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Du bist hier: Onlinemagazin 61. Ausgabe Chalkidiki: Legenden auf den Zahn gefühlt Chalkidiki Reisehinweise





 Geschrieben von Volker Grundmann

Praktische Hinweise, insbesondere für Individualreisende:


Unfallhinweise/Druckkammer:

Bei Unfällen als Individualtaucher wende man sich an die Arztstationen, die es in jedem Touristenort gibt und lasse sich sagen, wo das nächste „Health Center“ ist. Diese ambulanten Regionalkliniken haben immer Sauerstoff (Notfälle werden übrigens kostenlos behandelt). Eine zeitgemäße Druckkammer steht in Thessaloniki im Agios-Pavlos-Hospital, dies befindet sich dort, wo sich die Chalkidiki-Schnellstraße mit der Ringumfahrung kreuzt, allerdings links. Nächste Ausfahrt abfahren, umdrehen.

Flaschen füllen:

Alle Basen füllen, die Preise entsprechen etwa denen in deutschen Großstädten. Über die Qualität sollte man besser schweigen, wer mit eigenen Flaschen anreist, tut auf jeden Fall gut, a) Ventilfilter drin zu haben, b) die Flaschen nach der Rückkehr innen zu säubern (bzw. säubern zu lassen). Wer per Flugzeug anreist und Flasche und Blei längerzeitlich leihen muß, sollte dies per mail oder Fax vorher klären.
Wer Thessaloniki besucht, kann bei der Gelegenheit dort füllen lassen, es ist wesentlich billiger. Basenzugehörige Füllgeschäfte befinden sich z.B. in den Straßen Mavromihali 1, ?. ?aramanli 29, oder Thalitos 21. Außerhalb an der Schnellstraße nach Chalkidiki, etwa beim Kilometer 14, füllt auch ein Angelbedarfsgeschäft (Kalaitsis), man muss dazu aber von der Schnellstraße runter. Wer all das verpasst, hat dennoch nicht verloren, er biegt am Ende der Schnellstraße bei Moudania zwar in Richtung Sithonia ab, überquert aber die oben sofort folgende Ampel geradeaus. 500 m hinter dem Berg links ist eine Klimananlagenwerkstatt für Autos, deren Besitzer, Dimitrios Grinakis (23730 21744, 6974 457225) berufsbedingt möglicherweise über den am besten gewarteten Kompressor Chalkidikis verfügt.

Anfahrthinweise:

Zur Fernanfahrt mit eigenem Transportmittel stehen die beiden erwähnten Varianten zur Verfügung:
Erstens über Ex-Jugoslawien. Die Strecke gilt als wieder sicher befahrbar. Helmut Janecek war so freundlich uns Hinweise zur Fahrt zuzuarbeiten. (Routenbeschreibung)

Zweitens, mit der Fähre über Italien (ab Ancona oder Bari oder Triest). Beispiel: Ab Höhe Berlin/Hannover etwa 9 Std. bis zum Brenner (700 km), dort übernachten, von da etwa 7 Std. bis Ancona (583 km). 22 Stunden Fähren-Überfahrt bis Igumenitsa, dann nochmals 5:30 Std. Minimum bis Thessaloniki. Die Egnatia-Autobahn ist bisher nur ein kleines Stück im Westbereich und ein schon größeres im Ostbereich befahrbar, die Fernstraßen zwischendurch sind zwar kurvig-nervig, aber im Zustand akzeptabel.
 
Der Reiseweg mit dem Auto von Thessaloniki bis zum entferntesten genannten Punkt, dem Ort Kalamitsi auf Sithonia, beträgt 148 km und rund zwei Stunden Fahrtzeit.

Après dive:

Besuchsempfehlungen für Entsättigungstage:

Thessaloniki: Die zweitgrößte Stadt Griechenlands ist auf alle Fälle einen Tagesbesuch wert, Etliche historische Denkmäler aus Antike und Mittelalter, in Restauration befindliches Hafenviertel und alte Oberstadt. Auch die uralten Markthallen sind einen Rundgang wert, drin findet man eine der traditionell-urigsten Kleintavernen Thessalonikis, „Mirovolos Smirni“. Einen kleinen Einblick in Sehenswürdigkeiten Thessalonikis haben wir hier vorbereitet.

Beste Parkmöglichkeiten: Entweder auf dem kostenlosen öffentlichen Parkplatz dreihundert Meter östlich vom Weißen Turm (Straße Leoforos 1.Septemvriou, Südende) oder vierhundert Meter westlich vom Hafen-Haupttor in einem kostenpflichtigen Parkhochhaus (nachdem die Straße Tsimiski zur Polytechniou wird). In kleineren Parkhäusern ist es üblich, die Autoschlüssel abzugeben, weil die Wagen vom Personal aus Platzgründen ständig „umgestapelt“ werden.

