| Nach der Indienststellung begann die Mannschaft ab dem 26. Oktober das
Boot auszurüsten und einzuräumen. Nachdem diese Arbeiten am 29.
Oktober beendet worden waren, ging es schon am 30. Oktober ankerauf nach
Kiel. Da auf der bevorstehenden Strecke für das Boot nicht unbeachtlicher
Eisgang herrschte, bekam das empfindliche Überwasserschiff am Bug
Gamaschen verpaßt - genauer gesagt wurde ein "Eisschuh" gefahren.
Eisschuh verursacht Schnauzbart bei Marschfahrt
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Das Boot marschierte über Wesermünde und Brunsbüttel
durch den Eis führenden Kaiser-Wilhelm-Kanal.
Bild: Album Fritz Müller bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Dank des Eisschuhs kam U 171 am 3. November ohne Schäden
in Kiel an. Schon am nächsten Tag begannen die UAK-Erprobungen des
Uboot-Abnahme-Kommandos. Um das Boot von anderen Schulbooten unterscheiden
zu können, trug es in dieser Zeit ein "Kreuz" als UAK-Zeichen am Turm.

Nach fast drei Wochen verlegte das Boot am 21. November nach Rönne, um dort dann vom 23. bis zum 25. November in der Horcherprobung abgehorcht
zu werden. Es musste sichergestellt werden, dass das Boot keine
verdächtigen Unterwassergeräusche machte. Diese würden dazu
führen, dass das Boot aufgespürt und vernichtet werden könnte.
Die Erprobungen verliefen jedoch zur Zufriedenheit, so dass U-Pfeffer
am 26. November nach Stettin verlegen konnte.
U 171 passiert Swinemünde gegenüber
der Liebesinsel
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Dort kam das Boot, es gehörte zu diesem Zeitpunkt als Schulboot
zu der dort beheimateten 4. U-Flottille, am nächsten Tag an und man
begann die Bootslast einzuräumen und auf der Werft noch Gerätschaften
zum Torpedotransport einzubauen. Am nächsten Tag wurden auch hier
schon wieder die Leinen losgemacht und es ging weiter nach Gotenhafen zu den TEK-Erprobungen. Diese Erprobungen des Torpedo-Erprobungs-Kommandos
währten vom 30. November bis zum 3. Dezember und wurden ohne Beanstandungen
beendet. Nächste Station war Danzig. Hier erfolgten vom 5. bis 7.
Dezember die UAG-Erprobungen. Auch hier konnte alles zur Zufriedenheit
der Prüfer erledigt werden. Als nächstes stand Hela auf dem Programm.
U 171 im Hafen von Hela im Jahre 1941
Bild: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Hier war die AGRU-Front beheimatet. Diese Technische Ausbildungsgruppe
für Frontunterseeboote drehte jedes neue Frontboot mit Angriffs- und
Notfallübungen durch die Mangel. Hier musste der Kommandant und
die Mannschaft zeigen, was man gelernt hatte. Schon kurz nach Beginn dieser
Erprobungen am 9. Dezember kam es am 10. Dezember zu einem Brand in der
Steuerbord-Hauptschalttafel. Diese Beschädigung unterbrach die Erprobungen
bei der AGRU-Front und U 171 musste bis zum 3. Januar 1942
nach Danzig in die Werft. Nach einer Erprobung der E-Maschinen am 4. Januar
verlegte U-Pfeffer wieder nach Hela, um am 6. Januar weiter von der
AGRU-Front bearbeitet zu werden. Aber das Boot hatte eine Pechsträhne.
Schon am 7. Januar kam es zu einer neuen Beschädigung. Das Periskop
war, als das Boot auf 40 m Tiefe fuhr, mit einem Fischernetz in Berührung
gekommen und hatte dabei gravierende Schäden erlitten. Also wieder
alles auf Null! Rückmarsch nach Danzig in die Werft... Dieses Malheur
wurde dort am 8. Januar ruckzuck beseitigt, so dass U 171
am nächsten Tag wieder zurück nach Hela gehen konnte. Vom 10.
bis zum 14. Januar wurden dort die restlichen Übungen der AGRU-Front
absolviert, so dass das Boot schon am letzten Übungstag zurück
nach Danzig lief, um dort dann ab dem 15. Januar am Torpedoschießen
bei der 25. U-Flottille teilzunehmen. Dies währte bis zum 24. Januar,
da danach die Gewässer um Danzig herum zu vereist waren, um weiter
U-Bootausbildung zu betreiben. Die folgenden Wochen verbrachte U-Pfeffer
an der Pier.
