Griechenland - Quo Vadis?

 Geschrieben von Taucher.Net

Neues Tauchgesetz in Griechenland

Revolution oder Rohrkrepierer?

Sonderinterview aus aktuellem Anlass mit dem Griechenland-Tauchspezialisten Volker Grundmann

Griechisches Tauchgesetz
Blätter, die eine neue griechische Tauchwelt bedeuten:
Mit diesem Gesetzblatt wurde das seit 1978 geltende
Tauchverbot in Griechenland abgeschafft


Seit Anfang dieses Jahres gilt in Griechenland ein neues Tauchgesetz (Die Parlamentsveröffentlichung hier als pdf-file). Grund genug für Taucher.Net dieses Thema zu durchleuchten, glänzte doch Griechenland bisher mit einem grundsätzlichen Tauchverbot zum Schutz von Altertümern - Tauchen war nur an speziell freigegebenen Plätzen legal.
Im folgenden nun unser Interview mit dem Griechenlandspezialisten Volker Grundmann, der sich intensiv mit der neuen Regelung befasst hat:



Sinn und Zweck des Gesetzes
Was bedeutet das Gesetz allgemein für das Tauchen in Griechenland?
Was bringt das Gesetz für ausländische Basengründer?
Was bedeutet das Gesetz für Individualtaucher?
Was bedeutet das Gesetz für Basentaucher?
Welche grundlegenden Regeln müssen Individualtaucher jetzt in Griechenland beachten?
Welches werden die Wirkungen dieses Gesetzes sein?


Tauchen in Griechenland


Sinn und Zweck des Gesetzes

Volker, Griechenland glänzt seit kurzem mit einem absoluten Novum der europäischen Tauchszene. Es ist das erste Land Europas, dessen Parlament ein komplettes spezielles Gesetz zur rechtlichen Regelung des Sporttauchens verabschiedet hat. Werden die 15000 km Küstenlinie Griechenlands von nun an für Taucher weiter offen stehen oder noch mehr verschlossen sein?

Vorsichtig gesagt, es gibt Potenzial für Erwartungen, ich denke sogar, für große Erwartungen. Aber die sollte man vorerst nur verhalten hochfahren. Es empfiehlt sich für einen gewissen Zeitraum zunächst noch zurückhaltende Beobachtung der neuen Entwicklung.

Zurück zur Übersicht


Neues Tauchgesetz Griechenland Neues Tauchgesetz Griechenland
Die griechische Basenszene vor dem großen Aufschwung?

Was bedeutet das Gesetz allgemein für das Tauchen in Griechenland?

Du sprichst wie das Orakel von Delphi. Was heißt das denn nun im Klartext?

Also, zunächst einmal sollten wir der griechischen Tauchszene und nicht nur dieser, im bestimmten Maße wohl allen europäischen Tauchern, gratulieren. Denn tatsächlich wird mit diesem Gesetz die seit 1978 geltende Regelung, dass in ganz Griechenland das Tauchen erst mal grundsätzlich verboten und nur auf Basis von Ausnahmeregelungen durchführbar war, tatsächlich abgeschafft. Generell gesehen, also ein bedeutender Durchbruch, er wird uns diese 15000 Kilometer griechischer Küste in einer ganz anderen Dimension zugänglich machen. Es ist auch das erklärte Ziel dieses Gesetzes, Griechenland für Tauchtouristen attraktiver zu machen und somit das touristische Einkommen des Landes zu mehren.

Also, alles in allem ein edler Zweck, das Ganze also eine begrüßens- vielleicht gar als Modell nachahmenswerte Sache?


Die Aufhebung dieses generellen Tauchverbots war natürlich tatsächlich längst überfällig. Mit dem Nachahmen der Idee eines „Tauchgesetzes“ allerdings hätte ich mehr als Bauchschmerzen. Denn dieses Gesetz ist ein bürokratisches Monster in siebzehn Artikeln geworden. Ich würde sagen, eine hoffentlich vollständig abschreckende Warnung an alle, vor allem aber an jene Tauchmedien, die es immer mal wieder schick finden, mit verantwortungsloser Leichtfertigkeit eine Diskussion über die angebliche Notwendigkeit besonderer staatlicher Rechtsregelungen für das Sporttauchen zu provozieren. Sie reden damit am Ende das Interesse von gesetzgebungsbesessenen Bundestagsausschüssen buchstäblich herbei, uns mit einem ähnlichen Gesetzesexzess zu beglücken, wie er jetzt in Griechenland vorliegt. Rechtsregelungen, das griechische Beispiel beweist es wieder mal eindeutig, machen für die Betroffenen oft Dinge nicht nur besser, sondern manches eher schlimmer.

