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 Geschrieben von Harry & Oli

Der Hallstättersee

von Harald Mathä und Oliver Mühlenbein

In den 80er Jahren war der Hallstätter See das wohl bekannteste Tauchrevier Österreichs. Ein sehr umtriebiger Gerhard Zauner lockte Taucher aus Nah und Fern nach Hallstatt, um hier die Unterwasserwelt kennen zu lernen, zu erkunden und legte damit in gewisser Weise einen Grundstein für den Tauchtourismus im Salzkammergut, wie wir ihn heute kennen. Er zog dabei weltweite Aufmerksamkeit auf sich und die Tauchprominenz gab sich bei ihm die Klinke in die Hand.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Barsche im Flachwasser

Da jede Medaille aber auch eine Kehrseite hat und sich leider nicht alle Taucher vorbildlich gegenüber Flora und Fauna (oder so...) verhielten, folgten immer mehr Tauchverbote am See. Ob es nun wirklich Neid der Nachbarn war, oder auch andere Gründe hatte, ist heute nicht mehr wichtig. Jedenfalls folgte ein ziemlich restriktives Tauchverbot, das nur wenige Tauchplätze am See ausließ. Dies blieb so, bis die ARGE Tauchen und der TSVÖ den See von den Bundesforsten (ÖBf) wieder weitgehend freiverhandeln konnte.

Dennoch bleibt der See immer noch ein Geheimtipp für Taucher, die sich abseits von Taucherhorden mit dieser - nicht immer ganz einfachen - Prinzessin näher beschäftigen wollen.

Länge: 8 km
Max. Breite: 2 km
Max. Tiefe: 125 m
Seehöhe: 508 m

Für diesen Eintrag gibt es einen Pinpoint bei Google Earth. Einfach links aufs Logo klicken. Google Earth noch nicht installiert? Hier klicken!

Tauchunfall!?

Notruf Rettungsleitzentrale: 144
Euro Notruf (von jedem Handy): 112 oder SOS Funktion
Nicht Auflegen bevor die Leitstelle das Gespräch beendet hat!


Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Still ruht der See…

Tauchen im Hallstätter See

Das Tauchen im fjordartigen Hallstättersee kann recht anspruchsvoll sein. Anfänger sollten sich eher auf die geringeren Tiefen beschränken, die aber auch sehr interessant zu betauchen sind. Grund dafür ist, dass ein Tauchgang tiefer als etwa 20 Meter im Hallstättersee rasch zu einem Nachttauchgang ins tiefe Schwarz wird. Zusammen mit der Kälte schlägt sich dies beim Ungeübten bzw. Ungewöhnten rasch auf die Psyche...

Die Sichtweiten schwanken im Jahresverlauf recht stark und sind schwer vorhersehbar. Nach starken Regenfällen wird durch die Koppentraun, den Gosaubach und andere Zubringer aus den entwässerten Gebieten und Bergen viel an Trübstoffen in den See eingebracht.
Generell würde ich die Sichtweiten als mittel bis mäßig bezeichnen. Unterhalb von 10-20 Meter wird die Sicht dann normalerweise deutlich besser. Das Licht ist in diesem Bereich aber weg -> Nachttauchgang!
Generell kann man im Winterhalbjahr, sowie nach längeren Trockenzeiten mit der besten Sicht rechnen.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Baum mit bizarrem Algenbewuchs

An einigen Stellen im See befindet sich Abraum vom Straßenbau; auch macht so mancher Platz den Anschein, als wurde er zeitweise gern als Abfalldeponie genutzt. Glücklicherweise gab es auch ein Umdenken, so dass sich nur vereinzelt allerhand Müll und historisch-kurioses befindet, was dann gelegentlich auch mal als Attraktion des Tauchganges herhalten kann.

Appell im Sinne der Vernunft:

Wie in fast jedem Alpensee in Österreich findet sich auch im Hallstättersee immer wieder Munition etc. aus dem zweiten Weltkrieg.
Munition nicht berühren oder gar mit nach oben nehmen! Man ist vor Überraschungen von diesem seit 60 Jahren im Wasser vor sich dahingammelnden Zeug nicht gefeit. Zudem ist es streng verboten! (Eigentümer bzw. "Erbe" wider Willen ist der österreichische Staat) und Strafen von über 2000,- Euro drohen! Munitions- und Waffenfunde sind grundsätzlich der Polizei zu melden!
Nächste Polizeidienststelle, Telefon: +43 (0)6134/8233