U 171 im Hafen von Danzig, im Hintergrund links
das
Wohnschiff MS Hansa rechts das Wohnschiff SS
Hamburg
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
In Ermangelung schiffbarer Gewässer erging man sich nun bis zum
12. Februar bei eingefrorenem Boot in Ausbildungsdienst.
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv
Unterseeboote
Am 13. Februar wurde U 171 zur Holmwerft verholt. Dort wurden
dann in der Zeit vom 14. Februar bis zum 22. März Restarbeiten erledigt,
was aber nur begrenzt möglich war, da die Holmwerft nicht für
Boote des Typs IX C eingerichtet war. Zu einer vollständigen Erledigung
der Restarbeiten hätte U-Pfeffer nach Stettin gehen müssen, was
aber wegen der Eislage nicht mehr möglich gewesen
war. Aber die Mannschaft war ob der über achtwöchigen Ruhepause
nicht böse. Sie konnte in dieser Zeit in Törns bis zu zweimal
auf Urlaub fahren.
In diese Zeit fällt auch die Abkommandierung
des bisherigen I. WO Oberleutnant Werner Sass. Er wird I. WO auf U 554,
dann auf U 525. Später übernimmt er dann U 676
als Kommandant. Statt seiner kommt nun Leutnant Albert Kneip an Bord und
wird der neue I. WO. Der bisherige II. WO, Oberfähnrich Curt Hartmann,
ist inzwischen zum Leutnant befördert worden.
Am 31. März war das Wetter wieder besser
geworden. So konnte nun das restliche Torpedoschießen bei der 25.
U-Flottille endlich erledigt werden. Ab dem 1. April ging es dann auch
damit los, so dass das Boot viel draußen war und bis zum 11.
April seine Torpedos schießen konnte. Hieran schloss sich dann
eine Verlegung nach Gotenhafen an. Dort sollte U 171 in der Zeit
vom 12. bis zum 20. April bei der 27. U-Flottille seine taktischen Übungen
fahren.
Fähnrich Kurt Lau auf der Brücke als WO-Schüler
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Hierzu gehörten auf simulierte Angriffe auf Konvois.
U 171 setzt sich von Konvoi ab um diesen dann
anzugreifen
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Die "Taktische" wurde erfolgreich beendet, so dass das Boot nach
Stettin verlegte und dort vom 23. April bis zum 9. Juni die Restarbeiten
am Boot erledigen ließ.
Das hieß... wenn der LI in der wärmenden Frühlingssonne
in der Mittagspause auf Deck filzte, konnten die Seelords auch Mulschen.
LI Olt.z.S. Otto Dingeldein bei der Augenwartung
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Ansonsten gab es genug Arbeit an Bord wie z. B. Reinschiffmachen und Arbeiten
am Dieselluk - wie im folgenden Bild gezeigt....
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
...oder auch ein Herumwerkeln an der Magnetkompassanlage durch den LI...

...und das Testen des Oberdeck-WCs.
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Bei der Erledigung der letzten Arbeiten wurde es nicht langweilig. An
einem schönen Sonntag, dem Tag der Wehrmacht, führte das Boot so z. B. auch noch Tauchübungen vor der Hakenterrasse vor. Besatzungsmitglieder
sammelten an Land mit der Blechbüchse für das Winterhilfswerk.
Bei dieser Gelegenheit warf man sich noch mal in Schale und machte am Liegeplatz
Gruppenfotos von der Besatzung.

Bild: Album Pfeffer bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Am 5. Juni legte dann noch das IX B-Boot U 123 von Kapitänleutnant
Reinhard Hardegen an der gleichen Pier an und man konnte sich etwas austauschen
mit dem Männern, auf deren Boot der bekannte U-Bootfilm "U-Boote westwärts"
gedreht worden war.
In Stettin war die Besatzung auf dem U-Wohnschiff SS Usambara
untergebracht.

Nach Abschluss der Arbeiten wurde es dann für die 1. Feindfahrt
ausgerüstet. Erst kamen Plünnen für einen Einsatz im hohen
Norden - dem Eismeer - an Bord. Den Seelords schwante schon, dass es ihnen demnächst mächtig kalt um die Nase wehen würde. Doch
dann kam Kommando zurück und die warmen Sachen wieder von Bord. Stattdessen
pfiffen die Spatzen einen Einsatz gegen die USA von den Dächern.

