| Text © 2006 Oliver Meise
Wohin bloß mit der Ausrüstung? Das hat sicherlich hie und
da schon einer von uns gedacht. Speziell wenn`s ein bissl in Richtung Tek
mit dem Tauchgang ging. Noch ne Lampe, noch ein Redundanzregler und die
Stageflaschen erst - alles ein bisschen schwer und sperrig für ein
Hobby das eigentlich Spaß machen soll. Da kommt dann schon mal der
ein oder andere ins schwärmerische Grübeln. Wie wäre es
wenn man für solche Zwecke noch einen Tauchgehilfengehilfen dabei
hätte? Wäre zwar ein armes Schwein, aber man würde ihn ja
auch fürstlich entlohnen. Oder vielleicht stände dort am Ufer
ja schon eine umwerfende Blondine, die gerade nichts Besseres zu tun hätte
als einem jeden Wunsch von den Augen abzulesen :-) Aber spätestens
sobald "Mann" am Gewässer ankommt, zerplatzen solche Träume und
"Mann" muss sich was anderes einfallen lassen. Einer der in Tauchsachen
besonders einfallsreich Alternativen zum schweren Schleppen gefunden hat,
ist Käptn Küster.
Von sich selbst sagt der 54-jährige Reinhard Küster aus Potsdam:
Meine angekurbelten Betriebe habe ich meine Söhne übergeben.
Durch die Übergabe der Betriebe hatte ich nichts mehr zu sagen und
damit kam die Langeweile.
Aber Langeweile ist nichts für Reinhard Küster. Schon recht
bald hatte er am Frühstückstisch seine erste Idee:
Photo ©
2001 Küster
Aus so einer doppelten Untertasse mit nem Ei drauf müsste
sich doch was machen lassen - beides sehr druckfeste Formen. Schnell entstand
ein erstes Modell.
Photo ©
2001 Küster
Nach weiterem Nachdenken entstanden die ersten Geheimpläne.
Photo ©
2001 Küster
Dann ging es schon in medias res. Druckkörper wurde ein Warmwasserspeicher
für Großwohnanlagen. Volumen: 1.499 Liter.
Photo ©
2002 Küster
Der hatte unten noch Standfüße dran. Damit man sich schon
mal was drunter vorstellen konnte, simulierten große Deckel oben
drauf die Luken.
Erster Arbeitsgang: Flexen !
Photo ©
2002 Küster
Ratz-Fatz waren die Standbeine ab und oben zwei Öffnungen in den
6mm dicken Stahl geschnitten. Nun wurde der erste Domschacht für den
Ausstieg eingepasst. Schwager Gregor war fassungslos!
Photo ©
2002 Küster
Langsam nahm alles Gestalt an. Die ganze Familie packte mit an. Söhne,
Ehefrau, Tochter und zahlreiche Verwandte, Freunde und Kollegen machten
mobil. Ein zweiter Domschacht wurde eingebaut. Außerdem kam die Flex
wieder zu Ehren. Aus einem Druckbehälter mit geringerem Durchmesser
als der Warmwasserspeicher wurde der linke Satteltank passgenau herausgeschnitten.
Photo ©
2002 Küster
Ein erster "Roll-Out" zeigte das Bauvorhaben mit einem Spitzkegelheck, Standkufen
und Heckantrieb. Was noch fehlte, war zB. der rechte Satteltank.
Photo ©
2002 Küster
In dieser Aufnahme von schräg vorn ist der bereits angebrachte
linke Satteltank gut zu sehen.
Photo ©
2002 Küster
Ein ungelöstes Problem stellten die Luks und die geplanten drucksicheren
Fenster in den Domschächten dar. Hier half ein wenig Werksspionage
bei der Kriegsmarine.
Photo ©
2002 Küster
Mittlerweile war auch der rechte Satteltank fertig geworden und das
Tauchboot erstrahlte in einer einheitlichen Grundierungsfarbe.
Photo ©
2002 Küster
Bei einem zweiten Roll-Out machte es schon einen sehr guten Eindruck.
