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Sithonia – mit Legenden auf Augenhöhe...
Die Südfront
Nachdem wir uns eingangs lange genug mit der Theorie der Legenden beschäftigt
haben, wollen wir nun zum Punkt kommen. Praktisch alle jene Tauchlegenden
der besseren alten Zeit Chalkidikis beziehen sich auf Sithonia. Auf die
entsprechenden Tauchplätze wurde im Laufe der Zeit bereits in etlichen
Artikeln anderer Medien Bezug genommen. Die Beschreibungen klingen dort
meist gar nicht so richtig legendenhaft, eher merkwürdig spannungslos,
ja, verdächtig allgemein. Bilder fehlen meist sowieso. Das ist auch
kein Wunder, denn die meisten der Autoren besaßen wohl nicht das Privileg,
die Legenden zu sehen, sie berichteten eher vom Hörensagen. Und dies
hat eben jene typische Gründe, die Legenden machen: Die Plätze
liegen ganz vorn vor der südlichen Spitzenfront Sithonias. Dass Wind-
und Strömungsverhältnisse dort oft delikat sind, ist schon der
erste Grund, warum sich Basen genau überlegen, ob und wann sie dort
hin fahren.
Sithonias auf etwa 6 km breitgedrückte Südspitze
bietet vom Boot aus etwa solche Anblicke
Und dann sind die Plätze selbst taucherisch so anspruchsvoll, dass
der Basenchef vielleicht noch im letzten Moment das Ziel ändert, wenn
er sich die Leute nochmal anguckt, die da auf der Schlauchbootwulst hocken.
Wer sie jedoch am Ende zu sehen bekommt, der wird hinterher seine liebe
Mühe haben, den Thrill zu verarbeiten, den diese Plätze hinterlassen,
ja, das Erlebnis überhaupt in Worte zu fassen. Zumindest die drei bedeutendsten
der Unterwasserriffe da vorn sind Bilderbuchriffe von jener verwunschenen
Qualität, wie sie der Fantasie eines Jules Verne entsprungen sein könnten.
Sie anzugehen ist, obwohl keines von ihnen weiter als 200 m vom Ufer entfernt
liegt, auch fast ein Abenteuer Jules-Verne’scher Prägung.
Wenn denn also Strömung, Welle und Dünung einigermaßen
mitspielen, dann ist das fast noch am leichtesten zu erlangende Legenden-Erlebnis
der „Tower“. Wir ankerten höchstens 50 m vom Riff unterhalb des hoch
aufragenden Steilufers und arbeiten uns über zwei als sichere Marken
geltenden Blöcke in die Tiefe. Es folgt die Ungewissheit eines nur
ein kurzen Tiefenabfalls, dann taucht bereits der markante Riffkopf bei
etwa 15 m aus dem Blau. Zeit zum Verweilen gönnen wir uns nicht, wenngleich
schon die Form des Kopfes dessen wert wäre: Sicher kann man sie auch
als Turm interpretieren, mir aber schien, sie ähnelt der wuchtigen,
verschränkten Klauenhand eines unheimlichen Maschinenmonsters, die
im Begriff ist, zur Oberfläche zu stoßen. Aber wir brauchen jede
Minute, denn es folgt ein rasanter Flug nach unten an der äußeren
Steilflanke des Turms entlang, bis auf fast fünfzig Meter.
Der Riffkopf des „Towers“
Im tiefer Trudeln umrunden wir zunächst eine mächtige, schulterähnliche
Auswölbung, deren Vorsprung sicher stellt, dass der darunter folgende,
bis mehrere Meter in den Fels vertiefte Bereich dann hinreißend gespenstisch
wirkt und sein Betauchen nicht ganz ungefährlich ist. Denn von hier
greifen die modernden Fetzenenden verlorengegangener, zerrissener Fischernetze
und deren Seile bis weit nach unten, verwehren zum Teil wie gespenstische
Gardinen den Blick in die tieferen Bereiche der grottenartigen Höhlungen.
Blicke auf die Überhangwölbung des „Towers“ bei etwa
35 m
Aber gerade hier, im Bereich ab vierzig Meter, entfaltet der „Tower“ seine
Pracht wie die Schatzlade von Simeli-Berg. Dunkel und Halbdunkel der gespenstischen
Szenerie bieten beste Voraussetzung für überreiches niederes Leben,
die Ansiedlung unterschiedlichster farbiger Schwammwülste in dicken
Polstern oder mit filigran-eleganten Auswüchsen. Salpen, Sabellen, Oktopusse
– der Blick ist überfordert, all das im Einzelnen zu registrieren. Es
verdichtet sich im Schein der Lampe alles zu einer wunderbunten, zugleich
irgendwie irre wirkenden Synfonie. Die Lampenfinger huschen von einer Stelle
zur anderen, als könnten sie unmöglich entscheiden, wo sich Verharren
am meisten lohnt. Ein für Ägäis-Verhältnisse ganz ungewöhnlicher
Anblick, diese Bewuchsdichte, diese fast tropische Exuberanz. Ja, dies ist
vermutlich die am interessantesten, am dichtesten bewachsene Stellen im
taucherisch zugänglichen Bereich der Ägäis überhaupt.