Tauchen in Griechenland

Weshalb eigentlich meinten die Griechen, diese Änderung so hochkarätig gestalten zu müssen?

Die Notwendigkeit schien sich hier aus dem unversöhnlichen Widerstreit zweier Lager zu ergeben, den Archäologen und ihren Anhängern, die in den Tauchern Plünderer von unterwasserarchäologischen Stätten und damit Entweiher des heiligen antiken Erbes sehen, auf der einen, und den Tauchinteressierten, die sich bisher in ihrer universellen, durch die bürgerlichen Freiheitsrechte bestätigten Bewegungsfreiheit in Gemeingutbereichen beeinträchtigt sahen, auf der anderen. An der Seite Letzterer natürlich die Interessenten an professionellen Basengründungen und Teile der Tourismusindustrie überhaupt. Das Gesetz zielt also darauf ab, für beide Seiten akzeptable Verhältnisse zu schaffen.

Zurück zur Übersicht

Was bringt das Gesetz für ausländische Basengründer?

Für wen sind diese siebzehn Artikel nun hauptsächlich von Bedeutung?

In erster Linie wohl für all jene, Griechen oder Ausländer, die in Griechenland Tauchbasen gründen wollen. Für diese regelt es die grundlegenden Berechtigungsvoraussetzungen. Allerdings wurde im selben Atemzug auch das normale Hobby-Basen- und Individualtauchen durchreglementiert.

Zante Diving
Künftig mehr ausländische Basenbetreiber in Griechenland ?
(im Bild Frank Pelizäus mit seiner Basis)


Also fragen wir zunächst anhand der Interessen potentieller Basengründer weiter. Griechenland hat in der Vergangenheit Basengründungen durch Ausländer stark behindert. Welche Veränderungen bringt das Gesetz nun für solche Interessenten?

Zunächst einmal ist die Botschaft des Gesetzes, dass die Gründung einer Tauchschule bzw. -basis in Griechenland weiterhin einer staatlichen Genehmigung bedarf. Dieses Tauchgesetz hebt aber nun in Zulassungsfragen zur Basengründung nicht mehr auf in Griechenland aufgestellte Bedingungen, sondern auf die EU-Richtlinie 14153-2 ab, die bekanntlich einen Mindestausbildungsstandard im Sporttauchen setzen soll. Sie wurde in Griechenland bereits als nationale Rechtsregelung übernommen. Internationale Tauchorganisationen oder solche aus anderen Ländern können jetzt in Griechenland die Konformität ihrer Ausbildungsrichtlinien mit dieser EU-Richtlinie nachweisen und darüber offizielle Anerkennung im Lande beantragen. Diese bringt mit sich, dass alle von ihnen brevetierten Ausbilder das Recht haben werden, in Griechenland Basen zu gründen.

Wenn man bedenkt, dass gerade Ausländer bisher die Hürden beim Basengründen in Griechenland kaum nehmen konnten, dann klingt das ja doch irgendwie fortschrittlich, oder?


Da würde ich erst mal den weiteren Verlauf abwarten wollen. Neben den Kosten für die Zertifikation - Organisationen wie die DIWA etwa rechnen mit mehr als 5000 Euro - nach der EU-Richtlinie müssen die interessierten Organisationen in Griechenland für die Registrierung nach diesem Gesetz noch mal 3000 Euro Registrierungsgebühren abdrücken und außerdem ein ständiges offizielles Vertretungsbüro in Griechenland unterhalten. Ich befürchte, kleinere Organisationen werden den Aufwand ablehnen und ihren Ausbildern nahe legen, doch lieber in einem anderen Land eine Basis zu gründen. Das Prozedere begünstigt also schon mal generell Ausbilder finanzstarker Organisationen.
Und zum anderen enthält Artikel 7 die Klausel, dass die Bedingungen, um Basengründer werden zu können, vom Ministerium noch präzisiert werden. Und ich befürchte, da kommt dann jene Vorbedingung wieder rein, die schon bisher ein Haupthindernis für Basengründer darstellte, dass nämlich die Kenntnis der griechischen Sprache vor einer speziellen Kommission nachgewiesen werden musste.