Photo ©
2002 Küster
Nach weiteren Arbeiten war das Boot schwimmfähig und hatte einen
letzten Anstrich erhalten.
Photo ©
2002 Küster
Nun musste es das erste Mal beweisen, ob es auf dem Wasser zurechtkam.
Zu diesem Zweck wurde es in ein Becken gehievt.
Photo ©
2003 Küster
Es schwamm tatsächlich!
Photo ©
2003 Küster
Obendrein hielt es auch noch einiges an Gewicht aus. Kein Wunder. In
jedem Satteltank befindet sich ja auch eine 400L große Tauchzelle
mit dem entsprechenden Auftriebsvermögen.
Photo ©
2003 Küster
Auch innen drin war genug Platz.
Photo ©
2003 Küster
Jetzt musste nur noch die Sache mit den Luken und Fenstern klariert
werden.
Photo ©
2003 Küster
Geplant war, nicht nur in die Domschächte Fenster einzubringen,
sondern auch vorne ein großes Panoramafenster in die Nase des Warmwasserspeichers
einzubauen. Das Fenster selbst war recht schnell gefunden.
Photo ©
2003 Küster
Nach Überwindung einiger Hürden war es aber dann ebenso eingebaut,
wie auch die Fenster in den Domschächten.
Photo ©
2003 Küster
Wieder einmal hatte das Tauchboot einen neuen Anstrich bekommen. Diesmal
wollte es der TÜV gerne so haben. Als nächstes wurden die Luks
mit den Fenstern in Angriff genommen.
Photo ©
2003 Küster
Auch diese wurden konstruktiv gelöst. Es musste nur noch eine 20L-Regelzelle zum Einleiten des Auf- und Abtauchvorgangs her.
Aber auch diese bekam fertig.
Photo ©
2003 Küster
Nach Einbau der Regelzelle und einigen Feinarbeiten wurde das Tauchboot
wieder in das Becken gesetzt.
Photo ©
2004 Küster
Unter Anwesenheit eines Teams vom Potsdamer TV sollte ein Probetauchen
vorgenommen werden.
Photo ©
2004 Küster
Was auch gelang.
Photo ©
2004 Küster
Genauso wie das Auftauchen natürlich :-)
Photo ©
2004 Küster
Da der Antrieb und die Luken noch nicht zufrieden stellten, wurde weiter
am Tauchboot gebaut. Letzten Samstag wurde das dann 1.495kg schwere Tauchboot
von Käpt'n Küster am Kreidesee von Hemmoor einem ersten Drucktest
von 40m unterzogen.
Photo © 2006 Oliver Meise
Im Vordergrund befindet sieht man hier ein älteres Tauchbootmodell.
Es handelt sich dabei um die "Sgt. Pepper" von Carsten Standfuß von
den Euronauten.
Schaut man sich das Tauchboot von Käptn Küster genauer an,
fallen einem zahlreiche Änderungen auf.
Photo © 2006 Oliver Meise
Nicht nur, dass es jetzt wieder ein Signalrotes Kleid trägt
und offensichtlich auf den Namen "Nemo" getauft wurde, sondern auch so
einiges an Kabelführungen außen auf dem Rumpf -zumeist entlang
der Schweißnähte der Satteltanks.
Photo © 2006 Oliver Meise
Dies sind die Strom- und Steuerkabel für den Schiffsantrieb sowie
für die Unterwasserscheinwerfer.
Die Nemo verfügt über insgesamt drei Antriebe. Zwei vorne
an jeder Schiffsseite, hier vorne rechts, ....
Photo © 2006 Oliver Meise
...und einen am Heck. Dies sind alles 0,5kw starke 12V-Motore, gespeist
aus drei 100Ah leistenden NICD-Akkus.
Photo © 2006 Oliver Meise
Die Luks wurden weiter verbessert und verfügen nun über einen
neuen Schließmechanismus.
