genehmigung der Westeuropäischen Union auch ein größeres Boot zur späteren Verwendung gehoben. Dabei handelte es sich um ein 1.621ts großes Boot der Klasse XXI - das ehemalige U 2540. Es verfügte über sechs 53,3cm-Bugtorpedorohre und war am 4. Mai 1945 bei Kriegsende nahe dem Flensburger Feuerschiff von seiner Mannschaft versenkt worden. Unter dem Namen U Wal wurde das 76,70m lange und 8m breite Unterseeboot dann auf der Howaldtswerke-Werft in Kiel überholt und am 1. September 1960 von Korvettenkapitän Voss mit dem Namen U Wilhelm Bauer sowie der taktischen Kennung Y 880 Indienstgestellt.


© 1960 Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH

Der Indienststellung folgte das Einfahren des Bootes auf See.


Foto: PIZ Marine

Hierbei schuf die Mannschaft an Bord ein Bootswappen, nämlich einen unter Wasser, mit seinem über der Wasseroberfläche befindlichen Rüssel, atmenden Elefanten.

Dabei stand entweder das Wappen von U 236 oder das von U 1227 ,beides Boote aus dem 2. Weltkrieg, Pate. Bei beiden Booten versinnbildlichte der Elefant das Boot und der Rüssel die Schnorchelbenutzung des Boots.

Alle drei Boote unterstanden zunächst dem Schiffserprobungskommando, später dann der U-Lehrgruppe in Holstein welches seinerseits dem Kommando der U-Boote in Eckernförde angehörte. Dessen Kommandeur war Kapitän zur See Otto Kretschmer -ein altes U-Boot-As aus dem 2. Weltkrieg.


Kretschmer 1940 als Kapitänleutnant

Nach Sammlung von ersten Erfahrungen auf den neuen alten Booten erteilte das Bundesministerium der Verteidigung den Howaldtswerken in Kiel am 16. März 1959 den Auftrag über den Bau von zwölf U-Booten der Klasse 201. Diese Boote mit den Baunummern 1150 bis 1161 beruhten auf Plänen von Dipl. Ing. Ulrich Gabler vom Ingenieurkontor Lübeck und waren kleine 350ts-Einheiten für maximal zwanzigtägige Einsätze in der Ostsee. Besondere Kennzeichen der Boote waren acht Bugtorpedorohre, eine starke Bewaffnung und eine hohe Standfestigkeit. Die neuen 53,3cm-Torpedos -insbesondere diejenigen der Typen DM2A1 Seeaal, SST 3 Seeaal und SUT- waren noch nicht fertig. Deshalb behalf sich die Deutsche Marine einstweilen mit den britischen Mk 8**-Torpedos die ein Kaliber von 53,3cm hatten sowie den amerikanischen Mk 37-Torpedos welche ein Kaliber von 48,3cm aufwiesen. Hiervon konnten acht Stück mitgeführt werden, wahlweise stattdessen 16 Seeminen. Die erste Serie der neuen U-Boote bestand aus U 1 bis U 3. Diese waren 42m lang und 4.60m breit. Die 1.200 PS starken Diesel verliehen den Booten eine Überwassergeschwindigkeit von 10,7 Knoten und bei Sparfahrt eine Reichweite von 3.800 Seemeilen. Dank der ebenfalls 1.200 PS starken E-Maschinen mit Doppelanker-Motoren fuhren die Boote dieser Serie unter Wasser aber bedeutend schneller, nämlich bis zu 17,5 Knoten. Doch bei derart hohen Geschwindigkeiten war die Reichweite nicht besonders hoch. Die höchste Unterwasserreichweite betrug bei drei Knoten Fahrt nur 270 Seemeilen.
Am 20. März 1962 war das erste Boot fertig. U 1 wurde an diesem Tag feierlich von seinem Kommandanten Korvettenkapitän Baumann und seiner 20-köpfigen Besatzung Indienstgestellt und lief kurze Zeit später zu ersten Übungsfahrten aus.


© 1962 Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH

Die Taufpatin dieses U-Bootes war Frau Kretschmer -Ehefrau des ehemaligen Kommandanten von U 99 im 2. Weltkrieg. U 99 führte ein nach unten geöffnetes Hufeisen als Bootswappen. Nach Meinung von Frau Kretschmer fiel dabei das Glück unten heraus. Aus diesem Grund erhielt das neue U 1 der Deutschen Marine ein Bootswappen mit einem nach oben geöffneten Hufeisen.

Die Indienststellung von U 2 folgte am 3. Mai 1962 durch Kapitän Freytag.


U 2 mit der taktischen Kennung S 181 am Turm
Foto: PIZ Marine

Taufpatin von U 2 wurde die Ehefrau von Kapitän a.D. Wilhelm Schulze, vormals Kommandant des U-Bootes U 98 aus dem 2. Weltkrieg. Motiv des Bootswappens von U 2 wurde der berühmte Schwarze Kater von U 48 den dieses Boot vorne an der oberen Turmvorderseite fuhr.


U 48 im Jahre 1940 in Kiel

U 48 war das erfolgreichste U-Boot des 2. Weltkrieges. In der neuen Deutschen Marine sollte der Schwarze Kater vor gelbem Hintergrund dafür stehen,daß etwas an und für sich friedliebendes auch in Verteidigungspose gehen kann und dabei gespannte Abwehrbereitschaft sowie die Fähigkeit sich zu verteidigen zeigt.