Tauchen in Griechenland

Lässt sich schon jemand als Nutznießer dieser Neuregelungen ausmachen?


Ein klarer Gewinner ohne Wenn und Aber dürfte feststehen: PADI. Die Ausbilderdiplome dieser Organisation waren bisher in Griechenland zugunsten der nationalen Tauchorganisation EOUDAATK diskriminiert, angeblich, weil die PADI-Ausbildung zu leicht und zu einfach wäre. Zugleich sahen sich aber sehr viele, wohl die meisten, Baseneigentümer unter dem Druck der touristischen Weltbedeutung von PADI schon bisher gezwungen, parallel zum griechischen Ausbilderstatus auch den von PADI zu erwerben und PADIs Brevets anzubieten. PADI verfügt also im Lande bereits über eine sofort arbeitsfähige und flächendeckende Struktur von Ausbildern und ist außerdem bereits nach EU-Richtlinie zertifiziert. Wenn die Organisation morgen die Registrierungsprozedur in Griechenland durchläuft, dann ist sie übermorgen auch Herrscher über alle Tauchbasen hier. Im Prinzip bedeutet dies für Griechenland einen Paradigmenwechsel, die bisher autokratisch-unangefochten herrschende EOUDAATK wird vermutlich zugunsten von PADI in die Bedeutungslosigkeit sinken. Das Tauchgesetz wird sich also, könnte man spotten, am Ende als eine Lex PADI erweisen. Dies wird PADI honorieren, indem die Organisation Griechenland jetzt unter jene privilegierten Länder einreiht, die die Organisation als „diving destinations“ bezeichnet, mit allen Werbevorteilen, die das bringt.

Zurück zur Übersicht

Was bedeutet das Gesetz für Individualtaucher?

Tauchen in Griechenland

Und was bringt das Gesetz nun für ausländische Taucher, fangen wir doch bitte gleich mit den Individualtauchern an?


Nun, generell wird man erwarten können, dass auch diese von den künftig ganz anderen regionalräumlichen Bewegungsmöglichkeiten beim Tauchen in Griechenland enorm profitieren. Allerdings bringt dieses Gesetz gerade für ausländische Individualtaucher wohl erst mal Verunsicherung, wenn nicht am Ende für einige sogar Diskriminierung. Denn zunächst muss man nach Artikel 11 dieses Gesetzes im Besitze eines gültigen Brevets sein, wenn man überhaupt individuell in Griechenland tauchen möchte. Welche Organisation ein gültiges Brevet herausgeben kann, wird nach Artikel 3 geregelt, und hier zitiere ich am besten mal wörtlich: “Eine Brevetierungsorganisation ist eine juristische Person...die in Übereinstimmung mit den nationalen Richtlinien für das Freizeittauchen und den Bestimmungen des vorliegenden Gesetzes folgende Aktivitäten ausübt...“

...das klingt aber verdächtig nach irgendwelchen komplizierten Nachweisen, die zu führen sind, bevor man individuell tauchen darf?

Maximal ausgelegt heißt das, dass auch die Genehmigung zum individuellen Tauchen daran geknüpft werden kann, dass die Herausgeberorganisation des Brevets des Interessenten das nationale Anerkennungsprozedere in Griechenland durchlaufen hat. Ich glaube aber, Brevetinhaber jener Organisationen, die bereits die europäische Zertifizierung durchlaufen haben, werden mit Erfolg argumentieren können, dass ihre Organisation damit der nationalen griechischen Richtlinie entspricht. Für sie empfiehlt es sich also, sich ein entsprechendes Papier über die erfolgte Zertifizierung, möglichst in Englisch, von ihrer Organisation ausstellen zu lassen und dies bei Bedarf zusammen mit dem Brevet vorzuzeigen. Dies würde zum Beispiel VDST- und Barakuda-Brevetierte betreffen, denn beide Organisationen sind bereits Brüssel-Zertifiziert, ebenso der in Österreich wohl recht stark vertretene SSI.

