In der 49. Ausgabe des Taucher.Net Magazins habe ich ausführlich
über den Submatix 100 ST berichtet. Nun bekam ich vor drei Wochen
überraschend einen Anruf mit der Frage, ob ich den neuesten Submatix
Prototypen testen wolle. Was für eine Frage – klar wollte ich.
Wenige Tage später lieferte UPS den gewohnt sauber gepackten Karton
mit dem neuesten technischen Produkt der deutschen Kreiselschmiede.
Beim Auspacken dachte ich zuerst: „...die haben es verpatzt“ – das ist ja das Teil, das ich schon kenne...“. Weit gefehlt. Unter dem gewohnten, angenehm
kleinen Gehäuse verbirgt sich der „Neue“ fast wie unter einer Tarnkappe
und nur ein paar kleine Details lassen erahnen, dass es sich nicht um einen
ST oder XT handelt.
Details zum Submatix CCR
Hebt man das Cover an, fällt sofort auf, dass zwei unterschiedliche Gase im Gerät verstaut
sind. Rechts liegt die Zweiliter-Sauerstoffflasche, links die mit „Diluent“ beschriftete.
Ein weiterer markanter Unterschied zum bekannten Mass-Flow-Rebreather
ist der blaue, dünne Schlauch, der für die Sauerstoff-Einspeisung
zuständig ist.
Von außen sieht man eigentlich nur an dem rechts aus dem Gerät
geführten Sauerstoffbooster, dass etwas anders ist.
- Click öffnet Detail-Bild -
Während ich das Gerät langsam in seine Bestandteile zerlege, sehe
ich zu meiner Freude, dass sich seit meinem letzten Test einige kleine Details geändert haben. Ich werte das als großen Pluspunkt für
den Hersteller, der damit zeigt, ein offenes Ohr für konstruktive Kritik zu haben - und diese Verbesserungsvorschläge auch konsequent in die Serie einfliesen lässt.
Da wären zum ersten die Anschlüsse der ersten Stufen an die Flaschen,
die inzwischen keinen Adapter mehr benötigen.
Weiterhin sind die Procon-Verbinder,
die die Atemschlauchgarnitur mit dem Gerät verbinden, mittels eines
Überwurfrings gegen ein unabsichtigtes Öffnen gesichert.
Schade, dass bei den Verbindungen im Inneren des Gerätes (das ja während des Tauchgangs vom Taucher nicht kontrolliert werden kann) die einfache Lösung
keinen Platz hat. Ich bin mir aber sicher, dass die Brüder Leßmann
auch hier noch eine Lösung finden. Gerade in einem Gerät, das eindeutig
in Richtung technisches Tauchen zielt, sollte eine solche Fehlerquelle nicht
vorhanden sein.
An dieser Stelle darf man allerdings nicht vergessen, dass das vor mir
liegende Gerät ein Prototyp ist und somit nicht als Meßlatte
für ein in Serie gefertigtes Gerät herhalten darf.
Einblicke (Click zum Vergrössern)
KISS
Ja, und wie funktioniert das jetzt? Eigentlich ganz einfach: Das Submatix basisiert auf dem „KISS-Prinzip“ (KISS => Keep It Stupid & Simple).
Demnach wird in einem bestehenden Kreislauf nur der vom Taucher tatsächlich
metabolisierte Sauerstoff ersetzt. Je nachdem, ob sich der Taucher in Ruhe
befindet oder sich gerade anstrengt, liegt der Wert, die sogenannte Metabolisierungsrate,
zwischen 0,8 und 3,0 Liter Sauerstoff pro Minute. Da dieser Wert eben je
nach Betätigung des Tauchers, aber auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich
ist, muss vor dem Tauchgang ein Wert festgelegt werden, der dann konstant
in den Einatembeutel injiziert wird. Der Nachteil der Methode ist offensichtlich.
Entspricht der eingestellte Wert nicht dem tatsächlichen Verbrauch,
stimmt der Sauerstoffpartialdruck im Gemisch nicht und der Taucher läuft Gefahr in die Hypoxie oder Hyperoxie zu kommen.
