Was das Tauchen betrifft, haben wir sehr unterschiedliche und fast nur positive
Erfahrungen gemacht. Die Destinationen, die wir aufsuchten, haben sich in Bezug auf Sichtweiten und Unterwasserwelt stark voneinander unterschieden.
Bei den knapp 70 Tauchgängen, die wir an sieben verschiedenen Orten machen
konnten, haben wir immer neue Meeresbewohner entdeckt bzw. gezeigt bekommen.
Vor allem die Vielzahl an Makromotiven für die Fotografie war
überraschend. Kaum ein Tauchgang, an dem wir nicht mindestens eine neue
Schneckenart oder ein noch nie gesehenes Krebschen zu Gesicht bekommen haben.
Die Artenvielfalt liegt weit über der, die man von den Malediven oder
dem Roten Meer kennt.
Und es wird zwar oft das Gegenteil behauptet, aber auch Großfisch
sieht man auf den Philippinen! Die Wassertemperatur lag durchwegs zwischen
23 und 26 Grad, die Sichtweiten waren je nach Ort variabel, wobei 15-20 Meter
schon gute Sichtweiten waren - mehr war dann eher die Ausnahme, weniger oft
der Fall. Strömung hatten wir bei unseren Tauchgängen nur selten.
Die meisten Plätze werden per Boot angefahren, nur selten geht man
direkt von Land ins Wasser. Als Tauchboote dienen üblicherweise die
für die Philippinen typischen Bancas, das sind Holzboote mit breiten
Auslegern, die je nach Größe zehn bis zwanzig Tauchern Platz bieten
und sehr stabil im Wasser liegen. In seltenen Fällen sind wir auch mit
einem gewöhnlichen kleinen Motorboot ausgefahren. Das Meer war bei unseren
Ausfahrten meist sehr ruhig und die Fahrten recht gemütlich. Nur zwei
Mal hatten wir etwas bewegteren Seegang. Zu den Ausfahrten ist positiv zu
vermerken, dass sich die Basen, mit denen wir getaucht sind, nie vor längeren
Anfahrten „gedrückt“ haben und auf Wunsch durchaus Ziele angefahren sind,
die eine oder eineinhalb Stunden Fahrt entfernt waren.
Nur ein einziges Mal konnte eine Basis einen entfernteren Platz, den wir
betauchen wollten, aus Mangel an anderen Interessenten nicht mit uns anfahren.
Wir konnten besagte Stelle dann aber dennoch betauchen, da die Nachbarbasis
den Platz angefahren ist. Zumeist war es aber so, dass sich die Basen
bei der Wahl der angefahrenen Tauchplätze nach unseren Wünschen
gerichtet haben, wenn ihnen dies nur irgendwie möglich war.
So unterschiedlich wie die Unterwasserwelt selbst waren auch die Usancen
der verschiedenen Tauchbasen: von größtmöglicher Freiheit
(Tiefenlimits eher nicht so wichtig, Dekotauchgänge geduldet, Tauchen
ohne Guide möglich) bis hin zu exklusiv geführten Tauchgängen
haben wir eine große Bandbreite an Variationen erlebt. Obwohl uns beim
Kaltwassertauchen in Österreich oder auf den istrischen Wracks unsere
taucherische Autonomie und Eigenverantwortung sehr wichtig sind, haben wir
auf den Philippinen die geführten Tauchgänge bevorzugt: wir waren
oft nur zu zweit mit dem Guide und haben unzählige Meeresbewohner gezeigt
bekommen, die wir allein nie entdeckt hätten. Dabei waren uns die einheimischen
Guides bei weitem lieber als die europäischen: die Filipinos sind oft
an dem Ort aufgewachsen, wo sie mit uns tauchten oder kannten die Tauchplätze
zumindest seit mehreren Jahren und damit de facto auch jeden Fisch beim Vornamen.
Und sie haben sich als „Guides“ im eigentlichen Sinne verstanden, nicht
als „Aufpasser“, die schon profilaktisch mit drakonischen Maßnahmen
bei Regelüberschreitungen drohen: wir haben den Guides meist vorher
geschildert, wie wir gern tauchen (langsam!) und was wir gern sehen wollen
- oft konnten wir uns noch nicht bekannte Tierarten regelrecht „bestellen“.
Zeitliche Beschränkungen gab es bei den Tauchgängen praktisch nie
- es sei denn, dem Guide ist vor uns die Luft ausgegangen.
Besonders „abenteuerliche“ Tauchgänge haben wir aus Selbstschutz eher
vermieden - schließlich war die nächste Dekokammer meist sehr,
sehr weit weg und wäre nur per Flugzeug erreichbar gewesen.
Übrigens sind uns am Ende der Reise die Ideen für weitere Tauchdestinationen
auf den Philippinen noch lange nicht ausgegangen: wir hätten völlig
problemlos noch weitere 5-6 Wochen anschließen können und die Entscheidung,
welche Orte wir nicht anfahren werden, ist uns am Ende nicht leicht gefallen.
Gute Tauchguides zu Tauchplätzen und Tauchgebieten auf den Philippinen
sind „diving southeast asia“ (Periplus Action Guides, David Espinosa) und
„Dive Guide - The Philippines“ von Jack Jackson.
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