...und die trägt er im Gesicht, etc. Eigentlich fallen sie ihm auch laufend
aus dem Gesicht und sind das Einzige, was dann schlussendlich von ihm für fast
ewig übrigbleibt - und eben von der Suche nach diesen fossilen Haizähnen
in Oberösterreich handelt der folgende Bericht.
"Die Jagd auf Haifischzähne ist ein Job für echte Kerle und setzt
Mut, klaren Geist sowie eine schnelle und sichere Hand voraus..."
(aus: "Der Haifischzahnjäger", Baron Bernward von Gabrielitz, Jahn-Verlag,
Homburg 1926)
Oberösterreich vor 300 Millionen Jahren:
So lasche Sommer wie 2005 gab’s damals nicht und die Ur-ur-ur... Österreicher
hätten zum Tauchen nicht in die Tropen fliegen müssen, da das heutige
Europa sich ebendort, südlich des Äquators, befand. Natürlich
dauerte es damals nur noch knapp 300 Millionen Jahre, bis der erste Taucher
sich in die unbekannten Tiefen wagte und ich gestehe, dass dieser Vergleich
ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist. Es werden aber noch mehr derartige,
kursive (=schräge :-) Aussagen folgen...:-)
Ein Haifisch der hat Zähne...
(c) by Wolfgang Pölzer (mit freundlicher Genehmigung)
Doch zurück ins wilde, unbekannte und tropische Oberösterreich
im Devon, dem (Erd)Zeitalter der Fische. Eben da biss wohl
ein Cladoselache (Ur-Hai) in irgendwas Festes
wie eine Ankerkette und verlor einen Zahn. Der Zahn taumelte zu Boden, was
dem Urhai ziemlich egal war, da ein neuer Zahn sich aus seinem Revolvergebiss
rasch nachschob und den verlorenen ersetzte. Er dachte sich wahrscheinlich
nicht mal etwas dabei...
Vielleicht starb aber auch vor 160 Millionen Jahren ein Hybodus und die Zähne waren das einzige,
was von ihm übrig blieb. Wer weiß!
Letzte Instruktionen von Robert Hofrichter
ZÄHNE bestehen u.a. aus Hydroxylapatit, einer ungeheuer stabilen
und inerten Substanz, die chemischen und mikrobiologischen Angriffen weitestgehend
widersteht. Ironie der Evolution: Da liegt ein perfekter, Zigmillionen alter
Zahn eines Haies in meiner Hand und ich werde bei heiß oder kalt im
Mund regelmäßig schmerzhaft an meinen überfälligen Zahnarzttermin
erinnert! Was soll denn das?
Haivolutionäres:
Wie bereits erwähnt, gibt es Haie seit etwa 350 Millionen Jahren. Die
moderne Haiform mit bauchständigem Maul entwickelte sich dann vor
ca. 160 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit waren dann andere Fische bereits
an Land gekrochen und hatten Lungen entwickelt, um Luft atmen zu können,
sowie ein stabiles Knochenskelett entwickelt, um der Schwerkraft an Land besser
trotzen zu können und den dafür benötigten Muskeln halt zu
bieten.
Nun dürfte es aber damals im
Jura (NICHT die "Jura“ im Bodensee! ) an Land trotz massig Sauriern und Vögeln
:-) ziemlich langweilig gewesen sein. Vielleicht war’s aber manchen Tieren mit den doofen Sauriern überall einfach zu stressig. Oder sie hatten alle
eine Schachtelhalm-Allergie... wir werden es nie erfahren, warum!
So manches Neo-Landtier beschloss damals, wieder zurück ins Wasser
zu übersiedeln, wo im Gegensatz zu "oben" offenbar mehr los war, oder bessere
Lebensbedingungen herrschten.
Die wohl erfolgreichsten Haizahnsucher
Die jetzt überflüssige Lunge wurde zur Schwimmblase, kompensierte
nun die schweren Knochen und ermöglichte ein "Tarieren" Unterwasser.
Geatmet wurde nun wieder über die guten, alten Kiemen. Die stabilen Knochen
und die daran befestigte Muskulatur ermöglichten nun in Kombination mit
der neuen Schwimmblase viel diffizilere Schwimmbewegungen, als das bloße
"vorwärts" des Knorpelfisches Hai.
Diese gut austarierten Knochenfische konnten bewegungslos im Wasser stehen,
sich am Ort drehen und sogar rückwärts schwimmen! (warum drängt
sich mir bloß jetzt der Vergleich mit einem erfahrenen D.I.R. Taucher
auf...?)
Aber all diese veralteten Features bedeuteten noch lange nicht das AUS für
die Haie! Manche Arten starben zwar aus, andere wieder besetzten höchst
erfolgreich Nischen - und wurden zu Recht als die Herrscher der Meere genannt.
Gut! Die ins Wasser zurückgekehrten Säugetiere wie Wale und Delphine
stellten später eine weitere ernsthafte Konkurrenz für die Haie dar,
aber auch die konnten sich irgendwie arrangieren. Erst viel später drängte
ein Säugetier die Haie - und nicht nur diese - an den Rand der Ausrottung:
Der Mensch!
Wie damals in Klondyke! ;-)
Die Suche nach dem verlorenen (Hai)Zahn:
An einem Samstag im September trafen sich Biologen, Studenten und biologisch
Interessierte mit Dr. Robert Hofrichter, DEM österreichischen Meeresbiologen,
in Prambachkirchen in Oberösterreich.
Mit Küberl, Schauferl und Sieberl bewaffnet ging es in eine nahe gelegene
Sandgrube.
In dieser riesigen Sandkiste begann nun die Suche nach den ominösen
Haizähnen, die sich hier befinden sollten.