Allerdings, die Wand fordert aus mehreren Gründen klar die exzellente
Beherrschung des taucherischen Katechismus. Zum einen muss man sich so bewegen,
dass man zwar den Dingen möglichst nahe kommt, zum anderen aber muss
man vermeiden, dass man direkt an den Netzfetzen blubbert, denn die Blasen
lassen von Oben sofort das Sediment wie Schnee rieseln. Und keinesfalls
darf man in die Seile oder Netze greifen, denn zum einen würde es ihren
Bewuchs beschädigen, zum anderen könnte der gesamte morbide Kram
über einem herunter brechen. Exzellente Tarierung versteht sich fast
von selbst, sonst sackt man bei über 50 m auf einen Sandhang durch,
der sofort weiter steil abwärts läuft. Und Zeit, den Ort zu genießen,
die hat man sowieso nicht lange, denn der Computer läuft unbarmherzig.
Einige weitere Bilder von den in den Höhlungen
des „Towers“ wuchernden „Simeli“-Schätzen
haben wir hier zusammengestellt.
Die zweite der Legendenstellen, „Nemesis“, zu finden, erforderte, was die
Position anbelangt, auch keine besondere Mühe. Die Rifflage streckt
sich seewärts unterhalb eines charakteristischen, weit vorgeschobenen,
irgendwie überdimensioniert quaderhaft wirkenden Uferfelsens, der links
und rechts sogar von winzigen Strandabschnitten gerahmt wird. Die hier besonders
extrem-unerwarteten Strömungsverhältnisse sind des Riffes Fluch
und Segen zugleich. Mit dem Fluch machten wir auch umgehend Bekanntschaft,
als fast verblüffendes Phänomen: Die Wellenbewegung an der Oberfläche
schien nur schwach bis mäßig von Ost nach West zu laufen, wir
sahen einem entspannten Tauchgang entgegen ließen uns vom Boot östlich,
vermeintlich günstig zur Strömungsrichtung, zu Wasser. Wieso bloß
kamen wir dem Felsen dann schwimmend kaum näher? Beim Abtauchen wurde
es offenbar: Kurz unter der Oberfläche beginnend und etwa bis fünfzehn
Meter Tiefe reichend, tobte ein Fast-Malstrom als wilder Fluss um die Vorderspitze
des Felsens, und zwar in exakt entgegengesetzter Richtung wie die Wellenbewegung
an der Oberfläche scheinbar andeutete! Nur schnell durch tauchen, Grund
gewinnen. Ab zwanzig Meter beruhigte sich die Wasserbewegung erheblich, wurde
zu gleichmäßigem, leicht handhabbaren Umstrom. Wir drangen seewärts
vor in ein Reich, das bereits von seiner Morfologie alle Sehnsüchte
nach dem Unberührt-Mythischen bediente: In kurzen Abständen zueinander
angeordnete Felsenkuppen sprangen treppenartig absteigend und pointiert seewärts
gerichtet in die Tiefe, formten eine bizarr-kompakte, wie rätselhaft-drohend
wirkende Rifflandschaft, ein Unterwasserarchipel eigenartig geschlossener
Prägung. Die kurzen Sprünge der labyrinthisch angeordneten Riffkuppen,
jeweils markant geformt, im Wechsel von filigran-spitz zu wuchtig kantig,
teils wie künstlich geschliffen, teils grobe Einrisse und Höhlungen
aufweisend, zwangen zunächst unseren Blick, dann uns selbst, ihrem Verlauf,
ihrem Abstieg, wie von Suggestion getrieben zu folgen. Die Suggestion drohte
endgültig zur Hypnose zu werden, als wir etwa die 35 m unterschritten.
Enorme, panoramahafte Weitsicht, als ob sich der Blick in das dahinter liegende
Tiefenbecken der Ägäis öffne, breitete sich stechend plötzlich
vor uns, zugleich empfanden wir einen ungewöhnlich nachdrücklichen
Kältesprung. Das Panorama der amphitheatralisch absteigenden Felskuppen
schien wie in einem surrealistischen Panoptikum auf uns einzudringen, gewann
durch zwielichtige Schummrigkeit geisterhafte Plastizität, täuscht
gleichsam spielerisch über die wachsende Tiefe hinweg. Fast ohne davon
Notiz zu nehmen, bewegten wir uns in die vierziger Meter. Und hier wandelte
sich des Riffes Fluch, die unablässige Umströmung, nun zum einzigartigen
Segen: Wir hatten vor uns, was uns selbst am „Tower“ noch gänzlich unglaubhaft
erschienen wäre, die wundersamen Gorgonien.
Gorgonien-Saga Teil 1: Das wundersame Gebilde im Nahformat
(Autor: V. Milisavljevic)
Ein Anblick, wie er so nirgendwo anders in der Ägäis, nirgendwo
anders in griechischen Gewässern überhaupt, in taucherisch zugänglichem
Tiefenbereich erhältlich ist. Erst hier und da, zerbrechlich-handgroß,
dann in Gruppenplätzen, zuletzt fleischig-üppig, armhoch wachsend,
in dichten, gleichmäßigen Feldern, besiedelten, deckten sie die
grauschwarzen Felsoberflächen im Schein der Lampe mit sattem, fast
leuchtendem Ocker. Eingestreut in die Gorgonienbeete wieder schöne,
massige Körper knallgelber Schwämme, rote Seescheiden und glockenartig-filigrane
Salpenkolonien, die Tiere durchsichtig wie zerbrechliches Glas. Dazwischen,
aus senkrechten Löchern heraus, wanden sich die ockergepunkteten Dreiviertelkörper
von dicken Teppichmuränen wie Klapperschlangen nach oben, zum Teil
zwei, drei, aus einem Loch, sich aber zurückziehend, sobald wir nahe
kamen. Für die wenigen Minuten, die wir hatten, eine fantastische,
unwirkliche Szenerie, eine völlig alternative Welt, ein kompakter Thrill,
der unter die Haut ging.