Grafiken: Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Genauer gesagt wurde bereits eine USA-Feindfahrt in Reimen beschrieben:
Es herrscht ein echter, fester Wille,
bei der 4. U-Flottille,
zu bringen uns gen Engelland.
Wir sind wohl schon dafür bekannt?
uns überall nur festzuhalten.
An dem schönen Trott dem alten ?
Wem haben wir etwas getan ?
In Danzig fing es dann schon an !
Mit Schreiben "F" und "SSO" ,
Es tat das Herze gleich uns weh ,
Wollt man uns jagen an den Feind.
So dachten wir, aha, es scheint ,
man will uns hier wohl auch nicht haben ?
Wir jedoch wollen schön uns laben,
in Ruhe, Sonne, Alkohol,
Uns dauernd fühlen lausig wohl !
Heissa, - uns flog die Mütze weg -
Es gab sogar feines Gebäck !!!
Konzerte, Feste, Damentee
Viel Weiblichkeit " en decolltee"
dabei wurd` man ganz sacht belehrt,
Es sei zum Schluß auch nicht verkehrt,
zu schmeißen los die vielen Leinen,
Und wenn auch alle Frauen weinen !
Drum sei`s ! Wir scheiden voll von Dannen,
Es ist uns auch jetzt nicht mehr bange,
Ran geht es an die U S A !
Ja, wenn det so is - denn man ja !
Nach der Ausrüstung fand noch eine Abschiedsfeier auf der SS
Usambara statt.
Fähnrich Nehrkorn mit den Maaten von U 171
vor der Abschiedsfeier
vor der SS Usambara
Bild: Album Fritz Müller bei Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Wohl anlässlich dieser Feier kam auch die Frau des Kommandanten
kurz an Bord von U 171 und betrat dabei das Oberdeck. Die Seemännische
Nr. 1 des Bootes, Bootsmannsmaat Lehmann, sagte dazu: "Wenn eine Frau
ein U-Boot betritt kommt es nicht wieder zurück."
BtsMt Lehmann
Bild: Album Lau bei Stiftung
Traditionsarchiv
Unterseeboote
Es lachten zwar viele darüber, aber Seeleute sind ein ziemlich
abergläubisches Völkchen - und sie haben nicht selten Recht damit.
Am 10. Juni war es dann soweit und U 171 lief nach Kiel aus.
Man schied nur ungern von den Annehmlichkeiten auf der SS Usambara.
Nach einigen Tauchübungen kam das Boot am 12. Juni in Kiel an und
erhielt dort bis zum 17. Juni die letzten Ausrüstungen in Form von
Munition, Torpedos, Brennstoff und Lebensmitteln. Mit einer Zeichnung, welche
den USA-Einsatz symbolisierte, trug ein zeichnerisch begabtes Besatzungsmitglied
das Boot in das Gästebuch der 5. U-Flottille ein.
Grafik: Archivmaterial der Stiftung
Traditionsarchiv
Unterseeboote
Um 07.00 Uhr früh ging es am 17. Juni Anker auf zur Verlegung in
den Fronthafen. U 171 war nun offiziell ein Frontboot und war der
10. U-Flottille in der französischen Hafenstadt Lorient unterstellt
worden. Zur Verabschiedung in Kiel erschien auch Kapitänleutnant Karl-Heinz
Möhle, der Stützpunktleiter der dortigen U-Basis und Chef der
dortigen 5. U-Flottille.
Im Geleit ging es durch das Kattegat und den Skagerrak zunächst
nach Kristiansand-Süd in Südnorwegen. Auf dem Weg dorthin
bekam die Brückenwache eine Menge Treibminen zu sehen, denen ausgewichen
werden musste. Fliegeralarme gab es auch, jedoch lief alles ohne Probleme
ab. In Kristiansand-Süd hielt man sich am 19. Juni nur für wenige
Stunden zur Brennstoffergänzung und zur Übernahme von Frischproviant
auf und versegelte im Geleit gleich weiter nach Skudesnes. Hier blieb das
Geleit zurück und U-Pfeffer gewann die offene See...
