Gruppenführung
von Andreas Nowotny
Unterwasser herrscht keine Demokratie. Egal ob 2er Buddyteam oder größere
Tauchgruppe, einer muss die Gruppe führen.
Dabei kommt dem Gruppenführer durchaus einiges an Verantwortung zu,
denn er ist nicht nur der Navigator, sondern muss auch auf den Zusammenhalt
der Gruppe achten und auf Zwischenfälle kompetent reagieren.
Aber zu
einer Gruppe gehören natürlich auch noch die anderen Taucher. Mit dieser kurzen Übersicht wollen wir Euch einige Methoden möglicher Formationen beim Gruppentauchen vorstellen - die es ermöglichen auch bei größeren Gruppen "Übersicht" zu wahren.
Rollen & Aufgaben
- Gruppenführer
- Diese Rolle sollte von einem Taucher ausgefüllt werden, der mehrere
der folgenden Kriterien erfüllt:
Er sollte ein erfahrener Taucher sein,
- der Übung darin hat Gruppen zu leiten
- der auch größere Gruppen unter Wasser
zusammenhalten kann
- der auch in Notsituationen kompetent reagiert
- der gut Navigieren kann
- der herrvoragende Kenntnisse von dem Tauchgewässer
hat
Der Gruppenleiter steigt als erster ins Gewässer ein und taucht als
erster ab (wobei er sich natürlich nicht von der Gruppe entfernt), um
bei Problemen sofort zur Stelle zu sein. Er übernimmt die Führung
und taucht als erster wieder aus. Am Schluss überprüft er noch einmal
die Vollständig der Tauchgruppe.
- Schlussmann
- Diese Rolle bildet das Gegenstück zum Gruppenführer. Er geht
als letzter ins Gewässer und taucht als letzter ab und auf und verlässt
auch als letzter das Wasser. Ab dem Abstieg bis zum Austauchen bleibt er das
Schlusslicht der Tauchgruppe und spielt "Lumpensammler", d.h. er achtet darauf,
dass sich kein Taucher von der Gruppe entfernt oder zurückbleibt.
Sollte es ein Problem geben, um das sich der Gruppenleiter kümmern
muss, übernimmt der Schlussman die Leitung und führt, je nach Zwischenfall,
den Tauchgang weiter oder die Gruppe zurück zum Einstieg.
- Gruppenmitglieder
- Alle anderen Taucher der Gruppe ordnen sich den Weisungen von Gruppenleiter
und Schlussman unter. Ihre einzige weitere Aufgabe besteht darin, sich um
ihren Buddy zu kümmern, denn auch bei einem geführten Tauchgang
mit Gruppenleiter und Schlussman bleibt Tauchen ein Partnersport, bei dem
jeder Taucher Verantwortung für seinen Buddy trägt.
Formationen
Wenn zwei Buddys miteinander tauchen ist die Formation klar - einer taucht
links, der andere rechts. Aber schon bei drei Tauchern steht man vor der Entscheidung,
wie man sich anordnen soll - der Gruppenführer in der Mitte oder am
Rand?
1) Die 3er Gruppe
Bei dieser Konstellation taucht der Gruppenleiter (1) in der Mitte, links
und rechts von ihm die beiden anderen Taucher (2 + 3). Der Gruppenleiter hat
in diesem Fall zwei direkte Buddys, die beiden anderen Taucher nur einen -
den Gruppenleiter.
Wichtig bei dieser Konstellation ist, dass beide Taucher nahe beim Gruppenleiter
bleiben, um ihm das Kontrollieren seiner Tauchpartner zu erleichtern.
2) Die 4er Gruppe (Variante A)
Bei dieser Konstellation tauchen zwei Buddyteams zusammen - Gruppenführer
(1) & Buddy (2) und Schlussmann (4) & Buddy (3).
Hier achtet der Gruppenführer auf seinen Buddy und die Navigation,
der Schlussmann auf den Gruppenführer und seinen eigenen Buddy. Diese
Variante empfehle ich besonders bei schwierigeren Tauchverhältnissen
(z.B. schlechte Sicht), weil jeder Taucher einen festen Buddy hat. Man kann
bei erfahrenen Tauchern auch ausmachen, dass der Tauchgang unabhängig
voneinander fortgeführt wird, wenn sich die 2er-Teams aus den Augen verlieren.
Wichtig: Dies muss vor dem Tauchgang
vereinbart wird.
3) Die 4er Gruppe (Variante B)
In diesem Fall gibt es einen Gruppenführer (1), gefolgt von einem
(Pseudo-)Buddypaar (2 + 3) und dem Schlussmann (4).
Obwohl der Gruppenführer die beiden Taucher links und rechts im Auge
behalten soll, ist der eigentliche Aufpasser der Schlussmann, der dafür
sorgt, dass die Gruppe beieinander bleibt.
Das Problem ist schnell ersichtlich: Wer passt auf den Schlussmann auf?
Dies muss auf jeden Fall vor dem Tauchgang festgelegt werden. Diese Variante
ist eher für Tauchgänge bei guten Sichtverhältnissen geeignet,
wo alle Taucher Blickkontakt haltn können.
4) Die 5er Gruppe (Variante A)
Diese Konstellation besteht aus einem 3er- und einem 2er-Team. An der Spitze
des 3er-Teams befindet sich der Gruppenleiter (1), der Kontakt zu seinen
Buddys (2 + 3) hält. Im 2er-Team folgt dann Buddy (4) und Schlussmann
(5).
Der Schlussmann behält seinen Buddy im Auge, aber auch den Gruppenleiter
und dessen Buddys. Auch hier kann man bei erfahrenen Tauchern ausmachen, dass
der Tauchgang unabhängig voneinander fortgeführt wird, wenn sich
3er- und 2er-Teams aus den Augen verlieren.
Wichtig: Dies muss vor dem Tauchgang
vereinbart wird.
5) Die 5er Gruppe (Variante B)
In dieser Formation gibt es ein 2er-Buddyteam bestehend aus dem Gruppenleiter
(1) und seinem Buddy (2), einem weiteren 2er-Buddyteam (3 + 4), gefolgt vom
Schlussmann.
Dies ist eine gute Formation für größere Gruppen mit ungerader
Teilnehmerzahl (wenn die Sicht gut ist), weil bis auf den Schlussmann alle
Taucher genau einen direkten Buddy haben. Diese Formation ist deshalb auch
häufig bei von Guides geführten Tauchgängen zu finden.
6) Die 6er Gruppe
Hier tauchen zwei 3er-Teams in "<>"-Formation. Das erste Team wird
angeführt vom Gruppenleiter (1), links und rechts kurz hinter ihm seine
beiden Buddys (2 + 3). Dann kommen die beiden Buddys (4 + 5) des Schlussmanns,
in der Mitte leicht versetzt nach hinten dann er selbst (6).
Diese Konstellation etwas verschoben bietet die Basis für größere
Gruppen mit einer geraden Anzahl von Tauchern. Vorneweg taucht der Gruppenleiter,
gefolgt von den jeweiligen 2er-Buddyteams und am Ende der Schlussmann.
© 2006 - Andreas Nowotny