Von Jessica Brühl ©
Der nachfolgende Bericht wurde in erster Linie für Nicht-Diabetiker
erstellt oder für Diabetiker, die noch keine Sporterfahrung haben.
Deshalb wurde die Thematik stark vereinfacht und relativ oberflächlich
behandelt. Die genauen Details, wie ein Diabetiker mit seiner Krankheit
umgeht, gerade in sportlicher Hinsicht können auf speziellen Diabetiker-Websites
nachgelesen werden. Siehe dazu untenstehende Links !
Das Problem
Noch immer haben sporttreibende Diabetespatienten eine Diskussion nach
der anderen, mit ihren teilweise Diabetes-unerfahrenen Ärzten, über
das Thema, wie weit sie gehen dürfen. Seit Jahren finden immer wieder
Studien in Großbritannien und seit neuestem auch in Deutschland statt,
mit dem Ziel, die Risiken für Tauchinteressierte Diabetiker zu isolieren
und zu minimieren.
Das Drama begann, als Mitte der 70er Jahre ein britischer Taucher durch
eine Deko-Krankheit ums Leben kam. Man vermutete damals einen direkten
Zusammenhang mit seiner Diabetes. Bei der Autopsie wurde ein persistierendes
Foramen ovale entdeckt, aber damals war die Bedeutung für Taucher
noch unbekannt. Heute ist klar, dass der Taucher nicht an seiner Diabetes
starb, sondern dass das PFO (siehe dazu auch den vorliegenden Bericht auf
Taucher.net) die Ursache war. Als Folge dieses Tauchunfalls wurde ein generelles
Tauchverbot für Diabetes-Patienten erlassen, das erst 1993 nach einer
britischen Studie zum ersten mal in Frage gestellt wurde und 1996 nach
einer Studie in Papua Neuguinea auch in Deutschland aufgehoben wurde (siehe
dazu untenstehende Links). Die Schwierigkeit beim Tauchen liegt darin ein
Mittelmaß zu finden, während des TG nicht zu stark zu Überzuckern
und erst recht nicht zu Unterzuckern !
Was ist Diabetes ?
Es gibt verschiedene Arten von Diabetes. Die bekannteste und am häufigsten
verbreitete Art ist der "Diabetes mellitus". Und um diese Form
geht es in diesem Bericht. Wörtlich übersetzt bedeutet dieser
Begriff "süßer Durchfluß", es bezeichnet das
Hauptsymptom: Zucker im Urin.
Diabetes, auch Zuckerkrankeit genannt, ist ein absoluter bzw. relativer
Insulinmangel im Blut oder eine Insulinaufnahmestörung. Dieses Hormon
garantiert normalerweise einen normalen Blutzuckerspiegel (60-120 mg/dl).
Ab etwa einem Blutzuckerwert (BZ) von 160mg/dl nüchtern tritt Zucker
in den Urin über. Deshalb der Begriff "süßer Durchfluss".
Es gibt grundsätzlich zwei Typen von Diabetes:
Typ I hat zu wenig Insulin, weil die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse
(Pankreas), die das Insulin produzieren und ins Blut ausschütten sollen,
beschädigt sind. Tritt in der Regel bereits im Jugendalter auf. Hier
gibt es oft starke Blutzuckerschwankungen mit der Gefahr der Unterzuckerung.
Wenn der BZ ca. unter 40 mg/dl fällt, bekommt das Gehirn nicht ausreichend
Energie zugeführt. Dies führt bis hin zum Bewußtseinverlust,
starken Hirnschäden wenn der BZ noch weiter abfällt oder gar
zum Tod.
Typ I wird von BZ-Messungen begleitet und mit Diät und Insulinzufuhr
(Spritzen, Insulinpumpe) behandelt.
Typ II tritt eher im Erwachsenenalter auf, besonders betrifft
es Übergewichtige Personen. Diese Personengruppe hat in der Regel
reichlich Insulin im Blut, oft sogar mehr als nicht-Diabetespatienten.
Allerdings kann dieses Insulin nicht oder in nicht ausreichender Menge
von der Körperzelle aufgenommen werden, da zuwenige Rezeptoren existieren,
die für die Aufnahme des Insulins und zuständig sind. Die verstärkte
Insulinproduktion führt bei Typ II Patienten oftmals zu einer Überbelastung
der Bauchspeicheldrüse und kann, falls keine Behandlung stattfindet,
zu einer Beschädigung der Inselzellen - und in Folge daraus zu einer
Typ I Diabetes führen.
