Der schlanke Bug des Segelschiffes pflügt gleichmäßig durch
die Wellen des Ozeans. Aus der Bugwelle lösen sich kleine Gischtexplosionen,
die im Licht des Abends wie glitzernde Edelsteine wirken. Plötzlich
tauchen rechts und links des Bugs dunkle Schatten knapp unter der Wasseroberfläche
auf. Wie auf ein Kommando durchbrechen die Rücken von 8 Delphinen gleichzeitig
die Meeresoberfläche um danach sofort wieder darunter zu verschwinden.
Mit Leichtigkeit und unvergleichlicher Anmut folgen die Delphine dem Schiff
– scheinbar ohne jede Anstrengung.
So oder so ähnlich könnten in Zukunft Beipackzettel für
Medikamente beginnen. Wie? Was hat die Beschreibung von Delphinen und Medizin
denn gemeinsam. Auf den ersten Blick relativ wenig, bei genauerer Betrachtung
aber sehr viel.
Um was es nüchtern betrachtet geht, ist die so genannte Delfintherapie.
Seit Jahren wird diese Methode bei bestimmten Behinderungsformen, wie beispielsweise
bei autistischen Kindern, mit großem Erfolg eingesetzt. Doch nicht
nur mit behinderten Menschen zeigt die Delfintherapie überraschende
Erfolge. Nein, auch bei hyperaktiven Kindern wirkt sich die Arbeit zwischen
Patienten und Meeressäugern sehr positiv aus.
Doch zu Beginn wollen wir uns erst einmal mit der Geschichte und den Ursprüngen
der Delfintherapie beschäftigen. Woher kommt einer derart außergewöhnliche
Therapieform und bei welchen Erkrankungen kann sie zu einer Verbesserung
des Krankheitsverlaufes beitragen.
Die Geschichte der Delfintherapie beginnt in den 60er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zu dieser Zeit kam
es zu Veränderungen in der Psychologie und Psychiatrie. Unter anderem
wurde mit der Tiertherapie begonnen. Der New Yorker Psychiater Dr. Boris
Levinson konnte feststellen, dass sich die Anwesenheit von Haustieren
bei den therapeutischen Sitzungen positiv auf den Verlauf auswirkte. So
öffneten sich Patienten z.B. bei der Anwesenheit bestimmter Tiere stärker,
da die Patienten ruhiger waren als ohne Anwesenheit des Haustieres.
Im Folgenden wurden mit verschiedensten Tierarten Versuche unternommen,
um diese in die therapeutische Praxis einzubeziehen. Zu Beginn der 70er Jahre
führte auch Dr. Betsy Smith erstmals Versuche mit Delphinen durch.
Das Projekt stand unter dem Namen „The Dolphin Project“ und wurde in Florida
abgehalten. Die Versuche zu dieser Zeit bezogen sich auf die Arbeit mit Autisten
(Glossar Autismus) – eine psychische Behinderung bei der auch heute noch
sehr positive Ergebnisse mit der Delfintherapie erzielt werden.
1978 begann dann der Neurologe und Verhaltensforscher David E. Nathanson
die Auswirkungen von Delphinen auf behinderte Kinder näher zu erforschen.
„Ocean World“ in Fort Lauderdale, Florida wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt
für weitere Untersuchungen von Professor Nathanson. Besonders für
behinderte Kinder mit Down-Syndrom waren die Delphine Lehrer und Therapeuten.
Die von Professor Nathanson entwickelte delfingestütze Therapie wurde
von ihm forthin als „Dolphin Human Therapy“ (DHT) bezeichnet. Die Erfolge
der Therapie waren beachtlich. Es zeigte sich, dass die Kinder mit Hilfe
der tierischen Therapeuten viermal so schnell lernten, als ohne die Delphine.
Hinzu kam, dass die Kinder das neu hinzugelernte deutlich besser behalten
konnten.
Die Aufsehen erregenden Ergebnisse präsentierte Dr. Nathanson 1980
auf verschiedenen Kongressen.
1988 wurde eine sechsmonatige Studie von Dr. Nathanson am „Dolphin Research
Center“ (DRC) durchgeführt. Bei den Teilnehmern der Studie handelte
es sich um sechs Kinder, im Alter zwischen zwei und zehn Jahren. Die Patienten
litten an Hydrocephalie („Wasserkopf“), oder litten unter Sprach- und Gedächtnisstörungen.
