Blasenfreies Reisen unter Wasser – von Achim Schlöffel
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich Gero Stenger von TTE (Tech-Tauch-Equipment) in Überlingen gefunden habe.
Aber dann, eingebettet zwischen Weinbergen und kleinen Fachwerkhäusern,
unter dem azurblauen Himmel des Dreiländerecks stand ich vor dem Mann,
der nach mir ausschicken hat lassen – zu kommen und zu testen – den Voyager
Rebreather...
Gero Stenger mit dem Voyager
Als bekennender „DIRler“ (der Leser möge es mir verzeihen – ich
kann halt nicht anders) war mir der erste Eindruck etwas „unübersichtlich“
– aber nach der objektive Beurteilung des neuesten Kreisels italienischer
Bauart, revidierte ich meinen ersten Eindruck recht schnell.
Voyager von Aquatec
Gero machte es uns leicht und Dank seiner Kompetenz und Erfahrung mit
dem Gerät wurde dessen Innenleben schnell durchsichtig für uns.
Allgemeiner Eindruck zum Voyager ist, dass es dem Konstrukteur mehr um
praktisches Design denn um Gefälligkeit ging. Kostengünstige
Lösungen haben Vorrang vor teueren, auch wenn diese vielleicht optisch
ansprechender gewesen wären. Das ist nicht negativ zu werten – da das
Gerät einen Einstiegspreis bietet, der seinesgleichen sucht und dabei
trotzdem durchdacht und gut verarbeitet wirkt.
Der Voyager-Rebreather
Der erste interessante Punkt ist sicher, dass man den Voyager sowohl halbgeschlossen
als auch geschlossen tauchen kann und somit eine Vielzahl von Möglichkeiten
in einem einzigen Gerät hat. Ein weiterer, nicht zu übersehender
Punkt ist, dass das Gerät eine CE-Zertifizierung besitzt, was ihn
von manchem Konkurrenzprodukt positiv unterscheidet.
Im halboffenen System läuft der Voyager wie die meisten Sporttauchkreisel
über Konstant-Flow. Großer Unterschied ist aber die Tatsache,
dass der Flow während des Tauchgangs vom Taucher variiert werden kann
und somit der aktuellen Tiefe angepasst wird. Der Flow kann auf einen Wert
zwischen 0 und 25 Liter pro Minute eingestellt werden. Die meisten Mass-Flow-Rebreather
haben das Problem, dass sie Gas verschwenden, wenn sich der Taucher nicht
auf der Tiefe befindet, für die er die Düse und damit den Flow
gewählt hat. Im Falle des Voyagers kann der User nun nachregeln und
somit die Gaseffizienz steigern. Allerdings birgt diese vom Taucher durchzuführende
Regulierung auch Gefahren, die eine feste Düse nicht hat.
Die Ausbildungsorganisation I.A.T.A lehrt diese Option daher erst ab
dem zweiten Ausbildungslevel mit dem Gerät.
Voyager im Einsatz
Halboffen – Geschlossen – alles zusammen??? Wie denn nun?
Im „Level 1“ Modus wird das Gerät mit zwei Flaschen betrieben, die
beide das gleiche Nitroxgemisch enthalten und mittels Konstantflow eingespeist
werden.
Im zweiten Level werden zwei unterschiedliche Gemische verwendet und
der Taucher hat die Möglichkeit unter Wasser einen Gaswechsel vorzunehmen
und den Flow an den Sauerstoffgehalt des neuen Gases anzupassen.
Im „Level 3“ schließlich wird der Voyager mit einer Flasche Diluent
(Sauerstoffgehalt entsprechend der geplanten Zieltiefe) und einer Flasche
mit reinem Sauerstoff betrieben.
Der Diluent dient nun als Atemgas, dass manuell bzw. „Lungenautomatisch“
gesteuert in den Kreislauf kommt. Der Sauerstoff ersetzt nach „KISS-Prinzip“
nur den Sauerstoff, den der Körper tatsächlich metabolisiert.
Somit ist ein blasenloses Tauchen möglich und der „CCR“ ist fertig.
Da der Sauerstoffverbrauch des Tauchers je nach Anstrengung variiert, kann
der Sauerstoff-Flow reguliert werden.
Selbstverständlich ist es - bei all den möglichen Eingriffen
die dem Anwender möglich sind - unerlässlich, eine Sauerstoffüberwachung
zu verwenden. Alles andere wäre russisches Roulette mit fünf
Kugeln in der Trommel.
Das Voyager hat
an der linken Gegenlunge, also auf der Einatemseite, einen Port, der den
Anschluss aller auf dem Markt befindlicher Sauerstoffüberwachungseinheiten
erlaubt. Aquatek bietet hier ein Gerät, dass den Sauerstoffgehalt mit
3 Sensoren auf 3 Displays erlaubt und somit zweifach redundant arbeitet.
Die wohl sicherste Lösung.
Die 2 Gegenlungen mit je 6,5 l Fassungsvermögen, sind außen
mit Kevlar beschichtet und werden weiter mit einem Cordura Beutel geschützt.
Die Atemschläuche haben einen Durchmesser von 35mm.
