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Du bist hier: Onlinemagazin 61. Ausgabe Chalkidiki: Legenden auf den Zahn gefühlt Kassandra Tauchreiseführer Chalkidiki





 Geschrieben von Volker Grundmann

Kassandra – wo sich Legenden schwer tun,...

Von Thessaloniki kommend, erreicht man über eine in Teilen autobahnähnliche Schnellstraße in dreißig Minuten zunächst Kassandra, den ersten Finger. Erwarten den Taucher hier schon Legenden? Um’s vorsichtig zu sagen, (noch) nicht. In der Geschichte des frühen Chalkidiki-Tauchens spielte Kassandra eher eine unterbewertete Rolle. Geringere landschaftliche Attraktivität als auf Sithonia, das Vorherrschen weitläufiger, aber eher langweilig wirkender Sandstrände, zügige Erschließung der Siedlungsplätze für den Massentourismus und, noch mehr, für Wochenendbauten der Bessergestellten Thessalonikis, bewirkten wohl, dass sich die deutschsprachigen Tauchfreaks weniger um Kassandra kümmerten. Einige Eindrücke von Kassandra haben wir hier zusammengestellt.

Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Kassandra - Tauchführer Chalkidiki 
Kassandra: Solide aufgepeppte Touristenmeilen,
hübsche Strandlagen, traditionelle Dörfer


Erst der Aufschwung des Hotelbaus und mit ihm, der griechischen Basengründungen, brachte das touristische Tauchen hierher. Heute ist es hier solide und wohlgeordnet verankert. Zu Legendbildung werden diese Tugenden kaum reichen, aber die sichere Kunde von schönem Tauchen an Kassandras Plätzen hat sich – siehe Taucher.Net-Datenbank - mittlerweile ziemlich verbreitet.

Sani

Die ersten Plätze des heutigen Basentauchangebots fanden wir beim Orte Sani an der Nordwestecke von Kassandra - und erlebten hier auch den ersten Aha-Effekt. Sanis Basis „Sea World“ bleibt nicht unterhalb des Ufers, sondern strebt weit nach draußen. Man schießt uns in zehn Minuten mit dem Schlauchboot, wohl gut zwei, drei Kilometer auf die offene See. Die Leine läuft an die 15, 20 m weit ab, bevor der Anker greift. Es ist gewiss kein Sensationsplatz, den wir da zu sehen bekommen, aber ein hübsches und durchaus auch überraschendes Stück allemal. Im Gegensatz zu ausnahmslos allen anderen Tauchplätzen Chalkidikis, wo das Meer überall sofort oder zumindest bald ins Unerreichbare fällt, ist der Küste hier kilometerweit ein ebenes Grundprofil vorgelagert. In diesem zieht sich weit draußen und parallel zur Küste eine etwa zwei dutzend Meter breite, wie aufgeworfen liegende Felsrippe über Kilometer dahin, von 15 m innen auf außen etwa 20 m abfallend. Der Anblick dieser enormen Bodennarbe, dieser weitläufigen Flachklippe, ist schon mal ein hübscher, unerwarteter, so voyeuristisch-entblößt, wie sich der Fels bietet. Fischer nennen solche Bildungen weit draußen zumeist „Bank“, und wissen gewöhnlich um den Fischreichtum solcherorts. Folglich heißt der Ort auch bei den Griechen „Pangos“. Aber neben Schwärmen kleiner und mittlerer Fische, derer wir sofort ansichtig werden, bestätigt die Tauchstelle, dass Chalkidiki über einen ungewöhnlichen Reichtum an eindrucksvollen, größeren Arten niederer Tiere verfügt. Am Platze „Pangos“ begeistern vor allem die überaus schönen und großen Exemplare von roten Geweihschwämmen, die alle paar Meter aus dem Felsmaterial emporwachsen.

Geweihschwamm - Tauchführer Chalkidiki
„Pangos“: So prächtige Geweihschwämme kriegt man
an anderen Plätzen selten zu Gesicht.