Einmal pro Woche besuchten die Patienten, zusammen mit Dr. Nathanson das
Dolphin Research Center. Die Studie bestätigte die Feststellungen seiner
Ergebnisse aus dem Jahre 1978. Die Kinder konnten sich beim Spiel mit den
tierischen Therapeuten deutlich besser konzentrieren und entspannen. Darüber
hinaus wirkte sich die „Zusammenarbeit“ mit den Delphinen auch positiv auf
das Immunsystem der kleinen Patienten aus und ihre Aufnahmefähigkeit
wurde ebenfalls gesteigert.
Im weiteren Verlauf wurde 1993 wiederum eine ähnliche Studie durchgeführt,
welche mit der Studie von 1988 als Basis für die Entwicklung eines
grundlegenden Behandlungsprogramms im Dolphin Research Center diente.
Während der Jahre 1989 und 1994 konnten in mehr als fünftausend
Therapiestunden fünfhundert Kinder und Erwachsenen aus allen Teilen
der Welt an der Dolphin Human Therapie teilnehmen.
Der Erfolg der Therapie führte dazu, dass 1994 die Wartezeit für
eine Therapie auf sieben Jahre angewachsen war. Diese Erfolg führte
zu einem Umzug der DHT ins „Dolphin Plus“ in Key Largo, Florida. Das neu
konstruierte Vollzeitprogramm wurde nun auch auf eine wachsende Anzahl an
Behinderungen ausgedehnt.
Seit dem Jahre 1998 arbeitet die DHT im „Dolphin Cove“ in Key Largo. Pro
Jahr werden in Florida jährlich 400 Kinder von den dort lebenden Delphinen
„betreut“.
3. Therapiekonzept
Wie funktioniert aber die Delfintherapie genau? In diesem Zusammenhang
ist es wichtig vorab zu erwähnen, dass es „die“ Delfintherapie nicht
gibt, da der Begriff nicht genormt ist und somit ein breites Spektrum an
Therapieformen unter diesem Begriff verstanden werden können. Das gemeinsam
verbindende Element ist die Arbeit mit Delfinen. Als die bekannteste Delfintherapie,
gilt die Delfintherapie von Dr. Nathanson.
Das Therapiekonzept hinter Dr. Nathansons „Dolphin Human Therapy“ (DHT)
besteht darin die Aufmerksamkeit der Patienten zu wecken und dieses Verhalten
dann zu verstärken, bzw. zu belohnen. Das Mittel zur Weckung der Aufmerksamkeit
ist hierbei der Delfin.
Der Grundgedanke besteht darin, die geringe Aufmerksamkeitsspanne der meist
behinderten Patienten zu verändern. Aufgrund der geringen Aufmerksamkeitsspanne
können die Patienten die entsprechenden Informationen nicht oder nur
schlecht verarbeiten, weil diese nicht im Gehirn für lange Zeit gespeichert
werden.
Klinische Erfahrungen nennen drei Stimulanzien, welche die Aufmerksamkeit
beeinflussen
- Musik
- Warmes Wasser und
- Tiere
Bei der DHT werden warmes Wasser und Tiere als Stimulanzien verwendet.
Allerdings sollte erwähnt werden, dass das warme Wasser in Florida
zwangsläufig vorhanden ist und die Geschichte der DHT schon immer in
Florida angesiedelt war.
Die DHT konzentriert sich im Rahmen der Therapie auf die Förderung
der vorhandenen Stärken des Patienten, betrachtet diesen aber gesamtheitlich.
Für eine Betrachtung des Therapiekonzeptes ist ein kleiner Exkurs
in die Medizin, speziell in die Hirnforschung, notwendig.
Das Gehirn teilt sich grundsätzlich in eine rechte und eine linke
Gehirnhälfte. Die rechte Hirnhälfte übernimmt hierbei die
Steuerung der Körperfunktionen der linken Körperhälfte und
umgekehrt. Darüber hinaus erzeugt die rechte Gehirnhälfte Emotionen,
Vorstellungen sowie die Kreativität eines Menschen. Die linke Hälfte
übernimmt eher den Part des „Verstandes“, sprich kontrolliert das Lesen,
die Wahrnehmung und die Sprache.
Das Problem der behinderten Patienten besteht nun darin, dass die beiden
Gehirnhälften nicht richtig zusammenarbeiten.
Ziel der DHT ist es die rechte Gehirnhälfte wieder stärker „ins
Spiel zu bringen“. Manche Leser kennen eventuell auch den Begriff der Edukinestetik,
bei der versucht wird mit „Überkreuzbewegungen“ (linker Arm, rechtes
Bein) ein verbessertes Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften und damit
auch eine verbesserte Koordination zu erzielen.