Photo © 2006 Oliver Meise
Interessant: die Unterbringung von jeweils einer großen Gasspeicherflasche
in jedem der beiden Satteltanks. Jeweils 40L Press- und 40L Atemluft.
Photo © 2006 Oliver Meise
Ein neues Sicherheitsfeature: der abwerfbare Ballastkiel unter der Nemo.
Photo © 2006 Oliver Meise
Sollte die Nemo das heute brauchen? Mal schaun... Zunächst
mußte die 2,80m lange und 1,70m breite Nemo erst mal ins Wasser
gebracht werden. Mittlerweile hatten sich auch der RBB und der NDR als Zaungast
eingefunden. Zum in-den-See-schubsen der Nemo war die Slipanlage
am See recht praktisch. Zunächst wurde der Hänger mit dem Tauchboot
vom Zugwagen Richtung Wasser gefahren....
Photo © 2006 Gunther Maassen
Dann wurde die Nemo abgekuppelt und am Gewässer abgestellt.
Photo © 2006 Oliver Meise
Das Aufschwimmen des Tauchbootes geschah einfach und zügig. Im
Rückwärtsgang verholte die Nemo in etwas tiefere Gefilde.
Photo © 2006 Oliver Meise
Zu Aufnahme des Copiloten kam das Tauchboot dann längsseits des
Schwimmstegs.
Photo © 2006 Oliver Meise
Hierbei konnte man etwas in das Boot reinlugen.
Photo © 2006 Oliver Meise
Dann legte es mit dem Copiloten ab, zum ersten Trimmtauchgang.
Photo © 2006 Oliver Meise
Es folgte das Abtauchen ganz in der Nähe des Stegs.
Photo © 2006 Oliver Meise
Dann tauchte es wieder auf ...
Photo © 2006 Oliver Meise
... und fuhr wieder an den Steg heran.
Photo © 2006 Oliver Meise
Scheinbar hatte die Trimmung nicht gestimmt. Dies wurde nun korrigiert,
indem unterschiedliche Bleigewichte in die oben offenen Satteltanks gegeben
wurden.
Photo © 2006 Oliver Meise
Nun legte das Boot wieder ab....
Photo © 2006 Oliver Meise
....und entschwand in Richtung Rüttler um dort seinen Tieftauchversuch
zu machen. Mit an Bord: eine Taucher.Net-Kamera. Mario Küster war
so freundlich, unterwegs einige Bilder für TN zu schießen.
Die Perspektive des vorderen Nemo-Piloten kurz über dem
Seegrund sieht so aus:
Photo ©
2006 Mario Küster
Links an der Wand ein paar Bedienungsarmaturen, daneben ein Haken mit
der Tauchbrille für den Notausstieg, der Antriebsstick für die
Richtungsvorgaben der E-Motoren und vorne an der Scheibe eine UW-Kamera
zur Übermittlung von Bildern an die Wasseroberfläche. Draußen
vor der Scheibe, gut im Blickfeld des Nemo-Piloten, ein Tiefenmesser.
Photo ©
2006 Mario Küster
Da auch das Tauchboot Sgt. Peppers einem Drucktest unterzogen
wurde, war es nicht verwunderlich, dass beide Tauchboote sich unter
Wasser begegneten. Zuerst sah die Crew der Nemo nur die beiden vorderen
Außenscheinwerfer der Sgt. Peppers.
Photo ©
2006 Mario Küster
Dann kam auch das andere Boot selbst in Sicht.
Photo ©
2006 Mario Küster
Friedlich zogen beide Boote ihres Weges. Die Nemo absolvierte
ihre Tieftauchübung mit Bravour und kehrte ohne Zwischenfälle
zurück zum Anleger.
Photo © 2006 Oliver Meise
Dort hörten wir von dem gelungenen Tauchgang und freuten uns für
die Nemo-Crew.
Photo © 2006 Oliver Meise
Wir wünschen dem Nemo-Team noch viele schöne Tauchgänge
und wünschen Reinhard Küster, dass er noch möglichst
viele weitere so schöne Tauchideen verwirklichen möge! |