Dahab - Alternative am Roten Meer

 Geschrieben von Jo Warner

Dahab – ein lohnendes Ziel

von Joachim Warner

Sinai - Satellitenaufnahme Für viele Taucher und Schnorchler ist Rotes Meer gleichbedeutend mit den Orten Hurghada und Sharm el Sheik. Schon ein Blick in die Reisekataloge der großen Veranstalter zeigt, dass auf dem Sinai die schöne bunte Urlaubswelt eigentlich am Nordrand von Sharm el Sheik endet.
Und wer dann mal seinen Weg ca. 80 km weiter nordöstlich entlang des Golf von Aqaba wählt, der merkt auch warum: Hier in Dahab ist nämlich der organisierte Massentourismus ziemlich weit entfernt! Kontrovers diskutierbare Auswüchse wie Liegenreservierer, lautstarke Animationsbeschallung in flächenmäßig riesigen Hotelghettos, lästige Anmache vor allem weiblicher Gäste und anderes gibt es in Dahab nicht. Der Ort ist daher insgesamt für Gäste, denen kleine Hotels mit privatem Ambiente lieber sind als eine 5*-Superanlage, geeignet. Und natürlich für Taucher, die es leid sind, mit 10 – 15 Schiffen am gleichen Riffspot zu sein, sowie für deren nicht Tauchende, aber schnorchelnde Begleitung, denn der einmalige Vorteil von Dahab ist das Vorhandensein eines kilometerlangen Saumriffs: Überall, wo man tauchen kann, findet auch der Schnorchler einen passenden Platz. Ein weiterer Vorteil dieses langen Saumriffs ist, das nahezu alle Spots auch mit wenigen Schritten von Land aus erreichbar sind – gute Nachrichten für diejenigen, die Bootstauchen schon beim Anblick eines Tauchschiffes mit Seekrankheit verbinden.

Einstieg
"The Bells" - der erste Blick...

Der Ort Dahab – und wo wohnen?

Dahab war ursprünglich einmal ein Beduinendorf. Noch heute besteht der Ortsteil Assalah im Nordteil der Gesamtfläche überwiegend aus einfachen Bauten der Beduinenfamilien mit unzähligen Ziegen, Schafen und Kamelen, allerdings haben sich am Meer entlang mittlerweile einige Hotels auch in diesem Ortsteil etabliert. Direkt südlich daran angrenzend finden sich entlang der Ghazala-Bucht und weiter Richtung Süden zahlreiche kleinere Hotels sowie immer noch viele Camps, die teils einen recht maroden Eindruck machen und wohl eher Relikte aus der Hippie-Szene sind, die Dahab bis vor einigen Jahren dominierte. Die touristische Erschließung äußert sich sehr auffällig in der in den letzten Jahren immer länger gewordenen Uferpromenade, die jetzt sicherlich eine Länge von über 3 Kilometer hat.
Noch etwas weiter nach Süden folgt nach ca. 2 km das ganz andere Dahab, in dem sich an der sandigen Lagune Anlagen einiger großer Hotelketten wie Hilton befinden. Schließlich gibt es einige Hotels, die eigentlich dem Ort Dahab gar nicht mehr zugeordnet werden können, weil sie weit südlich oder nördlich des Ortes und auch jenseits der Militär-Checkpoints liegen.

Dahab
Dahab einst (1995)....

Dahab
... und jetzt (2005)

Offensichtlich haben schon seit Jahren Investorengruppen dort Großes vor, diverse Stahlbetonskelette oder auch halbfertige Hotels geben davon Zeugnis. Dem Vernehmen nach will die Familie des ägyptischen Präsidenten mittelfristig aus Dahab ein zweites Sharm el Sheik machen: Es wird an einer autobahnähnlichen Straße von Sharm nach Dahab gebaut, seit einem Jahr gibt es dort einen präsidialen Helikopter-Landeplatz. Somit gute Gründe, nach Dahab zu reisen, bevor es soweit ist, denn dann ist es dort mit der relativen Idylle garantiert vorbei!