Fische:

Häufig anzutreffen sind Koppen und Aalrutten sowie Flussbarsche und Elritzen. Der fast immer sichere Standort kapitaler Hechte ist den Autoren und den örtlichen Tauchbasen bekannt. An manchen Stellen halten sich endemische Igelfische auf.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Endemischer Igelfisch in der Gosaubachmündung

Tauchplätze

Die jeweils gültigen Tauchplätze bzw. Tauchverbotszonen erfährt man auf der Seite der ARGE-Tauchen Österreich
DIVE Card bzw. TSVÖ Mitgliedschaft sind Voraussetzung zum Tauchen im Hallstättersee!

Nach den letzten Verhandlungen mit den österreichischen Bundesforsten sind folgende Bereiche zum Tauchen freigegeben:

Ganzjährig:

Steeg bis Gosaumühle
Hundsort
Hallstatt Seebad bis Landbettler
und an Ostufer von Steeg bis zur Schiffsanlegestelle

Zeitlich eingeschränkt: (1.10. bis 30.04. Tauchverbot)
Gosaubach bis Hallstatt
Landbettler bis Koppentrauneinmündung
und am Ostufer Schiffsanlegestelle bis Obertraun


Tauchzeiten:

08:00 bis 17:00
Sommerzeit:
09:00 bis 18:00
Tauchplatzkarte Hallstätter See
Click zum Vergrössern
© by Arge-Tauchen Österreich
(mit freundlicher Genehmigung)


Nachttauchen:

Nachttauchgänge sind (siehe Tauchzeiten) offiziell verboten.

Eistauchen:

Der Hallstättersee ist ein optimales Gewässer zum Eistauchen, da er im Winter recht zuverlässig zumindest teilweise zufriert.
Weitere Infos bei den örtlichen Tauchschulen!

Steeg bis Öfen:

Einstiege bei den Parkplätzen südlich von Steeg; beim Tauchplatz Öfen befindet sich eine Einkehrstube, die im Sommerhalbjahr geöffnet hat. Hier bieten sich vornehmlich Übungs- und Flachwassertauchgänge an. Der Flachbereich ist schön bewachsen. Je nach Jahreszeit ist viel Fisch anzutreffen.

Gosauzwang:

Zutritt nach Anmeldung beim Tauch- und Freizeitzentrum der Familie Funk.
Es bietet sich an, nach rechts zu tauchen und oberhalb von 28m zu bleiben (darunter sind vereinzelt Aalrutten anzutreffen, diese jedoch zumeist jenseits von 40 m).
Zwei Autowracks in 23 und 15 m Tiefe. Verschiedene Übungsplattformen, ein Motorradrahmen sowie eine Plätte (Fischerboot aus der Region) sind zu finden. Ein paar Meter südlich der Zille ist ein behauener Holzpfahl, der mit Süßwasserschwamm bewachsen ist.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Igli begleitete uns ein Stückchen bis zum Autowrack in der Gosaumühle

Pfaffenpfühl (Weiße Wand):

Nur von 1.05. bis 30.09.!
Mein Favorit! Gleich beim ersten Parkplatz nach der Abzweigung Richtung Gosau (Fahrtrichtung Hallstatt) links parken. Einstieg dann mittels kleiner Kraxelei oder direkt durch den Gosaubach. Richtung Süden erstreckt sich die Steilwand kilometerweit bis Hallstatt.
Dieser erste Abschnitt der erwähnten Steilwand fällt senkrecht auf bis unter 30 Meter ab und ist wunderschön geformt, gerundet und über und über mit weißem Kalksteinsediment bedeckt. Ein Gefühl, wie an einer italienischen oder französischen Kathedrale aus weißem Marmor vorbei zu schweben!