Laut seinen Anweisungen sollte Oberleutnant Pfeffer mit seinem Boot
über die Planquadrate AF 76 und AE 65 zum Einsatzgebiet im Planquadrat
DM 84 laufen. Dies bedeutete eine Umrundung Großbritanniens um seine
Nordspitze und ein Eindringen in den Nordatlantik durch die Passage zwischen
den Faröer-Inseln und Island um zum Einsatzgebiet südlich von
Kuba zu gelangen. So geschah es dann auch. U 171 schipperte in dieselelektrischem
Marsch mit einer Geschwindigkeit von 7,5 Knoten nur über Wasser mitten
durch die Passage und suchte Zeus` Reich nur zum Trimmtauchen auf. Nach
dreieinhalb Wochen Fahrt hatte man bereits einen Großteil des Weges
in das Einsatzgebiet bewältigen können. Zur Verlängerung
der Einsatzzeit in feindlichen Gewässern wurde U 171 am 5.
Juli im Planquadrat CC 30 aus U 460 mit Brennstoff und Proviant
versorgt. U 460 war ein sogenannter U-Tanker, ein U-Boot vom Typ
XIV unter dem Kommando von Kapitänleutnant der Reserve Friedrich Schäfer.
Nach der Versorgung fuhr U 171 weiter in Richtung seines ihm zugewiesenen
Einsatzgebietes. Dieses hatte sich mittlerweile durch Funkanweisung nach
Nordosten in die Planquadrate DA 80 und DA 90 verschoben. In diesem Gebiet - es handelte sich um die der Ölstadt Galveston vorgelagerten Gewässer - fuhren besonders viele Tanker, in Kriegszeiten ein begehrtes Wild! Doch
man musste erst mal hinkommen. Das war nicht so ungefährlich, wie sich die erste Feindfahrt des Bootes bisher angelassen hatte. Zwar
passierte U-Pfeffer die Turk-Inseln und die Tortugas noch bei friedensmäßiger
Beleuchtung derselben, aber als dann die Windward-Passage zwischen Kuba
und Haiti in 10 m Tiefe durchfahren wurde, bekam es von einem Flugboot drei
Fliegerbomben auf das Haupt gesetzt. Aber zum Glück passierte nichts,
außer daß das Boot ein bisschen durchgeschüttelt wurde.
Das Flugzeug war im Schatten der Berge angeflogen und deshalb auch nicht
von der Brückenwache bemerkt worden. Nach diesem Zwischenfall wurde
es wieder recht friedlich und das Boot traf späterhin weder in der
Karibik noch in der Yukatan-Straße auf feindliche Luft- und Seestreitkräfte.
Ab 23. Juli trat das Boot in sein Operationsgebiet im Golf von Mexiko ein.
Oberleutnant Pfeffer beschreibt die Situation dort wie folgt:
1) Verkehr: Tags mittlerer bis starker pulkartiger Verkehr
im Kleingeleit dicht unter Land auf 15 bis 20 m Wassertiefe. Dabei ständige
Luftsicherung. Wegen geringer Wassertiefen und keiner Möglichkeit
zum Vorsetzen tags keine Angriffsmöglichkeit. Ein versuchter Angriff
auf ca. 6 Dampfer schlug fehl wegen zu grosser Schußentfernung (6 - 7000 m). Geleit war durch korvettenähnliche Fahrzeuge gesichert.
Nachts sehr vereinzelter Verkehr, ebenfalls dicht unter Land, bis höchstens
25 m Wassertiefe. Nur Einzelverkehr.
2) Abwehr: Tags starke Luftaufklärung, keine See beobachtet.
Nachts nur zweimal Flugzeug und zweimal Bewacher.
3) Nachrichtenverbindung: Seit Passieren der Windward-Passage
kein Längstwellenempfang mehr. Im Op.-Gebiet sehr schlechte Empfangs- und Sendeverhältnisse. Meist nur von 6 Uhr bis 10 Uhr und da auch
noch zum Teil schlecht. Mit zunehmender Entfernung von der Küste Besserung
der Nachrichtenverbindung.
4) Verhalten des Bootes im Operationsgebiet: Tags wegen starker Luftüberwachung
auf Grund gelegen. Auf A-30 bis A-52. Nachts bis dicht unter die Küste bis 12 m Wassertiefe Verkehr gesucht und vereinzelt gefunden.
Seinen ersten Angriff fuhr das Boot am 26. Juli. Kurz nach 05.00 Uhr
in der Früh hatte ein Ausguck den Schatten eines Frachters wahrgenommen.