Zu dem Kick, den das Tauchen bereits an diesem Platze hat, bietet man uns anderentags unmittelbar in der Nähe des Sani Beach Hotels  noch eine Steigerungsstufe. In ein paar hundert Metern Entfernung vom Ufer liegt das Wrack eines 30-m-Schüttgutfrachters namens „Mytilini“, bei etwa 20 m aufrecht auf ebenem Grund. Gut bewachsen mit Schwämmen und Algen, bei gleichzeitig guter Überschaubarkeit, bietet es einschwebenden Tauchern aller Erfahrungsstufen eine prachtvolle Spielwiese. Spektakulär zu nennen ist auch dieser Tauchplatz sicher nicht, aber irgendwie hüpft das Taucherherz doch vor Freude und so manchen Gast drängt es, in diesem Urlaub mindestens nochmal dahin zu wollen. „Sea World“ hat die folgende Bildergalerie vom Wrack zur Verfügung gestellt.


Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Kassandra - Tauchführer Chalkidiki 
Bilder vom Sani-Wrack

Die Plätze im südlichen Bereich Kassandras

Um die nächsten leicht zu erreichenden und daher von praktisch allen Basen intensiv genutzten Tauchplätze auf Kassandra zu erkunden, müssen wir an die 30 km nach Süden versetzen. Auf die langen, feinsandigen Strände bei Hanioti und Pefkohori folgen dort im Ostbereich des Fingers bald Steilküstenabschnitte mit lohnenswerten und eben auch von Land aus zugänglichen Tauchstellen. Bevor man den südlichsten Ort Kassandras, Paliouri, erreicht, zweigt zum Beispiel links der Weg zur Xenia- und zur Porto-Valitsa-Bucht ab. Beide Plätze bieten nach kurzem Schwimmweg senkrechten Abfall bzw. Abfall über hohe Felssprünge auf 60 m. Dem exzellenten Panorama insbesondere bei Porto Valitsa, dem Anblick aus halber Höhe die senkrechte Wand entlang, wenn die Strahlen der Mittagssonne genau von Süden her scharf die Wand hinunter schießen, dem möchte man fast schon einen touch des sehr Guten zugestehen. Aber um für Spektakuläres gut zu sein, fehlt dem Ganzen wohl doch etwas. Wegen der guten Zugänglichkeit kommen überdies besonders an den Wochenenden zu viele hierher, nicht nur die Basen, auch ein Teil der Thessalonikier Individualtaucher.

Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Kassandra - Tauchführer Chalkidiki 
Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Seesterne - Tauchführer Chalkidiki 

Drei der viel frequentierten Einstiegsplätze auf Kassandra (der Felsen von Porto Valitsa, die Kirchenhalbinsel und die Bucht von Avlaki) und ein Blick auf die Seesternversammlung dort.

Weitere gern aufgesuchte Plätze sind eine Kirchenhalbinsel noch etwas weiter südlich, sowie der Platz „Avlaki“ am südwestlichen Ufer Kassandras. Auch „Avlaki“ bietet praktisch unmittelbaren Tiefenabfall auf 40 m und ist mit tierischem Leben gut besetzt. Auffällig hier die Vielzahl der gelben Kissenseesterne und seit einiger Zeit das Vorkommen des großen Tritonshorns, einer Schneckenart, die bisher auf Chalkidiki als nicht beheimatet galt. Da unsere Bilder von Tritonshörnern alle weiter südlich entstanden, wollen wir nicht mogeln, sondern verweisen auf die Website des Kassandra Dive Center. Das dort gezeigte Tritonshorn ist, Basenchef Höger beschwört‘s, das Avlaki-Original.
Die äußerste Spitze Kassandras, deren Ost- und Südfront, ist jedoch für einige Überraschungen mehr gut, möglicherweise am Ende gar wirklich für neue Legenden, denn sie ist heute noch grob unterbewertet. Ähnlich der Südspitze Sithonias verfügt sie über eine wilde, unberührte, sich landschaftliche prachtvoll bietende Hochfelslage, die allerdings kaum Wasserzugang bietet und von den nächsten Häfen zu weit entfernt liegt, um das regelmäßige Anfahren für Basen noch lohnend zu machen.


Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Kassandra - Tauchführer Chalkidiki
Die südwestliche Spitze Kassandras.
Prächtige Klippen, aber die wenigen vorhandenen Abstiegsplätze, wie hier gezeigt,
fordern zunächst ruhige See und dann eine Menge Bock auf Abenteuer


Der Gedanke lag schon immer nahe, dass sich dort ähnlich singuläre Plätze wie auf Sithonia finden lassen müssten. Nach neuesten Gerüchten hat man mittlerweile solche Plätze auch gefunden, aber nix Konkretes weiß man nix (siehe Basenbeschreibungen). Eine echte Herausforderung also für alle Taucher, die mit eigener oder gemieteter Yacht in diesem Seegebiet kreuzen.
Und natürlich eine Chance, am Ende ganz persönlich mit an einer neuen Legende zu stricken. Für die Bootsbesitzer einen heißen Tipp: Am vielversprechendsten dürfte die Suche im Bereich des Leuchtfeuers vom Kap Paliouri, dem südöstlichstem Punkt der Kassandra-Spitze, sein.

... aber das Basenangebot floriert.

„Sea World“, Sani

Kassandras Basenszene hat in den letzten zehn Jahren eine wesentliche Bereinigung erfahren, nach dem es zeitweilig eine Inflation gab. Die Bereinigung hat dem Markt gut getan, man kann sagen, dass 2005 praktisch nur noch vier solide, empfehlenswerte Anbieter auf dem Markt waren.

Am längsten etabliert und auch sonst klarer Marktführer, „Sea World“ vom „Sani Beach“- Hotel. Die Geschichte der Sani Hotelgruppe, dürfte überhaupt die deutlichste Erfolgsgeschichte der Hotelerie Chalkidikis sein. „Sani“ ist eigentlich ein Riesen-Unternehmen auf zusammenhängendem Raum, von dessen Größe der Urlauber aber kaum etwas merkt.

Sea World, Sani - Kassandra - Tauchführer Chalkidiki
Luftaufnahme Sani (c) Sea World

Die auf jeweils anderes Klientel abzielenden Anlagenteile sind nicht nur architektonisch völlig unterschiedlich gestaltet und räumlich deutlich voneinander getrennt, auch infolge ihrer angepassten Einbettung in die jeweils umgebende Mikrolandschaft nimmt man sie praktisch nicht als riesig, ja nicht einmal als Ganzes wahr. Insbesondere bei deutschsprachigen Urlaubern genießt „Sani“ einen exzellenten Ruf und erreicht höchste Zufriedenheitswerte. Erstaunlich, wie hier hier über nun schon Jahrzehnte ständige Expansion, Modernisierung und Anpassung an neueste Bedürfnisse bei gleichzeitiger Behutsamkeit in Bezug auf die Umgebung und bei Wahrung von Qualität und Gesamtcharakter gelang. Das interessierte uns doch ein wenig mehr und wir baten den Pressechef des Hotels um ein Interview.

„Sea World“ jedenfalls wird in seinem Tauchangebot der Solidität des Hotels gerecht, dies fängt beim Gebäude und der technisch-sanitären Ausstattung an, setzt sich fort in solider, entspannter Organisation des Tauchens und reicht eben bis zu Tauchangeboten, die für Hotelbasen in Griechenland als überzeugend gelten können.

Sea World, Sani - Kassandra - Tauchführer Chalkidiki  Sea World, Sani - Kassandra - Tauchführer Chalkidiki 
Das hübsche „Hüttchen von Sea World“ und Vor-Ort-Chef
Thanassi Glaroudis im Gespräch mit Kundinnen

Die beiden genannten exzellenten Plätze, „Pangos“ und die „Mytilini“, sind praktisch bei der Basis exklusiv im Angebot und werden pro Woche – sofern das Wetter mitspielt –zweimal sicher angefahren. Ansonsten tourt man mittels Kleinbus zu den südlichen Plätzen, Anfahrten von kaum mehr als dreißig Minuten Dauer.

