Stolli oder James ?

 Geschrieben von Armin

An der Costa Brava, in der Nähe von Palafrugell, liegt ein wunderschönes Fleckchen Küste, welches nicht nur zum Entspannen geeignet ist, sondern auch zum Tauchen.

Die Gegend ist für unseren Tauchclub nicht unbekannt, und nachdem wir einen Urlaub in Calella de Palafrugell beim Poseidon Nemrod Club verbracht haben, wollten wir diesmal in Basis von Stolli in Tamariu, ca. 5 km entfernt, ausprobieren. Die Basis ist durch Berichte in großen Tauchsportmagazinen sehr gut dargestellt worden, und so buchten wir recht früh für mehrere Taucher Anfang Juni Tauchgänge bei Stolli, einem erfahrenen Barakuda-TL und sehr gutem UW-Fotograf.

Dies war sehr unkompliziert, es wurde keine Anzahlung verlangt und auch keine unsinnigen Fragen gestellt. Also freuten wir uns auf ein schöne Tauchwoche in Tamariu.

Dort angekommen bezogen wir unser Domizil, welches wir direkt und nicht über Stolli gebucht hatten. Die Villa bot Platz für 10 Leute, wurde nicht das erste mal von uns besucht und bietet neben einem Grillplatz und einem beleuchteten Pool ein Kaminzimmer sowie ausreichend Platz, um sich auch mal gegenseitig aus dem Weg zu gehen.

Wohlgemutes ging ich dann zu Stolli, um die Taucherei klarzumachen. Dort angekommen fanden wir eine kleine Basis, welche direkt am Strand in ein Häuserfrontknick gebaut wurde. Hier war alles vorhanden, was man benötigt, einen Kompressorraum, eine kleine Rezeption und ein Trockenraum (den man eigentlich nicht so nennen konnte, denn bei 100% Luftfeuchtigkeit und null Durchzug trocknet hier leider nicht viel). Egal - wir waren schließlich zum Tauchen hier, und nicht zum trocknen.


Die Basis von Stolli. Paradox – aber der Platz rechts
der Blumenkübel gehört nicht zur Basis.

Einchecken war ebenfalls problemlos, nach dem Ausfüllen eines Haftungsausschlusses und Fragebogen zu den taucherischen Fähigkeiten war auch dieser Punkt erledigt. Dann sollte es also losgehen - die Taucherei. Doch beim Eintragen in die Bootsliste für den nächsten Tag mußten wir leider feststellen, daß alle Ausfahrten schon voll belegt waren, obwohl wir reserviert hatten. Hierzu sei zu sagen, daß Stolli nur morgens 3 Ausfahrten macht, und damit sehr glücklich ist, will so keine tiefen Wiederholungstauchgänge möglich sind und er deshalb seine Tauchunfallrate nach seinen Angaben auf Null reduzieren konnte.

Naja - nicht so toll - aber - es gibt ja noch das Hausriff, welches bei Stolli wirklich nicht übel ist. Einfacher Einstieg, schöne Küste, zwei kleine Autowracks und jede Menge interessante Mittelmeerfauna zu sehen. Da wir Anfänger dabei hatten, kam uns der erste Tag im Hausriff nicht ungelegen, und da wir uns in der Nähe der Basis am Strand plazieren konnten, wurde dies ein gemütlicher Tag. Doch auch an diesem Tag begann wieder der Kampf um die Bootsplätze, welcher durch die absolut überbelegte Basis entstanden ist. Man mußte schon früh an der Basis sein, um noch einen Platz zu bekommen, eine Gruppe mit 7 Tauchern unterzubekommen war schon recht schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Und so ging es Tag ein Tag aus, die Basis war gestopft voll, der Kampf um die Bootsplätze hatte sich erst dann gebessert, als ich mal etwas energischer vorsprach und auf unsere Reservierung hingewiesen habe. Nun wurde sogar mal eine zusätzliche Ausfahrt gemacht, bzw. stand unsere Gruppe morgens schon automatisch auf der Bootsliste.

Das Boot von Stolli, ein schöner Motorsegler, ist keine 50 m von der Basis entfernt, der Einstieg ins Boot ist supereinfach. Das Platzangebot auf dem Boot ist beschränkt, man sitzt auf dem Kabinenaufbau eng aneinander. Durch das etwas schlechtere Wetter wurden meistens nur Tauchplätze angesteuert, welche ein paar 100 m entfernt vom Liegeplatz des Bootes lagen.


Des Boot von Stolli. Gut, aber etwas eng, wenn viele Leute Platz finden müssen.

Was uns aber alle maßlos geärgert hat, war die Hektik und das Platzangebot an der Basis. Der Platz vor der Basis, welcher 2 Kleiderständer und 2 Bänke enthielt, war mit 15qm absolut zu klein, und wenn man sich vorstellt, daß sich gerade mal 15 Taucher abrödeln und 15 Taucher anrödeln, kann man sich vorstellen daß dies kein Spaß war.