Hundsort:

In dieser engen Kurve über dem See rüsteten Ende des 2. Weltkrieges deutsche Truppen ab und warfen alles, das nicht mehr gebraucht wurde oder verfänglich war in den See. Diese Munitionshalde wurde in den 70ern und 80ern systematisch abgeräumt bzw. rutschte am Steilhang tiefer in den See ab.
Bei der Abzweigung Gosau/Hallstatt Richtung Hallstatt abbiegen. Nach ca. 2,5 km befinden sich rechts unmittelbar hintereinander zwei Parkbuchten. Genau dazwischen, auf der linken Seite, befindet sich der Zugang. Unten ist ein Sprungturm (ehem. Wasserschischanze) zu sehen, dorthin führt uns der steile Abstieg.
Von dort taucht man nach rechts im Seichtbereich bis zur phänomenalen Steilwand. Ein Stück weiter beginnt eine Geröllhalde, die seinerzeit wohl als illegale Entsorgungsstätte der Anwohner genutzt wurde... Autoreifen, ein Herd, eine Mikrowelle (vermutlich nicht mehr funktionstüchtig) prägen den unwirklichen, aber dennoch reizvollen Eindruck.
Da der Einstieg über Privatgelände erfolgt, ist unbedingt die Genehmigung des Eigentümers vor dem Tauchgang einzuholen. Alternativ bietet es sich an, diesen Tauchplatz mit dem Boot zu erreichen. Bequemer als der recht steile Steig auf und ab ist das allemal.

(Hallstatt)

Im eigentlichen Ortsgebiet von Hallstatt herrscht immer noch ein strenges - und ausgeschildertes - Tauchverbot! Dies wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern.
Ich hatte 1996 die Möglichkeit, hier - unter Polizeiaufsicht! - zu tauchen. Ein einheimischer Fischer hatte den Anker seiner Salzplätte verloren und bat mich um Hilfe. Den Anker hab ich damals übrigens zwar leider nicht gefunden, aber den Tauchgang sehr genossen! Unglaublich! Der Seegrund vor Hallstatt ist mit Zivilisationsmüll aus wohl mehr als zwei Jahrtausenden über und über bedeckt...

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Blick auf Hallstatt

Zauner:

Ausbildungsgelände der Tauchschule "Tauchpark Dachstein- Salzkammergut" bei der Badeinsel. Neben Plattformen befindet sich hier ein Teil eines ehemaligen Ausflugsdampfers als Attraktion für Taucher.
Bei der Badeinsel befanden sich vor einigen Jahren noch Kisten mit MG-Munition!

Kessel:

Hier, wie auch am folgenden Tauchplatz, ist die Beschilderung durch die ARGE irreführend. Auf dem Schild steht zwar Hirschbrunn/Kesselbach, in der Tat handelt es sich jedoch um den Tauchplatz Kessel. Bequemer Einstieg, Schöner Flachbereich. Nach links erreicht man nach 10-15 Minuten die Quellbereiche. Das Wasser ist klar, jedoch eiskalt. Für eine Erfrischung sorgt es bestimmt.

Gallertartige Moostierchen - Tauchführer Hallstätter See
Kolonien gallertartige Moostierchen

Landbettler:

(beschriftet zurzeit als Badeplatz Kessel)
Von Hallstatt kommend ist links ein Parkplatz mit einer Bronzestatue.
Große Badewiese mit ausreichend Parkplätzen. Links liegt in 27 Metern ein VW-Bus-Wrack, zu dem auch eine Leine führt, sowie ein nicht mehr zu identifizierender Pkw, der einer Aalrutte als Heimstatt zu dienen scheint. Sehr schöne Steilwand.

Obertraun:

Hier soll sich die beeindruckende "Rote Wand" befinden.

Höhlentauchen:

Der "Kessel" ist ein bekannter und recht leicht zugänglicher Tauchplatz für ausgebildete Höhlentaucher. Dieser sollte auch nur solchen vorbehalten bleiben, daher werden wir auch hier nicht weiter darauf eingehen.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Einstieg „Kessel“

Im porösen Kalksteingebirge um den Hallstättersee befinden sich noch weitere betauchbare Höhlen.

Ostufer:

Nur ein Wanderweg und die Eisenbahntrasse/Tunnels führt am Ostufer des Hallstättersees an den steilen Abhängen des Sarsteins entlang. Tauchen ist also nur möglich, wenn man mit dem Boot hierher fährt, oder ein "zacher Hund" ist. Mit dem Auto gelangt man, von Steeg kommend, lediglich bis zum

Wanderwegstüberl:

Am Tauchplatz selbst ist Parkverbot, jedoch ist kurzes Halten zum Ausladen möglich. Das Fahrzeug ist dann ein paar hundert Meter weiter oben zu parken (sofern nicht belegt).
Schön bewachsener Flachbereich, ansonsten ein gänzlich unspektakulärer Tauchplatz. Nach (persönlicher) Einschätzung der Autoren wird dieser Tauchplatz lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt.

