| U 171 wurde erst am 1. Juli 1982 um 13.00 Uhr vom französischen
Minensucher Eridan durch eine Ortung wiederentdeckt. Eine visuelle
Inspektion mit einem ROV der Eridan erfolgte 1984. Damals war das
Vorschiff noch intakt und der defekte Torpedo befand sich friedlich an
Ort und Stelle. Die ersten Taucher am Wrack waren Max Vierge und Yves Kessler
von den in Lorient stationierten "Plongeurs Démineurs" der Französischen
Marine -dem Äquivalent der Minentaucher in der Deutschen Marine. Später
-1989- beschäftigte sich ein Taucher dieser Einheit im Detail mit
U
171. Das war Major Jean-Maurice Authié. Bei einem Tauchgang
im Inneren des Wracks fand er zwei kleine Schildchen, die die Identität
des Wracks verrieten.
Bilder: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Gleichzeitig versuchte die Französische Marine die Gefahr abzuschätzen,
die von dem Wrack ausging. Rund um das Wrack waren einige 10,5cm-Granaten
für das Decksgeschütz verstreut. Außerdem befand sich ja
noch der unklare Torpedo in einem der vorderen Torpedorohre. Da man diesen
als Gefahr für die Schifffahrt ansah, aber man nicht am Torpedo herumwerkeln
wollte, wurde zur Sicherheit der Marinetaucher die Sprengung des Vorderschiffs
mit den dortigen Torpedorohren beschlossen. Dies wurde dann auch so ausgeführt.
Möchte man heute am Wrack dieses Unterseebootes tauchen, so geschieht
dies in der Regel mit einem Tagesboot das in Lorient beheimatet ist. Hat
man sein Gerödel an Bord geschafft, schippert man nach dem Ablegen
zunächst zur Signalstation am Hafenausgang. Dieser setzt eine Flagge,
sobald man ausfahren darf. Hat man diese Engstelle an der Hafenausfahrt
hinter sich gebracht, kann die Skipper in der Regel aufdrehen um die Zeit
bis zum Wrack möglichst kurz zu halten. Aber auch etwas schnellere
Boote brauchen in der Regel um die 50 Minuten bis zum etwas über 20
Meilen draußen liegenden Tauchplatz. Weitere 10 Minuten werden für
das Auffinden mit Sonar sowie das Ausbringen eines Grundgewichts gebraucht.
Wenn das Boot dann zur Ruhe gekommen ist, wird das Briefing durchgeführt
-soweit dies nicht schon vorher geschehen ist. Dies sollte auf jeden Fall
gründlich durchgeführt werden. Das Wrack liegt nämlich in
einem Seegebiet, das für seine problematischen Sicht sowie gelegentlich
brutale Strömungen bekannt ist. Besser man bereitet sich hier auf
alle Eventualitäten vor ! Hat man sich schon fertig angezogen und
ist mit der Tauchausrüstung bepackt, kann es nun losgehen. Paarweise
taucht man ab und sinkt in die Tiefe. Wegen des hier oft gehäuft anzutreffenden
Planktons ist das Wasser hier bis in 20m Tiefe flaschengrün. In dieser
Tiefe ist die Temperatur von zivilen Oberflächenverhältnissen
auf unangenehme 10 Grad gesunken. Ein ausreichender Kälteschutz ist
deshalb dringend angeraten. Tiefere Temperaturen sind am Wrack natürlich
auch möglich. In 20m Tiefe ist das Grün des Wassers schon recht dunkel. Je tiefer man sinkt,
desto dunkler wird es auch. Schließlich findet man sich auf einem
Nachttauchgang wieder. Bei guter Sicht sieht man in 25m Tiefe die ersten
Umrisse des auf Sand- und Felsgrund liegenden U-Bootwracks. Wo man schließlich
auf dem Wrack landet, hängt meist davon ab, ob der Skipper das Grundgewicht
mit dem Führungsseil auf das im Sonar am besten sichtbare Wrackteil
-das ist der Turm- ausgebracht hat. Der Turm des U-Bootes erhebt sich vier
bis fünf Meter über dem Rumpf, der Rumpf befindet sich mit seiner
Oberkante ebenfalls vier bis fünf Meter über den Meeresboden
- letzterer liegt in 36,5m Tiefe. Durchschnittlich kommen Turm und Rumpf
bei einer Sicht von vier bis zehn Meter in Sicht. Bei einer ersten Inaugenscheinnahme
von Turm und Rumpf fällt einem auf, daß die Verkleidung des
Druckkörpers -das Überwasserschiff- inklusive des Wintergartens
vollständig verschwunden ist. Dies ist allerdings bei rund 90% der
U-Bootwracks der Fall. Taucht man am unteren Ende des Turms um diesen herum,
findet man vor ihm -in Richtung Bug- das umgefallene Decksgeschütz
auf dem Rumpf liegen.