Gorgonien-Saga Teil 2: Ab etwa 35 m wachsen die Tiere in
wuchernden Feldern, sich nach unten noch weiter verdichtend. Große
Kleinfischschwärme bieten Nahrung für riesige Muränen, die
schnappsüchtig aus ihren Löchern lugen
Als taucherisch anspruchsvollstes der Legendenriffe an dieser Südfront
gilt jedoch das „Große Gorgonienriff“, das in wohl mehr als zweihundert
Meter Entfernung vom hohen Steilufer, aus bereits unzugänglicher Tiefe,
nochmals bis auf fünfundzwanzig Meter unter die Oberfläche aufstrebt.
Die Meinung der Gurus ist, man könne das Riff am sichersten vom Ufer
aus in Unterwasserlage anschwimmen. Allerdings, die auch hier in Stärke
und Richtung unberechenbaren Strömungen führen dazu, dass das
solitäre, für die Entfernung vergleichsweise kleine Ziel selbst
von guten Kennern des Platzes gelegentlich verfehlt wird. Dann gilt es,
zum noch rechten Zeitpunkt auf Plan B, erfolglose Umkehr, umzuschalten,
will man nicht in gefährliche Rückkehrschwierigkeiten geraten.
Gorgonien-Saga Teil 3: Foto: Vladan Milisavljevic. Dank der Begleitung
durch den serbischen Fotografen konnte des Autors Anflug auf die Wand
des Großen Gorgonien-Riffs für die Ehrengalerie
der Gorgonienritter festgehalten werden.
Entsprechend dem uns verratenen Kochrezept starteten wir dann von einer
sich ganz genau markierenden Stelle der Uferwand, und, wie wir erlebten, ist
schon das scheinbar endlose Anpirschen unter Wasser irgendwie ein Erlebnis
der dritten Art. Das gleichgültige, am Ende fast grausam erscheinende
Blau aus allen Richtungen, die lange Ungewissheit des Erfolgs, das nicht sichtbar
Werden von irgendetwas überhaupt. Selbst wenn am Ende alles nach Plan
A läuft, bietet dieses Intermezzo schon mal überreichlich Gelegenheit,
sich eines ganzen Canons von Gefühlslagen zu entledigen: Von ungeduldiger
Spannung bis nervöser Beklemmung, vom Fast-Verzagen und sich schon auf
Umkehr Einrichten bis zu einem unvergleichlich triumphalen, einem Sieggefühl,
wenn sich dann endlich die hellfarbene, sattelförmige Gestalt des Riffs
irgendwann wie ein prachtvolles, aber verwunschenes Pyramidenbauwerk aus
der Welteneinsamkeit des unergründlichen Blaus schält. In der kompromisslos
aufstrebenden Steilheit seiner Flanken, die elegant geschwungenen Doppelspitzen
auch hier mit Seil- und Netzresten schön drapiert, darüber wogende
riesige Schwärme von Mönchsfischen, ein wahrhaft märchenhafter
Anblick. Es galt nun, die zwischen den Spitzen bogenartig nach innen gekrümmte,
wohl auf über hundert Meter erschreckend senkrecht nach unten schießende
seeseitige Wand zu betauchen, denn hier fand sich in loggiaartigen Höhlungen
eine enorme Besiedlung mit tierischem Leben, auffällig vom ersten Moment
an der gleichmäßige Besatz mit Langusten hier. Vor allem aber
wieder ab vierzig Meter, üppige Gorgonienfelder. Hier konkurrierten
die Tiere wohl noch dichter als am „Nemesis“, wogten schwer, aber elegant
in der von uns verursachten Wasserbewegung. Jenseits allen Zweifels jedenfalls
nach unserer Rückkehr zum Boot: Vladan Milisavljevic und ich werden
zu jenen gehören, die die Legenden von den sagenhaften Chalkidiki-Tauchplätzen
an den Stammtischen sowieso, aber vermutlich auch noch an unsere Urenkel
weitergeben.
Die extreme Sonderheit der hiesigen Gorgonienplätze – es gibt außer
den beiden beschriebenen noch wenige weitere in der Nähe – ist eben,
dass sie sich zur Zeit nur an wenigen weit in die See vorgeschobenen, ständig
strömungsexponierten Stellen ab etwa fünfundreißig Meter
Tiefe entwickeln. Unmittelbar am Steilufer jedenfalls scheinen keine ausreichenden
Wachstumsbedingungen gegeben, man triff dort nur ganz selten vereinzelte
dieser Korallentiere.
Kelyfos
Ein anderer Platz indes macht uns in seiner Einordnung unschlüssig.
Kelyfos – Legendenplatz oder nicht? Wir wollen keine Inflation des Einzigartigen
herbei reden und rechnen die schildkötenförmige, einsam-solitär
mitten aus der großen Tiefe des Golfs von Kassandra erwachsende Insel
nicht darunter.