Im Rahmen der DHT werden für die Anregung der rechten Gehirnhälfte
hierbei die Gefühle der Patienten genutzt. Mit Hilfe der Delfine wird
die rechte Gehirnhälfte aufgrund der Emotionen angesprochen und aktiviert.
Im Verlaufe der Therapie wird somit das Zusammenarbeiten von linker und
rechter Gehirnhälfte „trainiert“ und es ergeben sich positive Effekte
auf das Verhalten, sowie auf körperliche Funktionen, wie beispielsweise
den Bewegungsapparat und den Bewegungsablauf.
Bei der Therapie wird mit dem Therapeuten an Land zusammengearbeitet. Wenn
die therapeutische Arbeit an Land abgeschlossen ist, darf der Patient zur
Belohnung mit den Delfinen ins Wasser. Von den 40 Minuten einer therapeutischen
Sitzung wird nur ein ca. ein Drittel der Zeit mit dem Delfin im Wasser verbracht.
Die Zielsetzung der DHT richtet sich auf die Verbesserung der Sprache,
der Grob- und Feinmotorik, der Kommunikation sowie dem Aufbau von Selbstvertrauen.
Die Delfintherapie richtet sich unter anderem an die folgenden Krankheiten
und Behinderungen
- Autismus (Link zu Autismus)
- Trisomie 21 („Down-Syndrom“)
- Lernbehinderungen
- Hyperaktivität
- Konzentrations- und Sprachstörungen
Die Delfintherapie wird individuell auf den Patienten abgestimmt und ergänzt
sehr oft traditionelle Behandlungen.
5. Kritische Betrachtung der Delfintherapie
Es liegen zwar, wie bereits beschrieben, verschiedenen Studien vor, allerdings
muss trotzdem fest gehalten werden, dass unabhängige Studien und Ergebnisse
aus Langzeitstudien noch fehlen. In Deutschland läuft gerade ein entsprechendes
Projekt der Universität Würzburg in Verbindung mit dem Tiergarten
Nürnberg.
Des Weiteren ist fest zuhalten, dass man bei Betrachtung der Einsatzgebiete
auch Heilerfolge bei Krankheiten erzielt, die nicht auf den ersten Blick
einen Zusammenhang mit den beschriebenen Konzentrations- und Wahrnehmungsaspekten
aufweisen. So z.B. AIDS oder Krebs. Aus Sicht des Autors sind Erfolge in
diesen Bereichen auch darauf zurückzuführen, dass es sich einfach
um einen „neuen Versuch“ handelt, welchen der Patient im Sinne einer selbst
erfüllenden Prophezeiung dann auch als erfolgreich wahrnimmt.
Grundsätzlich muss man beachten, dass Erfolge der Delfintherapie nicht
von der Hand zu weisen sind und die Therapie vielen Patienten bereits geholfen
hat. Man sollte aber nicht darauf hoffen, dass die Delfintherapie Wunder
vollbringen kann und damit für alle Krankheitsbilder anwendbar ist.
Darüber hinaus existieren auch Ansätze Delfintherapien ohne Delphine
selbst, sondern nur mit den Lauten der Delphine, welche über einen
Unterwasserlautsprecher in ein Schwimmbecken abgegeben werden. Viele Wissenschaftler
zweifeln jedoch an der Wirksamkeit dieser Therapie.
Neben den oft sehr positiven Berichten findet man aber im Netz auch eine
Vielzahl an sehr kritischen Betrachtungen. So weisen einige Reiseteilnehmer
auf sehr schlechte hygienische Verhältnisse in einer Delfineinrichtung
hin, was sowohl für die Delphine als auch die Patienten und deren Angehörige
nicht besonders erfreulich sein dürfte.
Grundsätzlich ist damit die Delfintherapie kein wundersames Allheilmittel
und die Teilnahme sollte sowohl aus medizinischer und therapeutischer Sicht
genau geprüft werden. Ausserdem sollte man sich über die Anbieter
der Delfintherapie genau erkundigen, denn es scheint, dass das Geschäft
mit den „heilenden Meeressäugern“ auch „schwarze Schafe“ anzieht.
6. Kosten und Kostenübernahme
In Bezug auf die finanziellen Aspekte muss festgestellt werden, dass die
Delfintherapie von keiner gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird. Die Kosten
der Therapie bestehen dabei aus
- Therapie
- An- und Abreise
- Unterkunft des Patienten und seiner Begleiter
- Ausgaben vor Ort (Essen, Mietwagen, etc.)