Rohr des 10,5cm-Decksgeschützes
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Zwar ist das Geschütz bewachsen, aber man erkennt es noch als solches.
Bei der weiteren Erkundung des Turmbereichs auf Deckshöhe findet man
zwischen Geschütz und Turm noch ein etwa 70cm großes Luk im
Deck. Dies ist das Kombüsenluk und führt in die ehemalige Schiffsküche.
Auf See wurde es kaum geöffnet, außer bei der Abwehr von angreifenden
Flugzeugen. Dann wurde Munition aus dem Munitionsbunker unter der Kombüse für das dort hinter dem Turm aufgestellte Deckgeschütz hoch an Deck gemannt.
Das Luk zur Kombüse steht offen. Sieht man einmal davon ab, daß
man sich an einem Kriegsgrab befindet, in das
man nicht hereintauchen darf, ist es ohnehin nicht ratsam dort hineinzutauchen,
da man idR. nicht über die dazu notwendige Ausbildung,
Erfahrung und Ausrüstung verfügt! Taucht man nun einige
Meter höher um das Oberteil des Turms zu erkunden, muß man feststellen
daß auch hier nichts vom Überwasserschiff übriggeblieben
ist. Lediglich der Druckkörperteil des Turms steht noch mit dem Sehrohrbock
und den Antennen- sowie Periskopschächten.
Photo © 2002 Hervé
Severe
Hervé Severe
hat uns freundlicherweise einen kleinen Film im .avi-Format zur Verfügung
gestellt, mit dem Ihr Euch über die Turmsektion einen kleinen Überblick
verschaffen könnt, indem Ihr hier klickt.
Am interessantesten ist am Turm wahrscheinlich das Turmluk. Es steht
ebenfalls offen und erlaubt einen Blick in das Innere des Turms.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Dies besteht aus einem kleinen Raum der mit Meßinstrumenten der
verschiedensten Art wzB. Geschwindigkeitsmessern, Lageanzeigern, Kompassen
usw. vollgestopft ist. Ein Eindringen ist hier nicht möglich da idR.
die Tauchausrüstung im Weg ist und aufgewühlter Schlamm dort
die Sicht schnell auf Null reduziert. Deshalb gilt auch hier: Nicht hineintauchen
! Es ist ein Kriegsgrab! Außerdem: Denkt an Euren Status in Bezug
auf Ausbildung, Erfahrung und Ausrüstung ! Diese Erfahrung hatte auch
Major Jean-Maurice Authié machen müssen, als er das damals
noch nicht identifizierte Wrack das erste Mal betauchte um es zu identifizieren.
Er mußte seine Flasche oben außerhalb des Turmluks ablegen
und den Atemregler am langen Schlauch in den Turm hängen lassen. Nun
ließ er sich mit den Füßen voran in den Turm herunter,
wirbelte soviel Schlamm auf daß sich die Sicht auf 10cm verringerte
und nahm dort ein paar Atemzüge aus der Flasche. Dann verwandelte
es sich in einen Apnoeisten und drang weiter nach unten in die Zentrale
vor. Dort angekommen, fiel ihm das eingefahrene Periskop ins Auge.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Es nahm viel des verfügbaren Raums in Anspruch und versperrte so
fast den weiteren Weg. Rund herum führten viele Rohre zu allerlei
Ventilen.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Auch Kabel und damit verbundene elektrische Gerätschaften wzB.
Sicherungskästen usw. hingen hier herum.
Photo © 2002 Hervé
Severe
Die meisten Skalen dieser Geräte waren jedoch blind und unleserlich.
Für das Erste hatte Major Authié genug gesehen und tauchte
in den Turm zurück, um dort entspannt am Atemregler durchzuatmen und
zur Identifikation einen Siemens-Geschwindigkeitsmesser von seinen Kabeln
zu schneiden. Diesen reichte er seinem Tauchpartner zum Turmluk hinaus
und verließ dann das Boot auf dem gleichen Weg.