Das Gerät lässt sich also nur mit einer redundanten Sauerstoffüberwachung
sicher betreiben. Das Submatix bietet die Möglichkeit, alle gängigen
Sauerstoffüberwachungen zu installieren. Empfehlenswert ist eine Einheit,
die über eine akustische Warnung verfügt und den Taucher warnt, wenn der Wert "aus dem Ruder läuft". Für den Fall, dass zuviel Sauerstoff
ins Gemisch kommt – was eher unwahrscheinlich ist, wenn der O2-Flow konservativ
eingestellt ist – spült der Benutzer den Kreislauf mit Diluent. Sinkt
der Sauerstoffgehalt im Gas unter den Sollwert, hat das Gerät einen
sogenannten O2-Booster, mit dem der Taucher nun über einen Bypass Sauerstoff
in den Kreislauf bringen kann. Das hört sich zunächst komplizierter an, als es in der Praxis tatsächlich ist. Im Test war der Flow auf 1,2 Liter pro Minute
eingestellt und bei drei entspannten Tauchgängen blieb der PO2 erstaunlich
stabil.
Technisch wurde das gelöst, indem die erste Stufe an die Sauerstoffflasche
gekapselt wurde. Unabhängig vom Umgebungsdruck und somit der Tiefe liefert
diese nun konstanten Gasfluss. Eigentlich war es das auch schon. Die Diluent-Flasche liefert automatengesteuert das Gas in die Gegenlunge und stellt
das Atemvolumen mit dem gefüllten Gemisch sicher. Gleichzeitig werden
so auch schnelle Abstiege selbstständig kompensiert. Der oben bereits
beschriebene konstante O2-Fluss gleicht dann noch den Sauerstoffverlust aus,
der durch die Metabolisierung hervorgerufen wird - und fertig ist das CCR.
Bedingt durch den nicht mehr existenten Gasfluss, der in einem Konstant-Flow-Rebreather herrscht, gibt’s noch ein Problem mit der Wasserfalle. Ebenso wirkt
der Auffangraum unter dem Absorbermaterial im Kalkbehälter natürlich
nur, wenn das Gerät bzw. der Taucher steht. Sobald er eine horizontale
Lage einnimmt, läuft Wasser in den Kalk. Das spielt zwar nur
eine Rolle wenn der Rebreather volläuft, ist aber ein Punkt, über den man sich vor der Serienreife sicher noch Gedanken machen muss. Das Problem ist
Submatix aber bewusst und eine Lösung ist in Arbeit.
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei dem Testgerät um einen
Prototypen...
Derzeit wird noch an dem Gerät gefeilt und auch eine CE-Prüfung
steht noch ins Haus. Gegen Mitte bis Ende 2006 wird der neue
Rebreather dann auf dem Markt sein. Eine interessante Option für alle
Besitzer der bis dato lieferbaren Submatix Geräte, aber auch für
Neueinsteiger, die noch unschlüssig sind, was den Kauf anbelangt,
ist die Möglichkeit die bestehenden Geräte auf CCR umzubauen. Das
Umbaukit wird voraussichtlich für unter 200,- Euro zu haben sein.
Fazit
Das Submatix CCR wird einer der günstigsten geschlossenen Kreisläufer
mit CE auf dem Markt sein und sicher seine Käufer finden. Vor allem
durch das modular ausbaufähige System bieten sich gerade dem Neueinsteiger
einige interessante Möglichkeiten. Das Thema Kreislauftauchen kann kostengünstig
mit einem relativ einfachen SCR erlernt werden - und man kann die ersten Erfahrungen
sammeln. Später ist keine teuere Neuanschaffung nötig, sondern
das vertraute und bewährte Gerät kann einfach zu einem geschlossenen System umgerüstet werden. Ebenso kann auch die Ausbildung dem neuen
Gerät stufenweise angepasst werden, was bei den einschlägigen Verbänden
sicher zügig umgesetzt wird.
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