- Sonstige Kosten (Versicherung für Begleiter, etc.)
Alle Aspekte zusammengerechnet liegen die Aufwendungen für eine durchschnittliche
Delfintherapie mit einer Dauer von 2 Wochen zwischen rund 6.000 bis zu 13.000
€ . Diese Kosten müssen vom gesetzlich Versicherten selbst aufgebracht
werden. Für viele Patienten und deren Familien ist dies ein enormer
finanzieller Aufwand und bedarf daher einer genauen Planung und einer Vielzahl
an „privaten Opfern“.
Ein gutes Beispiel einer Kostenaufstellung für eine Delfintherapie
in Deutschland gibt das Institut für Sozialpädagogik an der Universität
Würzburg. Dort läuft bereits seit mehreren Jahren eine Studie
zur Wirksamkeit der Delfintherapie. Auf den Internetseiten werden als Kostenblöcke
die von den Eltern getragen werden müssen genannt
– Kosten für die Unterbringung und Kinderbetreuung
– Kosten für die Therapiewoche mit rund € 200 pro
Familienmitglied. Darüber hinaus entstehen keine weiteren Kosten.
7. Übersicht der Delfintherapiezentren
Aufgrund der Vielzahl an Einrichtungen, die weltweit Angebote rund um die
Delfintherapie bieten, ist eine entsprechende komplette Übersicht nicht
möglich. Das Institut für Sozialpädagogik an der Universität
Würzburg hat auf seiner Internetseite eine sehr gute Übersicht.
An dieser Stelle möchten wir daher auf eine umfassende Aufstellung
verzichten. Natürlich kann diese Liste auch nur einen groben Überblick
über einige bekannte Therapieeinrichtungen geben. Nähere Informationen
finden sich direkt auf den Webseiten der Einrichtungen.
Info-Blatt (pdf).
(Copyright Lehrstuhl für Sozialpädagogik
der Universität Würzburg Prof. Dr. Breitenbach)
8. Fazit
Abschließend muss man festhalten, dass die Faszination Delfintherapie
sicherlich gegeben ist. Es finden sich unzählige Berichte im Internet
über erfolgreiche Therapien, die den großen oder kleinen Patienten
eine neues, besseres Leben ermöglicht haben.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es durchaus eine Kehrseite
der Medaille gibt. So liegen Stand heute noch keine ausreichenden wissenschaftlichen
Studienergebnisse über den Erfolg und die Wirksamkeit der Therapieform
vor.
Dies ist auch ein Grund, warum die Delfintherapie nicht von den gesetzlichen
Krankenkassen finanziell übernommen wird. Die Teilnehmer an einer Therapie
müssen daher alle Kosten selbst tragen. Je nach Therapieeinrichtung
sind das dann leicht einmal bis zu € 10.000. Kosten, die für viele untragbar
sind, oder nur über langes Sparen aufgebracht werden können.
Einen negativen Aspekt erzeugen einige Anbieter, die sich eher für
den schnellen Profit als die wirkliche Heilung der Patienten zu interessieren
scheinen. Dies erfordert von den Interessenten einer Delfintherapie ein
genaues Studium der Anbieter und eine sehr genaue Auswahl.
An dieser Stelle möchten wir uns für die Unterstützung von
Herrn Prof Dr. Breitenbach für die Erlaubnis zur Veröffentlichung
der Liste für Therapiezentren sowie des Fotomatrials ganz herzlich
bedanken. Alle Fotos unterliegen dem Copyright von Herrn Prof Dr. Breitenbach
der Universität Würzburg.
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Taucher.Net News:
DiveInside Märzausgabe (25.02.2012) Zur Information: Das Erscheinungsdatum der DiveInside, Ausgabe März 2012, ist der 13.März. In der Vorschau der letzten Ausgabe hatten wir den 27.Februar angekündigt. (mehr) Frohe Weihnachten und ein gu.. (23.12.2011)
Wir wünschen euch allen ein ruhiges und besinnliches
Weihnachtsfest und natürlich einen guten Rutsch in ein
fantastisches und vor allem gesundes Jahr 2012!
Wir bedanken uns ganz herzlich (mehr) Zahlenjubiläum auf Taucher.N.. (06.02.2011)
Heute, am 6.Februar 2011, feiern wir ein kleines Zahlenjubiläum.
Um exakt 18:13 konnten wir den 50.000.000 User auf Taucher. Net
begrüßen und unser junger Facebook-Auftritt hatte (mehr)