Die Insel Kelyfos, von Sithonia aus gesehen und während
der Pause vor dem zweiten Tauchgang
Sie bietet, wie bereits Michael Kutz in seinem Interview zum Ausdruck brachte,
hervorragende, aber am Ende wohl eher konventionelle Tauchplätze. Interessant
zunächst die an der Nordseite wie große Höcker aus dem steilen
Hang ragenden Felseninseln, etwa bei 30 m. Seeseitig bilden sie dann kleine,
aber gut durchlöcherte und bewohnt Wandstücke. Aufregender und
anspruchsvoller jedoch sind tief fallende Wände im Südostbereich,
sowie die Wand der nach Westen gerichteten Spitze etwa ab 35 m. Charakteristisch-gleichmäßig
ausgeprägter Bewuchs, vor allem kopfgroße, tupferhaft an die
gerade geschnittenen Wände gepinnte Köpfe gelber Schwämme
sind entzückend anzusehen, prägen den Eindruck des ästhetisch
ungewöhnlich Reizvollen. Und, eine interessante Entwicklung fiel uns
auf: An einigen wenigen Plätzen im tiefen Bereich beginnen, sehr zaghaft
noch, klein und schütter, dennoch schon unübersehbar, auch hier
neuerdings Gorgonien zu wachsen. Es geht also auch hier um tiefes Tauchen,
wenn man ein bisschen was sehen will, der Anspruch ans Können ist jedoch
nicht ganz so hoch wie an Sithonias Spitzenfront, vor allem, weil man sich
relativ dicht am Ufer der Insel hält und die besten Tauchplätze
an der von Welle und Strömung oft weniger tangierten Nordseite liegen.
Kelyfos: Kompromisslos nach unten, um dort interessante Entdeckungen
zu machen. Dies hier dürfte ein sensationell großes Exemplar,
möglicherweise eine besondere Unterart, des Langarm-Springkrebses (Munida
rugosa) sein, rechts daneben ein übliches Exemplar in normaler Größe.
Kalamitsi und Sarti
Wer also meint, er habe in kalten deutschen Steinbrüchen, am Atter-
oder Bodensee, oft und regelmäßig genug auf solche Tiefen trainiert
und sei des Ritterschlags würdig, der kann jetzt zum nachfolgenden
Teilkapitel Basen springen und Überlegungen anstellen, wann und wie
er mal diese legendären Plätze angehen möchte. Wer nach kritischer
Selbstbefragung zum Schluss kommt, ihm fehle womöglich noch etwas an
Routine und Erfahrung, der braucht dennoch nicht an Sithonia verzweifeln.
Denn der Finger bietet noch genug Konventionelles jenseits der Legendenplätze.
Allein im Umfeld der Bucht von Kalamitsi kann er sich auf ein gutes Dutzend
packender, aber im Zugang weit weniger komplizierter Stellen, Steilhänge,
Wände, Riffberge, einrichten. Wir verzichten auf Einzeldarstellung,
es ist jedenfalls für einen Urlaub mehr als genug, was es da zu betauchen
gibt. Hervorgehoben sei lediglich, dass hier das zweite Wrack Chalkidikis
zu finden ist, ein allerdings schon ziemlich in Auflösung befindlicher
Frachter aus dem Balkankrieg, auf bis zu 20 m in geschützter Lage wieder
ein freundliches Tauchziel für jedermann.
Das Wrack von Kalamitsi
Taucheindruck der besseren Art gewinnt man dann erst wieder weiter nördlich
im Bereich Sarti – Armenistis, also etwa in der Mitte der Ostküste
Sithonias. Das Nordkap von Sarti, „Keratos“ genannt, läuft unter Wasser
in eine weitläufige, deutlich regional gegliederte Landschaft schrittweise
tiefer fallender, übersichtlicher Unterwasserberge aus. Während
sich der größte Teil des Raumes auf Tiefen zwischen 15 und 30
m erstreckt, fallen die südlichen Endbereiche dann über steile
Stücke hinab zunächst in Sandgrund, dann in den Tiefenbereich
zwischen den Fingern. Auf wenn auch begrenztem Raum bietet sich also deutlich
das Potential für mehrere Tauchgänge in Zonen unterschiedlichen
Charakters und taucherischen Anspruchs. Reizvoll insbesondere der Wechsel
des Eindrucks beim tiefer Tauchen. Der Aufmerksamkeit des Tauchers bietet
sich zunächst, großräumig-übersichtlich, gar ein wenig
monumental wirkend, das Gesamtpanorama der Unterwasserberge als Erlebnis
dar. Das Areal hat sogar entfernt Ähnlichkeit mit der Terraingestaltung
bei „Nemesis“. Erreicht man die größten, äußeren,
der Berge, gilt es, umzuschalten auf „Ausschnitt“. Denn deren steilen Außenseiten
bieten Anblicke bizarrer Gestaltung, exotischer Zerrissenheit und Überladung
mit drapierenden Einzelheiten.

„Keratos“: Bizarr-exotische Wandanblicke– und eine Menge
wackelnder Antennen
An ihrer Basis bei meist etwa 30 m sind sie tief von Höhlungen durchzogen
und zahlreich „bewohnt“. Hervorzuheben der Reichtum an Langusten, manchmal
sitzen sie Loch an Loch. Tiefe Horizontalklüfte in den Auslaufbereichen
lassen sich als Canyons betauchen, während über den Wölbungen
wieder Reste hängengebliebener Netze, hier merkwürdigerweise oft
dick zusammengedreht, liegen und den Eindruck eines Zopfschmucks vermitteln.