Natürlich findet man Dahab auch in einigen Pauschalreisekatalogen, meist die großen Hotels an der Lagune. Wer mit kleinen Kindern reist, die einen flach abfallenden Sandstrand haben wollen, und wer lieber die Rundumversorgung einer derartigen Hotelanlage genießen will, als eine Urlaubsgestaltung mit eigenen Ideen, der ist dort sicher gut aufgehoben. Ansonsten ist Dahab eigentlich ein Ziel für Individualreisende, die sich ihren Urlaub vom Flug bis zum Abendessen lieber selbst zusammenstellen – und dabei auch einiges an Geld sparen können.

Bucht am Sea&C Resort
Bucht am Sea & C Hotel

Wie schon gesagt: Kleinere Hotels gibt es in Dahab ziemlich viele, und aus der Ferne fällt die Auswahl sehr schwer. Deshalb hier eine natürlich subjektive Auswahl von Nord nach Süd, wobei ich die Hotels jenseits der Militärposten hier nur erwähne, dort aber wegen der totalen Abgeschiedenheit selbst nicht hinreisen möchte (Tropitel Dahab Oasis, Daniela Village, Dahab Hotel, Happy Life Village).
Mein aktueller Favorit ist das neueröffnete Sea & C im Norden von Dahab-Assalah, schönes Hausriff, deutsche Leitung, sehr gute Küche, tolle Aussicht vor allem von der Dachterrasse aus!
An einem der vielseitigsten, aber auch meistbesuchten Tauchspots liegt das Sirtaki-Hotel mit griechischer Küche und in Adams Bar dem billigsten Dekobier des Ortes – mit 5 LE ist man dabei!
Vergleichsweise sehr preiswert und nett ist das Bedouin Lodge Hotel. Wer über ein eher mäßiges Frühstück und landestypische kleine, aber regelbare Unzulänglichkeiten hinwegsehen kann, ist hier gut aufgehoben.
Direkt neben dem Bedouin Lodge Hotel liegt das absolut empfehlenswerte und vergleichsweise preiswerte New Sphinx Hotel. Nach aktuellen Informationen wird die Basis in Kürze wieder unter deutscher Leitung stehen.
Hinlänglich bekannt, mit etwas verbauter Architektur durch diverse An- und Ausbauten, ist das Inmo Village, dessen deutsch-ägyptische Besitzer ein Urgestein in Dahab sind.
Am Südende der Promenade liegt das Hotel Sarah Village mit der Tauchbasis Dive in Dahab.

Im Hotel Lagona Village ist seit einiger Zeit auch das Red Sea Environment Center (vormals SEC) als meeresbiologischer Forschungsstützpunkt eingezogen.

Alle diese Hotels (und natürlich auch die nicht genannten) kann man per Mail oder Telefon kontaktieren und buchen. Positiv: Sie organisieren auch den Flughafentransfer.

Torbogen am Blue Hole
Torbogen am Blue Hole

Tauchen in Dahab

Dem Vernehmen nach soll es insgesamt 70 Tauchbasen in Dahab geben! Natürlich hat schon mal jedes Hotel seine eigene Basis, ferner gibt es viele Basen ohne Hotelanbindung – und diverse freischaffende Tauchlehrer ohne direkte Basenanbindung. Nahezu überall sieht man das PADI-Logo. Die Basis im Sarah Village ist (auch) eine offizielle VDST-MTA-Basis, auch wenn man der Webseite das nicht so ohne weiteres entnehmen kann.