Und was ist mit dem TSVÖ und anderen, die noch nicht zertifiziert sind und eventuell auch nicht die Absicht haben, sich diesbezüglich den Eurobürokraten auszuliefern? Was ist mit jenen Tauchern, die ein Tauchbrevet bei einer Organisation gemacht haben, die schon lange nicht mehr existiert?

Tja, Brüssels bürokratische Exzesse entfalten eben irgendwann an überraschender Stelle doch unerwartet Zwangswirkungen. Falls der TSVÖ sich nicht entschließt, die Zertifizierungsprozedur nach 14153-2 zu durchlaufen, fallen seine Mitglieder in Griechenland als Individualtaucher genau so in eine Gesetzeslücke, wie die von dir erwähnten Inhaber von Altbrevets. Sie alle werden auf Kulanz der Hafenpolizei angewiesen sein. Das öffnet wieder Tür und Tor für jede Art von Despotenwillkür des örtlichen Hafenpolizeichefs und ist mit Sicherheit einer der großen Mängel dieses Gesetzes. Da das Problem aber letztlich auch eine ziemlich große Zahl griechischer Taucher betrifft, organisiert sich dagegen bereits der Protest und man fordert Nachbesserung. Die Betroffenen können also zumindest hoffen.

Zurück zur Übersicht

Tauchen in Griechenland

Was bedeutet das Gesetz für Basentaucher?

Basentaucher betrifft das Ganze nicht?

Nein, überhaupt nicht. Den Basen stellt das Gesetz ausdrücklich frei, praktisch jede Art von Brevet ihrer Kunden anzuerkennen. Aber der Tauchgang hat dann natürlich immer als begleiteter Tauchgang in Verantwortung eines Diveguides zu erfolgen. Im Klartext also, reine Basentaucher brauchen sich um nichts anderes zu kümmern, als dem Basenchef irgendein beliebiges Brevet vorweisen zu können, das neue Gesetz hat für sie insofern nur hinsichtlich einiger allgemeiner Verbotsbestimmungen Relevanz, aber die kriegt er vom Diveguide zu erfahren.

Zurück zur Übersicht

Welche grundlegenden Regeln müssen Individualtaucher jetzt in Griechenland beachten?

Muss ich denn, wenn das Tauchen jetzt generell erlaubt ist, als Individualtaucher überhaupt noch Kontakt mit der Hafenpolizei aufnehmen?

Mittelbar durch das Gesetz erzwungen, unbedingt. Denn eines der wesentlichen Zwecke des Gesetzes ist, wie ich anfangs ausführte, der Schutz von archäologischen Fundstätten und ökologisch sensitiven Plätzen unter Wasser. Dieser wird dadurch angestrebt, dass die zuständigen Ministerien in solchen Gebieten das Tauchen verbieten können. Das werden sehr viele Küstenbereiche sein, über das ganze Land verteilt, und vermutlich wird es kontinuierlich neue Sperrverfügungen geben. Über die genaue Lage solcher Sperrgebiete muss sich der Taucher unbedingt örtlich kundig machen, und diese Informationen in der notwendigen Aktualität und Autorisierung erhält er nur bei der örtlich zuständigen Hafenpolizei. Die Notwendigkeit, diese zu kontaktieren, dürfte also in Zukunft eher dringender stehen als bisher, wo die wenigen erlaubten Tauchgebiete fast unverrückbar fest standen.
Diese Behörde kann bei dieser Gelegenheit natürlich mehr oder weniger inquisitiv prüfen, ob der Delinquent nicht nur irgendein Brevet, sondern auch ein nach Meinung des Verantwortlichen gültiges bei hat.

Gibt es noch andere Probleme für Individualtaucher, die du aus dem Gesetzestext entnommen hast?


Das Gesetz enthält in seinem Artikel 11 noch eine Listung von teilweise auch jetzt schon geltenden, detaillierten Ver- und Geboten, die der Individualtaucher unbedingt kennen und beachten muss. Zwar sind es insgesamt nicht viele und die meisten davon sind ohnehin selbstverständlich bzw. leuchten ein, aber zumindest eines davon ist im europäischen Maßstab wieder unerhört: Griechenland ist nun auch das einzige Land, das Solotauchen mit Gesetzeskraft verbietet. Aus der einen schwerwiegenden Beschränkung der universellen Bewegungsfreiheit gerade heraus kommend, stolpert man postwendend also in die nächste Gängelung des Bürgers rein.