Die Identifizierung gelang Major Authié anhand des Geschwindigkeitsmessers
nicht, so daß er später nocheinmal zurückkehrte und über
Turm und Zentrale in das Achterschiff eindrang. Über ein rechteckiges
Luk gelangte er in den Maschinenraum zu den beiden Dieselmaschinen, den
E-Maschinenraum und den Überresten des Hecktorpedoraums. Auch hier
waren viele Ventile, Meßinstrumente, Skalen, Elektrokabel usw. zu
sehen. Leider sind heute viele der Ventile und Meßinstrumente den
gleichen Weg gegangen wie der Siemens-Geschwindigkeitsmesser mit Major
Authié. Nur,daß diese Entnahmen aus dem Wrack nicht mehr der
Identifikation dienen konnten. Wirft man heutzutage einen Blick in diese
Abteilungen, könnte man meinen, daß hier eine Horde Klempner
mit nekrophilen Defekten gewütet hätte.
Neben dem Turmluk bzw. dem Druckkörper des Turms kann der interessierte
Taucher in einem der Sehrohrschächte des Sehrohrbocks auch das gläserne
Auge des eingefahrenen vorderen Turm-Nachtluftziel-Sehrohrs NLSR C/8 (Bin)
betrachten.
Photo © 2002 Hervé
Severe
Damit man es besser erkennen kann, wird es gelegentlich etwas vom Bewuchs
befreit.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Im Glaskörper ist deutlich der schwenkbare Spiegel zu sehen,
der zur Beobachtung des Luftraums auch hochgeklappt werden konnte. Fährt
man mit der Betrachtung der weiteren Turmregion fort, findet man hinter
dem Turm ein weiteres Luk vor. Dabei handelt es sich um das Dieselluk.
Es ist geschlossen. Ähnlich wie das Kombüsenluk war es während
der Fahrt auf See in der Regel verschlossen. Nur zB. im Falle einer Benutzung
des hinter dem Turm hinter dem Dieselluk aufgestellten 3,7cm-Flakgeschützes
wäre es geöffnet worden, um Munition aus einem Munitionsbunker
unter den Flurplatten unter dem Luk die Eisenleiter hoch an Deck zum Geschütz
zu mannen. Dieses Flakgeschütz fehlt jedoch am Wrack. Lediglich die
Uboots-Lafette C/39 ist noch in Teilen mit Auflagefläche sowie
Decksverankerung erhalten geblieben-
Photo © 2002 Hervé
Severe
-ebenso wie der eine oder andere durch eine große Klappe verschlossene
Behälter mit Bereitschaftsmunition.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Eine Erkundung in Richtung Heck führt zum Hecktorpedoluk.
Photo © 2002 Jacques
LeLay
Offen und ohne Lukdeckel lädt es zu einem Blick ins Innere ein.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Auch hier gilt aber das schon weiter oben zur Kriegsgrabthematik gesagte!
Taucht man von hier aus weiter in Richtung Heck, gelangt man schon
nach ein paar Metern zu einem Bruch am Ende des Hecktorpedoraums. Genauer
gesagt fehlt am Heck die etwa acht Meter lange Sektion mit den beiden Hecktorpedorohren.
Sie liegt etwa zehn Meter vom Rumpf des deutschen Unterseebootes entfernt.
Die bei diesem Bruchstück des Rumpfs interessantesten Punkte dürften
die beiden Hecktorpedorohre und die Steuerbordschiffsschraube sein. Bezüglich
der Hecktorpedorohre muß man zwei Trümmergruppen unterscheiden.
Die eine umfaßt den Druckkörperteil des Rumpfs mit den beiden
Torpedorohröffnungen darin.
Photo © 2002 Jacques
LeLay
Die beiden hinteren Torpedorohre selbst sind von dem Druckkörperteil
abgerissen worden. Beide Torpedorohre liegen nebeneinander.
Photo © 2002 Jacques
LeLay
Wobei sich interessanterweise beim rechten Torpedorohr das seeseitige
Torpedoluk in aufgekurbeltem Zustand befindet. Gab es doch noch Überlebende
im Heckraum und haben diese so versucht, aus dem Boot auszusteigen ?
Das seeseitige Luk des linken Torpedorohrs befindet sich immer noch im
zugekurbeltem Zustand. Interessant ist hierbei das Detail des Kurbelgestänges
und das seeseitige Luk auf dem Torpedorohr selbst.
Photo © 2002 Jacques
LeLay
An der Schraube sind tiefe Riefen zu erkennen, außerdem sind Teile
der Schraubenblätter abgeschert.