Ascheurne von Philips II, Makedonien - Tauchführer Chalkidiki
Vergina: Der Museumshügel mit der unterirdisch wieder hergestellten Grabstätte des ungeplündert aufgefundenen Grabs des Makedonenkönigs Philipps II., des Vaters Alexanders des Großen, gilt als eine der bedeutendsten musealen Stätten Europas. Zwischen Thessaloniki und Veria gelegen, ab Thessaloniki etwa 50 km, zur Hälfte Autobahn.


Links: Die Ascheurne Philips II. mit dem Makedonen-Stern, heiligste aller makedonischen Reliquien. Nur wo sie ausgegraben wurde, kann „Makedonien“ sein!

Petralona: Das hiesige Höhlensystem gilt mit als eines der beeindruckendsten des Balkan. Im westlichen Teil der Chalkidiki-Hauptplatte, beim km 42 von der Chalkidiki-Schnellstraße abfahren.

Olynthos: Größte antike Ausgrabungsstätte auf Chalkidiki, war einst wohl erste, praktisch am Reißbrett entworfene Stadt Griechenlands. An der Zentralstraße Nea Moudania – Sithonia, etwa beim km 5.

Ausgrabung by Olynthos - Tauchreiseführer Chalkidiki
Ausgrabung von Olynthos

Dörfer:

Aufgrund der späten und gleichzeitigen Besiedlung Chalkidikis nach der Aussiedlung der Griechen aus der Türkei 1923 wirken die meisten Dörfer und größeren Orte zwar schmuck, aber auch ein bisschen stereotyp-langweilig. Zu den wenigen speziell besuchenswerten, weil traditionell gewachsenen Ausnahmen gehören:

Arnaia: Traditionellste Berg-Kleinstadt Chalkidikis, im Bereich Mitte-Ost der Hauptplatte, etwa anderthalb Fahrstunden von Kalamitsi.

Traditionelle Chalkidiki-Architekturen - Tauchführer Chalkidiki  Traditionelle Chalkidiki-Architekturen - Tauchführer Chalkidiki  Traditionelle Chalkidiki-Architekturen - Tauchführer Chalkidiki 
Traditionelle Chalkidiki-Architekturen in Arnaia, Nikiti und Afitos

Oberdorf Nikiti: Gleich westlich vom „Hals“ von Sithonia, etwa beim Kilometer 37. Nur das nördlich der Fernstraße gelegene Oberdorf ist historisch gewachsen. Am Ende des Rundgangs kann man in der Platanentaverne recht ordentlich essen und angenehm sitzen.

Afitos: Recht traditioneller Ort im Nordteil Kassandras etwa beim Kilometer 20, Hinfahren eigens zu Besichtigungszwecke lohnt nicht, aber wer ohnehin Kassandra besucht, sollte mal „rundgehen“.

Einkehrempfehlung für Tavernen:

Tavernen gibt es auf Chalkidiki massenhaft, allerdings ist das Angebot meist recht stereotyp, man kann die Speisekarte nach zwei Wochen vorbeten. Bei der Empfehlung von Ausnahmen konzentrieren wir uns auf Sithonia und fahren den Finger einmal rundherum:

ChalkidikisTavernen - Tauchführer Chalkidiki  ChalkidikisTavernen - Tauchführer Chalkidiki  ChalkidikisTavernen - Tauchführer Chalkidiki 
Im Großen und Ganzen sind die meisten von Chalkidikis
Tavernen wert, dass man sie aufsucht


Marina“, Nikiti. Die Taverne am Fischerhafen, also ganz unten, dann 200 m rechts im „neuzeitlichen“ Dorf wird durch ein griechisch-deutsches Ehepaar betrieben und bietet ungewöhnlich Fantasiereiches („Besoffenes Schwein“) oder Exotisches, was man sonst nirgends kriegt (Seeteufel oder Zeus Faber auf Reisrand). Man verwendet Grünzeug von deutschen Hobby-Öko-Gärtnern der Umgebung.

Zeus Faber in der Marina - Tauchführer Chalkidiki
„Marina“: Wir wären dem Zeus Faber zwar lieber
unter Wasser begegnet, aber...


Tria Skalopatia“, Nikiti: Die Konkurrenz ebenfalls ganz unten, aber direkt an der Orts-Zentralstraße, kocht ungewöhnlich konsequent nach Hausfrauenart, hier kann man erleben, wie gute griechische Küche wirklich schmeckt. Wohl bester Auberginensalat Chalkidikis, an Wochenenden viele Gerichte am Spieß.