Also, Volker, da unser Magazin von vielen Individualtauchinteressenten gelesen wird, kannst du bitte zu deren umfassender Aufklärung doch mal kurz noch alle Ge- und Verbote auflisten, die für sie nach diesem Gesetz in Griechenland künftig gelten?

Generell verboten ist das Tauchen in erklärten Schutzgebieten und dort, wo die örtlichen Behörden aus Sicherheitsgründen mit besonderer Begründung Verbote verhängen. Es ist weiter verboten in Schifffahrtsrinnen und an Reeden, in militärischen Übungsgebieten, an infrastrukturellen Einrichtungen, also z.B. Fischerei-Installationen oder Unterwasserkabeln, in Bereichen unmittelbar um die Aktivitätsstützpunkte von motorisierten Sportangeboten, also Mietbooten, Jet Ski und dergleichen. Verboten ist nach wie vor das Nachttauchen, hier erscheint es aber nach dem Gesetzestext jetzt möglich, dass auch Individualtaucher Ausnahmegenehmigungen bei der örtlichen Hafenpolizei beantragen können. Verboten ist natürlich die Entnahme, die Ortsveränderung und das Fotografieren archäologischer und anderer, wie es das Gesetz ausdrückt, „wertvoller“ Gegenstände, deren Fundstellen sind sofort den Behörden mitzuteilen. Verboten auch weiterhin jegliche Harpunier-, Fang- und Sammelaktivität, egal wie und welche Tiere oder Pflanzen es betrifft, sowie das Mitführen entsprechender Geräte auf Tauchschiffen. Neuerdings darf man Tiere auch ausdrücklich nicht mehr belästigen, also dürfte es wohl strafbar sein, etwa mit Oktopussen herumzuspielen oder Seeigel zur Fischefütterung zu zerhacken. Man darf überhaupt nichts tun, was in die „ökologischen Wechselwirkungen“ eingreift. Dies dürfte so weitgreifend zu interpretieren sein, dass jetzt selbst die Entnahme leerer Muschel- oder Schneckengehäuse verboten ist, denn diese dienen bekanntlich Röhrenwürmern zum Fraß und Oktopussen zum Laichen.
Dazu also noch das bereits erwähnte Verbot des Solotauchens und das Gebot, den Tauchbereich durch Flagge am Boot oder Mitführen einer – unbedingt orangefarbenen - Boje mit Kennung wahlweise rot mit weißer Diagonale oder mit internationaler Flagge Alpha, also blau-weiß, zu markieren.

Zurück zur Übersicht

Tauchen in Griechenland

Welches werden die Wirkungen dieses Gesetzes sein?

Alles in allem, was du uns dargelegt hast, klingt in manchen Punkten doch ein wenig anstrengend, vielleicht sogar befremdlich, in unseren Ohren. Wird dieses Gesetz damit überhaupt, wie beabsichtigt, den Tauchtourismus nach Griechenland fördern?

Also, das alles ist zwar eine schreckliche Menge Bürokratie, aber eigentlich gibt es nur drei wirklich kritische Punkte. Zum ersten, dass Ausbilder, die in Griechenland arbeiten wollen, darauf angewiesen sind, dass ihre Organisation zuvor die Anerkennungsprozedur nach diesem Gesetz durchlaufen hat. Zum zweiten die Unsicherheit hinsichtlich der Gültigkeit bestimmter Brevets für Individualtaucher. Und, zum dritten, das Verbot des Solotauchens. Ansonsten bin ich sicher, dass die generelle Befreiung, die das Tauchen nun in Griechenland wieder erlangt hat, sich zweifellos langfristig positiv auf die Entwicklung des Tauchtourismus auswirkt. Es wird möglich sein, an viel, viel mehr Plätzen als bisher zu tauchen, die Basengründungen dürften dementsprechend in den nächsten Jahren sprunghaft zunehmen. Die Griechen denken jetzt auch über intensivere Marketingmaßnahmen für das Tauchen nach.

Welche zum Beispiel?

