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Onlinemagazin - 61. Ausgabe - Scapa Flow und seine Museen - Scapa Flow - Geschichte




 Geschrieben von Harry

Die Geschichte von Scapa Flow


Die riesige Bucht von Scapa Flow wurde schon von den Kelten als natürlicher Hafen und Siedlungsraum geschätzt. Ihnen folgten die Wikinger, Norweger, Schotten und Engländer.
Insgesamt finden sich ältesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung auf Orkney im 4. Jahrtausend v. Chr.

Ring of Brogar
Ring of Brogar

Der Bereich von Lyness auf der Insel Hoy sowie große Teile der Insel Flotta wurde vor etwa 100 Jahren mehr oder minder zwangsenteignet und militarisiert. Scapa Flow entwickelte sich damals zum Heimathafen der englischen Nordatlantikkriegsflotte. Eine enorme Logistik musste aufgebaut werden. Die Zentren eben dessen waren Lyness und Flotta. (Da sich Flotta ohnehin quasi in Staatsbesitz befand, konnten dort nach dem militärischen Niedergang der militärischen Ära von Scapa Flow, dort recht bequem und unbürokratisch die Ölterminals und Pipelines gebaut werden...)

Historische Luftaufnahmen von Lyness
Historische Luftaufnahme von Lyness

Riesige Lager und Ölvorräte wurden angelegt. Wohnsiedlungen, Infrastruktur errichtet. In Lyness befand sich damals ein Kino, in dem mehrere tausend Menschen Platz hatten. Ein vergleichbares auf Flotta.
Die heutigen Mole, wo die Tauchboote anlegen, stammt ebenfalls aus dieser Zeit.
Sonst kann man sich heute kaum mehr vorstellen, wie es bei dem wohl wuselige Treiben hier damals wohl ausgesehen haben könnte. (Licht ins Dunkel bringt das Scapa Flow Visitor Center -siehe in diesem Bericht ebendort!)
Aber auch Splittergräben, riesige Bunkeranlagen unter den Hügeln von Hoy, Beobachtungsstellungen, U-Boothorchposten, U-Bootnetze und Anti-U-Bootminen wurden installiert.

In voller Fahrt!
In voller Fahrt!

Im ersten Weltkrieg konnte so alle deutschen Angriffe erfolgreich abgewehrt werden. UB-116 und das U-29 von Weddingen wurden versenkt, bevor sie hier Unheil anrichten konnten.
Die verheerende Explosion der HMS Vanguard am 9. Juli 1917 wurde schlussendlich auf Korditzersetzung zurückgeführt- Feindeinwirkung ausgeschlossen.
Am 5. Juni 1916 sank die HMS Hampshire mit dem berühmten Feldherren Lord Kitchener nahe des Orkney Mainland vor Marwick Head. Das Schiff war wahrscheinlich auf eine frisch gelegte deutsche Mine aufgelaufen. Es gab kaum Überlebende im kalten und stürmischen Atlantik...

Lord Kitchener
Lord Kitchener

Bis zum 2. Weltkrieg wurde die Bedeutung von Scapa Flow noch ausgeweitet. Fühlte man sich hier trotz allem ziemlich sicher- blieb aber trotzdem sehr wachsam.
Die Sounds (Lücken zwischen den Inseln, durch die die Gezeiten donnern (!!!) wurden in der Zwischenzeit durch die Versenkung alter Schiffe gegen eindringende feindliche U-Boote gesichert. Dennoch gelang es in der Nacht von 13. auf 14. Oktober 1939 Kapitänleutnant Günther Prien mit seinem U-47 in einer unmöglich geglaubten Fahrt zwischen den versenkten Schiffen des so blockiert geglaubten Kirk Sound in den Scapa Flow zu gelangen.

Günther Prien (U-47)
Auf den beiden oberen Fotos: KaLeu Günther Prien (U-47)

Der Rest ist jedenfalls Geschichte:
In der Folge versenkte er das, in der Scapa Bay vor Anker liegende Schlachtschiff "HMS Royal Oak". Ein Erfolg für die einen, eine unfassbare Tragödie, die 833 Menschen das Leben kostete, für die anderen. Ferner beschädigte er ein weiteres großes Kriegsschiff, wahrscheinlich die HMS Iron Duke oder HMS Repulse, was weniger bekannt ist und auch in Kriegszeiten stets geleugnet wurde.
Der Schock saß jedenfalls sehr, sehr tief in den Knochen der englischen Militärs und Politiker, in Windeseile wurden weitere Schiffe in den Sounds versenkt (bzw. diese zugeschüttet- die so genannten "Churchill Barrieres") und die Sicherungsmaßnahmen noch weiter erhöht.
In der Folge sollte es keinem feindlichen U-Boot mehr gelingen, nach Scapa Flow einzudringen.

Churchill Barrier No.1
Churchill Barrier No.1

Tausende Menschen arbeiteten hier im hohen Norden im Dienst der Royal Navy und ihrer Subunternehmen. Nicht immer alle ganz freiwillig und/oder voller Begeisterung, wie dieses zeitgenössische Gedicht zeigt:

This bloody town´s a bloody cuss,
No bloody trains, no bloody bus,
And no one really cares for bloody us,
In bloody Orkney.

All bloody clouds and bloody rain,
No bloody kerbs, no bloody drains,
The Council´s got no bloody brains,
In bloody Orkney.

No bloody sport, no bloody games,
No bloody fun, no bloody dames,
Won´t give their bloody names,
In bloody Orkney.

(Die Winterdepression ist hier im fast sonnenlosen Orkney-Winter auch heute noch weit verbreitet...)

Where to go? (Hoy)
Where to go? What to do? (Hoy)

Nach dem zweiten Weltkrieg schwand das Interesse der Militärs zunehmend an Scapa Flow und nach Jahrzehnten hektischem Treibens kehrten wieder Ruhe und Beschaulichkeit in den Archipel ein.







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