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Onlinemagazin - 59. Ausgabe - Und der Haifisch, der hat Zähne...




 Geschrieben von Harald Mathä

Und der Haifisch der hat Zähne...

von Harald Mathä

...und die trägt er im Gesicht, etc.
Eigentlich fallen sie ihm auch laufend aus dem Gesicht und sind das Einzige, was dann schlussendlich von ihm für fast ewig übrigbleibt - und eben von der Suche nach diesen fossilen Haizähnen in Oberösterreich handelt der folgende Bericht.

"Die Jagd auf Haifischzähne ist ein Job für echte Kerle und setzt Mut, klaren Geist sowie eine schnelle und sichere Hand voraus..."
(aus: "Der Haifischzahnjäger", Baron Bernward von Gabrielitz, Jahn-Verlag, Homburg 1926)

Oberösterreich vor 300 Millionen Jahren:

So lasche Sommer wie 2005 gab’s damals nicht und die Ur-ur-ur... Österreicher hätten zum Tauchen nicht in die Tropen fliegen müssen, da das heutige Europa sich ebendort, südlich des Äquators, befand. Natürlich dauerte es damals nur noch knapp 300 Millionen Jahre, bis der erste Taucher sich in die unbekannten Tiefen wagte und ich gestehe, dass dieser Vergleich ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist. Es werden aber noch mehr derartige, kursive (=schräge :-) Aussagen folgen...:-)

Sandtigerhai
Ein Haifisch der hat Zähne...
(c) by Wolfgang Pölzer (mit freundlicher Genehmigung)


Doch zurück ins wilde, unbekannte und tropische Oberösterreich im Devon, dem (Erd)Zeitalter der Fische. Eben da biss wohl ein Cladoselache (Ur-Hai) in irgendwas Festes wie eine Ankerkette und verlor einen Zahn. Der Zahn taumelte zu Boden, was dem Urhai ziemlich egal war, da ein neuer Zahn sich aus seinem Revolvergebiss rasch nachschob und den verlorenen ersetzte. Er dachte sich wahrscheinlich nicht mal etwas dabei...

Vielleicht starb aber auch vor 160 Millionen Jahren ein Hybodus und die Zähne waren das einzige, was von ihm übrig blieb. Wer weiß!

Instruktionen bei der Suche nach Haizähnen
Letzte Instruktionen von Robert Hofrichter

ZÄHNE bestehen u.a. aus Hydroxylapatit, einer ungeheuer stabilen und inerten Substanz, die chemischen und mikrobiologischen Angriffen weitestgehend widersteht. Ironie der Evolution: Da liegt ein perfekter, Zigmillionen alter Zahn eines Haies in meiner Hand und ich werde bei heiß oder kalt im Mund regelmäßig schmerzhaft an meinen überfälligen Zahnarzttermin erinnert! Was soll denn das?

Haivolutionäres:

Wie bereits erwähnt, gibt es Haie seit etwa 350 Millionen Jahren. Die moderne Haiform mit bauchständigem Maul entwickelte sich dann vor ca. 160 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit waren dann andere Fische bereits an Land gekrochen und hatten Lungen entwickelt, um Luft atmen zu können, sowie ein stabiles Knochenskelett entwickelt, um der Schwerkraft an Land besser trotzen zu können und den dafür benötigten Muskeln halt zu bieten.

Nun dürfte es aber damals im Jura (NICHT die "Jura“ im Bodensee! ) an Land trotz massig Sauriern und Vögeln :-) ziemlich langweilig gewesen sein. Vielleicht war’s aber manchen Tieren mit den doofen Sauriern überall einfach zu stressig. Oder sie hatten alle eine Schachtelhalm-Allergie... wir werden es nie erfahren, warum!
So manches Neo-Landtier beschloss damals, wieder zurück ins Wasser zu übersiedeln, wo im Gegensatz zu "oben" offenbar mehr los war, oder bessere Lebensbedingungen herrschten.