Montage der Gegenlungen
Nachdem das Funktionsprinzip klar war und wir alles fotografiert hatten,
machten wir uns auf an den Bodensee, um das Gerät auch im Wasser auf
Herz und Nieren zu prüfen.
Der Grund warum mir das Gerät auf den ersten Blick unaufgeräumt
vorkam, liegt sicher darin, dass auch einen Schale, die bei fast allen
anderen Rebreathern die Innereien verdeckt, verzichtet wurde. Dies hat
aber den großen Vorteil, dass man praktisch ohne Einschränkungen
unter allen möglichen Flaschengrößen wählen kann. Standard
sind 2 mal 4 Liter.
Die Flaschen werden einfach mittels Spanngurten, wie man sie von Jacket
kennt, außen am Rebreather befestigt und an der ersten Stufe verschraubt
– fertig!
Für Wrack- oder Höhlentauchgänge gibt es aber alternativ
ein Cover von Aquatek.
Am Tauchplatz angekommen wurden die Geräte tauchfertig gemacht.
Da ich ja fotografieren musst habe ich Chris mitgebracht, der den Voyager
tauchen wird.
Die Vorbereitungen sind denkbar einfach und wenn man einmal verstanden
hat, warum welcher Schlauch wohin gehört, ist der Rebreather schnell
aufgebaut.
Verstellbare "Verschlaufung" der Gegenlunge
Die über den Schultern positionierten Gegenlungen sind mit einer
raffinierten Einschlaufung versehen und können so auf jeden Nutzer,
egal wie groß eingestellt werden. Bedingt durch die Lage der Lungen
ist die Atemarbeit beim Voyager sehr gering. Wehmutstropfen der Lungen über
den Schultern ist die etwas eingeschränkte Sicht nach rechts und links.
Auch wird das Gerät dadurch insgesamt etwas voluminöser.
Was sehr angenehm auffällt, ist der gut durchdachte, einfach zu befüllende
und auf Grund seiner Transparenz leicht zu kontrollierende Kalkbehälter.
Der Filter hat eine Kapazität von 2,5kg (Standardfüllung Sofnolime).
In der Kammer für den Filter befindet sich ein Korb der das Filtermaterial
enthält. Das warme Ausatemgas wird unter anderem zwischen Korb und
Kammerwand entlang geführt, was eine weitere Isolation gegen Kaltwasser
und der damit einhergehenden eingeschränkten Kalk-Aufnahmekapazität bedeutet.
Nachdem der Kalkbehälter befüllt und im Gerät eingebaut
ist, werden die Flaschen montiert und angeschlossen. Dann wird der Switchblock
mit dem Nadelventil angeschlossen. Jetzt kommt noch der Sauerstoffsensor
und nachdem dieser kalibriert ist kann es losgehen.
Montage Switchblock
Vor dem eigentlichen Tauchgang steht jetzt aber noch die Dichtigkeitsprüfung.
Sowohl unter Überdruck, wie auch bei Unterdruck muss die Loop mindestens
1 Minute stabil bleiben. Wir haben sauber gearbeitet und alles ist dicht.
Es kann losgehen.
Chris erster Eindruck im Wasser ist, dass sich der Trimm im Vergleich
zum offenen Gerät stark ändert. Nachdem Gero aus reicher Erfahrung
das Blei etwas umverteilt, liegt alles perfekt und wir tauchen ab. Gerade
dem Rebreather Neuling gibt die Sauerstoffüberwachung viel Sicherheit
und zeigt „schwarz auf weiß“ wie sich das Gerät verhält.
Der Atemkomfort ist subjektiv sehr gut und Chris fühlt sich
bereits nach wenigen Minuten Pudelwohl.
Fazit:
Der Voyager Rebreather der italienischen Firma Aquatek ist ein sehr günstiger
und vor allem modular ausbaufähiger Einstieg ins Rebreathertauchen.
Der Aufbau des Gerätes ist logisch und nachvollziehbar und macht es
dem Taucher leicht das Gerät zu verstehen. Die Ausführung ist zwar
Geschmacksache aber handwerklich ordentlich umgesetzt und ohne Beanstandung.
Die Ausbildung ist konsequent und sinnvoll gestaffelt und führt
den Anfänger Schritt für Schritt in die Materie ein.
Technische Daten:
Modulares System:
SCR fixed Flow von 0-25 L / min
SCR variable Flow während des Tauchgangs zu verändern
CCR geschlossen mit festem oder zu veränderndem PpO2
Temperaturbereich: -10°C bis +50°C
CO2 Limit: 350 Liter Mit Sofnolime 1-2,5mm
Gewicht: 23kg mit 2x4 Liter oder 19kg mit 2x2 Liter
Gegenlungen: 2x6,5 Liter. Optional: 2x3,5 Liter
Jacket Größen: S, M, L und XL
Auftrieb der Blase: 23, 30 oder 50 kg
CE geprüft EN 14143
Limits :
SCR und CCR mit Nitrox : 40 Meter
CCR mit Helium : 100 Meter
Mögliche Gase:
SCR: Nitrox und Heliox Mischungen
CCR: Sauerstoff und Nitrox oder Helium Mischungen
SCR FF: optional aber dringend empfohlen!
SCR VF: mind. 1 Monitor
CCR: min 3 Sensoren / Monitore
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