Hinterer Druckkörperteil mit Torpedorohröffnungen
und Schiffsschraube
Photo © 2002 Hervé
Severe
Dies spricht dafür, daß sich die Propeller noch gedreht haben,
als U 171 unterging und mit dem Heck auf dem harten Meeresboden
aufschlug.
Mit der Erforschung des Hecks hat man aber noch nicht alles gesehen.
Also taucht man wieder in Richtung Turm, an diesem und dem Decksgeschütz
vorbei und gelangt so zum Vorderdeck. Oder vielmehr dem, was die Sprengung
des unklaren Torpedos durch die Marine Nationale noch vom Vordeck
übriggelassen hat... Denn kurz hinter Spant 47,5 mit dem Kugelschott
zwischen Zentrale und Offiziersraum scheint der Rumpf wie mit einem Messer abgetrennt. Gut anzuschauen an dieser Stelle: das oe. Kugelschott.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Ab diesem Schott erstreckt sich weiter in Richtung imaginärem Bug
ein weites Trümmerfeld.
Photo © 2002 Hervé
Severe
Hier findet man viele Rohre, Ventile und sonstige Armaturen zur Be-
und Entlüftung der Tauchzellen.
Photo © 2002 Hervé
Severe
Zwischen allerlei Trümmerstücken aus Metall und zerfetzten
Spanten finden sich dort auch immer noch lose herumliegende 10,5cm-Granaten
aus der Bereitschaftsmunition für das Decksgeschütz.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Im weiteren finden sich hier auch Druckbehälter aus der vorderen
Flaschengruppe zum Anblasen der Tauchbunker
Photo © 2002 Hervé
Severe
In selbständigen Trümmergruppen liegen hier auch jeweils zwei
der Bugtorpedorohre von U 171.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Bei beiden Trümmergruppen befindet sich das seeseitige Luk der
Torpedorohre im zugekurbeltem Zustand.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
Befand sich am Ende doch kein Torpedo mehr in den Bugtorpedorohren und
erfolgte die Sprengung des Kriegsgrabs ohne Sinn?
Noch weiter nach "vorn" getaucht kann man bald einen der beiden Anker
von U 171 betrachten - inklusive einem Rest der Ankerkette.
Photo © 2004 Jean-Louis
Maurette
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GPS - Position:
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47° 39' 542 N / 03° 34' 775 W (E50)
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Mein herzlicher Dank für das vielfältige Archiv- und Fotomaterial
zu diesem U-Bootsbericht geht an Horst Bredow und seine Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote! Diese Institution ist unvergleichlich
wichtig für jegliche Recherche zu deutschen, aber auch ausländischen
U-Booten! Ebenso möchte ich mich bei Frau Lau für die freundliche
Genehmigung bedanken, Photos und Texte Ihres Mannes verwenden zu dürfen
!
Apart of this I want to express my gratitude to Jean-Louis Maurette
de l'Expédition
Scyllias, Jacques LeLay of Haliotisexplo
and of course Hervé
Severe for their kind donation of their nice photos and for their friendly
help and cooperation during my research for this diving report!
Gefallenenliste U 171
Matrosenobergefreiter Borowitz, Herbert * 20.09.1919
Maschinengefreiter Borsch, Wilhelm * 04.07.1921
Maschinengefreiter Bräutigam, Viktor *
01.04.1922
Maschinengefreiter Dattenberg, Herbert * 04.04.1921
Bootsmannsmaat Dieter, Wilhelm * 15.05.1921
Obermaschinist Ebbinghaus, Heinz * 25.06.1917
Maschinenmaat Eisenschmid, Wilhelm * 16.03.1919
Maschinenmaat Grützmacher, Hans * 05.12.1919
Maschinengefreiter Klein, Erwin * 20.12.1922
Maschinenobergefreiter Klocke, Herbert * 21.07.1922
Matrose Kunze, Kurt * 05.03.1923
Maschinengefreiter Niggemann, Fritz * 28.11.1923
Funkmaat Nolte, Helmut * 29.09.1919
Maschinengefreiter Oelkers, Heinz * 19.11.1922
Maschinenmaat Schader, Hans * 11.09.1920
Maschinenmaat Schertel, Nikolaus * 03.04.1918
Maschinenmaat Sprick, Heinz * 26.10.1920
Matrosenobergefreiter Ströhlein, Erich
* 17.01.1923
Maschinengefreiter Thölke, Herbert * 15.05.1922
Matrosenobergefreiter Uschkoreit, Kurt * 04.12.1920
Maschinengefreiter Wagner, Bruno * 20.09.1921
Matrosengefreiter Wohlfarth, Gerhard * 20.03.1923
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