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Onlinemagazin - 59. Ausgabe - Ein mystischer Tauchgang




 Geschrieben von Erika

Ein mystischer Tauchgang

von Erika Engelhardt

Lichteffekte im UW-Park Ibbenbüren
Gerade hat es hier in Ibbenbüren noch geschüttet, der provisorische Parkplatz steht unter Wasser, die Zelte flattern im Wind. Jetzt schaut die Sonne zwischen den dicken Wolken durch und verspricht ein Schauspiel von ganz besonderer Art.

Das Gelände des Unterwasserparks erinnert an eine vollgelaufene Baustellengrube (siehe auch Online-Magazin 48 - Der Unterwasserpark). Am bequemen Einstieg lockt jedoch das blaugrüne Wasser zum Abstieg in die Tiefe.

Unter Wasser ist das Licht diffus und jede Menge Kleinlebewesen zappeln zu Tausenden vor meiner Maske und trüben leicht die Sicht. Links ist eine Mauer zu sehen und das Baustellenfeeling mit Flatterband setzt sich erstmal fort.

Nach kurzer Orientierung jedoch und links um die nächste Ecke getaucht, beginnt ein phantastischer Tauchgang. Die Mauer weitet sich zu einem Raum ohne Decke, der Eindruck, in einem antiken Ruinenfeld zu tauchen, entsteht. Kleine und große Mauersteine liegen heruntergefallen umher, durch die etwas eingeschränkte Sichtweite entstehen ständig neue Perspektiven. Ein Raum schließt sich an den anderen, man verliert fast die Orientierung. Plötzlich tauchen dicke runde Säulen auf, ich erinnere mich an den Tempel von Karnak. Versteckspielen hinter dicken Säulen, dieses Mal frei schwebend. Licht fällt durch ein Loch im Hintergrund, die Sonne sorgt für leuchtende Strahlen. Ich kann kaum beschreiben, wie ich mich fühle, es ist wie in einer anderen Welt. Bin ich im Fantasy-Film oder ist’s eher Fiktion? Der Tempel ist zum Teil verschüttet, verschiedene Ebenen lassen alles geheimnisvoll und viel größer erscheinen, als es ist.

Lichteffekte im UW-Park Ibbenbüren
mystische Lichteffekte im UW-Park

Am anderen Ende scheint wieder Licht um die Ecke, es geht leicht bergan und neue Mauern tauchen auf. Wie in einem Irrgarten fühle ich mich, die Orientierung wird schwieriger, die Konzentration steigt. Plötzlich taucht ein dunkles Loch auf. Kein Licht ist zu sehen. Der Eingang ist eng, ich passe mit dem ganzen Gerödel gerade so durch. Gut, dass ich an die Lampe gedacht habe. Im Schein der Lampe weitet sich die Dunkelheit zu einem großen Raum, der dieses Mal oben geschlossen und deshalb ohne Licht stockdunkel ist. Ganz hinten schimmert in der Ferne ein heller Fleck und lockt mich weiter. Das Wasser ist hier ganz klar, kein Sediment bedeckt den Boden. Auf der rechten Seite taucht ein Fensterbogen auf, hier könnte man den Raum verlassen, aber ich bin so fasziniert, ich kann jetzt nicht raus...

Fenster im UW Park Ibbenbüren
Fensterbogen im Tempel

Ein Raum grenzt an den anderen, große Steine liegen am Boden, verschüttete Treppen sind erkennbar. Es geht rauf und runter. Die Tauchtiefe beträgt zum Teil nur einen Meter, die Wasseroberfläche glitzert geheimnisvoll.

Blick zur Wasseroberfläche im UW-Park Ibbenbüren
Blick zur Oberfläche

Am Ende des ersten Höhlensystems geht’s durch einen Schacht nach unten und um die Ecke taucht der Hauptweg draußen auf. Auf dem Boden flitzen kleine Molche umher und hier am Ausgang haben sich sogar Moostierchenkolonien niedergelassen. Wie kleine Raupen liegen sie auf dem sauberen Boden. Der Weg führt außen an der Höhlenwand entlang zurück, die Dunkelheit lockt und durch ein Fenster tauche ich noch einmal nach innen. Jetzt in der anderen Richtung sind die Perspektiven völlig neu. Inzwischen komme ich mir eher wie in einem James Bond Film vor (da gab’s doch mal was mit Unterwasserhöhlen).

Die phantastische Unterwasserreise geht weiter, ein weiteres Höhlensystem schließt sich an. Ich stelle mir vor, um die nächste Ecke kommt ein großer Stör und erschrickt vor der blubbernden Taucherin. Das bleibt allerdings erst einmal noch ein Traum, denn die Störe werden erst im nächsten Jahr eingesetzt. Auch hier diffuses Licht und ab und zu finden Sonnenstrahlen von oben ein Loch und erhellen einen kleinen Bereich.

Lichteffekte im UW-Park Ibbenbüren


Außerhalb der Höhlen finden sich Steine und Mauern, von Baustelle keine Spur mehr. Nach dem Dunkel im Inneren kommt es mir draußen ungewohnt hell vor. Die Sonne ist wieder da. Plötzlich taucht der Rumpf eines Schiffes auf. Ein Wrack eines Lastkahnes, vollständig durchtauchbar, hat hier seine letzte Bestimmung gefunden.

Wrack im UW-Park Ibbenbüren
Das Wrack im UW-Park Ibbenbüren

Die große freie Fläche danach erschwert die Orientierung. Auf dem Boden haben sich ein paar Kugelalgen verloren und die kleinen Molche gleiten zwischendurch. Ich habe keine Ahnung, wo Norden oder Süden ist. Schon taucht wieder eine Höhle auf, wieder ein anderer Aufbau, nein langweilig wird’s hier wirklich nicht. Lichtspiele der langsam versinkenden Sonne zeigen spannende Perspektiven.

Lichteffekte im UW-Park Ibbenbüren


Eigentlich will ich gar nicht weg hier, am liebsten gleich noch eine Runde tauchen, obwohl der Blick auf den Computer inzwischen eine Tauchzeit von mehr als 70 Minuten zeigt. Selbst die sonst immer drückende Blase und der Kältereiz sind vergessen.

Ein zweiter Tauchgang folgt, bei dem der mystische Eindruck noch verstärkt wird, da die Orientierung leichter ist. Im Grunde ist die Faszination beim zweiten Tauchgang noch größer.

Infos:

Der Unterwasserpark Ibbenbüren bleibt noch bis zum 15. Oktober 2005 geöffnet, wird dann abgelassen und fertig gebaut. Im Sommer 2006 soll dann die endgültige Öffnung erfolgen.

Zurzeit gibt es eine kleine Basis mit Füllstation und Toiletten. Vorherige Anmeldung ist Pflicht.

Zum Tauchgang gibt es Orientierungshilfen, unter Wasser sind sehr dezente Markierungen angebracht. Wegen des vielen Metalls, das verbaut wurde, kann der Kompass nicht eingesetzt werden.

Als nächste Baumaßnahme soll eine feste Basis mit warmen Umkleideräumen, Nass- und Trockenräumen und direkter Einstiegsmöglichkeit entstehen.

Ich weiß schon, hier werde ich Stammgast.

Weitere Informationen direkt auf der Webseite des UW-Parks.

© 2005 Erika Engelhardt


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