Die besondere Einrichtung von „Unterwasserparks“ ist im Gesetz selbst schon vorgesehen, wozu auch geführte Tauchgänge an archäologischen Plätzen gehören sollen, man fasst gezielte Wrackversenkungen und dergleichen ins Auge. Das alles wird, wenn es denn erst einmal funktioniert, in den kommenden Jahren sicher auch etlichen europäischen Basentauchern mehr Grund sein, Griechenland überhaupt mal als Reiseziel zu akzeptieren. Am Ende bringt das einiges mehr an Einnahmen für das Land, schafft sicher einige hundert neue Arbeitsplätze, und diese vielleicht nicht nur für griechische Tauchprofis.

Also, setzt ein Run der Basentaucher auf griechische Tauchdestinationen ein?

Dass sich die euphorische Erwartung der Gesetzesinitiatoren erfüllt, Basentaucher kämen nun bald in ganz anderen, wirtschaftlich relevanteren, Größenordnungen, glaube ich so kaum. Der europäische Durchschnitts-Basentaucher ist zu sehr vom Roten Meer oder den Malediven verwöhnt, als dass er sich wieder zur relativen Kargheit der Mittelmeerszenerie zurück bekehren könnte. Kaum einer von denen wird jemals wieder von einem Mittelmeer-Anrainerstaat als „Tauchparadies“ sprechen, wie man das von Griechenland in den fünfziger und sechziger Jahren tat. Viele Basentaucher werden es allerdings als tröstlich empfinden, zu wissen, dass bei weiterer Verschlechterung der weltpolitischen, der Terror- oder der Wirtschaftslage nun ein gewisses neues Reserveziel für den Urlaub zur Verfügung steht.

Und was rechnest du hinsichtlich des Interesses von Individualtauchern?


Was diese Gruppe betrifft, da sehe ich schon bald wachsendes Interessenpotential. Denn Individualtaucher beurteilen Tauchparadiese bekanntlich nach anderen Kriterien und finden solche noch am Mittelmeer. Räumlich allerdings sind unsere Möglichkeiten hier bisher doch recht eingeschränkt. In Süditalien haben wir Angst vor der Mafia, die französische und spanische Mittelmeerküste ist teuer und beengt, in Kroatien knöpft man uns unverschämte Gebühren ab. Also, da sehe ich schon kommen, dass sich unter den neuen Bedingungen Etliche bald nach Griechenland zurück oder neu bekehren.

Tauchen in Griechenland


Lass uns doch noch einmal auf die philosophisch-prinzipielle Frage zurückkommen. Ist dieses Gesetz nun wirklich notwendig? Wäre es nicht auch ohne gegangen?

Aber selbstverständlich wäre es ohne dieses Gesetz gegangen. Um das Grundproblem zu regeln, also den freien Zugang zum Gemeingut Nutzung der Meeresgewässer auch für Freizeittaucher, hätte man nur die Verbotsbestimmung von 1978 aufheben brauchen. Natürlich gibt es einige grundsätzliche Verhaltensfragen für Taucher und Tauchdienstleister, die rechtlich geregelt sein müssen. Aber weise Gesetzgebungsmaschinerien versuchen, so etwas durch so allgemeine Bestimmungen wie möglich abzufangen. Es gibt für den kommerziellen Bereich universell gültige Haftungs- bzw. Produkthaftungsgesetze, die gelten natürlich auch für das kommerzielle Produkt Tauchdienstleistung. Es gibt eine Gewerbeordnung, die zum Beispiel den Betrieb von Tavernen regelt. Da gehören auch die Bestimmungen für den Betrieb einer Tauchbasis rein. Es gibt Umweltschutzgesetze. Bei einem Land mit ausgedehnter Küste gehört dort rein, wie sich der Bürger umweltgerecht unter Wasser verhält. Es gibt in Griechenland ein spezielles Archäologiegesetz. In dessen Durchführungsbestimmungen hätte man regeln können, wie sich der tauchende Bürger gegenüber unterwasserarchäologischen Funden verhält. Und für den Rest hätten es weiterhin ein paar sparsame Verordnungen des zuständigen Ministeriums getan, das Parlament hätte man dazu nicht bemühen müssen. Gesetze für spezielle Aktivitäten sollten auf solche beschränkt bleiben, die im Interesse des Schutzes der Allgemeinheit notwendig sind. Mit einem Auto zum Beispiel kann ich bei unsachgemäßer Handhabung viele Menschen auf einmal töten. Deshalb brauchen wir Verkehrsgesetze, die das Führen von Autos im Interesse aller regeln. Taucher unter Wasser aber, die gefährden höchstens sich selbst. Und das zu tun, ist Teil unseres uneingeschränkten Verfügungsanspruches über unseren Körper, da darf uns nach meinem Verständnis gar kein Gesetz reinreden.