Die Behandlung zielt in erster Linie daraufhin, die Zellen durch Diät (im Sinne von Gewichtsreduktion)
und sportlicher Betätigung wieder Insulinempfindlicher zu machen -
und dadurch auch die Überproduktion des Insulins mit der Folge der
Überbelastung der Bauchspeicheldrüse einzustellen. Die Behandlung
von Typ II wird mittels Tablettenzufuhr (Antidiabetikum) durchgeführt. Fuer Typ II gelten keine besonderen Bestimmungen, was das Tauchen angeht. Da das Antidiabetikum nicht den Blutzuckerspiegel senkt, sondern die Glukosebildung und -aufnahme hemmt, besteht keine Gefahr einer Unterzuckerung (siehe weiter unten) und somit ist dies keine Kontraindikation zum Tauchen (mit wenigen Ausnahmen, die weiter unten noch erwaehnt werden)
Was ist überhaupt Insulin ?
Insulin ist ein absolut lebenswichtiges Stoffwechselhormon, weil es
den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen transportiert.. Zuwenig
Insulin bedeutet: zu viel Zucker im Blut und natürlich umgekehrt.
Ohne Zucker wird die Körperzelle regelrecht "verhungern".
Durch das Freisetzen von Körperfett aus den Notdepots, die für
"schlechte Zeiten" angelegt sind, versucht der Körper den
Zuckermangel auszugleichen. In der Leber wird das Fett zu Fettsäuren
gespalten. Dies nennt sich diabetische Ketoazidose. Ein Zustand, der zum
Koma führen kann. Dieser Umstand ist besonders bei Sportarten zu bedenken,
bei denen man sich nicht mal eben hinsetzen, ausruhen und reagieren kann.
Jedoch entstehen Symptome, die jeder Diabetiker erkenne sollte, bevor
es zu Ketoazidose und nachfolgendem diabetischen Koma kommt:
- Stark vermehrter Harnfluss
- Heißhunger, trotzdem Gewichtsverlust
- Starker Durst
- Trockene Haut
- Allgemeines Krankheitsgefühl (schwäche, Energielosigkeit)
- Hautinfektionen besonders in feuchtwarmen Gebieten (Mund-Rachenraum/Genitalien)
- Zu Beginn der akuten Gefahr: Appetitlosigkeit
- Schläfrigkeit
- Übelkeit/Erbrechen
- Desorientiertheit/Wahrnehmungseinschränkung
- Bis hin zur Bewußtlosigkeit (Lebensgefahr!!!) Zu diesem Zeitpunkt
liegt der BZ über 350 !
Was ist nun das "gefährliche" an Diabetes ?
Hoher Blutzecker, also ein "schlecht eingestellter" Diabetes, ist
auf Dauer eine gefährliche Angelegenheit. Es tut nicht weh (man hat
"nur" die o.g. Symptome, oder zumindest einige davon), aber er
schädigt den Körper, z.B. die Blutgefässe. Dies bringt mit
der Zeit Folgeschäden mit sich: Durchblutungsstörungen, besonders
an den Beinen bis hin zur Notwendigen Amputation, Nierenschäden bis
zur Dialyse, Augenerkrankungen (Netzhaut) bis zur Blindheit, Nervenschäden,
Herzinfarkt und Schlaganfall.
Medizinische Voraussetzungen
Grundsätzlich ist es kein größeres Problem mehr, als
Diabetiker des Typ I Sport zu treiben, beim Tauchen jedoch gelten besondere Bedingungen,
da die kleinste diabetische Entgleisung unter Wasser tödliche Folgen
nach sich ziehen kann.
Folgende Voraussetzungen sollten gegeben sein:
- der Patient sollte schon länger an Diabetes erkrankt sein und
damit umzugehen wissen. Insbesondere muß er in der Lage sein, eine
Drohende Unterzuckerung (Hypoglykämie) schon bei den ersten Anzeichen
zu erkennen und zu therapieren.
- die aktuelle Medikation sollte während des letzten Jahres nicht
geändert/umgestellt worden sein
- es darf keine Retinopathie (Blutung an der Augennetzhaut)- das gilt auch fuer den Typ II oder Neuropathie
(Störung des Empfindungssystems und/oder der Motorik) vorliegen
- das Gefäßssystem muß intakt sein, es dürfen keine
schlecht heilen Wunden auftreten (auch bei Typ II)
- Cardiovaskuläre Vorerkrankung (was in der Regel sowieso eine Tauchtauglichkeit einschraenkt oder gar verbietet)
- alle weiteren Gesundheitskriterien, die an jeden Taucher gestellt werden,
müssen selbstverständlich ebenfalls eingehalten werden.