Für die Region zwischen Sharm el Sheik und Dahab hat sich eine Organisation mit dem Kürzel SSDM gegründet, deren Aufgabe die Sicherheit der wassersportlichen Aktivitäten sowie die Schonung der Umweltressourcen ist. Daraus ergeben sich für Taucher diese Konsequenzen:
Tauchgänge mit Buddy und ohne Guide sind nur am jeweiligen Hausriff der Basis und bei entsprechender Erfahrung erlaubt. Wie weit der Begriff „Hausriff“ geht, liegt teilweise im Ermessen und am guten Willen der Basis.
Tauchgänge an den Spots nördlich und südlich der schon mehrfach genannten Militärposten bedürfen generell einer „permission“, die u. a. ein Verhältnis von einem Tauchlehrer bzw. Guide auf maximal 6 Taucher voraussetzt..
Viele Tauchbasen verweisen immer wieder gern auf ein angebliches „Gesetz“, welches Tauchgänge jenseits 30 m verbietet, jedoch hat bislang noch niemand einen derartigen legislativen Text vorzeigen können. Anspruchsvolle Taucher setzen dabei lieber auf einen „Freischaffenden“ als auf ihre Hotelbasis. Wie man sie findet: Info gern per Mail.

The Arch, Dahab
"Arch"

Die jeweiligen Hausriffe können in der Regel problemlos bei mittlerem bis hohem Wasserstand betaucht werden. Bei Niedrigwasser verbietet die Schonung der Riffdachpopulationen einen Tauchgang von selbst, und bei Starkwind kann sich an der Riffkante die See durchaus so stark brechen, dass man lieber woanders hinfährt, denn es gibt einige sehr schöne Spots, die nahezu windunabhängig sind.

Wie schon gesagt – Dahab-Tauchen heißt Tauchen von Land, Transport per Jeep und Pickup, Oberflächenpause entweder im Hotel oder an den meisten Spots in einem der Beduinencafes. Vorteil ist neben der nicht vorhandenen Seekrankheits-Gefahr die flexiblere Planung des Tages, weil man eben nicht von morgens bis nachmittags an ein Schiff gebunden ist...
...und unter den vielen Spots gibt es wirkliche Highlights:

Zum Blue Hole/Bells braucht es keine Kommentare. Der berüchtigte „Arch“ ist eindrucksvoll! Wegen der Tiefe von über 50 m, in der man komfortabel durchkommt, ist das eigentlich ein Trimix-TG. Für alle Nicht-Trimixler hier ein Fototipp: Die 3-m-Deko macht man am besten unter dem neuen Schwimmsteg in Rückenlage und guckt „Bikinifische“ aus Italien...

Einstieg Canon Dahab
Einstieg zum Canyon

Auch der Spot "Canyon" mit seinen mindestens drei verschiedenen Routen dürfte ein Begriff sein, wobei der sehr interessante Dropoff selten betaucht wird.
Die beiden südwärts folgenden Spots Abu Talha und Abu Helal dagegen gehen in Richtung Geheimtipp mit bester Chance auf Schildkröten in traumhaftem Korallengarten – und einem sehr anspruchsvollen engen Canyon.
Der Spot Lighthouse (Hausriff vom Sirtaki Hotel) bietet nicht nur ein Riff, sondern vor allem eine Seegraswiese, in die sich zumindest jenseits 15 m kaum jemand verirrt. Gut so – wo das „Aquariumriff“ ist und wo der gedeckte Tisch steht, wird nicht verraten. Und Seepferdchen gibt es natürlich auch dort!

Seepferd


„Islands“ – da braucht man einen Spaten für mehr als 20 m oder auch nicht, denn das ist ein Topspot zum Gucken, Hausriff des Sarah Village und Herausforderung an die Navigationsfähigkeiten.
Am Spot Moray Garden gibt es zwar nicht allzu viele Muränen, dafür mindestens drei verschiedene Routen unter Wasser, wobei man bei zwei von ihnen fast immer allein ist.
In Ras um Sid ist die größte Gorgonie zu sehen, die ich kenne!

Schildkröte an den Moray Gardens
Schildkröte am Moray Garden

Und wer schon auf dem Sinai ist und deshalb auf jeden Fall nicht ohne einen Besuch der "Thistlegorm" und des Ras Muhammed wieder zurückfliegen will, dem bieten entweder der Veranstalter Blue Hole Travel (Hauptstraße gegenüber dem Sphinx Hotel) oder auch die Tauchbasen eine Eintages-Exkursion mit Übernachtung an Bord und drei Tauchgängen an.
Das Schiff "Embero I" von Blue Hole Travel bietet übrigens auch tolle Nordsafaris zu sehr fairen Preisen sowie Exkursionen auf dem Sinai an. Hier der Link: http://www.blueholetravel.com

Abendprogramm?