Aber kommen wir zum Ausgangsthema zurück. Welchen Rat also kannst du Individualtauchern für die Planung eines Urlaubs in Griechenland geben?

Von den 15000 km Küstenlinie Griechenlands waren uns durch das bisherige Ausnahmeregelungssystem ungefähr 350 km zugänglich, und teilweise nicht mal die besten Stücke. Selbst wenn man einrechnet, dass von dem Übrigen nicht wenige Kilometer durch die Archäologen auch in Zukunft unter Verschluss gehalten werden, kann man sich ungefähr vorstellen, welch enormes Tauchpotential von mehreren tausend Kilometern taucherisch zum Teil regelrecht jungfräulicher Küste jetzt der Individualtaucher harrt. Ich denke, das wird für die an solchen Herausforderungen Interessierten und zu Mühen Bereiten in den nächsten Jahren noch mal ein richtiges europäisches Entdeckungsabenteuer am wärmsten und klarsten Meer Europas. Neue imposante Grotten und Höhlen, einsame, von Tauchern unberührte Riffe, etliche neuzeitliche Wracks, werden auf der Tagesordnung stehen. Das sollte nicht nur etlichen Individualtauchern, wahrscheinlich sogar ganzen Klubs, in den kommenden Jahren wert sein, über Expeditionen nach Griechenland nachzudenken.

Also, allen Trödel ins Auto und los, das Tauch-Abenteuer Griechenland suchen?

Nichts überstürzen, die Dinge langfristig sehen, wir haben es mit mediterranen Mentalitäten zu tun. Ich würde abraten, sich im Jahr 2006 schon auf ein ausgeprägtes Individualtauchabenteuer in unbekanntem Gebiet vorzubereiten. Ein so gewaltiges und umständliches Gesetz wie dieses Tauchgesetz braucht Zeit, und wie wir gesehen haben, noch einige Verfahrensklärungen für die Praxis, bevor seine Handhabung richtig rund läuft und letzte Unsicherheiten ausgeräumt sind. Auch ich werde im nächsten Jahr zunächst schwerpunktmäßig Gebiete aufsuchen, in denen man auch bisher schon tauchen durfte, von dort aber zu gezielten Einzelvorstößen aufbrechen, um die Realitäten dieses neuen Gesetzes zu testen. Und so vorzugehen, empfehle ich jedem. Nach dieser Saison kann man die Erfahrungen austauschen und man wird weiter sehen.

Volker, das scheint uns eine gute Abschlussempfehlung für dieses Interview zu sein. Wir danken dir, sicher auch im Namen aller Interessierten, für diesen ersten Überblick.

Zurück zur Übersicht

Tauchen in Griechenland


Anhang:

Über unseren Interviewpartner:
Volker Grundmann gilt, und das Interview dürfte dies erneut klar belegen, als der derzeit beste Kenner der griechischen Tauchverhältnisse. Die bisherige Tauchsituation dort charakterisierte er für uns als fortlaufende Serie in den Magazinen 37, 41, 53 und 61.
Darüber hinaus ist er Verfasser der drei derzeitigen Standardwerke des Griechenland-Tauchens:
- "Tauchführer Griechenland - Westküste, Ionische Inseln Peloponnes" (BLV Verlag, München, 1998, ISBN 3-405-15413-8, vergriffen)
- "Tauchführer Griechenland - Gesamt" (Fortschreibungswerk auf CD-ROM im Eigenverlag, war bisher über seine Website www.Griechenlandtauchen.de zu bestellen, wird aber derzeit den neuen Verhältnissen angepasst).
- "Tauchabenteuer Griechenland", Selbstverlag, 2003, ISBN 3-00-011555-2, 325 Seiten, davon zweimal sechs Seiten Unterwasseraufnahmen, fest gebunden, Einband zellofaniert, ebenfalls vertrieben über die Website bzw. volkergrundmann@gmx.de.