Suche nach Haizähnen
Die wohl erfolgreichsten Haizahnsucher

Die jetzt überflüssige Lunge wurde zur Schwimmblase, kompensierte nun die schweren Knochen und ermöglichte ein "Tarieren" Unterwasser. Geatmet wurde nun wieder über die guten, alten Kiemen. Die stabilen Knochen und die daran befestigte Muskulatur ermöglichten nun in Kombination mit der neuen Schwimmblase viel diffizilere Schwimmbewegungen, als das bloße "vorwärts" des Knorpelfisches Hai.
Diese gut austarierten Knochenfische konnten bewegungslos im Wasser stehen, sich am Ort drehen und sogar rückwärts schwimmen! (warum drängt sich mir bloß jetzt der Vergleich mit einem erfahrenen D.I.R. Taucher auf...?)
Aber all diese veralteten Features bedeuteten noch lange nicht das AUS für die Haie! Manche Arten starben zwar aus, andere wieder besetzten höchst erfolgreich Nischen - und wurden zu Recht als die Herrscher der Meere genannt.

Gut! Die ins Wasser zurückgekehrten Säugetiere wie Wale und Delphine stellten später eine weitere ernsthafte Konkurrenz für die Haie dar, aber auch die konnten sich irgendwie arrangieren. Erst viel später drängte ein Säugetier die Haie - und nicht nur diese - an den Rand der Ausrottung: Der Mensch!

Sand-Sieben nach Haizähnen
Wie damals in Klondyke! ;-)

Die Suche nach dem verlorenen (Hai)Zahn:

An einem Samstag im September trafen sich Biologen, Studenten und biologisch Interessierte mit Dr. Robert Hofrichter, DEM österreichischen Meeresbiologen, in Prambachkirchen in Oberösterreich.
Mit Küberl, Schauferl und Sieberl bewaffnet ging es in eine nahe gelegene Sandgrube.
In dieser riesigen Sandkiste begann nun die Suche nach den ominösen Haizähnen, die sich hier befinden sollten.

Zugegeben! Ich bin bei so was kein besonders guter Verlierer und wollte keinesfalls mit leeren Händen - alt (aussehend) und zahnlos, sozusagen - nach Hause gehen. Also packte ich sicherheitshalber schon zuhause einen schönen großen Haizahn, den ich schon länger besitze, ein!

Haizahn
Mein schöner "Fund" ;-))

Eine unnötige Vorsichtsmaßnahme, da auch ich - neben viel fachsimpeln (tratschen!) und fotografieren - dann auch zwei fossile Haizähne fand.
Den boshaften Plan, ein paar Muschelschalen von den Malediven im Sand zu verstecken, hab ich aber im Vorfeld (leider) verworfen.

Die Länge eines Hais kann man übrigens anhand seines Zahnes etwa so bestimmen: Zahnlänge in cm gleich Hailänge in Meter (unempirische, grobe Faustformel!)

Warum findet man hier, hunderte Kilometer vom nächsten Meer entfernt und in einer Meeres(sic!)Höhe von etwa 370 Metern heute immer noch Haizähne?
Vor vielen Millionen Jahren bildeten hier Ausläufer des Tethysmeeres ein seichtes, warmes Meer, dessen Wellen sich am Granit der Böhmischen Masse des Mühlviertels brachen. (Ob das jetzt geologisch stimmt, da bin ich nicht ganz sicher, aber ich finde die Vorstellung, dass das (mein!) Mühlviertel am Meer läge, einfach schön!) In diesen Wässern tummelten sich Haie aller Art und Größe.
Hätte es da nicht noch so manche geologische Veränderung gegeben, wäre hier wohl heute ein erstklassiges Tauchrevier (aber ich wiederhole mich).

Sand-Sieben nach Haizähnen
Gut gesiebt ist halb gewonnen!

