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Portrait: Dos Winkel
Der Holländer Dos Winkel ist einer der bekanntesten Unterwasserfotografen
Europas, der auch weltweit einen hervorragenden Ruf besitzt. Besucher der
"Boot 2006" in Düsseldorf hatten die Möglichkeit mehrere Vorträge
von ihm zu hören und seine Bilder zu sehen. Am Taucher.Net Stand E93
bestand ferner die Möglichkeit, ihn persönlich kennen zu lernen.
Mehr als ein Grund also, ihn um ein Interview zu ersuchen.
Das Interview führte Harald Mathä
Hallo Dos, kannst Du uns ein paar Angaben zu deiner Person geben?
Dos Winkel
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Ich bin 58 Jahre alt und wohne seit einigen Jahren
(wieder) in Belgien. Vorher wohnten meine Frau Bertie (international anerkannte
Kulturfotografin, vor allem Portraits von tribalen* Menschen – siehe
unsere Homepage)
und ich auf der karibischen Insel Bonaire, wo wir auch eine Tauchschule hatten.
Wir sind seit 37 Jahre verheiratet und reisen auch zusammen schon seit 37
Jahre um die ganze Welt. (*tribal= In Stämmen zusammen lebend!)
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Du hast über lange Zeit auf den Niederländischen Antillen in
der Karibik gelebt. Kannst Du uns darüber etwas erzählen?
Das erste Mal, das wir Bonaire besuchten war vor 24 Jahren. Die Insel war
(und ist) so schön und ruhig und das Tauchen ist immer noch so hervorragend,
dass wir dort Land gekauft haben und einige Jahre später auch ein Haus
gebaut haben- direkt am Meer! 10 Jahre lang haben wir dort gewohnt und sahen
regelmäßig die Delphine an unserem Haus vorbei schwimmen.
Unsere Tauchschule
gibt es noch immer, aber jetzt sind wir nur noch zu 10% Inhaber.
Da wir soviel reisen und fotografieren, ist es nicht immer einfach, auf einer
kleinen Insel alle Dias zu entwickeln (oft Stromausfall) und neue Reisen
vorzubereiten. Deswegen sind wir letztendlich nach Belgien zurückgekehrt.
Seit wann tauchst Du und welche Ausbildung hast Du gemacht?
Zu tauchen habe ich in 1982 angefangen. Ich war auf der Insel Aruba, wo ich
die Ärzte und Physiotherapeuten im medizinischen Fachgebiet der Orthopädie
unterrichtete. Eine Freundin fragte uns dann, ob wir Lust hätten, mit
ihr tauchen zu gehen. Ich bekam 5 Minuten „Unterricht“, blieb 45 Minuten
Unterwasser und wusste, dass mein Leben für immer anders aussehen wurde…!
Auf Bonaire habe ich dann mit meiner Tochter Femke eine PADI-Ausbildung gemacht,
Open Water. Dann Advanced Open Water und später noch den Rescue Diver.
Vor ein paar Jahren dann auch noch eine Nitroxausbildung. Selbst habe ich
viele Kurse in Unterwasserfotografie gegeben.
Nitrox, Trimix, Rebreather?
Bis jetzt nur Nitrox.
Seit wann fotografierst Du Unterwasser?
Sofort nach meiner Open Water Ausbildung habe ich mit Unterwasserfotografie
angefangen. Über Wasser fotografierte ich schon (fast) mein ganzes Leben
lang, speziell Naturfotographie.
Welche Auszeichnungen/Preise haben Deine Bilder bisher bekommen?
Viele, aber der erste Preis (Portfolio) bei Dive Sights 2001 hat mich am
meisten gefreut. Das war nämlich die alternative Competition für
BBC-Wildlife, aber dann nur Unterwasserfotografie. Damals waren die Unterwasserfotografen
nicht sehr froh mit den Beurteilungen von den Unterwasserfotos, und haben
dann eine eigene Competition organisiert.
Auch bin ich sehr glücklich mit den Preisen die die Fernsehdokumentarfilme
mit mir als Hauptperson gewonnen haben:
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New York Film Festival, 2002 – Third Prize/Bronze
World Medal with Eye on Peru – Jungle Worlds
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Los Angelas Film Festival, 2002 – First Prize/Golden
Camera, Award with Eye on Peru – Jungle Worlds
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New York Film Festival, 2003 – Gold World Medal with
Eye on Kenia
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Los Angeles Film Festival, 2004 - First Prize/Golden
Camera, Award with Eye on Kenya
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Seit einigen Jahren nehme ich – außer BBC-Wildlife – nicht mehr
an Wettbewerben teil; hingegen bin ich sehr oft Mitglied im Preisrichterkollegium.