© 2005 - Volker Grundmann und Taucher.Net
© 2005 - Bilder von Volker Grundmann






Infos

Tauchshops gibt es viele, aber wie finde ich den richtigen? Unsere Tauchshop-Datenbank hilft. Hier findest Du eine große Auswahl an Shops im Inland sowie im Ausland. Natürlich kannst Du Deinen Lieblingsshop auch beschreiben!


19.06.2013 20:45 Taucher Online : 188
Heute 18621, ges. 70499321 Besucher
Login:  Autologin: 
Passwort:  
Gast : Registrieren - zur Login-Seite


Deine Bookmarks:
Taucher-News - Kalender - Sichtweiten - Postkarten

Aus unserer Foto-Datenbank:
Und noch über 20.000 weitere Fotos...



Tauchen bei Holger und Mediha
Abseits vom Massentourismus
in familiärer Atmosphäre

www.diving-adrasan.com

e-mail: info@diving-adrasan.com



Forum Tauchgebiete

Auszug aus diesem Forum:


Ägypten - Etwas kleines, familiäres mit super tauchen gesucht...
vom 17.06.2013 : Hallo liebe Tauchers Ich würde gerne im November eine Woche Ägypten machen. Ich war bis jetzt immer in Südostasien tauchen. ... [mehr]

Suche Urlaubsziel in Ägypten
vom 17.06.2013 : Hallo, Wir planen recht kurzfristig unseren Sommerurlaub ab Ende Juli. Wir suchen ein schönes Hotel (4 oder 5 Sterne) mit einer ... [mehr]

Hennesee Brücke
vom 17.06.2013 : Hallo allerseits, sehe ich das richtig, dass diese Brücke in der Henne am Einstieg ist? Wenn nicht, wo ist sie? Habe erfolglos ... [mehr]

Akt. Veranstalterberichte:

SAM Reisen
(13.06.2013) Wir waren dieses Jahr zum ersten mal mit SAM-Reisen vom 30.05.13 -06.06.2013 unterwegs. Alles klappte nahtlos -leider mussten wir bei der Ankunft unseren Transfair suchen, aber wir wurden fündig. (mehr)

SAM Reisen
(12.06.2013) Ich war Juni 13 auf 6-tägiger Tauchsafari mit der M/Y Amelia auf den Brothers und Daedalus. Die Organisation war sehr gut. Erfreulich war auch, dass mir schon bei der Anmeldung versichert wurde, dass (mehr)

Bluewater Safaris
(08.06.2013) Spontan buchte ich nach einiger Recherche bei Blue Water Safaris mich auf ein Safariboot. Wollte ja die Independence ausprobieren, Judith hatte aber gerade noch für eine 2 Wochen Südtour ein tolles (mehr)

Wir sind Mitglied der
Listinus Toplisten

Taucher.Net News:


Frohe Weihnachten!
(24.12.2012) Wir wünschen euch allen ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest und natürlich einen guten Rutsch in ein fantastisches und vor allem gesundes Jahr 2013! Wir bedanken uns ganz herzlich bei (mehr)

DiveInside Neu ist online!
(10.12.2012) DiveInside Reloaded! Here we go! Das neue DiveInside ist online und steht allen Taucher.Net-Usern ab sofort mit tollen Reisereportagen, Technik- Medizin- und Biothemen wie gewohnt kostenfrei (mehr)

Berichtsintegration in Google
(04.07.2012) Ab sofort wird die Suche nach Erfahrungsberichten in unserer Datenbank noch einfacher: Google zeigt ab sofort für die Einträge in unserer Datenbank die Anzahl der Berichte und die durchschnittliche (mehr)

Unsere Linkdatenbank:

Drei zufällige Tauchlinks:

Sharkey Scuba, Phuket
Phuket scuba diving information: Thailand liveaboards, Phuket day trips, PADI and technical dive courses, private boat charters, diver equipment and Phuket dive sites.

Diveshop
With Dreamland Diver you can visit the most attractive diving and snorkeling spots all around Koh Phangan, Koh Tao & Thai gulf.

Sjöharen Sea Hare Seehase
Der Seehase ist Schwedens grösstes Bilderarchiv mit Unterwasserfotografien




MountainBIKE RoadBIKE UrbanBIKING outdoor klettern CAVALLO AnglerNetz taucher.net planetSNOW