Ein Stern geht unter

 Geschrieben von Oli

© 2000 Oliver Meise
-Keine Gewährleistung-

Am 14.Januar 1993 gegen 05.00 Uhr sank das ca. 140m lange Fährschiff  "Jan Heweliusz" während des Orkans Vernena (Windstärke 12) ca. 20 Seemeilen nordöstlich von Rügen in der noch zu Deutschland gehörenden Wirtschaftszone. Hierbei kamen 55 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben - zumeist polnische Seeleute und schwedische Brummifahrer. Mit Schuld soll auch noch ein mangelhaft funktionierendes Ballastsystem und eine angeblich ungenügend gesicherte Heckklappe gewesen sein.
Heckklappen sind seitdem ins Gerede gekommen,versank doch kurze Zeit später im Jahre 1994 die Estonia unter mysteriösen Umständen bei denen ebenfalls eine defekte Heckklappe eine Rolle gespielt haben soll.
Erst kurze Zeit vor dem Unglück soll die 3000 BRT-Fähre unsanften Kontakt mit dem Hafenkai der schwedischen Hafenstadt Ystadt gemacht haben.Die dabei entstandenen Schäden sollen nur unzureichend repariert worden sein.Die Roll-on/Roll-off - Fähre Jan Heweliusz mit jeweils einem Bug- und einem Hecktor hatte bereits einige Havarien hinter sich.
1977 umarmte die Jan Heweliusz schon auf ihrer Jungfernreise nicht eben zärtlich den Kai von Bornholm.Beladungsfehler führten 1978 in Ystadt zu einer Krängung von 45° und 1982 war wieder in Ystadt das Ballast- und Pumpsystem am aussetzen. 1983 führte eine erneute Krängung wegen einem Versagen der Ladungsbefestigung zu einer gefährlichen Krängung des Schiffs. Schließlich ramponierte die Jan Heweliusz 1987 noch einen schwedischen Zollkutter der ihr zu nahe kam. Nachdem nun die Jan Heweliusz versunken war, herrschte zunächst Uneinigkeit zwischen den beteiligten Regierungen,ob das Wrack gehoben werden sollte,oder nicht.Lediglich die Schweden waren für eine Bergung der Opfer.Um aber die Totenruhe nicht zu stören, wurde sich dann darauf geeinigt, keine Bergung durchzuführen.Eine Bergung wäre nach damaligen Schätzungen über 50 Millionen Mark teuer gewesen.
Die Untergangsstelle sollte zunächst so gesichert werden,daß Taucher nicht mehr in das Wrack eindringen können.Man befürchtete daß irgendwelche Gase ausströmen und die Taucher gefährden könnten.Außerdem sollten in den LKW`s versteckte Asylanten ertrunken sein.Dies wurde durch polnische Taucher aber verneint.

Hinzu kam,daß der Eigentümer-die polnische Reederei ihre Rechte am Wrack aufgab.
So kommt es,daß man es heute betauchen kann.Über dem Wrack befindet sich eine Wracktonne,so daß man den Tauchplatz relativ leicht finden kann. Meist wird nun in deren Nähe ein per Bojenseil ein Grundgewicht zum Wrack heruntergelassen. Hüpft man also nun ins Wasser kann man das Bojenseil als Referenz für den Abstieg hernehmen. Möchte man sich diesen Teil des Tauchgangs per Video ansehen,so kann man dieshiermachen. Man benötigt dazu jedoch den Realplayer. Den könnt ihr bei hier in der Form des RealPlayer 8 Basic downloaden.

Am unteren Ende des Bojenseils trifft man auf einen nahezu intakten Rumpf -der auf seiner Backbordseite liegt.

Nur die abgetrennte Heckklappe liegt in ca. 100m Entfernung vom Wrack weg auf dem festen Sandgrund.
Die Oberkante des Schiffsrumpfes trifft man ab 10m an. Die Maximaltiefe am Wrack beträgt ca. 26m.Als Besonderheit kann man auch in das Wrack hineintauchen.

Dabei sollte man aber in solchen Sachen Erfahrung und eine entsprechende Ausbildung haben.Ist dies der Fall erschließen sich einem das Fahrzeugdeck , die Brücke und der Maschinenraum mit Motor (Vorsicht herunterhängende Wrackteile aller Art und verrutschte,instabile Fracht) der Jan Heweliusz, sowie der LKW "Erwin" auf dem Oberdeck,das Ruder und die Schraube.
Außen ist der Schiffsrumpf schon dicht mit Miesmuscheln bewachsen - außer dort wo das Unterwasserschiff mit Schutzanstrich versehen war.Hier ist der Bewuchs noch vergleichsweise spärlich.Richtung Bug trifft man auf die großen Bugstrahlruder. Während des Tauchgangs bemerkt man an einigen Stellen,daß hier wohl schon die Schrottis unterwegs waren und sich ihren Teil aus dem Rumpf gesäbelt haben: Hie und Da sind Öffnungen am Rumpf die auf entsprechende Arbeiten schließen lassen. Dies trägt nicht zur insgesamten Stabilität des Schiffes bei,so daß eine verstärkte Einsturzgefahr in Betracht gezogen werden muß,speziell auch am Oberdeck.

Mit in den Tauchgang und seine Luftverbrauchsrechnung sollte man inklsive Aufstieg einkalkulieren,daß am Wrack fast immer Strömung herrscht.

Die Videos wurden uns freundlicherweise von dem Urheberrechtsinhaber Herrn Jan Else zur Verfügung gestellt.Im Internet wurden sie großzügigerweise für die Internetgemeinschaft zugänglich gemacht von Herrn Matthes Uhlmann ( bietet auch Ausfahrten zum Wrack an) auf seiner Seite www.tauchsportservice.de .
 


Infos

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