Etwas weiter oben, wo sich der Berg der Sonne entgegen wölbt, ist die
Gegend reich an Schnecken verschiedenster Art. Insgesamt ein Areal für
solide, erfüllende Entdeckungstauchgänge und bleibende visuelle
Eindrücke.
Hier noch ein kleines Schnecken-Potpourri,
von dem einige Zutaten von „Keratos“ stammen.
Etwas abgeschwächt gilt dies auch für die Strandlage am Zeltplatz
Armenistis. Das am Nordende der Bucht sichtbare Überwasserriff fällt
nördlich als gut gegliederte Steilhanglage sofort tief. Südlich
geht es nach kurzer Wiesenunterbrechung bei 20 m in einen klobig-rauhen
Ausläuferkamm über, dem in kurzer Entfernung unter anderem ein
hoher, runder Berg mit etwa acht Meter langem Unterwassertunnel folgt, durch
den ein Taucher gerade durch passt.
Armenistis: Blick auf die Buchtlage, links das Überwasserriff,
im Hintergrund wieder der Athos, Tunneldurchquerung gehört
zum Programm
Im Bereich zwischen Platanitsi und Armenistis befindet sich noch ein Gebiet
anderen landschaftlichen Charakters, hier wird der Eindruck auf 25-30 m
zunächst von übersichtlich und regelmäßig verstreuten
Felsaufwürfen geprägt, zum Teil wie Nashornbuckel aus der Posidonia
ragend. Diese Felsplätze bieten mit einer spezifischen Zerküftung
in Tiefrissen und Lochhöhlen idealen Lebensraum für Zackenbarsche.
Prächtige, mittelgroße Exemplare der scheuen Tiere sind folglich
aus etlicher Entfernung darüber harrend und kreisend gut zu beobachten,
bis sie dann, bei weiterer Annäherung des Tauchers, wie auf Verabredung
alle gleichzeitig in aufgeregte Schlängelbewegung verfallen und in den
Spalten verschwinden. Wenn man Glück hat, erkennt man am aufgewirbelten
Sediment, wo sie rein sind und kann mit der Lampe Teile der großen
Körper ausmachen, bevor sie sich ganz nach drinnen zurückziehen.
Porto Carras, Kalogria und andere Plätze
Die veränderte tauchrechtliche Lage legt besonders Individualtauchern
künftig nahe, noch verschiedene andere Stellen Sithonias zu erkunden,
zum Beispiel Plätze nördlich von Armenistis oder im nordwestlichen
Bereich des Fingers. Weiterhin von Gültigkeit werden jedoch auch hier
zwei Plätze sein, die sich auch bisher bestens bewährt haben.
So findet man an der Westseite Sithonias, unmittelbar südlich vom Hotel
Porto Carras und nur über das Hotelgelände zu erreichen, noch
ein aus drei Buchten bestehendes Areal, an dessen Vorderkaps sich einige
Tauchgänge lohnen. Allerdings ist der Zugang von Land für Autos
gesperrt, man sollte bei der dortigen Tauchbasis ein Boot mieten. Nach der
neuen Rechtsregelung dürfte sich allerdings nun der Zugang von Süden
her eröffen, eine echte Herausforderung für Explorer.
Und letztlich gab es schon bisher an der Nordwestseite beim Kilometer 43,5
der Umfahrungsstraße noch einen hübschen, feinsandigen Badestrand
namens Kalogria, mit einer kleinen Insel davor. Deren Südwestflanke
fällt bald als ausgeprägtes Wandstück auf dreißig Meter
hinunter und bildet oberhalb des Sandansatzes wieder einen starken Höhlungsbereich.
Zumindest ein Tauchgang lohnt sich hier für Individualtaucher allemal.
Kalogria: Seeseitig von dem winzigen Inselchen abtauchen,
bei 30 m sieht es dann so aus
...beim Basenangebot barmherzig die Augen zu.
Basenbeschreibung, dies ist im Moment wohl das schwierigste Kapitel des
Tauchens auf Sithonia. Vornehm gesagt: Das Angebot der Basen war 2005 der
herausragenden Bedeutung der Spitzenplätze nicht adäquat. Und rund
heraus gesprochen: Wir bekamen von den derzeit drei existierenden Basen in
vier Wochen keinen einzigen Basentauchgang dorthin angeboten. Also unterm
Strich: Das reicht nur für die Bildung von Negativ-Legenden über
das Basenwesen, und der Usus der alten Chalkidiki-Explorer, Kompressor und
Schlauchboot im Anhänger oder im Wohnwagen mitzuführen, er wäre
uns auch 2005 dienlich gewesen. Wie wir aber sehen werden, es gibt Auswege,
Ausnahmen und vor allem Hoffnung auf Besserung 2006.