O Aris“, Nikiti: Massiger Koch-Exot etwa in der Mitte der Zentralstraße, sein Angebot an argentinischen Steaks und Straußensteak wirkt fast irgendwie provozierend, seine Polstersessel inmitten der griechischen Schlichtheit des Orts eher deplaziert. Aber das Zeug schmeckt gut, als Abwechslung mal zu empfehlen.

Die Piraten“, Straße nach Neos Marmaras, etwa beim Kilometer 48, hinter einem Straßenrandhügel. Essen eher der deftig-stereotypen Klasse, aber man sitzt dort gut.

Parthenonas“, von Neos Marmaras aus fünf Kilometer in die Berge. Das hoch gelegene Dorf gehört zu den traditionellen und ist schon deshalb (fast) einen Besuch wert, von der Taverne hat man am Abend einen fantastischen Blick weit über den Toronischen Golf im Schein der untergehenden Sonne. Die Küche ist eher Durchschnitt. Zurückhaltend wählen, lieber nachbestellen, der Wirt neigt zu üppigen Vorschlägen, die man bezahlen muss, aber nicht aufessen kann.

Porto Koufo: Wer frischen Chalkidiki-Hummer oder –Languste essen möchte, sollte es hier in der ersten Hafentaverne rechts von der Stichstraße tun und einen Tag vorher bestellen. Die Tiere werden dann nach Wunschgröße bei den Fischern aufgekauft und kommen noch lebend an den Tisch. Der Preis (etwa 50 €/kg) ist trotzdem um etliches besser als derjenige schon toter oder gar gefrosteter Tiere in anderen Restaurants.

Languste - Tauchführer Chalkidiki  Languste - Tauchführer Chalkidiki 
Porto Koufo: Letzte Chance für denjenigen,
der unter Wasser alle Langusten übersehen hat


Panorama“, südlich Kalamitsi am Berge: Herrlicher Blick von oben, auf die Kalamitsi Bucht und den Heiligen Berg, entschädigt für nicht so sympatischen Wirt und durchschnittliches Essen, sein Portulak-Salat ist allerdings Spitze.

5 Steps in Sand“ und „Zorbas“, Sikia: Erbittert konkurrierende Tavernen in einer versteckten Seitenbucht südlich Sikia. Beide bieten aber etliche, gut angerichtete Besonderheiten, „5 Steps“ z.B. mit Käsefüllung gestopften Kalmar oder das Tanggemüse „Kritama“ als Salat. Man sitzt hier auch sehr gut.

Mimosa“, Sikia: Unter Touristen kaum bekannte, dafür von der hier „eingesessenen“ deutschen Kolonie um so regelmäßiger frequentierte Dorftaverne ganz versteckt weit hinten in dem Ort. Sehr schmackhafte Hausmannkost zu anständigen Preisen, getoastetes Knoblauchbrot, schmackhafterer Kritama noch als bei „5 Steps“, reichhaltige Landpizza nach eigenem Rezept. Gut zu besuchen auch Sonnabend früh, da wogt ringsum zentraler Dorf-Markttag und die Taverne brummt.

Argyris“, Sarti: Mancher wird dazu neigen, aus Sarti entsetzt zu fliehen. Der Großort hat in seiner Verzweiflung über die ausgebliebenen Deutschsprachigen die Flucht nach vorn angetreten und voll auf osteuropäisches Bus-Klientel gesetzt, mit allen Folgen, die das für die Orts- und vor allen für die Kulinarkultur hat. Schilder in für uns unlesbaren Sprachen besagen, dass man hier Ungarn, Slowaken oder Tschechen mit 20%-Rabatten, die man deutschsprachigen Kunden gemeiner Weise vorenthält, doch noch irgendwie in die Tavernen locken will. Wer dennoch mal durch den Ort schlendert, findet an der Strandstraße im „Argyris“ nach Hausfrauenart zubereitete Traditionsgerichte.

Wolves“ und „Obelix“: Last, but not least, wen auf dem Weg nach Kalamitsi über die Ostumfahrung plötzlich der Hunger überkommt, der findet am Anfang des Fingers, direkt an der Straße, etwa beim Kilometer 48, „Wolves“ mit einem durchaus eigengeprägten und sehr reichhaltigen Angebot, und ein paar Kilometer weiter „Obelix“, eine Pizza-Kult-Taverne, die allerdings vorrangig von jüngeren Leuten frequentiert wird. Danach gibt es auf 30 km keine Gaststätten!



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