Was ist Dein persönliches Lieblingsfoto?
Ich habe nicht ein einzelnes Lieblingsfoto, aber mehrere. Obwohl ich viel
Weitwinkelfotos habe, bin ich mehr begeistert von den sehr kleinen Motiven.
Was machst Du noch außer Deiner Tätigkeit als UW-Fotograf?
Wie oben schon erwähnt, reisen und fotografieren Bertie und ich sehr
viel und publizieren in vielen Zeitschriften; meistens Naturfotografie und
Kulturfotografie (Stämmen aus Amazonien, Afrika, Asien und Melanesien;
siehe unsere Website).
Weiter bin ich zwar als orthopädischer Physiotherapeut pensioniert,
aber sehe doch noch sehr regelmäßig Problempatienten. Auch arbeite
ich noch als Redakteur an orthopädischen Büchern.
Dein Buch "Wunder der Tiefe" haben wir den Besuchern von Taucher.Net
schon 2005 vorgestellt. Welche Bücher hast Du noch geschrieben?
Etwa 60 orthopädische Bücher und 7 Bücher (auch mit Unterwasserfotos)
über den Inseln der Niederländischen Antillen (Aruba, Bonaire,
Curaçao, St. Maarten, Saba und St. Eustatius).
Sind weitere Bücher in Arbeit bzw. in Planung?
"Wunder der Tiefe" ist Teil 1 einer Trilogie. Teil 2 erscheint 2007 und Teil 3 2009.
Weiter arbeiten wir an einem sehr schönen Buch über Porträts
von tribalen Menschen und ferner an einem neuen Buch über Bonaire.
Was sind die für Dich schönsten Tauchplätze auf den ABC*
Inseln?
(*ABC Inseln= Aruba, Bonaire, Curaçao, die Inseln unter dem Wind)
Obwohl Aruba und Curaçao einige schöne Tauchplätze haben,
ist Bonaire mit Abstand „the place to be“. Das kommt daher, weil die Unterwasserwelt
von Bonaire seit 25 Jahren geschützt wird (Bonaire Marine Park). Bonaire
hat wirklich alles: Sehr klare Sicht (zirka 40 Meter), Wracks, Mangroven
u.s.w.
-in der restlichen Karibik?
Mit Abstand die Insel Saba, dann St. Eustatius.
-im Roten Meer?
Früher Sharm el-Sheikh, aber da gibt es heute leider viel zu viele Taucher
und es ist unglaublich viel kaputt gegangen. Jetzt die Brother Islands.
-im Indopazifik?
Lembeh Strait und Raja Ampat (West Papua).
-und dem Rest der Welt?
Meine spektakulärsten Tauchgänge waren im Titicaca See (auf 3814m
Höhe) in Peru und in den tropischen Regenwäldern von Französisch
Guyana und Peru.
Tauchst Du eigentlich auch in unseren Seen bzw. in Kaltwasser?
Nein, aber das Wasser im Titicaca See war damals nur 4 Grad Celsius kalt.
Das tauchen im Süden von Australien (Kangaroo Island und Tasmanien)
ist auch super und nur mäßig kalt (14-17 Grad).
Das für Dich beeindruckendste Wrack?
Der Windjammer auf Bonaire; fast 100 Jahre alt und liegt auf 60 Meter Tiefe.
Dein "Lieblingsfisch"?
Der Leafy Sea Dragon aus Süd Australien.
Leafy Sea Dragon
Mit welcher Ausrüstung fotografierst Du bevorzugt?
Ich arbeite (noch immer) analog, mit Nikon F90X und Nikon F5 in Subal Gehäusen.
Welchen Blitz verwendest Du?
Verschiedene Nikon Blitze: Nikonos SB 103 und SB105.
Was macht Deiner Meinung nach ein gutes UW-Bild aus?
Komposition (ich mache gerne fast abstrakte, künstlerische Bilder),
Belichtung, Schärfe und Originalität.
Was sollte man auf jeden Fall beim Fotografieren vermeiden?
Die Tiere zu berühren und im Allgemeinen die Umwelt zu stören oder
zerstören.
Wie siehst Du die explosionsartige Entwicklung der UW-Fotografie durch
die kleinen Digitalkameras?
Es ist natürlich schön, dass ein Jeder jetzt Unterwasser Bilder
machen kann, weil mit der Nachbearbeitung kann man immer noch aus einer „mäßigen“
Aufnahme etwas (relativ) schönes machen. Das größte Problem
ist aber, dass viel mehr Korallen und andere Unterwasserstrukturen kaputt
gehen, weil viele Taucher noch zu viele Probleme beim Tauchen haben und nicht
perfekt austariert sind.