„Nireas“ - Porto Carras
Nur die gewaltige Bettenzahl und die örtliche Lage des Hotels als
erster Basenplatz auf unserer Sithonia-Rundstrecke veranlassen uns, mit
der Basis an der Anlage Porto Carras zu beginnen. Allein, schon über
das Hotel Gerechtes zu sagen ist schwierig. Über die beiden bunkerartig
in die wunderschöne Waldlandschaft bei Neos Marmaras Landschaft gepflanzten
Großbauten spottete „Abenteuer & Reisen“ mal: „Betonkästen
wie auf Gran Canaria“. Das Innenleben der Bunker kontrastiert zum Außenanblick
allerdings recht edel. Die Anlage wurde jedoch zu lange von wechselnden
Eigentümern mit wenig Glück geführt, so was spricht sich
rum. Der jetzige, wohl eine deutsche Gesellschaft, müht sich redlich,
die Reputation zu polieren, schon mal durch umfassende Modernisierungen der
Ausstattung. Allein, dies zählt speziell für manchen deutschsprachigen
Urlauber weniger als die Tatsache, dass sich das Hochpreishotel machtlos
sieht, dem ganztägigen Dröhnen einer auf griechisches Jugendklientel
ausgerichteten Bar in seinem Strandbereich Einhalt zu gebieten.
Porto Carras: Der vordere der Hotelbunker
Den mit solch trivialen Problemen genervten Verantwortlichen bleibt wohl
wenig Zeit, sich auch noch um die Angebotsqualität der angeschlossenen
Tauchbasis „Nireas“ zu kümmern. Die sitzt einsam-isoliert hinter der
Marina in einer der Preisklasse des Hotels kaum wirklich adäquaten
Baracke. Ihr Eigentümer kann, wenn er will. Schließlich ist er
auch einer der Begründer der griechischen Tauchbasenszene auf Chalkidiki.
Für das Große Gorgonienriff war die Basis mal einziger Spezialanbieter
seltener, aber dennoch regulär im Programm ausgewiesener Exkursionen.
Bloß, zum Zeitpunkt unserer Recheche zumindest schien man wohl nicht
so recht zu wollen. Die Basis fuhr täglich Kelyfos an. Dass es da eine
„untere Etage“ gäbe, die faszinierende Anblicke böte, die befragten
Kunden wunderten sich darüber. Ihre Gruppe habe man bloß auf 25
m ein bisschen im Kreise herumgeschubst, Faszinierendes sei dabei nicht gesichtet
worden. Na, vielleicht hatten die Teilnehmer keine Qualifikation für
mehr.
„Nireas“ verleiht kleine Motorboote, die geeignet wären, Individualtaucher
bis nach Kelyfos zu bringen, wenn man geeigneten Kunden diese Möglichkeit
aufzeigte. Unterm Strich würde die Basis an der Bootsvermietung zu
solchem Zwecke kaum weniger verdienen, als mit den normalen Ausfahrten,
da die Boote höchstens zwei Taucher mit Ausrüstung aufnehmen.
Anspruchsvolle erfahrene Taucher bekämen dadurch aber die Chance, anders
als bei den Limitationen, die bei Basenausfahrten bestehen, Kelyfos als
Fast-Legendenplatz zu erfahren. Und die Basis würde ein bisschen den
Geruch des nur teuren, ansonsten bestenfalls biederen Hotelanbieters los.
Hm, gute Idee, sagte man uns. Aber aktiv ins Werbe- und Betreuungskonzept
aufnehmen wolle man diese doch nicht. Es könnte ja sein, dass man damit
am Ende doch weniger verdiene, als wenn man alle Kunden aufs Schlauchboot
zwingt. Und was ist denn nun mit einer Ausfahrt zum Gorgonienriff, wollten
wir wissen. Ja, sei noch im Programm. Aber auf den zugesagten Anruf sobald
eine Exkursion dahin wieder mal anstünde sei, warteten wir die ganzen
vier Wochen unseres Aufenthalts auf Chalkidiki vergeblich. Und das Wetter
konnte es diesmal garantiert nicht gewesen sein. Bleibt zu hoffen, dass
unser Vorsaison-Eindruck dieser „Flaggschiff-Basis“ auf Sithonia nicht auch
für die Vollsaison gilt, aber die Datenbank bestätigt wohl eher
unsere Befürchtung, denn unsere Hoffnung.
Kalamitsi
Kein Basis-Name, nur der Ortsname Kalamitsi? Für Kalamitsi stand doch
mal ein „North Aegean Dive Center“ und galt als der eigentliche, ganz große
Geheimtipp, um mit einer Basis fast sicher mal zu Legendenplätzen,
zum „Tower“ oder zu „Nemesis“,zu gelangen? Kurz und schlecht, Eigentümer
Kostas Georgoudis, über zwei Jahrzehnte nicht wegzudenkender Bestandteil
der Kalamitsi-Szene, war zum Zeitpunkt unseres Besuchs eben im Begriff,
aus persönlichen Gründen das Handtuch zu werfen, hatte sein Boot
bereits verkauft, füllte nur noch. Unsere Hoffnung, von hier aus einen
der Legendenausflüge zu erwischen, also klar vergeblich.
Die Bucht von Kalamitsi
Aber dies ist kein Niedergang ohne Hoffnung für Kalamitsi. Denn zwei
Prätendenten auf Weiterführung, ja, Höherentwicklung der
ehrwürdigen Tauchtradition des Orts stehen in den Startlöchern:
Zum einen, Vassili Pargas, Sohn des Zeltplatzbesitzers vom Porto Camping,
auf dem bisher auch „North Aegean“ beheimatet war. Der Junge hat nun die
Prüfungen als Tauchlehrer abgelegt und möchte 2006 eine Basis
an gleichem Ort, aber in jeder Hinsicht neu gestaltet, wiedereröffnen.