Durchführung eines Tauchgangs
Grundsätzlich muß der Tauchpartner mit der Problematik vertraut
sein, sollte jedoch selbst kein Diabetiker sein ! Er muß wissen,
wie die Glukose im Blut bestimmt wird und wie Notfalls ein Glukosepräparat
oral und als intramuskuläre Injektion verabreicht wird ! Es wird geraten,
dass Diabetiker max. 2 TG pro Tag durchführen, die nicht tiefer als
30m sein sollen und nach 3 Tauchtagen eine Pause einlegen, um dem Körper
die Gelegenheit zu geben, sich vollständig von Stickstoff zu entsättigen
und zu regenerieren. Besonderen Wert, in Bezug auf die Verhinderung einer
DCS, muß auf die Flüssigkeitsaufnahme gelegt werden.
Ein Tauchgang sollte vorher exakt geplant werden und auch eingehalten
werden ! Zur Notfallausrüstung sollte folgendes gehören
- mind. zwei Pakete mit Glukosehaltigem Inhalt (Traubenzuckertabletten,
Glukosepaste) in zwei Wasserdichten Boxen. Eine trägt der Diabetiker
selbst, eine der Partner. Eine weitere Möglichkeit ist der in der
letzten Redaktionsausgabe erwähnte UW-Trinkbeutel
"SCUDA", in den ein zuckerhaltiges Getränk eingefüllt
werden kann (Fruchtsaft etc.) und bei Bedarf auch während des Tauchgangs
zu sich genommen wird !
- Notfallmedikamente (z.B. ein Hypokit Glucagon zur intramuskulären
Injektion)
- Glukosesticks zur Bestimmung des Blutzuckerspiegels
- Möglichkeit, im Notfall Hilfe zu holen (Handy)
- sonstiges Equipment, was bei keinem TG fehlen sollte (Sauerstoff, etc.)
Vor den Tauchgang sollte der Blutzuckerspiegel leicht erhöht werden,
um eine Unterzuckerung während des TG zu vermeiden. Einem geübten
Diabetiker fällt dies nicht schwer, zum Beispiel durch Zuführung
von geeigneten Kohlenhydraten. Diese sollten allerdings so ausgewählt
werden, dass es solche KH sind, die von Körper langsam aufgenommen
und abgebaut werden.
Außerdem sollte eine Berechnung möglich sein, wieviele KH
während der Anstrengung etwa verbraucht werden. Die Maßeinheit
für den Diabetiker ist die Broteinheit (BE), auf die hier jedoch nicht
näher eingegangen werden soll. Die oben erwähnten Fruchtsäfte
sind KH in flüssiger Form, die vom Körper, genauso wie Traubenzucker,
schnell aufgenommen, allerdings auch recht schnell wieder abgebaut werden.
Wenn während des TG trotz allem Symptome einer Hypoglykämie
auftreten sollten, muß unverzüglich reagiert werden. Auch sollte
der TG vorsichtshalber unter Berücksichtigung etwaiger Dekoverpflichtungen
abgebrochen werden.
Nach dem Tauchen muss der Diabetiker seinen Zuckerwert erneut überprüfen
und ggf. korrigieren.
Seitdem die Diabetes/Tauchen-Forschung betrieben wird, ist es nur wenige
Male vorgekommen, dass es zu einer Unterzuckerung im Wasser kam. Bisher
sind alle, soweit bekannt, jedoch problemlos durch Einnahme des mitgeführten
Glukosepräparates ohne Folgeprobleme ausgegangen !
Dem Diabetiker steht also durchaus die Unterwasserwelt offen, es muß
nur ein wenig sorgfältiger geplant und durchgeführt werden. Sofern
alle Sicherheitsregeln beachtet werden, werden auch Diabetiker viel Spass
an diesem tollen Hobby haben !
Anmerkung: Dieser Artikel gibt ausschließlich einige Aspekte
des Diabetes, die Möglichkeiten der Behandlung und Vorbeugenden Maßnahmen
zum Betreiben von Sport wieder und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Grundsätzlich sollte der Arzt die Behandlungsmaßnahmen entscheiden
und beurteilen, inwieweit eine sportliche Aktivität erlaubt werden
kann. Die Angaben sind ohne Gewähr - Haftungsansprüche gegen
die Verfasserin sind ausgeschlossen.
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Beide Bericht geben eine deutlich fachbezogenere Perspektive, als sie
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