In Lage 180 wurden nun für vier Stunden die gegnerischen Schussunterlagen
ermittelt. Man schätzte das Zielschiff auf 4.500 BRT Größe,
den Kurs auf 239 Grad und die Gegnerfahrt auf neun Seemeilen. Schließlich
setzte sich das Boot vor und begann seinen Angriff. Der erste Doppelschuss aus Lage 90 bei einer Entfernung von 1.000 m ging fehl. Der nächste
Angriff wurde aus Lage 110 bei gleicher Entfernung gefahren. Diesmal hatte man aber einen Torpedo flacher eingestellt. Dieser traf um 09.45 Uhr auf
der Höhe des vorderen Mastes die Schiffswand. Der Frachter sackte
bei starker Rauch- und Dampfentwicklung vorne schnell weg bis das Vorschiff
sich bei 17 m Wassertiefe im Planquadrat DA 7625 auf Grund setzte. Auch
das Achterschiff sackte langsam tiefer. Ein sinken wurde nicht beobachtet,
da sich das Boot wegen der einbrechenden Dämmerung absetzte. Wie sich
später herausstellte, hatte man den mexikanischen 4351 BRT-Dampfer
SS
Oaxaca in der Lavaca Bay vor der texanischen Küste versenkt. Die
SS
Oaxaca war 1921 bei der Stettiner Maschinenbau AG, besser bekannt als
Vulkan-Werft, in Stettin gebaut und auf den Namen SS Roland getauft
worden. Ab 1936 unter dem Namen SS Hameln für den Norddeutschen
Lloyd in Bremen fahrend, wurde das Schiff am 1. April 1941 von Mexiko im
Hafen von Vera Cruz beschlagnahmt und vom neuen Eigentümer, der Mexican
Navigation Company, unter dem Namen SS Oaxaca eingesetzt. Auf seiner
letzten Fahrt sollte es von New Orleans nach Vera Cruz und Tampico laufen
um dort seine aus ungelöschtem Kalk, Telegrafenmasten, Zeitungen,
und andere Handelswaren bestehende Ladung zu löschen.
Nach der Versenkung dieses Schiffes suchte sich das Boot ein ruhiges
Eckchen an der Küste und legte sich dort dann, wie auch später
jeden Abend, auf Grund. Die Lebensbedingungen an Bord waren nämlich
nicht von Pappe. Da der Golfstrom selbst schon 30°C warm war, heizte
der Diesel das Boot dann noch auf 60°C auf. Zwischen den Abgaskrümmern
konnten so kurz nach dem Tauchen noch gut 70°C gemessen werden !
Zwei Tage später, am 28 Juli, lag U-Pfeffer gerade im Planquadrat
DA 95 auf Grund, als der Horchraum ein Schraubengeräusch meldete. Das
Boot löste sich vom Grund und ging auf Sehrohrtiefe. Pfeffer sah nun
einen mit hoher Geschwindigkeit und Kurs 60 Grad durch die Wellen pflügenden
Tanker. Er setzte sofort einen Angriff an und schoss aus Lage 100 und 2.500 m Entfernung einen Zweierfächer. Einer der beiden Torpedos
ging vorbei, der andere detonierte 400 m vor dem Ziel. Das merkte man natürlich
an Bord dieses Schiffes. Alarmiert fuhr der Tanker direkt auf die Küste
zu und setzte unentwegt Funknotrufe auf der 600m-Welle ab. Nach zehn Minuten
tauchte U 171 auf und stieß dem Tanker nach. Aufgefangenen
Funksprüchen entnahm der Funker von U-Pfeffer, dass es sich dabei
um die MS Esso Richmond handelte. Dieses
Schiff war erst am 30. Juni 1942 als Neubau in Chester im US-Bundesstaat
Pennsylvania in Dienst gestellt worden. Die Jungfernfahrt begann am 17.
Juli und führte nach Baytown in Texas. Dort kam sie am 25. Juli an
und nahm 150.879 Barrel Gasöl für Baton Rouge in Louisiana an
Bord. Nach Angaben des Kapitäns hatte dieser den Frühdetonierer
bemerkt und daraufhin mit seinem Tanker die Flucht ergriffen. Eine kluge
Entscheidung angesichts der geladenen Fracht. Die vom Kapitän veranlassten
Notrufe auf der 600m-Welle waren für U 171 nicht ungefährlich.
Sie machten die ganze Küste rebellisch und lockten feindliche See- und Luftstreitkräfte an. Aus diesem Grund ließ Oberleutnant
Pfeffer nun auch von dem Tanker ab und entfernte sich aus dem Angriffsgebiet.