Die traditionsgeadelte, aber doch etwas primitive Basenbaracke soll im jetzigen
Winter einem voll auf Tauchzwecke ausgerichtetem Neubau weichen, das Schlauchboot
durch ein 9-m-Stahlkörperboot ersetzt werden.
Basenchef in spe Vassili Pargas erwartet seine Gäste,
für die Unterbringung von Gruppen oder Klubs steht diese Art von Bungalows
zur Verfügung
Vorrangig an Tauchgruppen vermietet wird dann die bereits fertige Bungalowanlage
gehobenen Standards, die sich hervorragend für solche Zwecke eignet:
Großzügige, für jeglichen Zusatzkrempel aufnahmefähige
Appartements mit jeweils direktem Zugang vom Freien, genug separater Platz
davor fürs große Gruppen-La-Lu-La, alles unmittelbar hinter der
Basis gelegen, einen Steinwurf zu Strand und Boot. Heinrich
Thurners Tauchschule
aus München gehört zu den ersten Neu-Explorern auf Chalkidiki
und machte zum Zeitpunkt unseres Besuchs eben mit einer größeren
Gruppe Auszubildender einen Test der Anlage. Urteil des Chefs: „Lässt
nichts zu wünschen übrig, wir kommen wieder“. Ob mit Zeltabsicht
oder im gehobenen Bungalowstandard (überdies sind auch Privat- und
Pensionsunterkünfte hoher Qualität im Ort zu haben) - Kalamitsi
ist für die neue Taucher-Zeitenwende, den Wieder-Ansturm von Gruppen
aus Österreich oder Deutschland, bestens gerüstet.
Den Urgesteinen unter den Kalamitsi-Fans wird eine Frage längst auf
der Zunge liegen: Was ist mit Georg? Austro-Grieche Georg Sauer-Salasidis
war nicht nur jener, der die Fama von den hiesigen Tauchplätzen nach
Wien trug (Siehe Interview mit Ossi Preinl), in den 80ern galt er als so
eine Art oberster Tauchgeist des Ortes, oder Häuptling der Fan-Gemeinde
– und natürlich noch heute als unbestritten bester Kenner sämtlicher
Legendenplätze. Wenn der bärtige Pirat mit flatterndem Langhaar
seinen Platz hinter dem Steuer einnahm, dem kraftvollen Außenborder
unerbittlich seinen Willen aufzwang, dann schien es, als stehe die Urkraft
der Legenden leibhaftig hinter ihm, spannte sich die Aura des Abenteuers
als Gloriole über das Unternehmen. Die schlechten Zeiten (und die zeitweilig
noch schlechteren Kunden) legten ihm einen Abschied von der Basis und zeitweiligen
Rückzug aus dem Tauchgeschäft überhaupt nahe. Aber auch Georg
wittert, dass sich der Wind wieder dreht. Während unserer Recherche
noch damit beschäftigt, sein Boot nach vollständiger Modernisierung
in den Einsatzzustand zu versetzen, hat er wohl kurz danach die regulären
Ausfahrten aufgenommen. Allerdings, er versteht sich nicht als übliche
Basis, er möchte für einen Freundeskreis empfohlener Kunden, Prätendenten
auf die Legendenplätze, präsent sein. Honi soit, qui mal y
pense...
Grüße von Georg an seine Fans in Wien und anderswo.
Hier nur die Generalprobe zum Stapellauf, dem Boot mangelte es noch an einem
einzigen Druckschlauch, und der musste erst aus Athen geliefert werden.
Unsere Pein. Die Sektflasche ließen wir aber schon mal da.
Kalamitsi wird ab 2006 also nicht nur die Chance auf Ultimates, auf Zugang
zu Legendenplätzen, sondern auch eine klare Staffelung nach taucherischen
Voraussetzungen bieten: Taucher mit durchschnittlichem Können und Interesse
an eher normalen Tauchgängen melden sich auf der neuen Zeltplatzbasis
an, Freaks, die ein bisschen mehr drauf und einen Bock auf Abenteuer haben,
bemühen sich um eine Empfehlung für Georg Abenteuerausfahrten.
Und, jede Wette drauf, „Heini’s Tauchschule“ wird nicht die einzige aus Deutschland
oder Österreich bleiben, die in Zukunft regelmäßig mit Kind
und Kegel anreist und ihre Tauchflagge in Kalamitsis Wind flattern lässt.
Wir glauben fest, dass man dem Ort für die nächsten Jahre verheißen
kann: Die Legenden kehren zurück.
Kapitän Nikitas – Porto Koufo
Jetzt wird es Zeit, auf die Frage einzugehen, wie wir denn zu den bewisperten
Plätzen kamen, wenn denn uns keine der Basen da hin bringen wollte.