Im weiteren soll diese Pose Wachsamkeit und Beobachtungsfähigkeit demonstrieren. Natürlich war dies auf die neue Rolle der Deutschen Marine in der Westeuropäischen Union sowie auf den Kalten Krieg gemünzt.
Am 10. Juli 1962, zwei Monate nach U 2, stellte dann U 3 unter Oberleutnant Ullmann in Dienst. Bootswappen wurde hier das Stadtwappen der Patenstadt St. Georgen im Schwarzwald.

Mit der Übernahme von Stadtwappen in das Bootswappen wurde eine schon in der Kriegsmarine gepflegte Tradition der Kaiserlichen Marine übernommen. Neben der hiermit demonstrierten Verbundenheit zur Patengemeinde zeigt das Wappen auch die Bereitschaft des Bootes zum Wohle der Gemeinschaft Bedrohungen abzuwehren.
Die Boote erhielten bei Indienststellung der Reihe nach die taktischen Kennungen S 180, S 181 und S 182 und wurden alle dem 1. Ubootgeschwader von Fregattenkapitän Hans-Günther Lange in Kiel-Wiek unterstellt. Dieses Geschwader fuhr ein Wappen in dem der linke Schenkel eines roten "U" den Turm des Marine-Ehrenmals Laboe und der rechte Schenkel die Nummer "1" der Geschwadernumerierung darstellte. Durch das rote "U" fuhr ein Boot der Klasse XXIII bzw. der späteren NATO-Klasse 240 mit der für diese Boote typischen Turmgestaltung nach 1961.

In der Folgezeit fuhren die ersten Besatzungen mit jeweils vier Offizieren, zwölf Unteroffizieren und fünf Mannschaftsdienstgraden zur See. Für U 2 und U 3 kam aber schon im Juli bzw. August 1963 das Aus. Im Schiffsrumpf aus antimagnetischem Stahl waren kristalline Risse sowie Spannungsrißkorrosionen entdeckt worden. Die Rümpfe mußten mit ferritischem ST 52-Stahl neu gebaut werden, wonach sie neu zur Klasse 205 gehörig klassifiziert wurden. Später wurden die Boote dann wieder Indienstgestellt.

Am 14. September 1966 rückte ein besonderes Ereignis die Rettungsmaßnahmen sowie die Rettungsmittel der U-Bootwaffe in der Deutschen Marine in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. An diesem Tag war nämlich U Hai zusammen mit U Hecht, U 3 sowie dem Tender Lech und dem Begleitschiff Passat zu einem Flottenbesuch nach Aberdeen ausgelaufen. Dabei kam es auf U Hecht zu einer Schraubenhavarie, so daß der Tender Lech dieses Boot bei aufkommendem Sturm und Windstärke sieben in Schlepp nehmen mußte. Wegen den fünf Meter hohen Wellen fiel es dem Schiffsverband zunehmend schwerer zusammen zu bleiben, vor allem die U-Boote drifteten immer weiter auseinander,so daß bald auch der Sichtkontakt verloren war. Zu allem Überfluß verlor dann die Lech auch noch den Funkkontakt zu dem mittlerweile dem Verband vorausfahrenden U Hai. Auf diesem Boot landete in der aufgekommenen schweren See Brecher auf Brecher, wodurch kurz nach 22 Uhr plötzlich viel Wasser den Zuluftstutzen des eingefahrenen Schnorchel hinunterstürzte und sich in der Maschinenraumbilge sammelte. Hierdurch stellte sich eine gewisse Achterlastigkeit ein, die ihrerseits ein fortwährendes Entlüften der achteren Tauchzellen bewirkte. Dies wurde im allgemeinen Stampfen des Bootes im Sturm zunächst nicht bemerkt. Erst als das Boot kurz vor dem Kentern war und bereits Wasser durch das Turmluk eindrang, bemerkte der Kommandant, Oberleutnant Wiedersheim, wie schlecht es stand. Er gab aber gleich über Lautsprecher den richtigen Befehl "Alle Mann von Bord !" Trotzdem der nun immer schneller in das Boot stürzenden Wassermassen kamen noch zehn Seeleute heraus. U Hai sank dann 138 Seemeilen nordwestlich von Helgoland auf der Doggerbank in 40m Tiefe. Relativ schnell wurden die Überlebenden vom Wind auseinandergetrieben. Das einzige was sie in diesem Wetter an der Wasseroberfläche hielt, war ihr Tauchretter TR 66. Dieser war gerade neu bei der Truppe eingeführt worden.  Nachdem er 13 Stunden in der aufgewühlten See trieb, wurde Obermaat Peter Silbernagel -der Smutje des Bootes- von der Besatzung des englischen Fischtrawlers St. Martin aufgefischt. Zu seinen Erlebnissen befragt äußerte er sich so, daß ihm die 13 Stunden gar nicht so lang erschienen. Er hatte zu viel damit zu tun, in diesem Sturm über Wasser zu bleiben. Die restlichen 19 Kameraden von ihm starben bei dem Unglück.
 


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