Aber das war nicht früh genug. Eine halbe Stunde nach dem Auftauchen
kam aus der Richtung des Tankers ein Flugzeug angeflogen. U 171 verschwand zwar blitzschnell in einem Alarmtauchgang unter der Meeresoberfläche,
das Flugzeug warf dennoch eine Bombe. Durch sie wurde aber kein Schaden
angerichtet. Die nächsten Tage vergingen ohne besondere Vorkommnisse.
Erst am 31. Juli wurden wieder Masten am Horizont gesichtet. Diesmal war
es sogar ein ganzer Wald von Masten. Insgesamt elf Schiffe fahren im Verband
eines kleinen Küstengeleitzuges dicht unter der Küste dahin.
Oberleutnant Pfeffer lässt die Schiffe vorbei, lässt
einen Abfangkurs errechnen und dreht dann außerhalb des Sichtkreises
auf, um sich zum Angriff vorzusetzen. Aber noch bevor er seine Ausgangsposition
zum Angriff erreichen kann, kommt wieder eine "Biene" in Sicht. Alarmtauchen!!! In die Tauchstelle wirft das Flugzeug eine Wasserbombe. Diese detoniert
- kann aber ebenfalls keine Schäden bei U-Pfeffer anrichten. Getaucht
läuft das Boot von dem Ort der Entdeckung auf und versucht in der
Nacht so viel Distanz wie möglich zu diesem Ort gut zu machen.
Aber das Netz der Luftpatrouillen so dicht unter der US-Küste ist
schon recht dicht. Schon am nächsten Tag - es ist der 1. August - sichtet Chief Aviation Pilot Clark White zusammen mit seinem Funker Radioman First Class George Henderson Boggs Jr. das Boot. In einem steilen Abschwung setzt
White sein zweimotoriges Grumman-Flugboot vom Typ J4F-1 Widgeon zum Angriff
an. Boggs setzte währenddessen eine Sichtungsmeldung ab. Auf rund 75 m Höhe rief White "JETZT!" und Boggs betätigte den Abwurfhebel.
Aus dem Rumpf des US. Coastguard-Flugzeuges löste sich eine 150 kg schwere Wasserbombe und flog der See entgegen...
Auf U 171 hatte man nicht geschlafen und einen Alarmtauchgang
hingelegt. Als die Wasserbombe die See berührte, war das Boot schon
weg. Dennoch meinte Boggs noch den Schatten des U-Boots gesehen zu haben.
Seiner Auffassung nach erfolgte die Detonation der Wasserbombe keine sechs
Meter entfernt vom Schatten. White und Boggs beobachteten, wie sich ein
leichter Ölfilm auf dem Wasser zu bilden begann...
Nach dem Krieg durchforsteten die Amerikaner die deutschen Archive, um den Verbleib jedes einzelnen U-Bootes nachvollziehen zu können.
Man kam zum Ergebnis, dass die U.S. Coast Guard-Maschine mit der Kennung V212 tatsächlich ein U-Boot versenkt hatte. Nach Aktenlage kam dafür
nur U 166 in Frage, da alle anderen deutschen U-Boote im fraglichen
Operationsgebiet wieder nach Hause kamen.
U 166 als Schulboot noch in heimatlichen Gewässern
Bild: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
U 171 war mal wieder dem Tod von der Schippe gesprungen...
Der von White und Boggs beobachtete Ölfilm kann keine ernsthafte
Beschädigung des deutschen U-Bootes dargestellt haben, da Oberleutnant
Pfeffer diese sicher in seinem nachträglich für den BdU angefertigten
Kriegstagebuch erwähnt hätte. Über 50 Jahre später
entdeckte ein Tauchkameraroboter der Shell Company das Wrack von U 166
an einem ganz anderen Ort. Mit ihrem Angriff hatten White und Boggs also
eine "Fahrkarte" geschossen. Die nächsten anderthalb Wochen waren
dann wie verhext. Keinerlei Besonderheiten oder Feindkontakte. Erst am
13. August kam wieder ein Tanker in Sicht. Er fuhr mit 260 Grad fast genau
Westkurs und war mit zehn Seemeilen Fahrt auch recht schnell. Auf den auf ungefähr 11.000 BRT Größe geschätzten Tanker wurde aus Lage 110
und einer Entfernung von 1.500 m ein Zweierfächer gelöst. Die
Torpedobahnen waren wegen eines starken Meeresleuchtens gut zu sehen - auch an Bord des Tankschiffs. Doch die Warnung des Ausgucks kam zu spät, als dass auf der Brücke noch hätte reagiert werden können.