Zugegeben! Ich bin bei so was kein besonders guter Verlierer und wollte
keinesfalls mit leeren Händen - alt (aussehend) und zahnlos, sozusagen - nach Hause gehen.
Also packte ich sicherheitshalber schon zuhause einen schönen großen
Haizahn, den ich schon länger besitze, ein!
Mein schöner "Fund" ;-))
Eine unnötige Vorsichtsmaßnahme, da auch ich - neben viel fachsimpeln
(tratschen!) und fotografieren - dann auch zwei fossile Haizähne fand. Den boshaften Plan, ein paar Muschelschalen von den Malediven im Sand zu
verstecken, hab ich aber im Vorfeld (leider) verworfen.
Die Länge eines Hais kann man übrigens anhand seines Zahnes etwa so
bestimmen: Zahnlänge in cm gleich Hailänge in Meter (unempirische,
grobe Faustformel!)
Warum findet man hier, hunderte Kilometer vom nächsten Meer entfernt
und in einer Meeres(sic!)Höhe von etwa 370 Metern heute immer noch Haizähne?
Vor vielen Millionen Jahren bildeten hier Ausläufer des Tethysmeeres
ein seichtes, warmes Meer, dessen Wellen sich am Granit der Böhmischen
Masse des Mühlviertels brachen. (Ob das jetzt geologisch stimmt, da bin
ich nicht ganz sicher, aber ich finde die Vorstellung, dass das (mein!)
Mühlviertel am Meer läge, einfach schön!) In diesen Wässern
tummelten sich Haie aller Art und Größe.
Hätte es da nicht noch so manche geologische Veränderung gegeben,
wäre hier wohl heute ein erstklassiges Tauchrevier (aber ich wiederhole
mich).
Gut gesiebt ist halb gewonnen!
Die zermahlenen Korallen, Muscheln, etc. dieses Meeres bildeten die heute
mächtigen Sandvorkommen in diesem Raum, die schon lange gewerblich abgebaut
und verarbeitet werden.
Mit etwas Glück und G´spür können in dieser Gegend ("Gegend" ist gut gesagt... eigentlich ist es der Raum nördlich der heutigen Alpen zwischen Wien und München!)
nahezu in jeder Sandgrube fossile Haizähne gefunden werden! (Eigentümer
vorher unbedingt um Erlaubnis fragen!)
Die ersten, wenige Zentimeter großen Haizähne waren an diesem
Tag auch rasch gefunden. Einige besonders findige Teilnehmer hatten Glück
und/oder eine besonders gute Nase und gruben und siebten auf einem Plateau
in einigen Metern Höhe ein richtiges "Nest" aus.
Die Riesenzähne im Vergleich!
Darunter befanden sich riesige Zähne, mit denen nicht einmal Dr. Hofrichter
hier gerechnet hätte! Die Handtellergroßen Fundstücke stammen
von einem riesigen Hai, vielleicht sogar von einem Megalodon - dem größten je existierten Hai!
Dieser Hai mit bis zu beeindruckenden 15 Metern Länge ist erst vor
geologisch sehr kurzer Zeit - ungefähr in der letzten Eiszeit - ausgestorben.
Die Nummer 1 ist seither der große weiße Hai (Carcharodon carcharias).
Spekulationen, dass der Megalodon heute noch in der Tiefsee leben könnte,
sind allerdings Unsinn!
So wurde an diesem Tag jeder mehr oder weniger erfolgreich fündig.
Stars waren aber sicher die Megalodonzahn-Finder.
Am häufigsten wurden längliche, spitze Zähne von 2 cm Länge
gefunden. Aber auch die typischen dreieckigen Zähne waren öfters
unter den Fundstücken.
Auch eine gute Ausbeute!
Den Abschluss bildete eine zünftige Jause in einem Gasthaus, wo die
Exkursionsteilnehmer ihre Funde präsentierten, sie gegenseitig bewunderten
und diskutierten. Dr. Hofrichter konnte auch hier die offenen Fragen der Teilnehmer
beantworten.
Robert Hofrichter ist übrigens unter anderem Seychellen-Experte
und Autor DER (wissenschaftlichen) Buchreihe "Das Mittelmeer".
Einen lehrreichen und lustigen Abschluss bildete der RSEC-Wissentest "Knorpelfische
und Haie"
Exkursionsleiter Dr. Hofrichter
Fazit:
Ein höchst interessanter und lehrreicher Tag sowohl für Biologiestudenten,
Biologen, Haischützer, Taucher sowie allen Interessierten.
Diese Exkursion ist auch für Kinder jeden Alters (unter entsprechender Aufsicht) sehr gut geeignet!
Die nächste Haizahn Exkursion findet 2006 statt.
Weitere Infos auf den Seiten von RSEC und Forum Natur&Zukunft.
Unkostenbeitrag: 9 Euro
Und der Haifisch, der hat Zähne... stammt übrigens aus der "Mäckie Messer Moritat", Dreigroschenoper von Bert Brecht.
... denn ein Haifisch ist kein Haifisch,
wenn man's nicht beweisen kann. [ende]
Literaturempfehlung:
Wie Haie wirklich sind, Hans Hass und Irenäus Eibl-Eibesfeldt
Sharks, Angelo Mojetta
Das Mittelmeer, Band I- Robert Hofrichter
(c) 2005 Harald Mathä
(c) Sandtigerhai Wolfgang Pölzer www.unterwasser-fotos.com
(mit freundlicher Genehmigung)
Saba & St. Eustatius - ein ausgefallenes Tauchreiseziel. Was es hier zu sehen gibt erfährst Du hier. Mit viel Wissenswertem und tollen Fotos ist dieser Reiseführer eine Pflichtlektüre für alle die einen Urlaub auf Saba planen.
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