Tauchverbotszonen:

Permanent nur mehr in Hallstatt sowie in Steeg

Tauchbasen/schulen und Füllmöglichkeiten:

Am bekanntesten dürfte "der Zauner" sein, heute in anderer Hand als "Tauchpark Dachstein- Salzkammergut" im Süden Hallstatts direkt am See.

Die Gosaumühle bei der Abzweigung Gosau/Hallstatt beherbergt das rustikal-liebenswerte "Tauch- und Freizeitcenter" mit angegliederten Gästezimmern.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Tauchertreffen in der Gosaumühle

In Obertraun, am Südende des Sees, befindet sich dann noch das Tauchhotel Wenk und Mountaindiving Vacek.

Seen in der Umgebung:

In etwa einer halben Autostunde erreicht man:
Attersee
Traunsee
Mondsee
Wolfgangsee
Altausseer See
Augstsee (Hochgebirgsseetauchen)
Grundlsee
Koppentraun (Fluss-Schnorcheln im Frühjahr)

Sonstiges/Programm für Nichttaucher:

Hallstatt ist eines der ältesten, permanent besiedelten Siedlungsgebiete Europas und UNESCO-Weltkulturerbe. Im achten Jahrhundert vor Christus nahm hier die so genannte Hallstattzeit in der späteren Eisenzeit ihren Ausgang.

Absolut sehenswert ist das prähistorische Museum sowie die Pfarrkirche mit dem weltberühmten Beinhaus/Karner, in dem die unzähligen bemalten Totenschädel aufbewahrt werden.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Blick auf das historische Zentrum von Hallstatt

Dieses bekannte Fotomotiv auf Hallstatt mit katholischer und evangelischer Kirche findet man übrigens, wenn man der Uferstrasse bergauf nach Norden folgt.

Am Salzberg (Standseilbahn) befindet sich das berühmte Gräberfeld aus dem fünften Jahrtausend vor Christus, das Bergmeister Johann Georg Ramsauer 1846 systematisch und akribisch ausgrub, dokumentierte und erforschte. Vom Rudolfsturm am Salzberg aus hat man einen grandiosen Ausblick runter auf Hallstatt, das sich an die steilen Felswände schmiegt. Der berühmte, klassische Reisende Alexander von Humboldt nannte Hallstatt "den schönsten Seeort der Welt".

Parkplätze sind in Hallstatt selbst übrigens rar - man benötigt zudem ein Ticket, um die Schranken zu passieren. Ergo parkt man am besten am Parkplatz zwischen den Tunnels der Umfahrung oder am Parkplatz am südlichen Ortsende. (Gebührenpflichtig!)

Gewitter haben hier übrigens ihren ganz besonderen "Reiz". Der Donner wird von den steil aufragenden Bergen rund um den See vielfach als Echo reflektiert. Sonne selbst hat man in Hallstatt nur in der ersten Tageshälfte, dann verschwindet die Sonne hinter dem Dachsteinmassiv. Im Winter selbst (bis Maria Lichtmess) bekommt Hallstatt die Sonne gar nicht zu sehen, da es im Winterschatten des Dachsteinmassivs liegt.
Während sich tagsüber Touristen aus der ganzen Welt in Hallstatt tummeln, ist es abends und nächtens recht ruhig. Sehr ruhig...
Ich hab in meiner "Hallstattzeit" übrigens immer gut, günstig und traditionell beim "Seethaler" übernachtet.

Tauchführer Hallstätter See - Taucher.Net
Herbst am See

In Obertraun führt die Dachsteinseilbahn hoch. Bei der Bergstation in 1.462 m befinden sich die Rieseneishöhle, Koppenbrüller- und die Mammuthöhle. Alles absolute (aber nicht ganz billige) und empfehlenswerte Sehenswürdigkeiten in der Region!

Literaturempfehlung:

Tauchreiseführer Österreich, von Wolfgang Pölzer

Nützliche Links:

Tourismusinfos
Bericht über ARGE Tauchen und Dive-Card
Arge-Tauchen
TSVÖ
Tauchmuseum Hallstatt
Sichtweiten Österreich
Hallstatt- Wikipedia

© 2005 by Harald Mathä und Oliver Mühlenbein- Keinerlei Gewähr!
© Bilder by Oliver Mühlenbein und Harald Mathä
© Unterwasserbilder by Helmut Ebner und Sabine (mit freundlicher Genehmigung)
© Karte by ARGE-Tauchen Österreich (mit freundlicher Genehmigung)


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