Ein anderes „Problem“ ist dass ich jetzt oft höre „Oh ja, diesen Fisch
habe ich auch sehr schön fotografiert…“ Wenn man dann das Bild zu sehen
bekommt, ist die Qualität minus Null…! Anders gesagt: viele Menschen
sehen nicht, was echte fotografische Qualität und sogar Kunst ist!
Welchen Tipp würdest Du Einsteigern in die UW-Fotografie ganz besonders
ans Herz legen?
Zuerst muss man problemlos tauchen können- auch mit einem Gegenstand
in den Händen. Wenn man sich 100% sicher ist, kann man vorsichtig mit
fotografieren beginnen. Das finde ich so gut an Bonaire, weil dort die Tauchlehrer
schlechte Taucher nicht weiter tauchen lassen, sondern zuerst einen Tarierkurs
geben (das gehört zu den Regeln vom Marine Park).
Welche Eigenschaften schätzt Du an Tauchern/Buddies?
Ich tauche meistens alleine (das darf ich vielleicht nicht sagen…;-) oder
mit einem guten Führer, so wie in Lembeh Strait, Komodo oder Raja Ampat.
-und welche gar nicht?
Da ich gerne auf einem Quadratmeter tauche, habe ich andere Taucher am liebsten
nicht sehr nah, da diese oft meine Motive stören.
Welchen Lungenautomat benutzt Du bevorzugt?
Scubapro.
Welche Persönlichkeit aus der Tauchgeschichte beeindruckt Dich am
meisten?
Zwei Fotografen: David
Doubilet , aber vor allem Chris Newbert, weil er – so wie ich – gerne
künstlerische Aufnahmen macht.
Was war der beeindruckendste Tauchgang für Dich?
Mein erster Tauchgang im Titicaca See (da taucht normalerweise niemand).
Wir waren auf der Suche nach einem sehr grossen Frosch, der durch seine Haut
atmet. Ich habe darüber in der holländische
„Tauchen“ (= „Duiken“) im Februar 2006 publiziert.
Wo sind Deiner Meinung nach die Grenzen des normalen Sporttauchens?
Das Windjammer Wrack in Bonaire liegt auf 60 Meter. Ich habe das mehrmals
gemacht, aber halte es eigentlich für unverantwortlich! 30 Meter ist
OK, oder (viel) weniger wenn die Sicht sehr schlecht ist. Viele Menschen
geht es schlecht wenn sie nichts sehen, so dann ist jede Tiefe zu tief…!
Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?
Seitdem ich als orthopädischer Physiotherapeut pensioniert bin, ist
mein Leben nur noch Freizeit! Reisen, Fotografieren, Publizieren. Aber das
Allerschönste ist das Spielen mit meinen Enkelkindern!!!
Wo machst Du am liebsten Urlaub?
Urlaub ist Arbeit, ist Freizeit, ist u.s.w… In diesem Jahr reisen wir nach
Sudan, Alaska, in die Antarktis, Bonaire und nach Indien. Ich werde in West
Papua und Papua Neu Guinea auch tauchen. Alles gleich schön, aber immer
wieder anders!
Gibt es für Dich noch ein Traumreiseziel?
Nicht wirklich, aber ich hoffe, das Bertie und ich noch viele Jahre so leben
können, wie wir jetzt leben.
Wo würdest Du am liebsten leben?
Früher habe ich immer gesagt „auf Bonaire“, aber jetzt, wenn wir so
viel reisen, ist Belgien auch super.
Welches Buch liest Du gerade?
„Der Schwarm“ von Frank Schätzing – faszinierend!
Welche Musik hörst Du gerne?
Im allgemeinen Popmusik, aber auch Latin American Musik.
Der Leavy Sea Dragon im Portrait
Der für Dich beste Unterwasserfilm?
Die ganze Serie „Deep Blue“ von BBC
Welche Seite im www besuchst Du am häufigsten?
Google!
Ich danke Dir für das Interview!
Gerne geschehen!
Nützliche Links
Dos und Bertie
Winkel
Wunder der Tiefe
Boot 2006 Tagebuch
Reisebericht Saba und Statia
© 2006 by Harald Mathä
© Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Dos Winkel
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TIPP: | Du hast eine Frage und denkst dass Du mit dieser nicht der einzige bist? Dann schau mal in unser F.A.Q.! |
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20.07.2008 13:33 Taucher Online : 172 Heute 6618, ges. 27641263 Besucher
 
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Rubrik : Bücher

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