Zwei Varianten kamen zum Einsatz: Erstens, schlichtes Betteln. Wir baten
tauchende österreichische Bootsbesitzer in Kalamitsi um spezielle Ausfahrten
für unsere Zwecke. Da solch Kulanz aber auch für Journalisten ihre
Grenzen hatte, müssen wir nun den Ortsnamen Porto Koufo ins Gespräch
bringen. Die malerische Buchtlage mit Häfchen im westlichen Bereich
vor der Süspitze Sithonias hat zwar keine Tauchbasis, jedoch gibt es
hier einen Fischkutter-Eigentümer, der touristische Ausfahrten aller
Art anbietet. Kapetanios Nikitas ist auch auf Taucher eingestellt, sein Kahn
fasst gut sechs davon, besitzt zwar keinen Schutzkorb um die Schraube, aber
eine Einstiegsleiter für Taucher am Heck.

Kapetanios Nikitas (links) auf seinem Schaukelschiffchen
Das Angebot ist für Individualisten ohne eigenes Boot alles andere
als ein Notnagel. Wer gewohnt ist, über sein Tauchprogramm ganz allein
zu bestimmen, vor allem aber, wer sich beweisen will, dass er aus eigenem
Vermögen Legenden auf Augenhöhe treffen kann, würdig ist, in
den Kreis der Gorgonienritter einzutreten, der hat auf diese Weise Gelegenheit,
dies zu tun. Als die zu solchen Weihen üblichen Fanfarenklänge akzeptiert
man ersatzweise das Stuckern des Diesels.
Nebenbei und ganz unlegendär-profan geflüstert, ist das Angebot
dieses Kapetaniou für Kleingruppen unschlagbar preisgünstig. Während
z.B. jeder Taucher bei „Nireas“, falls man dort doch mal einen Ausflug zu
den Gorgonien bietet, 65 Euro berappen muss, kostet die Ausfahrt mit dem
Kaptanio den Mindest-Preis von 45 Euro, dieser kann aber auf mehr Teilnehmer
aufgeteilt werden und kostet somit ab drei Teilnehmer nur 15 Euro plus Flaschenfüllung,
die man in Kalamitsi oder Porto Carras bekommt. Woher aber kriegt man die
Ortskenntnis der Plätze? Der alte Nikitas nimmt am Tun seiner Tauchkunden
engagiert Anteil und besitzt vor allem eine exzellente Kenntnis der Unterwasserorte.
Es dürfte reichen, ihm zu sagen, fahr uns genau dahin, wo auch andere
Taucher immer hin wollen.
„Aqualand“ Platanitsi (und Ouranoupoli)
Wir konnten die Dinge drehen und wenden wie wir wollten, es blieb Fakt,
der 2005 von uns als solidester empfundene Anbieter auf Sithonia hieß
„Aqualand“, saß leider nicht in Nähe der Legendplätze und
fuhr dort auch nicht hin. Die Basis hat ihren Platz in Platanitsi, einem der
landschaftlich schönstgelegenen Campingplätze Sithonias, ein paar
Kilometer nördlich des großen Orts Sarti.
Der Strand von Platanitsi und ein genauerer Blick in die
schöne Natur dahinter
Freaks, bei denen sich die Tauchleidenschaft mit Wanderleidenschaft teilt,
sind hier bestens aufgehoben, da man von Platanitsis blendendweißem
Strand aus entlang eines malerischen Flussbetts direkt Zugang zu den gut
ausgebauten Wanderwegen in Sithonias herrlicher Bergwaldlandschaft hat.
Was das Tauchen betrifft, so hatte Chef Angelos Vasiliadis mit der Platzwahl
entweder einen guten Riecher, oder, was bei seiner systematischen Arbeitsweise
eher wahrscheinlich ist, er hat fleißig Probe getaucht und so gefunden,
dass hier um die Ecke noch erstaunlich interessante Tauchplätze zu
finden sind. So kann er mit schnittigem Festkörperboot und auch sonst
rundum solider Ausstattung täglich Ausfahrten auf kurzen Wegen zu den
lohnenswerten und vor allem weniger windanfälligen Plätzen von
Sarti bis Armenistis garantieren. Was uns besonders gefallen hat: Sicherheit
hat hier einen hohen Stellenwert. So wird bei tieferen Tauchgängen
eine Sauerstoffflasche auf die letzte Dekostufe gehangen.
Basenchef Angelos mit (zufällig alles weiblichen)
Kundinnen, der Einstiegsplatz für das Boot und der Basenchef bei der
Kontrolle der Sicherheitsvorkehrungen unter Wasser
Der Basenplatz liegt direkt am Strand, bis zum Einstieg ins Boot sind es
nur ein paar dutzend Schritte. Das ganze Ambiente hier hat etwas angenehm
Unaufgeregtes, Abgeklärtes. Wer also nicht auf Ultimates scharf ist,
gerne nervige Epizentren meidet, aber dennoch solides, befriedigendes Tauchen
sucht, der ist hier gut aufgehoben. Auch für Kalamitsi-Fans ist ein
20-km-Tagesausflug hierher wegen der deutlichen Andersartigkeit der Plätze
in jedem Falle reizvoll.
Info-Adressen der Sithonia Basen:
Aqualand Diving Center,
Angelos Vasiliades
Campingplatz Porto, Vassilios Pargas
- Ausflugsboot Nikitas
Tel. (0030) 23750 51143, 6976-727197
(Kontaktvermittlung auch direkt in Koufo durch die erste Hafenternve
rechts von der Stichstraße zum Hafen)
- Georg Sauer-Salasidis
(0043) 699 11871244
„Nireas Diving Center“
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01.12.2008 18:21 Taucher Online : 188 Heute 13649, ges. 30282809 Besucher
 
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