„Kassandra Dive Center“, Hanioti

Unsere Reise in Richtung Süden fortsetzend, stoßen wir im Orte Hanioti auf den einzigen deutschen Tauchanbieter auf Chalkidiki, die Basis Kassandra Dive Center von Norbert Höger. Höger hatte anfangs, vor gut zehn Jahren, etliche Probleme, seinen Platz in der damals ausgesprochen ellenbogen-orientierten Basenszene zu sichern, jetzt scheint es aber, hat er mit der gelungenen Ausfeilung einer Nische die meisten seiner Widersacher-Konkurrenten überlebt. Er besitzt zwar kein Boot und bietet folglich ausschließlich Tauchgänge von Land aus, dafür unterhält er aber einen ausgedehnten Abholservice über den gesamten Mittelbereich Kassandras, gestaltet seine Tauchgänge meist in Kleingruppe und kann damit den individuellen Bedürfnissen seiner Kunden entsprechen. Er bietet sich also ideal für jenen Typ von tauchenden Urlaubern an, die über Internet oder durch Reiseveranstalter Privatunterbringungen gebucht haben, aber ohne eigenes Fahrzeug anreisen.

Sea World, Sani - Kassandra - Tauchführer Chalkidiki
Höger (Mitte) mit zwei Kunden in Vorbereitung
eines Tauchgangs bei Porto Valitsa


„Odyssey Dive Center“ und „Triton Dive Center“ Pefkohori - Paliouri

Noch weiter im Südbereich Kassandras schließlich finden wir zwei weitere langjährig bewährte Anbieter, zunächst das von einer Engländerin geführte „Odyssey Dive Center“ in Pefkohori. „Sicherheit wird hier groß geschrieben“, kommentierte jemand in der Datenbank. Nun, dass das Angebot hier recht streng an PADI-Limitierungen ausgerichtet ist, hörten wir von anderen auch etwas drastischer beschrieben.

Der Aufsteiger der letzten Jahre dürfte die Basis „Triton Diving Center“ sein, mit Büro ebenfalls in Pefkohori, Hauptsitz einige Kilometer südlich in der Hotelanlage „Chrousso Village“. Zum einen ist das Angebot relativ breit gefächert, hier gibt es nicht nur Nitrox, man verfügt auch über die Voraussetzungen für Mischgastauchen und bietet dies nach Vorvereinbarung natürlich auch für eventuell interessierte Gruppen aus dem Ausland. Zum anderen verfolgt die Basis ein recht intensives Expansionskonzept der Schaffung von Kleinfilialen und schickt sich damit an, nacheinander die in den letzten Jahren ausgefallenen Anbieter in verschiedenen Hotels zu beerben. So war im Juni 2005 die Rede davon, dass man noch in dieser Saison die verwaisten Basensitze im Hotel „Potidea Palace“ am Nordende Kassandras sowie im Hotel „Pallini“ bei Kalithea besetzen und von dort einen Zubringerservice zu den Tauchaktivitäten am Hauptsitz organisieren wolle. Zwar konzentriert sich auch diese Basis wegen der dafür günstigen Situation auf Ufertauchgänge, an Saisonwochenenden oder bei entsprechend starker Kundennachfrage mietet man jedoch ein Boot. Und dann dürfte sie derzeit der einzige Anbieter sein, der gelegentlich die weite Reise zur vorgeschobensten Südfront Kassandras unternimmt. Von „Triton“ stammt folglich auch das Wispern, dass man dort nun Gorgonienplätze gefunden habe. Pures Werbe-Märchen oder Beginn einer neuen Tauch-Legende? Eine Ausfahrt dorthin erwies sich leider als unorganisierbar.

Info-Adressen der Kassandra-Basen:

"Sea World", Kostas Mavrohoridis und Thanassi Glaroudis

"Tauchsportcenter Kassandra", Norbert Höger    

„Triton Scuba Club“, Dimitri Kinigopoulos

„Odyssey Dive Club“






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