Die zermahlenen Korallen, Muscheln, etc. dieses Meeres bildeten die heute mächtigen Sandvorkommen in diesem Raum, die schon lange gewerblich abgebaut und verarbeitet werden.
Mit etwas Glück und G´spür können in dieser Gegend ("Gegend" ist gut gesagt... eigentlich ist es der Raum nördlich der heutigen Alpen zwischen Wien und München!) nahezu in jeder Sandgrube fossile Haizähne gefunden werden! (Eigentümer vorher unbedingt um Erlaubnis fragen!)

Die ersten, wenige Zentimeter großen Haizähne waren an diesem Tag auch rasch gefunden. Einige besonders findige Teilnehmer hatten Glück und/oder eine besonders gute Nase und gruben und siebten auf einem Plateau in einigen Metern Höhe ein richtiges "Nest" aus.

Haizähne aus der Urzeit
Die Riesenzähne im Vergleich!

Darunter befanden sich riesige Zähne, mit denen nicht einmal Dr. Hofrichter hier gerechnet hätte! Die Handtellergroßen Fundstücke stammen von einem riesigen Hai, vielleicht sogar von einem Megalodon - dem größten je existierten Hai!
Dieser Hai mit bis zu beeindruckenden 15 Metern Länge ist erst vor geologisch sehr kurzer Zeit - ungefähr in der letzten Eiszeit - ausgestorben. Die Nummer 1 ist seither der große weiße Hai (Carcharodon carcharias).
Spekulationen, dass der Megalodon heute noch in der Tiefsee leben könnte, sind allerdings Unsinn!

So wurde an diesem Tag jeder mehr oder weniger erfolgreich fündig. Stars waren aber sicher die Megalodonzahn-Finder.
Am häufigsten wurden längliche, spitze Zähne von 2 cm Länge gefunden. Aber auch die typischen dreieckigen Zähne waren öfters unter den Fundstücken.

Haizähne aus der Urzeit
Auch eine gute Ausbeute!

Den Abschluss bildete eine zünftige Jause in einem Gasthaus, wo die Exkursionsteilnehmer ihre Funde präsentierten, sie gegenseitig bewunderten und diskutierten. Dr. Hofrichter konnte auch hier die offenen Fragen der Teilnehmer beantworten.
Robert Hofrichter ist übrigens unter anderem Seychellen-Experte und Autor DER (wissenschaftlichen) Buchreihe "Das Mittelmeer".

Einen lehrreichen und lustigen Abschluss bildete der RSEC-Wissentest "Knorpelfische und Haie"

Dr. Robert Hofrichter
Exkursionsleiter Dr. Hofrichter

Fazit:

Ein höchst interessanter und lehrreicher Tag sowohl für Biologiestudenten, Biologen, Haischützer, Taucher sowie allen Interessierten.
Diese Exkursion ist auch für Kinder jeden Alters (unter entsprechender Aufsicht) sehr gut geeignet!
Die nächste Haizahn Exkursion findet 2006 statt.
Weitere Infos auf den Seiten von RSEC und Forum Natur&Zukunft.

Unkostenbeitrag: 9 Euro


Und der Haifisch, der hat Zähne... stammt übrigens aus der "Mäckie Messer Moritat", Dreigroschenoper von Bert Brecht.
... denn ein Haifisch ist kein Haifisch,
wenn man's nicht beweisen kann. [ende]

Literaturempfehlung:

Wie Haie wirklich sind, Hans Hass und Irenäus Eibl-Eibesfeldt
Sharks, Angelo Mojetta
Das Mittelmeer, Band I- Robert Hofrichter

Suche nach fossilen Haizähnen
Ist wohl hier DIE richtige Stelle?

Nützliche Links:

Dr. Robert Hofrichter
Red Sea Enviromental Center (RSEC)
Forum Natur&Umwelt
Hai-Links Taucher.Net
Forum Biologie Taucher.Net
Bücher zum Thema


(c) 2005 Harald Mathä
(c) Sandtigerhai Wolfgang Pölzer www.unterwasser-fotos.com (mit freundlicher Genehmigung)



TIPP:Verbandsanschriften, Telefonnummern und weitere Kontaktinfos zu Tauchsport-Organisationen gibt es hier.


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