Das dies anscheinend nicht immer so ist, machte uns ein Zettel klar, der nach ein paar Tagen in der Basis hing, und der meinen Hals zum Keksdosenformat anschwellen lies (ungefährer Wortlaut): "Ich habe euch alle gewarnt, als beschwert euch nicht, daß es hier so voll ist". Tja .. uns hat er leider nicht gewarnt, der Stolli, und so trafen wir trotz frühzeitiger Buchung in einen Rummel und Vereinswahn, welchen man seinesgleichen schon suchen muß.

An dieser Stelle dachte ich an unseren Urlaub vor 3 Jahren bei der Basis von James (Poseideon Nemrod Club, siehe den Bericht in unserer Datenbank), und ich mußte James besuchen, um mich zu vergewissern, ob dort derselbe Zustand war, denn an solche Hektik konnte ich mich bei James nicht erinnern.

Alles stand noch so dar wie vor 3 Jahren, und James begrüßte mich freundlich. Die Basis hat ein wesentlich größeres Platzangebot, und alles kam mir, wie erwartet, wesentlich ruhiger und entspannter vor. Nach einem Gespräch mit James wurde klar, daß sich hier nicht viel geändert hat: Tauchausfahrten über den ganzen Tag, Ruhe auf der Basis, und ein sehr entspannter Basisleiter mit seiner Frau, der einfach immer mal Zeit hat, um ein bißchen zu erzählen.


Der P.N.Club in Calella, hier eine Panoramaaufnahme.

Dabei merkte ich, daß wir diesen Urlaub bei der Wahl der Basis wohl einen Fehler gemacht haben.

Anbei noch ein paar Bilder vom Poseidon Nemrod Club:


James Plauderecke und James mit seinem ganzen Stolz – der Kompressor.

Fazit : Stolli wird uns wohl nicht mehr wiedersehen. Obwohl hier nach gutem alten CMAS Prinzip getaucht wird, das Boot wirklich schön ist, hat uns die Hektik und die Enge der Basis absolut abgeschreckt. Hier waren wir bei James wesentlich zufriedener, und dies wird wohl auch unser Ziel sein, wenn wir wieder in diese Ecke kommen. Gerade wenn man Anfänger dabei hat, ist James klar die bessere Wahl, denn jeder weis, wie sich ein Anfänger durch Hektik vor dem Tauchgang und in der Basis fühlt.

Eine alternative besteht noch in der Basis "Triton Diving", welche in Llafranc zu finden ist (zwischen Calella und Tamariu). Durch die niederländische Basenleitung sind hier aber recht wenig Deutsche anzutreffen (was ja nicht immer ein Nachteil ist J ). Auch das Durchlaufen des Ortes mit kompletter Ausrüstung vor und nach einem Tauchgang ist nicht jedermanns Sache, aber ansonsten machte die Basis einen ordentlichen Eindruck.

Anschließend möchte ich nochmal die Fakten aufzählen, die im direkten Vergleich zwischen den Basen von Stolli und James aufgefallen sind:

Fakt

Stolli

James

Lage der Basis

Direkt am Kai

Direkt am Strand

Größe der Basis

Sehr klein

Ausgiebig Platz

Platzangebot vor der Basis

Kaum vorhanden

Ausreichend Platz

Boot

Motorsegler, sehr schön

James' Kutter

Anlegestelle

Direkt an der Basis

Am Strand vor der Basis, bei schlechtem Wetter muß zum Boot geschwommen werden.

Kompressoren

Ausreichend, Heiligtum der Basis, während des Füllens darf der Kompressorraum nicht betreten werden.

Zwei alte Kompressoren, der Stolz von James.

Freundlichkeit

Gut, manchmal muß etwas nachgeholfen werden.

Sehr gut.

Preis

OK

War definitiv günstiger, gerade was Gruppenpreise angeht.

Hausriff

Super

Nicht so toll wie bei Stolli.

Dekobiermöglichkeit nach einem TG

Direkt neben der Basis

Direkt neben der Basis

Einkaufsmöglichkeit in der Basis

Nicht aufgefallen

Einiges zum Anziehen und dies und das.

Sonstiges

Öfters mal Abendangebote, Stollis guter Diaabend, ..

Programmabende, ...

Tauchplätze

Ullastres-Riffe, Tamariu

Ullastres, Tamariu, Wrack der Boreas (Palamos)

Frischwasser

Dusche neben dem Boot

Dusche vor der Basis

So kann sich jeder selbst einen Eindruck machen, was einem dort erwartet. Beide Basen haben eine Webpage:

Stolli's Tauchbasis oder der Poseidon Nemrod Club von James, auf der man sich informieren kann.

Achtung : Der Bericht entspricht nur der Meinung des Autors bzw. unserer Tauchgruppe.


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