Treffs vieler Taucher sind entlang der Promenade:
Adams Bar (weil billiges Stella), Restaurant und Bar des Blue Beach Hotel (einziger Spot für wirklich gute Steaks), das „Rush“ links neben der Post rein in den Hinterhof (mit Pool, Wasserlauf usw.), die Tota-Bar (eher was für Leute unter 25) und die Old Sphinx Bar (mit Billardtischen).

Dahab
Dahab - Promenade

Essen muss man auch, wenn man nicht gerade mit Halbpension gebucht hat. Die gesamte Promenade ist voll von Restaurants, viele haben Fische in der Auslage (viele dieser armen Viecher liegen nicht mal auf Eis). Wer Fisch oder anderes Meeresgetier essen will, macht da einen ganz weiten Bogen drum und geht am nördlichen Ende der Hauptstraße links rum, sucht sich 30 m später die einzig frischen Meerestiere des Ortes aus und lässt sich überraschen, was dann für wenig Geld alles aufgetischt wird. Und gleich daneben kann man sich am nächsten Abend ein Chicken-Menü bestellen – das kostet aktuell 2 Euro! Steaks (auch vom Schwein!) gibt’s lecker im Blue Beach 300 m nördlich vom Sirtaki an der Promenade, ansonsten Finger weg von allem, was woanders Steak heißt (Synonym für Schuhsohle). Völlig in Ordnung sind auch das Aladdin an der Brücke und zumindest das Chicken Kebab im Bedouin Lodge. Und für Fans von Tischdecken und Leckerfresschen gibt’s das Restaurant vom Nesima Hotel.

Tauchfreier Tag?

Eigentlich ist die Region zu schade, um nur zu tauchen! Was sich wirklich lohnt:
Abends nach St. Catherine fahren, per Kamel, bis fast unter den Gipfel des Mosesbergs reiten, den Rest zu Fuß aufsteigen, den Sonnenaufgang erleben (zieht euch warm an!) und dann die 3700 Felsstufen ganz langsam hinuntergehen, wobei ein Muskelkater fast garantiert ist, aber es lohnt sich. Das Kloster selbst ist weniger interessant. Beachtet dabei euren Tauchcomputer – Gipfel des Berges entspricht Reiseflughöhe eines Jets!

Mosesberg
Mosesberg

Eine eintägige Tour mit den Zielen White Canyon, Ain Khudra, Mushroom Rock, Al Haduddah Düne – einfach grandios! In Dahab gibt es diverse Büros, wo man diese Touren buchen kann.

Weitere Tipps

Shopping: Vor allem Frauen mögen das. Es gibt in den Läden im Prinzip drei verschiedene Preise. Am höchsten ist der für Italiener (die nach der „aufregenden“ Blue-Hole-Schnorcheltour allnachmittäglich in Ort abgekippt werden zum Einkaufen), dann kommt der Dahab-Urlauberpreis und für bekannte Gesichter zum Teil der resident-Preis. Das Hereingezerre in die Läden hält sich sehr in Grenzen verglichen mit Sharm oder Hurghada!

Einreise: Wer nicht zum Ras Muhammed oder nach Kairo will und nicht länger als 15 Tage bleibt, braucht nur das kostenlose Südsinai-Visum – einfach auf die Einreisekarte SINAI ONLY schreiben.

Korallen am Überhang, Tauchplatz
Korallen am Überhang von "The Bells"

Fazit

Dahab ist mehr als nur eine Tauchreise wert! Und: Eigeninitiative von der Flugbuchung über die Hotelauswahl bis zur Entscheidung, mit wem man taucht, zahlt sich durchaus aus.


© Text - 2005 - Joachim Warner
© Bilder - 2005 - Joachim Warner; Bilder "Torbogen", "Dahab 1995 u. 2005", "Dahab Promenade" von Uli Mösslang



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