Der Torpedo detonierte um 7.50 Uhr früh an der Backbordseite mittschiffs.
In U 171 wurden aber zwei Detonationen gehört. Die Detonation
des Torpedos riss den Mast an Bord des Tankers um, verwarf die Decks, riss ein Loch in die Bordwand, das zur Flutung der nur mit Wasserballast
enthaltenden Tanks Nr. 5 sowie 6 führte und verursachte eine starke
Krängung des Tankers. Aber das Schiff sank nur langsam. Eingedenk
der Erfahrungen beim letzten Angriff wollte Oberleutnant Pfeffer sich nicht
schon wieder eine Biene heranfunken lassen. Das Schiff musste schnell
vollständig versenkt werden. Also ließ er an der Steuerbordseite
des Tankers auftauchen und das Decksgeschütz klarmachen. In der Zwischenzeit
hatte der Kapitän des Tankers die Maschine abstellen und einen Hilferuf
über Funk absetzen lassen. Wegen der starken Krängung musste
nicht nur die Besatzung, sondern auch die Geschützbedienung -
das Schiff war mit einem 12,7cm-Geschütz und einem .50er-Flak-MG ausgestattet
- in die Rettungsboote gehen. Nachdem sie alle in drei Rettungsbooten ihr
Schiff verlassen hatten, eröffnete die 10,5 von U 171 das Feuer.
Abgegeben wurden fünf Schüsse. Die erste Granate traf die Bereitschaftsmunition
am 12,7cm-Geschütz auf dem Heck des Tankers. Die anderen gingen in
die Decksaufbauten mittschiffs sowie die Brücke. Pfeffer lässt
das Feuer einstellen, da das Schiff so nicht unter Wasser zu bekommen ist.
Er taucht wieder und setzt nun zu Fangschüssen mit Torpedos an. Zwei
löste er mit einer Tiefeneinstellung von drei Metern und jeweils einen
mit einer Tiefeneinstellung von zwei und vier Metern. Einer der Torpedos
mit der Tiefeneinstellung von drei Metern unterschießt das Achterschiff
und geht damit vorbei. Die anderen treffen. Nach dem letzten Treffer kentert
der Tanker und sinkt mit dem Heck voran. Nur ein Stück vom Bug schaut
noch für acht Stunden aus dem Wasser, da das Schiff mit einer Schlagseite
von 80 Grad auf dem Grund aufliegt. Später erfuhr man, dass man
hier im Planquadrat DA 9192 den schon 1919 gebauten 6.779 BRT-Tanker SS
R. M. Parker Jr. der Reederei Hartol SS Co in New York versenkt hatte.
Das Schiff befand sich unter dem Kommando von Kapitän Walter Ord Peters
und sollte von Baltimore im US-Bundesstaat Maryland über die Hampton
Roads nach Port Arthur in Texas laufen. Nach der Versenkung der SS R.
M. Parker Jr. 5 Meilen südlich der Isles Dernieres vor der Küste
Louisianas dauerte es aber wiederum rund drei Wochen, bevor sich ein Gegnerkontakt
einstellte. Diese Zeit brachte wenig Abwechslung. Lediglich das Umladen
der Torpedos aus den Unterdeckstuben in das Boot machte einen Unterschied
in dem täglichen Einerlei. Erst am 4. September sichteten die Brückenausgucks
sehr früh am Tag wieder einen Dampferschatten. Das Ziel wurde als
11.000 BRT großer Tanker vom Typ "Cadillac" angesprochen. Nach Ermittlung
der gegnerischen Schussunterlagen - dies waren der Kurs von 190 Grad
und eine Geschwindigkeit von zehn Seemeilen - setzte sich das Boot vor und
lief zum Angriff an. Aber was war das? Der Torpedoschussempfänger
verblockte sich bei 273 Grad. Also musste das Boot nun mit dieser
Einstellung seinen geplanten Zweierfächer aus Lage 80 und einer Entfernung
von 800 m lösen. Ein Torpedo ging vorbei, der andere wurde zum Oberflächenkreisläufer
und schnitt den Kurs von U 171 ! Durch ein Ausweichmanöver
konnte das Boot seinem Torpedo entkommen. Zwischenzeitlich konnte auch
die Verblockung des Torpedoschußempfängers aufgehoben werden.
Also wurde gleich der nächste Angriff angesetzt und ein weiterer Zweierfächer
mit E-Torpedos aus den Heckrohren aus Lage 90 und einer Entfernung von
1.000 m gelöst: Vorbei! Nun mussten erst alle Torpedorohre nachgeladen
werden. In der Zeit, die das dauerte, wurden die gegnerischen Schussunterlagen
erneut ausgedampft. Es blieb bei Kurs 190 Grad und zehn Seemeilen Fahrt
des Tankers. Also hatte dieser noch nichts bemerkt. Wieder wurde
ein Zweierfächer gelöst. Die Torpedos liefen aus Lage 90 und
aus einer Entfernung von 800 m nach Beobachtungen des Brückenunteroffiziers
vorne vor dem Tanker vorbei. Im Abdrehen vom Angriff wurde nun aus Lage
95 und einer Entfernung von 1.100 m ein weiterer Torpedo aus einem der Heckrohre
abgefeuert. Dieser traf und riss ein Leck in die Bordwand des Maschinenraums.
Auf das Schiff wurden nun noch drei Fangschüsse mit einer Tiefeneinstellung
von drei, vier und sechs Metern gelöst. Um 04.30 Uhr morgens sank
nun der Tanker auf eine Wassertiefe von 35 m. Beim Ablaufen schaute der
Bug noch etwas aus dem Wasser. Das hier von U 171 im Planquadrat
DK 5165 versenkte Schiff war der 1923 von der Ansaldo San Giorgio-Werft
in Muggiano bei Spezia als SS Vigor für die italienische Reederei
La Columbia Soc. Mar. per Trans. di Petrolio e Derivati in Genua gebaute
Tanker 6511 BRT-Tanker SS Amatlan gewesen. Er war am 8. Dezember
1941 von Mexiko beschlagnahmt und dann unter dem Kommando von Kapitän
Gonzalo Montalvo in Fahrt gebracht worden, zuletzt auf der Strecke Havanna-Galveston-Tampico.
Für seine Versenkung südöstlich von La Pesca vor der mexikanischen
Küste hatte U-Pfeffer insgesamt zehn Torpedos benötigt! Oberleutnant
Pfeffer notierte dazu in seinem KTB:
Der Fächer aus den Heckrohren und der anschließende Doppelschuss sind meines Erachtens ungeklärt, da selbst bei einer angenommenen
Fahrtverschätzung von einer Seemeile und einer Zielschusslänge
von ca. 160 m auf eine Entfernung von 1.100 m der nächste Schuss vorn
hätte treffen müssen. Der Oberflächenkreisläufer ist
durch vorher schon festgestellte Undichtigkeit der Apparatekammer zurückzuführen.
Am Tag nach dem Angriff auf die SS Amatlan sendete das Boot dem
BdU, dem Befehlshaber der Unterseeboote, seine Erfolge per Funk und meldete
auch gleich die knappe Versorgungslage. Kurze Zeit später antwortete
der BdU mit dem Funkspruch "Pfeffer zäh gewesen" und befahl den Rückmarsch
sowie die Versorgung aus einem U-Tanker. Das Boot war nun schon fast drei
Monate auf See und hatte seine Vorräte erschöpft. In den Torpedorohren
befand sich auch nur noch ein unklarer Torpedo, so dass weitere Versenkungen
nur noch mit dem Deckgeschütz hätten durchgeführt werden
können. Der Kommandant beabsichtigte jetzt über die Planquadrate
DL 68, EB 29 und EC 39 in die Mona-Passage einzulaufen und so vom
Golf von Mexiko bzw. der Karibischen See über die Meerenge zwischen
Puerto Rico und der Dominikanischen Republik in den Atlantik zu gelangen
um dort im Planquadrat DE 35 Treibstoff und Proviant von einem Versorger
zu übernehmen. Das Boot hat Glück und gelangt tatsächlich
unbehelligt in den Atlantik. Geleitzügen, denen das Boot begegnet,
werden wegen dem unklaren Torpedo nicht angegriffen. Dort kann sich U
171 am 24. September zusammen mit U 164 wie geplant nordwestlich
der Azoren aus dem U-Tanker U 461 von Korvettenkapitän Wolf-Harro
Stiebler versorgen und schippert zum Planquadrat BE 96, um von da aus mit
Kurs 90 Grad in die Biskaya einzulaufen. Diese wird in nächtlicher
Tauchfahrt durchquert. Tagsüber wird nur zum Aufladen der Batterien
und zum Durchlüften des Bootes aufgetaucht.
|